Posts by Tigerlily


    Kann es wirklich Tage geben, an denen man die Ängste und die Trauer auf Abstand hat?!

    Ich hatte sogar manchmal Angst mich an meinen Mann nicht mehr erinnern zu können.

    Auf einmal konnte ich mich an seine Stimme nicht mehr erinnern.

    Diese ersten Tage waren total irrational, in jeder Beziehung.

    Mach dir keine Sorgen, die Trauer verlässt dich nicht, nimm die Pausen dankbar an, du brauchst sie dringend.

    Liebe Mietzn,


    mein tiefes Mitgefühl zu deinem schrecklichen Verlust.

    Ich habe meinen Mann ebenfalls aus heiterem Himmel bei einem Unfall verloren und kenne diesen Schockzustand, in dem du dich gerade befindest aus eigener Erfahrung.
    Ich kann dir nur sagen, alles was du gerade fühlst ist vollkommen normal und ich persönlich würde dir an dem Punkt, an dem du dich befindest von Antidepressiva abraten.

    Mal ein Beruhigungsmittel, möglichst nicht andauernd und wenn irgendmöglich auf natürliche Substanzen wie Baldrian zurückgreifen.


    Zu psychologischer Betreuung würde ich dir dagegen raten, wenn du jemanden finden kannst, der sich mit Trauer auskennt.

    Gut wäre eine Trauerbegleitung, Trauergruppe erst ein wenig später, dazu ist es noch ein wenig früh.

    Vielleicht gibt es doch Freunde und Bekannte mit denen du offen reden kannst?

    Die Zeit steht nach einem solchen Trauma buchstäblich still, bei mir hat es fast ein Jahr gedauert, bis ich wieder ein einigermaßen normales Zeitgefühl hatte.


    Einen sehr wertvollen Tipp hat mir Astrid, die ehemalige Moderatorin dieses Forums damals gegeben: Versuche nicht zuviel an die Zukunft zu denken, sondern lebe jeden Tag einzeln und wenn das nicht reicht, unterteile die Tage noch in kleinere Einheiten, die du irgendwie überleben kannst.

    Denn das ist es worum es geht: Überleben, den Schmerz aushalten, nicht untergehen, abwarten, Geduld haben.


    Irgendwann wird es besser aushaltbar, aber das dauert.

    Du wirst glauben unendlich lange, aber irgendwann wirst du wieder leben, nicht mehr das gleiche Leben wie vorher, das nicht, aber es wird wieder möglich und erträglich sein. Und du hast deine Kinder, du bist nicht alleine, allein das ist schon ein Grund nicht aufzugeben, so entsetzlich schwer es sich auch anfühlen mag!


    Für mich war es damals extrem wichtig, mir jeden Tag etwas vorzunehmen, jedem Tag eine gewisse Struktur zu geben und wenn ich fähig dazu war mich auch einmal abzulenken. Ich habe mit möglichst vielen Menschen geredet, unter anderem eine Psychologin mit Trauererfahrung, eine Schamanin, eine Energetikerin, zu der ich inzwischen eine freundschaftliche Beziehung aufbauen konnte, um mich zu erleichtern und mein Cousin, selber alleinstehend, nach einer unglücklichen Scheidung, ist mir jeden Tag telefonisch zur Seite gestanden und nach eineinhalb Jahren zu mir in die Nähe gezogen, denn wir waren beide völlig allein, jetzt können wir einander trösten und nein, es ist keine Liebesbeziehung.

    Ich trauere immer noch nach zwei Jahren, aber ich habe mich sehr verändert, habe Erfahrungen dazugewonnen und sehe erstmals ein wenig Licht am Ende des Tunnels.

    Ich habe mir meinen Schmerz von der Seele geschrieben in Briefen an meinen Mann, ganz privat und nebenbei habe ich meine Geschichte diesem unschätzbar wertvollen Forum anvertraut.

    Schreiben ist eine große Erleichterung und du wirst hier immer Unterstützung finden, soange du magst und solange du es brauchst.


    Bitte halte durch, gib die Hoffnung nicht auf und glaube mir, so schwer es auch sein mag und das für lange Zeit, da möchte ich dir kein Märchen erzählen, so wichtig ist es für dich und deine Kinder und auch für deinen verstorbenen Mann, dass du daran glaubst, dass das Leben mit der Trauer irgendwann ein angenehmes sein wird.

