Mein Mann ist mit dem Flugzeug abgestürzt, seitdem ist alles anders.

  • Kleines Update, es ist irgendwie soviel passiert in so kurzer Zeit:

    Völlig unbeabsichtigt, aber unterstützt von heilenden Menschen habe ich fast unbemerkt einen Riesenschritt Richtung Leben getan.

    Ich habe immer noch Zukunftsangst, er geht mir immer noch unermesslich ab und ich bin voller Sehnsucht, ich weiß immer noch nicht was ich eigentlich mit mir anfangen soll - ABER - ich habe entdeckt dass ich tatsächlich nicht mehr daran denke, dass ich lieber auch gegangen wäre. Nicht dass ich jetzt begeistert von meinem Leben bin, aber sterben möchte ich auch nicht mehr und das ist SEHR neu für mich.


    Ich spüre ganz extrem viel Liebe und Dankbarkeit wenn ich an ihn und unsere gemeinsame Vergangenheit denke, was mir jetzt noch fehlt ist das Vertrauen ins Leben, dass alles in Ordnung ist und sich finden wird. Immer noch habe ich das Gefühl ich sollte mehr tun (obwohl mein Terminkalender immer reichlich voll ist) und fühle mich unzulänglich, weil ich nicht wirklich weiß was ich eigentlich möchte (außer bei meinem lieben Mann zu sein - wobei sich jetzt der Fokus von "ihm nachfolgen" zu "mit Ihm Kontakt aufnehmen" verschoben hat)

    Jetzt ist einfach Geduld angesagt und die ist nicht gerade meine Stärke ...

  • Liebe Tigerlily,

    das sind ja sehr erfreuliche Schritte, die du da machst.


    Ich wünsche dir all die Geduld, die du mit dir und dem Vertrauen in das Leben, brauchst.


    Es gilt nicht mehr zu tun. Vielleicht ist manchmal weniger auch mehr?


    Hat dieser Umbruch mit deiner Auszeit zu Allerheiligen zu tun? Welche Menschen sind denn da ein bisschen zu Rettern geworden?


    Ich bin neugierig, doch erzähle hier bitte nur das, was du magst.


    Sei lieb gegrüßt

    Astrid.

  • Ich habe da meine Psychologin, die spirituell sehr offen ist (immerhin habe ich von ihr den Tipp mit dem Medium), dann meine Energetikerin, die abeitet mit dem Computer und mit Karten, das klingt total schräg, aber es funktioniert, das habe ich am eigenen Leib erlebt. Dann habe ich noch einen Hypnotherapeuten, der arbeitet mit meinem höheren Selbst und löst Blockaden und meine Wunderheilerin aus Vorarlberg, die ich schon seit dem Jahr 2000 kenne und die erstaunliche Dinge zustandebringt. Dazu noch zwei spirituell sehr interessierte Freunde. Eine, die arbeitet als Physiotherapeutin und geht eher in eine buddhistische Richtung und einen, mein Kollege, mit dem ich rege Diskussionen führe, bei denen wir uns regelmäßig die Köpfe heißreden.

    Dann habe ich noch eine Frau kennengelernt, die als Mentalcoach arbeitet und mit der ich auch sehr tiefe Gespräche führen kann.

    Wenn ich mir das so durchlese, klingt es reichlich abgehoben, um nicht zu sagen völlig durchgedreht, aber es sind auch durchgedrehte Verhältnisse, die erfordern ungewöhnliche Mittel.

    "Normale" Menschen kenne ich natürlich auch, meine beste Freundin seit über 30 Jahren, die mich mit ihrem handfesten Charakter und gesundem Menschenverstand regelmäßig auf den Boden der Tatsachen herunter holt, indem sie mir unverblümt jederzeit ihre Meinung sagt und meine Mieter, ein älteres Paar die in ihrem Leben auch schon sehr viel mitgemacht haben und die mir in der Anfangszeit sehr viel geholfen haben, indem sie einfach nur für mich da waren und zwar täglich. Dann noch ein paar andere Gelegenheitsbekannte, mit denen ich fallweise Kontakt habe, meinen neu gefundenen Cousin mit dem ich täglich telefoniere und der in seinem eigenen Universum lebt, zu dem ich nicht hundertprozentigen Zugang finde, der mir aber ebenfalls wertvolle Aspekte übers Leben zeigt und nicht zuletzt der Franz, der Einzige, mit dem ich immer und jederzeit nach Herzenslust über Hannes reden kann, eine ungeheuer wertvolle Person für mich und ich denke ich auch für ihn. Ach ja und dann gibts noch meine Freunde in Vorarlberg, die mir ein so herzerwärmendes Angebot für Weihnachten gemacht haben.

