Posts by Schatzale

    Wisst Ihr, was ich gestern getan habe? Ich habe Andi angerufen und ihm aufs Handy gesprochen wie sehr ich ihn liebe und vermisse! Doof nicht? Als könne er im Jenseits sein Handy abhören! Aber es hat gutgetan. Ok ich habe nicht gesprochen sondern hineingeheult!


    Verwirrte Grüße

    Petra

    Liebe Birgit und natürlich auch Fine - soviel Zeit muss sein,


    das kann ich gut verstehen, dass er für Dich alles war, Seelentröster, bester Freund, Kamerad, Seelenverwandter, Lebensmensch und das macht es so unerträglich. Die Frage nach dem "wie soll es nur weitergehen ohne ihn" füllt den ganzen Tag. Vielleicht finden wir beide wieder das kleine Lächeln, dass du Dir so wünscht und der Schmerz verändert sich.

    Liebe Sora, ich habe Deine Geschichte gelesen und bin tief bestürzt. Dein Freund war noch so jung und hätte das Leben noch vor sich gehabt. Ich kann verstehen, dass du auf das Schicksal wütend bist. Andi durfte 52 Jahre alt werden und er hat sich, speziell in den letzten Jahren, alles gegönnt wonach ihm war. Er war der Typ der nie gesagt hat: das machen wir dann mal später oder das kaufe ich mir später, er hats einfach getan und dadurch ein intensives Leben leben dürfen.

    Bei Euch ist das anders und das tut mir von Herzen leid. Ich weiß, dass es immer Geschichten geben wird, die weitaus "schlimme" sind als die eigene, aber wie du selbst weißt, Schmerz ist Schmerz, ob es junge Menschen oder ältere trifft.


    Danke auch für deine verständnisvollen Worte über unsere Sprachlosigkeit, da hast Du vollkommen recht - er wollte mich so sehr beschützen und vom Leid ablenken.


    Liebe Grüße

    Petra

    @ wagi ich bin bestürzt, wie du dein jetziges Leben beschreibst, du "schleppst" Dich durchs Leben, das klingt sehr traurig und ich möchte Dich gerne trösten, bin aber noch selbst in meinem Leid verstrickt.


    @ schatzi diese kleinen "normalen Momente" kenne ich. Das passiert mir sogar mit meinen 3 Wochen hie und da mal und ich hoffe, dass ich nach 5-6 Monaten auch so weit wie du bin. Da du auch neu im Forum bist, lass uns halt nicht aus den Augen verlieren.


    @ tereschkowa danke für deine lieben Willkommensworte, Beileid wollte ich wirklich nicht, aber drücken lass ich mich gerne und freue mich sehr über deine Antwort.

    Ich danke Euch für Eure lieben Worte. Ich weiß ja, dass ihr das alle auch erlebt habt, aber man denkt, "mein Fall ist aber doch ganz anders" . Aber Trauer ist Trauer, egal wie die Story davor war.


    @ Josh, ich habe mir deine Geschichte durchgelesen, ja genau wie bei uns, diese naive, kindliche Verhalten war am Anfang schrecklich, dann hab ich mich daran gewöhnt, aber jetzt im Nachhinein schmerzt es, was aus diesen stolzen Mann geworden ist.


    @ Stille Perle ihr habt 1,5 Jahre gekämpft um wieder dahin zu kommen, wo ihr jetzt steht. Bei mir sind es 3 Wochen und ich kann den Gedanken nicht ertragen, dass es so lange schmerzt... wie hält man Sehnsucht und Wut durch?


    @ Nelson Deine Frau hat genau das getan, was ich so gerne von Andi gehört hätte, dich gebeten weiter zu machen. Mit diesem "Auftrag" könnte ich besser leben, als diese 1000 unausgesprochenen Worte, die mit einem Glioblastom scheinbar nicht gehen! Deine Frau hat dich eindeutig gebeten, am Leben weiter teilzunehmen - bitte tu es!


    @ Adi - das mag ich mir alles nicht vorstellen, das muss ganz furchtbar gewesen sein, keine Möglichkeit des Abschieds - ich drücke dich ganz fest und schäme mich fast wegen meiner "Weinerlichkeit", was must Du alles durchgemacht haben....

