Sie ist weg und ich bin nicht mehr ich

  • Ich weiß nicht einmal so recht, was ich hier überhaupt tue, ich hasse es darüber zu reden und noch mehr hasse ich es, dass ich nicht darüber reden kann/will.


    Meine eineiige Zwillingsschwester ist vor 1 1/2 Jahren gestorben. Wir waren 19.


    Wie gesagt, ich rede nicht wirklich oft darüber, vor allem, weil ich andere nicht damit "nerven" will. Ich fühle mich dann meistens so, als würden die sich denken, dass ich eh nur Mitleid will.
    Und auf der anderen Seite hab ich ihr gegenüber ein schlechtes Gewissen,


    Sabrina starb in einem Autounfall, während ich auf dem Geburtstag einer Freundin war.
    Meine Mutter hat mich auf dem Handy angerufen und gesagt, ich solle sofort nach Hause kommen. Ich konnte schon an ihrer Stimme erkennen, dass etwas passiert war, aber in meiner damaligen Naivität dachte ich (oder redete mir ein?) dass unsere Katze gestorben sei, die von uns allen sehr geliebt wurde und damals etwas kränklich war. (Die heute übrigens immer noch lebt)
    Ich hatte nicht damit gerechnet, dass etwas so schreckliches in unsererFamilie geschehen könnte.
    Plötzlich war ich alleine.


    Die Frage, die ich mir immer und immer wieder stelle ist die: Bin ich jetzt überhaupt noch ein Zwilling?
    Irgendwie bin ich weder das eine, noch das andere - weder Zwilling, noch Einzelkind.
    Ich habe mich stets als Zwilling definiert - wir wuchsen in einem relativ kleinen Dorf auf und jeder nannte uns nur "die Zwillinge".
    Da war immer jemand, mit dem ich alles teilen konnte/musste. Ich habe nie gelernt, alleine zu sein, ich habe nie gelernt, ich selbst zu sein. Ich war eben Sabrinas Schwester, und Sabrina war meine Schwester und das waren wir und das war unsere Wahrheit und unsere Welt.


    Ich weiß nicht, wie ich ohne sie weiter leben soll, irgendwann zurück blicken und vielleicht zu realisieren, dass ich 60 Jahre lang ohne sie gelebt habe. Das will ich nicht. Das ist unmöglich, das ist unvorstellbar.
    Andererseits kann ich auch nicht einfach aufgeben, das könnte ich meinen Eltern nicht antun.
    Sollte es mich erschrecken, dass ich keinen anderen Grund zum weiterleben finde, als die Trauer meiner Eltern?


    Ich bin jetzt 21 Jahre alt, vor einem Monat war unser Geburtstag. Der zweite, ohne sie.
    Man sagt mir, ich solle sie hinter mir lassen, weiterleben, darüber weg kommen.
    Man sagte mir schon vor 1 1/2 Jahren, dass es leichter wird.
    Es wird nicht leichter, oder zumindest merke ich noch nichts davon.
    Ich hasse es, dass ich mich selbst nicht mehr erkenne, nicht mehr weiß, wer ich bin.

  • Liebe Angelbride,
    fürs erste mal ein herzliches Willkommen im Forum und meine tiefste Anteilnahme zum Verlust deiner Schwester. Es ist ein wichtiger Schritt, dass du zu uns gefunden hast. Vielleicht der erste richtige Schritt in deiner Trauerbewältigung. Hier wird immer jemand da sein, der versucht, dich zu trösten. Wir alle hier haben extrem schmerzhafte Verluste erlitten, mit denen wir alleine nicht fertig wurden. Ich selber bin erst seit ein paar Wochen dabei und habe das Gefühl, dass mir in dieser kurzen Zeit mehr Hilfe durch Zuspruch zuteil wurde, als in den 1,5 Jahren davor. Einen Zwilling zu verlieren ist natürlich ganz besonders furchtbar, weil du warhscheinlich das Gefühl hast, dass ein großer Teil von dir selbst verstorben ist. Professionelle Hilfe von einem Therapeuten wurde dir wahrscheinlich schon öfter empfohlen. Auch wenn du dich innerlich dagegen wehrst, solltest du es doch einmal versuchen.


