Mein Papi stirbt so schrecklich

      Oh my god....Man hängt wohl besser keine Parte auf.

      Ich benötige eine Tarnkappe, damit mich die Nachbarn nicht sehen.
      "Beileid" könnte man zum Unwort des Jahres küren. Wenn der Hund stirbt, sagen die Leute: Tut mir echt leid für dich, um unsere Katze hab ich eine Woche geheult.
      Stirbt ein Mensch, dann sagen sie "Beileid" und hängen dir mit salbungsvollem Händedruck ihre Rhinitis an.

      Mein Bruder muss im Krematorium meines Vaters Drehorgel spielen. Na endlich kriegt der auch mal was zu tun.

      Der Grabrede-Entwurf meiner Mutter war so herzlich, dass die Eiszapfen vor Langeweile aufgetaut sind. Hab mich eingeschaltet und ihren Text editiert - das gibt bestimmt ne Streiterei.

      Die Trauerrednerin hat Hexenschuß.
      Liebe Kelpie,

      du machst ja ganz schön was mit. Dass du dir dabei deinen (schwarzen) Humor erhältst, ist bemerkenswert...zumindest lese ich dich so...die Rotzpranken...jaja...früher hat man als Trauernde noch Suppe bekommen als dass einem in selbige gespuckt wurde...und ja, so hohle "Beileidsbekundungen" können arg ermüdend sein. Da muss man sich dann gequält ein Lächeln ins Gesicht schrauben, oder nicht?

      Die "Beileidenden" der Form halber kommen manchmal ähnlich bescheuert daher wie der Tierhändler hier ;)


      Ich hoffe du hast die Möglichkeit auch mal Pausen zu machen, was für ein Glück für dich das du nicht so nah am Wasser gebaut bist bzw. deine Emotionen so gut kontrollieren kannst - der ultimative Mr. Spock Fan bin trotzdem bitte ich weil ich habe ein Buch mit seinem Autogramm, also das ist das einzige Autogramm dass ich habe. Naja. Scherz beiseite.

      Viel Kraft brauchst du sicher, dieser Beerdigungsmarathon kann ganz schön schlauchen, und Reibereien in der Familie machen es oft nicht leichter. Das wird sicher eine schöne Beerdigung werden, und deine Anstrengung und was du durchmachst - würdigt dass nicht auch irgendwie deinen Papa?

      Dass du seinen Körper befremdlich und auch abstoßend fandest, kann ich nachfühlen. Du hast bestimmt recht, wenn der Moment wo er gewunken hat der Abschied war, dann war das so. Euer Moment, ganz speziell zwischen dir und ihm, dir und deinem geliebten Papa, ganz in seinem Sinn.

      Und so ist es sicher auch mit dem Bild, dass er nun eins mit den Bäumen wird...du ihn dort besuchst, dann...du spürst ihn sicherlich in dir, weißt wie er gedacht hat, und das ist sicher ganz stimmig zu deinen Empfindungen -also seine Vorstellung die er von Leben und Tod hatte, was denkst du?

      Sei auf jeden Fall lieb gegrüßt
      wünsche dir viel Kraft für all das absurde und ermüdende
      aber auch für das Schöne, das dir begegnet
      und wenns nur das angenehme Gefühl ist unter zweimal Hund zugedeckt zu sein,

      Malena

      Nebelfrau schrieb:


      ...und ja, so hohle "Beileidsbekundungen" können arg ermüdend sein. Da muss man sich dann gequält ein Lächeln ins Gesicht schrauben, oder nicht?


      Teilweise.
      Ich lass die Leute aber auch einfach stehen und bin sehr beschäftigt, wenn sie Details zur Krankengeschichte wollen.

      Ich hoffe du hast die Möglichkeit auch mal Pausen zu machen, was für ein Glück für dich das du nicht so nah am Wasser gebaut bist bzw. deine Emotionen so gut kontrollieren kannst -


      Nicht viele Pausen. Das Ende des Semesters droht.
      Das Weinen kommt eher draußen im Wald, und nicht lang, weil es die Hunde ängstigt.