    Ich kann mich wirklich sehr, sehr glücklich schätzen, so viele wertvolle Menschen um mich zu haben.

    Dazu nehme ich an Meditationsabenden teil, besuche eine Trauergruppe und gehe ins Fitness Studio, wenn es die Zeit erlaubt.

    Ich versuche einfach in meiner Freizeit viel unter Menschen zu sein, denn meine Arbeit findet größtenteils allein daheim am Computer statt. Da kann ich danach dann nicht auch noch allein daheim bleiben. Natürlich gehe ich auch viel ins Freie, aber mehr als eine Stunde ist es jetzt in der kalten Jahreszeit auch nicht mehr, anders als in Sommer wo ich fast immer draußen war.


    Die Wende hat wahrhaftig der Termin mit dem Medium gebracht. Seitdem weiß ich, dass es meinem Mann gut geht und dass er möchte, dass ich mein Leben weiterlebe und gut nütze bis wir uns einst wiedersehen.

    Vorher war meine Sehnsucht, ihm nachzufolgen, jetzt ertappe ich mich eher dabei, dass ich versuchen möchte sensibel genug zu werden, um bewusst Kontakt mit ihm zu haben. Also den Focus auf das jenseitige Leben habe ich nicht aufgegeben, für mich ist das sehr wichtig auch damit ich mit dem Leben im hier und jetzt besser klarkommen kann.


    Und es ist immer noch so, dass die Morgenstunden jeweils am härtesten zu verkraften sind, da übermannt mich regelmäßig die Sehnsucht und die Einsamkeit, aber immerhin bekomme ich diese Gefühle regelmäßg gut in den Griff auch ohne Tabletten.

    Leider ist es auch immer noch so, dass ich mir keine neue Lebensperspektive schaffen kann, weil mir dazu einfach nichts einfällt, war mich interessieren könnte. Es ist gut, dass ich noch ein Jahr Erwerbsarbeit angehängt habe, damit ich wenigstens irgend etwas Nützliches und Regelmäßiges zu tun bekomme.


    Und es ist noch lange nicht vorbei, es hat erst richtig angefangen mit der Trauer, das bemerke ich täglich.

    Mein Leben ist definitiv nicht in Ordnung, aber Nichtstun ist keine Option.

  • Liebe Tigerlily,


    habe mit Interesse deinen Bericht gelesen und ich meine auch, dass wir menschlichen Wesen wirklich nur einen kleinen Teil wahrnehmen können, was um uns passiert. In jüngeren Jahren fand ich dies Quatsch, jedoch weiß ich nun, dass es wirklich Dinge zwischen Himmel und Erden gibt, die man sich nicht erklären kann und doch gibt es sie.


    Lieben Gruß Uta

  • Und es ist noch lange nicht vorbei, es hat erst richtig angefangen mit der Trauer, das bemerke ich täglich.

    Mein Leben ist definitiv nicht in Ordnung, aber Nichtstun ist keine Option.

    Da kann ich dir nur recht geben, in beidem: es ist noch nicht vorbei, aber aufgeben und nichts tun geht auch nicht. aber beides ist auch schwer, jedenfalls fuer mich. ich wuensche dir viel kraft!

  • Liebe Tigerlily,

    ich freue mich sehr, dass du solche Schritte gemacht hast.

    Auch wenn es schwer ist, hast du etwas gefunden, dass dich leben lässt.

    Und es ist auch noch nicht wichtig zu wissen, was du dann sinnvolles tun wirst.

    Wenn es sinnvoll ist, dann wirst du merken, dass jetzt die Zeit dafür ist.


    Jetzt ist sinnvoll zu überleben und zu leben. Kleine Funken Hoffnung und den Blick

    auf das gerichtet, was trotzdem noch da ist und schön ist.


    Vielleicht liest du mal, mit all dem im Focus, was du im letzten Beitrag geschrieben hast,

    deine ersten Einträge. Dann kannst du nochmal ganz deutlich sehen, welche Schritte du

    seither gegangen bist. Ich freu mich wirklich für dich.


