Posts by Tigerlily

    Die ersten 3 Wochen hatte ich überhaupt keinen Appetit, jetzt ist es so, dass ich lange Pausen dazwischen habe, weil ich eigentlich noch immer keinen richtigen Hunger habe, aber dafür am späten Abend oder gar in der Nacht esse und zwar Nudeln oder Suppe oder Eier mit Gemüse oder Nüsse. Das ganze Zuckerzeug und die verderblichen Lebensmittel habe ich alle nach dem Tod meines Mannes verschenkt, jetzt esse ich halt die haltbaren Sachen auf. Zunehmen tu ich nicht eher noch abnehmen, allerdings langsamer als die ersten 3 Wochen. Mag aber auch daran liegen, dass ich meinem Kummer gerne davonlaufe und jetzt Urlaub habe und auch Zeit dafür, sodass ich jeden Tag locker 15 Kilometer zusammenbringe.

    Liebe Astrid und alle anderen, die Kurzfassung: Seit heute Nachmittag geht es mir nicht so besonders gut und ich mache mir viele Gedanken über meinen Cousin, bei dem ich ja noch irgendwie in der Kennenlernphase bin.


    Wir haben noch eine 2. Wohnung in direkter Nähe zu unserer und mein Cousin samt Hund logiert dort und ich besuche die beiden schon zum Frühstück und dann unternehmen wir jeden Tag etwas Neues bis zum Abend und den Abend und die Nacht verbringe ich alleine daheim.

    Wir sind uns beide einig, dass er nicht in meiner Wohnung sein sollte, weil da mein Mann noch sehr präsent ist.

    Mein Cousin ist nett und mitfühlend und hält sich auch sehr zurück, trotzdem ist es mir gerade heute nachmittag auf einmal zuviel geworden.

    Es ist seltsam, wenn ich zuviel Schönes auf einmal erlebe, kommt das tiefe Loch, in das ich dann hineinfalle, unweigerlich nach ein, zwei Tagen.


    Es ist so, dass mein Cousin aus Deutschland kommt, aus einer Gegend die komplett flach ist. Mein Wohnorrt ist eher gebirgig und dazu haben wir sensationelles, sonniges Wetter und er ist total begeistert von meinem Heimatort und der Hund ist richtiggehend aufgeblüht und kann gar nicht genug kriegen vom Spazierengehen bergauf und bergab durch Wald und Feld. Leider schaffen die beiden nicht einmal eine gemäßigte Wanderung, ein Spaziergang von 2 Stunden bringt meinen Cousin schon an seine Leistungsgrenze und er hat nach drei Tagen mit Muskelkater zu kämpfen, während der Hund inzwischen trotz seines moppeligen Äußeren und seiner 11 Jahre zu Höchstform aufgelaufen ist. Es ist eine richtige Freude ihm zuzusehen wie er die freie Natur genießt!

    Gestern in der Nacht hatte ich dann noch einen magischen Moment mit einem Freund meines Mannes, den ich schon so lange kenne, wie ich meinen Mann kenne und der in meinem Alter ist und der ebenfalls sehr um meinen Mann trauert.

    Ich war mit meinem Cousin und seinem Hund und einer Freundin am Abend in einem Lokal am Fluss essen, es war eine klare Nacht, als wir um ca. zehn Uhr heimgingen. Ich verabschiedete meinen Cousin und nachdem ich gerne in der Nacht unterwegs bin, machte ich mich danach noch zu einem Spaziergang am Waldrand auf, durch die Siedlung, in der Hannes in seiner Jugend gewohnt hat und dann wollte ich Richtung Friedhof gehen.

    Es war eine klare Sternennacht, die Berge hoben sich majestätisch vom nächtlichen Himmel ab und auf einmal kam mir der Freund meines Mannes entgegen, bereits auf dem Heimweg von einem Lokal. Wir umarmten uns und sahen auf den Nachthimmel und redeten von Hannes und danach kehrten wir gemeinsam in dem Lokal, aus dem er gerade gekommen war, ein auf ein Achtel Rotwein und unterhielten uns über Hannes. Das war richtig schön mit jemandem über unsere gemeinsame Vergangenheit zu reden und sich so richtig verstanden zu fühlen. Er hat mich dann noch bis zur Haustür begleitet, obwohl ich versicherte, dass das nicht notwendig wäre. Es führte allerdings dazu, dass ich mich richtig geborgen fühlte und auch gut schlafen konnte (es war schon Mitternacht).