    Deine Aufgaben hier sind noch nicht erfüllt, drum durftest/musstest du noch da bleiben. Deine Schwester ist in dir, in deinem Herzen, in deiner Seele. Sie würde sich sehr freuen, wenn du wieder langsam ins Leben zurück finden würdest. Du kannst immer mit ihr reden. So nahe wie ihr beiden euch gewesen seid, weißt du wahrscheinlich, was sie dir raten würde, was sie dir sagen würde. Keinesfalls würde sie sich drüber freuen, wenn du an ihrem Tod zerbrichst. Du bist nicht nur für deine Eltern da. Du lebst doch für dich. Das Leben hat an uns Menschen so viele schlimme Prfüungen, die wir bestehen müssen. Wir dürfen uns nicht einfach davon stehlen. Du hast noch etwas zu tun hier. Irgendwann vielleicht auch erst in 60 Jahren werdet ihr 2 wieder zusammen sein, und dann kann euch niemand trennen. Bis dahin musst du zwar hier ohne ihren Körper leben, aber ihre Seele ist bei dir und gibt auf dich acht. Für sie sind 60 Jahre nur ein Moment, für dich erscheint es wie eine Unendlichkeit und das kann ich nur zu gut verstehen. Versuch dich in stillen oder auch lauten Gesprächen mit ihr. Was würde sie dir sagen???
    Ich bin überzeugt davon, dass ein Teil von ihr in dir drinnen ist. Sie liebt dich, sie beschützt dich, aber sie hat nur sehr beschränkte Mittel zur Verfügung, dir das zu zeigen. Vertraue darauf, dass sie bei dir ist.


    Ich wünsche dir ganz viel Kraft. Lass dich in den Arm nehmen und trösten. :30:


    Du wirst sehen, dass du hier gut aufgehoben bist. Du nervst niemand und keiner glaubt, dass du Mitleid willst. Wir sitzen alle im selben Boot. Wir alle haben schon einen oder auch mehrere schlimme Verluste hinnehmen müssen. Wir alle helfen uns gegenseitig.


    Erzähl uns von deiner Schwester, was ihr so getrieben habt ihr 2, wie es euch ging miteinander, seid ihr 1- oder 2 eiig. Große Ähnlichkeit, dass ihr auch die Lehrer täuschen konntet. Du hattest von Geburt an eine beste Freundin. Diese Freundin ist jetzt auch da, du kannst sie bloß grad mal nicht sehen.


    Nun los, erzähl. Wir freuen uns auf deine Erzählungen.


    Ganz liebe Grüße
    Michi

  • Hallo Angelbride.
    Willkommen hier bei uns. Es muss wohl sehr weh tun, wenn ein Zwillingsgeschwister geht :24:.
    Du glaubst einen Teil von Dir verloren zu haben? Ach man, das Leben ist oft grausam. Sabrina war noch sehr jung, 19 Jahre......


    Vielleicht hilft es Dir, wenn Du hier bei uns etwas über Dich und Deine Schwester, Familie erzählen kannst.


    Mir tut es jedenfalls immer wieder gut.

    Eine Stimme die so vertraut war, schweigt.


    Ein Mensch, der immer da war, ist nicht mehr


    Was bleibt, sind dankbare Erinnerungen,


    die niemand nehmen kann.




    Susanne

  • Liebe Angelbride,


    auch von mir herzlich willkommen hier im Forum. Hier hören wir Dir gerne zu und Du kannst Dir alles was Du von der Seele reden.


    Ich will Dir auch meine aufrichtige Anteilnahme zum Verlust Deiner Schwester aussprechen. Ich will DIr auch viel viel Kraft schicken für die ach so schwere Zeit.


    Liebe Grüße sendet


    Josef

  • Liebe Angelbride!


    Möchte dir zuerst meine aufrichtige Anteilnahme aussprechen!! ;( Und dich herzlich Willkommen hier im Forum heißen.


