Beiträge von mayatochter
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Danke, liebe Susanne, ja, der Weg bleibt das Ziel bei der Trauer. Ich merke auch, dass ich jegliche Trauerbegleitbücher, die Trauerphasen, Traueraufgaben, Trauerwege benennen, derzeit noch von mir weise. Ich will nichts eingeredet bekommen, was wie zu laufen hat, auch wenn ich später mal aus der Rückschau bestimmt einigem zustimmen werde, was universell zur Trauer gehört.
Wie bei vielen anderen Lebensthemen auch, geht es bei mir jetzt zur Trauer auch irgendwie von einer These zum Gegenteil, zur Antithese, und dann hin und her auf einem Spiralweg, der immer weiter führt, auch wenn es sich wie im Kreis herum anfühlt, und dabei entwickelt sich meine persönliche Synthese aller nötigen Traueranteile.
Erst ging es mir vor allem darum, überhaupt einmal aus Liebe trauern zu können! Dabei passte ich auf, dass ich das nicht vergaß im Alltag, der so gewohnt war, ohne meine Mutter zu laufen, schon solange und so eingespielt und innerlich akzeptiert und bearbeitet als alles, was möglich war.
Dann ist da aber auch die spirituelle Liebesquelle in mir und wenn ich von ihr aus in den Tag lebe, ist viel Liebe da und Trauer wie ein milder Sommerregen. Schmerzen werden getragen, Aktivitäten sabotieren mich nicht, Milde herrscht im Alltag - und Milde ist normalerweise nicht in meinem Charakterbaukasten mit drin gewesen.

An Tagen, wenn ich vergaß, aus meiner inneren Liebesquelle in den Tag zu starten, war Trauer kopflos, richtungslos, aber auch das soll sein.
Dann gestern bäumte sich zum ersten Mal seit Monaten, die der Krankheit, dem Sterben und dem Tod und der Beerdigung meiner Mutter in einer Ausnahmesituation innerlich gegolten haben, mein Inneres auf und signalisierte ein deutliches STOP! Genug nun erstmal mit all dem Fremden!
Jetzt will ich mal wieder eine Weile in vertrauten erreichten Lebensrhythmen mich ausruhen und den Aktionismus loslassen, denn ich habe gemerkt, dass trotz meiner Trauer überhaupt gar nichts an Ganzheit an mir fehlt, das ich mir mühsam aus Mangel an Familienwurzeln spirituell als viel verlässlichere ewige Wurzeln vergegenwärtigt habe und gelebt habe.
Und da fehlt absolut gar nichts. Denn da bin ich wie der Stamm eines Baumes meiner Familie mit immer mehr Wachstumsringen nun aus einer Wachstumsphase, in der meine Mutti noch irdisch lebte, herausgewachsen und wachse immer weiter und nichts ging verloren an alten gemeinsamen Ringen, die auseinander wuchsen.
Ich habe auch erkannt, dass ich gar nicht befürchten muss, dass ich die Liebe zu meiner Mutter vergesse, denn ich habe ja die Urquelle aller Liebe in mir, daraus ist ja mein Lebensbaum gewachsen und darin verwurzelt.
Wenn ich Antworten der Liebe hier in meinen Erinnerungen hektisch wie Brotkrumen zusammensuche für meine Trauer, sehe ich nur, was ich ja schon lange gelernt habe: Irdisch herrscht daran überall Mangel und werde ich nicht satt.
Aber ich habe da ja die nie versiegende und vollständig nährende verlässliche Quelle in mir.

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Hallo Iris, einen schönen Urlaub!

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Liebe Skelmir123 #, ein stiller Gruß und mein tiefes Mitgefühl zu deinem schweren Verlust! mayatochter
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Liebe Kathi, mein tiefes Mitgefühl für deinen Verlust! Liebe Grüße! mayatochter
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Liebe Lisa, 1 Tag vor deiner Hochzeit? Ich denke an dich und wünsche dir und deinem Liebsten einen großen SegenRegen! Liebe Grüße! mayatochter 
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Lieben Dank, liebe Bettinalein!