    Ich wünsche dir alles erdenklich Gute und viel Kraft in dieser schweren Zeit und alles Liebe auch für deine Kinder Gabi

    Liebe Brija,


    da spüren wir wohl nach zwei Trauerjahren denselben sanften Aufwind.

    Eine sanfte Brise, die uns trägt, wenn wir das Vertrauen gewinnen, dass wir nicht fallen können.

    Es dauert eben alles seine Zeit und wer weiß was die Zukunft noch alles bringt.

    Lieber Spatz,


    mein Mann verunglückte am Tag nach meinem 60. Geburtstag, ich wäre mit Jahresende in Rente gegangen und habe daraufhin beschlossen noch ein Jahr zu verlängern und ich muss sagen für mich war das die Rettung schlechthin.

    In diesem Jahr ist dann soviel passiert, dass ich nach dem einen Jahr Verlängerung mit gutem Gefühl mit Ende 2019 in Rente gehen konnte und da war es dann auch gut so, ich habe es nicht bereut und vermisse meine Arbeit nicht.

    Ich muss dazu sagen, dass ich sehr nette Kollegen und Kolleginnen hatte, die mir über die schwere Zeit hinweghalfen so gut sie konnten und das Gefühl eine Aufgabe und Verpflichtungen zu haben, hat meinem Leben die Struktur gegeben, die ich so dringend brauchte.


    Also, falls du nette Kollegen hast und du deine Arbeit einigermaßen gerne machst und sich dazu noch die Gelegenheit ergibt zu verlängern würde ich darin mehr Vorteile als Nachteile sehen, denn gerade im ersten Trauerjahr ist meiner Meinung nach eine gewisse Struktur im Leben eher günstig.


    Ihr Lieben,

    heute bin ich übrigens aus eigener Schuld wieder ein bisschen am Kämpfen.

    Ich bemühe mich bei mir und reflektiert zu bleiben und das heutige Ereignis als Lernaufgabe zu sehen, damit ich nicht wieder heruntergezogen werde, aber ich habe gemerkt, dass es bei mir bezüglich Trauerverarbeitung sehr definierte Grenzen gibt, die ich derzeit unmöglich überschreiten kann.


    Ich habe mir heute die Karten legen lassen und dachte das wäre eine gute Idee, war es aber nicht wirklich.

    Erstens kam nur das heraus , was ich in mir sowieso schon wusste und gespürt habe - ein Beweis dafür dass Kartenlegen nicht nur Klimbim ist, sondern durchaus geistige Energien am Werk sind.

    Zweitens hat mich die Dame ziemlich angetriggert, von wegen loslassen, nach vorne schauen, das Leben genießen, sich neu ausrichten, etc.

    Als sie dann meinte, es wäre energetisch ungünstig weiterhin meinen Ehering zu tragen, weil ich dann gedanklich immer bei meinem verstorbenen Mann und dadurch mehr in der Vergangenheit als in der Gegenwart und Zukunft wäre und sich mein Leben nicht so entfalten könne, wie es sich mein Unterbewusstsein wünscht, war bei mir der Ofen aus.

    Für mich gibt es in diesem Punkt kein "Entweder-oder" sondern höchstenfalls ein "sowohl-als-auch"


    Davon abgesehen, dass mein Ursprungswunsch, bald mit meinem Leben abschließen zu können, immer noch latent in mir schlummert, versuche ich mein Bestes, in diesem erzwungenen Restleben für mich die Möglichkeit zu finden, auf eine Art weiterzuleben, die für mich förderlich ist und wenn es ganz perfekt klappt, mich einer neuen Zufriedenheit näher bringt.


    Ich habe heute bemerkt, dass ich äußerst empfindlich reagiere, wenn jemand versucht, mir meine Trauerrituale wegzunehmen und dazu gehört eben auch, dass mein Mann in meinem Leben einen gewissen Raum einnimmt.

    Falls der Preis dafür sein sollte, dass ich in diesem Leben das Ziel zufrieden und glücklich zu sein nicht mehr erreiche, dann ist das eben so.


    Und darin liegt auch der Knackpunkt an der Angelegenheit: Ich muss aufpassen, da nicht einen neuen Glaubenssatz zu erschaffen, der es mir verbietet wieder glücklich zu werden, weil ich meinem Mann für mein ganzes weiteres Leben verbunden bin.

