Posts by Markiin

    Hallo Bine, hallo Meike,


    als ich gestern Morgen zur Arztpraxis lief, war es neblig. Da habe ich mir auch gedacht, der Nebel ist wie die Trauer. Er versperrt uns den Blick auf den Horizont wie uns die Trauer den Blick für die Zukunft verhüllt.


    "... die Hand fasst ins Leere."


    Ich weine mit euch.


    LG

    Markiin

    Liebe Tereschkowa,


    ich versteh dich!


    Wir fühlen uns nicht mehr ganz. Wir haben ja auch eine Hälfte von uns verloren.

    Wir fühlen uns verwundet, verletzt. Diese Trennung von unserer Hälfte ist wohl die größte und schmerzhafteste Wunde, die es gibt.


    Dieses Mängelwesen leidet also an empathieloser Interessenlosigkeit? Ich meine, du bist zu hart zu dir. Zu dir und diesem neuen Wesen.


    Empathie kostet sehr viel Kraft. Hast du Kraft dafür?

    Empathie kann auch weh tun, schmerzhaft sein. Kannst du gerade noch mehr Schmerz ertragen?

    Sind wir nicht dennoch viel sensibler seit unserem Verlust?


    Und die Interessen? Alles was einmal wichtig war, wurde uns unwichtig. Vieles hat seinen Sinn ohne unseren Partner verloren.

    Die meisten von uns sehen nicht mal mehr einen Lebenssinn, fragen sich "Wozu das Ganze?". Warum darf es dir nicht aus so ergehen?


    Doch was erzähle ich dir das? Du weißt das alles bestimmt auch. Aber manchmal muss uns jemand daran erinnern, dass es auch auf uns selbst zutrifft.


    Den Rest schreibe ich dir als Konversation.


    Lieben Gruß

    Markiin

    Lieber Dieter,


    danke für deine Anteilnahme. Aber sorry, mein Verlust ist auch nur 3 Wochen länger her als deiner! Warum soll oder muss ich dann schon in der Lage sein, wieder nach vorne sehen zu können? Nur weil ich ein paar Jahre jünger bin, muss ich schneller wieder perfekt funktionieren? Ich trauere, wie und so lange es mir gut tut. Punkt.


    Seit Weihnachten mache ich "Urlaub". Liege lange im Bett und mach, was mir Spaß macht. Pflichten erfülle ich nur, wenn sie gerade dringend sind oder ich Lust darauf habe. Jetzt in der dritten Woche merke ich, dass ich mich wieder besser konzentrieren kann und ich mich auch nicht mehr so tief erschöpft fühle. Immerhin hatte ich seit Juli keinen freien Tag mehr. Unser Sommerurlaub ist ja ausgefallen, weil dann gleich die äußerst aggressive Krebserkrankung meines Mannes alle Zeit vereinnahmt hat.


    Entschuldigt bitte, wenn ich nicht so auf Kuschelkurs bin, wie andere hier. Dennoch tut es mir gut, hier zu schreiben. Ich hoffe, ich bin irgendwann auch in der Lage, tröstende Worte zu finden. Im Moment fällt mir das sehr schwer.


    Heute Abend werde ich mein neues Trauerbuch zu lesen beginnen, wo die körperlichen und seelischen Zusammenhänge medizinisch erklärt werden. Sowas hilft mir persönlich immer sehr, weil ich mich und manche Reaktion dann besser verstehe. Darauf freue ich mich schon.


    Kommt alle gut durch Nacht! ♥

    Vielen lieben Dank, Matthias und Bine.


    Dieser Vorfall mit dem Betonblatt war einfach nur der offensichtlichste, weil seine Eltern dabei waren und es auch für sie erstaunlich war...

    Mich würde es sehr beruhigen, wenn mich mein Mann die nächste Zeit noch etwas begleitet, mit mir umzieht. Hauptsache er wäre da und würde mir Gesellschaft leisten, mir ein kleinwenig durch Zeichen beistehen...

    Genau jetzt in diesem Augenblick, bin ich im Zentrum einer Trauerwelle, die mich den Verlust, die Sehnsucht und die Angst vor der Zukunft sehr deulich spüren lässt. Werde mich gleich in mein kuscheliges Bett begeben und mich wieder in den Schlaf weinen.


    Kommt alle gut durch die Nacht! ♥

    Liebe Bine, vielen Dank für deine lieben Worte. :24:

    Hier lese ich oft über Zeichen. Und obwohl die meisten Leute hier neutral bis positiv darauf reagieren, habe ich mich bisher nicht getraut, meine Erlebnisse zu berichten.


