Aber, Mutti, das heißt nicht, weil ich mich oft und viel gerade jetzt vom Himmel getragen fühle, dass alles gut und bewältigt ist für mich, wie könnte es das auch sein? Ich bin nicht Mystikerin, um selig lächelnd über allem Erdenleid zu schweben und mich in die Kontemplation zu flüchten.
Die Himmelssinne der MystikerInnen sind dazu da, ihr Umfeld in ihrem Glauben daran, dass es wirklich die Ewigkeit gibt, zu bekräftigen und auch die, die sich dafür entscheiden, an die Ewigkeit in Liebe, (egal, welchen Götter- oder Göttinnenname sie dafür haben), zu glauben. So habe ich es wenigstens erlebt und gelebt.
Wobei ich auch ziemlich sachlich und nicht esoterisch unterwegs bin in Jesusnachfolge.
Du, Mutti, warst keine Mystikerin und von dir und deinem Vater, meinem geliebten Opa, habe ich ja den christlichen Glauben erzählt bekommen. Von euch habe ich aber auch vorgelebt bekommen und die meisten Lebensjahrzehnte schmerzvoll nachgelebt, dass ihr zwar tief und zum Alltag gehörend gläubig wart und gebetet habt und euch viel mit Glaubensfragen beschäftigt habt, aber dann in euren Lebensentscheidungen euch doch auf eure eigenen Kräfte, Pläne und irdischen Ziele verlassen habt und mühsamst sowie schmerzvoll euch selber durchgeschlagen habt.
Daraus habe ich auch gelernt, dass die Himmelswelt offenbar nicht wirklich für Alltagsleben - und entscheidungen zuständig war, sondern für Schutzgebete und Hilfeschreie, ja, das schon, aber die Kontrolle über den eigenen Alltag hielt man doch lieber selber in der Hand.
Ich weiß nicht, ob das der Grund war, jedenfalls verlor ich mit 10 Jahren den offenen Himmel und den Lichtrückzug in mir, der mir vorher immer so selbstverständlich war, abrupt und fiel innerlich, sah das innerlich vor mir, in die Dunkelheit der Welt. Zwar nahm ich immer noch Jesus still im Hintergrund stehend irgendwie wahr, aber fiel dann auch mehr und mehr vom Glauben als Alltagssache ab und das 47 Jahre lang, bis sich in schwerer Krankheit der Himmel wieder öffnete wie zu Kindheitszeiten und mich seitdem wieder im Alltag begleitet und ich ihn jetzt genauso als meinen Lebensraum verstehe und lebe wie meine irdischen Räume.
Mutti, das habe ich dir alles auch erzählt, aber da warst du nicht ansprechbar, obwohl du auch vorher schon miterlebt hast, dass ich sogar in den dunklen 47 Jahren zwischendrin einige tiefe Visionen hatte.
Ich akzeptiere und toleriere die vielen Leute, die der Meinung sind wie Altkanzler Schmidt, dass, wer Visionen hat, zum Arzt gehen sollte,
, glaube auch nicht allen Kram, den ich in die Richtung höre, lese, ganz klar, vor allem, wenn diejenigen dann alle in ihren Visionen sich selber als strahlende GeistführerInnen und MeisterInnen sehen und es anscheinend in diesen Erzählungen nur Stars gibt, keine, die scheitern.
Mein Leben dagegen ist ja eins, wo von Anfang an rätselhaft oft die Kraft fehlte und wo dann doch am Ende immer wieder aus ScheiXe Dünger wurde. Daher geht es bei meinem Leben um keinerlei Starprofil oder ähnliches, sondern um viel viel viel Schmerz und Leiden und Überlebenskampf.
Wer sowas erlebt, neigt nicht so zu Schwelgerei und schon gar nicht zu Lebensverklärung. Ich fand und finde das irdische Leben ein ziemlich kaputtes Trauerspiel und weiß keine Lösung dafür.
Aber die himmlische Welt der Liebe gibt es schon. Das habe ich als Kind gewusst und das weiß ich jetzt wieder seit 5 Jahren und habe es auch zwischendurch gewusst, ohne den Weg dahin mehr zu finden. Alles, was die Religionen und die Kirche erzählen, wäre mir doch völlig wurscht gewesen angesichts der grausamen Lebensrealität, wenn ich nicht innere Beweise für Gottesbeziehung und Gottesnähe selber erleben würde.
Im Unterschied zur Religion wäre es mir eine Überforderung gewesen, an was zu glauben, was ich nicht auch weiß. Woher die Kraft sonst dafür nehmen? Wohier das Vertrauen angesichts all der Vertrauensbrüche im Leben?
Und dabei hatte ich noch gemessen an der Weltbevölkerung hier in westlicher Zivilisation ein ausgesprochen privilegiertes Leben und trotzdem musste ich meistens innerlich irgendwie jeden Tag überleben wegen angeborener, lange unbekannter Erkrankung.
Warum schreibe ich das alles? Damit du, Mutti, es jetzt endlich verstehst, was ich gemeint habe. Du bist jetzt in der Seelenwelt und mein Schreiben ist Seelenschreiben, also kannst du mitlesen.