Meine Mutter ist gegangen

  • Liebe Vilja,


    du bist hier richtig. Viele haben zu Beginn nur bei sich selber geschrieben. Das ist normal, denn zuerst braucht man alle Kraft für die eigene Trauer.

    Dann mit der Zeit mag sich mancheR öffnen und auch andere Geschichten lesen und dann irgendwann auch mal dazu schreiben.


    Sei nicht so streng mit dir ;) Alles braucht seine Zeit.


    Ich sehe es wie Eva Terhorst, die Beziehung zu Eltern ist so unterschiedliche. Und wenn sie nicht erfüllt war, dann bekommt die Trauer auch noch andere Dimensionen. Und so wie Hedi schreibt: Es gibt dann so viel unausgesprochenes und ich würde noch hinzufügen unerfülltes.


    Sei lieb gegrüßt und versichert, dass wir gerne ein Stück auf deinem Weg mit gehen, so wie du es magst und uns lässt. Nicht mehr und nicht weniger.


    Lg. Astrid.

  • Liebe Vilja,


    willkommen im Club möchte ich fast schreiben. Ich finde mich in Deinen Beiträgen sehr wieder und möchte auch gar nicht so sehr viel dazu schreiben .


    Aber ich mag Dir Mut zusprechen wider das befürchtete Vergessen. Meine Großmutter mütterlicherseits ist vor mehr als 20 Jahren verstorben und bis heute habe ich ihre Stimme noch im Ohr, ihren Blick, ihre Gestik und auch den Duft ihrer Wohnung. Ich habe diese Frau unendlich geliebt und sie fehlt mir bis heute in meinem Leben. Trauer hat und braucht ihre eigene Zeit.


    Von Herzen:

    Hayat

  • Hallo ihr Lieben,


    Ich danke euch sehr für eure Worte. Sie trösten und ermutigen und ich fühle mich so angenommen wie ich bin. Das tut sehr gut!


    Bei mir ist viel passiert in den letzten Monaten. Es ging mir sogar sehr gut, meistens. Immer wieder gedachte ich meiner Mutter, wie es war als sie noch lebte. Ich dachte an positives aber auch an schwieriges.


    Ich hatte den Sommer über sehr viel frei von meiner Arbeit und habe es sehr genossen. Mit den Kindern zusammen und meinem Mann Ferien machen. Unbeschwertheit, ich habe es gespürt, meine Lebendigkeit, ICH LEBE! Irgendwann bin ich einmal tot, aber noch lebe ich! Die Zeit als meine Mutter krank war, war sehr schwer und ich konnte gedanklich kaum abschalten. Erstmals seit ihrem Tod ist mir das gelungen, ich konnte Freude empfinden und genießen.

    Es waren auch Stunden der Trauer und oft dachte ich, wie traurig es war, dass wir nicht diese Mutter Tochter Beziehung hatten, wie ich es mir immer wünschte.

    Sie war nicht bei unseren Festen dabei, aber sie ist auch früher nie zu meinem Geburtstag gekommen oder dem der Kinder. Es hatte sie nicht interessiert. So gesehen waren die Feierlichkeiten nicht anders als früher. Diese Erkenntnis tat weh, aber so war es nun mal.


    Ich weiß, die Trauer ist noch nicht vorbei, aber ich konnte viel Kraft schöpfen!

    Davon wünsche ich euch allen auch ganz viel!


    Alles Liebe

    Vilja

  • Liebe Vilja,

    schön, dass du Kraft schöpfen und Unbeschwertheit und Leichtigkeit gespürt hast. Du LEBST :)


    Die Trauer um die Mutter/TochterBeziehung, das endgültige und unabänderliche Wissen, dass es sich nicht ändern wird, dass deine Mama nicht bei Anlässen mit euch feiert und bei Festen nicht dabei ist, das tut weh. Da stirbt die Mama und auch noch die Sehnsucht, dass sich an der Beziehung etwas ändern könnte.


