Mein lieber Andreas, die Liebe meines Lebens, ist nicht mehr

  • Ja, liebe Lilifee, so ist das mit den Beziehungen.
    Wie man sich bettet, so liegt man….


    Du stellst die gleichen Fragen, die ich mir auch stelle…. Es gibt keine Antworten.

    Also konzentriere ich mich darauf, was es FÜR MICH war, denn nur das ist gesichert.


    Es besteht Anlass zur Annahme, dass ich mir bei dem Sturz vorgestern eine Gehirnerschütterung geholt hab. Deshalb kann ich nicht so lange antworten, bitte verzeih…

    Ich werde schlafen gehen und morgen mal einen Arzt befragen.


    Gute Nacht. Schlaf so gut es geht…

    Puzzle

  • Ja, liebe Lilifee, so ist das mit den Beziehungen.
    Wie man sich bettet, so liegt man….

    Das stimmt allerdings. Durfte ich vor Andreas zweimal erleben. Bei ihm war ich dann perfekt gebettet...


    Liebe Puzzle,


    das tut mir so leid für Dich. Hoffentlich ist es nicht zu schlimm. Ruh Dich auf jeden Fall aus. Das ist wichtiger als zu antworten.



    Lilifee

  • Guten Morgen, liebe Lilifee!


    Ich hoffe, dein Essen ist gelungen. Allein zu essen oder auch nur für sich selbst zu kochen, ist für mich eine der Herausforderungen, die ich noch stemmen muss. Zu viele schöne Erinnerungen hängen an diesem essentiellen „Ritual“, weshalb ich es neu gestalten muss, um nicht dauernd getriggert zu werden….

    Ich bin jetzt aber erschüttert ohne Ende über Deinen Bericht. Was für Abgründe. Ich weiß natürlich nicht wie Dein Partner bis zu eurem Kennenlernen gelebt hat, aber entweder hat er in seinem Leben nicht sehr viel Liebe und Fürsorge erlebt. Oder er war ein Mensch dem es schwergefallen ist diese anzunehmen. So etwas gibt es ja. Da spielt dann sicher auch hinein wie man durch Kindheit, Elternhaus, Umgebung und spätere Lebenserfahrungen geprägt wurde. Ich kann aber sehr gut verstehen daß es ihn Überwindung gekostet hat seine Füße von Dir versorgen zu lassen. Das wäre mir auch so gegangen, denn ich bin ein Mensch der gerne gibt, dem es aber manchmal peinlich ist zu nehmen. Nur bei Andreas war das anders.

    Ja, Abgründe… das trifft es wohl.

    Ich weiß nur aus einzelnen kurzen Sätzen, wie sein Leben war, bevor wir uns kennen gelernt haben. Ich weiß aber, dass er auf Vieles nicht stolz war und daher wenig erzählt hat. Immer wieder Thema waren seine Eltern, die er hoch geschätzt hat. Um so schlimmer muss es gewesen sein, dass seine Mutter starb, als er sechs Jahre alt war. Eine Zeitlang kümmerte sich seine Großmutter um ihn und seinen Bruder, doch der Vater fand schnell eine neue Frau, die für die Kinder eine Stiefmutter, wie aus dem Märchen war: böse und brutal. Ich weiß nicht, ob das wirklich so war oder ob sein kleines, trauerndes Kinderherz die Stiefmutter aus Liebe zu seiner Mutter nicht anders in die Erinnerung schreiben konnte, jedenfalls erzählte er nichts Gutes von ihr.

    Für seinen Vater hatte er nur Worte größten Respekts, Wertschätzung und Dankbarkeit… ob da auch Liebe war, weiß ich nicht.
    Sein Leben als Erwachsener war turbulent und wie jedes Leben von Höhen und Tiefen geprägt. Eines aber war ganz deutlich: die Arbeit stand im Vordergrund. Es findet sich darin keine dauerhafte Beziehung, außer auf geschäftlicher Basis. Ich glaube, er hatte seine schwer auszuhaltenden narzisstischen Züge seiner Kindheit zu verdanken - und die machten es ihm unmöglich, sich dauerhaft zu binden. Er betonte oft, er hätte gerne ein idyllisches Familienleben gehabt…

