Ich weiß nicht wie ich ohne ihn leben soll

      Liebe Malena,

      Ja, ich habe mir in den letzten Wochen so oft gewünscht, an seiner Stelle krank zu sein. Ich habe mich immer gefragt warum er warum nicht ich. Es ist schwer, aber ich glaube für ihn wäre es, wäre ich zuerst gegangen noch viel schwerer. ich habe wenigstens noch meine Arbeit, er dagegen war Hausmann und er hätte sich wahrscheinlich nur in der Wohnung verkrochen. Wir hatten ja nur uns. Ich werde am Montag wieder arbeiten gehen. ich weiß nicht ob es zu früh ist oder nicht, aber ich weiß eben auch, ich kann nicht länger hier den ganzen Tag hier allein zu Haus sein.

      Irgendwann wird es vielleicht ein bisschen leichter. Ich bin schon froh, dass sie heute sein Pflegebett abgeholt haben. Es war die letzten zwei Tage hart, es immer vor Augen zu haben. Ich werde ihm weiter Briefe schreiben und seine oder unsere Musik hören und weiter viel weinen. Und wenn ich irgendwann die Kraft dazu habe werde ich den Computer zusammenbauen, den er zusammenbauen wollte. Es fehlt noch die CPU. Ich habe zwar keine Ahnung wie das geht, aber ich habe einen Arbeitskollegen, den ich fragen kann und dann kriege ich das schon irgendwie hin. Er wollte ihn so gern noch selbst zusammenbauen, aber dann kam die Krankheit dazwischen und jetzt kann er es nicht mehr.

      Vielen Dank liebe Malena, dass du mir von deiner Mutter erzählt hast und wie du die Situation erlebt hast. Das hilft mir wirklich mit diesen Schuldgefühlen umzugehen, die auch, wenn man vom Verstand her weiß dass man sein bestes getan hat nicht einfach so verschwinden. Ich habe ihn geliebt und wenn ich mehr hätte tun können, hätte ich es getan, das weiß mein Verstand, aber mein Gefühl noch nicht.

      Ich umarme dich auch wenn du magst.

      Andrea
      Liebe Andrea, zuerst mal willkommen, gut dass du hierhergefunden hast. :24:
      Wir sind ja leider alle aus dem gleichen Grund hier, weil jetzt jemand Entscheidender in unserem Leben fehlt.
      Das tut weh, ist ungerecht, gemein, grausam, doch egal wie wir empfinden, wir müssen es akzeptieren, dass ein geliebter Mensch gegangen ist und eine große Lücke hinterläßt.
      In den vergangenen drei Jahren habe ich meinen Lieblingsbruder, meinen Traummmann und jetzt am 09.01. meine Mutter verloren.
      Ich dachte immer, sowas passiert erst wenn ich 70ig oder 80ig bin, nein mit 50ig ist es passiert .

      Ich finde es gut, dass du wieder arbeiten gehst, raus aus der Wohnung, aber bitte schone dich trotzdem. Trauerarbeit ist Schwerstarbeit und setzt nicht nur der Seele sondern auch dem Körper zu.
      Liebe Andrea,
      ich kann es kaum fassen, dass du schon so schreiben kannst - es ist doch noch alles so neu und so unwahr und so unglaublich und das Hirn versteht und das Herz kann es nicht begreifen.

      Schön, dass du Briefe schreibst und eure Musik hörst und die Erleichterung durch das abgeholte Pflegebett kann ich mir vorstellen.

      Was die Arbeit angeht möchte ich dir einfach nur sagen, dass es (wie überall) kein Patentrezept gibt. Das einzige was ich wichtig finde, wenn du gehen magst, dann gehe zur Arbeit. Achte gut darauf, wie es für dich ist und nimm dir auch die Freiheit zu sagen, dass war zu früh oder das war der passende Zeitpunkt zum Anfangen nur brauche ich jetzt mal eine Pause. Das einzige Patentrezept das ich auf Lager habe ist:

      Vergiss dich nicht, achte auf dich, spüre dich und tu das, was du gerade brauchst, dir wichtig ist und behandle dich wertschätzend.
      Du bist richtig, so wie du gerade bist.

