Beiträge von Elster

    Liebe Carmen,

    auch mir tut es leid, dass dein Besuch so "eingetaktet" werden muss. Nachdem, was du erzählt hast, ist sie "Opfer" ihrer Erziehung. Und ich mache mich vielleicht unbeliebt, möchte trotzdem meine Sichtweise schreiben: diese junge Frau hat die Liebe ihres Lebens und Vater ihrer sehr kleinen Kinder verloren. Auch ihre Welt ist zerschlagen worden und sie müht sich ab, sie wieder lebenswert zu machen. Zumindest innerlich. Nach außen zeigt sie das, was diese Leute Haltung nennen. Was in ihr ist, weiß mutmaßlich nur sie ganz allein. Und sie gibt ihr Bestes. Lars hat sie geliebt... liebt sie noch immer. Dafür gibt es ja Gründe. Vielleicht durfte er ihr Innerstes sehen.

    Das hilft einer Mama, deren Kind nächsten Monat Geburtstag hat (meins auch) und deren Enkel ohne väterlichen und großmütterlichen Einfluss nun auch zum funktionieren erzogen werden (reine Mutmaßung) natürlich alles nicht. Bleibt allein die Hoffnung, dass sich das langsam und bedächtig ein wenig drehen lässt. Lass du dich nicht entmutigen, liebe Carmen. Gib, was du als Oma geben kannst und darfst und lass dein liebes Herz offen. Keiner kennt die Zukunft.

    Der Wechsel der Jahreszeiten.... viele spüren ihn gerade. Es wird nicht leichter. Jeder Wechsel erinnert uns nur, dass wir hier weitergehen. Und dass jemand Wichtiges fehlt. Und das tut immer neu weh. Was sich ändert (für mich) ist, dass ich mich schneller wieder erhole. Auch was Schönes.

    Liebe Wolfstaenzerin

    So viel geballtes Unverständnis tut schon beim Lesen weh. Sind vielleicht auch hier und da einfach Missverständnisse mit im Mix? Vielleicht kommt manches wirklich einfach durch diesen ja real vorhandenen Trauerfilter bei dir völlig falsch an? Du beschreibst dich selbst als aggressiv und ungerecht.
    Vor mir hatte man auch Angst. Noch heute werden manche Sätze mit "ich weiß gar nicht, ob ich dir das erzählen darf" angefangen. Man will uns keinesfalls noch mehr weh tun und merkt nicht, dass man uns dadurch isoliert. Mehr noch, als wir es selbst schon tun (müssen). Seit dem Tag, als mein Feechen voraus ging kämpfe ich hier darum, dass sie weiter mit dabei ist. Dass man ihren Namen sagt und über sie erzählt. Mit mäßigem Erfolg. Nur mein Mann und meine Mutter reden über sie und sagen ihren Namen laut. Aber auch diese beiden seltenst spontan. Nur wenn ich anfange.

    Und dann ist man irritiert, weil die Rücksichtnahme nicht angenommen wird. Jeder scheint sich verteidigen zu wollen. Dabei greift doch niemand an. Es ist eine Katastrophe, wie eine Atombombendetonation, wenn ein Kind stirbt. Alle verlieren ein Stück weit die Orientierung. Wohl denen, die sich schnell gemeinsam in die selbe Richtung orientieren können. Aber so ist es oft nicht.
    Mein Mann, der verständnisvollste Mensch, den ich je getroffen habe, hat mich nach ca 5 Monaten angeschrien, ob ich jetzt für immer alle vergraulen will. Ich wurde da so böse, dass ich vorschlug, seinen Sohn zu töten, damit er mich verstehen lernt. Stell dir so was mal vor! Natürlich war das hypothetisch... das ist schon klar, oder?
    Du wirst wahrscheinlich noch lange neben dir selbst herlaufen. Du wachst auch nicht eines Tages auf und alles funktioniert wieder. Es geht in kleinen Minischritten. Manchmal geht gar nichts voran, manchmal scheint man wieder am Anfang zu stehen.
    Du hast dich an seinen Baum getraut. Und bemerkt, dass gibt dir nichts. Keine Sorge, er ist auch nicht dort, wenn keiner an dem Baum steht. Er kommt nur mit, wenn jemand ihn dort "besucht". Wie man sich an so einem Platz zu fühlen hat kann niemand vorschreiben. Du musst da nie hin, wenn es für dich nicht gut ist. Sebastian würde sagen: ach Muddi, lass doch den ollen Baum. Ich bin doch da.

