Posts by Alika168

    Hallo ...


    Die letzten zwei Wochen sind irgendwie vergangen, ich weiß gar nicht, wie. Ich glaube, irgendwann stellt sich eine Barriere nach außen ein, wenn die Seele erkennt, dass es gerade zu viel ist, wenn das Fass zu Überlaufen droht.

    Darum habe ich mich auch nicht gemeldet, das tut mir leid. Aber eure lieben Worte und vor allem euer Verständnis trösten mich so sehr! Habt vielen Dank dafür! Es ist schön, zu wissen, dass es Menschen gibt, die einen verstehen.


    Wie habt ihr den gestrigen "Totensonntag" überstanden? Ich hätte tatsächlich nicht gedacht, dass es mich so mitnimmt. Schließlich brauche ich keine bestimmten Tage, um an meine Mama zu denken. Das tue ich jeden einzelnen Tag. Aber doch war gestern schwer. In mir summierte sich jeder Verlust der letzten Jahre auf, inklusive Samtpfoten, wie Kessy vor gerade mal knapp zwei Wochen. Und ich fragte mich mal wieder: wie viel kann ein Mensch ertragen? Ich hoffe, das Schicksal erkennt diese als rhetorische Frage und nicht als Herausforderung an...


    Ich habe gestern an Scarly geklebt. Wie ein kleines Kind an seiner Mutter. Glücklicherweise gehört sie zu der Sorte Katze, die das genießt :D Seitdem ihre Schwester von uns gegangen ist, sind wir noch enger aneinander geklebt als vorher ohnehin schon. Wahrscheinlich, weil wir beide auf unsere Weise allein sind und wirklich nur noch uns haben.

    Und ich bin dankbar, dass ich sie habe. Ohne sie... nein, das möchte ich nicht weiter denken.


    Meine Kraftreserven sind so dermaßen leer, dass ich mich über jeden Tag wundere, an dem ich aufgestanden bin. Ich weiß, dass Mama es möchte, dass ich nicht aufgebe, meine Träume lebe, mein Leben lebe. Aber abgesehen davon, dass ich das Gefühl habe, mich selbst verloren zu haben - was mir mal wichtig war, hat an Wichtigkeit verloren, unter dieser großen Last des Verlustes- , fehlt mir nicht nur die Kraft, sondern es fühlt sich auch so schrecklich nach Verrat an. Natürlich ist das Unsinn. Ganz pragmatisch betrachtet, ist das des Lebens Lauf und wir müssen weitermachen. Sonst wäre die Menschheits-Geschichte schon vor Jahrhunderten beendet gewesen. Aber was an Gefühlen ist schon pragmatisch?

    Und natürlich, wie gesagt, weiß ich, dass meine Mama das so möchte. Dass ich weiter mache. Dass ich nicht mein Leben wegwerfe, Träume und Ziele über Bord werfe.

    Aber es ist so verdammt schwer.


    Und jetzt auch noch Weihnachten. Super. Meine Lieblingszeit des Jahres. Meine Mama hatte mir in der Kindheit so zauberhafte und wunderschöne Weihnachten beschert, dass ich bis heute daran zehre. Ich liebe Weihnachten, das Fest der Liebe.

    - nur, dass man mir dieses Jahr meinen Herzensmensch genommen hat. Das Fest der Liebe wird dieses Jahr zum Fest der verlorenen Liebe. Natürlich, die Liebe besteht weiterhin. Und hoffentlich stimmt es auch, dass Liebe die Welten verbindet, das Diesseits und Jenseits, dass sie niemals erlöscht und den Tod überdauert. Meine Liebe zu ihr wird niemals weniger, aber eine Liebe, die man nicht leben kann, ist grausam und schmerzhaft. Sie zerstückelt dich immer mehr, bis eine schmerzhafte Bitterkeit übrig bleibt. Oder, im besten Fall, die Erinnerung an diese reine, aufrichtige, große und überdauernde Liebe.


    Genug geschwafelt, genug Zynismus. Gehen wir eine weitere Woche an, in der wir versuchen, weiter zu machen, unsere Kräfte zu mobilisieren, unsere Mamas stolz zu machen.


    Ich grüße und drücke euch! :24::*

    Ihr Lieben,


    vielen Dank für eure ehrlichen und lieben Worte! Es tut mir leid, dass ich mich nicht eher zurück gemeldet habe. Ich musste mich erst einmal... mit der "neuen" Situation auseinandersetzen.


    Ich kann nicht sagen, dass ich das wirklich getan habe. Vielleicht ist Verdrängen das bessere Wort. Irgendwann ist die Psyche einfach überfordert und dann wird der Deckel zugemacht, sozusagen.

    Doppelt schlimm ist natürlich, dass Scarly, meine andere Katze, ihre Schwester noch immer sucht. Obwohl sie wahrscheinlich viel eher gemerkt hat, in welche Richtung es geht.

    Der Tierarzt meinte zu mir: "Sie war doch kränker, als wir dachten". Diesen Satz ertrage ich nicht mehr. Mit fast dem gleichen Satz wurde meiner Mama der Tod ihrer Mutter von ärztlicher Seite kommentiert. Über ihren eigenen Tod sagte ihr Hausarzt zu mir: "Sie war halt eine chronisch kranke Frau" als Antwort auf meine Frage, warum er nicht eher diesen Herzinfarkt gemerkt hätte (denn dieser habe mindestens schon vor 2 Wochen bevor sie ins Krankenhaus kam, bestanden, so die Kardiologen auf der ITS!).

    Denken Mediziner überhaupt? Mein Verhältnis zu Medizinern, ob Veterinär oder Human, ist durch meine eigenen negativen Erfahrungen ja durchaus ... gestört. Aber seit diesem Jahr hat mein Vertrauen noch mehr gelitten. Und ich hatte nicht einmal gewusst, dass das noch möglich ist...


    Egal, ich will dieses Fass hier nicht öffnen. Ist auch so schon für uns alle schwer genug.


    Ich muss zugeben, dass ich immer mehr mit dem Schicksal hadere und mich frage, warum mein Maß des Ertragbaren derart getestet wird. Dabei bin ich gar nicht der Typ, der solche Fragen wie "Warum ich?" stellt - man erhält ja ohnehin keine Antwort. Ist zudem auch gewissermaßen eine blöde Frage, denn jeder Mensch hat sein Päckchen zu tragen.

    Dennoch bin ich schon so deutlich über mein Limit hinaus... Nach dem Verlust meiner Mama fühlte ich mich, als hätte man mir das Herz herausgerissen und gesagt, ich solle trotzdem, ohne Herz, weiterleben. Weiter atmen. Nun fühle ich mich, als seien mir auch meine Beine amputiert worden und ich solle trotzdem laufen. Bildlich gesprochen, natürlich; ich will damit zum Ausdruck bringen: mir ist der Boden unter den Füßen weggenommen worden, ich habe keinerlei Kraft mehr, Reserven aufgebraucht, und es geht trotzdem ständig weiter.

    Natürlich habe ich noch meine Scarly, meine geliebte Samtpfote. Das möchte ich auf keinen Fall mindern. Wobei sich natürlich meine Verlustängste nun auf sie konzentrieren... :(


    Und natürlich laufen wir zielgerecht auf Weihnachten zu. Juhu. Ich weiß, mit dieser Aussage ziehe ich den Hass vieler auf mich, aber: ich bin nicht unglücklich darüber, dass mir dieses Jahr wenigstens der Anblick der Weihnachtsmärkte erspart bleibt...

    Tatsächlich hatte ich mir schon überlegt, Ende November einen Riesen-Einkauf zu tätigen, um ja nicht mehr aus dem Haus zu müssen. In die Weihnachts-Vorfreude. Ist nur leider nicht machbar.


    Tja... ich weiß nicht... ich möchte so viel sagen und gleichzeitig fühle ich mich so unsagbar leer.


    Ich hoffe, ihr seid alle wohlauf - also gesundheitlich natürlich... nicht psychisch... wobei, das auch natürlich, zumindest, wie es irgend geht...


    Passt auf euch auf,

    eure Alika:24:

    Vielen Dank für eure lieben Kommentare! Und vor allem, dass ihr versteht, was mir meine Samtpfoten bedeuten...


    Leider hat sie es nicht geschafft. Heute Nacht ist sie... eingeschlafen. Nun ist meine Kessy bei meiner Mama. Es ging so schnell, ich kann es nicht begreifen. Selbst die Tierärztin hat gesagt, dass sie fitter ausgesehen und sich verhalten hat, als ihre Werte es vermuten ließen.

    Im September noch sagte mir der Arzt nach einer Blutuntersuchung: "Für eine 17jährige Katze ist sie topfit, das habe ich noch nie gesehen!" Und selbst jetzt noch ist ihr Fell so samtig weich...

    Es tut so weh...


    Warum muss das Schicksal so unermüdlich austesten, was ein Mensch in der Lage ist, zu ertragen?

    Jetzt sind wir nur noch zu zweit. Meine Scarly und ich. Die Wohnung ist wieder etwas stiller geworden, etwas einsamer, etwas unerträglicher. Ich kann nicht mehr, ich bin so müde. Es ist einfach alles zu viel...