      Irgendwie kocht das letzte Jahr nun hoch... Ich fühle mich verloren und ich habe Angst. Außerdem dauernd Bauchweh. Ich habe ein Buch, wo andere Menschen dasselbe berichten. Es ist wohl ziemlich normal.
      er ultimative Mr. Spock Fan bin trotzdem bitte ich weil ich habe ein Buch mit seinem Autogramm,


      Er hat dir ein Buch unterschrieben? Er hat es angefasst?
      YOU POSSESS THE DNA OF LEONARD NIMOY?! :D ;)



      Viel Kraft brauchst du sicher, dieser Beerdigungsmarathon kann ganz schön schlauchen, und Reibereien in der Familie machen es oft nicht leichter. Das wird sicher eine schöne Beerdigung werden, und deine Anstrengung und was du durchmachst - würdigt dass nicht auch irgendwie deinen Papa?


      Ich schwänze das Krematorium. Ich geh in den Wienerwald zu einem Beisl, wo der Papa gerne war. Ich nehm die Hunde mit.

      Und so ist es sicher auch mit dem Bild, dass er nun eins mit den Bäumen wird...du ihn dort besuchst, dann...du spürst ihn sicherlich in dir, weißt wie er gedacht hat, und das ist sicher ganz stimmig zu deinen Empfindungen -also seine Vorstellung die er von Leben und Tod hatte, was denkst du?


      Er hat - wie ganz viele alte Menschen - kein Bisschen an ein Leben nach dem Tod geglaubt. ;)

      Danke für die lieben Wünsche, und Nein, Moty Python ist nicht geschmacklos. Es gibt sowas Ähnliches mit einer weissen Maus von Loriot.
      Liebe Kelphie
      Ich finde du richtest es dir so wie es für dich am besten ist!
      Ich hätte auch auf vieles verzichten können!
      Hate nicht die Kraft mich mit "besser wisser" ausanader zu setzen (aber danach)
      Du machst es nach Bauchgefühl und Dosierst es für dich
      Habe das Wort "Beileid " auch nicht mehr hören können!!! Aber was soll man sonst sagen??
      Ich habe eigentlich immer EsTutMirLeid gesagt bis auf einen Fall die mir sagte Du kannst nichts dafür, war baff und seit dem verwende ich es auch (leider)

      Wünsch dir Kraft und Kraft
      in liebe Maki
      mit Abi im Herzen !

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      Ich wusste irgendwie die ganze Zeit, mein Papi wird im Winter gehen.

      Im Spätherbst, bis Weihnachten, gehts ja noch. Da ist das Wetter unfreundlich, aber aushaltbar.

      Aber jetzt... Überall die weiße Scheiße... Alles kalt und tot und elendig.... Der Winter ist eben die Jahreszeit des Todes. Und der Tod ist der Winter des Lebens.

      Ich würde so gerne eine dicke, fette Schmeißfliege sehen... Die in der Sonne sitzt und sich die Todesjahreszeit runter putzt.
      Jedes Jahr denke ich "Oh, die erste Fliege!" Im Sommer sind die Viecher lästig, aber im Frühling sind das die, die die Todeszeit überstanden haben und jetzt auftauende Lebensreste wegräumen, sodass die Welt wieder lebendig aussehen kann.

      Der Bestattungswald wird kalt und tot und schmutzig sein, wie alles kalt und tot und schmutzig ist.

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      60% der Leute haben die Parten nicht erhalten.

      Wir bekamen die Todesnachricht eines Freundes nie, daran kann ich mich erinnern. Also Tel und Mail.

      Runde 30 Telefonanrufe später weiß ich 60 weitere Krebsberichte *wie beruhigend*.

      Ich habe mir heute ein Elterngespräch ausgemacht und dann schlicht auf die Dame vergessen. Peinlicher gehts nicht mehr. Ich habe einfach vergessen. Eine Kollegin meinte, das Hirn schaltet sich in der Trauer teilweise weg und das wäre ihr auch passiert.

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      Liebe Kelpie <3

      Ja im Winter sieht alles manchmal noch düsterer aus, wie es an sich schon ist...

      Aber für mich ist eher der Herbst der Todesmonat.. der Winter ist mehr still, ruhig und wie als ob die Welt den Atem anhält und endlich mal zur Ruhe kommt, die Du jetzt auch brauchen würdest sonst hast Du mal einen Burnout.

