Habe meine Frau verloren.

      Habe meine Frau verloren.

      Hallo,

      Ich bin ganz neu hier und möchte mir einiges von der Seele schreiben.
      Auf den Tag genau vor 9 Monaten hab ich meine Frau verloren. Sie ist an Brustkrebs erkrankt
      und nach knapp 2 Jahren Therapie am 14.2.2016 verstorben. Die letzten 2 Monate
      waren auch mit sehr viel Leid und Schmerz verbunden. So gesehen war es für sie eine Erlösung.
      Für mich hat das Schlimmste erst danach begonnen. Ich hab meine Frau über alles geliebt.
      Wir waren Seelenverwandte - ich weiss, dass man die Beziehung im Nachhinein oft etwas glorifiziert.
      Bei uns war wirklich alles harmonisch. Wir haben vieles, ja fast alles gemeinsam unternommen.
      Das Loch, in das ich danach gefallen bin, und die Einsamkeit sind grausam. Manchmal kaum zu ertragen.

      Wie gesagt, mittlerweile sind 9 Monate vergangen, und es gibt Tage, wo es mit zumindest für ein paar Stunden besser geht.
      Es gibt aber auch Rückschläge (Allerheiligen,...), wo ich das Gefühl habe, mein Zustand wird nie besser.

      Ich möchte deshalb auch hier die Frage stellen, ob das "normal" ist, ob es je besser wird ?
      Viele Bekannte/Freunde sind oft ungeduldig und sind der Meinung, ich sollte es längst überwunden haben.
      Aber davon bin ich weit entfernt.

      Was mir besonders zusetzt, ist die Tatsache, dass der 14.2. auch mein Geburtstag ist.
      Damit werd ich wohl nie zurecht kommen.

      Vielen Dank schon im Voraus für Eure Anteilnahme.

      Liebe Grüsse, Christoph
      Lieber Christoph
      willkommen hier.Auch wenn der Anlass so traurig ist. Ich habe vor zwei Jahren meinen Partner nach jahrelanger schwerer Krankheit gehen lassen müssen.Ich schreib nicht verloren.Weil ich ihn nicht verloren habe.So empfinde ich es.
      Ich denke,jeder geht seinen Weg.Es gibt kein Richtig oder falsch.Grundsätzlich ist es so ,dass Trauer meist in Wellen verläuft und es nach einer Zeit auch wieder Stunden gibt,die besser sind.
      Aussen stehende haben oft keine Idee der Trauerphasen.Es ist oft auch schwer für Aussen stehende ,werden sie mit dem Tod konfrontiert.
      Wenn du hier schreibst und liest,siehst du,es geht allen ähnlich wie dir.
      Liebe Grüße von Monika
      Lieber Christoph,
      herzlich willkommen hier.
      Und ja, du bist vollkommen normal in deiner Trauer.
      Das Umfeld ist oft ungeduldig, weil sie die Trauer nicht selbst erleben UND weil sie den Trauernden gerne den Schmerz nehmen möchten.
      Ich würde der Umgebung nie Böswilligkeit unterstellen sondern vielmehr Hilflosigkeit, Ohnmacht und den Wunsch, dass es dir doch wieder gut gehen soll.
      Trauer braucht seine Zeit und ist immer unterschiedlich stark. So wie Monika schreibt "in Wellen"

      Ich wünsche dir, dass du dir hier deine Gefühle, deine Fragen, deine momentane Verfassung vom Herzen schreibst und du dich im Austausch mit den anderen als total normal empfinden kannst.

      Lg. Astrid.
      Noch ein Nachtrag: meine Frau ist knapp vor ihrem Tod 43 Jahre alt geworden. Wir waren 16 Jahre glücklich beisammen.

      Um das alles zu bewältigen, hab ich noch nicht wirklich ein Rezept gefunden.
      Ablenkung durch beruflichen Stress funktioniert noch am Besten. Für jede Art von Freizeitbeschäftigung hingegen
      muss ich mich extrem aufraffen.
      Habe immer sehr gerne Sport gemacht, das tu ich zwar weiterhin. Spass macht es jedoch noch immer keinen.

      Habe mir auch ein paar Bücher besorgt zum Thema Trauer: zb. Meine Trauer wird Dich finden (Roland Kachler).
      Tut gut und gleichzeitig auch weh beim Lesen ...

      liebe Grüsse, Christoph
      Hallo Astrid & Monika,
      Danke für Eure Antworten.

      Wenn das Umfeld so tut, als ob nichts gewesen wäre, fühlt man sich halt sehr im Stich gelassen.
      Ich weiss (mittlerweile), dass es aus niemand böse meint, obwohl man es eine Zeit lang so empfindet.
      Ist eher eine Unsicherheit - wie soll man sich verhalten ? Ich weiss auch nicht, wie ich mich umgekehrt verhalten hätte.

