Liebe Brija,
die reale Umgebung ist so eine Sache und kann schon zusätzlich belastend sein. Unverständnis, nichts wirklich wissen wollen, wann wirst Du endlich wieder "normal", wie lange soll das noch so gehen, das kennen wir glaube ich auch alle. Zum Glück habe ich die Geschwister von Andreas, wenn auch nur telefonisch oder per Mail. Aber das hilft doch sehr, weil sie Andreas genauso vermissen, und wissen wie es mir geht. Ihnen ist auch klar, daß das für mich nicht mehr anders wird. Aber wenigstens so eine Stütze haben ja wohl nicht alle hier, und das ist sehr bedauerlich. 
Trotzdem nimmt das natürlich nicht die Trauer, das ist auch klar. Und ich kenne alles was Du schreibst. Die langen öden Tage, und die Erleichterung wenn es Zeit ist ins Bett zu gehen, und das ganze Elend wenigstens für einige Stunden nicht spürbar ist. Aber es wird ja auch wieder Morgen, und dann fängt alles von vorne an. Irgendwie bewundere ich diejenigen, die sagen können ich trauere zwar, aber ich will auch weiterleben. Soweit bin ich noch lange nicht. Jeden Abend sage ich zu meinem lieben Andreas, komm mich doch bitte bald abholen, ich will nicht mehr ohne Dich. Aber offensichtlich muß ich noch warten. Und so warten wir gemeinsam, und versuchen uns so gut es eben geht zu stützen. Hoffe, Du kommst nachher auch zu Matthias, das wird uns wohl ein wenig aufmuntern.
Ganz liebe 
Lilifee