      :24: <3

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      Liebe Kelpie,
      ja, deine Kollegin hat das vollkommen richtig gesagt: In der Trauer schaltet sich das Hirn ab und zu weg. Das ist auch ein Schutzmechanismus - naja, ob Mechanismus der richtige Ausdruck ist? Auf jeden Fall schützt sich/uns das Hirn vor zu viel.
      Peinlich ist es wohl und doch dürfen Trauernde auch mit Verständnis rechnen - nicht nur mit seltsamen Beileidsbekundungen. Was würdest du dir von den Menschen wünschen, die dir begegnen und ausdrücken wollen, dass sie mit dir fühlen oder dass ... ?

      Ich wünsche dir nach dem Telefonmarathon ein bisschen Ruhe. Stelle mir vor, dass das nicht einfach ist.

      Lg. Astrid.

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      Astrid. schrieb:

      Was würdest du dir von den Menschen wünschen, die dir begegnen und ausdrücken wollen, dass sie mit dir fühlen oder dass ... ?


      1, Vielleicht nicht unbedingt alle Krebstode der Bekanntschaft vor den Trauernden breit treten. So genau will man es nicht wissen.

      2, Vielleicht wie ein Mensch reagieren? Bei Hund und Katze geht das ja auch? "Beileid" ist ein sehr komisches Wort. Man mitleidet nicht, sondern man beileidet? Mitleiden kann man nicht, da kein sehr nahestehender Mensch gegangen ist, beileiden kann man sich schenken, wie wärs einfach mit mitfühlen?

      endlich mal zur Ruhe kommt, die Du jetzt auch brauchen würdest sonst hast Du mal einen Burnout.


      Putzilein hat wieder mal eine Gastritis.
      Putzilein hat sich um 0:53 Uhr vor mein Bett gestellt und mir den gesamten Mageninhalt ins Bett, direkt vors Gesicht, erbrochen.
      Um 4:30 hat Putzilein die nächste Anwandlung verspürt und suchte dafür meine Nähe, aber da habe ich bereits auf Tiefschlaf- und Rem-Phasen bewusst verzichtet und rechtzeitig die Speibtüte unter die Schnauze geschoben.

      Der Tierarzt darf ausschlafen, weil nach Vergiftung schauts mir nicht aus.
      Die nette Tante Doktor und ich, wir werden uns in der jeweiligen Mittagspause mit dem bedauernswerten Bauchi befassen.

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      Liebe Kelpie,
      diese Gedanken begleiten mich schon länger: was sollen Menschen sagen, wenn sie jemanden treffen bei dem jemand gestorben ist?

      Früher war es obligatorisch zu sagen: "Mein Beileid". Auch wenn es eine Floskel wurde wie zum Beispiel auch die eigentlich schöne Frage "Wie geht es dir".
      "Mein Beileid" drückte ursprünglich aus, dass ich in deinem LEID BEI dir bin. Mitleid hat für mich schon fast den Aspekt des Miteinander leidens und das ist es doch nicht, wenn ich meinem Nachbarn sagen will, dass ich sein Leid, seine Trauer sehe und sie ernst nehme.

      Ich habe mir schon öfter gedacht, dass es vielleicht gar nicht das Wort ist, das stört, denn das finde ich von seiner Bedeutung passend, sondern vielmehr die gesenkte Stimme, das l a n g s a m e Sprechen, die Trauermine, die es schwer macht diese Bekundung ernst zu nehmen.

      Bei älteren Menschen bleibe ich meist beim Beileid. Jüngere Menschen sage ich häufig: "Du ich hab gehört... wie geht es dir denn heute? Magst du erzählen?" Und wenn ich keine Zeit habe, dann sage ich: "Darf ich dich mal anrufen/vorbeikommen, dann kannst du erzählen, wie es dir geht." Am wichtigsten scheint mir die Aufrichtigkeit. Wenn ich nur mit Trauermine oder wie mein Nachbar sagte: "Der schaut dri wia da Feischte." (Der schaut wie der Feistenauer = Bestatter) auf den Trauernden zugehe, macht es das nicht leichter.
      Trotzdem weiß ich auch, wie viel Mut es manche kostet, hinzugehen und etwas zu sagen. Diesen Mut möchte ich auch wertschätzen.