      Meine Erfahrung (aus vielen Gesprächen) ist: wirklich verstanden gefühlt habe ich mich nur, wenn ich mit Menschen gesprochen habe,
      die ein ähnliches Schicksal erlitten haben.

      liebe Grüsse, Christoph
      Das verstehe ich. Manchmal wird es für das Umfeld leichter, wenn du sagst, was du brauchst.

      Z.B. du musst mich nicht trösten - einfach nur zuhören würde mir schon gut tun.
      Oder ich möchte mich mal einfach ausheulen. Du musst gar nichts tun.

      Oft ist das Umfeld verleitet, dass sie unbedingt den Schmerz abnehmen wollen. Das kann niemand.

      Doch eine ehrliche Umarmung oder ein offenes Ohr wirken kleine Wunder.

      Vielleicht hast du die Kraft und den Mut, bei den Menschen die dir wichtig sind, so etwas einzufordern.
      Lieber Christop ,

      Dir auch von mir ein herzliches Willkommen , Bei mir ist alles noch ganz frisch , ich kann Dir leider deine Frage nicht beantworten ob es besser wird . Das , unser Umfeld das nicht nachvollziehen kann ist völlig normal man darf da auch nicht böse sein , ohne das man jemand das wünscht so ist es leider so das einen nur Menschen verstehen die soetwas erlebt haben . Das es an deinem Geburtstag geschehen ist , ist natürlich besonders Tragisch . Ich kann Dir sagen du bist hier gut aufgehoben denn dieses Forum ist etwas ganz besonderes .
      Ich wünsche Dir viel Kraft
      lg Petra :005: :005:
      Lieber Chris
      die Bücher vom Kachler hab ich auch gekauft.Andere kannte ich schon vorher durch meinen Beruf.
      Ich besuchte dann ein paar Mal Trauercafes .
      Ich habe damals das gemacht,was Astrid oben vorschlägt und meinen Verwandten Artikel aus dem internet ausgedruckt über Trauer.
      Gott sei Dank habe ich ein gutes berufliches Umfeld und ganz liebe Kollegen und Kolleginnen ,die auch fachlich das Wissen über Trauer haben.Vor 14 Tagen hab ich so geweint,und es war gleich eine Kollegin da zum Trösten.
      Und jetzt tröstet und fordert mich auch meine Fellnase.Sie brauchte mich und ich sie.
      Liebe Grüße
      Lieber Christoph!
      Als ich jetzt deine ersten Zeilen las ,glaubte ich habe sie geschrieben,
      dein Schreiben gleicht meinem Erlebten wie ein Zwilling.
      Ich verlor meine Frau auch nach 2 jahren an einer Krebserkrankung,und glaube zu wissen was in deinem Inneren für Tumulte sich abspielen,Seelenverwandte,einen Mind,und alles gemeinsam gemacht,so sah auch unser Leben aus .
      Lieber Christoph ich wünsche dir viel Kraft und las dir von niemanden vorschreiben wie weit du in deiner Trauer mit deiner Liebsten bist.
      Wenn du weinen ,schreien,wütend bist,ja das gehört dazu zum trauern,es ist ganz normal.
      und lieber Christoph die Annahme der Trauer, ist Rezeptfrei ausser du schreibst eines für dich ganz allein,den jeder von uns trauert anders,natürlich gibt es hier immer offene Ohren und Tipps wie ein jeder mit seiner Trauer umgegangen ist.
      mit grösstem Mtgefühl für dich und deinem schweren Verlusst deines Seelenverwanden,stärke zum Überstehen ,Gefühl zum Verstehen,und allee Zeit der Welt für Annahme uns Akzeptanz.
      lg Wolfgang :2:
      Lieber Wolfgang,
      Hab nun auch deine Geschichte gelesen. Ja, wir beide wissen genau, wovon wir reden.
      Im Unterschied zu dir (du hattest schon mehrere Schicksalsschläge) war bei mir immer alles ganz easy - heile Welt.
      Habe lange Zeit mein Leben als Single genossen bis ich auf meine Frau getroffen bin, die aus mir (bis dorthin überzeugter Single) einen Beziehungsmenschen gemacht hat.
      Unser Verhältnis wurde im Laufe der Jahre immer fester und intensiver - wir sind sprichwörtlich zusammengewachsen.
      Umso mehr tut das nun alles weh. Der Schmerz lässt nicht nach. Wir haben auch keine Kinder. Das Gefühl, ganz allein, nicht geliebt, nicht gebraucht zu sein, ist grausam.
      Familie und Freunde helfen ein wenig darüber hinweg - auch das Lesen/Schreiben hier in diesem Forum.
      Ich wünsch Dir auch viel Kraft. Deine KInder geben dir sicher auch viel Unterstützung und Halt. Da bin ich sicher.

