Mein Vater

  • Liebe Sverja,


    ich musste grade ganz arg weinen, als ich deine Zeilen gelesen habe. Danke. Du scheinst so viel von der Generation meiner Eltern (der du ja auch ein wenig angehörst) zu verstehen und auch von der Trauer an sich. Es hat sehr gut getan, deine Zeilen zu lesen. Meinen Kindern geht es so lala - es waren doch viele Tote im letzten Jahr. Sie trauern auf ihre eigene Weise und wir versuchen ihnen immer wieder zu sagen, weshalb wir traurig sind und, dass es nichts ist, an dem sie etwas machen müssen oder können. Das ist etwas, was ich mir für sie wünsche - dass sie ihre Gefühle besser aktzeptieren können und nicht erst irgendwann lernen müssen, sie zuzulassen. Hoffentlich gelingt das.


    Ganz liebe Grüße

    Cildie

  • Herzliebe Cildie <3:30:<3


    es ist sooo gut und wirklich auf die Dauer heilend wenn du weinst ... auch ganz arg weinst...

    es ist nicht einfach fuer mich das folgende Gefuehl ,oder eher Gefuehle in Worte zu kleiden doch ich möchte es fuer dich und uns ALLE die dies lesen versuchen.

    Alle Gefuehle durfen kommen und gehen... und das sehr häufig .

    nur eines ist nicht ratsam...

    Bitternis verspueren...

    Bitternis "verhärtet " einen MEINEM Gefuehl nach... Macht einen nicht öffen fuer alle Traurigkeit und auch alle Freude die das Leben uns so bietet.

    Was ganz persönliches.:24::30:<3

    Ich habe dich heute morgen schon gelesen und wahr dankbar zart beruehrt von deinen Gefuehlen.

    Doch

    ich war schon in Wanderschuhen und wir waren bereit ein Naturreservat zu erwandern. Da habe ich leise gelächelt und dachte an die Erlebnisse die du mit deinem Papa hattest. Meine Familie und meine Whatsapp Freunde sind von VIELEN Videos und Collagen "ueberschuettet worden...

    Meinen Kindern geht es so lala - es waren doch viele Tote im letzten Jahr.

    Ja, es waren sehr viele Tote fuer deine Kinder. Der Grossonkel , die eine Oma und ein Opa. Alles Menschen die ein Kind oder Jugendlichen sehr MITprägen...

    Kinder und Jugendliche trauern "anders"... Ich meine sie sind häufig spontaner in ihren Wechseln und häufig auch "ehrlicher "...

    Wenn sie TRAURIG sind SIND sie TRAURIG

    wenn sie FREUDIG sind, LEBEN sie diese FREUDE ABSOLUT aus ! Ohne ein schlechtes Gewissen zu haben wenn sie diese Freiheit mit ihren Eltern und auch der näheren Gesellschaftsumgebung erleben durften .<3:!:

    Sie trauern auf ihre eigene Weise und wir versuchen ihnen immer wieder zu sagen, weshalb wir traurig sind und, dass es nichts ist, an dem sie etwas machen müssen oder können.

    Das ist doch eine sehr gute Trauerbasis<3:24::30: ...

    Kinder und Jugendliche meinen ja so oft das sie Schuld haben wenn ihre Eltern traurig sind...

    Schön das ihr das ihnen vermittelt das dem nicht so ist. so verstehe ich zumindest deine Worte.


    Das ist etwas, was ich mir für sie wünsche - dass sie ihre Gefühle besser aktzeptieren können und nicht erst irgendwann lernen müssen, sie zuzulassen. Hoffentlich gelingt das.

    Je mehr du deine Gefuehle zeigst und damit meine ich ALLE Gefuehle ... natuerlich schon mit einer gewissen Achtsamkeit sowohl fuer dich als auch fuer deine Kinder umso mehr können sie diese Gefuehle auch erleben , bzw. ausleben , agieren ...

    habe VERTRAUEN zu deinem inneren SELBST was natuerlich sich wandelt

    doch in der "Tiefe " meines geistigen und körperlichesn "Seins " gibt es fuer mich den absoluten "Kraftort"-

    Dieser hat nichts mit gesellschaftlicher Bildung , wie und wo man aufgewachsen ist zu tun...

    sondern das ist MEINER Meinung nach unser "universelles SEIN" was einfach "in uns ist"...


