Liebe Ingrid,
Liebe Gabi,
es ist so schön von euch zu hören. Fühle mich dann einfach besser. Leider können wir uns nur virtuell austauschen, aber ich möchte nicht mehr darauf verzichten.
Hier lasse ich meinen Gefühlen freien Lauf, weil ich weiss, es geht euch ähnlich und ihr versteht meine Verzweiflung. Ihr habt auch denselben Leidensdruck.
Ingrid, in der Reha wird man versuchen dir zu helfen und dich unterstützen, mit deinem Verlust zu leben... einfach noch ein wenig zu leben...mit deinen Erinnerungen an früher weniger zu leiden... vielleicht sogar beim Erinnern leise, ganz leise, etwas glücklich zu sein.
Das wünsche ich dir und uns.
Gabi, ja es tut weh, die anderen zu hören und zu sehen. Aber ich wäre lieber etwas mehr unter Mitmenschen... bin wohl zuviel allein... verstehe aber, was du meinst.
Manchmal wird es mir dann plötzlich auch zu viel, wenn ich mal Besuch habe und das 5.Rad am Wagen bin.
Trotzdem geht es mir besser, wenn ich weiss, jemand kommt oder ich kann irgendwo hin.
Wie es zukünftig weiter gehen wird, macht mir Angst. Bei mir muss sich was ändern. So kann ich nicht und will ich nicht. Es ist ja schon fast ein Warten auf meinen Tod.
Denke manchmal: wenn es gar nicht mehr geht, ist es d i e Lösung, aber wie bewerkstelligen? Und was wird dann mit Amy?
Ich bin fast 65 Jahre alt... krank... lebensschwach... allein... Was soll denn noch lebenswertes kommen? Mir graust vor dem Gedanken womöglich 80 zu werden... im Heim zu "verrecken"... ohne Ansprache... ohne Zuwendung... ohne Liebe. Nur als Belastung empfunden zu werden....dieser Gedanke macht mich fertig.
Wie werde ich mich dann fühlen, wie unglücklich kann ich noch werden? Ist eine Steigerung eigentlich noch möglich?
Ich will es nicht wissen, aber habe totale Angst... Lebensangst... keine Todesangst...
LG Luise