Posts by schnee

    Guten Morgen liebe Marion.
    Deine Schwiegermama spiegelt viele Eigenheiten wider, die auch meine zeigt und ich frage mich hin und wieder, warum die Frau so ist, wie sie ist. Allein das Anerkennen ihres Charakters, oder das Ertragen ihrer Aussagen, oder Handlungen hilft mir, überhaupt damit umgehen zu können und wenn es mal nicht geht, stelle ich mir ihre Kindheit vor, die lieblose Strenge ihrer Eltern, die Zeit und die Armut in der sie aufwuchs, später ihre Ehe mit einem Patriarch aus der sie erst ausbrach, als ihre Kinder selbstständig waren. Sicherlich hat auch deine Schwiegermutter Erfahrungen gemacht, die sie zu dem werden ließen, was sie heute ist und vielleicht ist ihr Schmerz so groß, dass sie keine Chance sieht, sich dem zu stellen und deshalb lieber die Flucht ergreift. Wäre ich Schwiegermutter und mein Kind wäre nicht mehr da, wäre ich stolz und glücklich darüber, wenn mein Schwiegerkind sich um mich bemühen würde. Insofern finde ich es toll von dir, dass du dich um sie kümmerst, sie anrufst, Verständnis zeigst.
    Auch ich habe mich schon gefragt, warum ich Woche für Woche zum Grab hirsche, alles schön mache, Kerzlein zünde, neue Gestecke hinbringe. Für wen tust du das? Und ich gebe zu, dass ich dies zum Teil wirklich für die anderen Grabbesucher tue, bzw. dafür, dass meine Schwiegermutter sieht, dass hier gepflegt und in Ehren gehalten wird und vielleicht eines Tages mal eine Anerkennung von ihr kommt, sie sowas sagt, wie, dass ich mich gut darum kümmere, oder sogar irgendwann anerkennt, dass ihr Sohn sein halbes Leben in "so eine" verliebt und glücklich mit ihr war.
    Wenn ich ehrlich bin, fühle ich von meinem Mann mehr Gegenwart hier zu Hause, als dort am Friedhof.
    Was ich eigentlich sagen wollte: gräme dich nicht zu sehr über das Verhalten deiner Schwiegi - sei stolz auf dich, wie souverän du mit ihr und der gefühlten Abneigung ihrerseits dir Gegenüber umgehst!
    Grüße von schnee

    Danke für die Blumen liebe Maki! Freue mich, dass dir mein Gedicht gefällt. Wenn ich so zurück blicke, habe ich jeweils in Zeiten höchster seelischer Not, aber auch manchmal, wenn das Glück nicht auszuhalten war, ein Gedicht geschrieben - definitiv also nur in Ausnahmesituationen. Somit sind es in Summe gar nicht so viele. Könnte also noch eine Weile dauern, bis ich wieder mal eins schreibe. Grad hab ich eines durchgelesen, aus 1999. Krass, wie sich die jeweiligen Situationen darin spiegeln.
    So, Sonntag ist´s. Schon wieder! Und ich bin tatsächlich wieder so früh aufgestanden. Hmmm, einmal Frühaufsteher - immer Frühaufsteher liebe Christine, dagegen lässt sich einfach nix unternehmen. Meinen Mann hat das nie gestört, im Gegenteil, er wollte oft geweckt werden, damit wir zusammen was unternehmen. Wir waren oft schon unterwegs, während in der ganzen Umgebung noch gepennt wurde. Der Morgen hat auch seine schönen Seiten, wenn man ihn nutzt. Ich hab damit angefangen, Papiere zu sortieren, weil ich eine Beschreibung nicht finden konnte, von der ich genau wusste, dass sie da sein muss. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie viele Geräte in so einem Haushalt rumstehen. Auch besagte Beschreibung hab ich gefunden und beschriftet. Nebenbei habe ich viele Papiere entdeckt, die ich nie zuvor gesehen hatte. Für die Ablage war immer mein Mann zuständig, er hatte ein geniales Erinnerungsvermögen, denn ich entdeckte überhaupt kein System hinter seiner Ablage, aber er hat immer alles gefunden, was gebraucht wurde. Seinen Lehrbrief und Ehrenurkunden fand ich gleichsam, wie Briefe, die er offensichtlich nie abgeschickt hatte. Papiere vom Militär, da ist sogar seine Marke dabei. Zum Teil lief mir ein Schauer über den Rücken, weil ich die Sachen zum ersten Mal gesehen hatte. Er hat mir das nie gezeigt, nun gut, ich hatte auch nie danach gefragt. Seine Papiere habe ich nun so gut als möglich chronologisch geordnet und es entsteht seine Biographie. Zu Oberst liegt die Sterbeurkunde. Ein Leben ist abgeschlossen, in Ordnern verpackt. Ich bringe es kaum fertig, den Deckel zu schließen und den Ordner ins Regal zu stellen.

