Posts by Firefly

    Ich war ja gestern bei meinem Therapeutengespräch. Seine Einschätzung ist, daß ich im normalen Trauerbereich liege. Ich habe jetzt das mal so sinngemäß wiedergegeben.

    Wenn ich emdr machen möchte, sollte ich das ausprobieren ob es mir hilft. Er selbst bietet das nicht an und hält es gegenwärtig nicht für notwendig. Ich habe dann gesagt, daß ich das Gefühl habe schon an der Grenze dessen zu sein was ich aushalten kann. Mir geht es mehrmals am Tag so, daß ich weinen muß, die Zähne dann so aufeinanderpresse ich am liebsten aufgeben möchte. Emdr wird von einem Therapeuten 15km entfernt angeboten. Wäre also machbar.


    Besonders schlimm ist es wenn ich im Keller ihr zweites Mountainbike (Ihr 29er wurde beim Unfall zertrümmert) hängen sehe oder ihre Skitourenausrüstung sehe, wir haben im Frühjahr extra neue Stiefel gekauft, das Beste was der Markt hergibt damit sie ja nicht irgendwo drücken. Sie konnte sie nur dreimal tragen.


    Zum Glück haben wir es jetzt geschafft, daß alle am Abendessen teilnehmen auch wenn die Stimmung immer sehr traurig ist, so ist es doch besser als wenn noch einer fehlt.

    Die Mädels vertragen sich jetzt seit ein paar Tagen wieder sehr gut, so wie früher. Es muss irgendwie weitergehen auch wenn ich nicht weiss wie. Ich habe mir jetzt das empfohlene Buch bestellt. Hoffentlich kann ich mich aufraffen es zu lesen.

    Ich bin am Abend immer wie erschlagen.

    Gestern habe ich es mal mit Atemübungen versucht. Man klammert sich wirklich an jeden Strohhalm. Wir vermissen sie so ungemein und immer mehr.

    Hallo

    Ich habe heute morgen auf dem Weg zur Arbeit - sonst bin ich ja geradelt aber ich komme da zeitlich nicht mehr rum daher fahre ich jetzt mit dem Auto- von Jochen Distelmeyer das Lied "Lass uns Liebe sein" gehört. Ich kannte das Lied nicht und es hat mich sehr beeindruckt.

    Hallo Medina

    schön, daß du die Reise gemacht hast. Ich denke es ist besser mit der Trauer zu reisen als gar nicht zu reisen und sich stattdessen zu Hause im Kreis zu drehen.


    Ich habe mich heute an eine Geschichte erinnert, als wir im Herbst nach der Freibadsaison zum Spazierengehen mit dem Hund zum See gefahren sind. Die Sonne schien noch so stark und wir sind direkt am Wasser unten lang gelaufen um dem Hund zu ermöglichen ins Wasser zu gehen. Dabei kam dann der Gedanke auf auch einfach ins Wasser zu springen. Da wir keine Badesachen dabei hatten - es war ja eigentlich ein Sonntagsspaziergang- sind wir tatsächlich nackend baden gegangen. Die Große kam mit rein, die beiden anderen waren zu schüchtern. Es hätte ja jemand vom Fussweg oberhalb ans Wasser kommen können. Es war so super schön nochmal im See zu schwimmen. Und genauso spontan wie sie war - behalte ich meine Liebste in Erinnerung. Ich musste dann zwar auch wieder weinen aber ich war auch dankbar für diese schöne Erinnerung.

    Hallo Thomas

    diese große Trauer die da plötzlich aufkommt kenne ich auch. Ich kann auch nicht sagen wodurch das dann ausgelöst wird.

    Es sind oft gar keine offensichtliche Gründe und es kommt wie aus dem Nichts, daß man sich plötzlich alleingelassen fühlt. Und da spielt es auch keine Rolle, dass nebenan der Kurze in seinem Zimmer Hausaufgaben macht. Es ist wie ein Eimer Wasser über den Kopf der einem diese brutale Realität bewussst werden lässt dass die schöne Zeit für immer um ist.

    Wir sind hier alle in einer Ausnahmesituation.


    Ich habe hier noch die Kinder den Hund und die beiden Katzen, die irgendwie dann doch ablenken. Trotzdem sind diese ich nenne sie mal Trauerspitzen mehrmals am Tag einfach so da.