      Ich wünsche dir also ehrliche Begegnungen mit Menschen.

      Ach ja und zum Winter: Auch er hat schöne Seiten (vielleicht auch wie der Tod, denn ohne die Vergänglichkeit wäre das Leben wertlos. Die Vergänglichkeit macht uns bewusst, im jetzt und hier zu leben und nicht alles auf irgendwann zu verschieben. Auch wenn dieser Gedanke für Dagebliebene nichts leichter macht.)

      Lg. Astrid

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      Putzilein erreichte den Tierarzt kurz vor 12 Uhr, der sehr in Eile war, er musste zu einer Euthanasie.
      (Ein 7jähriger Retriever, der ganze Körper voller Krebs.) Man drückte mir Beileid wegen meines menschlichen Verlusts aus und informierte mich, in der tierärztlichen Familie würden die Männer tendenziell an Krebs sterben.

      I mag nimmer.

      Putzilein hat zu speiben aufgehört, dank medikamentöser Einwirkung auf das Gehirn. Der Tierarzt fand die Idee, von *WURGWURGS* zzgl. feuchter Wärme und GERUCH aufgeweckt zu werden, auch nicht sonderlich gustig.

      Seit kurzem hat sie schleimigen Durchfall. Den hatte sie Mittags noch nicht. Somit können wir einen Virusinfekt diagnostizieren.

      Ich ruf dann nochmal den Tierarzt an, orale Medis kann ich ja jetzt nicht geben.

      Ich nehme Wetten an, wie lange es dauern wird, bis der andere speibt. Der hat todsicher während meiner Dienstzeit ihr Erbrochenes gefressen, ich kenne doch meine zwei Säue.

      Ruhe wird überbewertet.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „Kelpie75“ ()

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      Das verstehe ich, dass du nicht mehr magst.
      Und sich übergebende Wesen - ob Tier oder Mensch - ist einfach nur ekelhaft und dummerweise auch noch so ansteckend.

      Ruhe wird überbewertet -
      leider wird Ruhe mehr gestört, als überbewertet - auch von dich weckenden 4-Beinern, die grad nicht nett sind (auch wenn sie nichts dafür können)

      Wünsche dir eine erholsame Nacht ohne weiter Überraschungen.
      Lg. Astrid.

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      Oh Kelpie,

      na da geht es ja drunter und drüber bei dir...

      Dein Video von der big bang theory ist zum schießen Komisch...hatte kurz so eine lose Assoziationskette von wegen DNA von Mr. Nimoy --- hoffentlich hat er draufgerotzt oder -genossen auf die erste Seite und die von dir erwähnte Schmeißfliege...oh es gibt diesen Film mit dem wunderbaren Jeff Goldblum wo er aus Versehen seineDNA mit der einer Fliege mischt...die Special-Effects dürften die Kids heute an Kasperltheater erinnern...nun, diesen Spock-Fliegenhomunculus könnte man an langen, öden Winterabenden basteln...und dann auf Beileidende los lassen?

      Kommt das vielleicht von Bye-Leid, ein Neologismus, Anglizismus, Neusprech, ein baba-Leid sozusagen?
      Ach, sorry ich versuch nur ein bisserl witzig zu sein, das ist dir wohl schon vergangen...

      naja, was ich mir denke ist - gibt es keine Menschen die deinen Papa echt kannten und mochten? An die du dich halten kannst mit positiven, schönen, was auch immer Hauptsache PASSENDEN Erinnerungen in denen man schwelgen kann? Bzw. dass man von IHM spricht und nicht von irgendwelchen anderen Menschen?
      Wovor hast du denn Angst? Vor den ganzen Krebsschilderungen? Und verzeih, schläfst du genug?
      Wie viele Tage sinds noch bis zu den "Energieferien"?