    Hallo ihr...


    eine meiner Samtpfoten ist schwer krank. Es geht schon ein paar Wochen, die Symptome waren aber diffus. Nun ist es eine Pankreatitis, sehr schwer, mit zusätzliche Entzündung der Gallenblase. Ich habe unsagbare Angst um sie. Ich war gestern schon mit ihr in der Tierklinik, heute dann wieder wegen Infusion. Eine stationäre Aufnahme möchte ich nicht. Ich möchte bei ihr bleiben.


    Warum? Warum alles auf einmal? Ich liebe diese beiden Tiere mehr als alles andere. In den schwersten und dunkelsten Stunden der vergangenen Wochen waren sie für mich da, haben mich am Leben erhalten.

    Ich kann nicht mehr. Das ist alles so... unfassbar gemein. Unerträglich.


    Seid gegrüßt und gedrückt :30:

    Liebe Linchen,


    das stimmt! Mir geht es genauso. Mein Stiefvater sagt immer: "Jetzt bist du auch noch durch Corona ständig allein und zuhause, das ist furchtbar!", doch ich finde genau das SEHR heilsam. Ich muss mich nicht zusammennehmen, wenn ich gerade das Bedürfnis habe, dann weine ich eben. Ich war nie ein Mensch, der ständig unterwegs war. Zwar bin ich auch kein Stubenhocker, im Gegenteil, ich unternehme gerne etwas, aber das muss auch "Sinn und ZWeck" haben. Ein einziges Mal bin ich mit Kommilitoninnen "um die Häuser gezogen". Mich hat es so derartig genervt, von Bar zu Bar zu ziehen und sich dort gegenseitig anzubrüllen, weil man sich sonst nicht verstanden hätte -es war das erste und letzte Mal.

    Und zuhause hatte ich doch die beste Gesprächspartnerin der Welt, die mich auch ohne Wort verstand, mit der ich genauso gut lachen wie weinen konnte, über alles reden und wunderbar schweigen konnte. Wir waren uns selbst genug. Mit wem hat man das schon?


    Insofern muss ich auch sagen, dass ich anders reagiere, als ich es für möglich gehalten hätte. Ich dachte immer, dass ich mich in Arbeit stürzen würde, um nicht durchzudrehen. Das ist eine Taktik, die ich sonst immer angewendet habe, wenn ich in psychischen Ausnahmesituationen war. Durch Corona wurde ich zwangsweise ausgebremst. Dadurch, dass ich zur Risikogruppe gehöre (trotz meines jungen Alters) und gleichzeitig mein Job vom Kontakt mit den Leuten lebt, habe ich sehr wenig Arbeit zu leisten. Und es scheint, dass mir gerade das gut tut. Dieses bewusste Wahrnehmen der Trauer. Ich habe nicht allzu viele Chancen, diesen Prozess zu verdrängen. Manchmal gelingt es mir. Meistens nicht.


    Mittlerweile habe ich sehr oft das Gefühl, dass sie nach wie vor bei mir ist. Es gibt viele Situationen, wo ich spüre, nicht alleine im Raum zu sein. Es sind nicht nur Aussagen, die ich meine, zu hören, wenn mir ein bestimmter Gedanke in den Sinn kommt, und die sie sicherlich genau so gesagt hätte. Ich habe in diesen Momenten das Gefühl, dass sie tatsächlich um mich rum ist. Mein leider allzu logischer Verstand verbietet diesen Glauben, auf der anderen Seite bin ich davon überzeugt, dass eine Art Welt gibt, die wir mit Logik und WIssenschaft nicht erschließen können, dies niemals tun werden, sie aber dennoch existiert.


    Es stimmt, auch mir sind die meisten Dinge nicht mehr so wichtig wie "vorher". Überhaupt scheint mein Leben in ein "davor" und "danach" aufgeteilt zu sein. Ich denke oft: "Meine Güte, hast du dich darüber tatsächlich aufgeregt?! Hast du damit tatsächlich wertvolle Minuten verschwendet?!" und schüttle den Kopf darüber. Manches ist auch für meine Umwelt spürbar. Beispielsweise hat mich heute eine Kollegin angerufen, um mir von den "vielen Katastrophen" zu berichten, die stattgefunden haben, während ich eine Woche Urlaub hatte. Bis jetzt weiß ich nicht, welche Katastrophen sie meinte. Es waren einfach Dinge, die schief gelaufen sind, ja, aber sie bergen keinerlei Grund, sie als Katastrophe zu bezeichnen. Und ich befürchte, sie hat gemerkt, dass ich ihre Bestürzung und ihren Ärger kein bisschen teilen konnte, geschweige denn verstehen.


    Für mich war meine Doktorarbeit sehr, sehr wichtig. Das ist sie jetzt nicht mehr. Ich hatte aus Krankheitsgründen über 1 Jahr pausieren müssen und bin nun an den Punkt gekommen, sie wieder aufzugreifen. Eigentlich hatte ich "hinschmeißen" wollen. Nichts mehr davon wissen. Allein der Gedanke, dass sie mich nicht auf diesem Weg begleitet, hat ausgereicht, meine Diss nicht weiterverfolgen zu wollen. Außerdem erschien es mir, als würde ich einfach weitermachen, als wäre nichts geschehen. Und ich wusste nicht mehr, warum es mir so verdammt wichtig war.

    In gewisser Weise hängt mein Herz noch immer an dieser Arbeit und das Thema. Es ist nur schwächer geworden, in den Hintergrund gerückt. Ja, ich würde am liebsten komplett hinschmeißen - nicht nur die Diss, am liebsten gleich das ganze Leben. Aber ich weiß, dass meine Mama das nicht gewollt hätte. Wenn sie könnte, würde sie mich schütteln, bis ich zur Vernunft komme. Sie würde wollen, dass ich an der Diss weiterarbeite. Nicht, weil sie auf einen Doktortitel stolz gewesen wäre oder so. Sondern meinetwegen.

    Und plötzlich hatte ich gedacht: eigentlich muss ich sogar ihretwegen weitermachen. Sie hat mich immer unterstützt. Sie hat mich zu dem gemacht und erzogen, die ich heute bin. Alles habe ich ihr zu verdanken. Es ist nur folgerichtig, an diesem Projekt weiterzuarbeiten. Ich will sie stolz machen. Ich komme aus einer Familie, wo alle Frauen Kämpferinnen waren. Keine hatte ein einfaches Leben, aber keine hat jemals aufgegeben. Das hat mich immer stolz gemacht. Also muss ich jetzt auch weitermachen, meiner Familie Ehre erweisen, sozusagen. Das klingt ziemlich blöd und sehr nach Druck und Zwang, aber das ist es gar nicht. Im Gegenteil hilft es mir sogar. Meine Mama hat selbst so unsagbar gelitten, als ihre Mutter gestorben war. Und sie hatte damals sogar noch geglaubt, sie könne keine Kinder bekommen, was für sie sehr schlimm gewesen war. Trotzdem hat sie weitergemacht. Hat sie ihre Mutter deshalb weniger geliebt als ich sie? Wohl kaum.

    Ich weiß nicht, ob das rüber kommt, was ich gerne sagen möchte. Aber es ist auf jeden Fall ein Prozess, zu erkennen, dass der größte Beweis der Liebe derjenige ist, trotzdem weiterzumachen. Nach wie vor habe ich bei diesem Gedanken einen fahlen Geschmack im Mund, nach wie vor zerreißt es mir das Herz. Und ich will ganz ehrlich sein: nach wie vor halten mich meine Katzen am Leben. Dennoch habe ich irgendwo erkannt, dass ich weitermachen muss. Weil ich meine Mama mehr liebe als ich es zu sagen vermag. Weil ich sie so vermisse, dass ich glaube, daran ersticken zu müssen. Weil ich sie stolz machen möchte.


    Sei ganz herzlich gedrückt!:30:

    Hab keine Angst vor Weihnachten. Deine Mama wird bei dir sein!

    Und wenn es dir ganz doll elend geht: Wir sind da <3

    DANKE!!!! :2:<3:!:<3:!:



    Tja, liebe Linchen... Wie heißt es doch? "Seitdem ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere". Ja, genau wie du spüre ich diese unendliche und bedingungslose Liebe und das Stupsen und Schnurren lockt mir selbst unter Tränen ein Lächeln hervor. In den dunkelsten Stunden sind es diese beiden, die für mich da sind und mir das Gefühl vermitteln, gebraucht und geliebt zu werden. Ich frage mich oft, wie Tiere mit dem Tod umgehen. Denn dass sie merken, dass jemand stirbt, steht für mich außer Frage. Ich habe es erlebt, wie sie reagieren, wenn ihre Katzen-BegleiterInnen starben und ich erlebe, wie sie auf den Tod meiner Mama reagieren. Sie leiden genau wie wir und sie brauchen genau wie wir viel Liebe, um das zu verkraften. Und ich bin unendlich dankbar, dass mir die Zwei geblieben sind und wir uns gegenseitig Mut und Kraft geben können.


    Heute ist wieder so ein Sonntag... ich weine eigentlich nur einmal und das ist ständig. Unfassbar, wie viele Tränen ein Mensch vergießen kann. Woher kommen die eigentlich alle her? Sind die nicht irgendwann "alle"?

