Es kann alles nicht wahr sein

  • Liebe Petra,


    danke für Deine Antwort.

    Ja, das "Loslassen" - das schaffe ich nicht. Ich kann auch nicht viel mit dem Begriff anfangen, weil ich damit assoziiere, dass ich nicht mehr an sie denken soll. Das geht nicht, und das will ich auch nicht. Nun ja, ich brauche wohl noch mehr Zeit.

    Kontakt mit anderen Menschen habe ich, hab' auch gute Freunde und nette Nachbarn. Aber das ändert alles nichts an dem Einsamkeitsgefühl. Es ist eben so, dass selbst die liebsten und gutwilligsten Menschen nicht verstehen können, was in uns brodelt. Frau/man muss es wohl selbst durchmachen oder durchgemacht haben, um das nachvollziehen zu können.

    Sei lieb gegrüßt

    Frank

    P.S.: Wenn die Sonne wieder scheint, können wir ja vielleicht mal über den Deich laufen.

  • Lieber Frank,

    mit loslassen meine ich, zu akzeptieren, dass sie nicht mehr da sind. Sie nicht mehr wieder kommen. Das konnte ich lange Zeit nicht.

    Durch unsere Trauer und Liebe sind wir immer mit ihnen verbunden. Das wird nie anders sein.

    Sie sind immer in unseren Herzen und Gedanken. Das tröstet mich sehr und ich versuche damit zu leben. Ich habe keine andere Wahl.


    Wenn die Sonne scheint, sind die Schafe wieder auf dem Deich, mit ihren Lämmern. Dann ist es aus mit der Ruhe. ;)


    Dir eine ruhige schlafreiche Nacht.

    LG Petra

  • Warum sind die Sonntage so schlimm? Jedesmal der freie Fall in ein tiefes Trauerloch, obwohl man schon glaubte ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Oder hat die Hoffnung etwas vorgetäuscht, was noch nicht sein kann, weil es noch viel zu früh ist.

    Oder denkt man, man verliert den liebsten noch mehr, wenn man weniger trauert?

    Wie weh Trauer tut, wissen wir alle, ist es da verwerflich, wenn man sich einfach nur weniger Schmerzen wünscht? Warum gibt es keine Medikamente gegen Trauerschmerzen ?


    Ich wünsche euch allen einen trauerschmerzfreien Restsonntag, falls das überhaupt möglich ist.


    LG Petra

  • Liebe Petra, es freut mich, dass die Trauer nicht mehr deine Feindin, sondern schon eine gute Bekannte ist.


    Das ist ein wertvoller Schritt.


    Bei "Loslassen" bekomme ich immer ein bisschen Bauchweh. Ich weiß schon wie du es meinst. Doch BITTE BITTE gib dem ein anderes Wort oder ergänze es. Es ist in der Trauer durch Herrn Freud so negativ besetzt und wie Frank schreibt, denkt er gleich daran, seine Frau vergessen zu müssen.


    Vielleicht ist ein Wort "Akzeptanz" oder den Schmerz loslassen, das Dagegen ankämpfen loslassen, "Realität annehmen" "Den Verlust annehmen" Wie gesagt, ich verstehe sehr wohl, was du ausdrücken willst und ich bin da ganz bei dir. Doch mir fällt auch kein gutes Wort dafür ein. Besser, als loslassen finde ich jedoch sehr viele. Vielleicht findest du noch welche. Lass uns doch gemeinsam auf die Suche gehen.


    Lieber Frank,

    auch mit Freunden ist die Einsamkeit da, weil ganz ein wichtiger Mensch in deinem Leben fehlt und dieses Loch kann niemand füllen. Und darum fühlst du dich vielleicht auch in Gesellschaft einsam.

    Das ist ganz normal in der Trauer. Besonders in der Trauer um eine Lebenspartnerin. Mit wem teilt man mehr Zeit? Irgendwann kommt der Zeitpunkt zu dem man mit der Partnerin, dem Partner, mehr Lebenszeit verbracht hat, als mit den Eltern. Das Frühstück, die Tagesplanung, die Wochenenden, das Mittagessen, die Zärtlichkeit, das Abendessen, die Sexualität, die Kinder, das Heimkommen, das Ausgehen,... all das und noch viel mehr, war für dich, ohne sie nicht vorstellbar.


    Wie solltest du dich nicht einsam fühlen? Und ja - es tut weh - verdammt weh und es geht scheinbar unendlich lange. Doch dieses Lange ist noch keine Zeit im Vergleich zu der Zeit, die du mit ihr verbracht hast.