    Ein sehr deutliches Zeichen hatte ich ungefähr eine Woche nach der Beerdigung. Gemeinsam mit meinen Schwiegereltern haben wir den Grabhügel eingeebnet und mit Tannenzweigen abgedeckt. Die Grabgestecke und Schalen wieder ordentlich hingestellt.


    Eine Bekannte meiner Schwiegereltern hatte aus Gießbeton ein großes Blatt gebastelt und eine rote Plastikrose darauf angeklebt. Das ärgerte mich. In meiner Heimat guckt man auf den Blumencode, und da sind rote Rosen den Ehepartnern und den engsten Familienangehörigen vorbehalten.


    Meine Schwiegereltern hatten Verständnis, waren auch der Meinung, dass das Stück auch recht kitschig wäre und bei Gelegenheit halt weggeworfen wird. Aber noch nicht sofort, um die Bekannte nicht zu verärgern. Also stellte ich das Blatt vorsichtig in den mosigen Rasen. Kaum hatte das Blatt (gut 2 cm dicken Beton!) den Boden berührt, zerbrach es in der Mitte! Ich musste lachen und meinte: "Es ist zerbrochen. Scheinbar hat es meinem Schnuffi auch nicht gefallen." Meine Schwiegermutter brauchte einen Moment bis sie begriff, dass ich keinen Scherz machte und das Blatt wirklich zerbrochen war. Obwohl sie mir zusah, wie ich das Blatt auf den Rasen legte. Nun konnten wir es ohne schlechtes Gewissen wegwerfen.

    Lieber Dieter,


    mein tiefempfundenes Beleid zu deinem tragischen Verlust.


    Es gab niemanden, der euch, der deiner Frau helfen konnte. Man selbst ist da, und kann nicht mehr tun als einfach nur da zu sein und die Hand zu halten, vielleicht die Wange streicheln. Das ist so bitter, so unsagbar traurig.


    Ich weine mit dir. Fühle mich gerade sehr an unsere letzten Stunden erinnert.


    Liebe Grüße

    Markiin

    Vielen lieben Dank, Isabel und Helga.


    Die Trauerwellen sind mir bereits ein Begriff. Es ist halt eigentlich eine Reaktion innerhalb einer solchen Welle. Aber wenn es keine negativen Auswirkungen hat, ist es eigentlich auch egal.


    Mich treibt der notwendige Umzug gerade tierisch um. Habe auch schon begonnen, Umzugskartons zu packen. Aber ich muss schneller werden. Kann mir eigentlich nicht die Zeit nehmen, jeden Trauertrigger ausgiebig zu beweinen, was ja sinnvoll wäre. Jetzt habe ich mal Speditionen angefrag, da ich eh Möbel einlagern möchte.


    Vorhin hatte ich dann auch noch einen Karton mit alten Schul- und Studienunterlagen meines Mannes. Ich war nur am heulen... und jetzt bin ich fix und fertig.


    Kommt alle gut durch die Nacht.

    LG Markiin

    Lieber Matthias, liebe Tereschkowa,


    falls ich eine Grenze mit der Frage überschritten habe, tut es mir leid! Ich wollte niemanden auf die Füße steigen, sondern es verstehen. Daher habe ich ausdrücklich davon geschrieben, dass das MEINE Wahrnehmung ist.


    "Woran denkst Du, wenn Du Dir vornimmst NICHT an blaue Elefanten zu denken?" ... Genau.

    Mir helfen dabei Stopp- und Loslassgedanken aus der Depressionstherapie. Das praktiziere ich nun seit 4 Jahren und inzwischen klappt das richtig gut.


    Eigentlich hätte ich noch eine Frage dazu gehabt, aber die verkneife ich mir lieber, bevor sie wieder als grenzverletzend angesehen werden kann.


    Viele Grüße

    Markiin

    Liebe Helga, ja, das von der Seele schreiben hilft wirklich.


    Und auch das Lesen der anderen Beiträge. Ich weiß nicht warum wir Menschen so ticken, dass uns das Leid der anderen uns unser eigenes Leid leichter ertragen lässt. (Ich bemühe absichtlich nicht das Sprichwort, weil ich nicht unterschreiben möchte, ob es wirklich ein halbes Leid ist.)


    Heute war ich lange spazieren. Die Sonne schien so schön. Das habe ich wirklich sehr lange nicht mehr gemacht. Und anschließend bin ich auch mal wieder einem Hobby nach gegangen. Auch wenn es mich immer sehr schmerzt, weil wir es gemeinsam gemacht hatten.


    Wisst ihr, was ich nicht so ganz verstehe? Warum fühle ich mich manchmal, als müsste ich eigentlich am Boden liegen und vor Schmerzen schreien, aber ich stehe da und weine nicht einmal. Habe ich vielleicht Angst, mich in der Trauer zu verlieren? Geht sowas überhaupt?


