Mein Leben ist nur noch ein Scherbenhaufen

  • Liebe Karin. Auch ich bin angekommen. Es ist wie eine Reise in eine andere Welt. Der Verlust meines geliebten Sohnes hat viel bei mir bewirkt. Neben dem großen Schmerz bin ich in vielen Dingen des täglichen Lebens demütiger geworden .Die meisten Probleme, die man hat ,sind doch hausgemacht. Ich werde bald 82. Die letzten Jahre meines Lebens will ich in Ruhe und Frieden verbringen. Meine Kinder und Enkelkinder sind versorgt. Sie führen ein anständiges Leben. Ich brauche mich nur noch um mich kümmern. Da habe ich auch zu tun. Die Krankheiten machen auch um mich keinen Bogen. Wenn dann noch ein paar schöne Erlebnisse im Alltag kommen, werde ich sie genießen. Ich glaube, das habe ich mir verdient. Ich wünsche dir auch einen angenehmen Lebensabend. Liebe Grüße von Christine.

  • Liebe Karin,

    Dein Weg und deine Gedanken sind sehr, sehr tröstlich - danke, dass du es so hier teilst und darüber schreibst. Ich empfinde es als sehr hoffnungsfroh.

    Denn auch bei dir schwingt ja mit, dass Trauer existieren kann, ohne dass es immer mit dem Wort "traurig" verbunden ist.
    Nur weil man mal nicht traurig ist, nur weil sich die Prioritäten verschieben, man mit Dingen seinen Frieden macht und sich diesen Frieden für das weitere Leben wünscht, heißt das nicht, dass man nicht trauert und dass da nicht immer dieser Schmerz sein wird.
    Und bei dir ist es ja besonders schlimm - innerhalb so kurzer Zeit zwei so unglaublich wichtige und wertvolle Menschen. Dein Mann und dein Sohn. Natürlich wirst du sie immer lieben, immer vermissen und immer die Trauer empfinden. Aber eben nicht auf immer dunkel, düster, hoffnungslos.
    Es ist kein Verrat an unseren Liebsten, wenn wir einen solchen Weg einschlagen. Im Gegenteil. Ich denke, das ist wichtig zu sagen.
    Kein Lachen, kein warmes Gefühl, keine Hoffnung und keine Wärme sind ein Verrat - im Gegenteil. Sie sind ein Geschenk. An und von unseren Liebsten gleichermaßen.

  • Liebe Sonnenente, und auch liebe Christine,

    ja ich habe alle Höhen und Tiefen in den vergangenen 3 Jahren durchlebt, ich war auch oft verbittert und habe mich unverstanden gefühlt. Es war nicht einfach soweit zu kommen wie ich es jetzt zur Zeit bin, womit ich nicht sagen will, dass ich zwischendurch auch immer wieder meine tiefen Momente habe, doch ich habe mir vorgenommen nicht in ein Loch zu fallen. Ich habe für mich entschieden nicht mehr mit dem Schicksal zu hadern und für die Dinge dankbar zu sein die ich noch habe, alles andere würde mir nur schaden und ich würde mir dadurch das Leben selbst nur schwer machen.

    Ich bin dankbar, dass ich noch meine Tochter, meine Enkel und mein Urenkelchen habe, bin froh an diesem Leben noch teilzunehmen zu können. Es ist wie es ist, auch ich habe nur das eine Leben und wir alle wissen wie schnell sich alles ändern kann.

    LG Karin

  • Liebe Karin. Ich finde es schön , daß du dein Leben als Dankbarkeit empfindest.Ich sehe es genauso.Man hat doch auch eine Verantwortung für die ,mit denen wir zusammen leben. Ich habe ja auch 3 Enkelkinder und 2 Töchter. Zusammen sind wir durch das tiefe Tal gegangen. Nun geht jeder wieder seinen Weg. Mein Sohn ist immer in Gedanken bei uns.Er würde auch sagen ,lebt weiter wie ihr es möchtet. So ehren wir sein Andenken .Wir haben ja ein kleines Urnengrab. Da gehen wir immer hin und gestalten es ein wenig. Das ist immer ein schöner Augenblick. Ich wünsche dir alles erdenklich Gute für die Zukunft. Liebe Grüße von Christine.