Beiträge von Lilifee

    Ihr zwei Fußballfans 🤣ihr macht einen drauf... Linchen ist mit Deutschland ausgeschieden😎

    Man muß flexibel sein. Manchmal ist auch das Zweitbeste gut genug, oder sogar besser. Deutschland hat es definitiv nicht verdient, Marokko schon.

    Liebe Puzzle,


    es ist schön daß Du wieder leichtgängiger und geschmeidiger bist. Der Rest kommt auch noch, und bis Weihnachten springst Du wieder wie ein junger Hirsch. :8::8:


    Was den Stoffwechsel angeht, so einfach ist das nicht immer in den Griff zu bekommen. Andreas war bestimmt nicht undiszipliniert. Gut, er hat gerne mal genascht, aber das war gar nicht so das Problem. Bei ihn war es einfach so daß es schwierig war den Insulinbedarf richtig einzuschätzen. Ich habe das ja all die Jahre hautnah mitbekommen und war auch machtlos. Manchmal hatte ich das Gefühl der Bedarf ist jeden Tag anders, abhängig von Uhrzeit, Wetter, Wochentag, Jahreszeit und ob man schon auf dem Klo war. Das klingt jetzt vielleicht etwas sarkastisch, aber so kam es uns vor. Wir sind oft dem tatsächlichen Bedarf nur hinterher gehechelt. Waren die Werte heute gut weil es mit dem Insulin gepaßt hat, konnte das morgen schon wieder ganz anders sein. War nicht gerade aufbauend, aber bei manchen Diabetikern ist das wohl so, und Andreas hat leider zu ihnen gehört.


    Ich bin jetzt aber erschüttert ohne Ende über Deinen Bericht. Was für Abgründe. Ich weiß natürlich nicht wie Dein Partner bis zu eurem Kennenlernen gelebt hat, aber entweder hat er in seinem Leben nicht sehr viel Liebe und Fürsorge erlebt. Oder er war ein Mensch dem es schwergefallen ist diese anzunehmen. So etwas gibt es ja. Da spielt dann sicher auch hinein wie man durch Kindheit, Elternhaus, Umgebung und spätere Lebenserfahrungen geprägt wurde. Ich kann aber sehr gut verstehen daß es ihn Überwindung gekostet hat seine Füße von Dir versorgen zu lassen. Das wäre mir auch so gegangen, denn ich bin ein Mensch der gerne gibt, dem es aber manchmal peinlich ist zu nehmen. Nur bei Andreas war das anders.


    Es ist natürlich nicht schön und auch nicht der Sinn einer Beziehung von wichtigen Lebensbereichen des Partners ausgeschlossen zu werden. Da kann man sich dann schon mal fragen, was waren wir eigentlich füreinander und was nicht? Das wäre zwischen Andreas und mir nicht denkbar gewesen. Bei uns gab es keine Geheimnisse, jeder wußte über den anderen Bescheid. Aber so ist es ja nicht überall. Leider, und ich habe es vor Andreas auch anders erlebt. Kein wirkliches Zusammen und Gemeinsam, sondern mehr nur ein freundliches Nebeneinander. Aber das ist längst Geschichte, und ich durfte Beziehung so wie ich sie mir immer gewünscht habe mit Andreas leben. Wenn auch nicht solange wie ich mir das gewünscht habe. Es ist aber schon erstaunlich daß Dein Partner für Dich und Deine Belange da war. Das ist ja bei einem freundlichen Nebeneinander nicht unbedingt so. Den Partner so einseitig ausschließen sollte natürlich nicht sein. Aber wie Du es schreibst, man kann für den anderen nur soviel sein und da sein wie es zugelassen wird.