    Und die Zeit war miteinander auch nicht immer leicht. Es gab die Krankheit und der Schrecken begann schon viel früher, als erst mit dem Tod.

    Es ist NORMAL in deiner Trauer. Und das bedeutet nicht, dass es leicht ist.


    Eine Möglichkeit, die Trauer zu akzeptieren, ist die, sie nicht mehr als Feindin zu sehen. Sie möchte dir nichts Böses - auch wenn es sich so anfühlt. Sie möchte dir die Möglichkeit geben, mit dem Tod deiner Frau, in deinem Leben zu leben. Und dafür musst du einen schweren, zu Beginn dunkeln, steilen, und steinigen bzw. sogar felsigen Weg gehen. Er wird leichter werden. Doch jetzt ist er noch kaum gehbar. Trotzdem wachsen da am Rande auch wunderschöne Blumen. Vielleicht hast du sogar das Glück, die Vögel zwitschern zu hören. Denn am Beginn des Weges ist zwar auch das Schöne da, doch du kannst es nicht sehen. Vielleicht bist du jetzt an einer Stelle, denn du siehst schon manches Schöne, die den Tunnelblick auf den Schmerz, langsam ein bisschen weiten kann. Das wünsche ich dir, dass sich der Tunnelblick immer mehr weitet. (und natürlich auch allen, die das lesen) Nicht mehr und nicht weniger.


    Lg. Astrid.

  • Vielen Dank liebe Astrid für die tröstenden Worte. Kurz nachdem mein Mann gestorben war, hatte ich das Gefühl, dass er noch bei mir war. Ich habe ihn angefleht, nicht zu gehen, bei mir zu bleiben. Ich dachte ich bin verrückt geworden.


    Aber ich habe dann innerhalb weniger Tage gespürt, dass er nicht zur Ruhe kommen konnte. Und ich auch nicht. Ohne dafür eine Erklärung zu haben, habe ich ganz laut gesagt: ich lass dich jetzt los, ich lass dich gehen. Da wurde es ruhiger in mir, es war wie eine Befreiung wohl auch für ihn, und ich konnte mit der Trauer beginnen. Das meinte ich mit loslassen.

    Sich nicht Klammern an den Verstorbenen, ihn nicht versuchen festzuhalten bei seinem Gehen. Das war für mich sehr sehr schwer.


    Heute weiß ich, dass wir immer noch und hoffentlich für immer verbunden sind und er mich unterstützt in meiner Trauer, weil er weiß wie ich leide.

    Für dieses ‚mein loslassen‘ finde ich kein Ersatzwort, vielleicht noch freilassen, freigeben.

    Eine traurige, aber auch sehr schöne Erfahrung, das freigeben ...


    Bitte liebe Astrid, berichtigte mich bitte, wenn ich es mal wieder falsch ausdrücke:

    Zu Freud‘schen Zeiten und lange danach bedeutete trauern, den Verstorbenen loszulassen (das gesamte loslassen), um die Trauer verarbeiten zu können. Das war natürlich falsch, das weiß man heute. Die moderne trauerforschung sieht es genau anders. Wahre Liebe kann nicht losgelassen werden. Sie verbindet uns über alle Grenzen.

    Das ist ein großer Trost für mich und hilft mir mit meiner Trauer zu leben.

    Hoffentlich habe ich mich jetzt verständlich ausgedrückt.

    LG Petra

  • Liebe Pewie,

    es ist ein großer Unterschied, ob wir von Trauer sprechen oder von Sterben.

    Im Sterben geht es um BEDINGUNGSLOSES LOSLASSEN, so, wie du deinen Mann gehen ließest.

    In der Trauer geht es, so wie du schreibst, um die Verbindung und den neuen Platz, den dein Mann

    in deinem Leben bekommen darf.


    Genau so ist es und ich danke dir, dass wir dieses "Missverständnis" auflösen konnten.

    Es ist im Moment auch immer sehr viel zu lesen und manches bekomme ich dann nicht mehr genau mit.

    Darum kann es mir leicht passieren, dass ich etwas annehme, was du oder ihr gar nicht so gemeint habt.


    Sei lieb gegrüßt

    Astrid.

  • Alles gut, liebe Astrid, ich drücke mich oft missverständlich aus. Danke, dass du es gerade gerückt hast. Wir meinten das gleiche.