      Falls wir uns nicht mehr lesen, am Montag einen angenehmen Start in die Arbeit. Welche Hoffnungen und welche Ängste hast du denn, wenn du an die Arbeit denkst?

      Lg. Astrid
      Liebe Angie64,

      Vielen Dank.

      Ja es ist tut einfach nur weh, wenn man jemanden den man geliebt hat verliert. Es ist schrecklich einen Menschen zu verlieren, aber es muss noch schrecklicher sein drei Menschen innerhalb so kurzer Zeit zu verlieren. Mein jüngerer Bruder ist auch tot, aber das ist schon lange her. Ich schreibe jüngerer Bruder, nicht weil er jünger war als ich sondern jünger als mein anderer Bruder. Als er starb war ich drei Jahre alt und er war fünf. Ich habe nur wenige Erinnerungen an ihn, aber schöne. Er war ein ganz besonderer Junge. Meine Mutter hat mir glaube ich niemals verziehen, dass er damals gestorben ist und nicht ich. Sie hat es mir mehrmals gesagt. Ich hatte aber meinen Papa, der leider auch gestorben ist als ich 18 Jahre alt war. Es war vorher schon lange krank und es war als habe er genau so lange gelebt, bis ich volljährig war und selbst für mich entscheiden konnte. Ich trauere auch noch immer um meinen Vater und meinen Bruder und beide fehlen mir noch heute, aber ich hatte Zeit dazwischen, das alles zu verarbeiten, soweit man das verarbeiten kann. Ich umarme dich ganz fest liebe Angie64 wenn du magst. Ich versuche Trost in der chinesischen Tradition zu finden von der er oder eigentlich wir beide sehr fasziniert waren. Die Chinesen glauben, dass der Tod nicht das Ende des Lebens, sondern der Höhepunkt. Ich habe hier in der Wohnung einen kleinen Gedenkplatz für ihn geschaffen mit Bildern von ihm. Ich habe unsere kleine Buddhafigur dort hingestellt und eine Tasse mit Kaffee und ein paar von den Plätzchen, die er immer so gern gegessen hat. So ähnlich wie es die Chinesen oft tun. Das ist meine Art mich von ihm zu verabschieden und ihn doch auch ein Stück noch auch sichtbar bei mir zu behalten.

      Ich glaube ganz fest daran, dass mein Mann jetzt dort ist wo auch mein Papa und mein Bruder sind und ich glaube dass auch deine Mutter jetzt dort ist wo dein Mann und dein Bruder sind. Ich glaube, dass sie alle dort glücklich sind und auf die warten, die sie hier auf der Erde zurücklassen mussten, als sie gingen. Ja, es tut trotzdem verdammt weh, möchte weinen, schreien und keine Ahnung was sonst noch tun. Eigentlich weiß man gar nicht was man tun soll.

      Ernst und ich liebten auch asiatische Filme. Es gibt da einen koreanischen Film (Oldboy) in dem der Protagonist mehrmals sagt: "Lache und die ganze Welt lacht mit dir, Weine und du weinst allein." Dieses Zitat stammt ursprünglich von Ella Wheeler Wilcox, einer amerikanischen Schriftstellerin. Sie und ihr Mann Robert glaubten an Spiritualismus und versprachen einander, dass wer immer von ihnen zuerst gehen würde mit dem anderen von der anderen Seite kommunizieren würde. Als ihr Mann dann starb wartete sie verzweifelt auf eine Nachricht von ihm. Nach einigen Wochen ging sie schließlich zu einem Rosenkreuzer-Astrologen und fragte ihn warum ihr Mann sich noch nicht mit ihr in Verbindung gesetzt hätte. Hier kann man die Antwort finden, die der Astrologe ihr gab. https://de.wikipedia.org/wiki/Ella_Wheeler_Wilcox

      Mich hat diese Geschichte sehr berührt, aber es ist natürlich leichter gesagt als getan. Auch wenn ich weiß, dass es ihm jetzt besser geht und glaube, dass wir uns irgendwann wiedersehen werden, kann ich doch nichts gegen dieses Gefühl der Leere und der Einsamkeit machen. Ich rede mit ihm, ganz genauso als sei er noch körperlich hier, ich schreibe ihm Briefe und Gedichte und ein bisschen hilft das, aber meine Welt wird nie mehr so sein wie sie war und im Augenblick kann ich mir auch nicht vorstellen, dass ich jemals wieder richtig lachen kann oder Freude empfinden kann.