    Hallo Frank

    es tut mir leid um jeden der sich hier anmeldet weil immer ein schlimmes Schicksal dahintersteckt.

    Es macht mir Angst, daß der Trauerschmerz nach 9 Monaten immer noch so stark ist, daß man sich von Tag zu Tag rettet. Ich halte es ja jetzt kaum aus und weine mehrmals täglich. Muß mich überwinden hier im Haus alles ordentlich zu halten, mit dem Hund Gassi gehen. Auch auf der Arbeit kann ich mich schwer konzentrieren.

    Die Kollegen erzählen wo sie jetzt dann mit der Famile hinfahren und ich könnte schreien weil wir nur noch ein Fragment einer Familie sind.


    Heute war meine Schwiegermama da und wir haben geredet, daß ihr Hausarzt zum Unfallort kam und auch Nichts mehr für meine Frau tun konnte. Jetzt habe ich wieder die Bilder im Kopf. Fliege durch die Luft und lande im Straßengraben, sehe die Sonne und den strahlend blauen HImmel und denke was sie gedacht hat als sie starb. Es zerreisst mich und ich habe schon wieder Kopfschmerzen.

    Wir haben heute nochmal gegrillt aber es ist eine Stimmung die an Bedrücktheit nicht zu überbieten ist. Wir vermissen sie alle so sehr. Meine Mittlere hat ihren Teller genommen und ist auf ihr Zimmer gegangen. Sie kann den leeren Platz am Tisch nicht aushalten. Ich kann nicht aushalten daß sie es nicht aushält.


    Danke indian summer für den link. Das Problem ist, daß wir eigentlich nicht alle zusammen weg können. Da ist zum Einen die Schule und das anstehende Abitur. Zum Anderen habe ich neben meinem Angestelltenverhältnis noch eine Firma.

    Aber ich werde mich mal schlau machen wo in der Nähe so eine Therapie angeboten wird. Werde morgen auch mit meinem Therapeuten darüber sprechen denn so wie es im Moment läuft komme ich nicht weiter. Vielleicht bin ich auch wieder zu ungeduldig aber ich kenne in der Nachbarschaft Witwen die jetzt auch nach Jahren noch in dieser Schleife hängen und ich möchte aus diesem Karusell heraus.

    Am liebsten würde ich den Bulli nehmen und einfach für eine ganz lange Zeit wegfahren und Alles hinter mir lassen.

    So wie es immer unser gemeinsamer Traum war mal ein Jahr durch Europa.

    Dann denke ich wieder an die Kinder, die unglaublich leiden und ich merke daß bei Ihnen die Trauer auch noch schlimmer wird als gleich nach dem Unfall.

    Ich denke für Sekunden manchmal daß das alles nicht wahr sein kann, daß das nicht meine Leben ist das da gerade abläuft und werde dann sofort von der Realität brutal zurückgeholt.

    Hallo Sonja

    Schön daß du Freunde hast bei denen du dich verstanden und geborgen fühlst. Es sind die Erinnerungen die uns bleiben. Diese Momente wenn man Sonntag morgen im Bett liegen bleibt, kuschelt und sich einfach unterhält und glücklich war.

    Diese Erinnerungen sind unglaublich schön und werden immer bleiben und tun doch so weh weil man weiss daß es Vergangenheit ist und keine Zukunft mehr hat.

    Ich habe gestern den ganzen Tag gearbeitet, dann ging das ganz gut aber heute am Sonntag ist dann wieder so eine Traurigkeit über mich gekommen. Ich hatte zum Glück meine Mittlere die ich umarmen konnte und mit der ich dann geweint habe. Einer der seltenen Augenblicke wo die Kinder das zulassen. Das ist das Problem an jungen Erwachsenen oder Pubertieren daß sie den körperlichen Kontakt zurückschrauben weil sie es irgendwie nicht gut oder verwirrend finden.

    Es hilft aber ungemein jemanden in den Arm nehmen zu können oder in den Arm genommen zu werden.

    Ansonsten versuche ich immer nur den nächsten Tag zu erreichen. Wenigsten ist jetzt klar daß zumindest der Kleine mit mir ein paar Tage Richtung Elsass mitfährt und wir werden versuchen ob das klappt. Ich bin auf jeden Fall froh etwas Pause von der Arbeit zu haben.