    Es ist aber schon heftig etwas so gravierendes wie einen Defi zu verschweigen. Hat er sich deswegen auch geniert? Und wenn ja, warum? Hat er sich vielleicht als körperliches Wrack empfunden, eine Zumutung für andere? Mit seiner Angst wegen dem Defi war er aber nicht alleine. Diese Angst haben auch andere. Mein Vater hatte nach zwei Herzinfarkten einen Herzschrittmacher bekommen. Mit dem hat er noch etliche Jahre gut und ohne psychische Probleme gelebt. Aber Angst hatte er auch. Nicht die Angst nicht sterben zu können, sondern die Angst im geschlossenen Sarg wieder aufzuwachen falls der Schrittmacher ihn mit Verspätung wieder ins Leben zurückbefördert. Meine Mutter mußte ihm versprechen, daß nach seinem Tod das Kabel des Schrittmachers durchgetrennt wird. Und genauso ist es auch geschehen. Ich war dabei als die Hausärztin das Kabel gekappt hat. Mein Schwager mußte sogar noch einen Seitenschneider holen weil es sich mit dem Skalpell nicht durchschneiden ließ. Es war einfach zu stabil, was ja eigentlich auch gut ist.


    Er wusste, nun ist das Ding leer. Und er wusste, das Gerät ist kein modisches Accessoire.


    Offensichtlich hat Dein Partner tatsächlich passiv nachgeholfen. Er ging noch aufrecht zur Tür hinaus. Aber wie hat es in ihm ausgesehen, und warum? Konnte er sein Leben mit den Beschwerden nicht mehr ertragen? Hatte er vielleicht Angst irgendwann ganz auf andere angewiesen und nur noch eine Belastung zu sein? Der provozierte Streit deutet ja schon in diese Richtung. Dein Partner hat sich wie ein Tier zum Sterben verkrochen. Hättest Du es verhindern können wenn er noch bei Dir gelebt hätte? Wärst Du zuhause gewesen als es passierte? Und wenn ja, wäre noch rechtzeitig Hilfe gekommen? Und was hätte ihm gesundheitlich noch bevorgestanden? Fußamputation? Noch mehr Schäden? Aber da sind wir wieder bei den W-Fragen, auf die es meistens keine Antwort gibt. Und das Schicksal bleibt leider auch stumm, wie so oft.


    Ich weiß nicht ob Du Dich hast einlullen lassen. Du wußtest ja nichts von dem Defi und seinen Ängsten. Wenn ein Mensch nicht fähig ist sich zu öffnen, auch der Partnerin gegenüber nicht, dann ist es sehr schwierig. Wie soll man dann helfen können? Was blieb Dir denn übrig als ihm zu glauben. Du konntest ihn ja nicht mit Waffengewalt zwingen etwas preiszugeben was er offensichtlich nicht preisgeben wollte. Ich wünschte, ich könnte Dir jetzt was tröstliches sagen, aber mir fällt leider nichts ein.


    Es wird der Tag kommen, an dem alle Fragen beantwortet werden…


    Der Tag wird kommen. Für uns alle. Dann werden wir wissen und klar sehen. Und uns vielleicht fragen warum wir überhaupt Fragen hatten. Ich wollte der Tag wäre schon da, oder käme spätestens morgen. Da es aber wohl noch länger dauern wird mache ich mir jetzt was zu essen. 8o


    Ich wünsche Dir auch Ruhe. Hoffentlich wird durch unsere Unterhaltung nicht alles zu sehr wieder aufgewühlt.


    Alles Liebe

    Lilifee









    Hallo arme liebe Puzzle,

    konnte Dein Sohn Dich hoffentlich wieder entsteinen? :) Als Statue kann ich mir Dich wirklich nicht so gut vorstellen, und will es auch gar nicht. Wie war das mit dem knackigen Alter? Deine Beine mögen wackelig sein, Deine Thesen sind es nicht. Jedenfalls für mich nicht. Wir haben wohl eine ähnliche Denke, und Pragmatismus ist mir auch nicht fremd. Deine Gedankengänge kann ich deshalb sehr gut nachvollziehen.


    Es ist ja interessant daß Dein Mann auch Diabetes hatte. Was Du über den Typ 2 schreibst ist völlig richtig. Den erwirbt man sich redlich durch einen ungesunden Lebenswandel wie eben falsche Ernährung und zu wenig Bewegung. Wobei ja nicht jeder der ungesund lebt Diabetes bekommt. Aber man kann durch eine Änderung im Lebensstil sehr viel erreichen und verbessern. Das stimmt auch, ist aber nicht einfach. Selbst wenn die Notwendigkeit eingesehen wird. Denn der Geist ist ja vielleicht willig, aber das Fleisch ist halt schwach. Andreas hatte Typ 1 und mußte deshalb Insulin spritzen. Bevor ich ihn kennenlernte wußte ich nur daß es Diabetes gibt. In der Jahren mit ihm habe ich mir aber einiges an Wissen angeeignet und Andreas auch zu Schulungen begleitet. Fand ich sogar interessant und unterhaltsam war es auch. Andreas war immer der einzige Teilnehmer mit Begleitung, aber das war kein Problem und wurde von seinem Diabetologen sogar befürwortet. Aber letztendlich hat es auch nichts an seinem viel zu frühen Tod geändert.