    Vielleicht helfen dir meine Gedankengänge und auch den anderen Trauernden die dies lesen.

    was ganz pragmatisches :)

    ich weiss nicht ob du jetzt schon wieder Unterrichtsbeginn hast. Wenn ja<3:!:

    ich bin der guten Ueberzeugung das du deinen Schuelern eine Geschichtslehrerin bist die sie inspiriert Geschichte als etwas zu erleben was sie anspornt diese Welt bewusster zu erleben , von allen "Seiten zu beleuchten" und sie vielleicht individuell zu verbessern <3:saint:<3

    Herzensgruesse<3:24::30: von deiner <3 Sverja

  • Hallo ihr Lieben,


    es tut mir leid, dass ich mich grade so selten melde, obwohl ihr so nett schreibt und ich mich immer freue, es zu lesen - weil ich dann das Gefühl habe verstanden zu werden.

    Aber diese Trauer ist ganz schön heftig (ich weiß, sonst wärt ihr alle ja nicht auch hier:-)). Es gibt Tage, da habe ich das Gefühl, sie ganz gut in mein Leben integrieren zu können, da kann ich früh Unterrichten, mich nachmittags um die Kinder kümmern und wenn ich dann mal, ein, zwei Stunden für mich habe, ist es gut. Aber dann gibt es auch Tage, da passiert etwas Schlimmes, wie dass meine Tante fällt und sich am Kopf verletzt und ich bin wieder weit weg, so wie ich es bei meinem Vater immer war und plötzlich ist alles wieder da, diese ganze Hilflosigkeit der Pflegezeit und ich merke erst jetzt, wie schlimm das eigentlich war.

    Übers verlängerte Wochenende ist mich dann meine Mutter besuchen gekommen. Sie ist auch traurig und zu meiner Überraschung spricht sie auch darüber, das hätte ich gar nicht gedacht. Und so sehr ich mich auch freue sie zu sehen, es ist trotzdem unglaublich traurig, dass sie alleine kommt und ich habe auch das Gefühl, dass wir erst neu lernen müssen, miteinander umzugehen. Es ist als würde mit meinem Vater so ein Stück in unserem Familienpuzzle fehlen und wir müssen erst lernen diese Lücke zu füllen. Manchmal habe ich das Gefühl wir waren als Familie so fein aufeinander eingestellt, alles hat funktioniert, aber eben nur, solange alle Beteiligten da waren. Jetzt fehlt mein Vater und irgendwie ist alles durcheinander gerüttelt. Ich weiß nicht, ob ihr das versteht. Mein Vater ist ja eigentlich schon so lange weg, aber ich merke jetzt, dass seine Pflege uns alle so in Anspruch genommen hat, dass wir gar keine Zeit hatten, uns neu aufeinander einzustellen, in der Dreierkonstellation, die jetzt noch übrig ist. Da kommen plötzlich alte Verletzungen und Missverständnisse hoch, die ich lange gar nicht mehr wahr genommen hatte. Manchmal habe ich das Gefühl, Trauer ist so eine Lebensphase, die sollte man nicht ohne Begleitung absolvieren:-). Daher schön, ... dass ihr hier seid.

    Danke auch Sverja für deine Bestärkung - ich habe als Kind nicht so gut gelernt mit Gefühlen umzugehen...ich versuche es jetzt besser zu machen, auch wenn es oft schwer ist sie zuzulassen.


    Ganz liebe Grüße und ich hoffe es geht euch einigermaßen gut

    Cildie

  • liebe Cildie <3:30:<3

    es erleichtert mich in gewisser Weise das du heute geschrieben hast :)

    und

    LEIDER kann ich gerade jetzt nicht auf alle deine wertvollen Erkenntnisse die du machst nicht eingehen , weil ich seit 3 Tagen um Worte fuer einen neuerlichen Verlust "ringe".

    Den muss ich erst einmal in "Freund und Wegbegleiter" einigermassen artikulieren um Kopf und Herz wenigstens ein bisschen "frei" zu bekommen.


    Eines ist klar...

    es verändert sich mit dem TOD ALLES... Doch das LEBEN ist ebenfalls VOLL und GANZ in anderer Weise DA...


    Herzlichst <3 Sverja

  • Hallo ihr Lieben,


    Sverja, ich hoffe es geht dir mittlerweile etwas besser - es ist wirklich heftig, wenn Verluste so kurz nacheinander kommen. Ich wünsche dir, dass es zunächst der letzte war und du Zeit hast, alles zu verarbeiten. Sicher vermisst du deinen Freund auch noch sehr.