    Hallo liebe Blaumeise

    danke für deine Worte und die Du trotz deines eigenen Schicksals für mich findest. Ich hoffe, daß es gut für Dich ausgeht und du diese Krankheit besiegen kannst.

    Ich verstehe deine Argumentation. Ich verstehe, daß ich zu einem gewissen Teil auch um mich selbst trauern darf.

    Jedoch finde ich das Schicksal meiner Frau, bei so einem sinnlosen Verkehrsunfall zu sterben, weitaus schlimmer und deshalb tut sie mir unendlich leid. Deshalb setze ich alles daran die Relationen zu sehen und die Trauer um mich in den Hintergrund zu stellen.

    Deine Worte wirken keinesfalls oberlehrerhaft, vielleicht bin ich auch zu streng, zu ungeduldig mit mir. Ich habe ja schon mal geschrieben, daß ich keine Erfahrung mit Lebenskrisen habe, weil wir immer auf einer Erfolgswelle durchs Leben geritten sind.

    Die KInder sind heute zusammen mit Freunden nochmal ein Eisessen und auf einen Trödelmarkt gefahren. Ich wollte nochmal auf das Mountainbike und bin zum See raus die letzte warme Sonne genießen. Und da war wieder der Gedanke, daß sie das jetzt nicht mehr erleben darf und es eigentlich fies von mir ist ihre Lieblingsrunde zu fahren. Klar Sie war in meinem Kopf dabei - ich hab mich an den Stellen im Anstieg wie sonst auch zu ihr umgedreht und habe sie radeln sehen.

    Anschließend war ich noch bei ihr am Grab und habe ihr gesagt daß sie immer meine Rose bleiben wird.

    Es ist verdammt schwer noch einigermaßen die Richtung zu halten. Ich habe das Gefühl daß der Trauerschmerz immer noch schlimmer wird und ich weiss jetzt schon manchmal nicht mehr wie ich damit fertig werden soll.

    Hallo Astrid

    Ich bewundere wir du allen hier mit deinen Worten hilfst und bin dir dankbar für deine Zeit die du dir für mich nimmst.

    Ich kann das rational nachvollziehen, daß man diesen Verlust in das eigene Leben integrien muß. Das Herz und das Gefühl kommen einfach noch nicht mit. Das ist das was ihr sich Zeit lassen nennt. Das Herz braucht Zeit.


    Ich weiss auch, daß ich schon immer ein schlechter Verlierer war. Das hat mir im Sport geholfen noch das Letzte aus sich herauszuholen um ja noch auf das Podest zu kommen. Jetzt ist diese Motivation hinderlich. Auch wenn ich mich noch so anstrenge ich kann diesen Unfall und ihren Tod nicht ungeschehen machen. Ich verstehe es und doch verstehe ich es nicht. Das Herz braucht Zeit.


    Die Trauer ist sicher auch eine Angst wie man jetzt auf sich selbst zurückgeworfen das Leben neu ordnet. Ich spüre ja meine Enttäuschung darüber daß keine gemeinsamen Bergtouren, Mountainbike oder Skitouren mehr möglich sind. Das die Vertraute nicht mehr an meiner Seite ist, mir mit Rat beisteht. Das es etwas anderes ist "nur" mit den Kindern zu wandern, dass sie fehlt. Das ist meiner Meinung nach Selbstmitleid.


    Und dann gibt es noch die meiner Meinung nach "wahre Trauer". Die Trauer um das was sie nicht mehr erleben darf. Eine Hochzeit, die Geburt eines Enkels oder nur eine Abiturfeier oder einen schönen Urlaub das Gassigehen an einem schönen Tag mit ihrem Labbi. Ich unterscheide da schon und versuche bewußt nur die wahre Trauer zu leben.

    Hallo Maria

    Es geht uns allen so. Die Kindergeburtstagsprobleme die einem erzählt werden, daß z.B. ein Auto kaputt gegangen ist oder irgendein anderer Kram tun weh. Meine Frau hatte ein sehr gutes Gespühr für wertvolle und weniger wertvolle weil nur mitteilungsbedürftige Menschen. Sie hat ihre Zeit nicht mit Letzteren verschwendet.