    Ich hoffe sehr, dass ihr euch alle wieder zusammenrauft. Dass alle Parteien sich um mehr Verständnis bemühen. Hilfe dazu holen ist ein Möglichkeit. Bist du in Deutschland? Dann rate ich dir sofort zu suchen und alle Termine anzunehmen, die du bekommen kannst. Meist sind das nur Kennenlerntermine. Du kannst ja alles wieder absagen, wenn du dann doch nicht möchtest. Nur die Wartezeiten sind so lang! Vielleicht auch ein paar Sitzungen selbst bezahlen. Da geht es schneller.

    Alles Liebe

    Liebe Wolfstaenzerin

    es dauert endlos lange, bis man sich im Spiegel wieder erkennt. Oder eher neu erkennt. Man wird ein anderer Mensch. Auch wenn man in vielem noch ähnlich reagiert und denkt wie früher. ALLES fühlt sich anders an! Alles scheint einen direkten Bezug zu unserem schrecklichen Schmerz zu haben. Ich erinnere mich gut, denn auch nach bald drei Jahren geht es mir hin und wieder ähnlich. Am Anfang herrscht dieses Gefühl über alles!
    Nach ein paar Monaten saß ich Tag und Nacht auf der Couch und guckte blutrünstige Serien (absolut gar nicht mein Genre) oder spielte PS5 mit meinen Söhnen. Das war ein echter Trost. Ich war zu nichts zu gebrauchen. Diese Nebelwand in uns lichtet sich nur sehr behäbig. Und manchmal werden die Nebel wieder dichter.
    Ich weiß nicht, ob du mit solcher Bildsprache was anfangen kannst. Mir hilft sie sehr, mich auszudrücken.

    Alles, was du fühlst, fühlst du richtig! Für DICH richtig! Es ist so schwer leben zu wollen, wenn das eigene Kind gestorben ist. Wahnsinnig schwer. Uns bleibt gar nichts anderes übrig, als auf die anderen zu pfeifen. Wir sind mit weiteratmen voll ausgelastet!

    Ich hoffe und wünsche dir, dass die Menschen um dich Geduld haben. Es gibt im Internet einige Artikel über den Verlust eines erwachsenen Kindes und wie schwer die Trauer zu bewältigen ist. Vielleich druckst du welche aus und verteilst sie in der Wohnung, wenn wirklich kein Verständnis für dich aufgebracht werden kann.

    Alles Gute für dich im Kampf um dein neues, unerbetenes Leben. Wir bleiben an deiner Seite! Auf deiner Seite!

    Ich nehme die Kapseln, die ich und die Kids Koalabonbons nennen. Man riecht dann total nach Eukalyptus. Sie sind ein guter Hustenlöser. Aber gehen auf den Magen. Deshalb Pantoprazol dazu.
    Ich hasse Husten.
    Gute Besserung! Richten die Antibiotika denn etwas aus?

    Ui... wenn er so lange krank schreibt, dann ist es heftig. Das tut mir sehr leid! Hoffentlich ist es etwas bakterielles, damit die Antibiotika auch wirken.

    Ich wünsche dir gute, schnelle Besserung! Jetzt musst du halt notgedrungen entspannen und mit dem Wuffi kuscheln. Pass gut auf dich auf!

    Es tut mir sehr leid, dass du eine schlechte Erfahrung in der Klinik gemacht hast. Das ist leider nicht ungewöhnlich. Vor allem Kassenpatienten werden nur aufbewahrt, mit Medikamenten versehen und 20 Minuten in der Woche gibt es "Therapie", meist bei blutjungen Anfängern. Was du erlebt hast weiß ich natürlich nicht, aber das ist so der gängige Standard.

    Ich schaffe es den Tod meines Kindes zu überleben, indem ich sie in meinen Alltag integriere. Das ist alles Glaubens- und Ansichtssache. Aber du fragst ja, wie andere es schaffen. Und ich schaffe es so. Ihr Körper ist tot und ich werde sie nie wieder umarmen. Aber sie lebt noch. Bei mir und in mir. Und wenn ich das nicht hätte weiß ich nicht, ob ich jetzt noch hier schreiben würde.

    Trauer ist tatsächlich eine "Lebensaufgabe". Man kann es lernen. Und ja: das dauert. Und es wird nie fertig gelernt sein. Trauer ist dynamisch.
    Bei mir sind es im Sommer drei Jahre. Das zweite war bisher das Schwerste.

