Posts by StillCrazy

    Liebe Bine,


    ja, ich denke es geht in die Richtung. Ich habe schon mit der Diagnose 2018 begonnen, mich von vielem zu verabschieden, hatte eine intensive Zeit und auch gute Begleitung. Trotzdem gibt es Dinge, die erst jetzt anstehen... Es ist wohl ein wenig untypisch und will eben deshalb auch auf untypische Weise gelebt und verarbeitet werden...

    Und da wäre ich neugierig, ob jemand Ideen dazu hat. Vielleicht aus einem Trauerprozess, der schon länger zurück liegt.


    Alles Liebe Dir!

    Wieder einmal ein paar Zeilen in meinem Thread...


    Es geht mir sehr gut. Nach einem amüsanten aber wenig geruhsamen Wochenende läuft es jetzt wieder etwas ruhiger bei mir (was mir auch gut tut).

    Derzeit beschäftige ich mich mit der Frage, wie ich es in Zukunft mit Rudis Sachen handhaben soll. Bisher habe ich kaum etwas weg gegeben, ein paar Dinge nur, Unterwäsche und Stücke, die sowieso schon aussortiert waren.


    Nun ist es ja nicht so, dass ich es eilig hätte damit. Mich drängt nichts und niemand. Auch H. hat kein Problem damit, dass dieses und jenes auch noch sichtbar vorhanden ist.

    Und hier habe ich soooooo oft gelesen, dass das sehr individuell ist, dass man merkt, wenn die Zeit da ist, etc.


    Ich denke also darüber nach... Wobei mir natürlich völlig klar ist, dass er die Dinge nicht mehr braucht, dass er nicht mehr kommen wird. Ich lebe jetzt ja auch schon länger als ein Jahr im Haus. Habe also alles, Weihnachten, Geburtstage, Jahrestag etc. ohne seine Gegenwart erfahren.

    Und doch... Es sind speziell die Dinge, an denen er gehangen ist, die ich in meiner Vorstellung so schwer hergeben kann. Oder gar nicht. Sie waren ihm wertvoll und deshalb sind sie immer noch wertvoll - und Wertvolles gibt man nicht her.

    So habe ich es auch gelernt. Und ich muss dazu sagen dass es mir generell nicht leicht fällt, Sachen wegzugeben. Auch meine eigenen nicht.


    Hinter all dem steht wohl die grundsätzlichere Frage, wie trauert man, wenn man sich nicht traurig fühlt?

    Ich habe das auch gestern mit meiner Therapeutin besprochen, aber nicht sehr ausgiebig, weil die Frage gegen Ende der Stunde aufkam.

    Eure Meinung interessiert mich in diesem Zusammenhang sehr!


    Es tut mir Leid, dass Rudi nicht mehr lebt. Weil ich weiß, dass er noch gern sehr viel erlebt hätte und es mich traurig macht, dass er diese Möglichkeit nun nicht mehr hat. Und es gibt schon auch melancholische Momente beim Gedanken an ihn.

    Ich habe das Gefühl, dass eher ein Ordnen und Sortieren ansteht. Und dass auch das eine Form von Trauern ist. Dass aber darüber weniger geredet wird, weil halt der große Schmerz so ein prioritäres Thema ist und der bei mir eben nicht so im Vordergrund steht.


    Ich muss es also auf meine Weise angehen. Wie immer die genaus aussieht...


    Euch allen alles Gute :)

    Liebe Sophie,


    meine Mama hatte Magenkrebs. Sie starb im 47. Lebensjahr. Ich bin also jetzt schon ein Stück weit älter als sie je geworden ist.


    Was ich damals gemacht habe...? Nun ja... Weiß nicht, ob das so nachahmenswert ist...


    Bin viel ausgegangen. Auch mit Menschen, die mir nicht besonders gut getan haben (um ehrlich zu sein). Und ich habe viel für die Schule gelernt, da ich damals unmittelbar vor der Matura (Abitur) stand.

    Sagen wir so: ich habe mich anderen Lebensbereichen als dem häuslichen zugewandt.


    Ich halte wenig von der Formulierung "sich ablenken", ich spreche immer von der Hinwendung zu anderen Dingen. Da diese ja auch wichtig sind im Leben (Ausbildung, Arbeit, Freunde, Hobbies, Interessen).

