Posts by Tigerlily

    Liebe Luise,


    es ist schlimm genug unter Einsamkeit und Trauer zu leiden, ich mache mir wirklich Sorgen um dich, denn ich habe nicht das Gefühl das es gut für dich ist so ganz alleine und vereinzelt dein Leben zu verbringen.

    Leider fällt mir auch keine Lösung ein, die du akzeptabel finden würdest und es liegt mir fern mich in das Leben anderer Trauernder einzumischen.

    Dennoch hoffe ich, du hast ärztliche Unterstützung, damit du deine neuen Ausfallerscheinungen abklären kannst.

    Liebe Sommermond,


    mein tiefes Mitgefühl für deinen schrecklichen Verlust.

    Nach nicht mal vier Monaten ist alles noch so frisch und du bist am Anfang des langen mühseligen und schmerzhaften Weges der Trauer, den wir hier alle gehen, die wir unsere Hauptbezugsperson verloren haben.

    Es bleibt mir nur, dir viel Kraft zu wünschen und eine tröstende Umarmung zu senden.

    Schön, dass du dieses Forum hier gefunden hast, hier bekommt man wirklich Hilfe und kann alles schreiben, was einen bewegt.

    Liebe Luse,


    zum heutigen Gedenktag wünsche ich dir viel Kraft und alles Liebe.

    Die Verbundenheit ist nach wie vor da, das stimmt, trotzdem ist dein Liebster unerreichbar weit weg, das schmerzt.

    Übrigen hat Pilo, das Schaf einen Kollegen in meinem Wohnzimmer.

    Das ist Johannesbär, der Gute sitzt schon seit Monaten auf Hannes Platz neben mir und hat den kleinen Mimibär unter seine Fittiche genommen.



    Liebe Karin,

    nein der Gegenwind, das bin nicht ich, denn ich wüsste nicht, wogegen ich mich wehren sollte.

    Für mich ist jede Form der Trauer richtig, nur das möchte ich immer wieder aufs Neue ausdrücken und es führen viele Wege nach Rom.

    Und weil das hier mein Thread ist, in dem diese (mir durchaus willkommene) Diskussion stattfindet bestimme auch ich, wem ich Fürsprache gebe, das hat nichts damit zu tun, dass Matthias nicht für sich selbst sprechen könnte, das tut er ja sowieso immer gerne und ausführlich.


    Den Trauer TÜV finde ich witzig, aber auch paradox, denn TÜV bedeutet ja immer eine Überprüfung auf die gültige Norm und gerade ich bin die Letzte die bezüglich der Trauer anderer Normen aufstellen möchte.


    Liebe Luse,

    fast möchte ich dich beneiden um den Vorsprung an Jahren, aber du hast auch wesentlich mehr Jahre als ich mit deinem Liebsten geteilt, da ist es gut und schön dass du die Wartezeit bis zum Wiedersehen besser überbrücken kannst, wenn du dir eingestehst, dass du nicht mehr gar so lange darauf warten musst, wie andere (obwohl: Genau weiß man das sowieso nie, der Tod kann jederzeit jeden von uns treffen, oder aber wir werden 100 Jahre alt, wer weiß das schon genau?)

    Und du darfst mich gerne Feuerwehr Lily nennen, wenn du das möchtst, aber so arg sehe ich das auch wieder nicht.

    Herzliche Geburtstagswünsche in den Himmel für deine Schwester!

    Und alles Liebe und eine tröstende Umarmung für dich, liebe Sunbabe.

    Man kann es zwar verstehen, aber wirklich glauben kann man es nicht, das ist wahr!

    Das ist etwas, das ich mir immer sage, mein Liebster hat nicht leiden müssen, er hat sich die Beschwerden des Alters erspart, er hat nicht erleben müssen, dass ich nicht mehr da bin und er alleine ist. Darüber bin ich sehr, sehr froh, geradezu erleichtert, dass ich es bin, die die Tür hinter unserem Kapitel "Familiengeschichte" schließt.

    Und dennoch macht es gerade dieses "nicht Abschied nehmen können" auf gewisse Weise so schwer.