    Ja, Christine, ist von mir - ab und an fällt mir spontan eine Zeile ein, auf welche ich dann aufbaue. Meistens beim Staubsaugen, oder Bügeln. Danke dir für die "Sonntagstipps". Die habe ich allesamt im Auge und in Arbeit - und doch geben sie nicht den gewünschten Effekt. Hast du mein Gekritzel durchgelesen, weißt du, dass ich sogar Hobbies habe und sie so gut es meine Freizeit zulässt auch pflege und verfolge. Die Motivation dafür allerdings steht und fällt mit Anerkennung und wen interessiert´s schon, was ich mache. Außerdem herbstelt es im Westen gewaltig, ja, ich würde sogar sagen, es wintert bereits und in diesen kalten, nassen und lichtlosen Zeiten, fährt sich mein ganzer Organismus auf Sparflamme runter und schaltet auf pubertären Nullbockmodus. Würde es gerne dem Eichhörnchen gleich tun, mich in meine Höhle verkriechen und warten, bis der Frühling kommt. Geht aber nicht, habe ich den Sommer über rund ums Haus gewerkelt, habe ich nun einige Dinge im Haus zu erledigen und sogar schon damit angefangen - aber es macht keinen Spaß allein.
    Das Trauerjahr hab ich hinter mir und einiges geschafft, was ich zum Teil nicht für möglich gehalten hätte. Tja, und doch keine Befriedigung, weil´s ja niemand sieht und bemerkt. Also fühle ich mich unterm Strich einfach nur einsam. Objektiv betrachtet bin ich es nicht zum Glück, gefühlt aber war ich nie einsamer in meinem Leben und ich denke, ich muss auch dieses Gefühl durchstehen - ich nehme an, es gehört zum Trauerprozess dazu.

    Der sanfte Wind die Landschaft biegt,
    im Blau der Unendlichkeit ein Farbklecks fliegt,
    am Ende der Drachenschnur ein Kind,
    ruft: "Papa, schau, wie hoch er sich wiegt im Wind!"


    Die Blätter tanzen und schaukeln in der Brise,
    ein Hund zieht sein Frauchen über die Wiese.
    Zähne klappern, Münder rattern, Schals flattern,
    Gedanken rattern.


    Der Nebel durch die Bäume streift,
    weiß....., watteweich,.... und irgendwie .... leicht.
    Ganz still ein schweres Herz dich sucht,
    die Unabänderlichkeit, die Endgültigkeit verflucht.


    Die Schritte zweier Schuhe rascheln im Laub,
    das einsame Herz nun für das Leben hier taub?
    Leben....grad eben gefunden, geliebt, Leben gegeben, gefreut, gelacht....
    ..................Abgang gemacht!


    Das Blau, die Brise, der Nebel, das Kind und der Klecks,
    der Hund, das Laub .... all das... wofür? Für nur einen Zweck?
    Ja, im Gestern, im Morgen, im Heute - allzeit,
    dem Herzen die Schönheit, die Unvergänglichkeit, die Wiederkehr gezeigt.



    schnee

    Dankeschön liebe Marion für deine Zeilen! Es tut gut, auf Verständnis zu stoßen - das gibt auch wieder Kraft, was Neues anzupacken.
    Ich werde jetzt mal die Bügelwäsche erledigen, mich dann kultivieren und mein Telefon aktivieren, um mal rumzuhorchen, was so los wäre.... :S