    Heute machten mein Cousin und ich mit anderen Freunden von mir einen Ausflug auf eine Alm, das war ebenfalls wunderschön und sehr friedlich, Allerdings merkte ich schon beim Heimfahren, dass es mir immer schlechter ging und daheim habe ich dann fast die Flucht ergriffen, ich konnte die Nähe der anderen Menschen, auch wenn es Freunde und ein Verwandter waren, plötzlich nicht mehr aushalten. Eine große Dosis Baldrian Tropfen und 3 Stunden flottes Gehen später und nach dem Anzünden einer Kerze in der Kirche ging es mir dann wieder etwas besser, aber die friedliche Stimmung der letzten Tage ist weg, der Schmerz und die Trauer haben sich wieder erfolgreich ihren Weg gebahnt.


    Ich finde es schwierig, mit meinem Cousin, der ja eigentlich ein fremder Mensch für mich ist, weil ich ihn seit meiner frühen Kindheit nicht mehr oft gesehen habe, das verwandtschaftliche Verhältnis zu pflegen, das er sehr gerne betont.

    Ihr düft mich nicht falsch verstehen, er ist in keiner Weise aufdringlich und ich finde es nett, wie er mir zuhört und sich kümmert und ich zeige ihm gerne meine Heimat und meine Freunde. Aber ich schwanke immer hin und her zwischen Abstand und Vertrauen und ich muss immer wieder darüber nachdenken, wie ich ihn in mein System einordnen kann, in dem er keinen Platz gehabt hätte, wäre mein Mann noch am Leben.

    Mein Cousin ist da, samt Hund, ein wirklich niedlicher Hund, aber ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich eine gute Idee war. Wenigstens wohnt er nicht bei mir in der Wohnung, er wollte sich nicht auf das Sofa setzen, weil dort immer Hannes gesessen ist. Irgendwie war telefonieren leichter, als die direkte Anwesenheit. Mal abwarten wie es sich entwickelt, ich habe ihm schon erzählt wie leer ich mich fühle und versuche möglichst ehrlich und authentisch zu sein, momentan habe ich leider nicht das Gefühl, dass er mit den Umständen gut klar kommt, aber vielleicht liegt es auch an der langen Anreise und morgen wird es besser. Wünscht mir Glück, ich habe momentan mit mir selber schon genug Stress.

    Liebe Amitola, ich danke dir für deine Unterstützung und dass du immer wieder tröstende Worte für mich findest!


    Inzwischen sind wieder ein paar Tage vergangen, erträgliche und weniger erträgliche und heute, Sonntag kommt mich mein Cousin besuchen und ich weiß ich sollte mich freuen, aber auch das gelingt nicht so richtig.

    Gerade heute morgen war es wieder besonders arg, richtige Weltuntergangsstimmung und ich habe bemerkt, es ist nicht nur mein Mann der mir sehr fehlt, sondern es liegt auch an mir und meinem fehlenden Lebenssinn, meiner fehlenden Lebensfreude - es liegt definitiv an mir selbst, dass ich so verzweifelt, unruhig und trostlos bin. Mein Mann war mein letzter Halt im Leben, er gab mir den Sinn, die Liebe und die Zufriedenheit, die ich in mir selbst nicht finden konnte und es auch immer noch nicht kann. Jetzt wo er nicht mehr da ist, bin ich total auf mich zurückgeworfen und da ich materiell gut versorgt bin und auch sonst keine Sorgen haben müsste wird mir klar, dass auch ich selbst es bin, um die ich trauere.

    Ich weiß nicht, wie mein Weg weitergehen wird, aber so wie Amitola schon sagte - es wird ANDERS werden - wenn nur meine Angst nicht wäre, dass es noch viel schlimmer kommen kann, als es momentan so schon ist.

    Bei mir ist es eher umgekehrt, dass ich noch viel mehr schreiben möchte, mich aber zurückhalte, um das Ganze nicht in einen endlos langen sich wiederholenden Monolog enden zu lassen.