    Mir hat gestern als ich im Garten gearbeitet habe meine Nachbarin erzählt, daß ihr Haus verkauft wird weil ihr Mann nach 40 Ehejahren eine Freundinn hat und sie seit 20 Jahren nicht mehr liebt. Uns war schon lange aufgefallen, daß beide nur noch getrennt zu sehen waren und jeder sein Ding durchzieht.

    Ich war sehr betroffen weil beide sehr engagiert in der Kirche sind und er sogar immer wieder Seminare besucht, sich als Seelsorger weitergebildet hat und einen Gebetskreis leitet. Meine Nachbarin steht mit über 60 jetzt vor einem Scherbenhaufen und bekommt noch gesagt daß sie eine Zweckehe geführt hätten. Irgendwie war ich dann dankbar, daß meine Frau und ich immer Eins waren und unsere Zeit nicht in einem Nebeneinander verschleudert haben sondern so viele tolle Erlebnisse und Erinnerungen haben und wir immer noch vernarrt ineinander waren.

    Maria, du bist erst 52, lass nicht zu, daß dieser Schicksalsschlag dich soweit aus der Bahn wirft, daß du nicht mehr zurückfindest. Ich habe auch Probleme noch Irgendetwas schön zu finden aber ich versuche alles um irgendwie über Wasser zu bleiben. Wir können die Zeit nicht zurückdrehen und das Geschehene ungeschehen machen. Wir können nur versuchen daß wir bewußt durch die Trauer gehen und irgendwann in diese Dankbarkeitsphase kommen, daß wir eine wundervolle Zeit hatten.

    Meine Liebste kann nicht wollen, daß ich mich jetzt noch Jahrzehnte ,sollte ich sie noch haben dürfen, nur auf das Sterben und Wiedersehen freue und kein lebenswertes Leben mehr führe. Keine Energie für unsere Kinder habe weil ich ein griesgrämiger wütender vom Leben betrogener Witwer geworden bin.

    Ich hatte auch diese Gedanken, daß es besser gewesen wäre wenn wir beide gestorben wären, Aber dann denke ich mir wie schlimm wäre das für unsere Kinder. Was würde meine Rose jetzt machen wenn ich mit dem Motorrad oder in den Bergen verunglückt wäre. Würde ich als Verstorbener wollen daß meine Rose nie mehr blüht ,sie nie mehr Freude am Leben hätte. Was hätte ich als Verstorbener davon wenn sie nur noch die ihr verbleibende Zeit im Leben als lästiges Warten auf den Tod vergeudet. Ich wäre traurig daß ich ihr durch meinen Tod so einen Kummer bereitet habe weil ich nur immer das Beste für meine Rose und meine Familie wollte und sich das durch meinen Tod nicht ändern würde.

    Hallo Tina

    Ich denke auch, daß jeder so trauern sollte wie er das möchte und nicht so wie nicht Betroffene das gerne hätten.

    Ich weine auch täglich und mir ist das egal was andere darüber denken. Mein Vater hat seinen Vater als Kriegswaise nie kennengelernt und ist was Gefühle zeigen angeht eine ganz andere Generation.

    Ich wurde von einem Kollegen diese Woche auch gefragt wie es mir geht und ich habe geantwortet, daß willst du nicht wissen weil ich keine solchen Gespräche im Vorbeigehen über meine Ausnahmesituation führe. Wenn Freunde Zeit mitbringen und zuhören können und nicht nur gute Ratschläge erteilen dann bin ich dankbar und schildere ihnen meine Gefühle. Dass ich meine Frau immer noch über Alles Liebe und sie uns unendlich fehlt.

    Ich schlucke keinen Ärger herunter sondern sage dann, dass Sie nicht annähernd wissen können wie sich das anfühlt und in welchem Abgrund ich mich befinde und dass sie bitte gehen sollen wenn sie das nicht aushalten weil ich muss noch viel mehr aushalten wenn ich Abends ewig wach bleibe um so müde zu sein daß ich sofort einschlafe und nicht noch in meiner Gedankenschleife ewig festhänge.