    Und für die Zeiten, in denen es schwer ist, möchte ich dir viel Kraft wünschen.

    Gerade jetzt, in den trüben Morgenstunden.


    Lg. Astrid.

  • Liebe Tigerlilly, Gabi,



    es ist großartig, das Du soviel Kraft aus dem Medium geschöpft hast. Mit meinem Therapeuten, der mir dabei hilft über Mick`s Tod irgendwie hinwegzukommen habe ich auch darüber gesprochen ein Medium auszusuchen, er lehnt so etwas rundheraus ab und hält es für Hokus Pokus. Das habe ich im Prinzip auch immer so gesehen, aber in meiner jetzigen Situation würde es mir sicher helfen zu wissen, das Mick gut angekommen ist, wo auch immer, das es ihm besser geht als zuletzt hier auf Erden. Bin da noch sehr hin- und hergerissen, habe im Internet das betreffend verschiedene Seiten aufgesucht, aber irgendwie war unter diesen Angeboten nicht das dabei, wo ich zum derzeitgen Zeitpunkt sagen kann, ok. mit dieser oder jenem würdest Du das machen. Denn Medien gibt es im Interet ja wie Sand am Meer, aber ein vertrauenswürdiges zu finden, ist nicht einfach. Zwei Frauen kämen für mich in Frage, nur sind diese nicht hier in NRW tätig sondern in Passau und München, werde das aber in diesem Jahr dort sowieso nicht machen., das ist mir jetzt zuviel Stress, die weite Anfahrt ...


    Momentan bin ich sowieso wieder in einem Dauertief, seit seinem Geburtstag am Sonntag, dann noch Weihnachten ohne ihn, wenn Du magst kannst Du mir ja mal schreiben wie es abgelaufen ist mit dem Medium.


    Ich wünsche Dir weiterhin soviel Kraft wie Du sie jetzt verspürst und das unsere Morgensstunden weniger traurig sind.


    Liebe Grüße von Gabi und Mäuschen an Gabi :)

  • Liebe Gabi mit Mäuschen, weißt du dass mein Mann mich auch immer Gabi Mäuschen genannt hat?

    Ich war und bin ein Mensch der ständig alles hinterfragt, voll von Zweifeln ist und dennoch immer die Sehnsucht nach den Dingen hinter der Oberfläche unseres Daseins gehabt hat.

    Seit mein Mann tot ist, habe ich sehr, sehr viele neue Erkenntnisse in jeder Hinsicht gewonnen und das Schicksal schickt mir immer wieder neue Möglichkeiten des Erkenntnisgewinns.

    Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich keine Esoteriktante bin und ich bin auch nicht auf den Kopf gefallen und lasse mich auch nicht leicht über den Tisch ziehen. Ich bin katholisch getauft und auch (noch) nicht aus der Kirche ausgetreten, zum Teil weil mein Mann das nicht wollte, zum Teil weil ich durchaus bereit bin für soziale Zwecke meinen Beitrag zu leisten, aber was da so von kirchlicher Seite an Unsinn verzapft wird habe ich schon als kleines Kind hinterfragt und ich bin davon überzeugt, dass die offiziellen Religionen in aller Welt insgesamt mehr Schaden angerichtet haben, als sie Nutzen gebracht haben, obwohl in den diversen Schriften, vor allem in den möglichst originalen Fassungen sehr viele Wahrheiten drinstehen.


    Tatsache ist, dass die Reinkarnation auch im Urchristentum noch vorhanden war ehe dieses Konzept aus politischen Machtgründen aus den heiligen Schriften verbannt wurde. Und unser Bewußtsein allein auf Gehirnfunktionen zu reduzieren wie es manche Hardcore Wissenschaftler beteuern ist, wenn man ein bisschen darüber nachdenkt auch nicht besonders nachvollziehbar. Menschen aller Kulturen und aller Zeiten haben schon mit ihren Ahnen kommuniziert und in der heutigen Zeit ist der Zugang zu diesen besonderen Fähigkeiten sehr viel leichter als noch vor ein paar Jahrzehnten.