    Ich finde es ebenfalls sehr schön, dieses Forum gefunden zu haben, in dem ich Bestätigung und Trost finde und möchte dir ebenfalls danken, liebe Tina, dass du das so schön geschrieben hast!

    Sonntag und teilweise Montag ging es mir ein bisschen besser, heute war ich am Morgen wieder bei meiner Psychologin und seitdem gehts wieder steil bergab ins Tal der Tränen. Den ganzen Tag quäle ich mich schon herum und jetzt am Abend habe ich eine halbe Beruhigungstablette genommen und nicht einmal die bringt mir etwas Linderung. Appetit habe ich auch keinen und ich habe schon wieder intensive Sehnsucht, meinem Mann nachzufolgen, ich weiß einfach nicht , was ich noch auf dieser Welt soll und ich kann auch den Beteuerungen nicht mehr glauben, dass irgendwann alles besser wird. Wie soll denn irgendetwas besser werden? Das Leben geht so oder so seinen Gang, dem ist es völlig egal ob man es genießt oder sich damit abquält und meinen Mann kann mir auch niemand mehr zurückbringen und ohne ihn ist alles einfach nur mehr sinnlos.

    Ich weiß natürlich, dass es rein objektiv gesehen keinen Grund gibt am Leben zu verzweifeln. Aber das nützt mir nichts wenn mich meine Gefühle übermannen und ich einfach nur meinen Hannes um mich haben will und mir alles andere komplett egal ist.

    Liebe Sunbabe, liebe Blaumeise, ich lese eure Einträge mit tiefer Rührung und Demut, denn ihr habt es so schwer gehabt im Leben, wie ich es nie hatte und dennoch kann ich eure Gefühle so sehr nachvollziehen, denn auch ich hatte und habe mit diesem dunklen Strudel zu kämpfen, der das Leben ausweglos erscheinen lässt und einem jede Freude und Hoffnung nimmt.

    Ich kann mich nur Blaumeises wunderbarem Beitrag vollinhaltlich anschließen, der in dem Fazit endet - Aufgeben ist keine Option!


    Jetzt nach dem Tod meines geliebten Mannes, der mein letzter und einziger Halt im Leben war, stehe ich vor der besonderen Aufgabe, mein Leben nun allein in den Griff zu kriegen und ich habe weiß Gott oft genug daran gedacht, wie ich ihm nachfolgen könnte, während ich nebenbei meinen Alltag relativ normal bewältige. Ich bin voller Zweifel und Ängste, was die Zukunft bringt, ob es ein Leben nach dem Tod gibt, was das alles soll, denn genau wie ihr finde ich das Leben als eine Herausforderung und habe nie wirklich gern gelebt, auch vor dem Tod meines Mannes schon nicht, obwohl ich die schönen Momente darin auch durchaus als seltene Ausnahme genossen habe und allein für ihn und meinen Vater gelebt und darin meine Erfüllung gefungen habe.


    Selber umbringen könnte ich mich schon wegen meiner Zweifel an allem und jedem nicht, was wäre, wenn es ein Jenseits und Lebensaufgaben wirklich gibt und ich muss das alles dann nochmal machen? Das wäre dann ja noch schlimmer als es schon ist.

    Und ja, ich wiederhole mich auch dauernd, denn mein Lebensthema beschäftigt mich permanent und muss immer wieder angesprochen und ausgesprochen werden und das tut mir gut.

    Nachdem ich eine ziemlich schlechte Woche hatte, hatte ich heute morgen eine sehr befreiende Eingebung, die mich ein wenig ruhiger gemacht hat. Auf einmal habe ich begriffen, dass es ok ist, wenn ich meinen Mann vermisse und in Tränen ausbreche, dass es in Ordnung ist, wenn mich nichts freut und ich keine Pläne für die Zukunft habe und dass es egal ist wie lange, wie oft und wie sehr ich um meinen Mann trauere.

    Irgendwie ist das ganz in mich hineingesickert, so wie es vorher noch nie möglich war und hat mich ein Stück weit befreit.