    die Sonntage, die bringen für mich Einsamkeit mit.
    Mir ist ganz bewusst, dass dies an mir liegt, weil ich mir wenig vornehme, damit noch Zeit bleibt, für Dinge, die ich die Woche über nicht schaffte und zum Teil schon wieder vorbereite, in dem Bewusstsein, dass während der Woche das eine oder andere nicht erledigt werden kann. Jetzt ist schon über ein Jahr vergangen - gestern vor einem Jahr haben wir seine Urne zu Grabe getragen und ich hab noch immer keinen gescheiten Rhythmus gefunden. Das Haus wird immer ruhiger, Sohn ist entweder nicht da, oder schläft, Tochter ist sozusagen ausgezogen. Bleiben noch ich, die Fische und der Kater, weil die Katz ja auch in die ewigen Jagdgründe musste.
    Ich glaube aber auch, dass der Herbst zudem eine Zeit ist, wo das Ruhigerwerden von der Natur vorgeschrieben wird. Blöd, wenn man dann wie ich, mit Ruhe nix anzufangen weiß und Untätigkeit sofort mit Langeweile und Sinnlosigkeit verknüpft. Macht mir natürlich auch noch meine Unternehmungslust einen Strich durch die Rechnung, weil sie, je kälter es wird, mehr und mehr verschwindet. Sowohl für Unternehmungen draußen, als auch für diverse Erledigungen bezüglich Haushalt und Co. Ergo sitze ich wie ein altes Mütterchen am Ofen und vergammle.....
    Blöder Mist.
    Ich brauche Sonntagsstrategien. Zumindest für Herbst und Winter.
    liebe Grüße von einer sonntäglich einsamen schnee

    Ach liebe Goldelse, mach dir nicht zu sehr einen Kopf wegen der Freunde. Vielleicht sprichst du sie mal direkt an und teilst ihnen deine Gedanken mit, fragst sie, ob sie Schwierigkeiten im Umgang mit einer trauernden Witwe haben. Christine hat leider recht. So ein Einschnitt im Leben bringt auch eine Neuverteilung der Freundschaften und Bekanntschaften mit sich. Klingt nun obergescheit, aber ich erlebe es einfach selbst auch. Ein befreundetes Paar von uns deren Tochter das Patenkind meines Mannes ist, hat sich sehr zurückgezogen. Ich hab sie noch ein paarmal besucht und eingeladen, mich dann aber aufgrund der spürbaren Distanz eher ein wenig zurückgenommen. Sie melden sich nicht bei mir. Ein anderes Paar, früher sehr eng befreundet und später mit mehr Distanz, weil die Meinungen der Männer sehr auseinander drifteten, was insgesamt zu weniger Kontakt führte, kümmert sich seit dem Tod meines Mannes sehr um mich. Sie sind solche, die ein Gespür haben, mich zum Spaziergang holen, zum Kaffee kommen, usw.
    Unterm Strich kann man sagen, dass es Freundschaften gibt, die von Anfang an bis Ende halten, es aber auch solche gibt, die wieder von der Bildfläche verschwinden. Lebensabschnittsbegleiter....
    Das schöne ist, dass ihr immer da seid, finde ich....
    liebe grüße von schnee

    Marion, du hast meine Bewunderung zum Umgang mit deiner Schwiegermutter! Mit der Beschreibung derselben sprichst du mir direkt aus der Seele und nicht nur mir, glaub ich. Ich nehme mir fest vor, falls ich je Schwiegermutter werden würde, eine verständnisvollere solche zu sein. Ich hoffe, es gelingt. Die meinige werde ich heute noch anrufen und sie nach ihrem Befinden fragen.
    Die Kleider meines Mannes habe ich auch erst nach Monaten caritativ vergeben, aber eine Garnitur sozusagen aufbewahrt. Eine Hose, ein Pulli, ein Shirt, ein Paar Socken, ein Hemd, seine Winterjacke usw. Hochzeitsanzug ist auch noch da. Die restlichen seiner Sachen hab ich alle noch, außer die Pflanzen, die meine Pflege nicht überleben. Meines Mannes Arbeitsbereich, all seine Ordner, seine Computer, sein Werkzeug, seine Maschinen - alles unberührt. Nungut, manche musste ich bereits benutzen, andere stehen unbenutzt herum. Ich habe noch die leise Hoffnung, dass sich unser Sohn eines Tages für diese Dinge interessiert und die zum Teil selbstgebauten Maschinen in Gang setzt. Die Fahrzeuge sind fast alle in Betrieb, vielleicht kommt Sohn auch dahingehend dahinter, dass er dieselben benutzen könnte, wenn er die Scheine dafür machen würde. Unsere Tochter hat des Vaters Fahrrad in Besitz genommen und mir wird's im Herzen warm, wenn sie mir erklärt, dass sie sich auf keinem Rad sicherer fühlt, als auf seinem.
    Alles Gute und liebe Grüße von
    schnee

