Heute will ich Euch erzählen von einem Abend in der letzten Woche.
Ich hörte und höre sehr gern früher über CDs und heute meist bei Youtube Phantasiereisen oder Suggestionen.
Und an dem Abend habe ich versucht mir eine eigene Geschichte auszudenken.
Ich habe auf dem Rücken im Bett gelegen. Meine Hände gefaltet auf dem Bauch. Ich lag so wie mein Ralf als ich ihn das letzte Mal gesehen habe. Tot im Krankenhaus.
Und dann habe ich mir vorgestellt ich stehe vor einer Himmelstreppe.

Meine Hunde sind bei mir und ich gehe langsam hinauf. Jack, unser kleiner Windhund läuft vorweg. Neben mir Chelsea, meine älteste Hündin. Dann Romeo, der kleine Schwarze und ein zwei Stufen hinter mir Mambo. Der inzwischen blind ist.
Wir gehen langsam und stetig diese Treppe hinauf. Die Stufen sind nicht sehr hoch.
Je höher wir kommen um so weniger ist es beschwerlich. Ich gerate eigentlich beim Treppe steigen schnell aus der Puste. Aber auf dieser Treppe nicht. Dort gehen ja auch sehr Kranke hinauf. Es ist ganz einfach. Wie Zauberei. Mühelos.
Nach einer Weile, wobei ich immer darauf achte und mich umdrehe daß wir zusammen bleiben, kommen wir dem Treppeende immer näher.
Jack rennt voraus weil er ihn schon gesehen hat.
Ralf kommt am Eingang aus einem Tor, was offen steht heraus und wartet auf der obersten Plattform auf uns.
Zuerst erreicht ihn Jack, springt freudig an ihm hoch und will ihn küssen. Er geht in die Knie und streichelt ihn, begrüßt ihn.
Dann kommen wir oben an und stehen uns gegenüber. Ganz still ist es.
Wir schauen uns in die Augen. Und dann gehe ich auf ihn zu und umarme ihn.
Er legt seine Arme um mich und ich lege meinen Kopf auf seine Brust.
Angekommen, da wo ich hin gehöre.
0Nach einer langen Weile begrüßt er die anderen Hunde. Und nun höre ich auch seine Stimme."da seit ihr ja,"
"Na, was habe ich Euch gesagt" spreche ich die Hunde an "wir besuchen den Papa".
Wir geben uns einen, zwei, drei oder noch mehr Küsse und lachen miteinander, weil wir beide nicht genug davon bekommen können. Wir strahlen vor Glück.
Wir setzen uns auf die oberste Stufe, ganz eng, ganz nah aneinander. Und dann reden wir miteinander über die Zeit die vergangen ist. Was jeder erlebt hat. Wie es uns geht. Was wir denken und fühlen. Was wir machen und planen.
Und ich erzähle ihm alles über die Hunde.
"das weiß ich doch alles, Schatz." sagt er. "Ich bin doch immer bei Euch."
"So wie man als Mensch multitaskfähig sein kann, so kann man im Anderland multiseinsfähig sein." "Ich kann gleichzeitig bei Dir sein und bei meiner Mutter hier im Anderland. Bei meinem Bruder und manchmal auch bei meinem Sohn auf der Erde." Er strahlt mich an und sieht glücklich aus.
Er sieht aus so wie ich ihn kenne. Nur gesund. Etwas dicker. Und mit einer glücklichen Ausgeglichenheit, Ruhe, Gelassenheit und Zuversicht.
Er strahlt mich an so wie das Licht hinter dem Tor.
Lange sitzen wir da zusammen. Die Hunde um uns herum und erzählen uns gegenseitig. Sind zärtlich miteinander und versinken in Harmonie und Zusammengehörigkeit.
Irgendwann machen wir uns wieder auf den Weg die Treppe runter. Ohne Traurigkeit und ohne Tränen.
Wir können jederzeit wiederkommen und uns sehen und berichten und kuscheln.
Als ich zurück war in meinem Bett erfüllte mich eine Glücklichkeit und ich freute mich schon auf den nächsten Besuch.
Das war meine eigene Reise. Es hat mir sehr gut getan. Ich wußte vorher nicht was und wie die Geschichte verlaufen würde. Es passierte einfach, daß die Bilder aufstiegen in mir und die Geschichte sich formte.
Jetzt denke ich auch oft tagsüber an diese Treppe und die oberste Stufe.
Ralfsheidemarie