Ich schreibe heute ein bisschen um die Tatsache drumherum, dass sich ein Ende aller hochgepeitschten Emotionen und Aktivitäten rund um das Sterben und den Tod meiner Mutti nun zeigt mit dem Losschicken der letzten Dankesbriefe für Beileidschreiben. Und dass dahinter eine Leere gähnt, wo früher immer trotz aller Distanz ein sicheres Wissen war, wo Mutti war und wie es ihr ging und was sie machte.
Da kommt jetzt hier im Alltag, im Erdenalltag gar nichts mehr.
Ein Loch, eine Leere, eine unfüllbare Lücke, egal, was alles schief lief bei uns.
Ich bin ein Leben mit Stückwerk überall und Lebensruinen durchaus gewohnt - und Mosaike aus lauter Versatzstücken sind auch recht hübsch, also wird es irgendwie weitergehen und es ist schon lange nicht mehr mein Ehrgeiz, meinem Leben hier oder mit meinem Leben hier irgendwas zu beweisen, was f ü r diese Fehlkonstruktion eines Erdenlebens sprechen würde.
Eben wieder mal und noch eine Leere und ein Warten auf bessere Zeiten und ein Warten auf die Mutti, weil alles andere sich falsch anfühlt - und dass da nichts kommt - und dass ich diese Leere irgendwann transzendieren kann, aber wann, das weiß ich nicht.
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Liebe Kerstin und liebe Bettinalein,
danke für den wichtigen Tipp! Hat aber gerade erst angefangen wieder mit der Schwitzerei seit knapp 1 Woche!
bei mir war das letzte große Blutbild eh Ende Juni und das nächste liegt in 3 Monaten an - hab nämlich eine familiäre Hypercholesterinämie und muss aufpassen, nicht zu hohe Blutzuckerwerte (noch keine Diabetes) und unterirdisch niedrige Vitamin-D-Werte zu kriegen mit Diät und Medikamenten.
Meine Schilddrüsenwerte waren bisher trotz leicht vergrößerter Schilddrüse schon immer , warum ich schon seit Jahrzehnten Jodid 200 erfolgreich einnehme, immer normal.
Dass psychosomatisch sowas aber aus dem Takt laufen kann, weiß ich und werde der Hausärztin Bescheid sagen! Danke!
Liebe Grüße! mayatochter -
Danke, liebe Sabiene und dir auch gute Besserung für deine Migräne, an der ich auch schon seit jungen Jahren leide wie mein Vater und seine Mutter es auch taten. Zum Glück hält die momentan still. Aber wenn ich sie habe, bin ich richtig krank und sage auch alles ab.
Auch meine mitfühlenden Grüße daher an dich! mayatochter
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Liebe Mutti, jetzt habe ich gerade eben die erstmal letzte Trauerpost zum Postkasten gebracht, also meine Antwort im Namen der Familie auf Beileidsschreiben!
4 darunter gingen mir besonders nahe und 2 von ihnen schrieb ich auch schon mit der Todesanzeige ausführlicher, 3 von ihnen auch jetzt.
2 von ihnen, eine Brieffreundin seit 20 Jahren und eine Großcousine von dir, hatten dir noch nichtsahnend eine Grußkarte zum 87. Geburtstag geschickt, dabei war das dann schon dein 1. Himmelsgeburtstag und dein Beerdigungstag!
Um sie nicht maßlos zu schocken, schrieb ich ihnen noch einen vorsichtigen persönlichen Brief zur Todesanzeige. Aber der Schreck ließ sich nicht vermeiden.
2 weitere sind deine ältesten beiden Schulfreundinnen seit 75 Jahren und die kannten wir "Kinder" natürlich auch.
Einige Trauerantworten werde ich persönlich noch an eurem alten Wohnort am WE übergeben.