    Ich weiß nun nicht, ob dir meine Antwort irgendwie hilft. Wahrscheinlich eher nicht. Aber ich wollte antworten. Aus ganzem Herzen. Alles Gute!

    weil sie gestern die absolut tollsten Polarlichter nicht nur gesehen hat sondern einfach zu lange dadurch draussen war mit der nicht ganz passenden Kleidung..

    Ein phantastischer Grund unvernünftig zu sein! Trotzdem... pass auf dich auf.

    Ich empfinde den Tod als Schlaf, aus dem man auch wieder aufwachen wird.

    Das interessiert mich wirklich. Ich kenne diese Vorstellung und weiß aber nicht, wo sie her kommt. Magst du das erläutern? Es ist sehr privat und daher ist es völlig okay, wenn du das nicht möchtest.


    Wir hatten immer Angst, an seinem Grab stehen zu müssen....

    Diese Angst hatte hier nur ich. In den letzten zwei Jahren war es ein Wissen, keine Befürchtung mehr. Ich wurde für verrückt gehalten. Das Wissen hat den Schock aber nicht gemildert.


    Sein Leben war gerade in den letzten 2 Jahren ein Kampf, leider konnten wir ihm nur begrenzt helfen. So ist es ein gewisser Trost, dass er jetzt nicht mehr kämpfen muss. Aber eben nur ein gewisser, denn Philipp wollte nicht sterben, er wollte leben.

    Diese Sätze könnte ich direkt so übernehmen.


    Wie alt ist deine Tochter geworden?

    Magst du mir sagen, woran sie gestorben ist?

    Mein Feechen wird im Frühling 27. Gegangen ist sie mit 24.

    Da ich mein Kind nicht mehr um Erlaubnis fragen kann, schreibe ich nur wenig öffentlich dazu. Ihre Privatsphäre ist mir nach wie vor wichtig.

    Doch ich schreibe dir eine private Nachricht.

    Lieben Dank für die Umarmung. Ich erwidere sie von Herzen.

    Liebe Petra,

    auch ich neige dazu , gerade Ratschläge von Menschen, die kein Kind betrauern müssen, zu disqualifizieren. Dabei empfinde ich mich selbst als ungerecht und kurzsichtig. Denn obwohl die Person (glücklicherweise) meinen Schmerz nicht kennt, ist es doch meist ein Zeichen von Wertschätzung und ein Versuch zu helfen wenn sie uns Ratschläge geben oder versuchen gedankliche Impulse zu vermitteln. Ich übe nachsichtig zu sein. Das ist etwas, was mir ganz unmittelbar hilft. Es gelingt mir nur leider (noch) eher selten. Häufiger fühle ich mich abgewatscht und in meiner Art zu trauern kritisiert. Nicht hier! Sondern bei ungefragtem Ratgeben. Das möchte ich deutlich betonen!

    Unsere Kinder begleiten uns, bis ans Ende unseres Lebens. Und wenn ein Kind vor den Eltern stirbt, dann begleitet uns auch die Trauer bis ans Ende unseres Lebens. Und auch das verstorbene Kind wird weiter präsent sein und eine Rolle spielen. Das verstehen wohl wirklich nur Eltern, die dieses Schicksal teilen, in Gänze.

    Interessant finde ich, dass du fühlst(?) er schläft. Ich fühle meine Tochter so wach und aufmerksam, wie man hier in dieser Welt gar nicht sein kann. Trauer und alle ihre Begleitempfindungen sind so vielfältig, ja einzigartig.
    Bei uns werden es im Sommer drei Jahre. Und sie fehlt und fehlt und fehlt..... und ist doch ständig da! Und diese Unstimmigkeit ist so schwer auszuhalten und zu verstehen, dass ich es (zur Zeit) einfach hinnehme. Mit dem Fluss schwimme, mich tragen lasse von der Unabänderlichkeit.

    Ich wünsche dir und allen in deiner Familie inneren Frieden und viel, viel Mut!

    Herzamputiert weiterleben... so fühlt es sich manchmal an. Etwas entscheidendes fehlt spürbar. und dann gefriert die Zeit.

    Es wird auch wieder leichtere Tage geben. Und irgendwann dauern die leichteren Phasen auch länger.