    Ein Beispiel: Gestern Abend war im Kufsteiner Stadtsaal ein Vortrag von Pascal Voggenhuber (ein Medium das derzeit sehr modern und bekannt ist), der Saal war mit 500 Plätzen ausverkauft. Noch vor 10 Jahren wäre so etwas überhaupt nicht möglich gewesen!


    Vor diesem Hintergrund ist das pauschale Abqualifizieren der Kontaktaufnahme mit Verstorbenen ohne Kenntnis der Einzelheiten einfach nur überheblich, meiner Meinung nach und ich bin sehr froh, dass meine Psychologin und Trauerspezialistin eine sehr weltoffene Einstellung hat.


    Ich war bei Liisa Mayer in Weyarn, eine sehr sympathische Frau in den Siebzigern, die von Paul Meek ausgebildet worden ist.

    Die einstündige Sitzung war für mich eine Offenbarung und auf Grund der zahlreichen Details die in dieser Kontaktaufnahme zur Sprache kamen ist für mich der eindeutige Beweis erbracht, dass mein Mann noch lebt, nur halt in einer anderen Dimension, in die wir alle gehen werden, wenn unsere Zeit einmal gekommen ist.

    Mein Medium ist halt auch in der Nähe von München, aber es gibt eine Liste von Medien die von Paul Meek autorisiert wurden, wo man also Qualität voraussetzen kann, vielleicht findest du da jemanden der leichter für dich erreichbar ist. Ich kann es auf jeden Fall nur mit ganzem Herzen empfehlen, es ist ein einmaliges Erlebnis.


    https://www.paulmeek.de/paulme…ungen-jenseitskontakt.php

  • Liebe Gabi ,


    schön das Dein Mann dich Gabi Mäuschen genannt hat, gefällt mir. Ich danke Dir für Deine prompte Antwort. Ich werde die seite von Paul Meek aufsuchen.

    Von Pascal Voggenhuber habe ich auch bereits gehört und gelesen, er ist ja sehr populär.

    Im kommenden Jahr werde ich das in jedem Fall probieren, denn die Tatsache das mein Therapeut und wahrscheinlich die Mehrheit der Mitmenschen jegliche Erfahrung die sich ihrem eigenen Horizont entzieht für Humbug halten, hält mich nicht davon ab.Ich glaube fest daran, das mit dem Ende des Lebens auf Erden es trotzdem ein weiterleben in einer anderen Daseinsform gibt, auch wenn ich Atheistin bin.


    LG Gabi + Mäuschen Hoffentlich hast Du ein "schönes Wochenende "

  • Liebe Gabi mit Mäuschen, wenn ich mal ärgerlich und aufbrausend war hat er mich "Tigerl" genannt^^


    Dieses Wochenende ist wieder mal der Beweis dafür, dass einen der Sumpf aus dem man sich gerade eben so herausgewühlt hat, jederzeit wieder zu verschlucken droht!

    Ich hatte heute am Morgen einen wilden Traum und irgendwie bin ich schlecht gelaunt aufgewacht, habe mich an all unsere nicht so schönen Zeiten erinnert, daran, dass ich früher schon immer so meine traurigen Phasen hatte und eigentlich sowieso nie so der lebenslustige Typ Mensch war, so dass es mir ganz recht war, dass mein Mann quasi für uns Zwei gelebt hat und ich praktisch nur alles mitzumachen brauchte, um mitten im prallen Leben zu stehen. Und dass mir eben das jetzt gehörig auf den Kopf fällt, weil ich dadurch so gar nichts mit mir selber anfangen kann.

    Ich bekam wieder Zweifel, wie das wohl mit mir so weitergehen soll, weil ich mir so gar nicht vorstellen kann, dass sich jemals wieder etwas für mich ändert und ich so alleine und einsam gar nicht weiterleben möchte und danach kam wieder die ganze Flut an destruktiven Gedanken, die ich eigentlich schon ganz gut überwunden glaubte und die man auf Seite eins meines Threads nachlesen kann ...


    Langer Rede kurzer Sinn - trotz netten Besuchs einer Freundin heute nachmittag, ist das heute so gar nicht mein Tag und ich will eigentlich nur mein altes Leben wieder zurück. ||

  • Liebe Gabi,

    ich hatte für dich gehofft, dass deine besseren Tage und deine Zuversicht länger andauern würden. Aber du wirst auch aus diesem Tief wiederherausklettern können.

    Du schaffst das!