    Mittlerweile ist es mehr als zwei Monate her, dass mein Vater gestorben ist. Vor ein paar Tagen ist sein Konto aufgelöst worden und wir haben sein Geld bekommen. Das war ein komisches Gefühl. Normalerweise freut man sich ja über Extra-Geld, aber diesmal hatte ich das Gefühl, ich will das nicht - das ist sein Geld. Zu Lebzeiten hätte er uns nie sein wertvolles Geld überlassen, viel zu groß die Sorge, dass wir es in sinnlose Sachen wie schicke Stiefel oder Reisen investieren würden:-). Dass es jetzt auf meinem Konto landet, lässt seinen Tod nochmal deutlicher werden.

    Mittlerweile passiert auch das, was mir alle erzählt haben, was ich aber nie für möglich gehalten hätte: Der Mensch, der Vati in den letzten Jahren war, der kranke, gebeugte, von Schmerzen geplagte, verblasst immer mehr und dahinter kommt wieder er zu Vorschein, wie er früher war: Vital, voller Lebenskraft, Diskussionsfreude und Neugier. Vor allem Neugier. Ihn hat wirklich alles interessiert, sogar meine schreckliche Seminararbeit zur "Satzklammer im Althochdeutschen", hat er gelesen. Unglaublich, dass so etwas einfach auslöschen kann, dass diese ganze Lebensenergie einfach weg sein kann. Ich suche noch immer wo sie hin ist, so unglaublich kommt mir ihr Verlöschen vor. Ich weiß nicht, wie mein Vater sich im Inneren gefühlt hat, aber nach Außen hat er gewirkt wie konzentrierte Energie. Er war fast immer der am schärfsten denkende Kopf im Raum, der analytischste, diskussionfreudigste, der nichts lieber mochte, als wenn er seinen Verstand mit jemand anderem messen konnte. Er war immer in Bewegung und ich bin mir sicher, dass es nicht wenige Menschen gab, die er furchtbar nervös gemacht hat, aber es war nie langweilig, wenn er da war. Und wenn ich mich an ihn erinnere, dann eigentlich fast immer an Spazierengehen mit ihm. Er saß nicht gern still und am liebsten diskutierte und redete er auf Spaziergängen, bei uns zu Hause durch die Berge oder an der Ostsee, die Füße im Wasser, die Hosen hochgekrempelt und stundenlang am Strand entlang. Noch heute erzähle ich meinen Schüler*innen so viel von dem, was er mir auf diesen langen Spaziergängen erklärt hat. Manchmal halte ich dann inne, weil ich etwas nicht mehr genau weiß und würde ihn, der immer eine Antwort auf alles hatte, gern fragen - aber er ist nicht mehr da. Das ist etwas, was ich gleichzeitig verstanden und nicht verstanden habe - ich weiß, dass er gestorben ist und trotzdem ist er für mich so gegenwärtig und lebendig, dass das irgendwie nicht sein kann. Und dann fühlt sich die Welt so leer an, ohne seine Leuchtkraft darin. Ich hoffe, ich finde irgendwann etwas von dieser Leuchtkraft in mir selbst wieder, damit sie nicht ganz weg ist. Ich vermisse ihn sehr.


    Alles Liebe und euch allen eine einigermaßen gute Herbstzeit

    Cildie

  • Hallo ihr alle,


    ich hoffe es geht euch gut. Hier sind es jetzt fast drei Monate, nachdem mein Vater gestorben ist. Einerseits kann ich kaum glauben, dass es schon so lange ist und andererseits kommt es mir merkwürdig vor, dass es erst drei Monate sein sollen - so viel ist schon passiert, ohne ihn. Kennt ihr das? Mittlerweile gibt es Tage, an denen ich nur noch wenig traurig bin und dann, besonders, wenn ich eine Weile wenig an ihn gedacht habe, kommt es wieder ganz stark. Mein Mann, der ja letztes Jahr seine Mutter verloren hat, hat neulich ein wenig verzweifelt gefragt, wann man sich denn endlich dankbar und liebevoll an den Verstorbenen erinnern kann und nicht immer mit diesem Schmerz. Das frage ich mich auch. Wird das jemals? Ich möchte mich an meinen Vater erinnern, meinen Kindern von ihm erzählen, aber im Augenblick ist das noch schwer, denn an ihn denken heißt immer, so einen Stich spüren, dass da ein ganz großer Verlust ist, mit dem ich noch nicht meinen Frieden gefunden habe. Mein Umfeld denkt, glaube ich, dass ich eigentlich schon längst darüber hinweg sein müsste - es war ja nur der Vater (erwartbar) und er war auch schon lange krank (und daher war ja auch klar, was kommt). Das empfinde ich nicht als besonders hilfreich, aber ich glaube das geht vielen hier so. Wie ist das passiert, dass Trauer, so ein wichtiges Gefühl, so tabuisiert wurde?