    Du bist soo jung, solltest eigentlich schöne und unbeschwerte Jahre verleben, dabei hast du schon soo viel Kummer und Trauer. Deine Zwillingsschwester ist gestorben. Ich kann mir vorstellen, dass man zu einer Zwillingsschwester ein besonders inniges Verhältnis hat, eine besondere Bindung. Ihr seid immer zu zweit gewesen, alle größeren Ereignisse waren zusammen, Geburtstage, Einschulung, Erstkommunion, Firmung und Vieles mehr. Ihr habt wahrscheinlich zugleich Interesse für Mode und Schminke entdeckt, konntet eure Geheimnisse miteinander teilen, ........ Ach liebe Angelbride, und nun stehtst du alleine da. :13: :33: Ja, in seinem "normalen" Umfeld möchte man nicht immer wieder "damit" anfangen, mit dem Schmerz, der Sehnsucht, seinem so oftmaligem Denken an den Verstorbenen, aber sei versichert, hier drinnen kannst du das. Wir verstehen dich. Du wirst oft Erlebnisse haben, die du am liebsten deiner Schwester erzählen würdest, du kannst dir soo viele Jahre ohne sie nicht vorstellen. Das kann ich gut verstehen. Die liebe Michi hat das so gut beschrieben, deine Aufgabe hier ist noch nicht erfüllt, du wirst noch dringend gebraucht und leider gibt es solch schwere Schicksalsschläge, mit denen wir versuchen müssen, weiter zu leben. Andere sagen, es wird leichter werden. Dir kommt es überhaupt nicht so vor. Vergiss nicht, in der Trauer sind eineinhalb Jahre noch eine sehr, sehr kurze Zeit. Irgendwann lernt man dann mit dem Schmerz zu leben, Freude wieder zuzulassen, und es wird wirklich irgendwann Mal leichter werden. Du mussst darauf vertrauen. Die Michi sagte, deine geliebte Schwester ist in deinem Herzen, das stimmt, sie ist immer bei dir. Und irgendwann wirst du auch wieder einen anderen Grund haben weiterleben zu wollen, nicht nur wegen der Trauer deiner Eltern. Die Welt kann dir noch so viel bieten. Du musst noch viel Schönes erleben! Irgendwann wirst du einen tollen Partner finden, der dir ganz wichtig sein wird. Vielleicht hast du auch Mal Kinder, das kann ein Leben auch soo erfüllen. Außerdem musst du dann irgendwann Vieles zum Erzählen haben für deine Schwester, wenn ihr euch wieder gegenübertreten werdet.
    Und ich würde sagen, du bist immer noch ein Zwilling, so wie deine Eltern immer sagen werden, sie haben zwei Kinder - Zwillinge.


    Ja, lieber Angelbride, erzähl uns noch ein wenig mehr, wir hören dir gerne zu, wir begleiten dich gerne ein Stück auf dem Weg deiner Trauer.


    Gibt noch einen Thread, auf der 2. Seite, da hat auch jemand ihre Zwillingsschwester verloren, ebenso Heinz Dieter, vielleicht magst Mal nachlesen.


    Ganz, ganz liebe Grüße


    Linda

  • Liebe Angelbride,
    mein herzliches Beileid zum Tode deiner Zwillingsschwester. Ich selbst habe 2008 meine geliebte Zwillingsschwester verloren und ich bin in Gedanken so nahe bei dir, das du es eigentlich spüren müsstest.


    Oh, Gott gib mir die Kraft zum weiter schreiben. Selbstverständlich bist und bleibst du ein Zwilling. Sabrina ist jetzt ein sehr wertvoller Schutzengel für dich.
    Jden Tag fragt man sich, "was mache ich eigentlich noch hier" soooo alleine. Wir Zwillinge sind ohne unsere zweite Hälfte wiklich ganz alleine auf der Welt!