    Ich habe mich in den Jahrzehnten seit dem Tod meiner Mutter im Zuge verschiedener Therapien immer wieder damit beschäftigt. Das war sehr wichtig für mich, und ich kann es nur empfehlen. Auch wenn der Schmerz dadurch nicht verschwindet, kommt man doch besser zurecht damit und kann es verarbeiten (so meien Erfahrung).

    Die Formulierung, die wir in der Therapie gefunden haben (für meine Situation damals, das ist ja sehr individuell): es gab Lebensbereiche, die nicht oder nicht so stark von Krankheit und Tod meiner Mutter berührt waren. Und diese Bereiche habe ich verstärkt aufgesucht, auch schon während ihrer Krankheit.


    Dazu kommt, dass ich recht bald nach dem Tod meiner Mutter selber Mutter geworden bin, ich war knapp 21 Jahre alt. Das war so nicht geplant, ich habe noch studiert. Aber mit der Geburt meiner Tochter hat mein Leben dann wieder eine neue und sehr schöne Richtung bekommen.


    Ich weiß nicht, ob irgend etwas, von dem eben Geschriebenen für Dich interessant ist. Wie gesagt, diese Wege sind oft recht verschieden. Mir hilft es dann, aktiv zu werden, auch etwas Neues zu suchen.


    Ich möchte dir nur sagen: hab nicht allzu viel Angst vor dem, was da auf Dich zukommen wird. Es ist bewältigbar - so meine Erfahrung. Und, wo immer es geht, such Dir Hilfe. Trauergruppen, Gespräche bei der Krebshilfe (gibt es hier auch für Angehörige nach dem Todesfall), professionelle Begleitung - was immer sich für Dich organisieren lässt.


    So viel für den Momen, muss weiter arbeiten.


    Alles Liebe Dir <3

    Liebe Sophie,


    ein herzliches Willkommen hier im Trauerforum.

    Bin gerade in der Arbeit, kann deshalb nur kurz antworten. Aber: Diene Geschichte hat mich so berührt, dass ich zumindest ein paar Zeilen dazu schreiben will.


    Ich habe meine Mama im Alter von 18 Jahren verloren. Ebenfalls durch Krebs. Allerdings hatten wir die Diagnose ein Jahr vor ihrem Tod bekommen. Es war ein ganz fürchterliches Auf und Ab. Mit Hoffen, Enttäuscht-Werden und erneuten Hoffen. Es war sehr zermürbend.

    Dass es so schnell geht - und den damit verbundenen Schock - das habe ich also nicht erlebt.


    Das alles ist schon sehr lang her bei mir (ich bin vor ein paar Tagen 54 geworden), und ich kann Dir versprechen: Du kommst da durch. Auch wenn es vielleicht jetzt eine Botschaft ist, die Du im Moment gar nicht hören möchtest und nicht glauben kannst: Du kommst da durch und Du wirst in Deinem Leben noch viele wundervolle und unbeschwerte Momente erleben.

    Auch - und nicht zu letzt deshalb - weil es genau das ist, was Deine Mama für Dich wollte.


    Im Moment freilich ist etwas anderes angesagt, völlig klar. So wie ich es sehe, bist Du jetzt (ist man generell in dieser Phase) mit Überleben beschäftigt. Einatmen, ausatmen, einen Fuß vor den andere setzen ohne zu fallen, essen, trinken, schlafen (hoffentlich).

    Wenn Du das halbwegs, halbwegs schaffst, dann bist Du schon eine Heldin!


    Noch einmal: es wird wieder anders werden. Es wird wieder schön werden. Es wird anders sein als zuvor, Du wist Deine Mama immer wieder vermissen, aber es wird viele Momente geben, die anders schön sind. Jetzt gilt es einmal, Tag für Tag zu verbringen. Un dich habe den Eimndruck, Du machst das trotz deines tiefen Schmerzes sehr gut. Auch, weil Du Dir Hilfe suchst - zum Beispiel dieses Forum.


    Ich halte Dir die Daumen, dass Du online und im wirklichen Leben viele Menschen hast bzw. neu findest, die Dich unterstützen, die gut zu Dir sind. Das ist meiner Meinung nach das allerwichtigste. Und: essen, trinken, schlafen, wenn geht ein bisschen Bewegung - und sei es ein Spaziergang.