    Auch heute stehen mir mal wieder meine Samtpfoten bei. Meine Herzenswesen. Sie weichen nicht von meiner Seite, drücken sich ganz fest an mich und schnurren lauter, sobald ich heftiger weine. Die Menschen hingegen sind still. Sie alle wissen, dass die Wochenenden für mich die schlimmsten Tage sind. Aber sie melden sich nicht. Keine Nachricht, kein Anruf. Kein simples "Ich denk an dich". Nun, es ist wie es ist. Ich wusste immer, was ich an meiner Mama hatte. Dieses "Eins-Sein" und sich ohne Worte verstehen. Wir konnten stundenlang reden und genau so gut stundenlang schweigen. Sie fehlt mir jede einzelne Sekunde und dieser Schmerz zerreißt mich immer wieder. Ich denke daran, was wir vor einem Jahr taten und bin fassungslos, dass sie nun nicht mehr da ist. Niemand von uns hatte dies auch nur geahnt.

    Vielleicht besser so.

    Vielleicht auch nicht.


    Mein Schmerz lähmt mich. Ich bin nicht in der Lage, irgendetwas zu tun, mich abzulenken. Ich will meine Mutter wieder haben, sie wieder umarmen und drücken können, in ihre liebevollen Augen schauen, ihr Lachen und ihre Stimme hören. Sonst will ich nichts. Doch dieser einzige Wunsch wird mir nicht erfüllt werden. Nicht mehr, nicht in diesem Leben.

    Dieses entsetzliche wertlose, traurige Leben. Immer wieder diese sinnlose Frage nach dem Warum, auf die man nie eine Antwort erhalten wird. Nur diese Gewissheit, dass einem dieser Schmerz, von dem man anfangs dachte, er bringe einem um, ein steter Begleiter bleiben wird. Man lebt weiter, wie man nach einer Amputation eben weiterlebt.

    Man hat mir mein Herz herausgerissen und meine Seele zerstückelt. Trotzdem soll ich weiter atmen. Ich weiß nicht, wie, aber ich beweise jeden Tag, dass es funktioniert - ohne mein Dazu-Tun. Und wenn ich mich mal wieder frage, wofür eigentlich: dann sind sie da. Diese beiden Fellknäuel, diese beiden Engel auf vier Pfoten, mit ihren Augen, in denen man in das Reich der Feen schauen kann, wie ein irisches Sprichwort sagt.


    Ich grüße euch alle ganz herzlich! :30::24:



    Wie schön!!!! :13::13::13::13: Danke dir, liebe Kornblume!!! <3

    Liebe Alika, schön, dass du wieder da bist! :24:

    LG Andrea

    :2::love:



    Und danke auch MIRACHEN für die Umarmung :24:Sie ist noch viel mehr Wert, wo ich weiß, dass du mehr als nachvollziehen kannst, wovon ich rede und wie ich mich fühle...


    Heute Nacht hatte ich wieder einen Traum, in dem meine Mama plötzlich ins Zimmer kommt. Ich sage dann zu ihr: "Mama! Da bist du ja! Ich wusste doch, dass das alles nicht wahr sein kann!" Und sie sagt: "Ja, wo soll ich denn auch sein, wenn nicht bei dir?" Und dann erzähle ich von den vielen Dingen, die in der letzten Zeit passiert sind.

    Diese Träume fühlen sich so real an, dass ich aufwache und völlig geschockt bin, dass sie nicht wirklich in ihrem Bett liegt und schläft oder mich mit ihrem liebevollen Lächeln begrüßt. Diese Träume habe ich oft und sie zerreißen mich noch immer. Ich möchte nicht aufwachen oder sie aber gar nicht mehr träumen, um den Schmerz nicht mehr spüren zu müssen.

    Auf der anderen Seite sind meine Träume die einzigen "Gelegenheiten", mit ihr zu sprechen und sie zu umarmen. Sie zu hören und zu fühlen. Mir laufen schon wieder die Tränen, nur weil ich daran denke. Ich würde sie so gerne in den Arm nehmen. Sie ganz fest drücken. Nie mehr loslassen.


    Acht Monate ohne meine Mama. Vor ein paar Tagen habe ich den ersten "Herbst-Tee" ohne sie getrunken. Ich mag eigentlich keinen Tee, bin passionierte Kaffeetrinkerin. Wie meine Mama auch. Aber wir liebten Weihnachts-Tees und, den Herbst gemütlich mit Kerzenschein und einer Tasse Tee zu begrüßen.

    Dieses Jahr nicht liebe ich diese Tradition nicht. Vor lauter Heulerei ist der Tee kalt geworden. Ich habe ihn sogar weggeschüttet, weil er mir vorkam wie Gift. Und ich beginne mit Schrecken zu realisieren, dass bald Weihnachten vor der Tür steht. UNSER Fest. Das wichtigste Fest des ganzen Jahres, ein Fest, welches ich mit einer so wunderschönen Kindheit verbinde, wo sich meine Mama eine unfassbare Mühe mit dem Schmücken, Backen und allem anderen, was dazugehört, gemacht hatte. Und auch als ich älter war, war diese Zeit immer so ganz besonders. Ich liebe Weihnachten. Wegen meiner Mama. Weil sie mir 28 wunderschöne Weihnachten beschert hat. Weil ich das Fest der Liebe dank ihrer Liebe so aufrichtig feiern konnte.


    Und dieses Jahr? Dieses Jahr würde ich mich am liebsten auf einer einsamen Insel verkriechen. Am 30.11. einschlafen und im Januar aufwachen. Ich weiß noch, wie ich am 31.12.2019 zu ihr sagte: "Mein einziger Wunsch ist es, dass wir das nächste Weihnachtsfest auch noch gemeinsam verbringen können!" Meine Mama sagte: "Was soll denn noch passieren - irgendwann muss das Schicksal einem doch eine Pause gönnen!"

    Nein, Mama, das Schicksal ist ein mieser Verräter.

    Und gleichzeitig, wo ich wünsche, dass mir Weihnachten erspart bliebe oder es zumindest schon vorüber wäre, fällt mir auf: dann nähert sich ihr 1. Todestag. Das kann doch nicht sein.

    Das kann doch alles einfach nicht wahr sein.


    Oh Mama, ich vermisse dich so unsagbar sehr! Man hat mir das Herz entrissen und ich soll trotzdem weiterleben. Aber ohne dich ist es so verdammt schwer, so sinnlos, so wertlos... Ich wünschte, man könnte die Zeit zurückdrehen zu dem Punkt, wo man noch etwas hätte ändern können. Und es dann auch tun. Damit wir nicht getrennt sein müssten.


    So, ich habe es geschafft: mir laufen die Tränen so sehr, dass ich die Tastatur nicht mehr erkenne...


    Fühlt euch alle ganz fest auch von mir gedrückt!:30::30::30:

    Liebe Alle,


    ich war schon langer nicht mehr hier... das hatte verschiedene Gründe. Unter anderem, dass mir die Worte fehlen. Dass ich so schrecklich müde bin. Dass jeder einzelne Tag eine Qual ist.


    Danke liebe Angelika und liebe Sommermond für eure Worte... Heute ist es tatsächlich acht Monate her, dass meine Welt stehen blieb und die übrige weitermachte wie bisher. So viele Tränen, die ich vergossen habe, die weder zu heilen vermochten noch mir meine Mama wieder brachten. Acht Monate, in denen ich lernte, wie einsam man sein kann, in denen ich an diesem Leben zweifelte, an der "Gerechtigkeit" des Schicksals. Acht Monate, in denen mich aber auch immer meine beiden Samtpfoten aufrichteten und dazu bewogen, morgens doch aufzustehen. Die war nicht die Umarmung meiner lieben Mama ersetzten, aber die einzigen waren, die ihre Pfoten stets aufrichtig und mit heilender Wirkung mir entgegen streckten.


    Verlust macht einsam, weil das Leben plötzlich an Farbe verliert. Weil Dinge, die einem wichtig waren, plötzlich nichtig erscheinen. Weil man den Wert von Erinnerungen plötzlich zu schätzen weiß und weil man weiß, wie endgültig die Endlichkeit ist.

    Und weil man trotz all diesem neuen "Wissen" gerne darauf verzichtet hätte, zumal es einem den Schmerz nicht lindert. Im Gegenteilt. Man gewöhnt sich nur daran. So, wie man sich daran gewöhnt, mit einem gebrochenen Bein auf Krücken zu laufen, gewöhnt man sich daran, mit gebrochenem Herzen und amputierter Seele weiter zu existieren. Trotzdem zu lächeln und freundlich zu sein, weil es die Umwelt so erwartet und einen ohnehin nicht versteht.


    Fühlt euch alle von mir gedrückt!:30::30::30:

    Liebe Jani,


    es tut mir aufrichtig leid, dass du deine Mama verloren hast. Die Umstände, wie du sie verloren hast, müssen entsetzlich sein. Auch meine Mama hatte einen Herzinfarkt und weder sie noch ich noch überhaupt irgendjemand hatte geahnt, wie es ihr ging und dass... ja, dass ihr Kampf schlussendlich vergebens würde. Meine Mama starb am 30. Todestag ihrer Mutter, die ihrerseits auch durch die Folgen einer schweren Herzerkrankung nach einer OP verstorben war.