    Das muss auf jedenfall anders funktionieren.

    Ich möchte ihn bei mir haben, auf meine eigenen Art und Weise, mit Ehering und seinen Sachen in unserer Wohnung. Mit viel Erinnerung und noch mehr Liebe.

    Und dennoch möchte ich nicht mein ganzes restliches Leben in qualvoller Trauer verbringen, sondern für mich und für ihn weiterleben und auch wieder Freude und Glück empfinden.

    Und wieder lieben und geliebt werden, auf ganz irdische Art und Weise.


    Mir ist klar, dass es die Quadratur des Kreises ist, die ich da fordere.

    Trotzdem gebe ich mich nicht mit weniger zufrieden.

    Ich will alles.

    Punkt!

    Liebe Bine,

    ich schick mal schnell ein Kraftpaket und drück dich ganz doll!

    Die Geschichte mit der Bettdecke fand ich schön, unsere Lieben sind ja sowieso immer bei uns, leider stillt das die große Sehnsucht nicht, wir können unsere Liebsten ja nicht mehr in den Arm nehmen, das tut so weh!

    Liebe Bine,


    ich kann dich und auch Karin und Uwe verstehen, wenn euch Matthias manchmal auf die Nerven geht und es ist auch gut ihn immer wieder zu konfrontieren, denn wie du schon angesprochen hast, Selbstreflektion ist nicht so seine Sache und er wird hoffentlich durch Widerspruch dazu angeregt über sich und uns nachzudenken. Denn sonst befürchte ich, er schießt sich über kurz oder lang selber ins Aus, aber das ist dann auch seine Verantwortung.

    Und es ist kein Irrglaube von dir vorhanden, wir haben uns definitiv lieb. Ich jedenfalls hab euch alle lieb und all eure verschiedenen Ansichten und die viel größeren Gemeinsamkeiten.


    Liebe Maike, liebe Gundel, liebe Luse,


    ein Jahr und zweieinhalb Monate, kaum vier Monate, neun Monate.

    Eure Trauer ist im Gegensatz zu meiner noch so frisch, so schmerzhaft!

    Gerade du liebe Gundel, stehst noch ganz am Anfang deiner Trauer. Ich bin der Meinung der anderen, dein Franz hätte genauso gelitten, ebenso wäre es meinem Hannes ergangen und ich persönlich bin froh, dass ich meinem LIebling dieses Schicksal ersparen konnte.

    Soviel habe ich in inzwischen zwei Trauerjahren gelernt: Der Trauer kann niemand auf Dauer entkommen, auch wenn sie sich nicht immer in gleicher Weise zeigt. Und diejenigen, die stark sein wollen, oder auch müssen, weil die persönliche Lage nichts anderes hergibt, können die Trauer zwar verdrängen, aber früher oder später werden sie immer von der Trauer eingeholt.


    Gerade jetzt in diesen Tagen kann ich euch von mir etwas Tröstliches berichten.

    Ich hatte kurz vor dem zweiten Todestag meines Mannes einen großen Durchhänger und auch kurz danach habe ich schwere Wochen in großer Verwirrung erlebt. Doch seit ein paar Tagen hat sich etwas in mir verändert. Ich bin nicht nur ruhiger geworden, sondern auch wieder ein Stück weit vollständiger.

    Ich habe keine Ahnung, wie stabil dieser Zustand ist und wie lange er anhalten wird, aber ich betrachte es als eine der Trauer gemäße Weiterentwicklung und werde euch gern auf dem Laufenden halten. Vielleicht gibt es doch Licht am Ende des Tunnels, oder aber, wenn es schlecht läuft, sind nach zwei Jahren immerhin längere Pausen in der Trauer möglich, auch ohne direkte äußere Einflüsse.

    Ich bin das erste Mal seit dem Tod meines Mannes zuversichtlich, dass ein gutes Leben wieder möglich ist.

    Dass ich eine gewisse innere Ruhe aufbauen kann, habe ich meiner Meinung nach durch intensive Arbeit an mir selbst, besonders in den letzten Wochen, erreicht und der intensive Austausch mit euch allen hier hat auch ein Stück weit dazu beigetragen.


    Die Gespräche mit anderen habe ich auf ein Minimum begrenzt, weil ich ebenso wie du, Gundel, die Erfahrungen machen musste, dass andere sehr gern mit mir über ihre Probleme und Schmerzen sprechen, dass es dafür aber keinen Ausgleich gibt.