    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und werde, wenn ich darf möchtest, Deine Geschichte weiter verfolgen.


    <3

    Liebe Alle,

    in Österrreich gibt es eine - wie ich finde - tolle online Plattform namens gemeinsam erleben. Da gibt es Gruppen für die verschiedensten Aktivitäten.

    Man kann diese Plattform auch zur Partnersuche verwenden. Drum - aufgepasst - wer das gleich von Anfang an ausschließen will bei der Profilerstellung das Herzerl durchstreichen. Da finden sich Menschen für kulturelle Aktivitäten, zum Sport, für gesellige Abende und für sonstiges zusammen. Bin überzeugt, dass es sowas auch für Deutschland gibt. friendseek? Einfach googeln, würde ich raten, auch nach Erfahrungen damit suchen. Meine sind gut :)

    Lieber Kitesurfer,

    ich finde, das klingt sehr gut! In all dem, was ich bisher erlebt habe, habe ich gelernt, meinen Gefühlen zu vertrauen. Auch wenn es "nur" eine Ruhepause sein sollte, tut es gut, sich zu erholen. Aber vielleicht ist es ja mehr und du kommst in ruhigere Gewässer. Ich wünsche es dir!

    Liebe Bine,


    vielen Dank, dass Du mich an Deinen Erfahrungen teilhaben lässt. Das geht ja in etwa in die Richtung, die ich so ungefähr vor meinem geistigen Auge habe. Aber es ist doch gut zu lesen, wie sich das dann konkret bei Dir dargestellt hat.


    Ich sehe, dass ihm seine Töchter sehr am Herzen liegen. Und finde das sehr schön. Deshalb überlasse ich es zumindest derzeit zu 100% ihm, da quasi Regie zu führen, wie das alles weiter gehen wird, in der Hinsicht.

    Ich sehe, dass er schon in Loyalitätskonflikten ist, vor allem wenn es darum geht, seine beschränkte Zeit zwischen uns möglichst gerecht aufzuteilen. Ich sehe, dass er dann schon auch manchmal seinen Mädels zu meinen Gunsten absagt oder etwas verschiebt. Das ermöglicht es mir, auch kompromissbereit zu sein. Ich habe das Gefühl, bisher sind wir da auf einem ganz guten Weg.


    Alles Liebe Dir, Bine - und nochmals Dankeschön!

    Liebe Alle,


    habe über die Feiertage viel gelesen hier. War sehr berührt von der vielen Trauer, die ich hier wahrgenommen habe - und von dem Mut ihr zu begegnen, den ich auch immer wieder vorgefunden habe.


    Meine Feiertage waren bisher sehr schön. Vor Weihnachten unglaublich viel Arbeit, dann auch noch Zores mit H. - ließ sich alles aufklären inzwischen aber war zwischendurch beängstigend. Es war also beruflich wie privat sehr stressig.


    Weihnachten selber dann wirklich schön. Gemeinsam verbracht, gekocht, einander beschenkt - alles sehr harmonisch. Wir waren beide so dankbar über dieses so gelungene Fest. Am 26. 12. habe ich dann endlich ihn mit Lisa und ihrem Freund bekannt machen können. Sie haben sich sehr gut verstanden. Ich hatte ja keine Zweifel daran. Aber H. und auch Lisa waren sehr erleichtert, dass sie einander so sympathisch finden. Wir haben auch eine sehr spannende Ausstellung miteinander besucht und gegenseitig unsere Eindrücke sehr schön austauschen können. Dann noch gemeinsam den Jahreswechsel begangen.

    Den zweiten Teil der Ferien verbringt er jetzt mit seiner jüngeren Tochter.