    Sicher jeder sagt einem, mit der Zeit wird es leichter, nein wird es nicht!! Aber wir müssen und ich habe das auch, uns fragen, würde es unserer anderen Hälfte gefallen, wenn wir einfach aufgeben????
    Sie würden mit uns schimpfen, habe ich nicht viele Jahre auf dich aufgepasst und jezt willst du aufgeben? Noch heute könnte ich an manchen Tagen, Gott und die Welt verfluchen weil er mir meine Zwillingsschwester genommen hat. Nicht mehr lange und der 3 Geburtstag ohne meine Zwillingsschwester. Sie wird bei mir sein, so wie an jedem Tag.


    Liebe Angelbride, deine Zwillingsschwester ist körperlich nicht mehr bei dir, horche in dich hinein und du wirst merken sie ist jeden Tag bei dir. Wir waren in unserem Dorf auch nur die Zwillinge. Oft hatte ich mich mit meiner Zwillingsschwester über den Tod unterhalten und jeder von uns hat sich gewünscht der erste zu sein um genau dieses Leid nicht ertragen zu müssen.


    Oben habe ich ja geschrieben es wird nicht leichter, aber es wird anderst. Denke an die schönen Zeiten wann immer der Schmerz zu groß wird und du wirst merken, das eine große Dankbarkeit in dir hochkommt für die gemeinsammen Jahre. Geh an ihr Grab und sprich mit ihr.


    Bitte bleib bei uns im Trauerforum, die lieben Menschen hier, haben mir schon sehr oft Beistand geleistet. Du kannst mir auch gerne eine PN schicken wenn du etwas ganz persönliches wissen möchtest.


    Ich nehme dich sanft in den Arm, bitte gib nicht auf.


    Heinz Dieter

  • Hallo!
    ein stilles Willkommen und meine tiefste Anteilnahme zum gehen deiner Schwester!
    ich kenne auch den spruch "die zeit heilt alle wunden"
    dies gilt nicht für ALLE (leider) aber wir lernen DAMIT weiter zu leben
    ganz liebe grüße, maki

  • Erst einmal vielen dank für die lieben Antworten!


    Heinz Dieter, ich habe deine Geschichte gerade auf deiner Homepage gelesen - es ist unfassbar, wie das Schicksal so oft und so ungerecht zuschlägt. Ich wünsche dir ganz viel Kraft!
    Ja, die Geburtstage... Fast noch schlimmer als Todestage, wenn du mich fragst.
    Und ja, das mit dem sich wünschen, der erste zu sein, der gehen darf.. Es schien zwar immer so weit entfernt, aber das haben wir uns doch auch gewünscht. Als Kinder dachten wir sowieso immer, wir würden gemeinsam sterben...
    Es ist einfach als wäre man nicht mehr man selbst. Denkst du, man schafft es irgendwann, sich damit ab zu finden?



    Sabrina...
    Sabrina war die Jüngere von uns beiden. Sie war immer schon etwas kleiner, hatte ein etwas rundlicheres Gesicht und war allgemein etwas kurviger als ich. Bis in die 2. Klasse Hauptschule konnten uns trotzdem nur Menschen unterscheiden, die uns sehr gut kannten. Unsere Eltern fanden es immer wichtig, unsere Individualität zu betonen und haben uns deshalb immer verschieden angezogen - wir haben das gehasst. Wir wollten immer, dass man sieht, dass wir Zwillinge sind. Als wir dann älter geworden sind hat es uns aber immer mehr genervt, dass wir uns so ähnlich waren. Sabrina hat sich dann die Haare Platinblond gefärbt und sich in eine eher "tussige" Richtung entwickelt, während ich mir die Haare in allen möglichen Farben gefärbt habe und öußerlich ihr absolutes Gegenteil war.
    Sie war immer etwas frühreifer als ich, brachte stets irgendwelche Jungs mit nach Hause, was mich dann oft eifersüchtig gemacht hatte, weil ich mich oftmals von ihr ausgeschlossen fühlte.
    Sie war bei allen beliebt, war viel offener und selbstbewusster als ich.
    Obwohl wir auf den ersten Blick total unterschiedlich waren waren wir uns doch sehr ähnlich. Wir mochten dieselben Filme und Bücher, hatten das gleiche Lieblingsessen, standen meist auf die gleichen Jungs.
    Ich konnte eigentlich über alles mit ihr reden, sie war einfach immer da. Und obwohl wir zum Schluss in sehr unterschiedlichen Welten lebten (sie arbeitete, ich studierte) war sie immer die einzige, von der ich mich vollkommen verstanden und akzeptiert fühlte. Sie konnte auch immer sagen, wenn ich nicht die Wahrheit erzählte, oder wenn mir ein Junge gefiel - ich konnte ihr nie irgendetwas verheimlichen.
    Als Kind konnte ich nur schlafen, wenn ich wusste, dass sie auch da war - wenn wir bei Freundinnen übernachteten, dann nur im Doppelpack, ansonsten bekam ich Heimweh. Eigentlich habe ich bis ich 16 Jahre alt war ständig Heimweh nach meiner Schwester bekommen. Sogar auf meiner Maturareise, mit 18 Jahren, musste ich sie jeden Abend anrufen und konnte nur einschlafen, wenn außer mir noch jemand im Zimmer war. Ich war tatsächlich froh, als die Maturareise vorbei war...