    Matthias hat es schon erkannt, der Tod seiner Mutter war für ihn nicht wegen der Schwere ihrer Krankheit leichter zu verkraften, sondern weil er da seine Dorit noch hatte. Leider ereilen ihn die Erkenntnissprozesse erst immer, nachdem er wieder das halbe Forum rebellisch gemacht hat mit seinen anklagenden Hilfeschreien.

    Trotzdem möchte ich hier für ihn bei euch allen um Verständnis bitten, er kann nicht anders, er braucht uns für seine Selbstreflektionen und für mich ist es immer schön zu lesen, wie er anfängt nachzudenken, nachdem ihm unser Gegenwind um die Ohren weht.

    Es ist einfach seine Art zu trauern und es wirbelt für uns alle immer wieder genau diesen schmerzhaften Staub auf, den wir für unsere Heilung benötigen, so sehe ich das.


    Für mich ist es auch manchmal schwer nicht zu vergleichen aber nicht, weil ich glaube, dass mein Fall der Allerschlimmste wäre, sondern im Gegenteil, weil ich mich frage, ob ich ein Recht darauf habe mir auch nach 2 Jahren noch zu wünschen, bald zu ihm gehen zu können und nicht stärker versuche meine Freude am Leben wiederzufinden.

    Die Tatsache ist doch, dass wir ein langes schönes Leben miteinander hatten und dass mein Mann immerhin schon 76 Jhre alt gewesen ist als er starb.

    Wenn ich dann von anderen Schicksalen lese, wo Kinder sterben, oder auf einmal die ganze Familie gestorben ist, komme ich mir im Moment ganz klein und schäbig vor mit meiner großen Trauer.


    Aber wie ihr schon richtig angemerkt habt, man kann Trauer nicht vergleichen, in keinem Fall und das überschreitet meiner Meinung nach auch das Menschenreich und kann auch Tiere betreffen, wenn sie die entsprechende Bedeutung im Leben eines Menschen hatten.


    Die Trauer müssen wir alle für uns alleine leben, aber wir können hier unseren Schmerz aussprechen und hier werden wir verstanden, wo sonst nirgendwo mehr Verständnis möglich ist.

    Es ist großartig, dass es dieses Forum gibt!

    Naja, ihr habt Recht und auch wieder nicht.

    Schon allein die Sache mit dem Mitgefühl: Das ist mir nämlich auch abhanden gekommen. Klingt merkwürdig, weil ich hier ja gerne schreibe, aber wenn ich es genau betrachte ist es immer eine Art Selbstreflektion und kein echtes Mitgefühl, so wie ich es vorher oft hatte.

    Möglicherweise, war es vorher aber auch übertrieben (gerade beim Unterstützen anderer musste mich Hannes manchmal vor mir selbst retten) und jetzt ist es auf ein gesundes Maß geschrumpft?

    Ich weiß es nicht.

    Ich habe Riesenprobleme meine Gefühle zu fühlen, sie kleben alle wie ein schlecht angeklebtes Etikett auf den Menschen, Tieren, Ereignissen und Dingen, sodass ich für mich adressieren kann: "Aha" das war jetzt lustig, oder "Aha" der oder die hat Schreckliches erlebt, oder wie heute: Da hat alles reibungslos geklappt, was ich mir vorgenommen habe und ich war danach richtig beschwingt und habe mich gefreut - und dennoch: Es war wie schon öfter ein freudiger Moment der zusammenhanglos in der Luft schwebt und dann schwebt er fort und ich kann ihn nicht einfangen, zuordnen und etwas damit anfangen. Er lebt nunmehr als bleiche Erinnerung, die ich zwar erzählen, aber nicht mehr richtig nachfühlen kann.

    Es ist so furchtbar schwierig zu erklären, kurz gesagt: Alles fühlt sich irgendwie falsch an und bleibt immer nur für einen Moment, den ich manchmal kaum bemerke bevor er wieder vorbei ist. Früher war das definitiv anders und deshalb habe ich geschrieben, alle positiven Gefühle sind weg, weil mir diese Gefühle so eigenartig entgleiten, wenn sie denn mal wirklich kommen.


    Bei den negativen Gefühlen, wie Trauer, Wut, Schmerz, Einsamkeit, ja in letzter Zeit auch mal Neid und Eifersucht ist das nicht so.