    Sich auf ihn einzulassen, fühlte sich manchmal an, als würde ich einen streunenden Hund aufnehmen, der nicht aufgenommen werden wollte. Einerseits gab ich ihm, was er behauptete, haben zu wollen, andererseits musste ich immer damit rechnen „gebissen“ zu werden.
    Was er aber für mich tat, war für mich purer Luxus, sowohl im materiellen wie auch im emotionalen Sinne. Ich musste nie um irgendetwas bitten, wenn ich seine Hilfe brauchte. Er sah von sich aus, wo etwas klemmt und hat dafür gesorgt, alles in Ordnung zu bringen. Er hat sich mir von Anfang an an die Seite gestellt, hat Verantwortung mit übernommen und Lösungen gesucht und vorgeschlagen, ohne mir das Gefühl zu geben, dass ich „ausgebootet“, abgedrängt werde. Für meine Belange, sei es beim Haus, bei den Kindern, beim Auto… was auch immer, war die Gemeinsamkeit, das Teilen, die Unterstützung unschlagbar. Nach vielen Jahren, in denen ich das Leben mit all seinen Belangen allein gestemmt hatte, war da plötzlich jemand, der in dieses Abenteuer miteinsteigt. Jemand, der mich hier nicht herausreißen wollte, weil es nicht „sein Werk“ war. Jemand, der meine Leistung geschätzt hat, der den ideellen Wert eines „Lebenswerks“ erkannt und geschätzt hat - obwohl es nicht Seins war.
    Er hat mich auf Händen getragen… diesen Mann an meiner Seite zu wissen, gab mir Kraft und Mut. Er war Licht, Farben und Wärme.
    Doch wehe, es ging um seine Belange… still sein, zuhören… musste ich auch erst lernen… so war das Leben mit ihm…


    Vom Defi wusste ich. Den sieht man ja unter der Haut, er zeichnet sich deutlich ab. Ich wusste nicht, dass er damit ein Problem hatte. All die Dinge, die man rund um so ein Implantat auch als Angehöriger wissen sollte, wusste ich nicht. Ja, ich wusste nicht einmal, dass man als Angehöriger irgendetwas spezielles wissen sollte, also habe ich auch nicht danach gefragt. Er ging nach außen hin so locker damit um, dass ich keinen Anlass zur Sorge sah…


    Um eine deiner Fragen zu beantworten: einer der Notfallmediziner, mit denen ich nach seinem Tod gesprochen habe, sagte mir unverblümt: solche Patienten kann man nicht wiederbeleben. Bei aller Kunst und mit noch so viel Erfahrung als Notarzt würde eine Wiederbelebung in so einem Fall nicht funktionieren. Das wisse er aus vielen leidvollen Erfahrungen….
    An den Spuren in seiner Wohnung war zu erkennen, dass er tagelang vorher schon erhebliche, körperliche Probleme gehabt haben muss. Er hatte zehn Tage vor seinem Tod das letzte Mal die Wohnung verlassen. 5 Tage vor seinem Tod hatte er Besuch. Sein Besucher drängte ihn, ins Krankenhaus zu gehen, denn er würde nicht gut aussehen… er verweigerte.

    Das beantwortet eine weitere deiner Fragen: er wäre nicht bei mir Zuhause gestorben. Ich hätte ihn unter allen Umständen ins Krankenhaus bringen lassen. Er wäre trotzdem gestorben… vielleicht nicht so quälend… es war seine Entscheidung. Ich kann nichts ändern.


    Es ist schön, dass du mit Andreas einen so liebevollen Mann gefunden hast. Und um so tragischer, ihn dann beerdigen zu müssen. Einen Menschen, der so gut zu einem passt und der uns eigentlich vom ersten Augenblick an so nahe ist, findet man sehr selten. Manche finden ihn nie…


    Ich werde nun auch versuchen, etwas zu finden… nämlich die Motivation, um diesen Tag sinnvoll zu gestalten ;-)

    Alles Liebe,

    Puzzle

  • Liebe Puzzle,


    es ist gelungen und hat gemundet. Alleine zu essen ist für mich jetzt keine so große Herausforderung weil der Körper ja leider sein Recht verlangt. Für mich alleine zu kochen ist allerdings eine Herausforderung der ich mich längst nicht jeden Tag stelle. Mir hat es auch viel besser gefallen für UNS zu kochen und mit Andreas gemeinsam zu essen. Für ihn war mir nichts zu viel. Nur für mich alleine ist das anders, da siegt aber auch die Faulheit. Das muß ich ehrlich zugeben. Belegte Brote machen auch satt, und dann bleibt die Küche eben manchmal kalt in dem schönen Taunuswald. 8o