      liebe Grüsse Christoph
      Hallo brother in mourning
      Christoph,ja Kinder können helfen ,aber sie müssen in erster Linie den Verlusst ihrer Mutter,so wie ich ,sich überhaupt erst mal erkennen,wahrhaben und schlussendlich irgentwann ,so wie ich, akzeptieren.
      Und lieber Christoph ,bei uns ist es jetzt 14 Monate her,wir sind noch auf einen langen Weg dorthin.
      Und glaube mir ,diesen Weg zu Dritt zu gehen,macht in nurbedingt leichter,die verantwortung ich könnte einen von ihnen,verlieren wiegt sehr schwer an mir,aber ich muss es auch akzeptieren,wenn einer von ihnen,auf dem Weg abbiegt um seinen Weg der Trauer für sich zu gehen.
      Seinen Weg zu finden hat jetzt für uns aller hier Priorität,jder weg der Trauer führt durch dunkle Täler und Wälder,doch bleib nicht stehn ,denn am Horizont oder auf dem Weg dorthin ,wird es wieder heller und lebendiger.
      Wir hier die dich auf diesem Weg ein Stück begleiten,wenn du es willst,gehen mit dir in die gleiche Richtung,doch ein jeder auf seinem Weg.
      EIGENTLICH AM WEG DES LEBNS,
      lg Wolfgang (Papabaer,Wolf of spirit) :2:
      Hallo, lieber <3 Christpoh! <3

      Ein herzliches Willkommen in unserem Forum. :)
      Meine mitfühlende Anteilnahme auf deinem neuen, so ungewohnten Lebensweg.
      Gerne reichen wir dir die Hände um ein Stück des Weges gemeinsam zu gehen, indem wir deine Beiträge lesen, dir aufmerksam zuhören um vielleicht einen kleine Hilfestellung zu geben.

      Viel Kraft und Zuversicht wünscht dir von ganzem Herzen,
      fühle dich ein kleinwenig beschützt in unserer Mitte. :30: :24:
      Anna90
      Lieber Christoph, fühle dich hier aufgenommen und gut aufgehoben :24: . Hier kann man seine Emotionen ausleben, hier ist es nicht so wie draussen , wo die Nichttrauernden den Ausmass unseres Verlustes und die daurch eingetretene Wesensveränderung nicht verstehen.

      Auch ich habe meinen Seelenverwandten verloren, vor 17 Monaten und er fehlt mir noch immer jeden Tag. Es wird nicht leichter, es wird anders, der Verlustschmerz bleibt, aber da der Mensch ein Überlebenskünstler ist, kommt angeblich nach der Trauer wieder Interesse und Teilhabe am Leben zum Vorschein. Man kehrt wieder in die Welt da draussen zurück, sie halt mit anderen Augen betrachtend.

      Manchmal kann ich das schon spüren, manchmal aber reicht eine Kleinigkeit (ein Lied, ein Geruch) um mich wieder vom sicheren Land ins Meer der Trauer zu spülen. Aber ich lerne langsam , immer wieder zum rettenden Ufer zurückzukehren .

      Und das ist es eigentlich meiner Meinung nach, was wir hier machen: wir teilen uns gegenseitig mit, wie wir versuchen , es zu schaffen, manchmal schaut auch jemand vorbei, der das rettende Ufer erreicht hat und uns zuwinkt, wir passen auf, dass niemand zuweit hinaustreibt und werfen uns mental gegenseitig Rettungsringe zu. Das Ziel ist es , das Ufer zu erreichen und eine wunderschöne Muschel (die Erinnerung an unsere Liebsten) vom Meer der Trauer an den Strand des Lebens gespült, mitzunehmen.
      Liebe Angie.
      Danke!!
      Die Sache mit den Liedern kann ich voll bestätigen. In den letzten Monaten bevor meine Frau verstorben ist hab ich viel Radio gehört.
      Wenn ich nun diese Lieder von damals höre, kommt alles mit voller Wucht wieder hoch.

      An manchen Tagen ist es bei mir schon leichter. An anderen Tagen kann ich es aber noch immer nicht fassen und hoffe dass ich das nur geträumt habe.
      Glg christoph
      Liebe Monika,

      Ich hab gestern abend 2 Stunden relativ entspannt ferngesehen. Das erste mal seit 9 Monaten !
      Daran sieht man schon, wie "normal" mein Leben derzeit abläuft.
      Wie gesagt, ich schlafe seit einer Woche wieder im Ehebett. Es geht mir relativ gut dabei.
      Das Schlafzimmer war bisher Tabu-Zone.Das ist der Ort, an dem meine Frau für immer gegangen ist.
      Wenn ich nun im Bett liege, strecke ich die Hand zu ihr rüber. Nicht mehr real greifbar, aber in meiner Vorstellung
      und Phantasie ist meine Frau noch bei mir.
      Ich schlafe aber nach wie vor schlecht. Heute von 1-3 und 4-5 Uhr geschlafen. Also in Summe ca. 3 Stunden.

      liebe Grüsse Christoph