    Sie weiß noch nichts von mir - was sehr in meinem Sinne ist. Es geht darum, dass sie nach der Scheidung der Eltern im Frühling und der darauf folgenden Übersiedlung im Sommer jetzt wieder in der neuen Situation Fuß fasst. Es ist, wie gesagt, sehr in meinem Sinne, dass die Kleine (sie ist 13, gerade in der Umbruchsphase der Pubertät also) jetzt einmal gut in der veränderten Situation ankommt. Keinesfalls möchte ich, dass die den Verdacht bekommt, ich sei der Grund für die Trennung ihrer Eltern (bin ich selbstverständlich nicht, die Beziehung lag schon sehr lang im Argen). Aber es könnte ja sein, dass sie nach Gründen sucht und meint, in mir einen zu finden. Das wäre eine schwere Hypothek für unsere spätere Beziehung. Insofern finde ich es gut, dass alles so ist, wie es ist. Außerdem habe ich schon die Erfahrung gemacht, dass sich H. mit gewissen Dingen gern Zeit lässt. Auch mit dem ersten Treffen zwischen uns hatte er es überhaupt nicht eilig.

    Allerdings bedeutet das jetzt für mich, dass wir einander doch länger als eine Woche nicht sehen können. Was für mich im Kopf total ok ist, ich komme gut mit mir allein zurecht, mehr noch: brauche Zeit für mich, Ruhe, um mich zu erholen. Trotzdem war die Umstellung von der intensiven Gemeinsamkeit zur jetzigen Situation nicht ganz leicht.


    Gestern habe ich eine Freundin getroffen, dann einen ruhigen Abend verbracht. Heute war ich im Sonnenschein spazieren, habe unterwegs auch eine Chorfreundin getroffen und ausführlich mit ihr geplaudert. Inzwischen geht es mir mit dem Ohne-Ihn-Sein sehr gut. Ich denke sogar, es ist wichtig und notwendig, weil ich doch einiges zu bewältigen habe. Ich fühle mich nicht verzweifelt oder hoffnungslos, es geht mir gut. Trotzdem weiß und spüre ich, dass ich etwas zu verdauen habe - und das sollte nicht weggeschoben werden bzw. von gemeinsamen Aktivitäten überdeckt. Ich betrachte es als eine Art Sortieren, was da jetzt ansteht. Etwas, das in der Ruhe, im allein Dahinwerkeln, im Erinnern und Planen etc. quasi von selber geschieht. Wenn ich es geschehen lasse.

    Jetzt ist es also sehr viel ruhiger, viel mit mir allein, auf meine Weise jetzt nach anfänglichem Trudeln im Gleichgewicht.


    Und ich habe ein neues Projekt begonnen: ich möchte meine Erfahrungen mit Rudis Krankheit und Tod sowie meinem Weiterleben danach in Buchform niederschreiben. Mir ist auch schon von einer Verlagsmitarbeiterin dazu geraten worden (freilich ohne dass das ein konkreter Auftrag wäre, es ist einmal ein Zeichen dafür, dass das Thema potenziell von Interesse ist - nicht mehr und nicht weniger). Gestern habe ich dann eine für mich logische und gut handhabbare Gliederung erarbeitet. Hatte in den vergangenen Wochen schon immer wieder darüber nachgedacht. Mit dem Ergebnis, dass das schon sehr viel Vorarbeit dargestellt hat. Die Gliederung ist mir also recht leicht gefallen und wich war sehr stolz und zufrieden damit. Heute habe ich dann zu schreiben begonnen.Es ist nicht viel bisher, aber es ging ganz gut. Ich glaube auch nicht, dass ich da große Textmengen pro Arbeitssitzung produzieren kann. Ich habe schon gemerkt, wie sehr ich beim Erinnern in der Vergangenheit "drin" bin, wie sehr mich das Schreiben in die Situationen von damals mitnimmt. Und das ist durchaus nicht unanstrengend.


    Gleichzeitig habe ich das Gefühl, es wird mir gut tun, das aufzuschreiben. Es auf diese Weise noch einmal zu verarbeiten. Zu sortieren. Es aus mir heraus zu bringen. Und - im Idealfall - auch für andere fruchtbar und hilfreich zu machen. Ich habe ja hier im Forum immer wieder die Rückmeldung erhalten, dass meine Entwicklung, mein Weg ermutigend auf andere wirkt. Das hat mich immer sehr gefreut (und freut mich immer noch), und vielleicht kann ich daraus ja noch etwas mehr machen. Einmal sehen, was das Schicksal da für mich in petto hat.