      Ach Kelpie, ich kanns ja nur aus meiner Perspektive sagen aber die ist: du hast das Schlimmste echt hinter dir. Den geliebten Menschen bis zum Tod zu begleiten oder eben beim sterben ist eine unglaubliche Herausforderung (mir leuchtete das ein als ich mir Top of the Lake ansah, da wird das klar gesagt) - der Sterbende ist einmal tot, und der Prozess ist für ihn oder sie etwas Natürliches, aber es leiden die, die begleiten, die dann mit dem Schmerz über bleiben und weiterleben (müssen) auch mit den Eindrücken, den verwirrenden Gefühlen.

      Nun, die Zeit - der postmortemmarathon ist jetzt ist auch noch heftig, ein Ritual ....aber in einem Jahr wird es schon nicht mehr so schlimm sein. Gibt es Menschen die dir hilfreich sind?

      Dass du weinen musst - ja, der Wald ist ein guter Ort....auch wenn er grad dreckig ist, und dass du den Termin vergessen hast nur mehr als verständlich .... eh hart genug dass du noch bis Semesterende weiter machst, vll. kannst du deine Aktivitäten aufs Nötigste reduzieren (auch wenn du mir wie eine Perfektionistin vorkommst und jetzt sicher ein "ja aber" einwirfst....).

      Zu Putzilein...die Tierärztin hoch zwei bist ja du hier, hatte mal einen Freund dessen Hund erbrach heftig, der bekam Zofran, da gibt es so rapimelt Darreichungsformen, die lösen sich ganz schnell auf und werden über die Schleimhaut aufgenommen...das kann man drin behalten...frag doch deine TÄ mal (sind halt sauteuer aber wirken wunderbar) ?

      Eigentlich wollt ich ja erzählen dass ich am Weg zur Arbeit jetzt an dich gedacht habe deine Liebe zu Schnee, also ich gehe da an einem Nachtclub vorbei da ist der Schnee ein fleischfarbener Fleck und mit drinnen zum Triumph steckt eine leere Vodkaflasche...eine Installation... so, jetzt ist das aber nicht mehr witzig jetzt, da waren deine Superhunde schneller die einen auf der Exorzist machen..

      Für mich scheint der Winter auch eine passende Jahreszeit zu sterben, angemessen...
      wann wirst denn zum heurigen gehen auf dein Achterl? Dieses Wochenende?
      Welchen Wein wirst denn trinken?

      Sei herzliche gegrüßt, umarmt wenn du magst - Oberteil vollheulen und von mir aus auch vollrotzen kannst gerne jederzeit

      schau gut auf dich,
      Malena

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      Ach ja... Danke an alle...

      Der Hund ist nicht gesund, aber stabil. Weder Erbrechen noch Durchfall, sie wirkt nur schwach.
      Kein Wunder, außer Morosuppe und 1/4 Dose Gastrointestinal hats gestern nichts bekommen.
      Jetzt gerade habe ich ihr den üblichen "Diät total"-Gatsch mit Fischfilets/Erdäpfeln/Karotten verfüttert.

      Jetzt gerade öffne ich eine freundliche Rechnung von der Bestattung und finde eine Rechnung über läppische 5000 Euro.
      Schon wieder.
      Im Oktober habe ich denen 5000 Euro überwiesen.
      Dann habe ich noch, ohne zu streiten, 800.- nachbezahlt, weil man mir den Baum angeblich falsch berechnet hat.
      Und nun weisen mir die Leute Posten aus, die ich bereits bezahlt habe.

      Jetzt haben die ein Mail bekommen, auf das der Begriff "nett" nicht mehr anwendbar ist. Es reicht mir. So blöd braucht man nicht sein. Ich bin in Trauer und von einem Bestattungsdienstleiter erwarte ich, dass er meine Angelegenheiten ruhig, rasch, richtig erledigt.

      Jetzt knallts einmal so richtig....


      Neu

      Nebelfrau schrieb:


      naja, was ich mir denke ist - gibt es keine Menschen die deinen Papa echt kannten und mochten? An die du dich halten kannst mit positiven, schönen, was auch immer Hauptsache PASSENDEN Erinnerungen in denen man schwelgen kann? Bzw. dass man von IHM spricht und nicht von irgendwelchen anderen Menschen?


      Seine Freunde - die aber nicht meine Freunde sind.