    Die haben fett und breit mein Leben belagert und fühlen sich sehr, sehr echt und vor allen sehr, sehr dauerhaft an.

    Es gab zwar auch schon Momente, da konnte ich einfach nicht trauern, worüber ich mich gewundert habe, ja sogar schockiert war. Aber diese Momente fühlten sich ganz schrecklich an, da war da so eine Riesenlücke, wo eigentlich Gefühle hätten sein sollen - angenehm war das auch nicht.


    Ich will ja nichtmal, dass mir jemand meinen Zustand ganz einfach wegzaubert, denn ich glaube, das wäre noch schlimmer.

    Die Trauer muss durchlebt werden mit all ihren Facetten, aber ich würde gern verstehen, was da mit mir, mit uns allen hier passiert.

    Das schon!

    Allein der Vergleich mit allen anderen, das Aufschreiben für mich und euch klärt so manches, auch wenn ich es erst später begreife.


    Auch der Matthias muss sich selber helfen letztenendes ...

    Aber das Wiederkäuen immer derselben Kümmernisse, das tut so gut.

    Lieber Matthias, ich verstehe dich gut und will dir wirklich deine Schuldgefühle nicht nehmen, das wäre sogar ein Akt der Grausamkeit, denn an ihnen hältst du dich fest, sie sind das Gerüst deines Lebens ohne Dorit.

    Und deine Postings halten auch immer wieder mir einen Spiegel vor.

    Nein, du kannst die Schuldgefühle nicht loswerden oder mit ihnen fertigwerden oder sonst irgend eine Aktion starten.

    Die sind genauso lange für dich da, solange sie du dringend brauchst und werden sich von Zauberhand auflösen, sobald du bereit dafür bist. Ob in diesem Leben, oder im Jenseits, wo das dann hoffentlich alles viel einfacher ist, das weiß niemand.

    Aber ich persönlich glaube, jede Wiederholung, jedesmal wenn du uns oder sonst irgendjemand, der mitfühlend genug ist, es sich anzuhören, von deinem Kummer und deinen Schuldgefühlen erzählst, gibt es die Chance, dass die dicke Mauer, hinter der du dich verschanzt hat ein wenig zu bröckeln beginnt.


    Ich sende euch allen eine herzliche Umarmung vor allem dir liebe Bine, weine ruhig, das tut dir auch gut!

    Alles Liebe Gabi

    Ihr Lieben,
    nachdem ihr hier in Matthias Thread das Thema "Tod eines geliebten Tieres" aufgegriffen und weitergeführt habt, möchte ich gerne, hoffentlich auch mit der Erlaubnis von Matthias meine Gedanken dazu mitteilen.


    Lieber Matthias,

    du hast ja ordentlich Gegenwind nach deiner ersten Antwort an Ronny erhalten. Ich habe mich rausgehalten, denn ich kann deinen spontanen Ausbruch ein bisschen nachvollziehen, weil in der Gesellschaft das Leben eines Tieres immer ein wenig anders bewertet wird, als ein Menschenleben und du eben diese Meinung auch vertrittst. Dazu kommt, dass du momentan durch die starke anhaltende Trauer um deine Frau und deine anderen schwierigen Umstände nicht fähig bist, das Leid anderer Menschen nachzuempfinden

    (das soll keine Kritik sein, sondern nur die Tatsachen beschreiben, die ich ebenfalls kenne, denn auch ich habe seit dem Tod meines geliebten Hannes Schwierigkeiten Mitgefühl für Leid zu empfinden, welches im Moment nicht dem Meinigen entspricht - das ist auch der Grund warum ich selten in Threads der Rubrik "verstorbene Eltern, oder verstorbenen Kinder" schreibe).

    Es war allerdings nicht sehr glücklich, das spontan in Ronnys Thread zu schreiben, denn bei diesem IST das geliebte Tier der Partner, der sein Leben bestimmt hat und um den er nicht weniger trauert als du um deine Dorit oder ich um meinen Hannes.

    Es ist schön, dass du es eingesehen und zurückgenommen hast.