    Der frühe Tod der Mutter war für Deinen Partner ganz bestimmt ein traumatisches Erlebnis. Ob die Stiefmutter wirklich eine aus dem Märchen war oder nicht, ist vermutlich gar nicht so entscheidend. Dein Partner hat es so empfunden, und nur das zählt. So eine Erfahrung macht ja was mit einem. Und ob sein Vater das ausgleichen konnte ist offensichtlich fraglich. Es ist schön wenn man für seinen Vater Respekt, Wertschätzung und Dankbarkeit empfinden kann. Wenn aber Liebe gefehlt hat ist das sehr prägend, und nicht gerade positiv.


    Ich bin natürlich kein Psychologe, aber daß in seinem Erwachsenenleben die Arbeit im Vordergrund stand deutet schon darauf hin. Weil er offensichtlich nur im Beruf Erfolgserlebnisse und Wertschätzung gefunden hat, aber nicht im Privatleben. Hat sich Dein Partner im Elternhaus wertgeschätzt und geliebt gefühlt? Wurde ihm vermittelt daß er liebenswert ist, und damit meine ich wörtlich es wert zu sein geliebt zu werden? Möglicherweise nicht, und das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Bindungsfähigkeit.


    Es überrascht mich, daß Du von schwer auszuhaltenden narzisstischen Zügen schreibst. Dein Partner war ganz sicher ein Mensch mit zwei Gesichtern. Er war für Dich und Deine Belange da, hat Verantwortung übernommen und das alles freiwillig und wohl auch gerne. Du brauchtest um nichts betteln, er gab von sich aus. Hat selbst gesehen wo Hilfe und Verständnis gefragt waren, aber ohne Dich „klein zu machen“. Nur wenn es um ihn und seine Belange ging hat er geblockt. Das war natürlich für Dich nicht sehr schön, und gibt einem schon das Gefühl in mancher Hinsicht aus dem Leben des Partners ausgeschlossen zu sein. Damit umzugehen ist sicher nicht einfach, aber das ist nicht das Verhalten von Narzissten. Denen geht es nur um sich selbst und die eigenen Belange. Wünsche und Bedürfnisse von anderen Menschen zählen nichts. Narzissten sind auch nicht zu eigenen ehrlichen Emotionen fähig. Sie können allenfalls andere imitieren. So wie Du Deinen Partner schilderst konntest Du Dir, abgesehen von seiner Verschlossenheit in Bezug auf sich selbst, keinen besseren wünschen. Und so ist kein Narzisst. Ich kann mir nicht helfen, aber auf mich wirkt es so als ob das Leben Deines Partners von der Denkweise „ich bin es nicht wert geliebt zu werden, und daß etwas für mich getan wird“, geprägt war. Und entsprechend ist dann manchmal das Verhalten anderen gegenüber. Weil es solchen Menschen schwer fällt sich lieben zu lassen.


    Von dem Defi wußtest Du natürlich. Das läßt sich ja auch nur verheimlichen wenn man sich nicht zu nahe kommt. Aber von den Problemen wußtest Du nichts. Woher auch, wenn der Partner das mit sich abmacht. Sicher sollten Angehörige und ganz besonders Partner dieses und jenes wissen. Über den Umgang und mögliche psychische Probleme. Wie beim Diabetes auch. Aber das ist eben nur möglich so weit der andere das zuläßt. Und warum solltest Du Dir Sorgen machen wenn Dein Partner locker flockig damit umgeht, und Dir vermittelt keine Angst, ich habe alles im Griff.


    Die Angst meines Vaters war natürlich unbegründet, aber er hatte sie nun mal. Angst ist nicht immer rational. Er konnte aber ruhig und friedlich sterben weil er wußte, meine Mutter würde das gegebene Versprechen halten. Und für den Seelenfrieden meiner Mutter war es wichtig ihm diesen letzten Wunsch zu erfüllen. Das hat die Hausärztin zum Glück auch gleich verstanden, und gar nicht erst versucht es ihr auszureden. Sie hat es einfach getan, und dafür waren wir sehr dankbar.