      Ich bin wirklich froh, dass es dieses Forum gibt, weil es hier so viele Menschen gibt, die mich verstehen können und die ich verstehen kann weil sie genau das gleiche durchmachen wie ich. Für die anderen geht das Leben einfach so weiter aber unsere Leben sind wie Vasen, die in tausende kleine Scherben zerbrochen sind. Wir müssen diese Scherben nun wieder zusammensetzen, aber egal was wir machen, die Vasen werden nie wieder so schön sein wie sie mal waren. Und trotzdem, hier gibt es Menschen, die einander helfen können möglichst viele der Scherben wieder aufzusammeln und zusammenzufügen, denn ich glaube so etwas kann man nicht allein schaffen und auch nicht mit Hilfe von Menschen die das nicht erlebt haben, weil sie nicht wissen, wie schmerzhaft es ist all die Scherben zu finden um am Ende festzustellen, dass ein ganz wichtiger Teil der Scherben fehlt und auch niemals zu finden sein wird.

      Liebe mitfühlende und dankbare Grüße
      Andrea
      Liebe Astrid,

      Ich konnte mich schon immer beim Schreiben besser ausdrücken als mündlich. Schreiben war für mich schon immer eine Art Ventil, wenn es mir nicht gut ging. Manchmal kann ich nicht reden, weil mir da einfach die Worte fehlen, aber Schreiben geht. Liegt wahrscheinlich daran, dass ich schon immer ein eher introvertierter Mensch war. Nur mit meinem Engel konnte ich offen und ehrlich reden und bei den wichtigen Dingen war das Reden auch gar nicht nötig, da verstand er mich auch so.

      Ich habe die Hoffnung, dass mich die Arbeit wenigstens ein paar Stunden von meinem Schmerz ablenken kann. Ich glaube die meiste Angst habe ich davor, am Montagabend nach Hause zu gehen weil da ja niemand mehr auf mich wartet. Ich habe Angst meinen Kollegen gegenüber zu treten, weil sie ja alle wissen dass mein Mann gestorben ist und nicht zu wissen, wie ich auf dass was sie sagen werde reagieren soll. Ich habe Angst in Tränen auszubrechen. Ich weiß dass auch bei der Arbeit jetzt alles anders sein wird, weil ich eben jetzt eine ganz andere geworden bin, aber der Alltagstrott wird mich wenigstens ablenken.

      Heute habe ich Post bekommen von der Pflegekasse. Es war ja einen Pflegestufe für meinen Mann beantragt gewesen. Am 02.02. wolle da eine Dame vorbeikommen um die Pflegebedürftigkeit meines Mannes zu prüfen. Ich rief dort an um denen mitzuteilen, dass das nicht mehr geht und die Frau am Telefon tat irgendwie so, als habe ich den Termin abgesagt weil mein Mann nun wieder gesund ist oder als wäre er eigentlich nicht wirklich krank und pflegebedürftig gewesen und nicht weil er nicht mehr da ist. Als ich aufgelegt hatte habe ich eine halbe Stunde lang geheult wie ein Schlosshund. Allein den Brief zu lesen war schon hart, aber diese Telefongespräch hat mir dann den Rest gegeben. Ich hätte die Frau am liebsten durchs Telefon gezogen und kräftig geschüttelt. Sie erzählte mir die ganze Zeit nur irgendwas von Aktenlage und so einen Müll. Das war mein Mann, mein Leben, mein Ein und Alles und keine verdammte Akte.