    Ich hatte ähnliche Angst vor der Beerdigung, wie vermutlich jede/r. Am Tag davor war ich bei ihr im Bestattungsinstitut. Es war ein fürchterlicher Moment. Ich habe es schlichtweg nicht verstanden, dass sie da zwar liegt, aber nicht aufwacht. Dass sie eiskalt ist. Dass sich ihre Lippen zu keinem strahlenden Lächeln formen, weil sie mich sieht. Ich hatte eine Kette gekauft, die aus zwei Herzhälften besteht. Die eine Kette trägt sie, die andere ich. Mittlerweile fasse ich oft unbewusst an meine Hälfte, wenn ich an sie denke. Und ich fühle mich ihr dadurch nahe, als würde es eine Art Medium sein, mit ihr Kontakt aufzunehmen. Das klingt sicherlich etwas seltsam, aber na ja.

    Die Beerdigung selbst habe ich wie in Trance überstanden. Am Schlimmsten war der Moment, wo der Sarg hinabgelassen wird. Ich wollte schreien und sagen: ihr könnt sie doch nicht einfach verbuddeln, wie soll sie denn wieder rauskommen?! Ich starrte diese Nägel am Sarg an und hatte das Gefühl, selbst ersticken zu müssen.

    Seit der Beerdigung im Februar war ich nur zwei Male dort. Ich habe Probleme, den Friedhof zu besuchen. Es ist nicht nur schmerzhaft, sie ist auch irgendwie... nicht da. Hier, in unserer Wohnung, bei mir, da bin ich ihr nah, aber nicht am Friedhof.


    Ich habe ein Osterfest, Pfingsten, ihren Geburtstag und auch den meinen ohne sie "hinter mich" gebracht. Wie ich Weihnachten überstehen soll, weil ich nicht. Der Schmerz lässt nicht nach, er trifft mich nach wie vor wie aus heiterem Himmel und mit einer Schlagkraft, unter der ich zusammen zu brechen drohe. Ich glaube nicht, dass der Schmerz irgendwann nachlässt. Aber ich denke, dass wir uns irgendwann daran gewöhnen, so wie wir uns an Migräne-Attacken oder Rückenschmerzen gewöhnen. Er ist ab nun ein Teil unseres Lebens und irgendwie finde ich das sogar wichtig, denn unsere Mamas waren ebenfalls Teil unseres Lebens. Das Loch, welches ihr Fortgehen hinterlassen hat, kann nicht gefüllt werden. Es gibt keinen Ersatz. Es gibt Menschen, die uns das Hierbleiben erleichtern. Bei dir sind das deine Kinder. Bei mir sind es unsere Samtpfoten, die zwar keine Menschen sind, mich aber mit ihrer Liebe und ihrer Abhängigkeit von mir in mancher schwarzen Stunde schon bewahrt haben, zu tun, was meine Mama ganz sicher nicht gewollt hat.


    Ich schließe mich meinen Vorrednerinnen an (liebe Mirachen, liebe Kornblume: ihr seid einfach großartig, findet immer die richtigen Worte, spendet Trost und versteht, auszudrücken, was anderen schwer in Worte zu bringen ist!): lasse den Schmerz zu. Auch wenn du denkst, dass er unerträglich ist. Das ist er auch. Dennoch wird er uns nicht umbringen. Irgendwann wirst du Wege finden, ihn zum umgehen, wenn du ihn umgehen möchtest, und Strategien entwickeln, die dir helfen werden, ihn zu ertragen. Es wird Zeiten geben, da wirst du ihn verdrängen müssen, weil es einfach zu schwer ist. Und es wird Zeiten geben, da wird er dir erscheinen wie ein treuer Begleiter. Ein lästiger Begleiter zwar, der stumm neben dir steht und deine Fragen nach dem "Warum" nicht beantworten, der deine Wut auf das Schicksal nicht zähmen und dir dieses Gefühl der Einsamkeit und des Verlorenseins nicht abnehmen wird. Aber ein Begleiter, an den man sich gewöhnt. Denn er ist der Preis für die Liebe, die wir erfahren durften und für diesen großartigen Menschen, den wir verlieren mussten.


    Ich wünsche dir von Herzen alles Gute! <3

    Danke, liebe Mirachen und... auch wenn du es wahrscheinlich nicht hören magst: alles Gute nachträglich zum Geburtstag! Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft und Stärke und wärmende Hundepfoten!


    Meinen Geburtstag habe ich auch wider Erwarten gut überstanden. Ich habe mich einfach in einem Buch versteckt (die ca. 800 Seiten habe ich tatsächlich an einem Tag durchgelesen!) und wenn es mich zu überkommen drohte, war ein XXL-Kuscheln mit den beiden Samtpfoten fällig.

    Am vergangenen Freitag, also 5 Tage nach meinem Geburtstag, musste ich dann zum Steinmetz wegen der Besprechung des Schriftzuges. Ich hasse diesen Moment vorm Grab. Diese Konfrontation mit der Realität, derer man zwar eigentlich in Kenntnis ist, sich aber einfach nicht BEWUSST wird. Ja, ich habe vor einem halben Jahr (so unfassbar lang und so unfassbar kurz!) Abschied nehmen müssen. Ja, ihr Bett ist leer. Aber ist das in meinem Innern angekommen? Scheinbar nein. Der Blick auf das Grab ist wie ein Schlag in die Magengrube, als würde sich der Erdboden auftun und mich verschlingen. Ich wünschte, es wäre so, dann hätte ich dieses elendige Leben hinter mir...

    Das Wochenende war entsprechend schlimm und auch heute bin ich eigentlich nur am Heulen. Alles, was ich tue, fühlt sich falsch an. Dieses Loch in meinem Leben ist so entsetzlich gigantisch und dieser Schmerz ist... so... unbeschreiblich. In meinem Kopf tauchen Bilder auf. Wie sie mich ansah, wie sie mich anlächelte, wie sie lachte. Wenn sie aus tiefstem Herzen lachte, krauste sich ihre Nase und ihre Augen tränten vor lauter Lachen. Ich liebe ihr Lachen. Ich werde es nie wieder hören.


    Ich vermisse ihre Antworten auf Fragen, die ich nicht gestellt habe. Ich vermisse ihr Wissen darüber, wie es mir geht, obwohl ich nichts gesagt habe. Ich vermisse ihr Verstehen-ohne-Worte, ihre immer richtigen Antworten, ihr einfach-da-sein und das du-bist-die-Beste-Gefühl, was sie mir so vermittelt hat, dass ich es beinahe hätte glauben können. Für sie war ich das zweifellos. Ich vermisse ihren unerschütterlichen Optimismus, ihren nicht zu zerstörenden Glauben an die Liebe. Ich vermisse unsere Witze, die nur wir verstanden, unsere stundenlangen Diskussionen über Politik, ihre Erzählungen von früher und von unserer Familie. Ich vermisse die unbeschwerten Abende, wo wir unsere Sorgen verabschiedeten und uns in unsere Lieblings-DVDs eintauchten. Ich vermisse, mit ihr über Probleme reden zu können und sich danach besser zu fühlen, auch wenn man gar keine Lösung gefunden hat.


    Ich vermisse das Gefühl, stark zu sein. Ich vermisse meinen Fels in der Brandung, meinen Halt im Leben, mein anderes Ich, was einfach immer da war, mir zeigte, was Liebe ist und wofür es sich zu leben lohnt. ..

    Hallo ihr Lieben,


    es ist eine ganze Weile her, dass ich geschrieben habe.


    Den Geburtstag meiner Mama habe ich nun hinter mir. Obwohl ich wusste, dass es ein schlimmer Tag würde, war ich doch darüber überrascht, wie schlimm es dann tatsächlich wurde. Ich bin irgendwann sogar losgefahren und durch die Straßen gebummelt, um nicht wahnsinnig zu werden, und das tue ich normalerweise nicht.

    Morgens hatte ich ein kleines Sträußchen Campanula (Glockenblumen) gekauft. Die habe ich Mama sehr oft geschenkt, weil sie die so liebte: sie sind lila (Mamas Lieblingsfarbe) und so süß klein, sodass sie auch auf dem kleinsten Tischchen noch Platz finden. Ich habe schon beim Floristen unter Wasser gestanden. Zuhause habe ich die Blümchen dann unter Mamas Bild gestellt und stundenlang geheult. ich war hin und her gerissen, weil ich mich so schlecht fühlte, nicht zum Friedhof zu fahren, und andererseits aber wusste, dass das letztlich nichts ändert und ich mich ihr hier zuhause viel näher fühle. Ich habe den Friedhofsgärtner gebeten, einen Strauß Rosen auf ihr Grab zu stellen. Allein bei dem Gedanken schnürrte es mir die Kehle zu.

    Aber darüber haben wir ja schon oft gesprochen. Und tatsächlich musste ich an diesem Tag daran denken, dass es auch vielen von euch so geht, dass ihr nicht gerne auf dem Friedhof seid und ihr euch euren Lieben zuhause ebenfalls viel näher fühlt!