Aber ansonsten, außer Bürokratiekram, ist soweit alles vorbei . . . . vorbei . . . und es ist wie ein Warten in mir, aber ich denke, dieses Warten bleibt mir, weil ich es einfach nicht glaube und verstehe, dass alles vorbei ist.
Dabei wüsste ich gar keine bessere Alternative hier irdisch. So alt und krank gibt es hier auch nichts mehr, was besser wäre als in der Ewigkeit zu sein.
Nur ist die irdische Vergänglichkeit ja sowas Gruseliges, wenn auch die ganze Welt darauf ausgerichtet ist, aber als tolles Konzept kann ich das Ganze nun wirklich nicht bezeichnen.
Ich schreibe an dich, aber das ist schon was, was ja gar nicht zu Lebzeiten von dir gelang und das ließen wir dann auch sein.
Was das Leben mit unserer Beziehung gemacht hatte, denn auch da gab es keine besseren Alternativen, ließ gar nichts mehr übrig, zu sagen. Der Mutter, die du da warst, hatte ich nichts mehr zu sagen, zu erzählen.
Und doch war es die letzten 5 Monate anders, da war es wieder wie vor langer, langer Zeit zärtliche Liebe zwischen uns. Und die ganze Krankheitsentwicklung aus deiner Selbständigkeit hinaus war ja gar nichts, was dir gefiel, während mir durchaus "gefiel," dass du nun im Pflegeheim in Sicherheit warst, weil du eben immer hinfällig wurdest und allein in deiner Wohnung absolut nicht mehr sicher warst, aber niemanden etwas für dich machen ließest, was nötig war.
Also, wie ich es auch drehe und wende, da war ein Lebensabschluss, wo du gehen wolltest und körperlich auch musstest und wo keine weitere große Selbständigkeit für dich mehr möglich gewesen wäre.
Deine irdische Lebensgeschichte war zuende geschrieben und niemand hatte mehr etwas hinzuzufügen.
Und dass ich nun nicht mehr weiß, was es Neues bei dir gibt als Seele und Geistwesen bei Gott, das ist was ganz anderes als bisher.
Als ich deinen aufgebahrten Körper das letzte Mal sah, da fühlte ich ja statt den Tod deine absolute Lebendigkeit und eine große Gewissheit darüber!
Und während ich das hier schreibe, bekomme ich wie sooft direkt eine Antwort in die Tasten: Du bist erstmal ganz nahe bei Jesus und allen Lieben und erholst dich vom Erdenleben. Das kann ich mir vorstellen.
Wenn ich dir also jetzt schreibe, dann schreibe ich eigentlich sowohl an dich wie auch an die Ewigkeit.
Dann kommt es mir so vor wie die alten Klagepsalmen, die in der Bibel zu finden sind und die ich mal ausprobiert habe und dabei lernte, dass sie im Klagen und Schreiben ihre Antwort und ihren Trost schon in sich tragen. Ähnlich wie bei vielen Songs, in denen es um Verlorenheit geht, die Melodie schon die Geborgenheit mit sich bringt.
Also schreibe ich gar nicht an die Mutti, der ich nicht schrieb.
Auch nicht an die sterbende.
Ich schreibe an den liebenden Kern meiner Mutti als der liebende Kern der Tochter.
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Ich gehöre ja auch zu den vielen, auch hier im Forum, die sich stimmungsmäßig und Antriebsmäßig mit Herbst und Winter schwerer tun. Aber diesmal ist es komisch und ich frage mich, ob auch mein Vegetatives Nervensystem jetzt erst den Schock und die Trauer und die Ausnahmesituation körperlich abreagiert, wo es alles nicht mehr ganz so hochtourig läuft.
Seit nun knapp 1 Woche funktioniere ich einfach in allem deutlich verlangsamt.
Das kenne ich ja schon von anderen Jahren und der "dunkleren Jahreszeit".
Aber diesmal schwitze ich auch bei der kleinsten Aktivität so sehr wie in den Wechseljahren. Der Schweiß läuft nur so, dass die Haare nass werden und es in den Augen brennt und meine Kleidung wie nach Sport oder Hochsommertag nass ist.