    Warum Dein Partner diesen schweren Weg gewählt hat wird wohl für immer sein Geheimnis bleiben, und ganz sicher war das kein Spaziergang. Trotzdem ging es aus seiner Sicht nicht anders. Nur, war es wirklich so, oder dachte er das nur? Immer wieder Fragen …


    Du schreibst, bei Dir zuhause wäre er nicht gestorben. Hättest Du ihn gegen seinen Willen ins Krankenhaus bringen lassen können? Hätte er das zu gelassen? Vielleicht wäre er trotzdem gestorben, dann aber nicht so qualvoll, vielleicht aber auch (noch) nicht. Man muß aber wohl davon ausgehen, daß er es wieder versucht hätte. Es war seine Entscheidung …


    Ja, es war ein großes Glück Andreas zu begegnen. Da war von Anfang an eine große Vertrautheit. Es war auch kein Problem den anderen ins eigene Leben zu integrieren. Das ist ja nicht immer so einfach wenn man keine zwanzig mehr ist, schon länger alleine gelebt und vielleicht die eine oder andere Eigenart und Gewohnheit entwickelt hat. Aber das hat sich alles wie von selbst gefügt. Wir haben uns im August kennengelernt und waren ab Dezember unzertrennlich. Abgesehen von zwei Nächten die Andreas wegen einer OP im Krankenhaus verbringen mußte, waren wir immer zusammen. Für manche ist das vielleicht der blanke Horror weil zu viel Zweisamkeit, aber wir wollten es so. Es wäre uns auch nie in den Sinn gekommen ohne den Partner irgendwo hinzugehen. Uns gab es nur im Zweierpack. Und wir waren jeden Tag froh und dankbar uns gefunden zu haben.

    Ich werde nun auch versuchen, etwas zu finden… nämlich die Motivation, um diesen Tag sinnvoll zu gestalten


    Das ist ein hehres Ansinnen. Vielleicht sollte ich das auch mal versuchen. Aber meine Motivation läuft meistens fröhlich winkend an mir vorbei. :8::8: Am liebsten morgens wenn ich noch im Bett liege, denn dann komme ich noch nicht so gut hinterher.:S Vielleicht kann ich sie ja irgendwann mal überlisten. Aber nicht gleich morgen oder übermorgen …


    Alles Liebe

    Lilifee

  • Guten Abend, liebe Lilifee.


    es ist so erstaunlich, wie du auf meine Erzählungen eingehen kannst. Ich schreibe hier immer nur von mir und stecke noch so in meiner Geschichte drin, dass ich mir sehr schwer tue, auf dich einzugehen…. Ich hoffe, du verzeihst, ich versuche mich zu bessern….


    Ja, das gemeinsame Essen war auch bei uns ein Fixpunkt. Wir haben beide gearbeitet, weshalb wir uns immer erst abends zusammensetzen konnten. Doch da lief jeden Tag das gleiche Ritual ab und das fehlt mir. Wie oft warte ich um 19:00 Uhr darauf, den Schlüssel in der Haustür zu hören…. Und da ist einfach nichts…. Stille…. Vermutlich wird es dir ähnlich gehen, doch vermutlich noch intensiver. Jeden Tag zusammen zu verbringen, blieb bei uns nur ein Wunsch… es muss eine sehr intensive Zeit für euch beide gewesen sein… :30:


    Zum Narzissmus:

    Es überrascht mich, daß Du von schwer auszuhaltenden narzisstischen Zügen schreibst. Dein Partner war ganz sicher ein Mensch mit zwei Gesichtern. Er war für Dich und Deine Belange da, hat Verantwortung übernommen und das alles freiwillig und wohl auch gerne. Du brauchtest um nichts betteln, er gab von sich aus. Hat selbst gesehen wo Hilfe und Verständnis gefragt waren, aber ohne Dich „klein zu machen“. Nur wenn es um ihn und seine Belange ging hat er geblockt. Das war natürlich für Dich nicht sehr schön, und gibt einem schon das Gefühl in mancher Hinsicht aus dem Leben des Partners ausgeschlossen zu sein. Damit umzugehen ist sicher nicht einfach, aber das ist nicht das Verhalten von Narzissten. Denen geht es nur um sich selbst und die eigenen Belange. Wünsche und Bedürfnisse von anderen Menschen zählen nichts. Narzissten sind auch nicht zu eigenen ehrlichen Emotionen fähig. Sie können allenfalls andere imitieren. So wie Du Deinen Partner schilderst konntest Du Dir, abgesehen von seiner Verschlossenheit in Bezug auf sich selbst, keinen besseren wünschen. Und so ist kein Narzisst. Ich kann mir nicht helfen, aber auf mich wirkt es so als ob das Leben Deines Partners von der Denkweise „ich bin es nicht wert geliebt zu werden, und daß etwas für mich getan wird“, geprägt war. Und entsprechend ist dann manchmal das Verhalten anderen gegenüber. Weil es solchen Menschen schwer fällt sich lieben zu lassen.

