Beiträge von Trommlerin

    Liebe Luise,


    den geliebten Partner nicht mehr da zu haben, wenn man krank ist und alles alleine durchstehen muss, ist ganz schrecklich. Da trifft einen der Verlust ganz besonders hart. Wenigstens hast Du einen Hausarzt der auch wirklich ins Haus kommt, das gibt's nicht mehr so oft. Ich kann Dich so gut verstehen dass Du nicht mehr ins Krankenhaus willst. Meine Ursel ist im Krankenhaus erst richtig krank gemacht worden. Sepsis mit 5 verschiedenen Krankenhauskeimen und daran ist sie verstorben.


    Ich wünsche Dir von Herzen dass es Dir bald besser geht. liebe Grüße von Dieter

    Liebe Christine, in deutsch klingt das etwas sperriger: "Es ist besser geliebt und verloren zu haben, als niemals geliebt zu haben."

    Eine Zeile aus einem Song der schottischen Rockband Nazareth von 1974 - Loved and lost.

    Ich erzähle Ursel jeden Abend wie mein Tag war, begrüße sie immer wenn ich von der Arbeit heim komme und spreche bei vielen Gelegenheiten mit ihr.

    Ich spüre dass sie nah bei mir ist.

    Das mit den Haaren hat Ursel auch immer gesagt, Christine, sie war auch meine Friseurin, so wie ich ihr Friseur war. Die Haare habe ich so seit ich sechzehn war.

    Das Foto ist von 1976, da war ich 23.

    Heute ist der 20. Juni. Heute vor 20 Jahren haben Ursel und ich geheiratet und im Biergarten des Restaurants gefeiert, für das ich jetzt arbeite. Dort haben wir uns kennen- und lieben gelernt. Es war genauso schwülwarm wie heute und es war auch WM, Deutschland gewann 3:0 gegen Ecuador.

    Ein paar Tage später flogen wir nach Lissabon auf Hochzeitsreise.

    Heute blicke ich mit Wehmut auf die gemeinsamen Jahre zurück, aber auch mit Dankbarkeit dass wir sie erleben durften.


    It's better to have loved and lost, than never to have loved at all

    Liebe Mayatochter,


    ich habe keine Pflegestufe und meines Wissens keine schwerwiegenden Vorerkrankungen. Momentan ziemlich Übergewicht und etwas Bluthochdruck, wogegen ich Medis nehme. So ein mobiles Klimagerät hätte hier keinen Sinn, das Fenster steht den ganzen Tag offen. Mir ist es sehr wichtig dass die Hörnchen rein können um zu vespern und vor allem um zu trinken. Kommenden Dienstag baut mir Michi, der Mann von Sandra, eine Klimaanlage ins Schlafzimmerfenster, das hatten wir schon als Ursel noch hier war. Sie nannte das unsere Kühlkammer. Da flüchte ich dann immer mal rein. Anfang September kommt sie dann wieder weg, die füllt ja das ganze Fenster aus und ständig dunkel ist nicht gut für die Psyche. Ich danke Dir für Deine Sorge, aber ich verbringe hier schon den zwanzigsten Sommer, Morgen haben wir zwanzigsten Hochzeitstag. Ich wünsche Dir dass Deine Herzleistung zumindest auf dem jetzigen Niveau bleibt.


    Ganz liebe Grüße von Dieter

    Alles herunterlassen geht bei mir leider nicht aus Mangel an Rolladen. Dachgeschoss Südseite mit Regipswänden. Das Wohnzimmerfenster muss eh' immer offen sein damit die Gäste rein können. Die tun mir am meisten leid, die tragen den ganzen Sommer Pelzmantel. Etwas Luftbewegung bringen 4 Ventilatoren. Bei Hitzewellen hab' ich immer 36° in der Wohnung.

    Liebe Bille,


    was Linchen und Elster geschrieben haben kann ich Wort für Wort unterschreiben. Meine Gedanken kreisten lange in tiefster Verzweiflung um die Frage, wie ich ohne meine Ursel weiterleben kann. Ich war bei einer Psychologin, habe das Internet durchforstet und Bücher über Trauerbewältigung gelesen. Die größte Hilfe aber war dieses Forum hier. Mich ohne Scham ausweinen zu können, immer und immer wieder, zu erfahren dass ich nicht der einzige bin der um einen geliebten Menschen trauert. Ich habe viel in anderen Wohnzimmern gelesen und allmählich gemerkt dass es doch eine Entwicklung gibt. Christine hatte neulich geschrieben, ich hätte meinen Weg gefunden. Ich war erst skeptisch, aber ich habe einen Weg gefunden mit meiner Trauer zu leben, mich über Dinge und Erlebnisse zu freuen und letztendlich auch irgendwie mit Ursel ohne physischen Kontakt zu leben. Eine "Fernbeziehung" sozusagen. Mit ganz viel Sehnsucht, die wird bleiben, aber auch mit der Gewissheit, irgendwann wieder zusammen zu sein.