    Jetzt werde ich ein wenig in den Garten gehen und dort arbeiten, da fühle ich mich ihm immer ein Stück näher.


    Einen guten Abend euch allen noch!

    Cildie

  • Herz<3liebe Cildie

    ich , wieder , "deine " Sverja. Du brauchst keine Angst haben das ich mich uebernehme wenn ich dir jetzt schreibe. Ich habe gestern und heute 2 ganz fantastisch wunderschöne Wanderung " i naturen" die mir wirklich immer Heilung und Ruhe schenken gemacht.

    Sowohl aus dem vorherigen als auch aus deinem letzten Beitrag habe ich einige Zitate gesammelt .

    Natuerlich geben Zitate niemals den ganzen Beitrag mit allen seinen von dir geschriebenen Fragen und deine Gemuetsstimmung wieder. Doch ich brauche sie als "Geruest" weil sie mir einfach sehr auffielen und vermutlich auch mir weiter helfen, meine Trauer ein wenig ... jaaaa auch zu "verstehen"....

    Vor ein paar Tagen ist sein Konto aufgelöst worden und wir haben sein Geld bekommen. Das war ein komisches Gefühl. Normalerweise freut man sich ja über Extra-Geld, aber diesmal hatte ich das Gefühl, ich will das nicht - das ist sein Geld.

    Das kenne ich auch . ebenso wie bestimmt relativ viele hier. Jeder will ja den geliebten oder sehr das Leben mit prägenden Menschen eher lebendig als sein Geld. Viele machen eine "Aktion" die dem Verstorbenen gewidmet ist. Das kann ALLES möglich sein.

    auch ;)

    Zu Lebzeiten hätte er uns nie sein wertvolles Geld überlassen, viel zu groß die Sorge, dass wir es in sinnlose Sachen wie schicke Stiefel oder Reisen investieren würden:-)

    Eine Reise wuerde doch durchaus etwas sein wo dein Papa ein doch bedingtes Jaaa geben wuerde - da er ja gerade gerne auf Spaziergängen sprach oder an der Ostsee mit euch sprach.

    Er saß nicht gern still und am liebsten diskutierte und redete er auf Spaziergängen,

    Meinem Gefuehl nach könnte das am Krieg liegen...

    Sie mussten damals leider sehr viel laufen und nach dem Krieg ebenso... Diese Generation war unruhig und wollte auch durch Bewegung etwas von beweglicher Normalität ins wieder gewonne Leben bringen ...und auch geistig etwas von den Kriegserlebnissen "weglaufen".-.. bzw. ein JA zu diesem gewonnenen Leben haben ! ALLES MEINE INTERPRETATION . .


    andererseits kommt es mir merkwürdig vor, dass es erst drei Monate sein sollen - so viel ist schon passiert, ohne ihn.

    Ja, gerade in diesen Zeiten die durch die Weltereignisse sich rapide verändert haben ist es ein lange Zeit wegen den vielen Eindruecken und auch glaube ich unseren Ängsten oder zumindest immer wieder mehr Ruhe haben wollend.


    Mein Mann, der ja letztes Jahr seine Mutter verloren hat, hat neulich ein wenig verzweifelt gefragt, wann man sich denn endlich dankbar und liebevoll an den Verstorbenen erinnern kann und nicht immer mit diesem Schmerz. Das frage ich mich auch. Wird das jemals?

    Das hast du ja schon einige Male hier doch geschrieben. Gerade auch in deinem vorletzten Beitrag (Fuesse im Wasser der Ostsee) <3:)

    Aus meiner Erfahrung heraus ist es ein sehr häufiges hin und her an Gefuehlen . . Es gibt da nicht einen kontinuierlichen Verlauf...

    Nein , ich spreche und schreibe nicht von immerwährender Trauer die gleich stark ist...

    Auch in meinem "Ventilschreiben kommt ja durchaus ein absolutes freudiges Glueck bei Erlebnissen vor .

    Ich glaube es ist ein gewissen es sich gestatten wollen das es bei DIR und auch deinem Mann ist sich zu "trauen" ( ein sehr unvollkommenes Wort) sich ganz bewusst an die schönen Erlebnisse und die gesunden Zeiten mit vielen Erlebnissen wo man lachte , zusammen wanderte , badete , Feste feierte die so "herausragend " waren, das sie fuer immer ein Erinnerungsschatz sind.