    Meine Kinder und ich und meine Schwiegermama wir sind der Maßstab und alle anderen haben sich nach uns zu richten, da kenne ich mittlerweile keine Toleranz mehr.

    Mir hat gestern jemand geraten in den Herbstferien alleine in einen Ferienclub zu fahren und mal was für mich zu machen. Ich habe dann geantwortet, daß ich mir das nicht vorstellen kann und nicht gut finde die Kinder alleine zu lassen auch wenn es mich nervt, daß wir kein gemeinsames Ziel für einen Urlaub finden können. Als dann nochmal kam dann eben alleine und er könne das gerne für mich buchen.

    habe ich dann freundlich und bestimmt das Telefonat beendet und bin heute auch nicht an mein Handy als ich angerufen wurde.

    Ich habe schon genug zu kämpfen, da brauche ich nicht noch einen Zwang von außen.

    Hallo Thomas

    ich sehe das auch so wie Uwe. Ein Welpe braucht am Anfang sehr viel Zeit und es ist Arbeit einen Hund zu erziehen.

    Wir hatten gleich nach dem Unfall auch überlegt wie wir das mit unserem Labbi jetzt regeln und auch überlegt ihn wegzugeben.

    Meine Frau ist meist zwei mal täglich eine Stunde und mehr mit ihm spazieren gegangen. Sie hat ihren Bankjob auf 8 Stunden wöchentlich reduziert und dadurch war der Hund maximal mal 2 Stunden allein zu Hause. Ihr war wichtig daß wenn wir uns einen Hund anschaffen, dass dieser auch ein schönes Leben haben soll.


    Eine liebe Nachbarin deren Hund verstorben und die öfters schon mit meiner Frau mitgegangen war hat sich sofort angeboten den langen Morgenspaziergang mit unserem Hund zu machen. Sie und Ihr Mann wollen sich keinen Hund mehr anschaffen weil der Tod ihrer Hündin sie sehr getroffen hat.

    Ich bin jetzt froh daß wir ihn haben ihren Guten und er ist auch ein Kamerad für meinen Jüngsten der gern mit ihm kuschelt.

    Hallo indian summer, Hallo Thomas

    Ich habe wieder viel gelesen und bin auf den Satz gestoßen


    Es gibt Menschen, die sich erlauben, dem Tod authentisch zu begegnen und seinen Schatten in den Kern ihrer Existenz zu integrieren."


    Ich hatte mich in meinem Leben noch nie richtig mit der Endlichkeit des Lebens beschäftigt. Jetzt muß ich lernen dass der Tod zum Leben gehört.


    Das ist es wahrscheinlich was mit der Zeit gemeint ist. Um dies zu begreifen braucht es die Zeit die es braucht.


    Ich habe auch gelesen daß die Trauer im Prinzip nur Selbstmitleid bzw. Mitleid der anderen ist weil das eigene Leben nicht mehr den eigenen Vorstellungen oder denen der Normalität entspricht.

    Ich hatte ja diesen Gedanken schon mal etwas selbst ausgearbeitet. Wenn man sehr gläubig ist - ist man überzeugt das es dem Verstorbenen gut geht. Wenn man nicht an Gott glaubt ist es aber auch identisch. Man projeziert die eigene noch verbleibende Zeit auf den Verstorbenen und bemitleidet sich selbst um diese Zeit die man noch haben hätte können.

    Das Problem liegt also in mir oder in uns und Menschen die diesen Schatten bereits in den Kern ihrer Existenz integrieren können sind uns voraus im Trauerprozess.

    Hallo indian summer

    alleine würde ich das nicht schaffen. Ich habe auch noch ihren Labbi aber alleine Gassi zu gehen ihre Hüfte nicht mehr an meiner zu spüren und wie sie oft ihren Daumen in meiner Jeans eingegängt hat. Das ist traurig.


    Sie lebt in unseren Kindern weiter. Unsere Kinder sind wirklich sehr hübsch und unser Sohn hat ihre leuchtenden großen blauen Augen und die Mädels ihre langen Beine.

    Wir waren immer noch vernarrt ineinander und andere Paare haben sich auseinandergelebt.