    Sie war einfach meine Sabrina, wir hatten dieselben Freunde, dieselben Hobbies, sind am Wochenende zusammen weg gegangen,...
    Sie war einfach immer da, und jetzt wird sie nie mehr da sein. Ich glaube, das habe ich nach 1 1/2 Jahren noch immer nicht so ganz verstanden. Dass ich jetzt einfach so alleine bin...
    Wir wohnen direkt neben dem Friedhof, und ich gehe eigentlich jeden Tag an ihrem Grab vorbei.
    In unserem Dorf ist vor ca 3 Jahren schon einmal etwas ähnliches passiert. Schulkameraden aud der Hauptschule waren auch Zwillinge. Nach einem Streit ist einer von ihnen mit dem Auto weg gefahren und verunglückt. Sabrina und ich haben damals oft darüber gesprochen, wie es wohl für den zurückgebliebenen Zwilling sein muss. Es war unvorstellbar. Von diesem Zeitpunkt an hatte ich extreme Verlustängste, die haben sich seit Sabrinas Tod noch viel mehr verstärkt. Ich kriege oft Panikattacken, wenn jemand nicht pünktlich erscheint, meine Mutter muss mich immer anrufen, wenn sie bei ihrer Arbeit angekommen ist nur damit ich weiß, dass ihr nichts passiert ist.
    Ich habe auch schon über eine Therapie nachgedacht, aber der eine Psychiater, zu dem mich meine Eltern kurz nach Sabrinas Tod geschickt haben, hat mir gleich Antidepressiva verordnet und die will ich eigentlich nicht nehmen. Es ist doch volommen normal, nach so etwas zu trauern! Das gehört doch nicht einfach unterdrückt und weggesperrt, das muss doch raus...


    Wie geht ihr damit um?
    Und viele von euch haben doch bestimmt auch Schlafprobleme, oder? Kennt ihr da irgendein natürliches Mittelchen?


    Noch einmal Danke für die vielen lieben Zusprüche!
    LG, Corinne

  • Liebe Corinne,
    mein herzliches Beileid zum Tod deiner Zwillingsschwester und ein ebenso herzliches Willkommen hier bei uns!


    Du hast natürlich eine ganz besondere Bindung zu deiner Zwillingsschwester und diese Bindung bleibt über den Tod erhalten, sie kann gar nicht zerstört werden. Von daher wirst du immer Zwilling bleiben und Sabrina wird dir immer fehlen und es wird hier auch Trauer bleiben, denn Trauer ist die Verlängerung der Liebe über den Tod hinaus. Eineinhalb Jahre nach dem Tod eines Menschen, zu dem man eine intensive Bindung hat, kann man nicht "drüber hinweg" sein. "Drüber hinweg sein" wird man nie, das ist eine ganz unmögliche Forderung. Es ist eher so, dass sich die Trauer mit der Zeit ändert, dass man lernt mit ihr zu leben. Du musst dir das ungefähr so vorstellen wie bei einer Amputation: Das Körperteil wird dir weiterhin fehlen, aber du lernst damit zu leben und obwohl dir das Körperteil fehlt, hast du auch wieder Lebensfreude, kannst arbeiten, lieben und lachen.