    Wünsche dir, dass du die Kraft, die du schöpfen konntest noch lange spürst und du dich an den schönen Erinnerungen an diesen Sommer erfreuen kannst.

    Lg. Astrid.

  • Danke liebe Astrid!


    Ja, es ist auch das unabänderliche das schmerzt. Die Chance dass sich etwas verändert ist für immer verloren.


    Da ist das Kind in mir, das trauert um eine Mutter, die es nie gab. Und dann ist da die Erwachsene, die sagt: Hey, du schaffst das, du warst immer auf dich alleine gestellt, sie war kaum für dich da, du kannst das weiterhin alles alleine.


    Und dann ist andererseits ein Gefühl von Befreiung: du brauchst nicht mehr um ihre Liebe kämpfen. Es kann jetzt zur Ruhe kommen. Das alles ist traurig, verwirrend, aber auch erleichternd. Es ist so schwer das auszudrücken. Ich hoffe man versteht, was ich meine.

    So viele Gefühle, teilweise widersprüchlich. Auch fühle ich Scham wenn ich so über meine Mutter denke, schreibe und spreche. "Darf" man so negativ sprechen über eine Verstorbene? Über meine Mutter, die mir das Leben schenkte? Bin ich undankbar oder gar grausam? Auch in dem Wissen, wie sehr andere nach so einem Verlust leiden, die Mutter so unendlich vermissen?

    Ich habe sie mein ganzes Leben vermisst, auch oder besonders als sie noch lebte. Jetzt ist sie nicht mehr hier und ich fühle ihr Fehlen nicht so stark wie andere hier in diesem Forum. Das alles löst sehr unterschiedliche Gefühle aus. Und trotz allem spüre ich, es geht mir langsam besser.


    Ich habe in diesem Sommer vieles genossen. Vieles war mir früher nicht vergönnt und ich fragte mich oft, darf ich so unbeschwert sein?

    Jetzt sage ich: Ja, und ich spüre es auch, ich bin lebendig! Ich darf unbeschwert sein, ich darf lachen, ohne schlechtes Gewissen, weil andere es nicht tun. Ich darf das Leben genießen.


    Es muss verwirrend klingen was ich schreibe. Ich bin es selber manchmal. Und es ist schwer es in Worte zu fassen. Aber das schreiben tut gut!

    Danke fürs lesen!


    Liebe Grüße

    Vilja

  • Es klingt gar nicht verwirrend, sondern sehr ehrlich.


    Ich darf das Leben genießen.

    JA du darfst und ich bin sicher nicht die Einzige, die sich mit dir darüber freut.

    Lg. Astrid.

  • Liebe Vilja!

    Ich trauere um meinen Mann, dessen Tod meine ganze Welt zerstört hat, aber im Zuge dieser Trauer, bei der auch noch die Trauer wegen meines Vaters, der nur ein dreiviertel Jahr vorher gestorben ist, mitspielt, habe ich für mich entdeckt, dass ich die Trauer für meine Mutter, die schon im Jahr 2000 gestorben ist, also vor 18 Jahren, damals nicht richtig ausleben konnte.

    Sie war eine sehr dominante Person, die mich abgöttisch geliebt, aber auch sehr festgehalten und manipuliert hat.

    Sie hatte kein schönes Ende, denn sie war fast 2 Jahre bettlägrig und mein Vater und ich haben sie mit Hilfe des Sozialsprengels gepflegt.

    Als ihr Ende nahte, bin ich bei ihr und meinem Vater geblieben bis zum letzten Atemzug und danach habe ich nur maßlose Erleichterung und eine große Wut auf sie gefühlt, sodass ich schon dachte mit mir stimmt etwas nicht. Heute begreife ich, dass sich unter diesen Gefühlen die echte Trauer verborgen hat und dass ich diese statt dessen körperlich ausgelebt habe, ich hatte damals mit 42 Jahren nach ihrem Tod sehr lange Kreuzschmerzen und habe über 10 Kilo zugenommen, die ich sehr lange nicht mehr loswerden konnte.