    Keine Geborgenheit, wenig Perspektiven - ich frag mich am Freitag, wo denn nur die Woche geblieben ist, und am Montag, was eigentlich am Wochenende war, weil ich aufgrund der Fülle der Erledigungen und Termine mir nicht alles merke, vielleicht auch aus dem Grund, dass nix Spektakuläres eintrifft, sondern nur Alltag. Hmmm, Loch, Durchhänger, Herbstdepri?
    Nun, ich ärgere mich über mich selbst, war ich doch auf einem Oktoberfest - ein sehr klein gehaltener Nachbau des großen in München - war aber so fertig von den Tätigkeiten der Tage davor, dass ich nicht mal tanzen wollte, obwohl ich sogar einmal aufgefordert worden war. Nun, ich würde ja gerne tanzen, aber ich hätt nicht gekonnt, weil mir mein Gestell so weh tat, außerdem konnte ich an dem Abend generell mit dieser Spaß- und Saufgesellschaft nix anfangen. Und doch doof, man fragte mich mehrfach, was los wäre - ich schob meine Müdigkeit vor, aber wenn ich nicht aufpasse, mutiere ich dann mehr und mehr zum Einzelgänger. Du bist in den Augen der Masse unnahbar und exzentrisch, wenn du mal nachdenklicher, ruhig bist und lieber sprechen, als gegen die Musik (Joana du Luder) schreien möchtest, außerdem mit Wasser und Kaffee dasitzt, während alle anderen schon einen silbernen Blick haben.
    Achja.
    Grüßlein von schnee

    Vielen Dank Dschina, vielen Dank Goldelse!
    Die Fahrt verlief beinahe problemlos. Es war nicht die Fahrt an sich, die mir Sorgen bereitete, sondern, wie sich das voll beladene Auto verhalten würde und ich muss sagen, eine Hinfahrt, wie auf Schienen, null Aquaplaning, die Federn waren stark genug, das Gewicht zu tragen und Polizei hab ich keine gesehen. Wahrscheinlich wäre ich bei einer Gewichtskontrolle trotzdem sogar noch unter dem höchstzulässigen Gesamtgewicht geblieben. Die Jugend war jedenfalls glücklich, dass all ihre Sachen heil ankamen und jemand da war, der ihnen bei den Einkäufen hilft. Für mich waren die paar Tage auch sehr schön. Das Gefühl, nochmal gebraucht zu werden ist schön, die Treffen mit Freunden und Verwandten auch. Die Rückfahrt gestaltete sich dann etwas schwieriger, aber Glück im Unglück, trotz technischem Gebrechen heil wieder angekommen - Fahrer, wie Auto.
    @ Dschina: Dankeschön für die Einladung! Heißt, nächstes Mal versuche ich einen Abstecher nach Wien einzulegen und freu mich schon drauf. Ich sehe nur nicht Grund für die "Entschädigung"? Musst du mich für irgendwas entschädigen?
    Natürlich habe ich meinen armen Sohn über den Ablauf der Einladung bei meiner Schwimu ausgefragt und er erzählte mir, sie habe gefragt, warum ich nicht mitgekommen sei....? Es wurde also als selbstverständlich betrachtet, dass ich mitkomme - deshalb keine Einladung? Ich denke allerdings, dass es vielen Frauen so geht, sie nicht gut genug sind in den Augen der Mütter - wahrscheinlich erlebten sie ihrerseits schon dasselbe...
    @ Goldelse: Da hast du eh Glück, dass sich das Verhältnis wenigstens dem Kind zuliebe verbessert hat. Bei uns gab es das nicht, dass die Oma mal was mit den Enkeln unternimmt, oder so.... Mein Junge musste sogar seine Cousine fragen, wo die Oma wohnt...

