Beiträge von Sabiene

    Liebe Steffi, liebe RalfsHeidemarie,

    da haben wir heute Abend die gleichen Gedanken gehabt!

    Ja, die Liebe bleibt und sie ist stärker als der Tod. Das hat unsere christliche Tradition ja schon immer gesagt, aber ich glaube ich habe es erst jetzt so richtig begriffen.

    Auch bei uns war es übrigens so, dass wir den Hochzeitstag selten richtig gefeiert haben. Und doch hatte ich dieses Jahr den ganz starken Impuls, ihn zu einem besonderen Tag zu machen, und ich denke ich werde das auch in Zukunft tun. Es wird ja immer ein guter Tag bleiben, um mich in Dankbarkeit an unsere lange glückliche Zeit miteinander und als Familie zu erinnern. Der Schmerz gehört ab jetzt zu diesem Tag dazu, aber ich hoffe er wird mit jedem Jahr erträglicher.

    Alles Liebe

    Sabiene

    Liebe Andrea, Bettina, Tamara, Babajaga, Steffi, Isabel, Amelie, Birgit und Kerstin, lieber Frank,

    ich danke euch sehr für euer Willkommen, eure lieben Worte und Umarmungen. Man fühlt sich gleich weniger allein. Ich bin froh, dass ich mich getraut habe, hier zu schreiben. Leicht ist es mir nicht gefallen, ich hatte so etwas vorher noch nie getan, bin auch nicht in sozialen Netzwerken aktiv. Es gibt so vieles, das ich nun zum ersten Mal mache bzw. machen muss....

    Ja, es zieht einem den Boden unter den Füßen weg, das trifft es ziemlich gut. Dass da der Mensch, mit dem man die letzten fast 38 Jahre zusammen verbracht hat und mit dem man am allermeisten vertraut war, von einem Augenblick auf den nächsten nicht mehr da ist, es lässt mich immer noch erschaudern. Irgendwie wusste ich es ja schon immer, dass solche Dinge geschehen können, war deshalb auch oft in Angst bzw. habe mir Abschiede damit noch schwerer gemacht, dass ich immer im HInterkopf hatte, es könnte ja für immer sein. Aber es jetzt wirklich zu erleben ist doch noch einmal etwas ganz anderes.

    Vorgestern musste ich unseren 35. Hochzeitstag alleine "begehen". Ich war auf dem Friedhof, ich habe mir unser Hochzeitsfotoalbum angeschaut (Mein Gott, wie viele Menschen schon nicht mehr hier sind!), dann noch andere Fotoalben, und ich habe mir einmal mehr die Videoaufzeichnung von der Trauerfeier angesehen. Ich denke es war gut so, wie ich es gemacht habe. Neben dem Schmerz konnte ich auch ganz viel Liebe und Dankbarkeit spüren. Wir hatten viele glückliche Jahre zusammen und wir haben zwei wunderbare Söhne bekommen, die mich jetzt auch sehr unterstützen. Ein bisschen Stolz war auch mit dabei: wir haben es geschafft und unser Eheversprechen durchgehalten bis zum (irdischen) Ende. Und dann der irgendwie tröstliche Gedanke, dass ihm in seinem Leben das erspart geblieben ist, was ich jetzt erleben muss.

    Ich grüße euch alle ganz lieb! Danke dass ihr mir "zuhört"!

    Sabiene

    Ihr Lieben alle,

    jetzt lese ich schon seit einiger Zeit immer mal wieder bei euch mit und denke, es ist an der Zeit, mich euch auch mal vorzustellen. Ich bin Sabine, mittlerweile 58 Jahre alt, und mein Mann Ralf ist am 26. Januar ganz plötzlich an einem Herzinfarkt verstorben, 6 Wochen vor seinem 65. Geburtstag. Er war sein ganzes Leben lang gesund, sportlich und lebenslustig gewesen, außer einer familiären Disposition gab es keinerlei Risikofaktoren. Und doch kann so etwas geschehen...

    Alle sagen, dass ich sehr gefasst mit der Situation umgehe, und wahrscheinlich stimmt das auch. Wenn ich auf die letzten Jahre zurückblicke, dann sehe ich ganz deutlich, wie das Leben mich auf die jetzige Situation vorbereitet hat. Meine Kopfschmerzerkrankung (Migräne und chron. Spannungskopfschmerz) hatte sich vor einigen Jahren deutlich verschlimmert, hinzu kam eine Angsterkrankung. Weil meine Kontakte nach außen so stark eingeschränkt waren und um mich möglichst gut selbst zu therapieren, habe ich mich mit vielen Themen beschäftigt, u.a. Psychologie, insbesondere auch im buddhistischen Kontext, psychotherapeutischen Methoden, aber auch alles rund um Sterben, Tod und was danach kommen könnte. Und was soll ich sagen, vieles davon hilft mir jetzt ganz unglaublich. Ich glaube mittlerweile ziemlich fest daran, dass es diese geistige Welt gibt, in die unsere Seele nach einem Erdenleben zurückkehrt, und dass es gut sein wird, wieder dort zu sein. Das nimmt den Schmerz und die Traurigkeit natürlich nicht weg, denn dieses Leben, das wir hier gemeinsam hatten, das schön war und für das wir noch so viel vorhatten, ist ja unwiederbringlich vorbei. Meistens schaffe ich es aber, neben diesem Schmerz und dieser Traurigkeit auch noch Positives wahrzunehmen und auch zu spüren, und meistens ist der Schmerz begleitet von der akzeptierenden Einsicht: Ja, so ist das Leben, dass es uns solche Erfahrungen zumutet.

    Leider ist durch die intensiven Gefühle einerseits und die vielen neuen Anforderungen meine Migräne derzeit noch mal häufiger geworden, so dass ich außerhalb der engeren Familie fast keine Kontakte mehr pflegen kann, weder durch Treffen noch durch Telefonate. Und gerade die Migräne verstärkt auch wieder Gefühle von Angst, Verzweiflung, Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit. Was mir dann noch hilft? Ich versuche, den Blick zu weiten und sage mir: Es gibt so viel Schmerz in der Welt, und jetzt bin eben mal ich dran und trage meinen Teil davon...

    Ich weiß noch nicht, wie aktiv ich hier in diesem Forum sein werde, denn das Schreiben geht bei mir nur in guten und kopfschmerzarmen Augenblicken. Aber zum einen denke ich, es ist nur fair, hier nicht nur anonym mitzulesen, außerdem hilft das Schreiben ja auch dabei, die Gedanken zu sortieren. Und vielleicht ergibt sich ja doch an der einen oder anderen Stelle ein heilsamer Austausch. Ich habe schon mitbekommen, dass es auch in diesem Forum ab und zu Missverständnisse und Konflikte gibt. Wahrscheinlich kein Wunder, so verletzt und dünnhäutig wie wir nun einmal sind. Deshalb möchte ich schon vorab sagen, dass ich jede und jeden von euch voller Mitgefühl und Achtung ansehe. Wir haben alle Schlimmes erlebt und sehen uns vom Leben vor eine Aufgabe gestellt, die wir nie haben wollten und die wir doch angehen müssen, Schritt für Schritt. Mögen wir Frieden und Heilung finden!

    Herzliche Grüße,

    Sabiene