    Niemand möchte mehr über meinen Mann und vor allem nicht über meine Trauer sprechen.

    Ich habe beschlossen, mir das nicht mehr anzutun und es geht mir gut damit.


    Ihr Lieben,

    keine (r) von uns ist schwach.

    wir sind alle unglaublich stark und mutig, jede(r) Einzelne von uns!

    Vergesst das bitte nicht.

    Und ich habe euch tatsächlich lieb gewonnen, ihr Verrückten!

    Denn verrückt sind wir alle, samt unserem kompletten Leben, nichts ist mehr auf seinem Platz.

    Und ich bin stolz auf euch, wie ihr euch mutig durch das Chaos kämpft und niemals vergesst, den anderen, Neuen hier beizustehen!

    Liebe Luise,


    es ist schlimm genug unter Einsamkeit und Trauer zu leiden, ich mache mir wirklich Sorgen um dich, denn ich habe nicht das Gefühl das es gut für dich ist so ganz alleine und vereinzelt dein Leben zu verbringen.

    Leider fällt mir auch keine Lösung ein, die du akzeptabel finden würdest und es liegt mir fern mich in das Leben anderer Trauernder einzumischen.

    Dennoch hoffe ich, du hast ärztliche Unterstützung, damit du deine neuen Ausfallerscheinungen abklären kannst.

    Liebe Sommermond,


    mein tiefes Mitgefühl für deinen schrecklichen Verlust.

    Nach nicht mal vier Monaten ist alles noch so frisch und du bist am Anfang des langen mühseligen und schmerzhaften Weges der Trauer, den wir hier alle gehen, die wir unsere Hauptbezugsperson verloren haben.

    Es bleibt mir nur, dir viel Kraft zu wünschen und eine tröstende Umarmung zu senden.

    Schön, dass du dieses Forum hier gefunden hast, hier bekommt man wirklich Hilfe und kann alles schreiben, was einen bewegt.

    Liebe Luse,


    zum heutigen Gedenktag wünsche ich dir viel Kraft und alles Liebe.

    Die Verbundenheit ist nach wie vor da, das stimmt, trotzdem ist dein Liebster unerreichbar weit weg, das schmerzt.

    Übrigen hat Pilo, das Schaf einen Kollegen in meinem Wohnzimmer.

    Das ist Johannesbär, der Gute sitzt schon seit Monaten auf Hannes Platz neben mir und hat den kleinen Mimibär unter seine Fittiche genommen.



    Liebe Karin,

    nein der Gegenwind, das bin nicht ich, denn ich wüsste nicht, wogegen ich mich wehren sollte.

    Für mich ist jede Form der Trauer richtig, nur das möchte ich immer wieder aufs Neue ausdrücken und es führen viele Wege nach Rom.

    Und weil das hier mein Thread ist, in dem diese (mir durchaus willkommene) Diskussion stattfindet bestimme auch ich, wem ich Fürsprache gebe, das hat nichts damit zu tun, dass Matthias nicht für sich selbst sprechen könnte, das tut er ja sowieso immer gerne und ausführlich.


    Den Trauer TÜV finde ich witzig, aber auch paradox, denn TÜV bedeutet ja immer eine Überprüfung auf die gültige Norm und gerade ich bin die Letzte die bezüglich der Trauer anderer Normen aufstellen möchte.


    Liebe Luse,

    fast möchte ich dich beneiden um den Vorsprung an Jahren, aber du hast auch wesentlich mehr Jahre als ich mit deinem Liebsten geteilt, da ist es gut und schön dass du die Wartezeit bis zum Wiedersehen besser überbrücken kannst, wenn du dir eingestehst, dass du nicht mehr gar so lange darauf warten musst, wie andere (obwohl: Genau weiß man das sowieso nie, der Tod kann jederzeit jeden von uns treffen, oder aber wir werden 100 Jahre alt, wer weiß das schon genau?)

    Und du darfst mich gerne Feuerwehr Lily nennen, wenn du das möchtst, aber so arg sehe ich das auch wieder nicht.

    Herzliche Geburtstagswünsche in den Himmel für deine Schwester!

    Und alles Liebe und eine tröstende Umarmung für dich, liebe Sunbabe.