      Liebe Grüße
      Andrea
      Liebe Andrea ,

      Ja das mit den Ämtern ist hart , einfach nur bürokratisch und seelenlos , das ist schmerzhaft sehr sogar , wenn bei mir soetwas war bin ich immer sehr agressiv geworden aus dem Schmerz heraus und die empathilosigkeit der Behörden angestellten es tut mir sehr leid das du das erleben musstest ich hoffe das war das erste und letzte mal. Ich finde es fürchterlich wenn ich noch Rechnungen vom kh bekomme mit der Anrede an meinen Mann obwohl die doch wissen müssten das mein Mann nicht mehr lebt !!!!!! , genau wie die erstatteten rechnungen der kasse immer noch die Anrede Herr ........ Das finde ich besonders grausam denn die Versicherung ist doch gekündigt wegen tod ...... Es ist hart aber ich habe im Moment nicht die kraft dort rabatz zu machen . Das nachhause kommen wird natürlich besonders schmerzlich , besonders wenn man sonst von seinem geliebten Mann erwartet wurde. Ich wünsche dir von ganzen herzen viel kraft das du den Arbeitstag überstehst , scheue dich nicht wenn es dir zuviel wird zu deinem Chef zu sagen das du gehen möchtest.
      Sei lieb gegrüsst Petra
      Liebe Petra,

      ja, das ist wirklich grausam. Ich kann auch nicht verstehen, warum sich die Menschen da nicht mehr Gedanken machen, bevor sie solche Briefe versenden. Ich kann gut verstehen dass dich das aggressiv macht. Die Wunde die vielleicht ein ganz kleines bisschen geheilt ist bricht sofort wieder auf und ist wieder ganz frisch. Die kleine winzige Atempause die man von dem Schmerz hatte ist sofort wieder vorbei. Ich kann meine Aggressivität leider nicht so heraus lassen und mich damit abreagieren. Ich kann immer nur weinen. ich drücke dich liebe Petra mit echtem Mitgefühl, denn ich kann gut verstehen, wie du dich in solchen Situationen fühlst.

      Liebe Grüße

      Andrea
      Liebe Andrea <3

      Sei auch von mir herzlich umarmt und getröstet... :24: :30: <3

      Zu der Bürokratie es ist nicht persönlich gemeint...... Ich glaube eher .. sie leben in einer Traumwelt.. und sehen und wollen die Wirklichkeit nicht sehen und dadurch auch nicht den den Schmerz des anderen Mitmenschen, den Tod oder ihre eigene Sterblichkeit.

      Ich verstehe die chinesische Tradition.. .sie gibt Struktur, Halt... ist voller Respekt und Würde. Old Boy wollte ich immer schon mal anschauen.. sollte es mir wirklich mal kaufen.

      Du brauchst keine Angst zu haben... den wirklich Angst haben die anderen.. weil sie nicht wissen wie sie reagieren sollen. Sei einfach Du und lass die anderen die anderen sein und habe keine Erwartungen oder Vorstellungen... lasse es einfach fliessen.

      Ich persönlich sehe es grösser wie dass es unseren Gegangen besser geht... Sie sind befreit von ihrem Körper.. der Beschränkung aber auch einem einmaligen Erleben durch den Körper mit den Sinnen. Doch die Sinne nach dem Tod sind andere und die Seele... lebt und wird immer leben.

      Und man ist und bleibt immer durch die Liebe verbunden auch nach unserem Tode. Wir wurden berührt... verändert... haben uns vereinigt durch die Liebe und das wird immer bleiben.. die Verbindung.. könnte man sagen ist unendlich.. auch wenn es Leben nach dem Tode gebe.

      Es ist bei Dir alles so frisch... und es ist sehr wichtig, dass alles was Du fühlst und denkst.. es für Dich selber niederschreibst oder hier mit uns im Forum teilst. Du wirst Dich verändern.. transformieren.. doch wieder aufsteigen nach und nach mit neuer Energie.. auch wenn es jetzt für Dich unmöglich erscheint....