    Liebe Ange,

    es gibt tatsächlich Unterschiede in der Trauer, allerdings glaube ich nicht, dass es sich darum handelt, ob es ein Mensch oder ein Tier ist, das gestorben ist, sondern welchen Stellenwert das betreffende Lebewesen im Herzen eines Menschen eingenommen hat.

    Ich persönlich kann von mir sagen, dass ich um meinen Hund intensiver getrauert habe als um meine Mutter und um meinen Vater und ich schäme mich absolut nicht dafür, denn ich habe meine Eltern wirklich geliebt und bis zum Tod begleitet. Und ich liebe Vati und Mutti immer noch, aber ich habe mich vor ihrem Tod soweit von ihnen gelöst, dass sie mir im täglichen Leben nicht so sehr gefehlt haben wie meine geliebte Hündin Mimi.

    Und dann gibt es da noch den Tod meines Mannes und DAS ist tatsächlich eine komplett andere Kategorie.

    Dieser Tod hat mein Leben zerstört.

    Sein Tod hat mich quasi halbiert und ich muss jetzt versuchen, mit dem was übriggeblieben ist weiterzuleben.

    Ich bin diesem Forum so dankbar, dass ich hier Gleichgesinnte finden konnte, dass ich erfahren durfte, dass ich nicht verrückt werde, sondern dass es anderen Menschen ebenso geht wie mir, denn ich hätte mir vor dem Tod meines Mannes im Leben nicht vorstellen können, wie es ist, wenn ich ohne meine zweite Hälfte weiterleben muss.

    Ich lese hier aber auch von Menschen, die um ihre Eltern so trauern, wie ich um meinen Mann, was heißt dass deren Verbindung mit ihren Eltern ebenso lebensbestimmend war, wie meine Verbindung zu meinem Mann, oder Ronnys Verbindung zu seinem Hund.

    Nein, liebe Ange, ich mag dich noch genauso und finde es sogar sehr gut, dass du das Thema aufgegriffen hast und uns deine Auffassung präsentiert hast und dadurch auch mir Gelegenheit gegeben hast, meine Gedanken hier zu schreiben.

    Bei einem gebe ich dir aber recht: Der Tod eines Kindes ist nochmal etwas ganz anderes und ich will mir gar nicht vorstellen, wie das sein muss und ich habe höchsten Respekt vor all den Menschen die sich mutig der Herausforderung stellen, mit dieser schweren Bürde wieder ins Leben hineinzufinden.


    Liebe Luse, liebe Blaumeise,

    nachdem es für mich "den da oben" so nicht gibt, habe ich auch kein gestörtes Verhältnis zu diesem alten Mann mit weißem Bart.

    Im Gegenteil, schon als Kind fand ich dieses Gottesbild ziemlich absurd und habe in langen Jahren der Suche und Innenschau eine Wahrheit für mich gefunden, die alles was auf dieser Erde passiert, seien es Greueltaten oder der Tod von Kindern oder andere schreckliche Dinge, verständlich macht, sodass ich eingesehen habe, dass alles seinen Sinn hat, was jedem von uns passiert.

    Nicht dass ich verstehen würde, was dieser Sinn jeweils ist, vor allem bei mir selber nicht. Aber DASS alles seine Gründe hat, dessen bin ich mir sicher und das tröstet mich auch.




    Liebe Shiva,


    das drückt perfekt aus, wie ich es auch fühle.

    Ich bin dir mit meiner Trauer knappe 6 Monate voraus und habe nun, nach dem zweiten Todestag immer noch den gleichen Kummer, das gleiche fehlende Lebensgefühl wie schon ganz zu Anfang, nur halt nicht mehr ganz so scharf und akut.

    Und es gibt absolut niemanden mehr, der das versteht und mit dem ich darüber frei reden könnte.

    Liebe Coco,


    mein tiefes Mitgefühl zu deinem tragischen Verlust!

    Es ist gut, dass du deine Gefühle niederschreibst und ich wünsche dir alles Gute und viel Kraft für den schweren weg, der vor dir liegt. Gabi

    Ich hab nichtmal mehr Balkonkästen, nur mehr ein paar übriggebliebene Zimmerpflanzen und dabei hat meine Terrasse immer so schön geblüht für meinen Vater und Hannes. Und zuvor hatten wir jahrzehntelang Haus und Garten und alles war zwar arbeitsintensiv aber auch prächtig anzusehen.