    Ich erzähle dir das, damit du siehst, dass solche Gefühle, die du deiner Mutter entgegenbringst, auch von anderen Menschen geteilt werden und aus heutiger Sicht denke ich, alles was ich damals gefühlt und gedacht habe war nachvollziehbar und ich hätte es nicht in mir vergraben, sondern aussprechen sollen, so wie ich das jetzt mache. Allerdings habe ich mich geschämt dafür und wusste auch noch nicht, was ich jetzt weiß, dass Trauer nämlich viele Formen annehmen kann und dass immer die ganze Lebensgeschichte mitspielt.

  • Liebe Tigerlily,

    die Scham in der Trauer ist oft ein Thema. Darf ich wütend sein auf einen geliebten Menschen, der gestorben ist? Ich schäme mich, weil ich dies oder jenes mit dem Wissen des Todes anders gemacht hätte. Ich schäme mich, weil ich so anders bin, als ich vorher war. Ich schäme mich, weil es für mich kein anderes Thema mehr zu geben scheint. Ich schäme mich .... weil ich trauere oder weil ich zu wenig trauere.


    Diese Scham ist ganz oft da. Sie kann leider nicht einfach weggemacht werden, sondern will anerkannt werden. Erst im Kontakt mit anderen Menschen, die mich bestätigen, bei denen ich mich traue offen zu reden und die mir diese Scham nicht nehmen wollen sondern einfach zeigen, dass das was ich fühle nicht ungewöhnlich oder verwerflich ist, kann ich sie mit der Zeit langsam ablegen.


    Darüber sprechen oder schreiben ist in meinen Augen oft der geeignete Weg. Auch wenn er nicht für alle leicht ist. Und das Umfeld macht es leider auch nicht leichter mit Sätzen wie: "Da brauchst du dich doch nicht zu schämen." Oder wenn sogar der Grund für die Scham bestätigt wird: "Kann man mit dir über nichts anderes mehr reden?"


    Viele Trauernde fühlen sich dann in einem Forum wie diesem oder unter Menschen, die diese Gefühle kennen, am wohlsten.


    Ich danke dir für deine Erzählung. Gerade wenn es schon länger her ist, kann man sich leichter reflektieren und das kann anderen, die gerade mitten drinnen sind, sehr hilfreich sein.


    Sei lieb gegrüßt

    Astrid.

  • Danke Tigerlily für deine Schilderung, du sprichst mir sehr aus der Seele.

    Es tut mir sehr leid dass du so viele schmerzliche Verluste erleben musstest.

    Ich kenne das Gefühl der Wut und Scham in Bezug auf meine Trauer sehr gut.

    Es ist mal so mal so, mal ist die Traurigkeit im Vordergrund, mal der Ärger, dann die Scham, dann ebbt die Trauer wieder ab, um als neue Welle wieder einmal hereinzukommen.


    Ich hatte heute Nacht einen Traum, er passt dazu.

    Ich habe erstmals von meiner Mutter geträumt. Sie war "gesund", so sah sie aus. Wir sprachen über Geschirr. Ich sagte ihr, dass es von ihrem Lieblingsporzellan schon die Weihnachtsserie gibt, ich hab sie im Geschäft gesehen und finde sie sehr schön. Daraufhin wurde ihr Blick sehr traurig und sie ließ mich wissen, dass sie ja tot sei und zu Weihnachten erstmals nicht da sei.

    Ich wurde im Traum auch traurig und schämte mich, dass ich das nächste Weihnachten (wahrscheinlich) erleben darf und sie nicht und dass ich vom Weihnachtsgeschirr gesprochen hatte.


    Der Traum beschäftigt mich schon den ganzen Tag. Ich schäme mich nicht, dass ich Weihnachten erleben darf, aber es tut mir für sie so leid, dass sie das alles nicht mehr erleben kann. "ER-leben".