    Irgendwie fühlt es sich gut an, nach all der Zeit des Ausnahmemodus, des Reagierens auf die Situation und der Konsolidierung, jetzt wieder mein Ding machen zu können. Etwas planen. Ein Projekt entwickeln, Reflektieren. Das zeigt für mich, dass zumindest ein Stück weit so etwas wie Normalität Einzug gehalten hat. Es fühlt sich an, als ginge es nicht mehr darum, nur den Ereignissen ausgeliefert zu sein - sondern sie auch selbst zu gestalten und ihnen wieder eine Richtung zu geben.

    Allein das fühlt sich sehr gut an. Unabhängig davon, ob ich dann wirklich einen Verlag finde und ob aus der Sache wirklich das wird, was ich mir heute vorstelle.


    So, jetzt habe ich viel geschrieben...


    Ich wünsche Euch allen einen so-schön-wie-möglichen Abend <3

    Hallo Nico,

    ich habe nach dem Tod meines Lebensgefährten eigentlich nur Dinge unternommen, die ich möglichst nicht mit ihm gemeinsam erlebt hatte. Ich wollte Erinnerungen an früher relativ wenig Raum geben und bewusst Neues machen. Mir hat das in der Weise gut getan. Auch weil es mir gezeigt hat, es gibt trotz meines Verlustes Dinge zu entdecken. Es gibt eine Zukunft.

    Weiß nicht, wie das jetzt klingt für dich. Da sind die Menschen wohl verschieden. Für mich war das ein guter Weg.

    Alles Gute dir!

    Ich finde es sehr ermutigend, wenn du schreibst, du "warst schon weiter" d. h. für mich, es ist dir grundsätzlich möglich, die Trauer in den Hintergrund treten zu lassen. Wenn auch nur für eine begrenzte Zeit. Aber es ist möglich.

    Wenn ich dir einen Tipp geben darf: schau immer wieder auf das, was möglich ist, was trotz deines so schmerzhaften Verlustes an Gutem sein kann. Mir tut diese Haltung gut.

    Hallo Nico,

    willkommen bei uns im Forum! Es tut mir leid zu lesen, dass du gerade so sehr trauerst. Obwohl.... Feiertage.... Die haben es in sich. Davon kann ich auch ein Lied singen.

    Ich habe meine Mama vor vielen, vielen Jahren verloren. Damals war ich 18. Jetzt bin ich 54. Ich entdecke immer wieder neue Facetten dieses Verlustes. Auch jetzt noch.

    Ich will dir damit keine Angst machen, nur zeigen, dass ich verstehe, was Trauer um die eigene Mutter bedeutet.

    Wie geht es dir heute? Wer unterstützt dich?

    Alles Gute dir!

    Liebe Leute,


    immer wieder bin ich hier im Forum unterwegs und lese Eure Geschichten. Auch wenn ich selber nichts erzähle und nicht auf Eure Einträge reagiere, bin ich doch tief betroffen, von dem, was ich da immer wieder zu lesen bekomme. Und das gerade jetzt, rund um Weihnachten. Das macht es noch viel schlimmer, wenn man sich daran erinnert, wie gern man früher gemeinsam gefeiert hat. Oder wenn man daran denkt, wie schön es andere Menschen mit ihren heilen Familien haben.


    Bei mir ist es so, dass ich gerade sehr, sehr viel Arbeit habe, Es gilt vor den Feiertagen noch so vieles vorzubereiten. Hauptsächlich in der Arbeit. Im Privaten, das hält sich in Grenzen. Auch weil ich immer schon frühzeitig beginne.

    Ich freue mich auf Weihnachten. Wenn nicht etwas Unvorhergesehenes passiert, werde ich mit H feiern, am 25. ist er dann mit seinen Töchtern, mit meiner Tochter gehen wir am 26. essen. Da lernen sie einander kennen. Wie gesagt, wenn alles läuft wie geplant.

    Sollte sich etwas ändern, z. B. eines seiner Mädchen meinen, den 24, überhaupt nicht ohne Papa feiern zu können (es ist das erste Mal, Weihnachten nach seiner Trennung) - dann muss er entscheiden, was er macht. Ich hätte für diesen unwahrscheinlichen Fall einen Plan B bei einer Freundin.