    Damals kannte ich noch diese glückliche, gesunde Müdigkeit, wenn das Tagwerk erfolgreich vollbracht ist und man als Ergebnis den schönen Garten bewundern darf.

    Wir alle haben soviel verloren.

    Ich weiß nicht wie das nochmal annähernd gut werden soll.

    Schadensbegrenzung und Ablenkung ist immer noch das Einzige, was mich durchs Leben begleitet.

    Hinter mir die Fülle, vor mir die absolute Ungewissheit und die Gegenwart ... da rede ich lieber gar nicht drüber.

    Liebe Luise,


    auch von mir eine herzliche Umarmung!

    Ich wünsche dir Frieden im Herzen, der alles ein wenig leichter macht.

    Die Liebe und das Leben sind nie verloren, sie sind ewig und deshalb wird es als Belohneng fürs Aushalten hier auf dieser Erde, so einsam und alleine, die Wiedervereinigung in der geistigen Welt geben.

    Das ist die Hoffnung die ich dir von hier aus mitgeben kann.

    und ich gebe sie dir gerne, denn es ist auch meine Hoffnung.

    Alles Liebe Gabi

    Ich schließe mich den Genesungswünschen an und hoffe, dass aus der Schwebe bald hoffnungsvolle Gewissheit wird!


    Der Betonmischer, ist sehr treffend, liebe Bine, da bin ich auch immer noch drinnen.

    Lieber Robert,


    wie sehr ich dich verstehe, wenn man vom Tod selber im Stich gelassen wird ... ich habe mich auch schon so oft gefragt, warum müssen Menschen sterben, sogar jüngere Menschen, die noch SO gern gelebt hätten, wie z. b. meine Schwägerin Rosi vor etlichen Jahren und ich, die ich so gern sterben würde muss weiterleben?

    Ich würde gern tauschen, wenn das möglich wäre.

    Und mir ist bewusst, dass das, was du aussprichst und ich hier noch einmal bekräftige beim Großteil der Menschheit als Sakrileg gilt.

    Wo doch Leben an sich so wertvoll ist!

    Wo man doch dankbar dafür sein muss!

    Wo man doch das Leben gefälligst genießen soll, wenn es für andere äußerlich gesehen so aussieht, als ob man alles hätte, was man für ein erfülltes Leben braucht.


    Ich bin für mein Alter relativ gesund und du scheinst es offenbar ebenso zu sein oder zu werden, welch Ironie der Geschichte!

    Trotzdem bin ich inzwischen zu der Annahme gelangt, dass es etwas bedeuten muss, dass wir weiterleben müssen/dürfen.

    Glaub mir, mir gefällt es auch nicht, aber nachdem wir anscheinend keine andere Wahl haben, habe zumindest ich für meinen Teil angefangen, zu versuchen zu verstehen, was denn nun der Zweck meines weiteren Lebens sein soll.

    Für den Anfang bin ich dabei Frieden mit dieser meiner Existenz zu schließen.

    Leider meistens nicht sehr erfolgreich, aber immerhin habe ich mir selber eingestanden, dass ich mit meinem Leben und meinem Körper und allem was dazugehört auf Kriegsfuß stehe, und dass das für die weitere Entwicklung nicht eben förderlich ist.

    Jetzt muss ich nur noch herausfinden wie das Friedenschließen geht, dann bin ich einen Schritt weiter.


    Ich wünsche dir alles Gute bei dem Weg, den du nach dieser Enttäuschung für dich einschlägst, eine liebevolle Umarmung sendet dir Gabi

    Lieber Ronny,


    mein Mitgefühl zum Verlust deines langjährigen Lebensbegleiters Dusty!

    So ein starker und schöner Hund und er hat einen seelenvollen Blick voller Liebe.

    Ich kann verstehen, dass es dir den Boden unter den Füßen weggezogen hat, denn er war dein Partner und da gibt es keinen Unterschied von Mensch zu Tier, vor allem weil er der einzige und letzte Begleiter deines Lebens war und dich noch dazu in der kritischsten Zeit deines Lebens stabilisiert und unterstützt hat.