      Fühle Dich lieb umarmt :24: <3

      Katarina
      Liebe Katarina,

      wahrscheinlich hast du recht. Sie verdrängen durch so etwas einfach dass Sie irgendwann sterben müssen und dass jemand der ihnen nahe steht jederzeit sterben könnte. Sie haben Angst.

      Ich habe jetzt keine Angst mehr, seit mein Engel gegangen ist. Nicht, dass jemand anderer stirbt, denn der einzige Mensch, der mir etwas bedeutet hat ist ja schon gegangen und auch nicht vor meinem eigenen Tod, denn würde ich sterben, würde ich ihn endlich wiedersehen.

      Ich weiß ja dass es ihm jetzt besser geht und ich freue mich aufrichtig für ihn, dass es er jetzt in einer besseren Welt ist, aber es tut eben trotzdem so unendlich weh, dass er nicht mehr so bei mir ist wie er es war. Ich weiß, irgendwann wird dieser Schmerz anders sein und nicht mehr so bohrend, aber im Augenblick kann ich mir das einfach noch nicht vorstellen. Ich kann ihn in meinem Herzen fühlen, aber auch gerade das tut im Augenblick noch so weh.

      Der Film Old Boy ist wirklich gut, allerdings nur das koreanische Original von 2003. Es gibt da noch so ein amerikanische Remake von 2013, aber außer der Grundgeschichte haben die beiden Filme nicht wirklich viel gemeinsam. Ernst hat diese Remakes immer gehasst.

      Liebe Grüße und eine herzliche Umarmung

      Andrea
      Liebe Andrea,

      Vor dem Tod muss man nie Angst haben, den es ist nur ein das ende eines von vielen stadien der Seele , und man wird mit seinem seelenpartner immer wieder vereint werden . Nur in dem Moment wo man zurück bleibt ist es sehr sehr schmerzvoll und es erscheint einem sinnlos und leer . Aber wir werden wieder vereint sein an unserem ende , bis dahin versuchen wir einfach den Sinn ( auch wenn es uns sinnfrei erscheint in diesem Moment )unseres Hierbleibens zu ergründen auch wenn es einen vor Schmerz zerreißt. Sterben ist leichter wie leben , aber auch wir werden wenn es soweit ist das wir gehen diese Leichtigkeit und erleben und ein wiedersehen, das ist dann das große ganze für das es sinn macht sein irdisches dasein zu leben . Es gibt Völker die sehen im tod ein freudenfest auch wenn sehr viele europäische Menschen das nicht verstehen, aber es ist doch ein leichteres sein danach . Ich hoffe ich war dir nicht zu tiefsinnig .
      Fühle dich mitfühlend umarmt
      Lg Petra
      Liebe Petra,

      nein, das war nicht zu tiefsinnig.

      Er hat in den letzten Wochen immer gesagt, er würde die Schmerzen für mich, für uns ertragen. Jetzt ist an mir die Schmerzen ohne ihn weiterleben zu müssen, für ihn zu ertragen, damit ich irgendwann wieder mit ihm zusammen sein kann. Ich sollte dankbar sein, dass ich ihm begegnen durfte, dass wir immerhin 28 Jahre miteinander verbringen durften, denn das ist soviel mehr als viele andere haben. Er sagte oft, ich hätte mir einen besseren Mann suchen sollen, der einen guten Job hat und viel Geld verdient. Ich habe ihm dann immer gesagt, es gibt keinen besseren für mich und für Geld kannst du fast alles kaufen, außer Liebe eben.

      Liebe kann einem auch keiner wegnehmen, nicht einmal der Tod.

      Liebe Grüße

      Andrea
      Liebe Petra,

      ich wünsche dir auch einen erträglichen Sonntag.

      Ich höre viel Musik und schreibe, schreibe und schreibe. Ernst liebte asiatische Musik und die Musik von Annett Louisan und Herman van Veen. Höre ich diese Musik, dann fühle ich mich irgendwie ein kleines bisschen getröstet. Er mochte auch die Musik von Kyo Sakamoto. Das Lied "Ue o Muite Arukou" von ihm war unser Lied. So viele Erinnerungen verbinde ich mit dieser Musik. Es tut einfach so weh, dass er nicht mehr hier ist.

