Noch nicht mit Muttis Tod abgeschlossen

  • Hallo Michael,
    dann sei erstmal herzlich willkommen hier bei uns! Bitte verfasse ein eigenes Thema für dich und deine Mutter, dass ihr nicht in Susannes Thema "untergeht"! :)
    AL
    Christine


    PS: Was ich hiermit erledigt habe! Markus

  • Hallo,
    meine Mutti ist vor fast 2 Jahren gestorben. Ich dachte, ich sei gut damit zurechtgekommen. Als ich jetzt auf dem Jakobsweg ging, habe ich bemerkt, dass ich, wenn ich an meine Mutter denke, nur an ihren Todestag denke, und daran, dass ich wegen einer Kollegin am Todestag nicht bei meiner Mutter war. Das zeigte mir, dass das Thema noch längst nicht erledigt ist. Ich habe diese Seite meines Lebensbuches noch nicht zugeschlagen und möchte das jetzt hier tun.
    Michael

  • Hallo Michael.
    Ich möchte Dich in unserer Mitte herzlich Willkommen heißen.
    Meine Mama ist jetzt etwas über ein Jahr nicht mehr bei mir.
    Sie starb in meinen Armen. Du warst nicht dabei. Bitte glaube mir,es ist immer schlimm, wenn eine Mama oder Papa geht.
    Hat der Jacobsweg Dir gut getan?

    Eine Stimme die so vertraut war, schweigt.


    Ein Mensch, der immer da war, ist nicht mehr


    Was bleibt, sind dankbare Erinnerungen,


    die niemand nehmen kann.




    Susanne

  • Hallo Michael,


    herzlich Willkommen hier bei uns! Ich finde Dein Posting sehr interessant - Du gehst auf dem Jakobsweg und merkst, wie Dich der Tod Deiner Mutter beschäftigt. Der Tod der Eltern oder eines Elternteils ist ein Stück weit immer auch der Abschied von der eigenen Kindheit - wie ist es Dir denn dann auf dem Jakobsweg in Deinen Gedanken weiter ergangen - konntest Du die Bilder und Gedanken erweitern oder bist Du beim Todestag stehen geblieben. Welche Gefühle hast Du gehabt?


    Dieses "Zuschlagen der Seites des Lebensbuchs" klingt für mich ein wenig hart, aber vielleicht verstehe ich es auch falsch - kannst Du dazu noch ein paar Sätze schreiben?


    Liebe Grüße,
    Markus


    PS: Habe Deinen Diskussionsstrang hierher ins TrauerForum verschoben!

  • Hallo Markus,
    ich war auf Kurzurlaub, deshalb erst jetzt meine Antwort.
    Ich freue mich sehr, hier so viele mitfühlende Zeitgenossen gefunden zu haben.
    Auf den Jakobsweg hatte ich mir einige Themen mitgenommen und habe auf alle Fragen eine Antwort bekommen, sodass ich am Ende gesagt habe: Alle meine Sorgen sind gelöst (Das hatte ich so noch nie im Leben).
    Das Thema "Tod meiner Mutter" hatte ich so gar nicht im Kopf. Ich dachte, ich sei damit gut umgegangen und hätte es gut verarbeitet. So ist meine Äußerung zum Zuschlagen des Lebensabschnittes zu verstehen. Ich denke, dass so ein Thema immer "in Bewegung bleiben" muss, also nie völlig abgekapselt im Innern ist. Aber ich war dann sehr verwundert zu entdecken, dass ich das Thema gar nicht gut verarbeitet habe, sonst würde ich mich nicht am Thema "letzter Tag-ich war nicht dabei" festhalten.
    Diese Erkenntnis kam mir erst am letzten Wandertag, deshalb habe ich noch keine weiteren Gedanken dazu. Allerdings weiß ich vom Tod meines Vaters vor fast 10 Jahren, dass ich mich da direkt an den PC gesetzt habe und auf einer Internetseite Grabsteine gestaltet habe und viele Dinge geschrieben habe. Diese direkte Auseinandersetzung mit dem Tod meines Vaters hat mir sehr geholfen. Das möchte ich jetzt hier nachholen.
    Viele Grüße
    Michael

  • Hi Michael,


    ich glaube, ich muss doch auch auf den Jakobsweg... ;-)


    Wie Du schreibst, bleiben diese Themen immer in Bewegung - mal sieht man die eine Facette und dann wieder ganz andere - von denen man vielleicht gar nicht vermutet hätte, dass sie eine Rolle spielen könnten. Und doch gehört das alles zur Bearbeitung der Trauer dazu - und natürlich auch zur Bearbeitung der jetzt veränderten Lebenssituation, ohne den verstorbenen Menschen!