    Zur gleichen Zeit ist mir klar geworden, dass ich mich von meinem Mann irgendwann noch einmal richtig verabschieden möchte und dass ich ihn gern dauerhaft bei mir im Herzen haben will, wenn das für ihn auch in Ordnung ist.

    In diesem Forum habe ich etwas von einer Methode gelesen, die man anwenden kann, um die Nähe zu den Verstorbenen zu fördern. Sie heißt IADC = Inducted After Death Communication. Es gibt in Rosenheim eine Therapeutin, die diese Methode autorisiert anwendet.

    Ich möchte das unbedingt ausprobieren und hoffe dass es bei mir funktioniert - allerdings habe ich mir auferlegt bis Anfang nächstes Jahr zu warten, um die ganze Angelegenheit nicht zu übereilen und ihm und mir Gelegenheit zu geben uns in unserer so verschiedenen Situation besser zurecht zu finden.

    Vom Ergebnis dieser Behandlung mache ich dann abhängig, ob ich es noch für nötig befinde, das Medium, das ich schon einmal konsultiert habe, erneut aufzusuchen, um mit Hannes in Kontakt zu treten.


    Wichtig ist mir, in der Situation meinen Frieden zu finden und im Übrigen den Geschehnissen ihren Lauf zu lassen und zu versuchen herauszufinden, was für Hannes und mich am Besten ist. Denn dass es ihn noch genauso gibt, wie mich, nur halt nicht in physischer Form auf der Erde, da bin ich mir ziemlich sicher.

    LIebe Dani, bei uns wars genauso. Er war der Macher und ohne ihn gäbe es alles nicht, was ich jetzt allein besitze und belebe. Er hat mir buchstäblich ein gemachtes Nest hinterlassen. Nur dass nicht mehr wir gemeinsam in diesem Nest gemütlich sitzen, sondern dass es jetzt fast zwangsläufig von anderen genutzt werden wird. Das tut unheimlich weh, auch wenn ich mir immer wieder sage, dass er sich immer um mich gesorgt hat und mir ein schönes LEben bieten wollte.

    Wir haben ebenfalls eine Ferienwohnung und zwar am Bodensee. Ein paar Tage vor Hannes Tod waren wir noch dort, es war sehr harmonisch und wir hatten vor öfter und länger herzukommen, wenn ich in Pension gehe und er mit dem Fliegen zurücksteckt oder mit Ende Siebzig ganz damit aufhört.

    Ich war kurz danach ein paar Tage alleine dort und habe es fast nicht ausgehalten, obwohl ich sehr oft bei meinen Nachbarn war und sie mich getröstet haben. Ich habe beschlossen nicht mehr hinzufahren, weil es einfach zu sehr schmerzt. Ich habe sogar überlegt die Wohnung zu verkaufen, habe ich aber grundsätzlich entschieden, weitreichende Entschlüsse mindestens ein Jahr lang auszusetzen, damit ich nichts tue, was ich später bereuen würde.

    Es ist so traurig, dass euer lieber Schlawunsch gehen musste, jeder einzelne Abschied tut unheimlich weh und jeder Lebenspartner ist durch nichts und niemanden zu ersetzen.


    Diese Herzen sind speziell für Claudia und Schlawunsch und die ewige Verbundenheit in Liebe!

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    Es ist seltsam, wie sich die Dinge gleichen ... in einer Woche kommt mich mein Cousin besuchen, den ich seit meiner Kindheit erst einmal wiedergesehen habe und das ist schon mehr als 10 Jahre her. Wir hatten bloß eine lose Verbindung mit E-Mails zu den Feiertagen.

    Spontan habe ich mich damals gefreut, als ich ihn nach dem Tod meines Mannes angerufen hatte und er sofort vorgeschlagen hat zu kommen und mir zu helfen, je näher die Begegnung heranrückt, desto unsicherer werde ich. Wenn es meinen Mann noch gäbe, wäre das so nie geschehen, wir würden uns umeinander kümmern und wenn ich Probleme hätte würde er mich trösten, genau wie umgekehrt.

    Auf der anderen Seite ist mein Mann eben nicht mehr da und er wollte immer dass ich glücklich bin, auch wenn er zu Lebzeiten schon ein bisschen eifersüchtig auf mich war könnte es gut sein, dass er mir diese Hilfe jetzt schickt?

