Meine Lieben,
zur Zeit kann ich nur Jammern. Das ist mir sehr unangenehm euch gegenüber.
Jeder versucht mit seinem Verlust zu überleben und viele von euch finden tröstende Worte füreinander.
Das kann ich im Moment nicht... im ersten Jahr fand ich noch Worte... es war wohl alles noch so unwirklich für mich.
Aber nun trifft die Welle mich voll und spielt mit mir. Sie wirft mich hin und her.
Meine Kraft ist erschöpft... ich warte auf irgendwas, was sich ändern soll... aber es wird nun so bleiben. Das macht mich unfähig und wie gelähmt.
Ich glaube, wenn noch eine weitere Krankheit oder ein Schicksalsschlag mich erwischt, gebe ich auf.
Es wird mir zuviel... das Alleinsein... der Alltag mit all seinen Anforderungen... die Entscheidungen treffen... schon das Aufstehen geht nur noch, weil die Verantwortung für Amy meine Triebfeder ist.
Ich brauche eine Perspektive, die mich am Leben hält. Leider kann ich absolut nichts körperliches tun. Niemanden kann ich es vermitteln, weil ich gewohnt bin, alle Schmerzen und meine Atemnot zu überspielen.
Nur mein Mann kannte mich ganz genau. Sogar besser als meine Mutter, die zu schwach war mir eine Mutter zu sein... die mich zwar liebte aber nicht so stark wie ihren Sohn und ihren Mann. Allerdings war sie der Meinung durch meine frühe Selbstständigkeit und mein Durchsetzungsvermögen käme ich alleine zurecht. Aber das alles war nur aufgesetzt, um meine Behinderung zu kaschieren.
Mein Mann sah das alles und liebte mich so. Und das fehlt mir nun... nicht nur er.
Ich bin so allein, wie ich es noch nie war.
LG Luise