    Mich beschäftigt dass ich sowas träume. Und gleichzeitig war es schön, sie im Traum zu sehen und sprechen zu hören. Obwohl sie ihre Lippen nicht bewegte, sprach sie. Und dennoch schien sie aber tot zu sein. Dann wachte ich auf. Verwirrend.


    Alles Liebe von Vilja

  • die Scham in der Trauer ist oft ein Thema. Darf ich wütend sein auf einen geliebten Menschen, der gestorben ist? Ich schäme mich, weil ich dies oder jenes mit dem Wissen des Todes anders gemacht hätte. Ich schäme mich, weil ich so anders bin, als ich vorher war. Ich schäme mich, weil es für mich kein anderes Thema mehr zu geben scheint. Ich schäme mich .... weil ich trauere oder weil ich zu wenig trauere.

    ja, genauso empfinde ich es auch. ich bin manchmal wuetend auf meine schwester, weil sie nichts fuer ihre gesundheit oder wohlergehen getan hat, und daher durch ihren fruehen tod mich 'im stich gelassen' hat, meist wuetend auf mich, weil ich sie schlecht behandelt habe und mich dann schäme, dass ich es anders hätte machen können, wenn sie nicht gestorben wäre, sondern 'nur' krank. oder ich die zeichen erkannt hätte, die stillen hilferufe.

    und habe ein schlechtes gewissen, wenn es mir halbwegs gut geht und mich dann schäme, nciht genug zu trauern oder an sie zu denken und ich auch nicht mehr ein guter gesellschafter bin, da meine gedanken sich nur noch um dieses thema drehen, wenn ich nicht durch arbeit abgelenkt bin.


    s ist ein dilemma und das forum hilft hier wirklich, sich die dinge von der seele zu schreiben oder/und das gefuehl zu haben, man wird hier verstanden!

  • Hallo Vilja,


    erstmal mein Beileid zu deinem verlust!

    Der Traum beschäftigt mich schon den ganzen Tag. Ich schäme mich nicht, dass ich Weihnachten erleben darf, aber es tut mir für sie so leid, dass sie das alles nicht mehr erleben kann. "ER-leben".

    das geht mir genauso, ich kann das nicht begreifen, dass die zeit meiner schwester abgelaufen ist, vorbei ist, sie nichtmehr die sonne geniessen darf oder den herbst erleben, ihre familie sehen, weihnachten oder eben dieses oder jenes. eine art mitleid, das ist irrational, aber man kann es nicht abstellen!

  • Danke für deine Worte Sunbabe.

    Ich kann es gut nachvollziehen was du meinst. Ein näher Mensch ist gestorben und die eigene Sterblichkeit wird einem bewusst, so sehe ich das. Irgendwann wird es auch Weihnachten, Urlaube und Feste ohne mich geben, weil ich dann tot bin.



    Seit dem Tod meiner Mutter "rumort" es sehr in meiner Herkunftsfamilie. Mein Vater ist von seiner Persönlichkeit immer schon sehr dynamisch gewesen, er stößt andere vor den Kopf, manipuliert. Macht andere schlecht, verdreht Tatsachen. So war er schon immer und jetzt ist es noch schlimmer. Mein Onkel hat erst geheiratet und niemand aus "seiner" Familie eingeladen, das sollte einem zu denken geben. Meine Tante rührt ordentlich mit in der "dynamischen Küche", irgendwie schimpft jeder über den anderen, eine Familie von ca.50 Personen.

    Mein Vater denkt nur an sich, nie interessiert ihn ernsthaft wie es anderen geht. Das hat sicher auch mit seinem Verlust zu tun, aber eigentlich war er schon immer so.

    Es scheint, dass der Tod meiner Mutter nun Probleme offensichtlich macht, die immer schon da waren. Jetzt wo sie tot ist, kümmert sich jeder wieder mehr um sich und zieht sich zurück.