    Sodala. In den letzten Tagen ist wieder einiges vorgefallen. Die Katz war so schwer verletzt, dass sie eingeschläfert werden musste. Das Dach ist hin, der Regen kommt ins Haus, notdürftig repariert und heut kommt ein Monteur. Hin und wieder bin ich auf der Suche nach einem neuen TV, der unsrige gibt den Geist auf, ich hab überhaupt keine Idee, welches Gerät man nehmen könnt. Sohnes 18er mit all seinen Begleiterscheinungen - Änderungen bei Banken, Versicherungen, usw. Computerfernsupport für meine Tochter, kleines Problem, aber die Lösungs- bzw. Hilfesuche gestaltet sich zeitraubend. Nebenher noch mein Job und Termine und Dinge, die zu erledigen waren und sind und so kämpfe ich mich durch die turbulenten Tage und habe es am Jahrestag grad noch geschafft, zum Grab zu gehen, um ein Lichtlein zu entzünden. Sagt mir nur eines: warum kommen offensichtlich mehrere Leute hin, stellen ein Kerzlein hin, schaffen es aber nicht, leere Kerzenbehälter in einen Abfalleimer zu schmeißen?????

    Dankeschön, liebe Marion.
    Finde schön, dass du deinem Schatz erzählst, was du so machst. Ich glaube, dass das die Trauerarbeit erleichtert. Zumindest geht es mir so, dass ich meinen Mann immer mal wieder in Selbstgespräche einbinde - ihn frage, wie er das oder jenes machen würde, oder ob er meint, dass dies oder jenes so machbar wäre. Klar antwortet er nicht, aber trotzdem bekomme ich manchmal eine neue Idee, wie etwas besser funktionieren könnte. Ich hab ihm auch schon diverse Dinge geschenkt - wenn ich zum Beispiel auf Veranstaltungen gehe, sage ich ihm, dass ich ihn dorthin mitnehme, weil ihm das auch gefallen hätte. In ein Gipfelbuch habe ich geschrieben, dass ich den Berg für ihn bestiegen habe. Gestern habe ich ein neues Gesteck zum Grab gebracht und mich bei meinem Schatz entschuldigt, dass ich es kaufen musste, weil ich nicht dazu kam, selbst was zu machen. Man kann mich verrückt nennen, aber ich muss über mich selber schmunzeln, und doch bemerke ich, dass es mir gut tut, wenn ich ihn hin und wieder als gegenwärtig betrachte.
    Die Vernunft weiß, dass sie nicht mehr da sind, die Herzen finden Möglichkeiten, mit ihnen in Kontakt zu bleiben.
    Alles Gute von schnee

    Es ist noch früh, ich kann nicht mehr schlafen. Kommt daher, dass ich mich ein wenig vor dem heutigen Tag fürchte.
    Nun, was steht an? Ich muss mit einem voll beladenen Auto, und wenn ich sage voll beladen, dann meine ich das so, etwa 600km hinter mich bringen.
    Auweia, ich habe gestern eine Proberunde gemacht - ich werde jedenfalls langsam fahren, sehr langsam.
    Noch etwas spukt mir im Kopf rum. Ist es mein gekränkter Stolz? Ich fühl mich ausgegrenzt. Meine Schwiegermutter ist offensichtlich doch beleidigt auf mich, denn sie hat meinen Sohn und meine Schwägerin mit Familie zum Essen eingeladen - mich aber nicht.... ?(
    voll gemein....
    sie kocht echt gut....
    ich will auch....

    Naja, was soll ich sagen. Sagt mir, dass mein Gefühl, als Schwiegertochter nie wirklich anerkannt worden zu sein, sich grad mal wieder bestätigt. Und ich ärgere mich darüber, dass mir das nicht egal ist, dass mich diese Abneigung mir gegenüber, bis heute wurmt.

    Zusammenraffen und nach Vorne schauen. Da, wohin ich fahre werde ich meiner Tochter beim Einräumen helfen, für sie einkaufen gehen, oder erledigen, was sie mir aufträgt. Ich werde ein paar Bekannte treffen, die sehr nett sind. Ich werde in einer Wohnung übernachten, wo ich schon mit meinem Mann übernachtet hab, weil wir dort öfters waren, als die Kinder noch klein gewesen sind. Ein paar Tage weg von hier. Den Rückweg trete ich am Todestag an. Mit dem leeren Auto rechne ich 6Stunden. Was ich mit dem Rest dieses Tages machen werde, weiß ich noch nicht.