    Leider leben Hunde nicht so lange wie Menschen, aber sie tun ihr Bestes uns zu unterstützen so gut sie können und ich glaube fest daran, dass dich dein Dusty zwar körperlich verlassen musste, dir aber weiterhin gemeinsam mit deinem Schutzengel zur Seite steht.

    Es ist vollkommen in Ordnung, dass du trauerst, leider kannst du von den sogenannten "normalen" Menschen dafür nach einigen Momaten noch weniger Verständnis finden als wir anderen, die um einen geliebten Menschen trauern. Aber glaube mir: dass es genug sei, das habe ich ein halbes Jahr nach dem Unfalltod meines Mannes ebenfalls hören müssen.

    Von daher bist du hier goldrichtig, ja ich würde es sogar befürworten, eine neue Rubrik "Trauer um ein geliebtes Tier" einzufügen, denn ich bin sicher, dass du nicht alleine mit deinem Schmerz bist.

    Vielleicht möchtest du uns ja bei Gelegenheit mehr über deinen Dusty erzählen?


    Ich habe ebenfalls schon geliebte Tiere verloren und um sie getrauert.

    Mein erstes Pferd Iris, das sich nie wieder durch ein anderes ersetzen ließ und vor allem die langjährige Begleiterin unserer Familie, die Rauhaardackelhündin Mimi, die im hohen Alter von 17 Jahren im Jahr 2004 gestorben ist.

    Obwohl meine Mimi sehr alt werden durfte habe ich sehr um sie getrauert, ebenso wie mein Mann. Ich habe oft von ihr geträumt und vermisse sie heute noch wenn ich ehrlich bin.

    Nachdem in der Zwischenzeit meine ganze Familie nicht mehr am Leben ist und ich ebenfalls ganz alleine war nach dem Tod meines Mannes kam von vielen Seiten der Vorschlag, dass ich mir doch einen Hund anschaffen solle.

    Was die Leute nicht kapieren: Man kann ein Leben nicht durch ein anderes ersetzen und es wäre geradezu Missbrauch gewesen, ein mir fremdes Tier als Versuchskaninchen für mein Seelenwohl zu opfern.

    Das schreibe ich, weil du in einer ähnlichen Lage bist.

    Weißt du, wenn es für dich richtig ist, dass wieder ein neues Tier oder ein neuer Mensch in dein Leben treten darf, dann wird sich das ganz automatisch fügen und du brauchst nur ja zu sagen und zuzugreifen.

    Alles andere ist falsch und gekünstelt und bringt kein Glück.


    Für mein Leben nach dem Tod meiner Familie war mein alleinstehender Cousin vorgesehen, der letzten Dezember von Norddeutschland zu mir nach Tirol in eine eigene Wohnung gezogen ist, damit wir uns gegenseitig stützen und trösten können.

    Und siehe da: Dieser Cousin hat einen kleinen Hund, der ihm in seinen einsamen letzten Jahren eine große Stütze war und dieser Hund, der Welsh Corgie Ben ist nun für uns beide da und ich habe wieder ein Tier um mich herum, das mir allmählich ans Herz wächst und auf diese spezielle Art und in dieser Situation ist uns allen damit geholfen.


    Ich wünsche dir alles Liebe und viel Kraft und bleib stark für deinen Dusty, der dir nur vorausgegangen ist und dir den Weg bereitet. Gabi

    Liebe Luse,

    vielen Dank für deine lieben Worte, "so jung" das habe ich schön öfter gehört, wobei 62 Jahre alles andere als jung sind und ich mich wirklich schon ziemlich alt fühle.

    Mein Cousin ist 8 Jahre älter als ich, er wird heuer Siebzig. Ich mag ihn eigentlich, trotzdem ist es nicht genug, um dafür zu sorgen, dass ich gerne weiterleben möchte. Ich weiß nicht wie ich das ausdrücken soll, um nicht total undankbar und egoistisch zu wirken.

    Ich würde ja gerne wollen, aber es geht einfach nicht. Und ich wüsste auch keinen anderen Menschen bei dem ich mir das vorstellen könnte.

    Und ich selber?