Was ist das?
Kennt das auch wer?
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Danke, du Liebe!
, fühle dich auch warm in die Arme genommen! Genauso ist es, wie du schreibst. 
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Danke, liebes Linchen! Unseren Sohn haben wir auch adoptiert und unsere Eltern-Sohn-Beziehung ist eng und gut und ich könnte ihn gar nicht mehr lieben. Stimmt absolut!
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Liebe Linchen, ich verstehe dich trotz aller Unterschiede gut. Denn meine beste, leider schon vor 3 Jahren verstorbene Freundin Bettina hat mir auch immer von solch einer nahen Mutter-Tochter-Beziehung erzählt, wo kein Blatt dazwischen passte und es keinen Tag gab, wo an sich nicht traf und trotzdem noch telefonierte.
Und eine besondere Nähe zwischen der Mutter, die einen ja geboren hat, 9 Monate in sich getragen hat und dann in den ersten Lebensjahren so eng bei sich hielt und trotzdem das Selbständigwerden unterstützte, da, wo sie erlebt wurde, schafft sie von Natur aus eine Liebesnähe zwischen Mutter und Kind, auf der dann auch die Trauer liegt, wenn die Mutter geht. Das ist eine ganz pure und junge und ungetrübte Liebe.
Und ich wäre hier nicht im Forum, wenn wir das nicht unendlich kostbar und wichtig wäre, auch wenn mit dem Heranwachsen und dem Erwachsensein unsere Beziehung leider so überlastet und gestört wurde, dass ich mir das nicht mehr leisten konnte, im Umgang mit meiner Mutter von dieser puren Liebesebene aus zu handeln, die zwischen dir und deiner Mutter immer lebbar war, so nah, wie ihr euch standet.
In meiner Familie sind durch das Kriegskindheitstrauma meiner Mutter, das sie nie verarbeitet und überwunden hat und die daraus resultierenden Folgen in ihrem (psychisch manchmal kranken) Verhalten gravierende Zerstörungen in den Familienbeziehungen passiert. Jahrzehntelang verstand ich das natürlich gar nicht, wie meine Mutter selber und meine Geschwister auch nicht. Und als wir es verstanden, (bzw. verstehen es eine meiner Geschwister bis heute noch nicht und spielen die Psychospiele als Realität anstatt als kranke Kompensation weiter) waren wir bereits selber so psychisch belastet, dass wir auf gesunde Distanz gehen m u s s t e n.
Viele viele Familien auch meiner FreundInnen, wie ich beobachtete, erfuhren in ihrer Jugend wie ich auch teils verrohte, teils abwesende oder gefühlskalte Großeltern und Eltern, die durch ein oder sogar zwei Weltkriege nur so überleben konnten, aber nicht gesund.
Aber meine Mutter war a u c h die gesunde, liebevolle und nahe Mutter, besonders, als wir noch klein waren. Je älter wir wurden und je mehr sich offenbar ihre psychisch kranken Anteile der übersteigerten kindlichen Verlustangst in ihr durch unsere Selbständigkeit bedroht fühlte, desto mehr zerstörerische Kommunikationen entstanden, die sich aber immer im Kreise drehten und nichts verbesserten.
Je jünger ich damit noch war, desto weniger konnte ich mir selber psychisch leisten, diese widersprüchliche und wechselvolle Mutter offen zu lieben, das hätte mein Herz viel zu offen liegen lassen, wenn meine Mutter wieder verletzend wurde.
So schwankte auch bei mir die Haltung gegenüber meiner Mutter immer zwischen Liebe und Kampf wie bei meiner Mutter auch. Aber wir wussten trotzdem, dass wir uns im Ernstfall immer aufeinander verlassen konnten, was bei meinen Schwestern anders war, bei meinem Bruder nicht, aber der hatte auch eine ganz andere Mutti erlebt, weil er selber nicht ganz gesund ist und wir alles Harte von ihm immer alle fernhielten.