    Ich wünsche dir eine ruhige Nacht mit schönen Träumen.

    LG Petra

  • Danke für eure Umarmungen, das ist sehr lieb.

    Es ist komisch, es hat sich tatsächlich sehr viel verändert bei mir, anderes ist allerdings gleichgeblieben und ich komme grad mit mir selber überhaupt nicht klar, weil ich soviel hinterfrage was eigentlich mit mir selber zu tun hat und durch das Zusammenleben mit ihm und meine Ausrichtung auf ihn irgendwie maskiert wurde.

    Mir wird gerade so krass vor Augen geführt, dass mein Mann ein Mensch war, der so fest im Leben stand und so intensiv und kompromisslos sein Leben genossen hat wie kaum ein anderer den ich kenne.

    Das kam mir sehr gelegen, denn ich mit meiner immer schon mangelnden Lebensfreude brauchte mich da nur einzuklinken und war mitten im prallen Leben, ohne selber eigenständig allzuviel dazu beitragen zu müssen. Ich musste nur seine Beraterin und Helferin sein und hatte mehr als genug zu tun.

    Es war halt nicht meines, aber was machte das schon?

    Ich hatte kein "Meins" noch nie, ein paar Jahre dachte ich, dass ich mit den Pferden so etwas hätte, aber das hat sich als Fata Morgana herausgestellt, es hat den Stürmen des Lebens nicht standgehalten.

    Schon als Kind antwortete ich auf die Frage, was ich mir denn wünsche, oder was ich tun wolle mit "weiß nicht"

    Und eigentlich hat sich das nicht wirklich geändert, seit er nicht mehr da ist, ist sie wieder präsent, die Antwort: "Weiß nicht"


    Herausgestellt hat sich das bei einem Konflikt, den ich heute Vormittag erlebt habe.

    Ich habe eine PS4 und mir letztes Jahr die remasterte Version von Final Fantasy X und X-2 gekauft. Durch die sich überschlagenden Ereignisse mit meinem Vater und jetzt mit Hannes bin ich nie dazu gekommen das Spiel auszuprobieren. Ich habe es vor Jahren auf der PS2 gezockt und habe letztens wieder daran gedacht, weil die Story nämlich hochspirituell ist und Fragen zu Leben und Tod und dem Göttlichen behandelt.

    Da ist mir der Gedanke gekommen, ich könnte es spielen und so habe ich heute vormittag erstmals meine PS4 angeschlossen und mich im Netzwerk angemeldet. Es gab dann gleich mal ein Update und ich war so beschäftigt, dass ich fast die Zeit übersehen hätte, mich auf den Weg zu meinem Nachmittagsbesuch zu machen.

    Mich hat das ganze Erlebnis leicht schockiert:

    1. habe ich mich für einen Moment vollkommen auf die Einrichtung der Konsole fokussiert, etwas das mir seit dem Tod meines Manns noch nie gelungen ist, mich auf etwas zu fokussieren!

    2. Freue ich mich aufs Spielen - einerseits - andererseits stürzt mich das in einen extremen Gefühlswirrwarr.

    Die Vorgeschichte dazu ist, dass Videospiele in meiner Umgebung nie den besten Ruf hatten und es stimmt ja, dass sie sehr zeitaufwendig sind und nicht wirklich kreativ oder produktiv sind. Und sie führen dich fort vom "richtigen Leben" hin zu einer virtuellen Traumwelt.

    Also habe ich nie viel darüber geredet und mir immer heimlich dafür ein paar Stunden in der Woche abgezwackt. Mein Mann wusste es natürlich schon und er hatte auch nicht wirklich etwas dagegen, aber es war halt in seinen Augen Zeitverschwendung.

    Ich habe mir oft gewünscht mehr Zeit dafür zu haben, habe mir aber gleichzeitig immer selber vorgehalten, dass es eigentlich Zeitverschwendung ist.

    Jetzt stecke ich in dem Dilemma fest, dass ich ja eigentlich tun und lassen kann was immer ich möchte, dass aber mein innerer Zensor im Viereck springt, weil ich es wage meine Konsole auszupacken und meine Zeit zu verschwenden ... seufz


    Und schon ertappe ich mich dabei mir zu wünschen, er wäre wieder da und ich hätte einen Anhaltspunkt was ich machen soll, bzw. genug zu tun, damit ich gar nicht erst auf komische Gedanken komme.