    Heute ist ein Kollege den ich lange nicht gesehen habe ganz kurz vor Besprechungsbeginn zu mir an den Platz gekommen und hat leise zu mir gesagt wie leid ihm das tut. Er kannte meine Frau nur von meinen Erzählungen der Mountainbiketouren und Skitouren am Kaffeeautomaten. Er und seine Frau haben sich vor einem Jahr getrennt und er hat einen kleinen Sohn. Erleidet denke ich auch noch.

    Ich war innerhalb von Sekunden im Loch - die Tränen standen mit in den Augen. Ich wäre am liebsten aufgestanden und rausgerannt.

    Ich verstehe nicht warum es uns treffen musste wo wir so gerne zusammen waren. Was für eine Prüfung soll das sein? Warum zerstören andere ihre Beziehungen. Wir hatten noch so viele Pläne und Ziele.

    Jetzt wäre die Zeit gekommen noch mehr Zeit für uns beide zu haben, wo die Kinder aus dem Gröbsten raus sind. Wir hatten das Licht schon gesehen, die Tür stand schon einen Spalt offen. Wir hatten lange gespart und uns gerade unseren TraumVW Bus gekauft. In dunkelblau ihrer Lieblingsfarbe. Wir waren damit nur einmal ein Wochenende auf Skitouren und an dann eine Woche an der Ostsee. Die Photos vom Gipfel oder sie mit dem Labbi am Strand.

    Es ist schwer. Ich vermisse meine Rose.

    Wir haben versucht den Bus zu nutzen aber es bereitet keine Freude mehr.

    Hallo Hannah

    ich kann mich Astrid nur anschliessen. Es ist schon schwer den Haushalt, die Kinder und die Arbeit zu schaffen. Auch ich bin oft antriebslos, dann wieder rastlos. Es fehlt der Gegenpol wir sind wie ein aus dem Gleichgewicht geratenes Mobile.

    Dass das Schicksal nur bei starken Menschen zuschlägt halte ich für den größten Schwachsinn und soll wohl suggerieren dass man stark ist und das schaffen kann. Ich kenne aber sehr viele Menschen die schon nach einer Scheidung nicht mehr aufstehen und das ist noch Kindergeburtstag gegen das was wir gerade durchmachen. Auch ich bin manchmal gereizt weil man einfach mit den Nerven unten ist - schlecht schläft sich betrogen vom Leben fühlt und am liebsten alles hinschmeissen möchte. Ich bin sowieso der Meinung daß hier im Forum nur Menschen schreiben die ihren Partner über Alles geliebt haben und noch immer lieben. Ich hasse dieses Wort Witwer dass ich in all die Formulare reinschreiben muß weil es immer noch meine Frau meine Rose ist. Wer jetzt nicht durch die Hölle geht und am Liebsten nur noch schreien möchte hat wohl nie richtig geliebt.

    Hallo indian summer

    wir haben gerade zu Abend gegessen - das war immer unsere gemeinsame Mahlzeit und das behalten wir auch so bei.

    Meine 17 jährige hat gesagt, dass sie sich schwer tut mit dem freien Stuhl am Tisch und dann haben wir alle geweint.

    Wir vermissen sie so sehr. Mein Bruder hat am Wochenende gesagt daß ihr plötzlicher Unfalltot vielen die Augen für das Wichtige geöffnet hat. Ich verstehe nicht warum sie sterben musste damit andere über ihr Leben nachdenken.

    Wir haben schon immer jeden Tag gelebt und gefeiert. Für uns ist es jetzt die schrecklichste Zeit in unser aller Leben und andere bekommen den Kopf hingestossen mit unserem Schicksal während für uns fast jeder Tag zur Qual wird.

    Hallo indian summer

    danke für deinen link. Einige der Punkte kann ich auch für meine Kinder gebrauchen. Jugendliche sind aber meiner Meinung nach noch mehr im Stress. Sie hängen gerade zwischen den Welten, sind mit sich selbst im Zweifeln, sind noch nicht erwachsen und wollen nicht wie ein Kind behandelt werden. Es ist da sehr schwierig einen Weg zu finden.


    Hallo Sonja

    Wir haben schon immer bewußt im Hier und Jetzt gelebt und viel Zeit mit den Kindern verbracht. Deshalb hat meine Frau auch nur ein paar Stunden pro Woche in der Bank gearbeitet. Wir hatten unseren Fokus ganz klar auf Familie und Freizeit und nicht auf Karriere.