    Also ich nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht. Ich weine viel und laut. Aber manchmal gibt es auch diese Momente, in denen ich mich über mich wundere.


    Liebe Grüße

    Markiin

    Lieber Matthias,


    auch ich habe das tote Gesicht meines Mannes gesehen. Denn obwohl er im Bett "eingeschlafen" ist, war es kein besonders schöner Anblick. Aber ich rufe mir diesen Anblick nicht jeden Tag auf's neue ins Bewusstsein. Da denke ich lieber an sein lächelndes Gesicht oder wie er mich immer liebevoll angesehen hat.


    Warum denkst du so intensiv an ihr totes Gesicht?


    Es fühlt sich für mich so an, als wolltest du dir deine Seele an den "Scherben" extra blutig schneiden, als Buse oder vielleicht weil du glaubst, es nicht anders verdient zu haben? Aber das ist nur meine Wahrnehmung.


    Lieben Gruß

    Markiin


    PS: Ich schreibe hier, obwohl du das in zwei anderen Threads mit den Bildern geschrieben hast.

    Liebe Bine, liebe Maike,


    erst gerade eben hatte ich wieder so ein Gefühl der Hilflosigkeit und Überforderung. Bei mir sind es eher so allgemeine Dinge, die mich gerade sprüren lassen, dass ich meinen Schnuffi nicht an meiner Seite habe. Bereits vor seiner Krankheit, war ich schnell überfordert (Habe/hatte vermutlich ein berufsbedingtes chronisches Erschöpfungssyndrom) und er hat mir dann geholfen. Jetzt muss ich das alles ganz alleine erledigen.


    Eben war es: Zählerstände ablesen und melden. Habe ich mich nicht verlesen oder vertippt, habe ich alles richtig übertragen? Keiner da, der noch einen Blick darauf wirft.


    Ich weine mit euch.


    LG

    Markiin

    In vielen eurer Beiträge erkenne ich unsere Geschichte wieder.

    • Auch mein Mann wollte nicht gehen, sorgte sich, was aus mir alleine werden wird. Das zerbrach mir immer das Herz, wenn er das sagte.
    • Auch er war der bessere Verdiener, und es war sofort klar, dass ich das gemietete Haus alleine nicht behalten kann. (Kämpfe gerade damit, mir trotz innerer imenser Widerstände eine Wohnung zu suchen. Verzweifle fast, weil mein Budget inzwischen gefühlt nur noch für einen Schuhkarton reicht. Aber ich kann meinen Hausstand noch nicht verkleinern, möchte alles mitnehmen; notfalls einlagern.)
    • Auch wir hatten Pläne. Er hatte noch studiert, wir konnten uns lange nicht viel leisten. Am 1.11. wäre er nun zwei Jahre bei seiner Firma als Softwareentwickler gewesen und hätte eine gute Gehaltserhöhung bekommen. Nächstes Jahr wäre er dann außertariflich bezahlt worden. Wir wollten uns ein Haus zulegen und endlich mal in den Urlaub fahren.
    • Auch wir wollten gemeinsam alt werden. Dazu fällt mir eine Begebenheit ein, die das unterstreicht, aber gleichzeitig erschütternd ist: Als wir letztes Jahr hier gerade eingezogen waren, meinte mein Mann im Juli flapsig zu Freunden, dass der nächste Umzug zum Friedhof stattfinden wird. (Solche Sprüche machten mir nie was aus. Ich bin nicht abergläubisch, aber mir fuhr dieser Spruch damals regelrecht durch Mark und Bein und ich schimpfte mit ihm, dass man sowas nicht sagt. Während des Jahres in dem Haus haben, wir dann gemerkt, dass wir ein eigenes wollen.)

    Besonders betroffen hat mich gestern die Geschichte von Kohlrabenschwarz gemacht! Ich hatte immer Horrorvisionen davon, dass ich mal vom Einkaufen zurückkommen und meinen Mann in seinem Blut finden werde ... und du, liebe Bine, musstest das auch noch erleben! Wir grausam und brutal ist das denn? ;(


    Ist es denn normal, dass ich mich sehr oft immer noch wie ein sehr schwer verletztes Tier fühle, dass unter Schock steht? Immer wenn ich mir voll bewusst werde, wie grausam uns das Leben mitgespielt hat und wie endgültig mein Verlust in allen Bereichen ist, der Schmerz darüber nicht mehr auszuhalten ist. Schock.

    Dann schleppe ich mich ins Bett und weine.


    Dabei empfand ich keinen Schock, als mein Mann eingeschlafen ist. Die Erleichterung darüber, dass er nicht mehr weiterleiden muss, hat das wohl alles überlagert. Dieses Gefühl konnte ich einige Tage aufrecht halten.