      Von Mutter und Bruder kommt nichts.

      Wovor hast du denn Angst? Vor den ganzen Krebsschilderungen?


      Man fängt an, dauernd in sich hinein zu hören.
      Die Tierärztin sagte mir, sie lässt die Tumormarker jedes halbe Jahr testen... Obwohl es nichts bringt, und sie weiß das natürlich auch... Aber sie fühlt sich dann besser, wenn auf ein ergebnisloser Befund da ist.

      Und verzeih, schläfst du genug?


      Nein.

      Wie viele Tage sinds noch bis zu den "Energieferien"?


      Weiß ich nicht.
      Was denn für Ferien?
      Muss eine schriftliche Matura erstellen und vier Vorwissenschaftliche Arbeiten lesen.

      Ach Kelpie, ich kanns ja nur aus meiner Perspektive sagen aber die ist: du hast das Schlimmste echt hinter dir.


      Notar usw. kommt doch erst.

      Nun, die Zeit - der postmortemmarathon ist jetzt ist auch noch heftig, ein Ritual ....aber in einem Jahr wird es schon nicht mehr so schlimm sein. Gibt es Menschen die dir hilfreich sind?


      Freunde und Kollegen stützen ein wenig.

      Danke dir, Nebelfrau. (Ups, fast hätte ich Nebenfrau getippt, Herrje, das geht gar nicht.)


      Ach ja und zum Winter: Auch er hat schöne Seiten (vielleicht auch wie der Tod, denn ohne die Vergänglichkeit wäre das Leben wertlos. Die Vergänglichkeit macht uns bewusst, im jetzt und hier zu leben und nicht alles auf irgendwann zu verschieben. Auch wenn dieser Gedanke für Dagebliebene nichts leichter macht.)


      Nein, der Winter hat für mich keine schönen Seiten. Ich mag keine langen Nächte, keine Kälte, keine rutschigen Wege, kein Salz und keinen Splittstaub in meinem Atemwegen, keine Erkältungskrankheiten und kein Schneeschaufeln um 4 Uhr Früh und keinen schwarzen, klebrigen Matsch in den Räumen. Ich hasse jede Form von Wintersport und ich liebe blühende Blumen.

      Es tut mir leid, ich stehe extrem wenig auf Floskeln und ich sehe nicht ein warum ich gefälligst etwas toll zu finden habe, nur weil "man" dies tut, obwohl ICH es definitiv kacke finde.

      Ich weiß nicht, wer "wir" sind, die "wir" "uns" im Winter an Vergänglichkeit erinnern sollen und ansonsten Aufschieberitis hätten.
      Ich gehöre nicht zu diesem "wir/uns".

      Mir scheint, es gibt da eine doch recht große Teilmenge der Menschheit, die alljährlich im Winter depressiv wird. Und die im Sommer das Leben wertschätzt und demzufolge auch mehr leistet. Winterdepri und Aufschieberitis haben mehr miteinander zu tun als Sommerlicht und Aufschieberitis.

      Wieso ich Vergänglichkeit ausgerechnet in dieser Kack-Jahreszeit beobachten sollte, erschließt sich mir auch nicht sooooo ganz.
      Erstens gibt es eine Menge Regionen auf dieser Welt, wo es keinen Winter gibt und die Menschen dennoch ihr Leben wertschätzen. *Na sowas*
      Zweitens kann ich die "Vergänglichkeit des Lebens" in einem tropischen Regenwald ODER im mitteleuropäischen Frühling ganz entschieden intensiver beobachten als in einer Schneewüste.

      Die Kacke am Winter ist ja gerade, dass das Leben einfach weg ist. Höchstens eine Marslandschaft ist noch frustrierender.

      "Mein Beileid" drückte ursprünglich aus, dass ich in deinem LEID BEI dir bin. Mitleid hat für mich schon fast den Aspekt des Miteinander leidens und das ist es doch nicht, wenn ich meinem Nachbarn sagen will, dass ich sein Leid, seine Trauer sehe und sie ernst nehme.


      Wenn ich so etwas sage, dann sollte ich es aber auch leben.
      Und mich nicht mit "Mein Beileid", Händedruck und einer Trauerkarte aus der Affäre ziehen.