Und als ich dann jetzt in späteren Lebenszeiten es hinkriegte, dass mein Herz ruhig wurde, indem ich die Situation mit genug Abstand so nahm wie sie war, eine Distanz zu meiner Mutter notgedrungen lebte, mir aber innerlich immer erlaubte, sie zu lieben, da ging es mir selber nach verarbeiteten Psychomacken immer besser, denn ich brauchte ja auch meine Kraft für meinen Alltag.
Darum hatten meine Mutter auch in ihren letzten 5 Monaten, als sie zu schwach war für all ihre früheren verbalen Giftpfeile, wieder wie als Kind eine offene zärtliche Liebe zueinander und es musste nichts mehr geklärt werden. Da bin ich so dankbar für.
Darum ist es jetzt so, dass ich überhaupt trauern kann. Als meine Großeltern starben, konnte ich das noch gar nicht. Das war offenbar zu erstickt in mir von allem Gestörten und Zerstörten.
Wie zerstört meine Herkunftsfamilie ist, sehe ich ja eben auch im Nachhinein daran, dass niemand meiner 3 Geschwister zu Muttis Beerdigung kam oder mir bei den Vorbereitungen half. Gut, dass ich da zwei ganz enge Freundinnen meiner Mutter und nun auch von mir an meiner Seite hatte und meinen Vater, der aber mit seinen fast 100 Jahren keine Unterstützung sein konnte, aber Nähe, Innigkeit und Liebe.
Jetzt e n d l i c h darf, kann und will ich mir erlauben, in der Liebe zu meiner Mutter zu schwelgen ohne Gefahren wie zuvor. Jetzt will, kann und darf ich trauern.
Und ich merke zwar, dass die erwachsene mayatochter ein Leben ohne Mutter gelebt hat, notgedrungen, aber dass das bei weitem nicht alles war. Da passe ich auf, dass ich nicht in die Schiene rutsche mit meiner Trauer, weil das weder Mutti noch mir und unserer Liebe zueinander gerecht wird.
Darum lese ich auch gerne hier im Forum, wie nahe und gute Beziehungen waren.
Ist das zu verstehen?
Liebe Grüße! mayatochter
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Ach was für ein süßes Kaffeeschaumbärchen! Das müsste ein/e KünstlerIn sein, wer das wirklich mit Kaffeeschaum, Schokosirup und Erdbeersirup hinbekäme! Unser 22jähriger Sohn arbeitet in einer Kaffeerösterei, gehört dort als Barista zum Cateringteam, das zu allen möglichen Events mit dem Kaffeemobil fährt zum Catering, und bei ihm habe ich das mitbekommen!

Ich merke so allmählich die Winter- und Trauerverlangsamung in meinem Alltag! Da ich krankheitsbedingt eh meine Zeit brauche, wird es schon etwas schwieriger, damit umzugehen.
Einfach so aufspringen und was machen, ist momentan irgendwie nicht drin! Als ob ich viel mehr Schwere in Körper und Gliedern habe, ich brauche auch mehr Ausruhen und Schlaf. Dabei ist doch so einiges zu tun und zu bedenken!
Kennt ihr das auch?
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Lieber Scream, ich würde sehr gerne weiterlesen, wie es dir geht. Darum hoffe ich, dass es gelingt, den Wünschen deiner lieben Mutter voll zu entsprechen und ihre Kontodaten zu löschen und trotzdem hier zu bleiben, aber das musst du natürlich so machen, dass es für dich stimmig ist! Liebe Grüße! mayatochter
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Gestern habe ich in mein Tagebuch geschrieben:
Wenn ich in meinem Trauerforum lese und schreibe, fällt mir natürlich erstmal die Hirnrissigkeit auf, dass alle Trauernden dort ins Forum fanden, wie ich ja auch, weil, obwohl jeden Tag in unserem Lande mehr Menschen sterben als geboren werden, es dann spätestens nach der Beerdigung einer geliebten Person überall um einen herum weitergeht wie gehabt und viele sich fühlen, als sei ihre Trauer nur "ihr persönliches P r o b l e m", dem sie natürlich nicht a l l e i n gewachsen sind und v e r s t e c k t.