    Nun nähert sich mein Geburtstag. Nächstes Wochenende ist soweit. Mein Vater fragte mich, ob ich was vorhabe. "Ja", sagte ich, "nicht aufstehen und hoffen, dass der Tag rumgeht". Ganz ehrlich: ich hätte meinen Geburtstag fast vergessen, wenn er ihn nicht angesprochen hätte. Naja, jetzt wird er mich besuchen kommen und wir werden zusammen zum Grab fahren, das ist mir tatsächlich wichtig. Ansonsten freue ich mich jetzt schon auf den 17. August, dann habe ich vor diesem Thema erst mal wieder 1 Jahr Ruhe. :13:


    Ansonsten... keine Ahnung. Ich möchte, dass meine Mama stolz auf mich ist und versuche, wieder zu dem Menschen zurück zu kehren, den sie erzogen hat. Alle Frauen in meiner Familie waren Kämpferinnen und ich will nicht die Ausnahme sein. Auch wenn ich manchmal denke, dass diese Pflicht zum Kämpfen sehr ungerecht verteilt ist....

    Und ich dachte auch: wenn ich ernsthaft darüber nachdenke, dass mein Weiterleben ein Verrat an unserer Liebe wäre, unterstelle ich meiner Mama damit nicht auch indirekt, dass sie ihre Mutter nicht so geliebt hat, weil sie nach deren Tod weiterlebte? Das wäre furchtbar. Meine Mama hat ihre Mutter sehr geliebt und ebenso gelitten, wie ich es jetzt tue. Ich habe so einen großen Respekt davor, dass sie es damals geschafft und weiter gemacht hat. Leider habe ich das früher irgendwie nie so realisiert und ihr daher auch nie so sagen können... :(

    Aber ich möchte das auch. Ich weiß, das meine Mama immer stolz war auf mich. Ich weiß auch, dass sie mich versteht, wie es mir jetzt geht. Aber ich weiß auch, dass sie alles tun würde, damit ich wieder aufstehe und mein Leben lebe, weil sie das so wollte. Es fällt mir so unsagbar schwer und es fühlt sich nach wie vor so schrecklich falsch an. Aber ich habe das Gefühl, dass ich das tun muss. Denn würde ich das nicht tun, würde ich dann unsere Liebe nicht erst recht verraten? Muss ich nicht alles tun, um ihren Wunsch zu erfüllen?

    Ja, ich denke schon.


    Allein: es ist so verdammt schwer. Ich komme mir vor wie ein Harlekin, der morgens seine Maske aufsetzt, den ganzen Tag fröhlich lacht und seine Stärke zur Schau stellt, abends dann aber die Maske abzieht und sich heulend in sein Bett verzieht. Aber vielleicht muss das so sein.


    Am schlimmsten ist es, wenn ich konkret an sie denke. Mich an ihre Augen erinnere, an ihre Umarmung, ihre weiche Haut, ihr Lachen. Wenn ich mich an bestimmte Situationen erinnere oder WhatsApp-Sprachnachrichten abhöre und realisiere: das alles kommt nie wieder. Ihre Augen werde ich nie wieder strahlen sehen, ihr Lachen nie wieder hören und ihre Umarmung nie mehr erwidern können. Dann denke ich: nein, das schaffe ich nicht. Das ist einfach nicht zu schaffen. Dieser Schmerz ist zu groß, als dass man ihn überleben könnte. Selbst beim Tippen laufen mir gerade die Tränen.


    Aber das Leben zeigt uns, dass wir mehr aushalten können, als wir denken (und wollen!). Die Narben bleiben und es wird nie wieder wie vorher, aber man überlebt. Ob man will oder nicht.


    Seid alle ganz herzlich gedrückt! <3

    Vielen Dank für eure Antworten, liebe Mirachen und liebe Kornblume!


    Mirachen, du schreibst, du fühlst dich als Halbwaise. Stimmt, ich hatte ähnliche Gedanken. Allerdings erst spät. Zu meinem leiblichen Vater habe ich keinen Kontakt, glücklicherweise, und er gehört auch definitiv nicht zu meinem Leben. Meine Mama fragte mal: Was machst du eigentlich, wenn dein Vater mal plötzlich vor deiner Tür stehen sollte? Darauf antwortete ich: Die Tür wieder zu.

    Mein "echter" Papa ist mein Stiefvater. Dennoch fühle ich mich ... ja, wie ein Waisenkind. Dieser ganz besondere Schutz, den mir meine Mama gegeben hatte, ist nicht mehr da. Dieser Mensch, der dich bedingungslos liebt, dich in und auswendig kennt, dich nicht ver- und beurteilt, der ist nicht mehr da. Wir mussten uns nur anschauen und haben verstanden. Wir mussten nichts erklären.

    Diese Sicherheit ist nicht mehr da. Die Welt ist eine andere. Ich kann es auch nicht erklären, aber ich bin mir sicher, du verstehst, was ich meine.


    Meine Bücher sind meine Zuflucht. Eines kann ich sicher sagen: ohne meine Katzen und meine Bücher hätte ich die vergangenen Monate gar nicht überlebt. Meine beste Freundin war und ist eine unglaublich große Stütze, sie meldet sich jeden Tag - aber sie lebt nun mal in Italien und ist nicht vor Ort. Für sie war meine Mama ihre deutsche Mutter und für meine Mama war sie ihre italienische Tochter. Ich sage immer: ja, ich habe noch eine Familie in Italien. Aber natürlich ersetzt sie meine Mama nicht.

    Was ich tatsächlich nicht mehr ertrage, ist Musik. Musik hat bei uns immer eine große Rolle gespielt. Meine Mama hatte IMMER Musik an, sogar in den letzten Jahren und sie war ganz begeistert, als ich ihr ein Tablet geschenkt hatte und sie stundenlang darüber Musik hören konnte. Auch für mich war Musik immer sehr zentral. Ich spiele Klavier und Saxophon (wobei ich letzteres wegen meiner Muskelerkrankung leider nicht mehr spielen kann) und liebe Musik, von Klassik, Jazz und Swing bis zu Rock. Doch seit diesem entsetzlichen Tag im Februar ertrage ich keine Musik mehr. Warum auch immer. Es ist egal, welches Lied ich zufällig im Radio höre: die Tränen sind da, ebenso der Schmerz. Viele Erinnerungen an Situationen mit meiner Mama, die wir so nicht mehr erleben werden.

    Nächstes Jahr werde ich 30. Mein Wunsch dazu war, mit meiner Mama in der Arena di Verona eine Opernaufführung zu sehen. Wir beide lieben Opern, vor allem die großen italienischen Künstler wie Puccini und Verdi. Und da mein Geburtstag im August ist, fällt er direkt in die Hauptaufführungszeit der Arena di Verona. Wir hätten uns Tosca oder Aida angesehen. Als ich das letzte Mal in Verona war, stand die gesamte Requisite zu Aida vor der Arena. So beeindruckend! Großartig! Wie gerne hätte ich das zusammen mit meiner Mama erlebt...


    Auch ich ertrage meine Nachbarn nicht. Insgesamt diese ganzen lachenden Menschen, deren Leben noch ganz ist. Kinder, die nach ihrer Mutter rufen. Jeder einzelne Ruf ein Stich ins Herz...


    Diese Egalphase, von der du, liebe Kornblume, schreibst, wünsche ich mir auch zurück. Mir scheint, ich bin gerade in einer Phase, wo sich die Realität mir aufdrückt. Da war mir die vorherige Phase des Verdrängens und der Gleichgültigkeit wesentlich lieber. Ich war einfach kein Teil dieser Welt und die Welt für mich nicht existent. Das war einfacher...


    Vor zwei Jahren habe ich mein Promotionsprojekt angemeldet. Dann wurde ich krank. Jetzt fragen mich manche, ob ich nicht an der Dissertation arbeiten wolle. Es würde mich beschäftigen und sei mir doch so wichtig. Tatsächlich fällt mir dann ein, dass mir diese Doktorarbeit einmal unglaublich wichtig war. Nicht, weil ich unbedingt den Titel wollte, sondern des Themas wegen. Ehrlicherweise ist sie mir jetzt nicht mehr so wichtig. Sie ohne meine Mama zu schreiben, fällt mir so unsagbar schwer. Alles, was ich bin und wo ich jetzt stehe, verdanke ich ihr. Wie kann ich da ohne sie an der Arbeit schreiben? Und noch schlimmer: nehmen wir an, ich schreibe sie und der Tag der Verteidigung kommt - wie soll ich diesen Tag ohne sie begehen?! Das geht doch nicht!

    Ein Teil von mir möchte diese Arbeit nach wie vor schreiben. Dieser Teil ist mein Kopf. Er sagt: Orientiere dich daran, was dir noch vor ein paar Monaten Halt gegeben hat und für dich wichtig war. Es wird dir helfen, diese Zeit zu überstehen und du kannst dann immer noch überlegen, wie es weitergehen soll. Du verlierst dadurch nichts.

    Und mein Herz schreit: Nein, das geht nicht. Ich kann meine Mama doch nicht so verraten. Auch wenn sie nicht wollen würde, dass ich das aufgebe, fühlt es sich so gemein an, ohne sie weiterzumachen.


    Keine Ahnung, welcher Teil überwiegt und welcher schlussendlich gewinnen wird. Vielleicht beide.


    Eure Antworten bedeuten mir immer sehr viel. Es tut so gut, zu wissen, dass es Menschen gibt, die mich so gut verstehen. Auch wenn der Anlass natürlich alles andere als "schön" ist...