      Liebe Grüße
      Andrea
      Liebe Andrea,

      Ja die Sonntage tun am allermeisten weh , es ist fürchterlich. Ich mache es seit Monaten so das ich grundsätzlich die Sonntage mit meiner Freundin verplane wir treffen uns dann schon am vormittag und gehen essen und je nach Wetter spazieren, das ist dann Wennigsen ein bischen Ablenkung obwohl es genauso weh tut . Versuche es wenn es dir besser geht auch so zu machen das du deine Wochenenden zu planst . Gestern zb war ich bis abends um halb 12 ihr mu meiner Nachbarin essen und dann noch bei ihr, ein klein wenig hilft das gegen den quälenden Schmerz .
      Lg und fühle dich gedrückt Petra
      Liebe Andrea,
      ich darf dich auch ganz herzlich willkommen heißen hier und sehe, du bist schon ganz wundervoll aufgenommen worden. Es freut mich, dass du dich hier gut ausdrücken kannst und dir alles von der Seele schreiben kannst. Das mit den Schuldgefühlen, das ist ein Thema, das viele Trauernde am Beginn plagt.Man hat leicht den Eindruck zu wenig getan zu haben, oder nicht alles getan zu haben, das hat einfach den Grund, dass man ja eigentlich alles ungeschehen machen möchte, dass man den Menschen nicht sterben lassen hätte wollen (ist das grammatikalisch jetzt richtig? ;) ) . Und bei dir und deinem Mann ist alles so schnell gegangen - für ihn zu schnell, um zu fassen, dass die Lage wirklich aussichtslos ist, für dich nicht absehbar, dass es so schnell geht. Von außen betrachtet, als Beobachter neigt man dazu zu sagen: Gut, dass er nicht mehr länger leiden musste, gut, dass er einschlafen hat dürfen. Aber für dich war es zu schnell, du warst nicht darauf vorbereitet, hattest vielleicht Angst, dass die Schalftablette Ursache war. Aber von einer oder zwei Schlaftabletten stirbt man nicht, das hat man dir eh schon gut erklärt. Die Schuldgefühle werden weniger werden, das verspreche ich dir und dass du hast alles getan hast, was in deiner Macht stand und was möglich war, das geht aus deinen liebvollen Berichten hervor!
      Ich wünsche dir einen "guten" Start in die Arbeit morgen. Ich wünsche dir, dass sie dir Ablenkung bringt. Sie wird dir die Trauer nicht nehmen, aber eine Pause zwischendurch und das Gefühl, dass du den Boden nicht unter denFüßen verlierst. Schau aber, dass du dich nicht übernimmst und achte auf dich.
      Alles Liebe Christine
      Liebe Andrea, liebe Katarina,

      was diese Briefe anbelangt...ich glaube oft ist es schiere Gedankenlosigkeit. sah einmal eine Beitrag wie schwer es ist die Spenden-Briefe abzustellen, bekam jahrelang solche zugeschickt...aber auch von den Ämtern...die denken einfach nicht mit...
      und ja, Andrea
      ich habe hier auch in meinem Mail-Ordner (nicht abgeschickt) einen ewig langen, wutschnaubenden, fast schon randpsychotischen 8| Beschwerdebrief den ich geschrieben habe weil mich so ein Wappler von den E-Werken einfach nur gequält hat am Telefon als ich den Strom nach dem Todesfall abgemeldet habe...ein Wahnsinn... dieser Mensch war einfach nur gemein...war aber umso froher um seine sehr liebe und mitfühlende Kollegin, das war dann wieder Balsam auf der Seele, solche Menschen retten einen durch den Tag, grad am Anfang find ich ist man sehr verwundbar...

      Dieser Film, Old Man, hey, Katarina :) machen wir einen Filmabend?
      Und ich sags hier auch noch einmal weil du, Andrea sagtest unsere Leben wären wie zerschlagene Vasen
      du kennst das sicherlich, diese Goldreparatur des Wabi-Sabi... Kintsugi...daran musste ich spontan denken als ich das gelesen hab was du über die Vasen gesagt hast...