    Du hast völlig recht. So ist kein Narzisst. Deshalb sprach ich von narzisstischen Zügen.

    Es gibt auch diesen Wesenszug, wie jeden anderen auch, in verschiedenen Ausprägungen. Es gab Momente, in denen war er DER Narzisst schlechthin. Es gab einzelne Reaktionen, die so richtig Narzissten-Typisch waren. Ich nannte das immer das Narzissten-Theater.
    Da das Verhalten wie in Wellen kam, hab ich mir gedacht, es müsste Auslöser dafür geben. Und so war es auch. Ich lernte damit umzugehen. Und ich lernte, ihn in seiner „Suppe“ kochen zu lassen, falls er mal ganz unerträglich war und ich gar nicht an ihn herankam.
    Was ihm sehr typisch komplett gefehlt hat, war Selbstreflexion. Oder er macht nie irgendetwas falsch, schuld sind immer die anderen. Es war besonders wichtig, ihm das Gefühl zu geben, dass er bewundert wird. Lob war ganz wichtig. Um nur einiges zu nennen.
    Ein Vorteil auf meiner Seite war bestimmt, dass er schon Richtung 60 Jahre ging, als wir uns kennengelernt haben. Er war ein ausgesprochen intelligenter Mensch. Er hatte bereits gelernt, wie er diese Bewunderung, die ihm so überaus wichtig war, dauerhaft erhalten kann: indem er seine Partnerin umschwärmt, beschützt, behütet und ihr ein schönes Leben bietet… Er sagte mehr als einmal, ich hätte ihn als jungen Mann nicht gemocht.


    Ich ließ mich nicht vereinnahmen und kann mich gut vor narzisstisch motivierten Gemeinheiten verschließen. Ich hab da recht viel Übung, denn er war meinem Vater sehr ähnlich.

    Er war eine so interessante Persönlichkeit für mich, mir war nie langweilig ;) offenbar war er genau richtig für mich. Mit allen Kanten, Ecken und den schwierigen Momenten…. Wir liebten nicht WEIL, sondern OBWOHL…. :) zumindest kann ich das zweifelsfrei von mir behaupten :/



    Ja, ich hätte ohne seine Zustimmung die Rettung geholt bzw den Notarzt. Und der hätte ihn auch mitgenommen, darauf hätte ich vehement bestanden.
    Wir hatten da einmal eine Situation, in der es mir sehr mulmig war, dass er nicht ins Krankenhaus wollte. Ich sagte ihm, ich würde ganz genau bis…. warten und dann die Rettung rufen. Es wäre mir egal, ob er zu einem Arzt wollte oder nicht. Sein Leben könnte in Gefahr sein und ich würde auf keinen Fall wegen unterlassener Hilfeleistung ins Gefängnis gehen, also müsste er fahren. Das sah er ein, wir fuhren los. Es war dann nicht lebensbedrohend, was er hatte - aber das konnte eben nur ein Arzt feststellen. Und eines habe ich ja gelernt im Leben: wir alle haben nur ein Leben, wenn wir das verspielen, gibt es keine zweite Chance! Das Leben ist keine Generalprobe!