    Man kann es zwar verstehen, aber wirklich glauben kann man es nicht, das ist wahr!

    Das ist etwas, das ich mir immer sage, mein Liebster hat nicht leiden müssen, er hat sich die Beschwerden des Alters erspart, er hat nicht erleben müssen, dass ich nicht mehr da bin und er alleine ist. Darüber bin ich sehr, sehr froh, geradezu erleichtert, dass ich es bin, die die Tür hinter unserem Kapitel "Familiengeschichte" schließt.

    Und dennoch macht es gerade dieses "nicht Abschied nehmen können" auf gewisse Weise so schwer.


    Matthias hat es schon erkannt, der Tod seiner Mutter war für ihn nicht wegen der Schwere ihrer Krankheit leichter zu verkraften, sondern weil er da seine Dorit noch hatte. Leider ereilen ihn die Erkenntnissprozesse erst immer, nachdem er wieder das halbe Forum rebellisch gemacht hat mit seinen anklagenden Hilfeschreien.

    Trotzdem möchte ich hier für ihn bei euch allen um Verständnis bitten, er kann nicht anders, er braucht uns für seine Selbstreflektionen und für mich ist es immer schön zu lesen, wie er anfängt nachzudenken, nachdem ihm unser Gegenwind um die Ohren weht.

    Es ist einfach seine Art zu trauern und es wirbelt für uns alle immer wieder genau diesen schmerzhaften Staub auf, den wir für unsere Heilung benötigen, so sehe ich das.


    Für mich ist es auch manchmal schwer nicht zu vergleichen aber nicht, weil ich glaube, dass mein Fall der Allerschlimmste wäre, sondern im Gegenteil, weil ich mich frage, ob ich ein Recht darauf habe mir auch nach 2 Jahren noch zu wünschen, bald zu ihm gehen zu können und nicht stärker versuche meine Freude am Leben wiederzufinden.

    Die Tatsache ist doch, dass wir ein langes schönes Leben miteinander hatten und dass mein Mann immerhin schon 76 Jhre alt gewesen ist als er starb.

    Wenn ich dann von anderen Schicksalen lese, wo Kinder sterben, oder auf einmal die ganze Familie gestorben ist, komme ich mir im Moment ganz klein und schäbig vor mit meiner großen Trauer.


    Aber wie ihr schon richtig angemerkt habt, man kann Trauer nicht vergleichen, in keinem Fall und das überschreitet meiner Meinung nach auch das Menschenreich und kann auch Tiere betreffen, wenn sie die entsprechende Bedeutung im Leben eines Menschen hatten.


    Die Trauer müssen wir alle für uns alleine leben, aber wir können hier unseren Schmerz aussprechen und hier werden wir verstanden, wo sonst nirgendwo mehr Verständnis möglich ist.

    Es ist großartig, dass es dieses Forum gibt!

    Naja, ihr habt Recht und auch wieder nicht.

    Schon allein die Sache mit dem Mitgefühl: Das ist mir nämlich auch abhanden gekommen. Klingt merkwürdig, weil ich hier ja gerne schreibe, aber wenn ich es genau betrachte ist es immer eine Art Selbstreflektion und kein echtes Mitgefühl, so wie ich es vorher oft hatte.

    Möglicherweise, war es vorher aber auch übertrieben (gerade beim Unterstützen anderer musste mich Hannes manchmal vor mir selbst retten) und jetzt ist es auf ein gesundes Maß geschrumpft?

    Ich weiß es nicht.

    Ich habe Riesenprobleme meine Gefühle zu fühlen, sie kleben alle wie ein schlecht angeklebtes Etikett auf den Menschen, Tieren, Ereignissen und Dingen, sodass ich für mich adressieren kann: "Aha" das war jetzt lustig, oder "Aha" der oder die hat Schreckliches erlebt, oder wie heute: Da hat alles reibungslos geklappt, was ich mir vorgenommen habe und ich war danach richtig beschwingt und habe mich gefreut - und dennoch: Es war wie schon öfter ein freudiger Moment der zusammenhanglos in der Luft schwebt und dann schwebt er fort und ich kann ihn nicht einfangen, zuordnen und etwas damit anfangen. Er lebt nunmehr als bleiche Erinnerung, die ich zwar erzählen, aber nicht mehr richtig nachfühlen kann.