    Fuer mich und ich glaube alle hier Lesenden ist dein Vater. dein Onkel , deine Schwiegermutter durchaus durch deine so schöne Beschreibung fast lebendig . SEHR bildhaft lebendig hast du sie beschrieben !


    dass da ein ganz großer Verlust ist, mit dem ich noch nicht meinen Frieden gefunden habe.

    fuer jeden bedeutet FRIEDEN finden etwas völlig unterschiedliches ... Ich wage einmal zu behaupten das man eigentlich fast nur durch das "mitten durch den Verlust gehen" seinen Frieden findet. Noch einmal will ich dabei betonen das du NICHT nur leidend und immer traurig durch deinen/euren Alltag gehen musst...

    es gibt ja fuer mich letztendlich kein muessen . Es gibt immer ein Alltagsleben was man meistern muss , eigentlich ja auch will... zumindest ist das bei mir so...


    Wie ist das passiert, dass Trauer, so ein wichtiges Gefühl, so tabuisiert wurde?

    Das ist sie wieder ... MEINE INTERPRETATION:!:...

    Durch den ersten und dann den 2. Weltkrieg und da lese ich gerade ein Buch darueber , die vielen, vielen Freitode die von 1945 bis gut 1948 dauernten wollten die Menschen einfach NICHTS mehr von Tod und Krieg wissen ...

    Sie wollten leben, aufbauen , Feste feiern und endlich wieder auch ganz normal arbeiten und Urlaub machen .

    Deine Kinder und meine Enkel wurden sagen :) fun haben :) .

    wir alle sind ja sehr von dieser Kriegsgeneration geprägt worden und wollten erst einmal auch nichts vom Tod wissen ?!?

    Da höre ich jetzt erst einmal aus mit dem Gedankenaustausch ...


    Jetzt werde ich ein wenig in den Garten gehen und dort arbeiten, da fühle ich mich ihm immer ein Stück näher.

    das kenne ich auch absolut <3:!: Ich habe das auch beim wandern. <3:)

    ich schreibe gerade gerne

    HERZVOLLE<3 Gruesse

    von deiner Sverja

    PS ich lese das jetzt nicht durch sondern schickle es einfach ab weil meine Seelenfreundin warm gekocht hat und ich warm essen will <3:)

  • Es sind auch noch ein paar Rechtschreibfehler , aber ich will jetzt nicht noch einmal verbessern8)


    Noch einmal will ich dabei betonen das du NICHT nur leidend und immer traurig durch deinen/euren Alltag gehen musst...

    es gibt ja fuer mich letztendlich kein muessen . Es gibt immer ein Alltagsleben was man meistern muss , eigentlich ja auch will... zumindest ist das bei mir so...

    das schreibe ich noch einmal ...

    weil gerade dieses NICHT nur leidend und immer traurig sein durch das vorherige fehlen so immens wichtig ist ; sonst hiesse es ja wirklich "nur leidend und traurig sein"...


    Liebe Cildie und alle die dies lesen

    Habt einen guten bis bestmöglichen Abend

    <3:24::30::24::30::24::30::24::30:<3

  • liebe Cildie <3:24::30:<3

    natuerlich gibt es immer wieder die so wichtigen Ruhepausen...

    Sie sind uns ALLEN von Herzen gegönnt <3

    ich wollte dir mit diesen Worten mitteilen das ich sehr, sehr häufig an dich denke.<3

    deine <3 Sverja

  • Liebe Sverja und alle,


    das ist ja ein schöner Zufall. Grade habe ich seit langer Zeit mal wieder das Bedürfnis gehabt, hier zu schreiben. Und an dem Tag hast du mir eine liebe Nachricht hinterlassen. Ganz vielen Dank dafür:-).

    Und danke auch für deine Gedanken zu meinem letzten Beitrag. Du hast einen Blick auf die Dinge, der mir mehr hilft, meine Eltern zu verstehen, die ja doch einer ganz anderen Generation angehörten. Und ich wandere auch so gern. Hier wandert nur immer keiner mit:-).


    Du hast geschrieben, dass der Weg zum Frieden durch den Verlust durch führt. Ich denke, das hast du komplett recht und trotzdem findet mein Geist immer wieder andere Schauplätze, mit denen er sich beschäftigen kann, nur um dann zu merken, dass ich eigentlich vor allem noch traurig bin. Es war schon eine Weile besser und dann hat mich vor zwei Wochen die Vorweihnachtszeit recht kalt erwischt. Das hatte ich unterschätzt. Ihr alle, die ihr schon mehr Erfahrung mit der Trauer habt, sicher nicht. Weihnachten war immer schön bei uns. Ich habe nie verstanden, warum Menschen zu Weihnachten nicht gern nach Hause sind. In einer ziemlich aufregenden und ungestümen Welt, war Weihnachten sicher. Wir kamen alle spätestens am 23. nach Hause. Am 24. wurde der Baum geschmückt, dann gab es Suppe zum Mittagessen, Kaffee, einen Weihnachtsfilm, dann sind wir in die Kirche gegangen, Bescherung, Essen, Spielen und zu viel Glühwein. Und die Sicherheit, dass auch die nächsten zwei Tage niemand etwas von mir verlangen würde, außer, dass ich den Kloß zum Mittagessen schaffe und dann noch Platz für (von mir verhasste, weil trockene) Weihnachtsplätzchen habe.