    Ich bin sehr froh, dass ich weiter weg wohne. Ich habe hier meine Familie, meine Freunde und meinen Job. Denke ich an meine Herkunftsfamilie, so fällt mir die Assoziation zu einer Schlangengrube ein.

    Gruselig irgendwie. So viele unterschiedliche Emotionen die mich begleiten. Trauer und Freude, Wut und Enttäuschung, das Gefühl ich bin jetzt "frei". Ich brauche niemandem mehr etwas zu beweisen. Ich lebe mein Leben. So fühlt es sich derzeit an.


    Und wisst ihr was? Ich freue mich heuer auf Advent und Weihnachten. Ich möchte diese Zeit bewusst erleben mit meinem Mann und den Kinder, miteinander Zeit verbringen, Freunde treffen. Keine Verpflichtungen, keine Pflichtbesuche.


    Alles Liebe,

    Vilja

  • Liebe Vilja,

    da tut der Abstand gut.

    Es freut mich, dass du dich auf Advent und Weihnachten freust.

    Magst du ein bisschen mehr erzählen, wie du es gestalten möchtest?


    LG Astrid.

  • Liebe Astrid,

    danke für deine Worte.


    Ich habe vor, die Zeit bewusst zu leben. Zeit verbringen mit meinem Mann und unseren Kindern. Kekse backen. Gitarre spiele. Märkte besuchen. Freunde einladen und Einladungen von Freunden annehmen. ?


    Meine Herkunftsfamilie spielt hier keine Rolle, ich möchte auch möglichst wenig Kontakt.


    Ich stelle es mir schön Vor, wenngleich ich weiß, es werden wieder traurige Zeiten dazwischen kommen. Manchmal habe ich Tage, da denke ich wieder viel nach. Warum alles so gekommen ist wie es war. Wenn alles im Leben irgendeinen Sinn hat, was war dann der Sinn von dem was ich die letzten Jahre erlebt habe? Warum starb meine Mutter noch in ihrem besten Alter? Ich weiß dass niemand das beantworten kann.

    Manchmal bin ich dann sehr traurig, ich weine eine Runde und dann geht's wieder besser...


    LG Vilja

  • Bald ist es 9 Monate her, dass meine Mutter tot ist. Es fühlt sich schon viel viel länger an.

    Es tut gut hier zu schreiben. Ich schaffe es meist nur hier zu schreiben, und das hilft sehr, auch zu wissen, hier sind Menschen die einen verstehen und nicht werten.

    Ich lese auch oft in den anderen Posts, schaffe es aber irgendwie nicht, etwas hilfreiches oder sinnvolles zu schreiben.


    Seit einigen Tagen beschäftigt mich meine Herkunftsfamilie wieder mehr, ja oft belastet es mich und drückt meine Stimmung. Ich war vor Jahren schon deshalb in Therapie, aber seit dem Tod meiner Mutter holt es mich wieder ein. Vieles wird jetzt so klar, fällt wie Schuppen von den Augen. In den Augen meiner Eltern war ich immer diejenige, die für alles zuständig und verantwortlich war. Bin ich zu einem ungünstigen Zeitpunkt für meine Eltern geboren, so sollte ich doch wenigstens mich nützlich machen. Ich musste immer viel zu Hause arbeiten, das "Lieblingskind" war jemand anders.

    Auch heute ist es noch so, vor allem als meine Mutter noch lebte, es war nicht wichtig wie es mir ging oder was in meinem Leben vor sich ging. Es gab deutliche Unterschiede zwischen mir und dem bevorzugten Kind ( aus Gründen der Anonymität nenne ich es so). Selbst der bevorstehende Tod konnte an der Einstellung meiner Mutter nichts verändern und es passierten viele Dinge, die mich sehr verletzten. Aus Respekt vor ihrer Krankheit sagte ich nichts, auch nicht nach ihrem Tod zu meinem Vater, er war ja der trauernde Witwer, wie er sich nannte, und er sagte, er habe den schmerzlichsten Verlust zu erleiden, und statt mich um mich und meine Trauer zu kümmern, versuchte ich ihn zu stützen und zu trösten. Er erwartete das auch. Und es "brave" Tochter, die immer noch um Anerkennung suchte, tat ich es.