    Ich hab da so einen Glaubenssatz in mir, der heißt: man soll sein Leben im Hier jetzt genießen, also alles was die Welt so zu bieten hat: In die Natur raus gehen, mit Menschen kommunizieren, Gutes und Nützliches tun und nicht sich in virtuelle Welten flüchten (obwohl ich das schon als Kind am liebsten getan habe, damals waren es halt Bücher die ich reihenweise und stundenlang gelesen habe)

    Mein Problem ist halt, dass ich die virtuellen Welten genieße, aber nicht das kompakte richtige Leben, von dem alle sagen, dass man es genießen muss, punktum!


    Und jetzt muss ich zum allerersten Mal in meinem Leben etwas ganz und gar auf eigene Verantwortung tun, weil es niemanden mehr gibt, auf den ich Rücksicht nehmen muss und der mir etwas zu sagen hat und ich finde das so richtig furchterregend. :(

    Ich fürchte mich vor meiner eigenen Disziplinlosigkeit.

    Und ich finde es erheblich leichter für jemand anderen (vor allem für den Lieblingsmenschen) da zu sein als für mich selber.

    Vor allem weil mir so Dinge wie Pizza um Mitternacht und Konsolenspiele Spaß machen und nicht so akzeptable Dinge wie Waldspaziergänge und Schaumbäder ...

    Irgendwie bin ich immer noch ein Kind mit meinen 60 Jahren und mit dem Leben ansich heillos überfordert ...

  • Liebe Gabi,

    eigentlich habe ich mich beim Lesen eben gerade über dich gefreut...PS4 anschließen, um Mitternacht Pizza essen. Das klingt nach Leben!

    Warum willst du dir das, was dir gerade Spaß macht, verbieten?

    Das erste Mal in deinem Leben machen, was du für richtig hältst, ist sicherlich schwierig, aber den Anfang hast du doch gemeistert.

    Ich wünsche dir einen Tag, an dem du weiter einen Schritt nach vorne machst.

    Ich drücke dich

    Petra

  • Liebe Gabi,


    ja, es stimmt, Konsolenspiele sind nicht so sehr angesehen, wie Waldspaziergänge und Schaumbäder.

    Sie sind nicht so sehr kreativ und sie brauchen viel Zeit.


    Und andererseits, kann ich Petra nur zustimmen: PS4 mit Pizza um Mitternacht, das klingt auch für mich nach SELBSTBESTIMMTEM Leben.


    Konsolenspiele fördern die Konzentration und die Reaktionsfähigkeit. Du gestaltest eine eigene Situation und so brauchen sie komplexes Denken und Phantasie - und auch Kreativität. Sie sind in meinen Augen absolut NICHT verwerflich.


    Wenn du Angst hast, dich zu verlieren, in diesem Spiel und die Realität ganz zu vergessen, dann stell dir doch einen Wecker. Das mache ich immer, wenn ich mich in eine Sache vertiefe und mir ein Zeitlimit stellen mag. Das funktioniert dann mal besser und dann wieder schlechter, je nach dem, warum ich den Wecker gestellt habe.

    Wenn es dir hilft, kannst du dir ja für 3 Stunden Konsole eine halbe Stunde Waldspaziergang verordnen?


    Was mich ganz besonders gefreut hat: Du warst fokussiert auf etwas anderes. Da ist etwas, das DIR Freude macht und weil du bisher eher für andere gesorgt und gelebt hast, hattest du wenig Zeit dafür. Vielleicht ist das jetzt ein erstes: DAS IST FÜR MICH, egal, was andere darüber denken!


    Das würde ich dir wünschen.

    Sei lieb gegrüßt und erzähl uns doch, wie es dir beim Spielen ergangen ist.


    Ach ja, Kinder spielen, um das Leben zu begreifen, um sich vom Leben abzulenken und um Leben zu können.


    Gruß Astrid.

  • Liebe Gabi,


    die Idee mit der PS 4 ist nicht die schlechteste, wenn es dir damit gut geht. Pizza um Mitternacht ebenfalls.


    Mit 60 steht man wirklich noch mit beiden Beinen im Leben, merke ich auch gerade. Also lass dich von deinem Weg nicht abbringen, mache alles, was dir gut tut.


    Lieben Gruß Uta