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      Hallo Kelpie,

      manche sagen "selbständig denken", manche sagen "motzen", ich finde "motzen" anschaulicher und griffiger. Ich bin auch so ein Motzer wie du, nicht gern, weil ich überall anecke, aber ich kann nicht anders und will wohl auch nicht. Floskeln sind mir wie dir ein Greuel (da geht's schon los: ich denke nicht daran, Greuel mit ä zu schreiben). Aber ein "herzliches Beileid", so floskelmäßig es sein mag, ist mir doch lieber als gar nichts. Der Sprecher weiß im Moment nicht, wie er es anders sagen soll, also greift er zur vorgefertigten Redewendung. - Dass im Winter kein Leben ist, kann ich nicht gelten lassen. Das ist eine Frage des Wohn- oder Aufenthaltsortes. Bei mir im Wald gibt es jede Menge Leben, freilaufende Katzen z.B., die andächtig unterm Vogelfutterhäuschen sitzen. Oder Rhododendren, die schon lange wieder dicke Knospen haben. Oder der Siebenschläfer, der nachts auf meinem Dachboden rumort und mich aus meinem schlechten Schlaf holt. Oder der Fuchs, der meine unvorsichtig abgestellten Lederschuhe geklaut hat. Oder die Wildschweine, die mir kostenlos den Boden umpflügen. Oder der Mond, der zu bestimmten Zeiten genau auf dem Dachfirst entlangrollt. Meine Empfehlung: Öfter in den Wald gehen, besonders bei Schnee. Aber ungemütlich und "Kacke" finde ich den Winter auch - manchmal.

      Gut motz!
      Dieter
      ​Trauer ist Liebe

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      Hallo Kelpie

      Kelpie75 schrieb:

      Ach ja und zum Winter: Auch er hat schöne Seiten (vielleicht auch wie der Tod, denn ohne die Vergänglichkeit wäre das Leben wertlos. Die Vergänglichkeit macht uns bewusst, im jetzt und hier zu leben und nicht alles auf irgendwann zu verschieben. Auch wenn dieser Gedanke für Dagebliebene nichts leichter macht.)


      Kelpie75 schrieb:

      Ich weiß nicht, wer "wir" sind, die "wir" "uns" im Winter an Vergänglichkeit erinnern sollen und ansonsten Aufschieberitis hätten.
      Ich gehöre nicht zu diesem "wir/uns".



      Ich weiß auch nicht auf welche wir du dich beziehst.
      Ich versuche beide Seiten zu sehen - sei es beim Winter, der grauslich und auch schön sein kann als auch bei den Beildeidsbezeugungen.

      Ich finde nicht dass Menschen sich mit

      Kelpie75 schrieb:

      "Mein Beileid", Händedruck und einer Trauerkarte aus der Affäre ziehen.


      sondern, dass sie auch ein Zeichen setzen. Natürlich, gibt es jene, die sich nichts dabei denken, dass ist eben mit Floskeln so (wie oben geschrieben geht es mir mit "Wie geht es dir" auch so). Andererseits gibt es auch Jene, die wie Dieter schreibt, keine andere Möglichkeit sehen und dann finde ich es mutig und schön. Es kommt nicht nur auf die Haltung des Sprechenden, sondern auch immer auf meine Haltung an, wie etwas bei mir ankommt. Du kennst sicher Schulz von Thun mit seinen 4 Ohren.

      Für mich gibt es nicht schwarz/weiß und auch nicht nur schwarz, grau, weiß. Ich darf Farben sehen. Darum darf ich sie auch leben. Manchmal ist etwas dunkelgrau (wie die Lieder von Konstantin Wecker) und etwas anderes ist neonschwarz und wieder was anderes flieder und rot und grün und der Winter ist für mich am schönsten, wenn er weiß ist und der Schnee unter den Schuhen knirscht. Und das widerspricht nicht dem, dass es andere gibt, die ihn nicht mögen und das lasse ich auch gerne bei dir, wenn du es so sehen magst - so siehst.

      Ich wünsche dir einen zauberhaften Abend und einen wunderschönen Traum in einem sommerlichen Schlaf.
      Lg. Astrid.