    Natürlich denke ich immer wieder an Rudi, ich träume auch manchmal von ihm - aber diese Träume belasten mich nicht. Für mich sind die eher ein zeichen, dass meine Seele am (ver)arbeiten ist.

    Ich habe es noch sehr präsent, wie es war, unser letztes Weihnachtsfest. Es ging ihm so schlecht nach der Chemo. Die hat uns die ganzen Feiertage verdorben. Als hätte man damit nicht noch ein paar Tage warten können. Naja... War halt so... Nachher ist man immer klüger...


    Ich habe diese Einsrücke schon sehr präsent, das merke ich jetzt beim Schreiben. Aber ich habe Menschen, mit denen ich darüber reden kann. Auch mit H. Er weiß, dass es eine Vergangenheit gibt, die natürlich noch herein wirkt. Das ist bei mir so. Und bei ihm ja auch.


    Was ich mir manchmal denke: ich hatte mir nie vorstellen können, wie ein Leben ganz ohne Rudi aussieht. Nicht, weil ich so unselbständig bin, sicher nicht. Aber weil wir halt so lang beisammen waren. Ich vieles ohne ihn eigentlich nicht kenne bzw. gekannt habe. Z. B. das Leben allein im Haus - wir sind ja gemeinsam eingezogen.


    Jetzt merke ich, wie gut es eigentlich funktioniert - und wie überrascht ich darüber bin. Es ist tatsächlich so, dass das Leben weiter geht. Auch wenn ich mir das nicht vorstellen konnte. oder genauer gesagt: ich wuste schon, DASS es weiter gehen würde. Ich war nur sehr ratlos wegen den WIE.


    Soviel für heute. Ich wünsche Euch alles Alles Gute <3

    Hallo bowie,


    Ich sehe das zu 100% so wie Du: ich hatte und habe immer noch sehr viel Glück.


    Es hat, wie gesagt, sehr lang gedauert, bis mein Leben wieder schön geworden ist. Dabei geholfen haben mir Dinge, die ich genießen konnte: gutes Essen zum Beispiel oder ein schöner Film oder ein schönes Lied im Radio. Ich mag Leonard Cohen sehr gern. Ich bin auch sehr neugierig, drum hat es mir auch gut getan, neue Dinge zu lernen und zu entdecken. In solchen Situationen ist es mir tatsächlich gelungen - und wenn auch nur ganz kurz - nicht daran zu denken, dass meine Mama nicht mehr da ist. Das war der erste Schritt, ich konnte lernen, dass es auch ohne meine Mama schöne Momente geben kann.


    Wenn ich das schreibe, dann denke ich natürlich immer daran, dass es bei Dir ganz anders ist. Weil Du 12 bist (ich war 17 als meine Mama krank wurde und 18 als sie starb). Weil Du Autismus und Mutismus hast. Das ist schon ganz anders und sehr viel schwieriger für Dich als es für mich damals war.


    Und noch etwas möchte ich Dir sagen: ich bin auch skeptisch, wenn es um Dinge wie Schutzengel oder Himmel geht. Aber ich habe das Gefühl, dass meine Mama für mich (und auch für meine Tochter Lisa) manchmal etwas organisiert. Dass wir gute Freunde finden zum Beispiel oder einen tollen Job. Manchmal habe ich das Gefühl, sie hilft mir, dass es mir hier gut geht.


    Es ist schön zu lesen, dass es einen Menschen gibt, der Dich lieb hat. Natürlich wäre es besser, wenn da mehr solche Menschen wären. Aber ich glaube, wenn es einen Menschen gibt, dann macht das schon den entscheidenden Unterschied.


    Und zum Schluß möchte ich Dir noch sagen: ich freue mich immer, von Dir zu lesen. Aus dem, was Du schreibst, ziehe ich die Schlußfolgerung, dass Du ein sehr kluges und mutiges Mädchen bist. Weil Du nicht die Augen vor Deinen Problemen verschließt sondern weil Du Dich damit beschäftigtst. Es gibt viele, die diesen Mut nicht haben, die ihre Probeme nicht ansehen können.


    Tschüss und ich freue mich darauf, wieder von Dir zu lesen

    Liebe Alle,

    ein paar Zeilen von mir....