    Ich hoffe, dass Du in der Auseinandersetzung in diesem Forum vielleicht den einen oder anderen Aspekt beleuchten kannst - hilfreich ist dabei auch immer, wenn Du vielleicht beizeiten mal ein paar Zeilen zu Deiner Geschichte, bzw. zu Deiner Mutter schreiben kannst.


    Liebe Grüße,
    Markus

  • Hallo Markus,
    dass beim Wandern alles in Bewegung ist, habe ich wieder bemerkt, als mir die vielen "Erleuchtungen" kamen.
    Das Verhältnis zu meiner Mutter habe ich immer als gut in Erinnerung. Sie war immer sehr zugewandt und hat uns Kinder als ihre Hauptaufgabe angesehen. Wir haben viel gesungen, sie hat mich Vokabeln abgefragt, ist mit mir Skilaufen gefahren. Sie hatte immer ein großes Herz, zu ihr konnte ich zum Schmusen kommen. Wir sind zusammen Milch holen gegangen und ich konnte ihr mein Herz ausschütten, soweit ich das damals schon konnte.
    Als sie älter wurde, habe ich sie an Wochenenden betreut und in den Urlaub mitgenommen. Sie wurde nach dem Tod meines Vaters entspannter und ihre unbändige Lebensfreude setzte sich leicht über die Demenz hinweg.
    Soweit zum Verhältnis zu meiner Mutter. Danke, dass Du mir geschrieben hast.
    Viele Grüße


    Michael

  • Hi Michael,


    habe Dir gerne geschrieben! Das Verhältnis zwischen Dir und Deiner Mutter scheint wirklich gut gewesen zu sein! Und vorallem schön, dass Du Dich dann um Deine Mutter gekümmert hast, als sie nicht mehr so konnte! Das nennt man dann "Generationenvertrag", oder? ;-) Hast Du selber auch Kinder?


    Liebe Grüße,
    Markus

  • Hi,
    habe selbst auch Kinder. Sie ziehen grad aus. Alles läuft prima.
    Meine Mutter hatte selbst einen Bruder, der im Krieg jung gestorben ist. Das hat ihr sicher auf die Betreuung ihrer beiden Söhne nachgewirkt, sie hat uns viel Liebe gegeben. Sie stammte aus einer neu zu Wohlstand gekommenen Familie und hatte schon vor dem Krieg alle Vorzüge des Geldes. Das hat sie geprägt. Andererseits war sie in ihrer Naturverbundenheit sparsam und bescheiden.
    Eine Schattenseite für mich war ihre noch engere Beziehung zu unserer einzigen Schwester, auf die ich -nachträglich betrachtet- immer eifersüchtig war. Andererseits hat es mir geholfen, selbstständig zu werden und nicht auf die Zuneigung anderer zu warten. Ich musste immer kämpfen und wurde dadurch innerlich gestärkt.. Mir wurde im Leben in vielen Bereichen nichts geschenkt und erst in den letzten Jahren erkenne ich die Leichtigkeit des Lebens für mich. Wäre mir immer alles zugeflogen, könnte ich jetzt nicht so genießen, wo alles von selbst läuft. Ich kann nach der harten Lebensschule nun entspannen und brauche keine Angst vor der Zukunft zu haben, denn ich habe gelernt, mit Schwierigkeiten umzugehen.
    Alle diese Gedanken und Entwicklungen hängen mit meiner Mutterund unserer gemeinsamen Entwickliung zusammen.
    Vielen Dank für Deine Mail
    Michael

  • huhu michael,


    da ich beruflich sehr eingespannt war und bin, habe ich erst heute deinen tread gelesen. auch von mir ein herzliches willkommen hier.


    habe gelesen das du in eine sh gehen möchtest. die gespräche dort und das schreiben im forum sind vielleicht für dich ein ähnlicher ansatz wie damals als dein vater starb. wie geht es dir in der sh, wenn du erzählen magst


    lieben gruß
    burkhard