    Es ist wirklich viel für dich zu lesen und die Idee mit einem extra-Musik-Thread finde ich gut. Ich selbst kann die Musik selten hören, ohne tief dabei ins Tränental zu sinken und ich kann mir vorstellen, dass es hier einigen so geht. Die Gedichte sind wie eigene Gedanken in der eigenen Phantasie.

    Bin gespannt was die anderen zu deinem Vorschlag sagen. Nicht jeder ist in der Stimmung bestimmte Lieder zu hören, die der andere vielleicht gerade als angenehm empfindet.

    Vielleicht würde es schon helfen, die musikalischen Beiträge ein wenig zu reduzieren ? Nur so ein Gedanke.

    Liebe Grüße

    Petra

  • Liebe Petra und liebe Astrid,


    ich verstehe Astrids Seite ( Laptop bestimmt schon älter) und natürlich auch deine Seite.


    Nur bitte eines gesagt:


    Es muss sich keiner, die auf meiner Seite eingesetzte Musik, anhören,


    geschweige sich damit quälen.


    Die Lieder drücken MEINE Stimmung aus.


    Ich habe auch keine Gewichtsprobleme, dass ich irgendeine Sache reduzieren müsste.


    Muss nun leider weg, werde mich aber bestimmt bei meinem Thread noch zu diesem Thema äussern.


    Probleme ???


    Ich habe ein Problem. Ich bin heute hier um festzustellen, ob es mein Problem ist oder deines.


    Liebste Grüße aus dem Solling,

    Uwe & Prinz.

  • Lieber Uwe,

    danke, dass du dich direkt bei mir meldest. Von müssen war doch überhaupt nicht Rede. Es war lediglich ein Vorschlag. Damit wollte ich dich nicht angreifen. Wenn du das so verstanden hast, dann entschuldige bitte.

    Natürlich möchte ich auch von Dir wissen, wie es dir geht und wie du dich fühlst. Ich spreche jetzt nur für mich: Ich bin auch oft sehr tief unten, und dann ist es sehr schwer und mit vielen Tränen verbunden, wenn ich mich durch viele Lieder spiele, um zu sehen wie es dir geht, dass es dir vielleicht auch so geht wie mir.

    Aber du hast auf jeden Fall recht, wenn du sagt, ich muss es ja nicht.

    Es war lediglich eine Überlegung und ein Vorschlag meinerseits, den ich offen ausgesprochen habe, überhaupt keine Kritik. Wird nicht wieder vorkommen, lieber Uwe.

    Du hast mich schon oft mit deiner netten Art und Weise zum Schmunzeln gebracht. Dafür danke ich dir an dieser Stelle.

    Willst du wirklich meine Probleme wissen ? Hier wurde eingebrochen in der letzten Nacht. Das ist gerade mein Problem.

    Liebe Grüße

    Petra

  • Liebe Petra,


    das ist ja ensetzlich. Wie geht es Dir jetzt?? Sowei ich weiss lebst Du in einem Haus, jetzt gezwungener und trauriger Maßen alleine, hast Du den Einbruch mitbekommen oder erst am Morgen gemerkt das eingebrochen wurde.??


    Es tut mir sehr leid, das Dir so etwas nun auch noch passieren musste und ich kann mir vorstellen das es für Dich jetzt schwieig und mit einen unguten Gefühl behaftet im Haus alleine zu sein. Ist momentan jemand bei Dir und kann eventuell auch ein paar Tage bleiben ?


    LG Gabi & Mäuschen

  • Liebe Gabi,

    Sie haben das Garagentor aufgebrochen, sind an der feuerschutztür nicht weiter gekommen.

    Wurden wohl durch den Zeitungsausträger gestört. Im Haus selbst waren sie nicht, darüber bin sehr froh.

    Schreck und Schock sitzen tief.

    Aber was kann schlimmeres passieren, wenn das Schlimmste bereits passiert ist.

    Vielen Dank für deine Anteilnahme.

    LG Petra

  • Liebe Petra,


    es war kein Angriff und habe es nicht als Kritik aufgefasst !!!


    Wollte nur meine Sichtweise klarstellen.


    Eher muss ich mich entschuldigen, wenn mein Text bei DIR so angekommen ist.


    Dieser Einbruchsversuch bei DIR, das empfinde ich als sehr schlimm.


    Gut, dass die Feuerschutztür ein Weiterkommen verhindert hat.