    Liebe Wolfstaenzerin

    ich hoffe, du konntest schlafen.
    Diese schreckliche innere Unruhe! Als käme man ständig zu spät. Und ja, so ist es ja gefühlt. NUR gefühlt! Sie sind unsere Kinder. Unsere erwachsenen Kinder, die wir schon lange nicht mehr ununterbrochen im Blick und an der Hand haben, haben konnten oder sollten. Aber immer im Herzen und immer in Gedanken. Vorher und nachher.
    Sverja schreibt ganz richtig vom "Nicht-sein-können". Ich weiß heute, dass dieses Gefühl deshalb so stark ist, weil es nicht nur "nicht sein kann", sondern tatsächlich "nicht ist". Körperlich vermisse ich meine Fee so schmerzhaft, dass es mich manchmal fast zerreisst. Aber immer stärker wird dabei das Gefühl und das Wissen, dass sie keineswegs "weg" ist. Dieses Gefühl macht ruhig. Nicht weniger traurig, nicht weniger trauernd und nicht weniger schmerzerfüllt, aber ruhiger. Wissend, wir haben alle die selbe Heimat, das selbe Ziel. Meine Tochter wollte immer, dass ich einmal bei ihr wohne. Und das werde ich. Und du wirst bei Sebastian und Fabian wohnen. Eines Tages. Tage, die wir nur hier zählen und wahrnehmen.

    Lieber Dieter,

    mein tief empfundendes Beileid möchte ich dir aussprechen.
    Du warst so stark, so unglaublich liebevoll, als du Ursel zu Hause behalten hast. Das drückt tiefe Liebe und Verbundenheit aus.
    Ich hoffe, du hast real ein paar Menschen um dich, die dir zugetan sind und dich stützen.

    War deine Ursel eine Trommlerin? Musst nicht antworten, wenn das zu privat oder zu schmerzhaft ist. Die Eichhörnchen sind eine zauberhafte Art, die Verbindung im hier und jetzt zu halten.

    Ich wünsche dir den Mut, jeden Tag neu zu beginnen und die Kraft, die Spuren eurer Liebe wahrzunehmen. denn die werden nie vergehen.

    Es ist völlig okay, dass du deinen Sohn suchst. Es ist ebenso okay, dass du zweifelst, wenn du ein Zeichen bekommst. Ich habe im ersten halben Jahr immer versucht, die Zeichen zu erklären. Erst wenn ich es nicht konnte, habe ich es akzeptiert. Damit hab ich es mir unnötig schwer gemacht. Was ist denn so schlimm daran, wenn man ein Zeichen wahrnimmt, das tatsächlich keines war (woher wollen wir das überhaupt wissen?)? Das ist doch völlig egal. Natürlich beruhigst du dich damit. Das ist ja auch gut so. Wir können die Seelen unserer Lieben nicht mit unseren Augen sehen. Aber wenn dich ein Gedanke beruhigt oder tröstet sei dir gewiss: er bekommt das mit! Und wird versuchen, dich immer wieder zu beruhigen. Wenn es mit Gedanken geht, dann wird er diese nutzen. Dann fallen bei dir keine Bücher aus dem Regal und keine Lampen flackern oder was auch immer man sich so vorstellt, was passieren müsste. Es sind so oft einfach Gedanken, Ideen, Gefühle usw. die uns vermittelt werden. Es dauert eine Zeit sie zu erkennen. Bis dahin nimm einfach alles an, was kommt. Frag nicht "war das jetzt echt?" Lass es zu. Denn er ist ja bei dir. Und Wenn mal was dabei ist, was nicht mit Sebastian zu tun hat, so what? Ist doch egal. Deswegen ist er ja nicht weniger da.

    Ich verstehe dich. Wir haben viel mehr verloren, als andere begreifen können. Wenn man ein Kind egal welchen Alters an den Tod verliert, verliert man eine Zukunft, die man hätte haben können/sollen. Enkel, die nie geboren werden. Es ist ein sehr umfassender Verlust für dieses Leben, welches wir nun irgendwie weiterführen müssen.

    Guten Morgen, liebe Carmen
    Da hat Klein Tilda ja den Papa gut vertreten. Ich bin froh, dass der Tag so einige gute Momente hatte. Schwer war er natürlich trotzdem. Das versteht hier jeder, denke ich. Aber ein Lied von der kranken Lucie, Blumen und selbstgebackener Kuchen sind ja wirklich ein wenig Balsam fürs Herz.