Cafe Sonnenschein

  • Danke, linchen, ich bin die Tochter meines Vaters :-)


    Das Abschiedsgeschenk meines Vaters an meine Mutter (was er damals noch nicht wusste) war ein Besuch meiner Mutter bei ihren Schwestern, die über 300 km weit weg wohnen. Meiner Mutter wäre eine mehr als dreistündige Fahrt mit dem Auto zu anstrengend gewesen. Und zurück hätte sie ja auch wieder müssen…. Ihre Schwestern, vorallem ihre Zwillingsschwester, konnten die Fahrt auch nicht mehr absolvieren.
    Also hat mein Vater einen Flieger samt Pilot gechartert und ist mit ihr zu ihren Schwestern geflogen. Der Flug war ein Abenteuer, von dem meine Mutter mit leuchtenden Augen erzählte.

    Dass sie vier Wochen später ihren letzten Atemzug tat, wusste damals noch niemand….

    oh wie toll........mensch das war ja ein super schönes geschenk:28:

  • Ja, das war echt cool… Ich fand die Idee toll. Und die leuchtenden Augen, als meine Mutter davon erzählte, waren unschlagbar. Ich hab sie noch einige Male daheim besucht, bevor sie ins Krankenhaus musste. Der Flug war jedesmal Thema….
    Besonders schön war auch, dass mein Vater die Lösung des Problems, wie die drei Schwestern einander besuchen könnten, so schnell parat hatte und der Besuch nicht aufgeschoben wurde… nur 10 Tage später war meine Mutter schon im Krankenhaus. Mein Vater hätte sich unbeschreibliche Vorwürfe gemacht, wenn er ihr diesen Wunsch nicht rechtzeitig erfüllt hätte.

    Wie oft im Leben sagt man: ach, machen wir nächste Woche, nächsten Monat, nächstes Jahr…. Schön, dass es geklappt hat…

  • Ich wusste nicht, dass deine Mutter so schnell gehen musste 💔

    Weißt du, Pia, ich glaube, es war für sie gerade richtig.

    Meine Mutter hatte in den letzten 10 Jahren drei schwere Erkrankungen. Von jeder "blieb etwas zurück", sie wurde nie ganz gesund. Diese "Überbleibsel" ließen ihre Lebensqualität so sehr leiden, dass sie die Lebensfreude verloren hat. Immer wieder sprachen wir darüber, auch über ihren Tod und sie sagte, Altwerden wäre nicht schön, sie hätte keine Angst vor dem Tod, er dürfe kommen, sie würde ihn willkommen heißen....


    Im letzten Jahr verlor sie an Kraft, sie wurde ganz langsam immer dünner. Sie erledigte ihren Alltag, als wäre nichts, beklagte sich nie. Aber dass sie immer schwächer wurde, das war nicht zu übersehen. Aus Angst, sie hätte Krebs, verweigerte sie jeden Arztbesuch.

    Sie bekam heftige Bauchschmerzen und erbrach und bat darum, ins Krankenhaus gebracht zu werden. Man untersuchte sie tagelang am Herzen und fand eine neue Erkrankung, doch um ihre Bauchschmerzen kümmerte man sich erst, als sie neuerlich Krämpfe bekam und erbrach. Man stellte einen Darmverschluss fest, der operiert werden müsse. Mein erster Gedanke war: sie ist so schwach, eine Operation überlebt sie nicht. Und so war es dann auch.

    Die Ironie an der Geschichte war: es war kein Krebs, es war eine simple Verwachsung, die im Anfangsstadium mit einer Sonde behoben hätte werden können - was sie mit Sicherheit überlebt hätte....

    Aber zu welchem Preis? Die "neue" Erkrankung, die sie vor dem Darmverschluss festgestellt hatten, war ein Todesurteil, gegen das sie ankämpfen hätte müssen - ohne Lebenswillen?

    Ja, rückblickend ging es schnell - allerdings nur für uns. Für sie war es ein langsamer, und ich befürchte quälender Prozess, den sie für sich behalten hat.

    Es war Zeit für sie, denn in unserer Welt hätte ihr niemand mehr helfen können.

    Meine Mutter liebte Zahlenspiele. Sie starb am 7.7.22 um 22:07 im Alter von 77 Jahren - meiner Mutter würdig :|


    So war das mit ihr, dem Engelchen.... Sie war Schneiderin mit Herz und Seele und ich hoffe, ihr Engelskleidchen kneift sie nicht, denn ihre Nähmaschine hat sie hier gelassen.... :/



    Lasst uns Kaffee trinken


    Guten Morgen! :)

  • Liebe Puzzle, zum Kaffee eine liebe Umarmung von mir!

    Danke für dein Erzählen, ich glaube Menschen spüren es in sich, wenn ihre Zeit gekommen ist, und deine Mutter hat dieses Schicksal scheinbar angenommen. Ihr geht es jetzt gut, das glaube ich.

  • Liebe Puzzle, zum Kaffee eine liebe Umarmung von mir!

    Danke für dein Erzählen, ich glaube Menschen spüren es in sich, wenn ihre Zeit gekommen ist, und deine Mutter hat dieses Schicksal scheinbar angenommen. Ihr geht es jetzt gut, das glaube ich.

    Dessen bin ich mir absolut sicher.

    Danke dir.