    :24:<3

    Hallo ihr Lieben,


    schon wieder ein Tag ohne meine geliebte Mama... Ich kann es nicht fassen... Dieser Gedanke, dass ich sie NIE mehr in die Arme nehmen, ihr NIE mehr in ihre wunderbaren Augen sehen, NIE mehr mit ihr sprachen kann, schwebt permanent über mir wie ein Damoklesschwert. Der Gedanke zerreißt mir mein Herz und tief in mir ist eine Stimme, die sagt: wie jetzt - nie mehr?! Das geht doch nicht!! Das kann doch gar nicht sein!!!


    Doch dann gehe ich in ihr Zimmer und schaue auf ihr leeres Bett. Ich erinnere mich an die Beerdigung, daran, dass ihre körperliche Hülle tief unter der Erde liegt und nie mehr von ihrem Lachen und ihrer Herzlichkeit und ihrem Strahlen erfüllt sein wird.

    Das ist dann wieder ein Moment, wo ich am liebsten sterben möchte, weil ich diesen Gedanken nicht ertragen und mir eine "Zukunft" nicht vorstellen kann. Weinend laufe ich dann zu unseren beiden Samtpfoten und nehme sie in die Arme, so lange, bis sie sich trocken putzen müssen.


    Obwohl ich mein Mensch bin, der sich prima mit sich alleine beschäftigen kann und der gerne den Spruch "Meine besten Freunde sind meine Bücher!" vielfach gebrauchte, obwohl ich unsere Katzen so sehr liebe und sie viel mehr für mich sind als "nur" Katzen, merke ich, dass ich die Einsamkeit plötzlich nicht mehr ertrage. Wie so viele andere bin auch ich im home office und plötzlich fällt mir die Decke auf dem Kopf. Aber es ist nicht einfach nur das, es ist, dass mir meine Mama so sehr fehlt, dass ich meine, schreien zu müssen - allein, es hilft nicht. Ich vermisse unsere stundenlangen Unterhaltungen über Gott und die Welt. Ich vermisse unser Zusammensein, das so reich war auch ohne Worte. Und obwohl ich weiß, dass ich selbst in einer Menge von Tausenden von Menschen meine Mama vermissen würde, fühle ich mich so schrecklich einsam und mache nun Termine, wo es geht, und verabrede mich mit Freunden. Gleichzeitig habe ich, paradoxerweise, dazu überhaupt keine Lust. Ich will sie alle nicht sehen und ich will auch nicht "abgelenkt" werden und lachen, weil es nichts zu Lachen gibt. Und doch will ich abgelenkt werden, nicht alleine sein, nur eine ganz kurze Zeit diesen entsetzlichen Schmerz nicht fühlen.


    Dabei dachte ich immer, ich sei eigentlich ein recht unkomplizierter Charakter. ;)


    Ich schäme mich, wenn ich diesem Schmerz entfliehe. Am Samstag war es so schlimm, dass ich 30km in eine große Buchhandlung gefahren bin. Buchhandlungen sind für mich einer der schönsten Orte der Welt. Dort kann ich Stunden verbringen.

    Was soll ich sagen? Es war nicht besonders toll. Ich fühlte mich völlig fehl am Platz und zuhause habe ich nur geheult, weil eben nicht meine Mama mich begrüßte und fragte, welche neuen Schätze in unser Bücherregal einziehen dürfen. Ja, gut, die Katzen haben sich riesig gefreut, als sei ich nach Monaten zurückgekehrt und haben neugierig in die Tasche geschaut. aber dennoch... Ich fühlte mich so schlecht, weil ich weggefahren bin und mir etwas "Gutes" tun wollte. Dabei gibt es nichts, was mir gut tut - außer, meine Mama könnte wieder bei mir sein. Außer, man könnte die Zeit zu diesem einen Zeitpunkt zurückdrehen, wo man noch etwas hätte ändern können und man dann genau diesen anderen Weg einschlägt.


    Natürlich möchte meine Mama, dass es mir gut geht. "Genieße, dass du jetzt keine Angst mehr haben musst um mich und lebe dein Leben!", das sagt sie ganz bestimmt auf ihrem Stern und regt sich furchtbar über ihre Tochter auf, die den ganzen Tag auf dem Sofa sitzen und heulen kann. Und natürlich versteht sie mich gleichzeitig. Manchmal denke ich, dass ich mich zusammen reißen muss, damit es ihr auf ihrem Stern gut geht und sie nicht sogar jetzt noch Sorgen um mich machen muss. Aber dann frage ich mich, warum sie überhaupt dort sein muss, wo sie doch auch viel lieber bei mir wäre...


    An dieser Stelle sei gesagt, dass ich bis jetzt immer als sehr logischer Kopfmensch galt. Wenn ich mir ansehe, was ich hier schreibe (und schlimmer noch: ich schreibe es nicht nur, ich denke es ja sogar!!!), dann würde ich diese Aussage nicht mehr einfach so unterschreiben...


    Vielleicht geht es aber auch allen so...


    Seid gegrüßt! :24:




    Liebe Kleene,


    welch ein schöner Brief... Trotz der Tränen in den Augen beim Lesen schlich sich ein Schmunzeln auf mein Gesicht, als ich las, dass deine Mama jetzt ein Schutzengel ist. Bestimmt passt sie jetzt auf dich auf und ist froh darüber, all das, was du ihr gegeben hast, nun mit ihrer himmlischen Weisheit und Stärke an dich zurückgeben zu können!!!! :5:


    Viele sagen gerne, dass unsere zu Engel gewordenen Menschen uns von Wolken zusehen. Das möchte ich eher nicht sagen, denn Wolken sind nicht immer am Himmel. Dafür aber Sterne, die sind immer da, auch wenn wir sie nicht sehen können. Und so weiß ich, dass deine Mama auf ihrem Stern sitzt und auf dich aufpasst.

    Und auch meine Mama sitzt mit ihrer Mutter und allen Katzen auf diesem großen Stern, schaut zu mir hinab, schüttelt den Kopf darüber, dass ich so oft weine und passt auf mich auf. Und an wolkigen Tagen, so wie heute, weiß ich, dass ich sie mal einen Ausflug machen und vom Stern auf eine Wolke wechseln. ;)


    Es bedrückt mich, zu lesen, dass es deiner Tante nicht so gut geht... ich hoffe sehr, dass dein Schutzengel auch auf sie aufpassen kann!


    Du schreibst, dass du eine Therapie begonnen hast. Ich habe schon vor langer Zeit eine Therapie gemacht, wegen einer PTBS, und sie nun wieder "reaktiviert". Eine solche Psychotherapie ist oft schmerzhaft, sehr anstrengend und gerade am Anfang so aufwühlend, dass man denkt: hey, es geht mir nur schlechter, was soll das? Aber dann hat man es eines Tages geschafft und sieht und fühlt auch, wie man durch diese Therapie so vieles aufarbeiten kann und es einem endlich besser geht.

    Ich wünsche dir dafür viel Kraft. Aber du hast, so scheint es mir, schon so oft in deinem Leben Kraft bewiesen, du wirst sie jetzt auch haben!


    Sei gegrüßt :30:



    Liebste Kornblume,


    wie lieb, dass du dich gleich hier anmeldest und mir sogar schreibst! Viiiiiiielen Dank dafür <3<3<3

    Komm erst einmal in Ruhe an!

    Ich hoffe, es war kein ernster bzw. allzu schlimmer Grund, weswegen du im Krankenhaus warst und dass du, zumindest weitestgehend, gesund bist!


    Ich drück dich aus der Ferne :24:

    Liebe Kornblume,


    du hast mir aus der Seele gesprochen. Auch ich möchte ihr am liebsten einfach "hinterher". Mein (Stief-)Vater wird immer wütend, wenn ich so etwas sage, meint, ich dürfe mein Leben nicht wegwerfen und dass das Mama auch nicht gewollt hätte. Dass sie das nicht wollte, weiß ich. Trotzdem fühlt sich mein Leben so entsetzlich leer und sinnlos, vor allem so wertlos an, seitdem sie nicht mehr da ist.


    Wie furchtbar, dass du dann so kurz darauf auch noch den Verlust deiner besten Freundin verkraften musstest! Das Leben ist so unfassbar grausam.


    Du schreibst, dass dir dein Glaube geholfen hat. Das finde ich großartig, es beeindruckt mich sehr. Ich weiß nicht, ob ich mich als "gläubig" oder "religiös" bezeichnen würde, irgendetwas davon bin ich und eigentlich glaube ich auch daran, dass es etwas jenseits des irdischen Lebens gibt, etwas, das wir Menschen nicht erfassen können und dennoch immer da ist und uns lenkt. Eigentlich glaube ich daran, dass meine Mama mich sieht und bei mir ist (die Arme...) und dass Liebe den Tod "überlebt".

    Allein: es hilft mir überhaupt nichts.


    Danke für deine Erzählung vom ersten Geburtstag deiner Mama ohne sie. Ich habe mich auch schon gefragt, was ich machen soll an diesem Tag und ich weiß es noch immer nicht. Im Bett bleiben und vergessen, wenn das ginge...