    Hallo Ihr Lieben,


    ich bin Petra aus Wien, 56 Jahre alt und auch ich habe einen schweren Verlust erlitten. Hier ist meine Geschichte:


    Ich lernte Andi sehr spät kennen, ich war 39 und hatte zwar davor immer wieder kurze Beziehungen, aber der Mann fürs Leben war nicht darunter! Dieser wunderbare Mensch hat mich im Sturm erobert, mit Charme, Hartnäckigkeit und seiner fröhlichen Art. Er war mein 2. Teil, mein bester Freund und Lebensmensch! Nach 10 Jahren heirateten wir und wir waren unglaublich glücklich. Beide hatten wir keine Kinder und entschieden uns aus "Altersgründen" bzw-, Arbeitsgründen. So hatten wir also uns und das war uns beiden genug.


    An meinem Geburtstag im September des Vorjahres erlitt Andreas einen epileptischen Anfall, der fast 2 Stunden dauerte. Da wir zu der Zeit in unserem Wochenendhaus waren, kam er in ein kleines Landspital. Er war über diesen Anfall so fassungslos und konnte sich das alles nicht erklären. In diesem kleinen Krankenhaus glaubte man an eine Encephalitis und behandelte ihn mit Cortison. 2 Wochen später wurde er entlassen ohne das es eine wirkliche Diagnose gab. 2 Wochen später der zweite Anfall, mein Mann rief noch selbst die Rettung und kam wieder in das Landspital. Wieder keine klare Diagnose. Irgendwann war es mir zu dumm und ich überredete Andreas sich endlich in ein großes Wiener Spital zu begeben. Im Dezember wurde eine Biopsie gemacht und da kam die ganze schreckliche Wahrheit zu Tage. Gehirntumor - Glioblastom IV, nicht operabel und unheilbar. Es folgte das Übliche, Chemo und später sollte noch bestrahlt werden.


    Kurz hat Andi mal seine Erkrankung im Internet gegoogelt, aber dann vollkommen ignoriert. Er wollte es nicht wahrhaben und glaubte an Heilung. Der Tumor saß am Kurzzeitgedächtnis, was sich später als Gnade erweisen sollte. Wir haben alles versucht, dass heißt ich habe organisiert und Andi ist halt mitgegangen. Im Frühjahr ging er noch hin und wieder arbeiten, aber es strengte ihn sehr an und er fand plötzlich nicht mehr heim. Von da an ging er nicht mehr ohne Begleitung außer Haus.


    Im Mai einen Tag nach seinem Geburtstag war das Kurzzeitgedächtnis fast verloren. Er konnte sich nicht mal daran erinnern, dass er am Vortag Geburtstag hatte. Er konnte nicht mehr schlafen, hatte starken Harndrang und hatte Atemprobleme . Nachdem ich wochenlang 4 bis 5 mal nachts mit ihm zum WC ging, ihm die Harnflasche anlegte oder ihm aufs Zimmerklo half, konnte ich nicht mehr, ich bin ja noch immer berufstätig. Ich konnte ihn für ein paar Tage in einer Palliativstation unterbringen und daheim alles für eine 24 Stunden Betreuung vorbereiten. Das Esszimmer wurde zum Krankenzimmer er konnte von dort aus die ganze Wohnung überblicken, war im Mittelpunkt wenn er wollte. Er kam am 17 Mai heim und war überglücklich wieder daheim zu sein. Er fand sich auch mit dem "seinem neuen Zimmer" ab und auch seinen Pfleger fand er cool. "Hey" sagte er, "wir haben jetzt eine WG".