    Ich hätte ihn hier nicht sterben lassen. Aber ich bin sicher, dass er trotzdem gestorben wäre. Weil es einfach sein Schicksal war, an diesem Tag zu sterben. Und weil es auch sein Schicksal war, so zu sterben, wie es passierte, haben die ganzen Warum, wieso, weshalb Fragen keine Relevanz mehr. Ich hab viele Antworten, so viele wie ich nur irgendwie finden konnte, das muss genügen. Alles andere bleibt offen…. Runter vom Karussell… es bringt mich nicht weiter…


    Ach, das ist die Motivation, die täglich auch an mir vorbeiläuft?! Danke für den Hinweis. Ich dachte immer, es wäre das Sandmännchen, das sich vom Acker macht, nachdem es immer als letztes in jeder Nacht zu mir kommt ;)


    Siehst du, so lernen wir voneinander… man lernt ja nie aus.
    Einen schönen Abend wünsche ich dir, so schön es eben geht….


    Puzzle

  • Liebe Lilifee,


    du denkst noch an mich?

    Dankeschön für dieses Bild ❤️


    Wir haben heute den Geburtstag meiner beiden Jungs "gefeiert". Meine Tante aus Italien (ältere Schwester meines Papas) und meine Cousine sind gerade zu Besuch da und wir haben im engsten Familienkreis den Tag zusammen verbracht. Meine Tante war erst das 2. Mal hier und meine Cousine sogar zum 1. Mal. Mein Kleiner ist heute 2 geworden und der Große am Nikolaustag 4. Es war schön, dass die beiden da waren, aber es ist so traurig, dass mein Papa das nicht miterleben konnte. Er hat seine Familie immer so von Herzen geliebt.

    mein Kleinerer hat heute wieder nach langer Zeit den nonno (Opa) gesehen. Das hat er früher öfter, nun ist es eine zeitlang nicht mehr passiert. Es hieß immer nur: "Nonno im Immel". Aber heute war nonno genau da. Ich fragte: "Im Himmer?". Er erwiderte: "Nein, da." Und schickte Küsschen....


    Das war nun also der erste Geburtstag der Kinder ohne meinen Papa.

    Ich habe für jedes Jahr immer ein Geburtstagsvideo erstellt und in jedem Video war mein Papa der Star der Kinder. Es sind nur 3 Videos mit meinem Papa geworden. Die Restlichen werden ohne ihn sein...


    So wie du von dir und Andreas schreibst, waren auch Mama und Papa. Die beiden gab es fast ausschließlich im Doppelplack. Lediglich wenn mein Papa geschiedsrichtert hat, tat er dies allein. Es sei denn, sie durfte zuschauen. Ansonsten hatten die beide so viele gemeinsame Hobbys wie Tanzen, Spazieren, Gartenpflege, oder einfach nur gemeinsam entspannen.


    Ich wünsche allen hier viel Kraft.


    Traurige Grüße

    Annie

  • Liebe Annie,


    warum sollte ich nicht mehr an Dich denken? So schnell wird hier niemand vergessen. Ihr habt heute einen schweren Tag gehabt. Die ersten Geburtstage Deiner Kinder ohne den geliebten Papa und Nonno. Das war sicher sehr bedrückend. Interessant daß Dein Kleiner ihn sehen konnte, und ich glaube daß es so war. Warum sonst hätte er das sagen sollen. Dein Papa war bei euch, wenn auch unsichtbar. Um ihn sehen zu können braucht es vermutlich das unschuldige Herz und Gemüt eines kleinen Kindes. Wir Erwachsenen können das leider nicht mehr, aber nimm es als Zeichen von Deinem Papa. Durch die Augen Deines Kindes ist er sichtbar geworden.


    Die Geburtstagsvideos sind eine schöne Idee. Leider werden sie nun ohne Deinen Papa sein. Trotzdem ist er bei euch. Das ist jetzt noch kein Trost, ich weiß. Es wird sicher auch noch eine Weile dauern bis es ein Trost sein kann.


    Italiener sind allerdings absolute Familienmenschen. Meine Lieblingscousine ist mit einem verheiratet. Ein ganz lieber herzlicher Mensch. Andreas hat ihn auch sehr gemocht, und umgekehrt war es genauso. Und Dein Papa und Deine Mama waren auch ein Doppelpack. Gibt es also doch noch mehr Paare, denen so viel Zweisamkeit nicht zu viel ist. Andreas und ich haben uns keine Sekunde miteinander gelangweilt. Wir hatten uns auch immer was zu sagen. Und bei Deinen Eltern war es sicher genauso. Es ist ein großes Geschenk wenn man das erleben darf. Und ein umso größerer Verlust wenn es vorbei ist.