    So wurde wenigstens nicht in deiner Privatsphäre herumgewühlt.


    Sende DIR viel Kraft.


    Liebste Grüße,

    Uwe & Prinz.

  • Danke, lieber Uwe,

    irgendwie kommt das alles garnicht an mich ran. Kommt wohl später. Ich soll das Haus noch sicherer machen lassen, sagt die Polizei. Die Einbrecher wurden inzwischen gefasst, wie ich soeben erfahren habe.

    Vertikutiere gerade den Rasen, dabei hat mein Mann mir im letzten Jahr noch geholfen. Jetzt alleine ... das ist schlimm für mich. Den klappernden Storch auf der Wiese hat er mir per WhatsApp in die Firma geschickt, letztes Jahr um diese Zeit habe ich noch gearbeitet. Jetzt

    ist der Storch wieder da ..., das ist schlimm für mich.

    Seine Gartenschuhe, sein Werkzeug, steht da, als würde er gleich um die Ecke kommen.

    Immer wieder die Erinnerungen, die einen so runterreißen. Aber ohne Erinnerungen?

    Ich wünsche Dir ein erträgliches Wochenende

    liebe Grüße

    Petra

  • Ich finde es viel wichtiger, dass wir uns hier alle gut verstehen und mit Meinungsverschiedenheiten demokratisch umgehen. Mehr kann man von einem Forum nicht verlangen, oder ? Aber das ist auch sehr viel, und deshalb bin ich froh hier bei euch zu sein und nicht in einem anderen Forum. Vielen lieben Dank auch an Astrid, die es bestimmt nicht immer leicht mit uns hat.

    Viele liebe Grüße und ein erträgliches Wochenende für dich, liebe Gabi,

    Petra

    Liebe Petra,


    genauso sehe ich es auch , ich habe gelesen das Du fleissig warst in Deinem Garten und von den Erinnerungen an Euer letztes Jahr,das Dich diese schmerzen kann ich so gut nachvollziehen.:24:


    Ich bin erleichtert das der Einbruch bereits an der Feuerschutzwand geendet hat und diese Leute bereits gefasst sind.


    Dir <3liche Grüße und ein halbwegs zu ertragendes Wochende


    Gabi & Mäuschen

  • Liebe Petra,

    ich habe heute auch im Garten gearbeitet und hatte 4 kleine Helferlein, meine Enkelkinder. Da war ich etwas abgelenkt und

    die Erinnerungen konnten mich nicht so aus der Fassung bringen. Wir haben im Herbst den Garten noch miteinander winterfest gemacht und jetzt räume ich alles alleine raus. Das schmerzt.

    Ich wünsche dir ein erträgliches Wochenende.

    LG Wagi

  • Liebe Petra,


    Du fragtest, wie es mir am MIttwoch ergangen ist. Alle Bilder aus der Todesnacht waren wieder präsent. Und sie gehen auch nicht wieder weg. Wollte heute auch im Garten arbeiten. Hab' mich an den Rosen versucht, aber nach recht kurzer Zeit wieder aufgegeben, weil ich mich gefragt habe: Wofür eigentlich ? Das schöne Frühlingswetter zieht mich noch mehr runter. Früher haben wir gemeinsam (*) im Garten gerackert - d.h. hauptsächlich meine Frau und ich nach "Anweisung". Und als sie schon im Pflegebett war, hat sie mir auch noch präzise gesagt, was zu tun ist - ich hab's gern getan und ihr anschließend stolz erzählt, dass es gelungen ist. Wird nie wieder so sein.


    (*) "Wir pflügen", sagt die Mücke auf dem Rücken des Esels.


    Hoffe, dass alle Einbrecher in der Wesermarsch nun abgeschreckt sind.


    Liebe Grüße

    Frank

  • Liebe Gabi, liebe Wagi, lieber Frank,

    ich überlege auch ständig, warum ich das alle mache, hat es doch irgendwie keinen Sinn mehr ohne ihn. Aber ich denke, wenn ich in seinem Sinne weitermache, die Gepflogenheiten (wie Rosen schneiden ...) und Erinnerungen beibehalte, bin ich ihm näher und er mir. Er hätte es bestimmt so gewollt.

    Frank, wenn es für dich zu quälend ist, vielleicht hast du jemanden, der es für dich tun kann. Nur so eine Idee. Und du tust für ihn etwas anderes bei Gelegenheit.

    Ein einigermaßen erholsames Wochenende wünsche ich euch

    LG Petra