      Schön dass du dich mit Musik und Schreiben trösten kannst,
      ich hoffe du hattest einen guten Arbeitstag,
      liebe grüße!
      @Petra
      Noch weiß ich nicht, was ich machen soll an den Wochenenden. Vielleicht einen Chinesischkurs um mal richtig Chinesisch zu lernen. Ich kann nur ein paar Brocken, vor allem durch Filme und Serien, die haben wir immer im Original geguckt, mit englischen Untertiteln. Aber ich weiß es noch nicht genau.

      @Christine
      Vielen Dank für deine lieben und aufbauenden Worte. Ich glaube, du hast recht, es ging auch für ihn viel zu schnell um zu begreifen, dass es zu Ende sein würde. Ich habe es kaum begreifen können und mir ging es körperlich gut. Er hatte Schmerzen und ihm war oft übel, er hat auch oft nicht verstanden, was die Ärzte ihm gesagt haben. Als sie das CT von seinem Kopf gemacht haben erzählte er mir nachmittags, sie hätten ein Stück Eisen in seinem Kopf gefunden. Das stimmte nicht, es waren Metastasen. Deshalb habe ich den Ärzten auch gesagt, dass ich immer bei den Gesprächen dabei sein möchte.. Ich weiß, dass es ein Beweis seiner Liebe war, dass er die Schmerzen ertragen und leben wollte, aber ich konnte ihm dadurch meine Liebe nicht zeigen. Ich wollte dass er wenigstens noch ein paar schöne, möglichst schmerzfreie Tage hat auch wenn das bedeutete ihn früher gehen zu lassen.

      @Malena
      Ich habe schon immer gesagt, es gibt auf dieser Welt nur zwei Arten von Menschen, die einen sind Arschlöcher und die anderen sind keine Arschlöcher, ganz egal welcher Nationalität, welchen Glaubens oder was auch immer und dieser Mensch gehörte eindeutig in die erste Kategorie. Das tröstet einen aber wenig, wenn man in unserer Situation ist und mit diesen Menschen zu tun hat und wie du sagst eben sehr verwundbar ist, dass einzige was einen dann ein bisschen tröstet ist dass eben die Menschen der zweiten Kategorie gibt wie seine nette Kollegin.

      Ja, von dieser Goldreparatur hatte ich schon mal gehört, aber erst jetzt durch deinen Beitrag ist mir das wieder eingefallen. Ich finde den Gedanken tröstlich. Auch wenn unsere Leben nie wieder so sein werden wie sie waren, so können sie vielleicht gerade durch die fehlenden Stücke, etwas ganz besonderes sein, denn gerade die Stücke, die immer fehlen werden sind ein so wichtiger Teil in unserem Leben, dass es irgendwie nicht richtig wäre, wenn man das hinterher nicht mehr sehen könnte.