Ich bin 62 Jahre alt und erfahre erst jetzt, dass Trauer oft als ein solcher Schock erfahren wird, dass es, wenn alle Beerdigungspflichten vorbei sind und der trauernde Mensch etwas zur Ruhe kommt, dass das Vegetative Nervensystem dann im Nachhinein den Schock massiv abreagiert in Panikanfällen oder Zitter-Hyperventilier-Schlotter-Anfällen.
Auch völlige Antriebsschwäche und mindestens 1 Jahr völlig neben der normalen Spur zu sein, kommt oft vor.
Massive Trauer noch nach Jahren auch! Je nachdem, wie nah und intensiv die Nähe miteinander war! Oder wie schlimm das Sterben, eine schwere Krankheit oder das junge Sterben eines Partners oder Kindes uvm. waren.
Die meisten Beiträge dort im Trauerforum kommen wie meine einige Wochen nach dem Tod der Nahesterbenden. Aber es sind auch eine Reihe von Foris dort, die schon einige Jahre dort sind und immer noch intensiv trauern, obwohl nur manche dazu depressiv sind, beileibe nicht alle.
Meine Güte, das ist doch so Alltagsbestimmend, warum gibt es nicht wie nach einer Geburt Trauerzeit und Trauergeld? Warum hat die Trauer keine Lobbys, keine Ministerien, keine Fachstellen breit gestreut, keine Teilhabe am Leben und findet fast gänzlich im Untergrund statt?
Das ist doch verrückt!
Und das gibt mir ganz "schizophrene" Gefühle, dass meine Trauerintensität und meine anderen emotionalen Impulse nicht zusammenpassen und nicht stimmig sind. Na klar! Weil die Repräsentanz der Trauer im Alltagsleben keine öffentliche Repräsentanz hat!
Mein Routinehandeln im Alltag drängt dazu, auch einfach weiterzumachen wie gehabt vor dem Tod meiner Mutter! Weil wir uns ja auch nicht gut verstanden haben, gab es ja auch ein breites Leben ohne Kontakt zu ihr, viele Jahre in der Summe.
In gar nichts war ich als Erwachsene noch verwiesen auf meine Mutter, außer in der Gewissheit, dass an einer Erdenwelt ohne sie auch was falsch ist!
Und selbst mein inneres Kind trauert keinesfalls verzweifelt, denn meine Mutter und ich waren in unseren inneren Notwendigkeiten schlussendlich einfach nicht kompatibel.
Trotzdem gibt es ja in einer Kindheit, die nicht völlig schiefgelaufen ist, diese Lebenserfahrungen, die noch ganz existentiell sind in der Abhängigkeit von der Mutter, in der ich ja gewachsen bin und aus der ich ins Leben gekommen bin. Diese ganz existentielle Essenz-Erfahrung des Genährtwerdens und der Geborgenheit und der Mutterliebe und der Liebe zurück habe ich viel zuwenig gemacht, aber ich habe sie trotzdem schon auch gemacht.
Ich habe sie so wenig gemacht, dass ich kein Urvertrauen und keine Verwurzelung in diesem Leben durch meine Eltern habe, sondern durch meine Spiritualität, aber eine gewisse Lebens-Liebesbasis ist da trotzdem.
Von dieser Basis treibt einen das Leben als Heranwachsende und Erwachsene immer weiter fort, leider, aber auch notwendig in der Abnabelung, aber wenn man selber Kinder hat, lässt einen, wenn es gut läuft, die Liebe wieder hinein in diese Essenzerfahrungen, zeitweise wenigstens.
Meine Trauererfahrung ist es jetzt, dass ich auf dieser Essenzebene auch trauere, weshalb es aber auch so einfach und fast drängend ist in meiner erwachsenen Alltagsroutine, das Trauern zu übergehen.
Ich weiß aber, wie falsch das wäre.
