Was ist, wenn man niemals darüber hinwegkommt?????

  • Guten Morgen, ihr Lieben,


    ich wollte nur mal schnell sagen, dass es mich noch gibt. Seit ich wieder jeden Tag ins Büro muss, ist meine Zeit jedoch dermaßen limitiert, dass ich den Rhythmus noch immer nicht richtig gefunden habe. Ich bin permanent beschäftigt, und gefühlt habe ich Zeit für fast nichts. Das tut mir sehr leid, denn ihr habt mir mit euren lieben Worten so sehr geholfen, wenn ich verzweifelt war. <3


    Verzweifelt bin ich immer noch, und ich versuche mich noch immer im Überleben. Mache einfach weiter, Tag für Tag. Funktioniere, tue all das, was getan werden muss. Meist frage ich mich noch immer: Was für einen Sinn hat das alles überhaupt? Wie lange ich mir diese Frage wohl noch stellen werde ...???


    Da ich im Büro all meine Kraft zusammennehmen muss, um quasi "normal" zu erscheinen, denken die dort wahrscheinlich auch: "Oh, Bille ist ja wieder normal." Aber das ist natürlich ganz und gar nicht der Fall, sondern erscheint nur von außen so. Keiner kennt meine Zusammenbrüche, die weiterhin jede Sekunde kommen können, getriggert durch was auch immer. ;(


    Ich habe eine Podcast-Reihe gefunden, die ich jedem, der es braucht, nur ans Herz legen kann. Sie ist von der "Nicolaidis Young Wings-Stiftung" und nennt sich eigentlich "Der Podcast für junge Trauernde". Aber das ist Quatsch, denn er ist für JEDEN Menschen, der trauert, egal welchen Alters. Wenn ich die Folgen höre, denke ich jedes Mal: "Es ist mir wieder wie mitten aus dem Herz gesprochen!". Hört gerne mal rein, wenn ihr mögt. (Wegen dem Podcast wollte ich eigentlich einen neuen Thread machen, damit er auffällt für die, die sich dafür interessieren. Aber ich hab's jetzt einfach mal hier mit reingeschrieben.)


    Ich werde versuchen, wieder öfter hier reinzuschauen. Versprochen!


    GLG

    Bille

  • Liebe Bille,

    ich hab öfter mal an dich gedacht. Schön, dass du dich meldest.

    Immer noch ... das ist das, was die Gesellschaft immer wieder zu merkwürdigen Reaktionen bringt. Natürlich immer noch! Und wohl auch zeitweise immer wieder mal, auch noch nach Jahren. Es lässt sich nach und nach einfach leichter (er)tragen. Doch das Vermissen hört nicht auf, weil x Monate oder Jahre vergangen sind.

    Das normal-tun ist wirklich sehr anstrengend. Um nicht selbst anstrengend für andere zu sein nimmt man es sich aber auf sich. Ein echter Teufelskreis! Denn je angestrengter man ist, desto kraftloser wird man und irgendwann muss einen das einholen. Zusammenbrüche finde ich zwar tatsächlich sehr hilfreich, weil sie wie ein Gewitter die Luft reinigen können. Nur im Beruf ist das halt echt sehr unangenehm. Ich denke, das verstehen fast alle hier.

    Ich liebe Podcasts und werde deinen mal suchen. Danke für den Tip.

    Liebe Grüße,
    Elster

    Unsere Toten sind nicht abwesend nur unsichtbar,

    sie schauen mit ihren Augen voller Licht in unsere Augen voller Trauer.

    Es gibt ein Wiedersehen auf einer anderen Ebene.

    Und die Seelen unserer Vorausgegangenen begleiten uns

    Aurelius Augustinus

  • Liebe Elster,


    das freut mich, dass ich nicht ganz vergessen war. :* Ich wünschte, ich hätte mehr Zeit. Aber ich bin immer nur im Laufschritt. Es bekommt mir nicht, aber ich kann es leider nicht ganz ändern. Ich werde aber meine "Termine" (außerhalb der Arbeit) mal etwas straffen und nur noch das in Anspruch nehmen, was mir WIRKLICH gut tut. Das war eigentlich auch von Anfang an das Ziel.


    Ja, das "normal tun" ist das, was am meisten anstrengt. Und man tut es für andere. Ist schon komisch ... Man vermisst, man stirbt innerlich, und nach außen tut man in dem Moment so, als sei alles "ganz normal". Es hilft mir sehr, dass ich in den Trauergruppen ganz ich selbst sein kann und sagen kann, wie ich mich wirklich fühle und weinen kann, wenn ich weinen muss. Auf der Arbeit ist es eben anders, und das ist die größte Herausforderung!


    Wenn du Podcasts liebst, bin ich mir ganz sicher, dass dir diese hier sehr gefallen! :thumbup:Sag Bescheid!


    Ganz liebe Grüße

    Bille