      @Petra, Malena und Christine
      Ja, der erste Arbeitstag liegt jetzt hinter mir. Alle waren sehr lieb zu mir, jeder auf seine Art. Viele Kollegen haben mich in die Arme genommen und mir gesagt, wie leid es ihnen tut. Ein Kollege hat einfach so getan, als wäre alles wie immer. Ich weiß, dass der Vater diese Kollegen auch an Lungenkrebs gestorben ist und er wollte es mir wohl leicht machen damit und eigentlich hat er das auch, so als Gegenpol zu den andren. Er ist früher beim Pütt gewesen und hat diese typische raue Herzlichkeit. Eine Kollegin hat ebenfalls nichts gesagt, ich weiß dass diese Kollegin extrem schüchtern ist und dass sie einfach nicht wusste, was sie sagen sollte. Ich arbeite in einer sehr kleinen Firma wir sind nur 15 Leute und bis auf einen Kollegen kommen wir alle sehr gut miteinander aus. Ich hatte auch ein langes Gespräch mit meinem Chef, Er sagte, mir wie leid ihm das tue und dass er es wirklich schade fände, dass er meinen Mann nie kennengelernt hätte. Er sagte auch wenn ich das mit dem Arbeiten nicht schaffen würde, dann könne ich auch jederzeit nach Hause gehen oder einfach mal einen Spaziergang machen und wenn ich irgend etwas bräuchte müsse ich es nur sagen. Auch meine Chefin sagte das gleiche und sagte auch ich könne sie jederzeit auf dem Handy anrufen. Meine Kollegen hatten sogar Geld für mich gesammelt. Ich hab mich gefragt, was soll ich denn mit Geld? Aber ich weiß was sie mir damit sagen wollten, und ich glaube es ist auch nicht leicht für sie mit mir und meiner Trauer umzugehen. Sie wissen glaube ich ganz genau, dass mich im Augenblick nichts wirklich trösten kann, was sie sagen oder tun, wollen aber trotzdem irgendetwas sagen oder tun, was mir vielleicht irgendwie helfen kann. Es ist kein wirklicher Trost, aber trotzdem ein gutes Gefühl zu wissen, dass da Menschen sind, die sich um mich sorgen und denen es nah geht, dass mein Engel nicht mehr da ist, obwohl keiner von Ihnen ihn gekannt hat. Ich konnte mich dann mit der Arbeit zumindest immer für eine gewisse Zeit etwas ablenken. Ein Kollege fragte mich, warum ich nicht noch länger zu Hause geblieben sei. Ich fragte ihn, ob er glaube, dass es mir in einer Woche oder einem Monat irgendwie besser gehen würde. Er sagte: "Nein du hast recht, das wird auch in einem Jahr noch nicht besser, das braucht einfach Zeit." Es ist einfach gut zu wissen, dass ich nicht so hundertprozentig funktionieren muss und meine Trauer auch dort angenommen wird oder ich angenommen werde mit meiner Trauer und so wie ich eben jetzt gerade bin und eben sein muss.

      Abgesehen von den Umarmungen und den lieben Worten, haben sich alle verhalten wie immer, ich meine keiner ist plötzlich verstummt wenn ich den Raum betrat oder hat aufgehört zu lachen oder so und das war gut so, dass hat es mir ein bisschen leichter gemacht. Nur meine Chefin, kam dreimal in unser Büro und fragte wie es mir gehe und ob das Arbeiten mir helfen würde und wenn ich irgendetwas bräuchte, solle ich es sagen.

      Nach Hause zu kommen war wie erwartet schlimm. An der Haustür bin ich der Tochter unseres Vermieters begegnet. Sie wohnen auch hier im Haus. Sie fragte wie es uns gehe und ich sagte ihr dass Ernst tot sei. Sie war schockiert. Unser Vermieter und seine Tochter hatten schon vorher mitbekommen, dass mein Mann krank war. Unser Vermieter kam gerade nach Hause, als der Krankenwagen meinen Mann abholte und seine Tochter arbeitet im Krankenhaus und traf uns als er aus dem einen Krankenhaus entlassen wurde weil er am nächsten Tag in ein anderes Krankenhaus sollte. Trotzdem war sie schockiert, dass er tot ist und sagte auch wenn ich irgendetwas bräuchte, sollte ich einfach rauf kommen.

      Sie sind alle so lieb, aber das Problem ist eben, dass was ich brauche können sie mir nicht geben, dass kann mir niemand zurückgeben. In die leere Wohnung zurückzukommen und zu wissen dass es jetzt immer so sein wird, tat einfach fürchterlich weh.
      Liebe Andrea ,

      Ja ich weiss was du meinst, es sind viele liebe Menschen um einen , aber troz allem ist diese innere Einsamkeit und Traurigkeit da die einem niemand nehmen kann so lieb auch alle sind . Aber ich bin froh das alle so super zu dir waren in deiner Firma .
      Das mit den Wochenenden habe ich einfach so gemeint das du sie nicht alleine verbringen sollst . Schade das du soooo weit weg wohnst .
      Ganz ganz liebe und mitfühlende Grüße Petra