    Wie du schreibst ist die Zeit das kostbarste Gut und das haben wir schon sehr lange erkannt.


    Nein wir wohnen leider nicht in München sondern mitten im fränkischen Seenland. Wir haben aber durch das Mountainbiken, Skifahren, Langlaufen und Skitourengehen einen engen Bezug zum Voralpenland. Unsere Kinder haben alle in Lengries das Skifahren gelernt.

    Wir wären dieses Wochenende bestimmt wieder als Paar zum Mountainbiken irgendwo dort unterwegs gewesen. Ich wollte jetzt weder alleine noch mit einem Kumpel fahren. Die Kinder brauchen mich jetzt auch hier.

    LG

    Hallo Thomas

    Du hast geschrieben daß du alles hinterfragst. Ihr nicht oft genug gesagt hast dass du sie liebst. Ich hatte die gleichen Gedanken.

    Bei mir war es so, daß wir uns morgens gar nicht voneinander verabschiedet haben, weil ich mich immer schon um 6 Uhr aufs Bike geworfen habe und zur Arbeit geradelt bin, so daß ich sie nur schlafend zum letzten mal lebend gesehen habe.

    Ich hatte ihr das letzte mal im April gesagt, dass sie immer noch mein Mädel sei und ich immer noch voll auf sie stehe und sie liebe.

    Und ich habe mir vorgeworfen warum ich das nicht öfters, täglich gesagt habe. Aber ich weiss dass sie mich sehr geliebt hat, obwohl sie das auch selten gesagt hat und genauso wusste sie auch daß ich sie geliebt habe und das muß nicht durch Worte ausgedrückt werden. Ich habe ihre Liebe gespürt und genauso hat sie meine Liebe gespürt.

    Du redest mit ihr , mache ich auch und bekomme immer schlaue Antworten. Wenn du ihr sagst dass du sie liebst antwortet sie bestimmt das weiss ich doch. Ich habe auch ein Buch in das ich an sie schreibe.

    Bei mir ist es allerdings so, daß mich die Arbeit eher schwächt als mir gut tut weil man irgendwie fremdbestimmt im Leistungshamsterrad mitlaufen muss wie immer wo doch Nichts wie immer ist. Aber ich habe schon länger dieses Wachstumskapitalismussystem -dieses schneller weiter höher in Frage gestellt.

    Du spielst auch Klavier - mache ich auch - es tut gut zu spielen - was spielst du so - bei mir ist es zur Zeit viel Sting und Yiruma. Ihre Lieblingslieder kann ich momentan nicht spielen.

    Suche dir irgend etwas was ihr nicht gemeinsam gemacht habt - ich war jetzt mal Segeln und Surfen - irgendwie musst du raus aus der Wohnung und aus der Endlosschleife des Nachdenkens. Ich bekomme da schreckliche Kopfschmerzen und merke, dass durch Grübeln und Nachdenken nicht weiterkomme. Ich habe viel über diesen vermeidbaren Unfall nachgedacht aber ich kann ihn nicht rückgängig machen. Auch wenn andere eine Schuld trifft macht es Sie nicht wieder lebendig. Ich als Entwickler werde dafür bezahlt Probleme zu lösen - aber dieses Problem kann ich nicht lösen ich kann nur mit den Konsequenzen umgehen.

    Jetzt schreibe ich wieder gscheid daher weil es mir etwas besser geht und morgen sitze ich auch wieder rum und heule wie verrückt.


    LG

    Hallo Sonja

    danke für deine Worte.

    Evtl. wendest du dich für deine Jungs mal an Youngwings die sitzen in München.

    Mein, unser Leben verlief bis zu dem Unfall wie ein gerader Strich und ich weiss daß ich da sehr viel Glück hatte. Sowohl im Beruf als auch in der Partnerschaft,in der Familie und im Leistungssport. Ich verfüge daher über wenig Erfahrung mit Rückschlägen und Krisen.

    Und im Nachhinein relativiert sich dieser Begriff Krise für mich auch sehr stark.

    Umso unfassbarer ist für mich dieser aprupte Bruch. Unsere Familie ist aus der Bahn geworfen. Das Gleichgewicht in unserer Familie ist verloren gegangen.