    Die letzten zwei Weihnachten habe ich schon ohne meinen Vater gefeiert. 2020 sind wir nicht hingefahren, weil wir Angst hatten ihn anzustecken und haben uns nur über Zoom gesehen. Letztes Jahr wollten wir ihn am Heiligabend aus dem Pflegeheim zu uns holen, aber er war in Quarantäne. Das war kein schönes Weihnachten. Ich vermute mal nicht, dass dieses viel besser wird. Zwischendurch hatte ich den Wunsch alle einzupacken, uns irgendwo auf einer Hütte einzumieten und Weihnachten ganz anders zu feiern, bloß nicht so, als würde es mich an Vati erinnern. Als ob das möglich wäre. Ich habe den Gedanken verworfen und jetzt kommt meine Mutter und wir werden gemeinsam mit ihr und meiner Tante bei uns feiern. Mir macht das Bauchschmerzen (leider) im wahrsten Sinne des Wortes. Weihnachten, das er auch so gerne mochte, ohne ihn. Er ist immer mit so großen Schritten gelaufen, der weite, schwingende Mantel, durch die Dunkelheit runter zur Kirche. Wo er dann die Weihnachtslieder mitgebrummt hat, so gut wie er es konnte und beim Vaterunser die Hände aufeinander gelegt hat, aus Höflichkeit. Er war nicht gläubig, aber immer in der Kirche, weil es den DDR-Staat geärgert hat. Weihnachten war wie Auftanken. Wir waren nur in der Familie und alles war für ein paar Tage in Ordnung, die Welt blieb draußen. Diesmal ist Vati irgendwo da draußen. Ich glaube ich werde eine Kerze kaufen und für ihn anzünden. Zu versuchen, zu ignorieren, dass er nicht da ist, macht wahrscheinlich alles nur schlimmer.

    Wie geht ihr (falls ihr Weihnachten feiert und es euch wichtig ist) damit um? Habt ihr alles beibehalten oder neue Traditionen entwickelt? Ist es trotzdem irgendwann wieder schön geworden?


    Liebe Grüße

    Cildie

  • Liebe Cildie <3


    auch das hat bei uns beiden schon eine gewisse Tradition .


    Ich schreibe dir " habe alles gelesen und werde dir später ausfuehrlich antworten"...


    Eines fällt mir immer und immer wieder so wundervoll auf.

    du schreibst so wunderbar bildhaft , das euer "Familienbild " fuer mich immer plastischer und lebendiger wird...


    Vielleicht solltest du Schriftstellerin werden<3:). Nur Mut !


    Morgen ausfuehrlicher .

    Komme gut durch diese Nacht und den Tag und den nächsten.

    Herzlichst deine <3 Sverja

  • Liebe Sverja und alle,


    wie schön, gleich eine Antwort zu finden. Antworte, wann immer es passt, ich hoffe du hast eine sehr schöne Adventszeit:-).

    Ich merke grade, dass ich noch mehr schreiben muss. Irgendwie hilft es.


    Weihnachten als Kind war magisch, wie hoffentlich für alle Kinder. Ich war Wochen vorher aufgeregt, hatte meinen Adventskalenderschokolade spätestens am 3. Dezember komplett aufgegessen und die restlichen, schokoladenfreien 21 Tage zogen sich so elend lang hin. Später war die Adventszeit oft so anstrengend, dass ich sie gar nicht mehr mochte. Zudem ist es die dunkelste Zeit des Jahres, die ich sowieso nicht mag (Sverja, Schweden ist wunderschön, aber der Winter wäre wirklich hart für mich). Spätestens aber Heiligabend habe ich dann doch immer Weihnachtsstimmung gespürt.