    Liebe Frances, wir beide haben eines gemeinsam - einen riesengroßen Verlust!

    Ansonsten ist deine Geschichte sehr anders wie die meine, dennoch kann ich deine Gefühle nicht nur verstehen, sondern teile sie auch gänzlich denn mir geht es momentan ganz genauso!


    Von mir wirst du ganz sicher keine aufmunternden Parolen lesen, aber ich kann dir sagen, dass deine Gefühle nahezu identisch sind mit denen, die ich jetzt, knappe 3 Monate nach dem Tod meines geliebten Mannes fühle.


    Ich bin ebenfalls bei einer Psychologin und jedes Mal, wenn ich bei ihr war, geht es mir schlechter als vorher, trotzdem habe ich weiterhin das Bedürfnis hinzugehen, einfach nur, um wenigstens irgendeinen Angriffspunkt zu haben.

    Ich gehe dazu noch zu einer Energetikerin, die mir schon sehr hilft, danach fühle ich mich für kurze Zeit erleichtert, leider dauert das nicht allzulange, aber ich habe schon den Eindruck dass es mir für meine Trauer hilft, ich möchte sie nicht missen.

    Was mich sonst noch erleichtert sind lange Spaziergänge (2 Stunden oder mehr) in flottem Tempo bei jedem Wetter und alleine, vor allem am Abend beruhigt es vor dem Schlafen gehen.

    Am Anfang meiner Trauerzeit habe ich mich mit vielen Freunden und Bekannten umgeben, um Trost zu finden und nicht alleine zu sein, das hat sich in den letzten Wochen gewandelt, ich tue mich schwer mit Außenkontakten und auch mit Berührungen und Umarmungen, die ja eigentlich Trost spenden sollten, das funktioniert aber momentan nicht)

    Ich bin ja ganz alleine und habe keine enge Familie mehr, deswegen tue ich mir auch schwer die Balance zu finden zwischen kompletten Rückzug und Außenkontakten, aber ich kann sehr nachvollziehen, dass du das Interesse an allen äußeren Dingen verloren hast, Lösung habe ich für unser Problem leider keine, vermutlich müssen wir einfach so weitermachen, bis sich irgendwann etwas von selber ergibt?

    Liebe Amitola!


    Du kannst gern alles fragen, leider ist es mir momentan nur möglich, mich mit meinen eigenen Anliegen zu beschäftigen, weil es mir definitiv absolut furchtbar geht und jetzt 3 Monate nach seinem Tod, habe ich eben das Gefühl, dass es immer schlimmer wird, sodass ich überhaupt kein Licht mehr am Ende des Tunnels sehe.

    Ich habe meine Gefühle heute morgen spontan in einer Facebook Gruppe ausgedrückt, ich setzte sie mal unter dem Beitrag in einen Spoiler Tag, dann könnt ihr sie lesen, oder auch nicht (ist eine ziemliche Textwüste).


    Und ich beantworte auch gern deine Fragen, das Schreiben hier befreit mich ja sehr und ich wünsche mir nichts mehr, als dass ich irgendwann in ferner Zukunft - in ein bis zwei Jahren, wie du so schön schreibst - auch einmal entspannt auf die Beiträge von verzweifelt Trauernden eingehen und ihnen den Trost spenden kann, dass es wieder besser wird. (Auch wenn ich mir momentan nichts dergleichen auch nur ansatzweise vorstellen kann)


    Vielleicht hast du recht, dass ich mich zuviel fordere, ich habe allerdings jede Ruhe und jeden Seelenfrieden verloren, sodass ich für mich leider keine andere Möglichkeit sehe, als mich in dieser Art zu fordern.


    Was ich mir vom Besuch meines Cousins erwarte, darüber bin ich in großem Zwiespalt. Ich kenne ihn genau genommen kaum aus der Kindheit und dann von den Telefonaten, die wir führen, seit mein Mann gestorben ist. Er ist nett und vielleicht schaffen wir es gemeinsam, ein bisschen Normalität oder zumindestens Abwechslung in mein derzeitig sehr chaotisches und einsames Leben zu bringen. Ich habe allerdings auch Angst davor, dass ich ihn mit meinen "Zuständen" vergraulen könnte, oder dass ich es bin, die ihn nicht aushalten kann. Ich denke schon wieder viel zu viel über das alles nach und mache mich verrückt damit.