    Ich nehme Dich ganz fest in den Arm :24:

    Liebevolle Grüße

    Lilifee

  • Liebe Puzzle,


    es gibt nichts zu verzeihen, und Du brauchst Dich nicht zu bessern. Bleibe authentisch, bleibe einfach Du und schreibe weiter was Dich bewegt. Du bist noch so in Deiner Geschichte drin, was auch sehr verständlich ist. Was Du erleben mußtest ist ja noch viel schlimmer als wenn der Tod auf natürliche Weise kommt. Vielleicht können meine unbedeutenden Gedanken etwas beim Sortieren helfen. Deine Gedanken sind für mich jedenfalls sehr hilfreich. Ich glaube Dir gerne daß Du noch darauf wartest den Schlüssel in der Tür zu hören. Bei uns war das ein wenig anders. Mein Andreas hatte keinen Führerschein, deshalb habe ich ihn jeden morgen zu seiner Arbeitsstelle gefahren und nachmittags wieder abgeholt. Wir kamen immer zusammen nach Hause. Aber im Prinzip ist es das Gleiche. Etwas fehlt. Es ist nur noch Stille, genau wie Du schreibst.


    Unser Zusammenleben würden manche bestimmt als sehr intensiv bezeichnen. Für uns war es normal. Wir hätten uns nicht vorstellen können anders zu leben. Da war kein Zwang, kein Du mußt jetzt aber, es war einfach unser beider Wunsch. Darüber brauchten wir auch nicht zu reden, es war für uns ganz selbstverständlich.


    So wie Du es beschreibst gab es bei Deinem Partner wohl tatsächlich narzisstische Züge. Aber Du warst klug genug um in der richtigen Weise damit umzugehen, und hast erkannt daß es einen Auslöser dafür gab. Sich nicht vereinnahmen lassen, und ihn auch mal in der eigenen Suppe schmurgeln lassen war völlig richtig. Da hat natürlich die Erfahrung die Du durch Deinen Vater hattest sehr geholfen. Ansonsten ist es sicher nicht so einfach sich abzugrenzen und nicht zu verzweifeln. Man fragt sich in solchen Situationen ja gerne, was habe ich denn jetzt wieder falsch gemacht daß mein Partner so reagiert.

    Er hatte bereits gelernt, wie er diese Bewunderung, die ihm so überaus wichtig war, dauerhaft erhalten kann: indem er seine Partnerin umschwärmt, beschützt, behütet und ihr ein schönes Leben bietet… Er sagte mehr als einmal, ich hätte ihn als jungen Mann nicht gemocht.

    So völlig kann ihm die Selbstreflexion aber nicht gefehlt haben. Sonst hätte er das nicht sagen können. Narzissten bzw. Menschen mit narzisstischen Zügen können sogar sehr intelligent sein. Und interessante Persönlichkeiten sind sie gewiß, wenn auch keine einfachen. Für Dich war Dein Partner bestimmt der Richtige, und Du warst für ihn die Richtige. Deinen schönen Spruch kann man auch ein wenig umformulieren:


    Man braucht jemanden der einen liebt wie man ist, und weil man so ist.


    Das ist auch zutreffend.


    Du hättest die Rettung auch gegen seinen Willen gerufen, das ist klar. Und wenn Gefahr im Verzug ist darf der Notarzt vermutlich auch jemand gegen seinen Willen mitnehmen. Oder doch nicht? Jedenfalls konntest Du Deinem Partner sehr eindringlich erklären warum Du nicht einfach zugucken würdest. Und er hat es akzeptiert.


    Für vieles gibt es keine zweite Chance, das stimmt leider. Und Du hättest seinen Tod vermutlich nicht verhindern können. Es war wohl sein Schicksal an diesem Tag und auf diese Weise zu sterben. So wie es auch Andreas` Schicksal war an diesem verd… 02. Dezember zu sterben.

    Runter vom Karussell… es bringt mich nicht weiter…


    Nein, es bringt nicht weiter und es ändert auch nichts mehr. Wir können nur darauf hoffen und vertrauen daß es für unsere Männer genauso so richtig war.


    Es ist ganz bestimmt die Motivation die an Dir vorbeiläuft und nicht das Sandmännchen. Das ist nämlich längst weg wenn Du die Augen wieder aufmachst. Egal wie spät es gekommen ist. Und wir lernen voneinander. Drum eben ist ja auch die Unterhaltung mit Dir und Deine manchmal herzerfrischende pragmatische Art so hilfreich für mich.