    Daumen halten ihr Lieben!
    schnee

    Liebe Marion,
    leider kann ich in deinem Forumsbeitrag heute nicht schreiben - also von hier aus ein Gruß an dich und vielen Dank für deine Worte!
    schnee

    "der tägliche Wahnsinn kann beginnen - ich bin wach"
    so witzig und leichtfertig sich dieser Spruch auch anhört, er hat einen wahren Kern und auch eine Aussage, wie ich finde.
    Zumindest mache ich mir immer wieder bewusst, dass ich Tag für Tag neu beginnen muss. Dass ich Tag für Tag, ja Stunde für Stunde damit rechnen muss, dass irgend etwas in meinem Alltag mich an ihn erinnert, oder eine Situation, oder ein Erlebnis - eine heftige Gefühlsregung auslöst. Ich stelle mich dem ganz bewusst.
    "Komm nur her jegliches Problem, jegliche Gefühlsregung - ich bin vorbereitet - ich weiß, dass du kommst."
    Dies, oder vielleicht auch kommende familiäre Veränderung, die eine Menge Vorbereitungsarbeit mit sich bringen, lässt mich auf meiner Bahn bleiben und weiter machen.
    Liebe Dschina, Dankeschön. Ich schick dir Kraft, ich hab übrig.
    schnee

    Liebe Goldelse,
    könnt ich nur von der Kraft und Zuversicht, dem Blick in die Zukunft und dem Durchhaltevermögen, die ich habe ein wenig für dich und Marion und Dschina, für Ayuna und alle anderen abgeben - könnte man das in Schachteln verpacken und verschicken würde ich es tun.
    Wunderschönes Gedicht Marion!
    gedanklich bei euch - sonnenstrahlenschickende
    schnee

    Danke ihr Lieben, für euch alle einen dicken "Zurückdrück"!

    Das erste Trauerjahr ist bald zu Ende.