    Ich hatte schon immer viel zuviele Gefühle, gepaart mit einer Art Perfektionismus und dem starken Bedürfnis, meine Existenz durch meine Liebsten zu definieren, von deren Zuneigung und Zustimmung ich mich sehr abhängig fühlte. Deswegen habe ich versucht mich anzupassen, so gut es ging und jetzt fällt mir das alles auf den Kopf, weil ich einfach nichts mit mir selber anfangen und es nur sehr schwer mit mir allein aushalten kann. Das mit dem Vollfressen, um meine Gefühle zur Ruhe bringen zu können und mir wenigstens etwas "Gutes" in dieser schwierigen Zeit zu gönnen, habe ich vor drei Tagen wieder versucht, weil ich da das erste Mal wieder so etwas wie Appetit bekommen habe. Leider hat es nicht funktioniert mit dem Beruhigen und angenehme Gefühle zu erzeugen und jetzt habe ich nach 2 Tagen 3 Kilo mehr auf der Waage und zusätzlich zu dem ganzen Elend jetzt wieder die Schuldgefühle und die alten Muster draufgepackt , ganz großes Kino!!


    Ja und ich habe Angst, unheimliche Angst, ich glaube die Schallplatte wird zerbrechen und was dann?


    Und mit Drogen, meine ich alle Drogen, Beruhigungstabletten, harte Drogen, Alkohol und irgendwie gehört meine Droge, das unkontrollierte Essen da ja auch dazu. Übrigens habe ich in den letzten 2 Tagen jeweils am Morgen eine halbe Tablette Xanor (Diazepam) genommen, aber davon wurde ich nur müde, gegen die Seelenqual hat es nicht wirklich geholfen.


    Das Bedürfnis einfach weg zu sein ist momentan wieder übermächtig stark, ich habe einfach nicht genug Fantasie mir vorzustellen, was mich noch auf dieser Welt halten könnte - gleichwohl ist mir natürlich klar, dass ich weiterleben muss, ich habe einfach keine andere Wahl, im Gegenteil ich muss lernen mein Leben alleine zu meistern und so etwas Exotisches wie "Lebensfreude" zu erlangen (es klingt absolut absurd für mich, so oft ich es auch wiederhole)

    Inzwischen habe ich auch die spontane Gewissheit, dass ich nicht alleine leben möchte, die ich hatte, als Hannes gestorben ist, relativiert, denn ich habe begriffen, dass ER es ist, den ich wiederhaben möchte und nicht IRGENDWEN, denn niemand kann seinen Platz einnehmen.

    Ich kann es drehen und wenden wie ich will, ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie ich jemals ohne meinen Mann irgendwo ein zufriedenes Leben führen kann, von Glück und Freude rede ich schon gar nicht.

    Und dennoch, wäre genau das meine Aufgabe - klingt für mich wie die Quadratur des Kreises und macht meine Stimmung nicht besser.


    Ich schreibe schon wieder viel zu viel, fällt mir auf, aber es erleichtert auch ungemein und es ist ja niemand gezwungen, das alles zu lesen. Vielen Dank für dieses Forum, es bedeutet mir inzwischen sehr viel!

    Ja diese Palette an Vorschlägen werden mir auch öfter unterbreitet. Viele meinen, ich solle mich um gemeinnützige Arbeit bemühen, oder ich soll Busreisen machen (mochte ich noch nie und allein schon gar nicht) oder die Krönung, weil es immer wieder kommt - du bist doch so tierlieb, nimm dir doch wieder einen Hund! Erstens einmal mißbrauche ich kein Tier für meine eigenen Bedürfnisse und etwas anderes wäre das nicht und zweitens habe ich momentan gar nicht den Kopf frei für ein Lebewesen zu sorgen, wenn ich das nicht unbedingt muss.