    Da ist nichts mehr in mir drin, was mich aus diesem Sumpf in dem ich stecke herausziehen könnte. Es fällt mir sowieso immer schwerer auf mich selbst zu achten. Ich mache es nur, weil ich die Notwendigkeit dazu einsehe, um nicht völlig zu vergammeln, aber nicht, weil ich es gern tun würde. Wie schon erwähnt - alle positiven Gefühle sind verschwunden, nur mehr die negativen sind übriggeblieben. Ich kann wirklich nur mehr hoffen, dass sich irgendwann etwas von selber tut, denn ich weiß mir keinen Rat mehr und weiß auch nicht mehr, wo ich noch suchen, was ich noch ausprobieren soll, um mich aus meiner ausweglosen Lage zu befreien.


    Liebe Helga,


    ich bin ja sowas von dankbar, dass ich so ein behütetes schönes Leben hatte!

    Das Problem ist nur, dass ich eben übriggeblieben bin.

    Und die Kunst ist, weiterzuleben in produktiver, freudiger Form, anders macht das für mich keinen Sinn.

    Die Lösung dafür? Ich weiß es nicht. Je länger es dauert, desto ratloser werde ich.


    Lieber Matthias,


    du hast dein Lager gut abgesteckt:

    Die Schuld, nicht genug auf deine geliebte Dorit geachtet zu haben.

    Die Wahrheit, dass du dein Leben lang trauern wirst.


    Zweiteres, da gebe ich dir Recht, wird so sein und es geht darum, diese Trauer zu leben, ohne sich komplett vom Leid auffressen zu lassen.

    Beim Ersten gehe ich nicht so ganz konform mit dir, weil in so einer Tragödie immer noch andere Kräfte mitwirken, die wir hier auf Erden nicht bewusst kontrollieren können, so gerne wir das auch würden.

    Ich kann dir deine Schuldgefühle nicht nehmen, dich aber bitten, sie nicht unwiderbringlich einzuzementieren, sondern dabei zu bleiben, sie immer mal gedanklich hin und her zu bewegen und neue Erkenntnisse zuzulassen.

    Wir sitzen wirklich alle im selben Boot, was unsere Trauer betrifft und für dein Alltagsleben drücke ich dir die Daumen, dass du jemanden findest, der dir in deiner prekären Lage hilft, damit wenigstens deine Basis funktionert, denn das macht, bei allem Schmerz, das Leben doch erheblich leichter.


    Euch allen alles Liebe und hoffentlich einen erträglichen Tag!

    Sehr gerne, liebe Sverja! <3


    Ihr Lieben,


    irgendwie bin ich verwirrt.

    Ich habe so ein Gefühl in mir, als müsste nach dem zweiten Todestag meines Mannes irgendetwas geschehen sein, irgendeine Veränderung spürbar sein, in welche Richtung auch immer.

    Es geht aber immer im gleichen Trott weiter.

    die einzige wirkliche Veränderung, die es in diesen zwei Jahren gegeben hat, ist dass mein Cousin mein täglicher Ansprechpartner geworden ist und dass ich vermutlich aus diesem Grund eine gewisse innere Ruhe gefunden habe, die mich innehalten lässt und mir eine gewisse Gelassenheit verschafft.

    Alles andere ist mehr oder weniger gleich geblieben.

    Ich weiß nicht was ich hier noch soll.

    Ich hab unglaublich Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit und weiß gleichzeitig , dass es das nicht mehr gibt für mich, weil der einzige Mensch, der mir das geben kann nicht mehr lebt.

    Ich habe zu nichts mehr Lust und keine Lebensfreude mehr, alles was ich mache ist Zeit totschlagen und mich notdürftig am Leben erhalten, um den äußeren Schein zu waren und das Andenken meiner verstorbenen Familie nicht zu beschmutzen.


    Ich frage mich weiterhin ernsthaft, wie das weitergehen soll, wenn es nach zwei Jahren immer noch so ist wie am Anfang, nur halt nicht mehr so akut, sondern mehr chronisch verzögert.

    Nach dem ersten Trauerjahr hatte ich Hoffnung, dass es im zweiten Trauerjahr besser wird.

    Jetzt habe ich keine Hoffnung mehr, alles stagniert in einem Status Quo, den ich eher anstrengend als lebenswert finde.