    In unserem Trauer-Ratgeber kannst du über die Trauer nachlesen, vielleicht hilft dir das:


    ASPETOS TrauerRatgeber


    AL
    Christine

  • Liebe Corinne,


    Christine hat das sehr schön beschrieben. Es wird anderst, aber abfinden, vergessen, nie. Die Trauer die wir nicht leben, macht uns fertig. Ich selbst habe versucht zu verdrängen, nur nicht daran denken usw. Es ist mir nicht gut bekommen!


    Die lieben Menschen hier im Forum haben mir sehr viel geholfen, weil sie einfach da waren und auch noch sind. Deine Verlustängste kann ich sehr, sehr gut verstehen. Aber du solltest etwas dagegen tun! Die Gefahr das wir unsere Lieben damit überfordern ist sehr groß, eigene Erfahrung.


    Ja, mit den Medikamenten ist das so eine Sache. Ich selbst habe es auch immer abgelehnt, aber es gibt heute sehr gute, die ein Depot in deinem Körper anlegen, nicht süchtig machen, aber den Schlaf anschubsen. Christine hat auch hierüber eine Abhandlung verfasst die ich persönlich, sehr gut finde.



    Schön das du so ausführlich über Sabrina berichtet hast. Es hat mich sehr bewegt und ich habe mich in vielen Passagen wieder erkannt. Du bist sehr tapfer :8: !
    Bitte erlaube mir einen kleinen schmunzler: meine Zwillingsschwester war 5 Minuten älter als ich, und bei jeder passenden Gelegenheit kam der Ausspruch, "ich bin die Ältere und du musst machen was ich sage".


    Liebe Corinne, bleib bitte bei uns, berichte über das was dich bewegt.



    Du bist mit deiner Trauer nicht alleine.



    Alles Liebe


    Heinz Dieter

  • Liebe Corinne,
    ich kann dich gut verstehen, dass du Medis ablehnst. Man hat Angst vor Abhängigkeit, man "muss" auch den Schmerz als solchen erleben, erspüren... Natürlich musst du die Trauerarbeit bewältigen. Aber bitte nimm Hilfe in Anspruch. Ich hab auch vor 1,5 Jahren meinen wichtigsten Menschen verloren, es war mein Mann. Er war mein absoluter Lebensmensch. Sein Tod hinterläßt eine nicht füllbare Lücke in meinem LEben. Ich habe das Gefühl, dass ein großer Teil von mir mitgestorben ist. Ich nehme Medikamente (Cipralex und Trittico). Ohne diese würde ich es überhaupt nicht schaffen. Hab jetzt erst vor 2 Wochen eine Therapie begonnen, weil ich es einfach nicht alleine ohne Hilfe schaffe. Es geht mir grad richtig schlecht, aber ich glaube, dass es mir ohne Hilfe auch nicht besser ginge. Christine hat das mit der Trauerspirale so gut erklärt (siehe "Ewiges Auf und Ab). Bitte nimm Hilfe an, solch extrem traumatischen Erlebnisse kann man nicht alleine bewältigen, ohne Schaden zu nehmen.