    Oha, schon wieder ein Uhr vorbei. Jetzt husche ich ins Bettchen, vielleicht erwische ich meine Motivation morgen doch mal … :8::8:


    Ich wünsche Dir einen ruhigen Tag

    Liebe Grüße

    Lilifee


  • Das ist genau mein Humor… wie oft sag ich „blöd gelaufen…“ Danke für dieses Lächeln heute morgen.


    Einen guten Morgen, wünsche ich dir.


    Dieser verdammt 2. Dezember…. Welches Datum könnte ich nennen? Auch das ist in „meiner“ Geschichte unklar.


    Sein Vermieter hörte es an einem Samstag rumpeln in seiner Wohnung. Danach hat er meinen Partner nicht mehr erreicht. Erst am Dienstag darauf ließ er die Wohnung durch die Polizei öffnen. Vermutlich war er acht bis zwölf Stunden vorher verstorben. Also Montag Abend? Möglicherweise…. Was war von Samstag bis Montag?
    Ich denke an meine Nacht vor der Notoperation… lag er hilflos am Boden, wie er am Dienstag gefunden wurde und betete, dass Hilfe kommt, weil er sie selbst nicht mehr rufen konnte? Schreckliche Szenen laufen durch meinen Kopf…


    Und wieder: es war sein Schicksal. So sollte es sein. Ich kann es nicht ändern.

    Es passte so einiges nicht zu einem typischen Narzissten. Es gab viele Situationen, in denen er mein Wohl über das eigene gestellt hat. Sehr untypisch. Deshalb griff auch das Argument, er würde mir schaden, wenn er nicht ins Krankenhaus ging. Hätte ich damit argumentiert, dass man ihm helfen müsste und dass er sein Leben riskiert, wäre die Argumentation ins Leere gelaufen. Ihm aber klar zu machen, dass er mir in höchstem Maße schaden würde, indem er sich nicht in Behandlung begibt, das half.
    Das war dann aber auch der Grund, warum er den Streit vom Zaun brach und ging… ich hätte ihn nicht sterben lassen, nicht ohne Hilfe zu holen, weil ich sowohl emotional als auch rechtlich dazu gezwungen war. Er wollte das aber offenbar nicht, also musste er gehen. Wenn man in seiner Art über die Situation nachdenkt, ist sie logisch und klar. Allerdings, was ich ihm vorwerfe: er hat zu kurzsichtig gedacht.
    Ich denke, er hat nicht entschieden, dass er sterben möchte. Er hat lediglich entschieden, seinen Erkrankungen nichts mehr entgegenzusetzen. Er gab den Kampf auf. Ob er diese Entscheidung bereut hat, als er erkannte, dass er den Punkt überschritten hatte, an dem es kein Zurück mehr gab, und ihm klar wurde, dass dies sein Ende sein würde, weiß ich nicht….
    Was dieses Ende für mich bedeuten würde, das hat er nicht berücksichtigt. Ich glaube, er hat nicht realisiert, was ich für ihn empfinde, wie wichtig er mir war. Er war der Meinung, wenn er mich so lange provoziert, bis ich ihn wegschicke, würde ich leicht mit seinem Verlust umgehen können. Schließlich hatte ich ihn ja rausgeworfen…. Er lag sooo falsch…. So falsch, wie man nur irgendwie liegen kann….

    Und da sind wir wieder dort, was du auch schon festgestellt hast: er hielt sich selbst nicht für wertvoll genug, dass ihn jemand lieben könnte… wenn er meine Liebe zu spüren bekam, war er immer biestig und abwertend… er konnte das nicht annehmen und hielt es sogar dann noch für unmöglich, dass ihn jemand um seiner selbst Willen lieben könnte, als er es erlebt hat.


    Es war sein Schicksal. Ich kann nichts ändern….


    Und weil ich sein Schicksal nicht teilen möchte, werde ich mich heute erneut zum Arzt begeben, freiwillig, damit meine Lieben sich nicht fragen müssen, warum ihre Liebe mich nicht getragen hat….


    Hab einen ruhigen Montag, danke für dein Mitgefühl!

    Puzzle X/