    Es ist so furchtbar schwierig zu erklären, kurz gesagt: Alles fühlt sich irgendwie falsch an und bleibt immer nur für einen Moment, den ich manchmal kaum bemerke bevor er wieder vorbei ist. Früher war das definitiv anders und deshalb habe ich geschrieben, alle positiven Gefühle sind weg, weil mir diese Gefühle so eigenartig entgleiten, wenn sie denn mal wirklich kommen.


    Bei den negativen Gefühlen, wie Trauer, Wut, Schmerz, Einsamkeit, ja in letzter Zeit auch mal Neid und Eifersucht ist das nicht so.

    Die haben fett und breit mein Leben belagert und fühlen sich sehr, sehr echt und vor allen sehr, sehr dauerhaft an.

    Es gab zwar auch schon Momente, da konnte ich einfach nicht trauern, worüber ich mich gewundert habe, ja sogar schockiert war. Aber diese Momente fühlten sich ganz schrecklich an, da war da so eine Riesenlücke, wo eigentlich Gefühle hätten sein sollen - angenehm war das auch nicht.


    Ich will ja nichtmal, dass mir jemand meinen Zustand ganz einfach wegzaubert, denn ich glaube, das wäre noch schlimmer.

    Die Trauer muss durchlebt werden mit all ihren Facetten, aber ich würde gern verstehen, was da mit mir, mit uns allen hier passiert.

    Das schon!

    Allein der Vergleich mit allen anderen, das Aufschreiben für mich und euch klärt so manches, auch wenn ich es erst später begreife.


    Auch der Matthias muss sich selber helfen letztenendes ...

    Aber das Wiederkäuen immer derselben Kümmernisse, das tut so gut.

    Lieber Matthias, ich verstehe dich gut und will dir wirklich deine Schuldgefühle nicht nehmen, das wäre sogar ein Akt der Grausamkeit, denn an ihnen hältst du dich fest, sie sind das Gerüst deines Lebens ohne Dorit.

    Und deine Postings halten auch immer wieder mir einen Spiegel vor.

    Nein, du kannst die Schuldgefühle nicht loswerden oder mit ihnen fertigwerden oder sonst irgend eine Aktion starten.

    Die sind genauso lange für dich da, solange sie du dringend brauchst und werden sich von Zauberhand auflösen, sobald du bereit dafür bist. Ob in diesem Leben, oder im Jenseits, wo das dann hoffentlich alles viel einfacher ist, das weiß niemand.

    Aber ich persönlich glaube, jede Wiederholung, jedesmal wenn du uns oder sonst irgendjemand, der mitfühlend genug ist, es sich anzuhören, von deinem Kummer und deinen Schuldgefühlen erzählst, gibt es die Chance, dass die dicke Mauer, hinter der du dich verschanzt hat ein wenig zu bröckeln beginnt.


    Ich sende euch allen eine herzliche Umarmung vor allem dir liebe Bine, weine ruhig, das tut dir auch gut!

    Alles Liebe Gabi

    Ihr Lieben,
    nachdem ihr hier in Matthias Thread das Thema "Tod eines geliebten Tieres" aufgegriffen und weitergeführt habt, möchte ich gerne, hoffentlich auch mit der Erlaubnis von Matthias meine Gedanken dazu mitteilen.


    Lieber Matthias,

    du hast ja ordentlich Gegenwind nach deiner ersten Antwort an Ronny erhalten. Ich habe mich rausgehalten, denn ich kann deinen spontanen Ausbruch ein bisschen nachvollziehen, weil in der Gesellschaft das Leben eines Tieres immer ein wenig anders bewertet wird, als ein Menschenleben und du eben diese Meinung auch vertrittst. Dazu kommt, dass du momentan durch die starke anhaltende Trauer um deine Frau und deine anderen schwierigen Umstände nicht fähig bist, das Leid anderer Menschen nachzuempfinden

    (das soll keine Kritik sein, sondern nur die Tatsachen beschreiben, die ich ebenfalls kenne, denn auch ich habe seit dem Tod meines geliebten Hannes Schwierigkeiten Mitgefühl für Leid zu empfinden, welches im Moment nicht dem Meinigen entspricht - das ist auch der Grund warum ich selten in Threads der Rubrik "verstorbene Eltern, oder verstorbenen Kinder" schreibe).