    Am Tag des worst case stand ich recht früh auf, nahm mir vor, alsbald als der Tag anbricht, anzurufen und nachzufragen. Die Worte "es geht ihm nicht gut" hatten Spuren in meinen Gedanken hinterlassen und je näher die Anruf-Uhrzeit rückte, desto mehr verließ mich der Mut. Ich glaubte, dass ich mich ja immer noch an die Vorgaben der Intensivstation zu halten habe. Anrufzeiten, Besuchszeiten, usw. Ich nahm das Telefon mehrmals zur Hand, getraute mich aber nicht und rief meine Mama an. Ich sagte ihr, dass es schlecht stehe. Sie setzte sich sofort ins Auto, um mich zu besuchen auf einen Beruhigungs- und Mutmachkaffee. Dass sie zu mir unterwegs war, beruhigte mich soweit, dass ich den Mut für den Anruf aufbrachte. Der Arzt am Telefon erzählte mir erneut, dass es meinem Mann nicht gut ginge. Ich schlug vor, sofort loszufahren - er bat mich, eine Stunde zu warten und dann erneut anzurufen - Visite, neue Werte und so. Mit Mama trank ich Kaffee und als sie ging, brav nochmal im KH angerufen. Mir wurde gesagt, dass die Besuchszeiten aufgehoben seien und ich kommen könne, wann immer ich wolle. Ich hockte mich sogleich ins Auto und fuhr hin. Am Eingangsportal wurde ich von drei Personen in Empfang genommen, die Gesichter habe ich vergessen, ihre Minen haben sich eingebrannt - ich wusste sofort Bescheid. Man wollte mich aufklären aber ich wollte einfach nur sofort zu meinem Mann. Der Schockzustand, der zum Teil bis heute anhält, begann.
    Er lag ruhig da, wie immer. Die Maschinen, der bekannte Geruch, die bekannten Geräusche. Alles unverändert. Bis auf eines: ich musste kein steriles Zeug mehr anziehen. Ob er gemerkt hat, dass ich ohne Handschuhe und Mundschutz da war? Ob er wahr genommen hat, dass er sterben muss? Ob er Angst hatte? Ob ich ihn beruhigen konnte? Ob er einen Wunsch gehabt hätte? Ob er Schmerzen hatte? Ob er gegen das Sterben angekämpft hatte? Ich weiß nicht. Ich weiß so vieles nicht.
    Ich weiß auch nicht mehr, welche Macht mich in dieser Situation führte, aber mein besonnenes Handeln verdanke ich auch einem der Pfleger dort. Er war der Einzige, dem ich zuhören konnte, zuhören wollte, der so erklärte, dass man verstand, der frei von Vorwürfen, oder Entschuldigungen einfach nur erklärte, dass nix mehr getan werden kann und jede weitere Lebensverlängerung Quälerei sei. Er wies mich in das nun folgende Prozedere ein. Man nimmt einfach die kreislaufunterstützende Medizin weg, den Rest macht der Mensch selber. Er fragte mich, ob ich jemanden anrufen wolle und ließ mich allein. Ich tätigte alle wichtigen Anrufe und stand dann wieder am Bett meines Mannes, wie schon die ganzen Tage davor auch. Ich begann sogar wieder mit meinen Erklärungen und Erzählungen. Dieses Ritual beruhigte. Der Pfleger musste mich beobachtet haben, denn genau zu dem Zeitpunkt, als mir nix mehr einfiel, was ich sagen könnte, kam er herein und fragte mich, ob ich Kaffee wolle. Ich bejahte und er nahm meine Hand, wollte mich fortziehen - ich sträubte mich, aber er hatte mehr Durchsetzungsvermögen als ich, außerdem Argumente bezüglich der Dauer des Sterbeprozesses. Ganz pragmatisch wurde mir erklärt, dass ich meine Kraft unter Umständen noch eine Weile brauchen werde. Ich kriegte einen Becher Automatenkaffee in die Hand gedrückt und folgte ihm von der Station raus durch eine Tür auf eine Terrasse mit Grünzeug, Sonnenschein, Tischchen, an dem eine Intensivschwester mit Kaffee und Zigarette saß und in ihr Handy lachte. Zum ersten Mal fühlte ich sowas wie Entsetzen. Ich fragte: "Drinnen sterben die Leut und hier draußen genießen wir das Leben?" Er sagte nur: "Genau so ist es." Ein junger Mann - er hat grandios geholfen mit den paar Worten, die er sagte. Er war es auch, der mir nahe legte, meinen Mann daran zu erinnern, wo er immer schon mal hin wollte und ihm zu sagen, dass er dahin jetzt gehen kann, alles gut wäre und er sich auf seine Reise freuen soll.
    Nach und nach trafen dann unser Sohn, unsere Tochter ein, meine Schwiegermama, Schwester, Schwager, Nichte, meine Mama, Stunde später dann auch meines Mannes bester Freund.
    Ich weiß nicht, ob er gewollt hätte, dass wir alle da sind. Für uns war es richtig und wichtig, ihn begleiten zu dürfen. Ruhiges und friedliches Ende. Er hörte einfach auf zu atmen.

    Liebe Marion,
    aufrichtiges Beileid zu deinem schweren Verlust. Heiße dich traurig willkommen.
    Vielleicht hilft es dir ein wenig, hier im Forum zu lesen und zu schreiben. Hier wissen viele, wie es dir geht, können Ängste, Selbstvorwürfe, Trauer, Verständnislosigkeit für die Ungerechtigkeit des Lebens nachvollziehen.
    Ich wünsche dir von Herzen viel Kraft und Mut für die kommende Zeit.
    schnee

    Tut mir so leid liebe Maki,
    ich schicke dir Mut, Kraft und Durchhaltevermögen und dass du bald auftauchst und ein wenig lächeln kannst.
    schnee

    Geniale Idee liebe Dschina!
    Ist das Copyright, oder könnte schnee das mal nachmachen?
    Funkstille nützt bei uns nämlich gar nix - zum Einen sehen wir uns höchstens eine Stunde pro Woche! Zum Anderen liegt es dann immer daran, dass mein Ärger viel zu schnell verfliegt und ich ziemlich rasch versöhnlich eingestellt bin.
    Gestern versuchte ich ihm innerhalb von eineinhalb Minuten das Allerwichtigste mitzuteilen. Es geht um seine Arzttermine, um Termine für die Verlassenschaft zu denen er mich begleiten muss und um meine bevorstehende Reise, währenddessen er auf sich allein gestellt sein wird.
    Vorwurf meines lieben Jungen: "Du kannst keine 30Sekunden lang die Schnauze halten". Ich: "Bitte nicht in diesem Jargon". Er: "Siehst du, stimmt doch, was ich sage".

    :D