    Leider hat Andreas zu den Diabetikern gehört die einen unberechenbaren Stoffwechsel haben. Deshalb war es manchmal schwierig die richtige Menge Insulin zu bestimmen. Was gestern noch richtig war, war heute schon wieder falsch. Manchmal hat es trotzdem ganz gut geklappt, manchmal weniger gut. Dadurch hatte er immer wieder zu hohe Blutzuckerwerte, und ich denke die haben ihm letztlich das Genick gebrochen. Die Durchblutung ist dann nicht mehr so gut, und das hat über die Jahre gesehen mit Sicherheit erheblich zu dem Schlaganfall beigetragen.


    Dein Mann muß aber aber sehr schlecht dran gewesen sein, wenn er das diabetische Fußsyndrom hatte. Das hatte Andreas nicht, aber verhindert hat es nichts. Ich stelle mir so etwas eigentlich schmerzhaft vor, aber andererseits ist die Schmerzwahrnehmung sehr unterschiedlich. Je nachdem wie weit die Polyneuropathie schon fortgeschritten ist.

    Nein, das schreibe ich jetzt nicht… nicht jeder ist diesen allgemein als „eklig“ bezeichneten Dingen gegenüber so distanziert wie ich. Mir hat das nichts ausgemacht. Pragmatismus und Humor helfen auch bei diesen Dingen….

    Das ist schon richtig. Nicht jeder der hier mitliest verträgt so detaillierte Schilderungen. Und wir wissen ja um was es geht. Ich hätte mich auch nicht geekelt wenn Andreas das auch gehabt hätte, sondern hätte für ihn dasselbe getan was Du auch für Deinen Mann getan hast. An einem geliebten Menschen gibt es nichts ekliges. Ist jedenfalls meine Meinung. Und wie könnte ich einfach weggucken wenn der Mann den ich liebe sich mit so etwas herumschlagen muß. Er hätte ja auch nicht weggucken können.

    Und ab und zu sagte ich mit einem liebevollen Lächeln: „No, alter Mann, simma hatschert?“ das spitzbübische Lächeln, das immer zur Antwort kam, seh ich heute noch…

    Ich kann es mir lebhaft vorstellen. Das sind liebevolle Erinnerungen die einem aber auch das Wasser in die Augen treiben können.


    Ob er nun nachgeholfen hat oder nicht wirst Du nie mehr wissen. Aber das wäre ja eine sehr fragwürdige Methode. Kommt man wirklich auf so eine Idee? Oder vielleicht wenn man keine andere Möglichkeit sieht? Vielleicht war es aber gar nicht so, und Dein Mann hat tatsächlich niemanden gefunden der ihm bei der Versorgung hilft. Sicher hättest Du anbieten können, aber hätte er das in dieser Situation überhaupt angenommen? Wie auch immer, es läßt sich nicht mehr ändern. Das stimmt leider.

    Wir haben unseren Männern gegeben, was ihnen gefehlt hat. Und als ihr Leben vollständig, rund und fertig war, durften sie gehen.

    Genauso sehe ich das auch. Wir haben für unsere Männer getan was uns möglich war. Und damit müssen wir uns zufrieden geben. Ihr Leben war fertig und sie DURFTEN gehen. Für uns ist es die Hölle, aber für sie war es eine Gnade. Denn wer weiß was sie sonst noch hätten ertragen müssen. Das will ich mir überhaupt nicht vorstellen. Ich stelle mir aber gerne vor, daß es Andreas jetzt gut geht. Daß er von allen irdischen Beschwerden befreit ist, und das gönne ich ihm.


    So, Mitternacht ist vorbei, und ich komme zum Ende. Hab morgen auch einen ruhigen Tag.


    Alles Liebe

    Lilifee