    Es ging sehr schnell bergab, bereits Ende Mai konnte er kaum noch gehen und ich zog ein Palliativteam an unsere Seite. Die letzten Wochen saß ich stundenlang an seinem Bett, sah in immer mehr verfallen und wusste, dass es nicht mehr lange gehen würde. Das schlimmste ist aber, wir konnten darüber nie sprechen, er hat es doch so negiert und wollte es nicht wahrhaben, wie sollte ich denn fragen, ob er Angst habe oder wie sollte ich nach ganz profanen Sachen fragen, wie: wo sind eigentlich deine Dokumente - für den Notfall. Ich konnte es einfach nicht und er - er konnte es wirklich nicht mehr. Er hätte es nicht mehr gewusst. Einem Freund hat er am Anfang seiner Krankheit sein Herz ausgeschüttet und geweint. Er mache sich so große Sorgen um mich und möchte mich nicht belasten. Der Freund riet ihm: "sprich bitte mit ihr" Aber er hat es nicht und ich wusste nicht, wie ich das Thema Tod ansprechen sollte. Wie gerne hätte ich mit ihm geweint, um uns, um unsere Zukunft, über diese Hoffnungslosigkeit: Er wollte mich aber nicht mit diesen Szenarien belasten.


    Die letzten 5 Tage hat er nur noch geschlafen und ich konnte nur daneben sitzen und auf seinen Tod warten. Er hatte nie Schmerzen und auch sofort vergessen, welche tödliche Erkrankung er hatte, das war das Gnädige daran. Am 2. Juli um 4 Uhr in der früh ist er mit knapp 53 Jahren eingeschlafen. Ich war fassungslos, ich wusste doch dass es soweit kommen würde, aber ich war auf den Tod trotzdem nicht vorbereitet.


    Das ist nun auf den Tag genau 3 Wochen her und ich befinde mich in einem seelischen Vakuum. Er kommt nie wieder bei der Türe herein, er wird nie mehr "mein Schatzale" zu mir sagen, ich werde seine Wärme nicht mehr bekommen, seine Umarmung nicht mehr spüren und seinen Geruch verlieren. Es tut so unglaublich weh. Mein Lebensmensch, er ist nicht mehr. Es ist so unbegreiflich und so traurig. Er fehlt mir so! Ach, wem sag ich das, ihr kennt das ja alle!


    Wie wird es weitergehen, wie kann man nach so einem Schicksalsschlag weitermachen? Ich bekomme die Bilder der letzten Stunden und Tage nicht aus meinem Kopf, nicht weil sie so fruchtbar waren, sondern er so klein und hilflos - mein starker selbstbewusster Mann als Pflegefall. Diese Bilder schmerzen und die Lücke die er hinterlässt für mich unüberbrückbar. Dieser sch….. Krebs hat mir mein Liebstes genommen und ich muss jetzt mein Leben ungewollt alleine leben. Ich hatte so gehofft, dass er mir noch irgendwo letzte Zeilen geschrieben hätte und als sein Freund sagte, er hätte was für mich, wo Andi gebeten habe, es mir erst nach seinem Tod zu geben, da dachte ich, er hat mir etwas hinterlassen, w as ganz Persönliches, aber es war nur eine Excel-Tabelle mit Kontonummern und Polizzen - keine einzige persönliche Zeile. Da bin ich zusammengebrochen, ich hätte so sehr seine Hilfe gebraucht. Einen Satz nur, wie z.B. "Bitte lebe dein Leben, du schaffst das schon, sei nicht zu lange traurig, mach in meinem Sinne weiter" Aber da war nix, gaar nix ur zAHLEN UND Daten: Freunde sagen, als er es noch konnte, hat er seinen Tod nicht für möglich gehalten und als er es wusste, da konnte er nicht mehr schreiben. Das macht mir so zu schaffen, es wäre für mich leichter gewesen, das alles zu ertragen:


    An manchen Tagen geht es und an anderen heule ich mir die Augen aus dem Kopf. Da ich arbeiten gehen muss, muss ich mich zusammen nehmen und das geht in der Firma ganz gut, weil das ja immer Andifreie Zone war, aber das nach Hause kommen, dass ist furchtbar. Oft gehe ich nochmals um den Häuserblock, nur um nicht in die Wohnung gehen zu müssen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Schmerz je anders wird. Wie soll das nur weitergehen? Ich bin zur Zeit so unglücklich.


    Bitte bitte wünscht mir jetzt kein Beileid, das ertrage ich grad nicht. Sagt mir lieber, wie ihr das alles schafft


    Traurige Grüße

    Eure Petra