Ich bekomme nicht oft Wutanfälle, dazu lebe ich zu friedlich, aber heute war es soweit, wie ein Vulkanausbruch.
Mein Mann fragte natürlich aus seiner "Normalo" - Warte und das ist auch sein Leben und ich stütze das ja auch, denn ich will ja gar nicht, weil ich das von meiner Mutter früher erlitten habe wie verrückt, dazu gezwungen zu werden wie meine ganze Herkunftsfamilie, ihre unbehandelte Krankheitswarte als Definitionsmacht aller Wahrnehmung einnehmen zu müssen und genauso machte es mein kranker Opa auch mit seiner Frau, Oma, und seinen Kindern, meiner Mutter und meinem Onkel.
Schwere Depressionen wie Kindheits- und Kriegstraumata lagen über Generationen unbehandelt in meiner mütterlichen Herkunftsfamilie und ich bin die erste, die das begriffen und bearbeitet hat und sich darausgezogen hat und ihrem Sohn
n i c h t mehr den ganzen Mist weitergegeben hat als Normalsicht und die einzig berechtigte.
Zwar ist mein Mann im Grunde auch "neurodivers" als Hochbegabter wie es Sohni und ich aus anderen Gründen auch sind und ich gehe auch mit Gögas neurodiversen Absonderlichkeiten genauso liebevoll um wie mit Sohnis oder meinen eigenen, aber er lebt halt beruflich in der "Normalowelt".
Auf diese "Normalowelt" habe ich aber momentan seit langem mal wieder eh einen dicken Hals, weil sie erwartet, dass Trauer nach der Beerdigung endet und dass danach blitzschnell auf Normaloalltagstempo umgestellt wird.
Diese ganzen gesellschaftlichen Tabus rund um das Thema Sterben, Tod und Trauer lebe ich ja gar nicht und nur das hat mich die letzten 10 Monate überleben lassen und alles mit Liebe, Würde und Wertschätzung für meine Eltern regeln lassen, was der einzige Grund ist, warum ich dabei nicht voll ins ADHS und in eine schwere Depriepisode abstürzte, denn mein familiär misshandeltes und emotional missbrauchtes Inneres versteht LIEBE und WERTSCHÄTZUNG.
Was mich aber schon seit der Beerdigung so ank.... , ist diese absolute LEERE an trauerangemessenen Reaktionen um mich herum, eingeschlossen meiner Psychologin, wenn ich das nicht falsch interpretiert habe.
Während ich bei allen anderen Themen der krankmachenden Normalo-Maßstäben oft dachte: Naja, sie sind zwar beinhart, aber die meisten Normalos kommen ja offenbar damit klar, aber ich eben nicht, weil ich anders bin und eine chronisch Kranke.
Aber was ich da momentan erlebe, ist einfach h e r z l o s und in einem Ausmaß T a b u , dass es einfach nur eine Gruppenverdrängung und f a l s c h ist, egal, wenn es die Mehrheit ist.
Als nun noch Göga wissen wollte, warum es mich jetzt so niederwirft, da ging aus mir ein Vulkanausbruch los. Denn er fragte aus Normalosicht und ich antwortete aus Normalosicht, nicht aus meiner Minimalismussicht, die ich lebe.
"Weil ich sowieso schon von Kleinauf krank und leistungseingeschränkt bin.
Weil ich das alles überlebt habe, ohne in der Gosse zu landen, sondern damit noch verdammt viel aufgebaut habe.
Weil zu meiner ganz normalen Krankheitsschwäche nun noch innerhalb von 5 Monaten beider Eltern Tod und alles drumherum auf mir liegt und ich mich verdammt nochmal einfach erholen will.
Weil ich jetzt erstmal am liebsten nur wochenlang im Bett liegen würde, ohne akut depri zu sein, einfach zur verdienten Erholung.
Weil meine Aufenthalte am Wohnort meiner Eltern kein Urlaub ist und weil ich, wenn ich hierher wiederkomme, auch keinen Urlaub habe, nur für mich zum Erholen.
Weil ich so gut wie n i e Urlaub habe!
Weil ich verdammt nochmal einfach f r e i haben will.
Weil ich verdammt nochmal t r a u e r e , akut, denn ich habe keine Eltern mehr und vor 1 Jahr waren beide noch da und kein Tod in Sicht!
Weil ich erzogen worden bin, viel Geld zu verdienen und eine gute Hausfrau und Mutter und Ehefrau zu sein und weil ich mit all meinen Leistungen und Gaben
n i e m a l s gutes Geld bekommen habe. Und weil ich eine gute Mutter bin und da Sachen geschafft habe, die sonst keiner könnte, aber sowas wird nicht bezahlt.
Das ist eine Kränkung und Demütigung kultureller Werte!
Weil ich nie eine gute Hausfrau sein k o n n t e, aber a l l e um mich herum, inkl. meiner Männer, das einfach mit ansehen, denn sie wären ja fein raus, sie bekommen Geld für das, was sie g u t können, ich bekomme nichts dafür und kann noch j e d e n Tag, den der Herr werden lässt, auf mein dauerndes Versagen im Haushalt gucken, ohne dass eine Hausfrau oder ein Hausmann an meiner Seite mir da zur Hilfe käme!
Das ist eine Kränkung und Demütigung aller kulturellen Werte, die mir anerzogen und eingeprägt wurden.
Das alleine reicht schon. Dann kommt aber noch meine chronisch angeborene ADHS dazu, die daraus folgenden Depressionen, die ererbten Traumata und Depressionen und jetzt sterben noch beide Eltern kurz nacheinander und ich habe n i e Urlaub und d a fragst du allen Ernstes, was ich habe?