Die ganzen Wochen zwischen dem Tod meiner Mutter und bis nach ihrer Beerdigung trug mich diese Essenzbasis durch die Schock- und Ausnahmesituation. Ich glaube, dass diese Ebene sehr kostbar ist, pure Liebe.
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Liebe Sabiene, ich danke dir für deine mitfühlenden Grüße. Und ich freue mich, dass einige meiner spirituellen Gedanken dir guttun.
Liebe Grüße! mayatochter
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Weil du von Eigendruck bei mir gesprochen hast, dem kann ich nicht ganz zustimmen.
Ich bin einfach so gestrickt, auch im Bezug auf meine Mutter oder meinen Stiefvater. Ich versuche dankbar zu sein für all das schöne was ich erfahren durfte und stelle dies höher als den Schmerz, dass sie mir viel zu früh genommen wurden. Und egal was mir im Leben passiert, ich versuche das gute daraus zu ziehen und es zu genießen.
Ah, das hatte ich missverstanden, entschuldige! Dankbarkeit ist eine große Heilerin mit vielen Gaben! Da hast du absolut recht und ich bin froh, dass du danach lebst und es auch jetzt in Trauer versuchst, denn da hast du eine große Kraftquelle auf deiner Seite und eine nie versiegende.
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Für mich ist es eine Katastrophe, aber das ist nun mein und nicht ihr Problem.
Liebe oder lieber Scream? Ich weiß nicht, ob du Tochter oder Sohn bist, entschuldige!
Natürlich ist es für dich eine Katastrophe und wir alle sind ja hier im Forum gelandet, weil es seltsamerweise da draußen in der Welt nach der Beerdigung weitergeht wie gehabt und wir aber nicht mehr innerlich und teils auch äußerlich so weitermachen k ö n n e n und w o l l e n als ginge alles weiter wie zuvor!Wie seltsam, dass täglich mehr Menschen sterben als geboren werden in unserem Land und in den Alltagsabläufen scheint das aber keine Rolle zu spielen.
Wieso gibt es Elternzeit und Kindergeld, aber keine Trauerzeit und kein Trauergeld? Wieso gibt es, und das noch viel zu wenig, für alles Ministerien, VertreterInnen, Lobbys und wer weiß was nicht alles und für das Thema STERBEN und TOD, das wirklich JEDEN und JEDE betrifft, gibt es so wenig bis nichts, so dass wir Trauernde uns tatsächlich so fühlen, als sei der Tod unserer Lieben wirklich "nur unser Problem!"
Wir hier im Forum müssen nicht mehr so tun. Wir brechen dieses Tabu und diese Einsamkeit und diese Zumutung und Überforderung, damit alleine fertig werden zu müssen. Bin selber erst ganz kurz hier, aber den Segen von Selbsthilfeforen kenne und nutze ich schon lange!
Ich habe mich hier bei euch gemeldet da dies im Sinne meiner Mutter gewesen wäre.
Oh ja, das kann ich mir gut denken, dass sie dich hier aufgehoben wissen wollte. Und ich als eine Mutter bin auch sehr froh, dass du hergefunden hast!
und ich wünsche jedem von euch die Kraft das Leben so zu sehen wie es nunmal ist. Denn am Ende zählt nur genieße dein Leben so gut du kannst, lebend kommt eh niemand aus der Sache raus!
Viel zuviel Eigendruck, wenn du mich fragst. Gerade wenn ich das Leben so anschaue wie es ist, sehe ich doch, dass alles seine Zeit hat, das Genießen und auch das Leiden. Sich mit Blick auf den Tod zum Genießen ständig unter Druck zu setzen, viel zu stressig und zu hart! Wenn ich das mal aus meinem alten Blickwinkel von 62 Jahren so sagen darf. Das Leben kann bezaubernd schön sein, aber auch grausam hart und leidvoll. Und nicht alles liegt unter unserer Kontrolle.
Darum sei du selber wie du in Trauer bist. Das alleine ist schon genug.