    Mein Vater, der immer viel zu beschäftigt war, um irgendetwas vorzubereiten, war das Ansicht, dass er mit dem Kneten des Stollenteigs seine Weihnachtsaufgaben erfüllt hatte. Am 24. fiel ihm dann aber siedensheiß ein, dass Geschenke von ihm erwartet wurden. Da er sich (aus gutem Grund) völlig außerstande sah, diese Geschenke selbst auszusuchen, stand er immer früh um acht am 24. Dezember vor meinem Bett und fragte, wann ich denn endlich aufstehen würde, wir müssten doch noch in die Stadt. Mein empörtes Gegrummel ignorierte er und spätestens um 10 standen wir in der ersten Parfümerie. Mein Vater hatte meiner Mutter nämlich einmal ein Parfüm geschenkt, dass sie wirklich mochte und benutzte. Da das in über 40 Jahren Ehe das einzig erfolgreiche Geschenk gewesen war, bekam die Arme die nächsten Jahre nur Parfüm. Wisst ihr, dass man spätestens nach dem dritten Kärtchen, dass einem die Pafümerieangestellte unter die Nase hält, gar nichts mehr riecht? Irgendwann habe ich meinen Vater angefleht, ihr doch mal etwas anderes zu schenken (meine Mutter hatte mich sehr nachdrücklich gebeten), da kaufte er ihr gegen meinen entschiedenen Rat eine Perlenkette. Ehrlich, ich wusste nie, warum er mich zu diesen gestressten Expeditionen mitnahm. Ich glaube er mochte einfach die Gesellschaft.

    Was schön war, war dass ich mich den Rest der Weihnachtszeit über ihn und seine hektischen Weihnachteinkäufe lustig machen konnte. Er nahm das mit Humor, machte sich im Gegenzug über meine liebevoll selbstgebastelten Ökogeschenke lustig, darüber, dass ich den Gänsbraten verschmähte und dass er alter Mann noch immer schneller den Berg hochkam als ich. Ich habe das in den letzten Jahren am meisten vermisst, die Leichtigkeit mit der wir früher, bevor mein Vater krank wurde, zusammen waren. Wie sich jeder über jeden lustig machte und wir alle gemeinsam lachten. Das ist uns in den letzten Jahren, als alles plötzlich ernster wurde, völlig verloren gegangen. Es war, als hätten wir keine Sprache mehr füreinander, besonders mein Vater und ich. Ich glaube wir hätten mehr Zeit gebraucht, um uns auf neue Art zu verstehen. So war jeder Besuch, bei dem er kränker wirkte als beim vorherigen, ein Schock für mich und ihm hatten die Schmerzen jede Selbstironie genommen.


    Trotzdem werde ich ihn sehr vermissen, dieses Weihnachten.

    Liebe Grüße und danke für die Lesegeduld heute.
    Cildie

  • liebe Cildie <3

    leider bin ich so garnicht in einem Schreibmodus , sondern Gefuehle "betrachten" Modus...

    Wenn ich lang genug in mich hineingehorcht habe schreibe icbh dir und somit allen Lesenden

    <3voll Sverja

  • Liebe Alle,


    wie habt ihr euer erstes Weihnachten ohne eure Lieben überstanden? Ich finde es grade unglaublich schwer. Je näher Heiligabend rückt, desto weniger bin ich entspannt oder fröhlich. Dabei mochte ich Weihnachten früher so gern und würde es jetzt meinen Kindern auch gern schön gestalten. Weihnachten war früher für mich die ultimative Geborgenheit. Die Welt blieb für dein paar Tage draußen, nur wir vier, oder manchmal ein Gast und viele schöne Dinge. Das letzte Weihnachten, was wir so gefeiert haben, war 2019. Damals war es schon nicht mehr ganz einfach. Mein Vater war sehr krank, meine Mutter überfordert und auch wir, mit zwei kleinen Kindern und der Pflegesituation, ganz schön angespannt. Trotzdem hätte ich nie gedacht, dass es das letzte Weihnachten mit meinen beiden Eltern sein könnte. Danach kam Corona und wir trauten uns 2020 nicht zu fahren. Ein Zoom-Weihnachten, ganz schön komisch. Letztes Jahr hatten wir dann fest vor zu fahren und auch meinen Vater aus dem Pflegeheim dazu zu holen. Aber dann kam, drei Tage vor Weihnachten, die Nachricht, dass sein Zimmernachbar Corona hat und er war bis Silvester in Quarantäne. Damals habe ich das alles furchtbar gefunden, aber diese Endgültigkeit von diesem Jahr war nicht da. Es war ja nicht klar, ob es sein letztes Weihnachten sein würde. Es gab die Möglichkeit, dass wir dieses Jahr wieder gemeinsam feiern könnten. Und jetzt scheint alles über mir zusammen zu brechen. Die ganzen letzten Jahre, in denen alles schlimmer wurde, ich aber nicht so richtig Abschied genommen habe, weil ich immer zu sehr versucht habe, Dinge zu organisieren und zu verbessern. Und dieses Jahr dann die Gewissheit: Es wird nie wieder, wie es vorher war. Ich habe ich richtig Angst vor Weihnachten. Mehr als jedes andere Fest war es für mich mit Familie verbunden, mit Zusammensein. Mein Mann hat wenig Beziehung zu Weihnachten, bei ihm zu Hause war es eher weniger schön, daher hat er immer mitgemacht, aber, dass er sich wirklich darauf freuen würde - das ist nicht so. Und damit ist Weihnachten für mich dieses Jahr diese riesige leere Hülle, die ich irgendwie füllen muss, damit die Kinder eine gute Zeit haben. Aber eigentlich will ich gar nicht, es ist so schmerzhaft. Und womit sollte ich sie auch füllen? Mit Zuversicht, die ich grade gar nicht empfinde? Mit Freude, die nicht da ist? Mit Aufregung, die wenn, dann eher der Angst entspringt?