    Mein (Stief)Vater meinte, er wolle an meinem Geburtstag kommen. Ich habe im August an einem Sonntag Geburtstag und nur Weihnachten erweckt in mir größere Furcht als mein verfluchter Geburtstag. Ich will ihn nicht "feiern", es gibt nichts zu "Feiern" und ich empfinde es als Quälerei, so tun zu müssen, als ob. Ich will doch lediglich meine Mama zurück und wenn das nicht geht, will ich einfach nur meine Ruhe...


    Ich finde es sehr schön, wie du von "Heimgehen" sprichst und davon, dass unsere Mütter nach wie vor da sind und uns begleiten, ihr "Erdenkleid" abgelegt haben und damit auch ihre Schmerzen. Dieser Gedanke spendet ein wenig Trost. Nein, eigentlich freut es mich, dass sie all diese Schmerzen und den Kummer nicht mehr ertragen muss. Dennoch zerreißt mich jeder Tag ohne sie...


    Ich grüße dich ganz ganz herzlich!!!

    Liebe Kornblume,


    hab vielen Dank für deine ehrlichen Worte! Mich nerven diese Phrasen á la "Das wird schon wieder!" oder "Zeit heilt alle Wunden". Tatsächlich nicke ich oft einfach nur, weil es mir zu blöd ist, dazu etwas zu sagen - bei den meisten spiele ich ohnehin die "Normale", die, die man kennt. Denn wer versteht einen schon?


    Hier verstehen mich viele, du zum Beispiel, liebe Kornblume. Ich weiß, dass der Schmerz niemals verschwinden wird, doch ich sage das niemanden, weil ich auch weiß, welche Diskussionen dann vom Zaum gebrochen werden. Natürlich wird man sich mit dem Schmerz "arrangieren", sich daran gewöhnen, wie man sich auch an so vieles andere im Leben gewöhnt. Aber ich werde niemals über diesen Schmerz hinwegkommen können, denn ich werde niemals aufhören, meine Mama, diesen wundervollen Menschen, diese großartige Mutter, diese zuverlässige Freundin, diese starke Frau, den immer lachenden Clown und die trotz aller Widrigkeiten überzeugte Frohnatur, kurz: meine andere Hälfte, die werde ich niemals aufhören, zu vermissen. Sie wird mir immer fehlen.

    Es ist quasi der Phantomschmerz, den man hat, nachdem einem ein wesentliches Körperteil amputiert wurde.


    Ich war schon immer dankbar, genau diesen wundervollen Menschen als Mutter haben zu dürfen. Nie konnte ich die anderen verstehen, die von ihren Müttern genervt waren oder ihnen ggü. Geheimnisse haben. Ich war niemals von meiner Mama genervt, nicht einmal in der Pubertät, und es gab nie Geheimnisse zwischen uns. Ich habe ihr blind vertraut, ich habe ihr blind alles ANvertraut.

    Und da ich wusste, dass uns das Schicksal viel zu wenig Zeit miteinander schenken würde (denn, ich sagte es schon: wie schön wäre es gewesen, wenn wir einfach gemeinsam von dieser Welt gingen und so immer zusammen wären), kam für mich auch nie in Frage, "auszuziehen". Was Unwissende nicht verstanden haben und oft für "Nicht-Loslassen-Können" oder "nicht-auf-eigenen-Beinen-stehen-können" hielten, war für mich eine Selbstverständlichkeit.

    Meine beste Freundin, Italienerin, hatte nicht einmal verstanden, was daran so unnormal sein soll. Ein weiterer Grund, warum meine Mama und ich dieses Land so lieben.


    Es tut so höllisch weh, ohne sie zu sein. Wahnsinn, dass du, Kornblume, diesen Schmerz schon seit 7 Jahren erträgst (ertragen musst)!

    Meine Mama hat um ihre Mutter 30 Jahre lang getrauert. Wobei ich sagen muss, die letzten 10 Jahre waren weniger "schlimm" als die 20 zuvor. Sie hatte dann vor allem diese Dankbarkeit, von der du sprichst, doch die macht das Vermissen ja nicht besser.

    Dennoch ist es für mich unvorstellbar, wie man diesen Schmerz so lange überleben kann.


    Aber wie wir alle wissen: es ist uns so vieles unvorstellbar und es geschieht dennoch. Was der Mensch in der Lage ist, zu ertragen und zu überleben, ist doch selbst schon unvorstellbar.


    Ich sage mir jeden Tag: sie muss nicht mehr leiden. Sie muss keine Schmerzen mehr haben. Sich nicht mit dämlichen (Pardon!) Ärzten herumplagen. Ihr Kreislauf muss nicht mit der Hitze kämpfen, die Gelenke nicht mehr mit Regen und Kälte. Doch dann erscheint mir ihr immer währendes Lächeln vor Augen, diese unermüdliche Stärke und Lebenslust, und ich schüttle den Kopf und frage mich, mal wieder: Warum?!


    Auf diese Frage wird es keine Antwort geben. Ich weiß. Trotzdem stelle ich sie mir, hadere mit dem Schicksal, welches mir meine über alles geliebte Mama so früh genommen und sie vorher so schrecklich krank gemacht hat.

    Nichts davon hat sie verdient. Und ich hätte ihr so gerne noch so viel gegeben. In ein paar Wochen ist ihr Geburtstag, aber dieses Jahr darf ich keine Torte backen, keine rote Rosen kaufen, keine Geschenke verpacken und mich auf ihre Reaktion freuen. Diese Freude über Kleinigkeit, gepaart mit dem Satz "Das sollst du doch nicht für mich! Gebe nicht immer so viel Geld für mich aus! Ich habe doch alles - ich habe dich." Und ich werde nicht antworten: "Das alles ist nichts gemessen daran, was du für mich bist."

    Ich werde dieses Jahr auch nicht zum 29. Mal hören, wie sie die letzten Wochen vor meiner Geburt Erdbeer-essend im Partykeller verbracht hatte, weil der Sommer 1991 viel zu heiß war. Ich werde dieses Jahr nicht mehr an meinem Geburtstag hören: Heute vor 29 Jahren hat mein Leben einen Sinn bekommen und mir das größte Geschenk bereitet!


    Es tut so gut, dass alles niederschreiben zu können und zu wissen, dass die, die das lesen, mich verstehen. Auch wenn es schöner wäre, wenn wir alle gar nicht erst den Grund hätten, hier zusammen zu finden, trotzdem: Danke! :*

    Danke liebe Kleene...


    Wie kann man nur Dinge von Gräbern klauen?! :cursing: Widerlich!


    Der Tag beim Steinmetz und am Grab war so schrecklich, wie ich es vorhergesehen hatte. Es macht das Alles so endgültig... natürlich ist es das schon, aber irgendwie ist es, als würde mein Inneres das verweigern und es fühlt sich an, als würde meine Mama bald wieder kommen. Als ob sie im Urlaub wäre. Welch ein Unsinn, uns gab es nur zu zweit, wäre sie im Urlaub, dann wäre ich mit ihr dort...

    Dieser Moment vorm Grab... unerträglich. Ich habe so bitterlich geweint, glaubte, es zerreißt mich in Stücke. Diese entsetzlichen Bilder: im Krankenhaus, beim Bestatter... und ständig dieser Gedanke: Das darf doch einfach nicht wahr sein, das kann es einfach nicht.... Ich vermisse sie so sehr, dass ich glaube, an diesem Gefühl sterben zu müssen.


    Das Wochenende habe ich entsprechend in Tränen verbracht. Ich war oft in ihrem Bett, hatte ihr Kissen im Arm und ihren Duft gerochen, mir gewünscht, sie selbst im Arm halten zu können. Dieses Gefühl der Einsamkeit, des Nicht-mehr-ganz-seins und diese Verzweiflung, weil man ja doch weiß, das wird sich nicht ändern, man wird nur lernen, den Schmerz zu ertragen.

    Ich kann nicht mehr und doch muss ich weitermachen. Doch wie soll ich das ohne meine geliebte Mama? Ohne den Menschen, der das Wichtigste in meinem Leben war und nach wie vor ist? Sie gab meinem Leben einen Sinn. Wir sind durch so viele Tiefen gemeinsam gegangen, immer hat sie mich aufgefangen. Wir haben gemeinsam gelacht und geweint. Mit ihr hat sich immer alles so einfach angefühlt. Mit ihr war ich stark, aber ohne sie bin ich einfach nichts.


    Ja, ich lasse den Schmerz auch zu. Es bleibt mir nichts anderes übrig und sie hat es verdient, dass man um sie trauert. Und doch habe ich das Gefühl, diesen Schmerz schlicht nicht aushalten zu können. Das Gefühl, dass das meine Kräfte übersteigt.


    Meine Mama war so ein wundervoller Mensch... immer für jeden da. Unfassbar stark und lebensfroh. Trotz so vieler Schicksalsschläge hatte sie gerne gelebt und selbst immer behauptet, ihr Leben sei nicht härter oder schlechter als das der anderen. "Und selbst wenn: du bist die Entschädigung für alles in meinem Leben", hat sie dann immer gesagt und gelächelt. Sie hat so wundervoll gelächelt, ein Lächeln, das auch immer ihre Augen erreicht und zum Strahlen gebracht hat.