    Auch wenn ich einkaufen muss, merke ich, dass ich in einen Schockzustand gerate. Aber unter Menschen weine ich nicht wirklich, merke nur, dass meine Atmung flach wird bis ich fast hyperventiliere. Durchatmen! Aber dann fangen meine Beine an, weich zu werden, mir wird schlecht. Ich muss hier raus!


    Zuerst dachte ich, es liegt an "unserem" Supermarkt. Also habe ich einen anderen besucht, der erst ganz neu in der Nähe eröffnet hat. Doch auch da bekam ich einen "Anfall". Es liegt wohl daran, dass das Einkaufen während seiner Krankheit so schwierig war. Mein Schnuffi konnte nicht mehr alles essen, auch von den Mengen her, hatte Geschmacksveränderungen, sodass ihm vieles gar nicht mehr schmeckte. Es war so schwer, etwas zu finden, wovon er etwas hatte. (Jetzt denkt bitte nicht, dass er rumgenörgelt hätte! Er hat es mir ganz lieb gesagt, sich dabei entschuldigt. Oft war er den Tränen nahe, hat aber versucht, es vor mir zu verbergen.)


    So, das ist erstmal wieder genug und mehr als ich gedacht hatte. Bin schon wieder müde. Hier scheint die Sonne, das hilft mir.


    Kommt alle gute durch den Tag! :24:

    Hallo zusammen,


    in den letzten Stunden, habe ich hier schon über einige Schicksale gelesen. Bevor ich heute anfing hier zu lesen, ging es mir richtig schlecht, musste ständig weinen und dachte schon, nun wirklich gar keine Kraft mehr zu haben. Wollte eigentlich nur noch im Bett bleiben, und meine Ruhe haben. Inzwischen, obwohl die Geschichten alle sehr traurig sind und mich auch sehr bewegt haben, habe ich eine Ruhe in mir, wie ich sie schon lange nicht mehr spüren konnte.


    Aber eigentlich bin ich hier, weil heute "unser Tag" ist, und ich es mir von der Seele schreiben wollte, bevor mich der Schmerz wieder vereinnahmt.


    Weihnachten war immer von seiner Familie, hauptsächlich von seiner Oma, die ausgerechnet am 24.12. Geburtstag hat, reserviert. Das war uns eigentlich immer viel zu turbulent. Daher haben wir Sylvester zu unserem Tag gemacht und fast immer zu zweit verbracht. Haben Raclette nach Schweizer Art gegessen, und dann nur das gemacht, worauf wir Lust hatten. Es war zwar Sylvester, aber wir mochten selbst keine Raketen abschießen oder Böller zünden.


    Noch 20 Minuten bis zum Feuerwerk. Vermutlich werde ich mir da die Augen wieder ausweinen, wie jeden Tag in den letzten Wochen.


    Morgen früh um 9:45 Uhr werden es fünf Wochen sein, dass mein geliebter Mann mit gerade mal 31 Jahren einschlafen durfte. Im August wurde bei ihm ein sehr aggressiver Mischkrebs an Leber und den Gallenwegen festgestellt. Leider war da bereits alles zu spät. Eine geplante Chemo konnten wir nicht beginnen, weil die Leberwerte zu schlecht wurden. Dann wurde noch eine Immuntherapie versucht, die uns viel Hoffnung gegeben hat, denn wenn sie anschlägt, ist selbst eine Heilung nicht unmöglich. Und die erste Infussion hat auch gut angeschlagen, aber auf die 2. und 3. hat mein Mann leider sofort allergisch reagiert. Die Behandlung wurde dann abgegebrochen. "Nur wenige Wochen bis Monate..."


    Die letzten drei Wochen seines Lebens verbrachten wir gemeinsam auf der Palliativstation. Tag und Nacht war ich für ihn da. Es war brutal, aber sehr intensiv. Ich konnte ihm noch ein paar schöne Momente bereiten. Seinen Rücken massieren, wenn seine Haut durch das Bilirubin zu jucken begann. Seine Füße massieren, die von Wassereinlagerungen aufgeschwollen waren. Einfach für ihn dasein, wenn er etwas brauchte.


    Gerade merke ich, dass ich nicht mehr weitererzählen kann, es auf später verschieben muss.


    Liebe Grüße

    Markiin

    Liebe Bine,


    ich weine wieder mit dir. Hier hat es aber leider keine Privaten Nachrichten...


    Bin gerade auch dabei, meine Geschichte aufzuschreiben. Aber schon seit Stunden und so langsam glaube ich, dass ich es in diesem Jahr nicht mehr gebacken bekomme. Heute bin ich mit den Worten irgendwie sehr wählersich. Keine Ahnung.


    Fühl dich gedrückt!

    Markiin