Es ist nichts mehr von mir über nachdem meine Frau gestorben ist..

  • Hey Chrono, für mich klingt das nicht furchtbar dass dir den Verlust des Babys nicht so nahe geht. Du hattest doch gar keine Möglichkeit auch nur gedanklich eine Beziehung dazu einzugehen, weil es ja nicht präsent war. Was jetzt schmerzt sind die Gedanken wie es hätte sein können, mit deiner Frau und einem Baby. Ich schreibe bewusst "einem", weil "das", wäre in deinem Fall zu konkret.
    Aber weißt du was? Es ist ganz normal dass du das jetzt nicht so sehen kannst, doch du bist noch jung, vielleicht bekommst du ja noch mal die Chance Vater zu werden. Ich bin sicher dass auch deine Frau wollte dass du wieder glücklich wirst, irgendwann...

  • Lieber Chrono,

    es ist nicht schlimm, dass du das Kind noch nicht eigenständig wahrgenommen hast. Und vielleicht ist mit deiner Frau auch die Hoffnung auf das gemeinsame Kind mitgestorben, ohne bewusst einzeln betrauert zu werden. Es gehört einfach zusammen.


    Euch allen, die in ihren Trauergruppen solche Erfahrungen gemacht haben, habt ihr schon ganz konkret gefragt: "Wie kommt ihr zu diesen lebensbejahenden Gedanken - mir geht es gerade so ..... und da habe ich den Eindruck ihr wärt schon viel weiter, seid in eurem neuen Leben angekommen und ihr habt kaum mehr schwere Tage. Wie ist das?"


    Was meint ihr dazu? Manchmal bekommt man nämlich einen Eindruck, der so einfach nicht real ist. Sondern aus einer Gruppendynamik heraus entstehen kann oder durch Worte und Mimik, die bei dir irgendwie ankommt, anders verstanden wird.


    Ich fände es schade, wenn ihr gleich nach dem ersten Mal der Gruppe den Rücken zuwenden würdet. Man sagt normalerweise, man soll drei mal hinschauen. Auch wenn man in eine Trauergruppe geht. Dann sind die Rituale der Gruppe vertrauter und dann kann man sich ein realistischeres Bild machen.


    Seid lieb gegrüßt

    Astrid.

  • lieber Chrono

    Ich möchte dich aufmerksam machen auf folgenden post

    Tipp - Therapie

    "Hütet euch vor falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber reißende Wölfe sind. " (Mt 7,15)

    Nicht jede Geschichte,die im Internet erzählt wird, ist wahr.Trauernde haben oft sehr viel Mitgefühl für andere .Passt gut auf euch auf.

  • Ich gehe in Innsbruck in eine Trauergruppe und einmal im Monat auch in Ebbs, aber so fröhlich Trauernde gibts bei uns nicht.

    Im Gegenteil fühle ich mich getröstet, weil ich mir sonst im Leben wie ein Alien vorkomme, weil mir so gar nichts Spaß macht und ich, wenn ich ehrlich bin, am liebsten immer noch meinem Mann nachfolgen würde.

    Die meisten Teilnehmerinnen und der eine Teilnehmer, der auch dabei ist sind noch arg am Kämpfen und die lichten Momente sind eher spärlich und dennoch oder gerade deswegen hat sich inzwischen eine angenehme und vertraute Atmosphäre entwickelt und darüber bin ich sehr froh.

  • Danke euch,
    heute Abend ist mein zweiter Termin in der Gruppe vielleicht hat mich mein erster Eindruck eh auch getäuscht, ich werde es merken, ich denke meine Lage/Stimmung sorgt vielleicht für einige falsche Eindrücke denn ich kann wohl seit einer Weile nicht mehr wirklich auf meine Empfindungen vertrauen.
    Man fühlt sich halt in fast jeder Kommunikation außen vor auch wenn die anderen wohl zwar etwas ganz anderes und doch das selbe durchmachen.

    Ich wünsche euch eine angenehme oder zumindest erträgliche Woche
    LG Chrono

  • Servus Astrid
    Ich werde deinen Rat beherzigen und eben "3 mal hinsehen" und dann entscheiden, im Dezember ist dann das dritte Treffen.
    Die Gruppe war "ok" aber der Eindruck blieb das andere eben nach kürzerer Zeit deutlich weiter sind, 2 der Teilnehmer sind ein Paar geworden und haben geschwärmt wie sehr sie sich doch unterstützen und das die verstorbenen Partner immer ein Teil von ihnen bleiben werden und das das ok ist für den jeweils anderen, sich dabei berührt und warm angesehen...

    Ich merke an mir das ich in letzter Zeit strenger bin, härter zu anderen, weswegen ich dabei eigentlich den Gedanken hatte zu Fragen ob das ein schlechter Scherz sein soll in einer Gruppe von Menschen die ihren Partner verloren haben diese Form von Zuneigung die andere nicht ausleben können zu zeigen.
    Natürlich sei es ihnen vergönnt, natürlich ist es ok wenn es für die zwei passt aber tja es hat mich auch zornig gemacht wenn ich ehrlich bin und es als absolut unpassend empfunden in dem Umfeld.
    Ich würde alles tun um die Hand meiner Frau nochmal zu halten oder sie umarmen zu können aber das wird eben nie wieder passieren daher fällt es mir schwer es bei anderen zu sehen wenn man über seinen Verlust spricht oder anderen dabei zuhört.