    Mein Mann war auch keine Lichtgestalt, sondern ein ganz normaler Mann, mit Vorzügen und Fehlern wie jeder Mensch, aber er war ganz und gar mir zugehörig, wir planten und besprachen alles gemeinsam, wir haben voneinander gelernt und uns aneinander gerieben, wir haben uns gestritten und wieder versöhnt, kurz wir haben gemeinsam gelebt und das ganze 32 Jahre lang. Ich wünsche all denen, die mit ihrem Partner unzufrieden sind und glauben, wir würden übertreiben nicht, dass ihnen dasselbe passiert wie uns, denn dann würden sie erleben, was wir erleben müssen und dann möchte ich nicht dabei sein, wenn sie das heulende Elend überfällt.

    Danke für deine Antwort, Amitola!

    Das Schlimme ist, dass ich gern nach vorne sehen möchte, dass mein Mann immer gewollt hat, dass ich glücklich bin, dass ich viel Hilfe habe und dass mich ab übernächstem Wochenende mein Cousin besuchen kommt, der sich sehr auf mich freut.

    Und ich sitze da und kann mich gegen meine Gefühle kaum wehren, ich versuche immer wieder ein wenig herunterzufahren, aber dennoch zerreißt es mich fast, es ist einfach unbeschreiblich. Mein ganzes Leben lang hatte ich gewisse Techniken, meine überbordenden Gefühle in Zaum zu halten (wenn diese auch sehr oft nicht sehr gesund für mich waren), immer konnte ich mich wieder zur Ruhe bringen, denn ich wusste, es gibt meine geliebte Familie, die mich braucht.

    Und auf einmal funktioniert nichts mehr, ich bin einfach ein unkontrolliertes Nervenbündel und wie eine zerbrochene Schallpaltte, die immer wieder das Gleiche wiederholt. Ich fange an Leute zu verstehen, die sich mit Drogen ruhigstellen, nur um diese entsetzliche Seelenqual nicht mehr aushalten zu müssen.

    Heute war ich in der Früh wieder bei der Psychologin, seltsamerweise geht es mir danach meistens schlechter als vorher und doch treibt es mich immer wieder hin zu ihr. Morgen bin ich dann wieder bei meiner Energetikerin, danach fühle ich mich vermutlich wieder einen halben Tag lang besser, bevor alles wieder von vorne beginnt. Ich habe mir soo fest vorgenommen, nicht mehr daran zu denken, dass ich lieber sterben, als leben möchte und wenn diese Gedanken kommen, sage ich immer wieder laut vor mich hin "danke dass ich leben darf", aber im Hintergrund lässt sich diese leise Stimme, die einfach sterben möchte nicht zur Ruhe bringen.

    Auf der einen Seite merke ich schon, dass sich in den 3 Monaten seit dem schrecklichen Unglück meine Stimmung verändert hat und von daher hoffe ich schon, dass es wirklich irgendwann einmal wieder besser wird. Aber momentan wird es tatsächlich immer schlimmer. Die Traueranfälle kommen immer öfter, die Pausen dazwischen werden kürzer und es breitet sich in mir so eine Hoffnungslosigkeit und Ängstlichkeit aus, dass ich es kaum aushalte. Ich versuche mit meinem Mann zu reden, in mein Herz zu fühlen und irgendetwas zu spüren, aber damit habe ich mich immer schon sehr schwer getan und das ist jetzt leider nicht anders.

    Laut Psychologin und allen anderen, die ich mit meinen Problemen konfrontiere, bin ich auf einem guten Weg und es ist alles normal, was ich empfinde, aber es ist so schlimm, dass ich mich wundere, wie ich doch immer wieder Tag für Tag überstehe, sodass inzwischen schon 3 Monate vergangen sind. Und wie meine Zukunft aussehen wird wage ich mir gar nicht vorzustellen, es ist einfach nur entsetzlich.

    Es tut mir leid für den Doppepost, aber ich muss irgendwie meine Gefühle ausdrücken.

    Ich fühle mich so elend, so allein und verlassen, es regnet draußen und in meinem Herzen regnet es auch. Ich will nicht allein sein und ertrage auch keine anderen Menschen. Ich sollte etwas arbeiten, sitze aber nur da und weine und ich frage mich womit haben wir diese Hölle auf Erden verdient?