    Meine Schwester (eigentlich Halbschwester) ist mir mein nähester Mensch den ich habe. Sie ist zwar das ganze Gegenteil von mir, aber im Herzen sind wir scheinbar wie eine Person. Sie fühlt genau, wann es mir richtig schlecht geht, sie ist immer für mich da. Ich schicke ihr ein paar Gedanken, und schon ruft sie an, es ist manchmal richtig "seltsam". Sie macht sich immer große Sorgen um mich. Sie ist um 11 Jahre älter als ich. Ich kann dich so gut verstehen, deinen Schmerz fast fühlen, obwohl ich nur eine "normale Schwester" habe. Der Gedanke daran, sie verlieren zu können ist der absolute Horror. Sie ist der wichtigste Mensch in meinem Leben. Bitte Corinne nimm Hilfe an. Es muss ja nicht lebenslang sein. Heute sind nicht mehr alle Medis süchtig machend. In der richtigen Kombination und der entsprechenden therapeutischen Betreuung kannst du nur profitieren. Deine Schwester hätte das auch gewollt, da bin ich mir sicher. Du schreibst, dass ihr in eurem Dorf ein Zwilligspärchen habt, das durch den Tod getrennt wurde, dass ihr 2 auch darüber gesprochen habt. Wie unvorstellbar das zurückbleiben sein muss. Nun musst du das selber durchleben,deinen persönlichen Albtraum. Man hofft so sehr, daraus zu erwachen und doch ist es Realität. Man wurde einfach zurück gelassen.


    Bitte bleib hier bei uns im Forum, das wird dir auch helfen. Lass uns alle an die Hand nehmen und versuchen, gemeinsam durch die finsteren Täler zu wandern. Den Schmerz kann dir niemand nehmen, aber durch die vielen lieben Foris hier, können wir es alle gemeinsam schaffen, damit umzugehen. Höhen und Tiefen wird es immer wieder geben, aber der Fall ist nicht ganz so tief, wenn man hier aufgefangen wird.


    Ich will dich fest in den Arm nehmen :30: , versuchen dich zu trösten. Wir alle möchten deine Tränen trocknen :33:


    Bis bald
    Liebe Grüße
    Michi

  • Liebe Corinne,


    ich war nun eine Weile nicht hier, daher möchte ich Dir nun alles Liebe für die kommende Zeit wünschen.
    Deine Sabrina fehlt Dir sicher sehr und gerade bei Zwillingen stelle ich mir die Nähe doch ganz anderst vor.
    Dass Du Dich nicht mit Medis sperren möchtest, kann ich verstehn, aber ganz ablehnen würde ich sie nicht.
    Du fragtest nach pflanzlichen Mitteln.
    Ich kenne das Johanniskraut, welches aber ein paar Wochen dauert bis es anschlägt oder die Rescue-Tropfen (Bachblüten). Die letzteren habe ich schon des öfteren genutzt, da sie mich nicht komplett ausschliessen, aber ich nicht ganz so mittendrin bin. Du bekommst alles mit und empfindest auch weiter aber es ist eiun bißchen wie in Watte gepackte Emotionen. Die tun beim Aufprall dann etwas weniger weh.


    Ich wünsche Dir, dass Du hier einen Ort gefunden hast, an dem Du Dich aussprechen kannst. Mir tut das hier alles so gut.


    Alles Liebe,
    Ela

  • Liebe Corinne,
    ganz wichtig zu wissen ist: Antidepressiva machen nicht abhängig! Abhängig dagegen machen Beruhigungs- und Schlafmittel.
    Antidepressiva sorgen dafür, dass der Hirnstoffwechsel, der im Falle von Depressionen aus dem Gleichgewicht gekommen ist, wieder stimmt. Antidepressiva brauchen in etwas auch 3 Wochen bis sie richtig wirken und man darf sie auch nicht plötzlich wieder absetzen, man muss sie langsam ausschleichen lassen.
    AL
    Christine

  • Liebe Corinne!


    Danke, dass du uns von deiner Schwester erzählt hast.


    Triffst du dich mit euren gemeinsamen Freunden? Wird da Sabrina auch noch manchmal erwähnt?


    Wie geht es dir mit dem Studium? Hast du weiter gemacht?


    Vielleicht nimmst du dir doch den Rat zu Herzen, mit einem guten Arzt zu reden und lässt dir ein geeignetes Antidepressiva verschreiben. Davon wird deine Trauer nicht genommen. Sie sind nur eine Hilfestellung. HAst du in der Apotheke schon gefragt, was es für natürliche Mittel für einen guten Schlaf gibt?


    Sende dir ganz liebe Grüße


    Linda