    Sie hattte diesen unerschütterlichen Glauben an die Liebe. Daran, dass Liebe das ist, was im Leben zählt und wofür wir alle leben. Mir fiel dieser Gedanke immer schwer. Diese bedingungslose Liebe hatte ich immer nur zu ihr und ich hätte für sie ausnahmslos alles getan. Dass ein solches Gefühl für einen anderen Menschen empfunden werden kann - das hielt und halte ich nach wie vor wie ausgeschlossen. Diese große, aufrichtige Liebe kann es nur zwischen Mama und Kind geben.


    Wie soll ihn ohne diese Liebe weiterleben? Woher soll ich meine Kraft nehmen? Woher meinen Sinn? Ich vermisse sie so schrecklich sehr... sie fehlt in jeder Sekunde, jedem noch so kleinen Augenblick.


    Ich grüße euch! :24:

    Danke für die Umarmungen, liebe Andrea und Kleene!


    Im Moment ist es wieder ganz schlimm... es ist, als würde mir ständig ein Schild vorgehalten, auf dem steht: sie ist nicht mehr da und kommt auch nicht wieder!

    Zu allem Übel habe ich heute ein Päckchen von einer Freundin bekommen (das allein ist nicht das Übel ;) ), in der sie mir Raffaello mitgeschickt hat. Das waren die Lieblinge meiner Mama. Ich habe Rotz und Wasser geheult.


    Ich bemühe mich, Struktur in meinen Alltag zu bekommen, Dinge zu machen, von denen ich früher überzeugt war, dass sie mir wichtig seien. Dieses Gefühl von "Verrat" schwingt immer mit, obwohl ich weiß, dass es kein Verrat ist und meine Mama das nicht so sehen würde. Im Gegenteil, sie würde nicht wollen, dass ich alles hinwerfe und "wegwerfe". Es ist eine Art Überlebenstraining für mich, weil mir sonst die Alternativen und vor allem die Kraft fehlen, nach solchen zu suchen und doch fühlt es sich schlecht an.


    Übermorgen muss ich zum Steinmetz. Lange, viel zu lange habe ich es vor mir hergeschoben. Und nach wie vor weiß ich nicht, was ich machen soll. Einen Schriftsatz habe ich fest, der passt perfekt zu meiner Mama, war ihrMotto und auch der Titel eines Liedes, welches sie sehr, sehr geliebt hat: L'amore vincera.

    Doch wie weiter? Das Grabmal meiner Oma war anonym (zwar mit Widmung, aber ohne Namen), weil meine Mama das nicht wollte. Aber ich weiß nicht genau, warum. Ich möchte nichts machen, was sie nicht wollen würde. Obwohl sie immer sagte, wenn wir tatsächlich mal über so etwas sprachen: Mach, was dir gut tut und du möchtest, ich bekomme es ja eh nicht mit.

    Das hilft mir trotzdem nicht weiter... Ich glaube, dass sie das Grab ihrer Mutter quasi "intim" behalten wollte. Meine Oma war sehr bekannt in dem Ort und gleichzeitig hatte sie am liebsten ihre Ruhe und ich bin eigentlich davon überzeugt, dass dies der Grund war, warum meine Mama den Namen wegließ, damit meine Oma sozusagen "ihre Ruhe" hatte und nicht tausende Leute an ihrem Grab standen.


    Wie schrecklich, dass ich mir tatsächlich überhaupt über diese Sache Gedanken machen muss... Ständig denke ich: was wäre, wenn? Wenn sie noch lebte, würden wir dieses tun, sie würde jenes sagen. Eigentlich bin ich überhaupt niemand, der so denkt. Ich hasse sogar solche Überlegungen, weil ich sie nicht hilfreich finde. Denn schließlich ist es ja nun mal so, wie es ist, und gewisse Dinge können wir nun mal nicht ändern. Und trotzdem. Immer wieder: wenn, dann...


    Und ich kann es nicht mehr aushalten. Ich ertrage diesen Schmerz nicht mehr, ich will ihm einfach keinen Raum mehr geben. Ich versuche, mich schnellstmöglich zu beschäftigen, abzulenken, und dann habe ich wieder ein schlechtes Gewissen.

    Geht euch das auch so?


    Fühlt euch umarmt :30:

    Hallo ihr Alle...


    Nun ist es vier Monate her. Vor vier Monaten ist meine Welt stehen geblieben und mein Herz gebrochen. Es fühlt sich an wie Jahrzehnte und gleichzeitig wie Millisekunden. Die Bilder gehen nicht aus dem Kopf.


    Ich versuche, mir zu sagen, dass ihr vieles erspart geblieben ist. Mit einer derartigen Herzmuskelschwäche weiterleben, hätte sie nicht gewollt. Wahrscheinlich hätte sie sich noch weniger "bewegen" können, vermutlich hätte sie das Bett endgültig nicht mehr verlassen können. Nein, das ist grausam. Und wenn dieser Sommer tatsächlich so schlimm werden soll, wie es manche Meteorologen voraussagen, denke ich auch: gut, Mama, dass du das nicht erleben musst, wo du ohnehin immer unter der Hitze gelitten hast. Sie hasste den Sommer, obwohl sie im Juli geboren war.


    Doch es hilft nicht wirklich. Es stellen sich dann die Fragen ein: warum musste es denn überhaupt so weit kommen? Warum musste dieser Herzinfarkt auch noch kommen? Warum musste sie überhaupt diese elendigen Schmerzen und unfähige Ärzte haben, die ihr nicht helfen konnten, sodass sie überwiegend auf das Bett bzw. den Rllstuhl angewiesen war?

    Warum haben manche ihre Eltern so lange und ich durfte meine Mama nur 28 Jahre bei mir haben?


    Ich erwische mich oft dabei, dass ich Dinge "abspeichere", um sie ihr später zu erzählen. Als wäre sie im Urlaub, als würde eines Tages jemand klingeln und sagen: Das war nur ein Test, wie viel du ertragen kannst, jetzt ist alles wieder gut! und ich kann sie endlich wieder in die Arme nehmen und ihr sagen, wie unendlich sehr ich sie liebe. Wie dankbar ich ihr für alles bin, für jede Minute, jede Sekunde mit ihr. Ich möchte ihr ihre Lieblingsblumen mitbringen und mich freuen, wie sehr sie sich über banale Kleinigkeiten erfreuen und begeistern kann. Ich möchte wieder mit ihr lachen und weinen, mit ihr kindisch gackern und todernst über das Leben sprechen. Ich möchte mit ihr unseren gemeinsamen Traum von Italien leben und mit ihr gemeinsam Tagträumen hinterherhängen.

    Ich möchte ihr sagen: ich könnte hunderte Menschen um mich haben und doch bist du es, der mir fehlt, du bist es, ohne den ich so entsetzlich einsam bin. Du bist meine zweite Hälfte und ohne dich bin ich nur ein halber Mensch. Und auch wenn ich genau weiß, was du wann sagen würdest, möchte ich es dennoch HÖREN. Von dir.


    Die Einsamkeit wird gerade zur Normalität und dennoch zur schmerzhaften Unfassbarkeit. Obwohl ich immer wusste, dass mir nie so viel Zeit mit meiner geliebten Mama vergönnt sein wird, wie ich es gerne hätte, bin ich von der Wucht dieses Schmerzes, dieser unerträglichen Endgültigkeit überrannt. Ein Teil in mir sagt: endlich brauchst du keine Angst mehr davor haben, vor diesem einen Tag, an dem dir das Wichtigste und Liebste genommen wird. Endlich brauchst du keine Angst mehr vor irgendwas haben, denn das Schlimmste, was dir passieren konnte, ist geschehen.

    Und dann brüllt der andere: und ich hätte noch tausend Ängste ausgestanden, wenn wir hätten zusammen bleiben können! Meine Angst, sie zu verlieren, war eine alternativlose Realität entsprechend meiner Liebe für sie. Wer hat denn bitte keine Angst, wenn er liebt? Wenn meine Katzen husten, kommt die Angst. Auch die Vernunft, es ist nur ein Husten, das ist mal ok, aber auch die Angst. Und wie könnte es denn nicht normal sein, dass meine größte Angst die war, das wichtigste in meinem Leben zu verlieren?


    Fühle ich mich jetzt befreit? Nein. Der Preis für diese Freiheit war zu hoch. Auch wenn ich weiß, dass sie nun keine Schmerzen mehr hat, bleibt doch der Schmerz, denn ich weiß auch, dass sie gerne gelebt hatte, vor allem mit mir.

    Trauer ist zum großen Teil eine Form von Egoismus. Ich hätte sie gerne wieder bei mir und in diesem Gefühl ist eine große Gleichgültigkeit gegenüber möglicher Schmerzen, zumal sie diese doch seit über zehn Jahren gewohnt war. Diesem Gefühl folgt dann meine Liebe zu ihr. Nein, sie hat so viel für mich ertragen, generell so viel ertragen, noch mehr Pein und Schmerzen hat sie nicht verdient. Unsere Liebe wird ewig sein, aber ihr Leiden hat ein Ende und das ist gut so.


    Und trotzdem laufen mir die Tränen, während ich das schreibe, und trotzdem zerreißt es mich. Wie heißt es doch? Das Schicksal ist ein mieser Verräter.