    Wir waren großteils danach noch miteinander essen und haben ein wenig geredet, ich tue mir aber immer noch schwer mich zu öffnen bzw fehlen mir oft die Worte zu beschreiben wie es mir geht es hat trotzdem wenn ich die oben genannten zwei ignoriert habe gut getan.

    Mehr gibt es nicht zu berichten denke ich

    LG Chrono

  • Ich merke an mir das ich in letzter Zeit strenger bin, härter zu anderen,

    lieber Chrono,

    da würde ich gern einsteigen...


    merke das bei mir auch, ich werde härter, kompromissloser, radikaler...

    und ganz viele verstehen das nicht, sind vor den Kopf gestossen, bis dahin, dass Freundschaften zerbrechen.

    weil ich sage, was ich denke, was ich will - und was ich nicht will.

    Oberflächliches interessiert mich nicht.


    ich mach nichts jemand zuliebe - wenn ich nicht zu einem Fest kommen mag, weil da viel zu viele Leute sind,

    dann sag ich das und bleibe weg.

    oder oder.


    Ist das, weil Trauer das Gegenteil ist von Oberflächlichkeit - weil sie mich radikal macht, also zu den Wurzeln bringt, zum Wesen der Dinge, zum Eigentlichen?

    das macht mich ein Stück weit einsamer.

    aber ich kann nicht anders.


    das mit dem "neuen" Paar in der Trauergruppe finde ich krass.

    also sich-berühren und verliebt-sein-zeigen und so.

    wunderbar für die beiden!

    aber nicht an diesem Ort.

    trau dich doch, denen zu sagen, wie du das empfindest.


    ich grüße dich

    Bea

  • Lieber Chrono,

    ich kann deinen Zorn nachvollziehen und auch die äußerliche Härte, ist oft ganz normal.


    Vielleicht kannst du die beiden auf eine freundliche Weise darauf hinweisen: "Es freut mich, dass ihr euch gefunden habt, doch ich muss euch einfach auch sagen, dass es mir weh tut, wenn ich euch so zärtlich miteinander umgehen sehe. Ich vermisse dann .... noch mehr. Und ich dachte hier hätte ich einfach einen Ort, an dem ich nicht mit liebevollen Paaren konfrontiert bin."

    Dann hoffe ich, dass da eine gute Leitung ist, die das zusammen bringt. Ich denke nicht, dass ihnen verboten wird, sich zu berühren oder sich anzusehen. Doch ich hoffe, dass darüber geredet wird und dass jedeR für sich eine Möglichkeit findet.


    Es ist doch schon mal ganz gut, wenn du beim 2. Mal dich wohl gefühlt hast und dass du mit essen warst.


    Ich bin schon auf das nächste Mal gespannt.


    Ach ja, zur Härte, die ist meist ein Schutz gegen die Dünnhäutigkeit. Passt bitte auf, dass ihr selber mit euren Gefühlen in Kontakt bleibt und diese nicht wegschließt. Die Härte, wenn es um Einladungen geht, abzusagen, die finde ich wichtig und auch Not-Wendig.


    Lg. Astrid.

  • Lieber Chrono, deine Geschichte hat mich sehr berührt. Bin ich mir doch immer sicher, dass ich es am schlimmsten getroffen habe. Aber es geht immer noch schlimmer. Ich bewundere deine Stärke das alles auszuhalten. Aber du hälst es aus, das ist doch ein sehr positives Zeichen.

    Ich bin auch entsetzt über die zwei, die jetzt als Paar ihr Leben aushalten wollen. Sie tun mir leid. Es wird nicht die Lösung sein für sie.

    Auch ich werde nie wieder einen anderen Partner akzeptieren, so etwas wie meinen Mann gibt es kein zweites Mal. Aber das ist nicht schlimm für mich, unsere Liebe war so stark, dass sie nach seinem Tod weiter lebt. Das macht mich stark mit meiner Trauer irgendwie zu leben.

    Es dauert eine Weile, das eigene Leben nach dem Tod des geliebten Partners so einzurichten, dass man mit ihm weiterleben kann, in Gedanken und im Herzen. Dazu gehört eben auch, dass man bestimmte Dinge nicht wegräumt, Fotos aufstellt usw. Aber das muss jeder für sich entscheiden.

    Auch wenn unsere geliebten Menschen nicht mehr da sind, so kann man trotzdem ihre Hand nehmen, ihren Geruch spüren, mit Ihnen reden. Dadurch leben sie für uns weiter mit und in uns.


    Das ist mein Trost in dieser immens schweren Zeit. Ich hoffe, ich konnte dir damit ein wenig helfen.


    LG Pewie