Beiträge von Trommlerin

    Guten Morgen Ihr Lieben,


    jetzt ist er da, der Heilige Abend. Heute vor einem Jahr gegen acht Uhr morgens wurde Ursel nach 7 Monaten Krankenhaus als "stabil" nach Hause gebracht.

    Sie ging als klar denkende Frau in die Klinik und als sie zurück kam wusste sie nicht mal mehr dass sie hier wohnt. Die letzten 10 Tage ihres Lebens verbrachte sie mehr oder weniger in geistiger Umnachtung. In den Krankenhäusern müsste viel mehr gegen das "Krankenhaus-Delir" gemacht werden, es betrifft viele ältere Menschen. Vielleicht war es für sie sogar zum Schluss ein Segen, da grübel ich jetzt seit einem Jahr drüber nach. Aber es ist wie es ist, sie ist nicht mehr hier und sie fehlt mir jeden Tag mehr. In diesem Jahr ist kein Tag vergangen an dem ich nicht um sie geweint habe.

    Ich würde jetzt am liebsten die nächsten 10 Tage verschlafen, bin aber schon froh wenn ich nachts 5 Stunden schaffe. Es ist nicht so dass ich keine lieben Menschen um mich habe, habe aber fast alle Einladungen abgelehnt.

    Ich bin einfach von einem Jahr Trauer erschöpft und in dieser Zeit am liebsten allein.


    Allen Trauernden in diesem Forum wünsche ich eine erträgliche Weihnachtszeit.

    Ich war heute bei Freunden eingeladen, da war auch eine Frau deren Mann vor 13 Jahren gegangen ist. Die bekommt heute noch feuchte Augen wenn sie von ihm spricht. Das hört wahrscheinlich nie auf.


    Liebe Grüße von Dieter

    Liebe Christine,


    ich hab' auch so ein Ritual. Ich erzähle Ursel jeden Abend wie mein Tag war, manchmal auch ein bisschen Tratsch. So bleibt eine Verbindung, da hast Du recht. Das ist mir sehr wichtig.

    Danke liebe Elster,


    das Durchhalten bezieh' ich jetzt auch auf das viertelgeöffnete Fenster - wir haben schlappe 7,1° Grad minus - die Hörnchen haben auch bei diesen Temperaturen Hunger. Ich sitze eingehüllt in Ursels Schmusedecke am PC und langsam werden die Taschentücher knapp, mich hat ein grippaler Infekt erwischt.

    Ich habe festgestellt dass Ursel mich durch ihr Bild an ihrem kleinen Altar "beobachtet". Dieses Foto ist genial, wo ich im Zimmer auch stehe, sie schaut mir immer in die Augen.


    Liebe Grüße an Dich und Dein Feechen!

    Liebe Greteline,


    ich weine auch jeden Tag, und das wird auch noch lange so bleiben. Bei mir wird's in 43 Tagen ein Jahr. Das ist doch ganz normal.

    Ich hab' heute im Lieferwagen ein Büchlein mit Trauergedichten gefunden....meine Chefin hat vor kurzem ihre Mutter verloren.

    Da las ich eins was ganz gut auf uns passt.


    Ich vergehe vor Kummer.

    Ich versinke in meinem Schmerz.

    In mir ist nur Dunkelheit.

    Blind bin ich geworden

    vor lauter Tränen.

    Wann werde ich

    wieder aufstehen?

    Wann werde ich lernen,

    mit dem Schmerz zu leben?

    Diesem bohrenden Schmerz,

    der immer ein Teil von mir sein wird.

    So, wie du es gewesen bist.


    Liebe Grüße von Dieter

    Liebe Lilifee,


    dieses Gedicht spiegelt die Realität wider, aber die Leere kann ich nicht als tröstlich empfinden. Ich verstehe was sie damit sagen will. Ich empfinde die Aussicht auf ein Wiedersehen "drüben" als tröstlich. Wie Du schon sagtest, der Verlust des Lieblingsmenschen ist die größte Katastrophe die einem passieren kann.


    Liebe Grüße von Dieter

    Ich verbinde diese Jahreszeit mit der letzten Etappe auf Ursels Leidensweg. Vor allem die Erinnerung an die immer stärker werdenden Auswirkungen ihres Delirs in der Geriatrie verstärken meine Traurigkeit. 6 verschiedene Stationen in 7 Monaten verkraftete ihr Gehirn nicht wirklich. Zuletzt noch eine Gehirnerschütterung bei einem Sturz aus einem angeblich gesicherten Bett in der Nacht, als sie nach mir suchte und rief. Ich konnte ja nicht da sein, und trotzdem habe ich Schuldgefühle. Das verbinde ich mit dem beginnenden Winter.

    Wenn morgen ohne mich beginnt,

    Und ich es nicht mehr sehen kann,

    Wenn die Sonne aufgeht und deine Augen

    Meinetwegen in Tränen schwimmen,

    Dann Wünsche ich mir so sehr, dass du nie mehr

    So weinst wie heute,

    Wenn du an die vielen Dinge denkst,

    Die wir nicht mehr sagen konnten.


    Ich weiß, wie sehr du mich liebst,

    So sehr, wie ich dich liebe,

    Und jedes Mal, wenn du an mich denkst,

    Weiß ich, dass du mich auch vermisst.

    Doch wenn morgen ohne mich beginnt,

    Versuche zu verstehen,

    Dass ein Engel kam, mich beim Namen rief,

    Mich bei der Hand nahm

    Und mir sagte, weit oben im Himmel

    Sei ein Platz für mich bereit.

    Und dass ich alle zurücklassen müsse,

    Die ich so sehr liebte.


    Das ist der Anfang eines Gedichts von David M. Romano und gefunden hab' ich das in dem Buch "Blick in die Ewigkeit" von Dr. med. Eben Alexander.


    Ich finde, es passt wunderbar zum heutigen Volkstrauertag.

    Da hat Ulrich recht - Du kannst das und Du machst das gut. Da darf man auch weinen, Du hast zum ersten Mal alleine bei Globus eingekauft, etwas was Ulrich gern gemacht hat. Als ich zum ersten Mal meine Schuhe geputzt hab' - Ursel hat das geliebt - flossen die Tränen in Strömen. In den ersten Wochen nach Ursel's Weggang hat es immer wieder mal nach Schuhcreme gerochen, in der Wohnung, im Biergarten oder beim Spazierengehen. Das war ihre Art mit mir zu kommunizieren.

    Ulrich ist stolz auf Dich weil Du so tapfer bist.

    Liebe Babjaga,


    dieses Delier hat der Teufel gemacht. Ursel bekam das nach 5 Wochen im Krankenhaus und das ist bis zu ihrem Tod immer schlimmer geworden. Zum Schluss dachte sie, sie würde im Krankenhaus wohnen und ich hätte mir eine eigene Wohnung genommen. Gegen das Delier wird in der Klinik viel zu wenig unternommen. Das ist nicht nur für den Patienten eine große Belastung, auch für die Angehörigen. Ich kann mir vorstellen dass es bei Ursel ohne das Delier anders gelaufen wäre.


    Liebe Grüße von Dieter