    Meine beiden Töchter verstehen sich momentan überhaupt nicht gut, streiten wegen Kleinigkeiten und sind beide sehr leicht reizbar und ich muß die für mich neue Vermittlerrolle übernehmen die sonst meine Frau inne hatte. Das Ganze hängt natürlich auch mit dieser Situation in der wir uns befinden zusammen. Die Große hat zwar vor dem Unfall schon immer viel ihr eigenes DIng durchgezogen und macht das jetzt weiterhin und da wäre etwas mehr Sinn für die familiäre Gemeinschaft manchmal angebrachter.

    Wir haben uns immer die fantastischen Fünf genannt und jetzt ist es fast so, daß der Unfall die Selbstständigkeit meiner Töchter beschleunigt hat, sie sich verstärkt ihren Jungs zuwenden und ich mit dem Kurzen den übrig gebliebenen Rest darstellen.


    Ich war heute mit einem Freund am See und er hat mir eine Windsurfstunde gegeben. Das Surfen, Kiten oder Sportsegeln wollte ich immer schon mal anfangen aber immer aufgeschoben. Es war ganz gut und ich bin sogar gefahren und habe die Wende geschafft. Er war etwas erstaunt, dass ich das beim ersten mal Surfen schon hinbekommen habe. Er ist aber auch ein super Freund. Seine Frau war die beste Freundinn meiner Frau und meine Frau hat die beiden (ich kannte ihn aus dem Sportverein und wir haben oft zusammen trainiert) damals zum legendären Springsteenkonzert nach München Riem mitgenommen obwohl sie sich vorher nicht kannten saßen sie auf der Rückfahrt knutschend hinter uns im Auto. Dies zeigt die unglaubliche Menschenkenntnis die meine Frau hatte. Das ist auch etwas was von ihr bleibt - diese lange Ehe und der gemeinsame Sohn.


    Ich brauche irgendwie diese Ablenkung und dass ich etwas tue was wir nicht gemeinsam gemacht haben um nicht ständig in dieser Schleife in meinem Kopf festzuhängen.

    LG


    Hallo Astrid

    es ist ein ständiges Auf und Ab. Wenn man am Morgen noch denkt es wird ein erträglicher Tag, so wird es am Nachmittag so wie heute als ich meine Tochter nach der Arbeit weinend in ihrem Zimmer antraf zur Monstertrauerwelle die wirklich schrecklich war. Ich heulte wie ein kleines Kind und umarmte meine Tochter. Ich sehe Ihre Schönheit in meinen Kindern und muss umso mehr um den Verlust weinen.

    Ich musste mich dann noch aufs Mountainbike setzen in der Hoffnung daß die Kopfschmerzen die ich dann immer bekomme weggehen würden. Aber auch auf dem Rad musste ich mehrmals heulen und ich verkrampfe mich daß ich kaum noch atmen kann.

    Die Schönheit der Natur am See - die letzten warmen Strahlen der tiefstehenden Sonne. Die Paare am See. Es tut einfach nur weh.

    Ich bin so hart gefahren bis die Beine komplett leer waren um außer dem Schmerz um sie noch einen anderen Schmerz zu spüren.


    Ich weiss daß mein Leben super schön mit ihr und unseren Kindern war und ich bin auch unendlich dankbar daß wir 3 gesunde Kinder haben, mit denen ich soviele schöne Momente gemeinsam mit ihr erlebt habe. Dass es uns finanziell immer super ging und wir soviel Reisen konnten.

    Ich kann in seltenen kurzen Augenblicken auch voll Dankbarkeit zurückblicken.

    Aber ich weiss auch, daß ich so ein Glück nicht mehr finden und erleben werde weil die Leichtigkeit und Unbeschwertheit verloren gegangen ist.

    Es wird für den Rest meines Lebens immer diese dunkle Musik im Hintergrund laufen wie ein Tinitus.

    Ich kann auch ihre Lieblingslieder die ich auf dem Klavier für sie gespielt habe nicht mehr spielen - mein Vater kann sein Instrument seit ihrem Unfall überhaupt nicht mehr anfassen.

    Ich bin machtlos und muß hoffen daß die Wunde so wie ihr meint etwas heilt