    Liebe Grüße von Dieter

    Musikgeschmack ist nicht verhandelbar, jeder hört was ihm gefällt. Bei mir ist es Siebzigerjahre Rock von AC/DC bis ZZ Top.

    Viel Vergnügen mit dem Grafen , hoffentlich spielt Petrus mit! Ich mein' jetzt nicht in der Band, sondern den von ganz oben.

    Ich stelle mir so oft die Frage: Wird es eines Tages wirklich so sein, dass ich, egal, was ich gemacht habe, nicht mehr denken werde: "Nie mehr wird er das und das gemeinsam mit mir erleben können!"?


    LG

    Liebe Bille,


    das wird wohl immer so bleiben. Erst gestern ging es mir wieder so. Ich sah einen Film der in Hamburg spielt - Hamburg ist unsere Lieblingsstadt in der wir jedes Jahr ein paar Tage verbrachten. Eine Szene spielte genau an einem unserer Lieblingsplätze. Das war der Trigger für einen Schlag mit dem Niewiederhammer. Trotzdem schaue ich mir weiter Filme die in Hamburg spielen an. Manchmal denke ich mir auch nur, "schau Ursel, da waren wir auch."


    Es wäre vieles für mich leichter, wenn ich nicht dieses Trauma in der Klinik hätte erleben müssen, wenn ich nicht wochenlang meinem Mann beim Sterben hätte zusehen müssen und wenn ich noch einmal über alles mit ihm hätte reden können. Dann könnte ich vielleicht auch schneller Frieden finden. So ist das alles eine noch größere Belastung.

    Damit kämpfe ich auch immer wieder mal. Meistens morgens beim Aufwachen, da bekomme ich Flashbacks aus dem Krankenhaus, wo soviel falsch gemacht wurde oder aus ihrer Sterbewoche bei uns zuhause. Sie werden aber seltener und ich habe gelernt sie zu verscheuchen.


    Liebe Grüße von Dieter

    Liebe Bille,


    diese Medikamente sind Antidepressiva und deren Wirkung setzt erst nach einigen Wochen ein, machen aber normalerweise nicht abhängig.

    Ich hätte fast einmal die Möglichkeit gehabt an einer Veranstaltung mit einem berühmten Medium teilzunehmen. Eine ehemalige Stammkundin von mir hatte die Idee mich zu Paul Meek mitzunehmen, ließ es dann aber weil sie sich nicht sicher war ob sie mir damit einen Gefallen tun würde. Gegen Ende der Veranstaltung rief Paul Meek dann: wer ist Peters und dann nochmal, wer ist Peters? Es meldete sich aber niemand. Peters ist mein Nachname. Als mir die Frau das erzählte war ich erstmal total geschockt. Bald war ich mir aber sicher dass Ursel mir etwas sagen wollte. Ab dieser Zeit bekam ich immer wieder Zeichen von Ursel, die mir jedesmal ein großer Trost sind. Ich weiß dadurch dass es irgendwann weitergeht auf der Ebene auf die Ursel schon vorausgegangen ist. Natürlich vermisse ich sie hier in meinem Leben, das einmal unser Leben war, und der Niewiederhammer schlägt weiterhin zu, aber nach den Tränen kommt auch mal ein Lächeln. Ich habe ein tägliches Ritual mit ihr. Am Abend erzähle ich ihr von meinem Tag und trinke dazu ein Glas von ihrem Lieblingssekt. Dabei bin ich ihr sehr nah, schaue ihr sozusagen in die Augen und sage ihr auch manchmal dass ich es total sch..... finde dass sie vorausgegangen ist, wo wir doch gemeinsam alt werden wollten, aber auch dass ich weiß dass sie ja nichts dafür konnte. Ich will Dir damit sagen dass Zeichen sehr beglückend sein können, wenn man bereit ist sie anzunehmen. Sie ersetzen natürlich nicht den physischen Menschen, aber so ein "Hallo" von drüben finde ich einfach toll.


    Liebe Grüße von Dieter

    Es haben so oft Leute hier geschrieben, dass die "Zeichen" weniger werden, weil "der Punkt kommt, an dem wir klar kommen und unsere Liebsten das wissen".
    Davor hatte ich Angst. Dass mein Lohn dafür "klar zu kommen" sein würde, dass ich ihn dann komplett verliere. Also nicht nur physisch.
    Aber da kann ich dich beruhigen: Das ist nicht so. Absolut nicht.
    Es stimmt: Es ersetzt das physische nicht und es vertreibt auch das "Nie wieder" nicht. Die Sehnsucht bleibt und manchmal knallt sie mit voller Wucht rein, auch nach bei mir jetzt ungefähr 2,5 Jahren. Aber ironischerweise tröstet dieses Spüren dann sehr. Auf einer nicht zu beschreibenden Ebene, aber es ist so.