    Es tut mir leid, dass der Beitrag zu negativ ist, aber zu wissen, dass ich nie mehr zu Hause Weihnachten feiern kann, macht mich unglaublich traurig. Und ich hätte so gern jemanden, mit dem ich die Trauer teilen kann. Aber es ist schwer mit meiner Mutter darüber zu reden. Sie ist eher von der "denk lieber an etwas anderes - Schule" und versucht sich abzulenken. Das ist sicher auch gut, aber nicht so gut für mich. Meine Schwester ist furchtbar beschäftigt mit ihren vielen kleinen Kindern, ständig krank und gestresst und hat gar keine Zeit zu trauern. Das ist natürlich auch nicht beneidenswert. Und so habe ich das Gefühl, ich bin ein wenig allein und dann auch noch dafür verantwortlich, dass Weihnachten für alle schön wird, was mich grade total überfordert. Eigentlich würde ich mich gern im Bett verkriechen (vorzugesweise möglichst weit weg von hier und dem ganzen Weihnachtstrubel) und warten, bis die Feiertage endlich rum sind. Wer hätte gedacht, dass die Trauer nochmal so furchtbar wird?


    Vielleicht brauche ich einen Plan für Weihnachten. Irgendetwas, was ganz ok ist, aber nicht an das heranreichen muss, was früher war. Danke fürs Lesen dieses deprimierenden Textes.


    Liebe Grüße

    Cildie

  • Liebe Cildie,


    muss Dir nichts leid tun, alles okay das ist ganz unglaublich schwer und jeder hat da seine eigene Erfahrung gemacht oder macht sie.

    Wir schaffen es zusammen und ja irgendwie überstehen wir diese Tage und ich bin immer ganz froh wenn es soweit ist weil eigentlich das schlimmste alles überstanden ist, nämlich die Adventszeit.

    Trotzdem sind diese Tage grausam uns es ist eine enorme Aufgabe jedes Jahr aufs neue es ist das dritte ohne Mama und ich dreh fast durch kaum noch Kraft und eigentlich will ich nur schreien. ...last mich doch alle in Ruhe.. ..doch ich bleib ruhig und gehe weiter.


    Vlg. Linchen

  • Liebe Cildie ❤️


    es ist nicht negativ und bitte nicht entschuldigen. Ich denke, die meisten von uns sind mehr oder weniger deprimiert.


    Und es ist, wie es ist... einfach nur traurig und furchtbar schwer.


    Ich kann Dir auch nichts Schönes berichten. Ich habe Mama im Krankenhaus besucht und sie liegt auf der Station auf der Papa gestorben ist... Ich muss wohl nichts weiter erklären... Du siehst, es ist und bleibt schwer... bis es vielleicht irgendwann leichter wird.


    Ich drück dich im Verstehen💔

    Alles Liebe Pia 🥀

  • Ihr Lieben,


    danke für eure aufmunternden Beiträge. Auch wenn es merkwürdig ist, dass es hilft, wenn es anderen genauso schlecht geht. Linchen1 - schon das dritte Weihnachten ohne deine Mama? Das tut mir so leid. Aber es ist gut, dass du sagst - wenn es da ist, ist das Schlimmste schon fast vorbei. Das lässt mich hoffen. Und ich hoffe dein Papa und du, ihr könnt Weihnachten mit Klößen wieder genießen. Die gibt es bei uns auch;).

    Pia1962 - deine Mama liegt auf der gleichen Station? Zu Weihnachten? Ich drück dich ganz fest. Und hoffe, du hast Recht und irgendwann wird es wieder leichter.
    Zumindest sind seit heute Ferien, die erste richtige Ruhepause seit den Sommerferien. Das ist ja schon mal was.


    Seid umarmt

    Cildie