    Es war allerdings nicht sehr glücklich, das spontan in Ronnys Thread zu schreiben, denn bei diesem IST das geliebte Tier der Partner, der sein Leben bestimmt hat und um den er nicht weniger trauert als du um deine Dorit oder ich um meinen Hannes.

    Es ist schön, dass du es eingesehen und zurückgenommen hast.


    Liebe Ange,

    es gibt tatsächlich Unterschiede in der Trauer, allerdings glaube ich nicht, dass es sich darum handelt, ob es ein Mensch oder ein Tier ist, das gestorben ist, sondern welchen Stellenwert das betreffende Lebewesen im Herzen eines Menschen eingenommen hat.

    Ich persönlich kann von mir sagen, dass ich um meinen Hund intensiver getrauert habe als um meine Mutter und um meinen Vater und ich schäme mich absolut nicht dafür, denn ich habe meine Eltern wirklich geliebt und bis zum Tod begleitet. Und ich liebe Vati und Mutti immer noch, aber ich habe mich vor ihrem Tod soweit von ihnen gelöst, dass sie mir im täglichen Leben nicht so sehr gefehlt haben wie meine geliebte Hündin Mimi.

    Und dann gibt es da noch den Tod meines Mannes und DAS ist tatsächlich eine komplett andere Kategorie.

    Dieser Tod hat mein Leben zerstört.

    Sein Tod hat mich quasi halbiert und ich muss jetzt versuchen, mit dem was übriggeblieben ist weiterzuleben.

    Ich bin diesem Forum so dankbar, dass ich hier Gleichgesinnte finden konnte, dass ich erfahren durfte, dass ich nicht verrückt werde, sondern dass es anderen Menschen ebenso geht wie mir, denn ich hätte mir vor dem Tod meines Mannes im Leben nicht vorstellen können, wie es ist, wenn ich ohne meine zweite Hälfte weiterleben muss.

    Ich lese hier aber auch von Menschen, die um ihre Eltern so trauern, wie ich um meinen Mann, was heißt dass deren Verbindung mit ihren Eltern ebenso lebensbestimmend war, wie meine Verbindung zu meinem Mann, oder Ronnys Verbindung zu seinem Hund.

    Nein, liebe Ange, ich mag dich noch genauso und finde es sogar sehr gut, dass du das Thema aufgegriffen hast und uns deine Auffassung präsentiert hast und dadurch auch mir Gelegenheit gegeben hast, meine Gedanken hier zu schreiben.

    Bei einem gebe ich dir aber recht: Der Tod eines Kindes ist nochmal etwas ganz anderes und ich will mir gar nicht vorstellen, wie das sein muss und ich habe höchsten Respekt vor all den Menschen die sich mutig der Herausforderung stellen, mit dieser schweren Bürde wieder ins Leben hineinzufinden.


    Liebe Luse, liebe Blaumeise,

    nachdem es für mich "den da oben" so nicht gibt, habe ich auch kein gestörtes Verhältnis zu diesem alten Mann mit weißem Bart.

    Im Gegenteil, schon als Kind fand ich dieses Gottesbild ziemlich absurd und habe in langen Jahren der Suche und Innenschau eine Wahrheit für mich gefunden, die alles was auf dieser Erde passiert, seien es Greueltaten oder der Tod von Kindern oder andere schreckliche Dinge, verständlich macht, sodass ich eingesehen habe, dass alles seinen Sinn hat, was jedem von uns passiert.

    Nicht dass ich verstehen würde, was dieser Sinn jeweils ist, vor allem bei mir selber nicht. Aber DASS alles seine Gründe hat, dessen bin ich mir sicher und das tröstet mich auch.




    Liebe Shiva,


    das drückt perfekt aus, wie ich es auch fühle.

    Ich bin dir mit meiner Trauer knappe 6 Monate voraus und habe nun, nach dem zweiten Todestag immer noch den gleichen Kummer, das gleiche fehlende Lebensgefühl wie schon ganz zu Anfang, nur halt nicht mehr ganz so scharf und akut.

    Und es gibt absolut niemanden mehr, der das versteht und mit dem ich darüber frei reden könnte.

    Liebe Coco,


    mein tiefes Mitgefühl zu deinem tragischen Verlust!

    Es ist gut, dass du deine Gefühle niederschreibst und ich wünsche dir alles Gute und viel Kraft für den schweren weg, der vor dir liegt. Gabi