    Dann erfuhr ich über eine gute Freundin, wie schlecht er bei anderen über mich sprach, ich hätte mich zu wenig gekümmert usw. Dieses Verhalten kenne ich nur zu gut, seit Kindertagen, das sich darstellen als ein "Opfer", über andere schlechtes reden auch wenn es nicht stimmte.


    Es ist ganz schwer für mich, das alles zu sehen und wissen, es wird sich niemals ändern. Meine Mutter ging mit dieser Einstellung auf den Tod zu. Warum nur hab ich mich immer von Ihnen einspannen lassen, ausnutzen, warum hab ich mich nie gewehrt. Irgendwie verstehe ich es und dann auch wieder nicht.


    Vielleicht sind diese Worte hart hier in diesem Forum. Ich hoffe kein Trauernder nimmt es mir übel. Aber es tut gut es hier zu schreiben. Es ist soviel Ungerechtes passiert und Am liebsten würde ich das Fenster öffnen und es laut hinausschreien!!! Und ich bin wütend auf meine Mutter. Sie hat sich aus dem Staub gemacht ohne das alles zu klären, kein einziges Wort der Entschuldigung oder Versöhnung von ihrer Seite. Das macht mich sehr traurig. Und so wütend dass ich seit langem nicht an ihrem Grab war.

    Ich hoffe, ich kann irgendwann meinen Frieden finden!

    Danke fürs lesen,

    Gruß

    Vilja

  • Bald ist wieder ein Monat vorbei.

    Die Traurigkeit und die Gefühle zu meiner Mutter schwanken sehr oft, das ist einerseits gut und andererseits auch anstrengend und kostet viel Energie.


    Im Moment bin ich wieder etwas friedlicher gestimmt und mit mir mehr Im Reinen. Immer wieder Phasen des Nachdenkens, mal weine ich eine Runde, dann geht's wieder besser.

    Es tut mir gut mich auf meine kleine Familie, Freunde und Arbeit zu konzentrieren.

    Ich habe das Haus weihnachtlich dekoriert. Ein paar Deko-gegenstände stammen von meiner Mutter, sie erinnern an sie. Sie hatte Weihnachten sehr gerne.


    Letztes Wochenende war ich an ihrem Grab und habe ihr eine weihnachtliche Kerze gebracht, das Grab etwas gepflegt.


    Da ich weiter weg wohne, habe ich ein kleines Plätzchen zu Hause eingerichtet, eine kleine Ecke, wo ein Bild meiner Mutter steht und eine Kerze. Manchmal spreche ich kurz mit ihr über das was mich beschäftigt seit ihrem Tod.


    Ich wünsche euch allen einen angenehmen Tag,


    Vilja

  • Liebe Vilja,

    auch ich wünsche dir einen angenehmen Tag - mit weihnachtlicher Vorfreude, wenn das möglich ist. Ich wünsche dir für heute einen ausgleichenden Moment mit und für deine Mama.

    Das Hin und Her ist ganz normal. Und doch freue ich mich, dass du im Moment wieder mehr im Reinen mit dir selber bist.


    Lg. Astrid.

  • Heute möchte ich wieder einmal hier schreiben.

    Ich habe ein paar sehr traurige Tage hinter mir.

    Ich habe geträumt, meine Mutter stand nachts vor dem Fenster und klopfte. Sie rief, lass mich rein! Ich öffnete das Fenster und liess sie rein. Ich war erfreut über ihren Besuch und gleichzeitig wusste ich dass sie tot war. Sie wollte sehen, was ich für Weihnachten besorgt habe und ich zeigte es ihr... Das war der Traum, eine kurze Sequenz und dennoch war ich den ganzen Tag sehr aufgewühlt.