    Verbringe ein ruhiges Wochenende. H. hat die Töchter, kommt deshalb erst später am Abend vorbei. Es fühlt sich gut an, Zeit zu haben.... Und ich nutze sie auch, um hier im Forum zu lesen.

    So viel Trauer finde ich da, so viel Verzweiflung, so viel Schmerz.... Es geht mir so nahe, was manche durchmachen müssen. Noch dazu jetzt, rund um Weihnachten. Das ist doch eine so besondere Zeit jetzt.....

    Ich habe letzte Nacht von Rudi geträumt. Und auch von dem Krankenhaus, in dem er war. Aber im Traum war alles natürlich ganz anders als in echt.

    Es war ein unruhiger Traum, aber er war nicht erschreckend. Ich nehme ihn einfach als Zeichen dafür, dass meine Seele (ver)arbeitet. Das muss sein, auch wenn meine jetzige Situation schön ist und ich mich nicht verloren fühle.

    Es ist, als würden sich in meinem Leben verschiedene Ebenen überlagern. Das ist manchmal verwirrend, aber im Grunde komme ich gut zurecht damit.

    Ich möchte euch allen sagen: es gibt eine Zukunft. Auch wenn ihr sie im Moment nicht im Blick habt.

    Kommt gut durch diesen Sonntag 💛💛💛

    Hallo bowie, danke, dass du mir das so schreibst. Ja. Es ist sehr schlimm. Und manchmal macht es mich immer noch sehr traurig. Obwohl es schon so viele Jahre her ist.

    Du schreibst, dass es so schwierig ist mit 12 Jahren. Dass man keine Entscheidungen treffen darf und so weiter. Ich kann mir das gar nicht so richtig vorstellen. Aber wenn ich darüber nachdenke, wie das sein könnte, dann denke ich dass es sehr, sehr schwer ist. Ich finde es sehr traurig, dass du eine so schlimme Situation erleben musst. Gibt es irgend etwas oder irgend jemanden, das bzw. der dir Mut macht?

    Mein Leben ist nach dem Tod meiner Mama wieder schön geworden. Auch wenn ich sie immer noch sehr vermisse. Es hat lang gedauert und es war schwer, aber mein Leben ist wieder schön geworden. Ich möchte dir damit Mut machen, dass es bei dir auch so sein kann.

    Hallo bowie,

    ich finde das sehr schön, was du da schreibst. Dass Teilen so wichtig ist. Und was deine Mama und du, was ihr für die Obdachlosen getan habt.

    Ich muss jetzt schlafen, weil es schon spät ist.

    Ich verstehe, dass dir alles zu viel wird. Weil ich auch meine Mama verloren habe, als ich noch sehr jung war. Es war zwar nicht die selbe Situation wie bei dir, ich bin keine Niederländerin und habe keinen Autismus. Aber ich musste dann auch ohne meine geliebte Mama weiterleben.

    Ich kenne auf meine Art das Gefühl, dass alles kaputt ist. Und ich weiß, das ist ganz schrecklich.

    Ich wünsche dir, dass du bald einschlafen kannst. Weil Schlaf wichtig ist, damit sich Menschen in ganz schwierigen Situationen zumindest ein bisschen etholen können.

    Hallo bowie,

    ich glaube, ich habe dir noch nie geschrieben. Oder doch? Das müsste dann schon länger her sein.....

    Auf jeden Fall: ich bin keine Niederländerin. Drum kann ich auch nicht so richtig verstehen, was es bedeutet, dass es Sinterklaas nicht gibt. Aber eines denke ich mir: du musst jetzt nicht mehr glauben, dass er dich hasst. Wenn es ihn nicht gibt, kann er dich nicht hassen.

    Du hast jetzt also die Erklärung, warum du nichts von ihm bekommen hast. Er konnte dir nichts bringen, weil es ihn nicht gibt. Das hat nichts mit Hass zu tun.

    Ich lebe in Österreich. Hier erzählen die Erwachsenen den Kindern, dass das zu Weihnachten das Christkind die Geschenke bringt. Als ich erfahren habe, dass es das Christkind nicht gibt, war ich sehr traurig. Es ist natürlich nicht das selbe wie Sinterklaas. Aber es war trotzdem schlimm, das zu erkennen.