    Einmal schickte mir mein Vater ein Foto von ihren Grab, er hätte es weihnachtlich geschmückt. Als ich die Sterne und Lichter und den vielen Schnee auf und um ihrem Grab sah, musste ich plötzlich so sehr weinen. Weil sie Weihnachten nicht da ist und in diesem eisigen, dunklen gefrorenen Grab weilt. Ich weiss ja, dass sie nicht wirklich "dort" ist, dennoch lässt mich der Gedanke nicht los. Ich habe sehr viel geweint an diesem Tag, wie schon lange nicht mehr. Danach ging's mir wieder etwas besser. Der Alltag lenkt ab.

    Ich freue mich auf Weihnachten it meiner Familie und gleichzeitig bin ich auch traurig. Vielleicht hätte das ein schönes Weihnachtsfest mit ihr werden können, würde sie noch leben.


    Auf mich wartet jetzt ein arbeitsreichen Tag, euch allen die das hier lesen, wünsche ich einen guten Tag!

    Vilja

  • Liebe Vilja,

    diese Träume kenne ich nicht, aber auch ich denke immer an meinen Vater auf dem kalten Friedhof. Er fror immer so schrecklich schnell. Es tröstet mich ,das ich ihm seine Lieblings- Strickjacke mitgab, auch sehr zur Beruhigung aller Enkel. Sie beschäftigen sich anscheinend auch mit diesem Thema.

    Deine Traurigkeit tut mir so leid, ich kann sie nachfühlen. Ich hätte vorher nie geglaubt, wie sehr der Verlust eines Elternteils mich verändert.

    Bitte denk nicht zu viel nach, was wäre wenn...das ist eine Straße ohne Ende. Alles ist bzw wäre möglich.

    Ich finde gerade nicht die richtigen Worte, ich würde mich jedenfalls freuen wenn Du Deine Mutter gedanklich an Deiner Freude über Weihnachten teilhaben lässt. Es ist sicherlich das, was Du Dir wünschst und wenn schon nur Gedanken, dann nimm doch die guten Gedanken :)

    Vielleicht bisschen verzwickt geschrieben, ich denke Du verstehst mich aber.

    Ich wünsche Dir alles alles Liebe, genieße die Zeit mit Deiner Familie und denke positiv.

    Herzliche Grüße Ros

  • Danke für deine Worte liebe Ros.


    Der Kälte Friedhof beschäftigt mich auch. Ich kann gut nachvollziehen wie sehr dich die Strickjacke beruhigt. Es ist schön verrückt, was man sich da zusammenreimt, auch wenn der Kopf weiß, es ist Unsinn. Und es ist auch bewegend, wie ehrlich, logisch und sachlich (deine) Kinder über den Tod nachdenken.


    Ich würde gerne wissen, ob mein Traum etwas bedeutet und was. Ich träume selten von meiner Mutter, aber wenn, bin ich immer aufgewühlt. Warum kam sie nicht durch die Türe sondern durch das Fenster im 1.Stock? Warum war sie im Traum tot und gleichzeitig lebendig? Ich weiss auch nicht, warum mich diese Träume so aufwühlen, aber ich denke dann immer ganz viel nach. Gibt es ein Leben nach dem Tod oder ist dann alles aus? Ist meine Mutter noch irgendwo oder sehe ich sie niemals wieder? Meine Mutter lächelte kurz bevor sie starb! Warum? Was war da dass sie lächeln musste? Der Arzt sagte, das wäre das Gehirn, das während des Sterbens Hormone ausschüttet, um Schmerzen auszuschalten und das Sterben zu erleichtern. Ist es wirklich das oder ist da noch mehr?

    Fragen über Fragen, die wir erst beantworten können, wenn wir selber das Zeitliche segnen.


    Heute geht es wieder besser. Und ich habe wieder die Gewissheit, Weihnachten gut zu verbringen, trotz allem. Das wünsche ich auch dir, liebe Ros.

    Alles Liebe,

    Vilja