Posts by Tereschkowa

    Ich fragte mich an dem Punkt, ob bei der Konzeption der Umfrage "Betroffene" beteiligt waren.

    Liebe Niobe,

    zumindest nicht im zweiten Teil der Befragung.

    Im ersten erscheint es mir schon so ... zumindest ist der erste Teil gut recherchiert, deshalb

    fällt die Zweiteilung so stark auf.

    Ich mache bei solchen Studien gerne und immer mit,

    wenn solche Studien nicht offensichtlich Marktingzwecken gedacht sind, um Trauernden unnötiges Zeugs

    anzudrehen. (Leider ist es fürchte ich ein sich rasant entwickelnder Markt...)

    Denn in diesem Bereich gibt es - wie wir alle wissen - viel zu tun, gerade auf der Ebene der therapeutischen und arbeitsrechtlichen

    Unterstützung bzw. alle möglichen Unterstützungen.


    Mir würde sehr vieles einfallen, was "man" verbessern könnte und sollte.

    Leider bin ich zu beschädigt, um mich aktiv dafür einzusetzen... daher versuche ich zumindest durch die Teilnahme an solchen Studien

    etwas dazu beizutragen.

    Ich danke Dir sehr für Deine anerkennenden Worte.

    Herzlichst,

    Tereschkowa

    Isabel L.K.

    Liebe Isabel, hast Du Kontakt zu den Initiator*innen dieser Studie?

    Vielleicht sind sie an ein paar (besserwisserischen) Anregungen interessiert?


    Ich habe auch dran teilgenommen.

    Teilweise waren die Fragen überraschend präzise gestellt, allerdings hautsächlich zu Anfang fand ich sie auf Trauernde

    gut abgestimmt, der zweite Teil wirkt eher so als sei er aus einer allgemeinen "Befindlichkeitsstudie"

    übernommen und nicht mehr gezielt an Trauer orientiert. Daher passten einige Fragen und Antworten nur sehr diffus.

    Der Eindruck eines zweiten leider relativ gedankenlos übernommen Teils verstärkt sich für mich

    immens durch die letze Kategorie: "Wohlfühlfrage"


    Warum muss am Ende einer Umfrage zu einem sehr ernsten Thema überhaupt

    unbedingt die Kategorie "Wohlfühlfrage" kommen?

    Liege ich richtig mit meiner Vermutung, dass diese Kategorie einzig dem Zweck dienen soll die "Probant*innen" nicht mit einem "schlechten/ernsten" Gefühl diese Studie beenden zu lassen?

    Sondern mit einer für sie "positiven/angenehmen" Grundstimmung nach dem die vorherigen Themen vielleicht aufwühlend waren?

    (Ich kenne solche Ratschläge mit dem "positiven Schlussgefühl"aus diversen mehr oder minder guten "Führungskräfte-Coaching-Seminaren"... oder von etwas unbeholfen Therapeut*innen, die die letzten 5 Minuten der Sitzung versuchen noch "umzubiegen")

    Ein an sich vielleicht nachvollziehbarer Zweck, aber diese Fragen sind wirklich kopflos gestellt, wenn man den Zweck und Inhalt der

    Studie berücksichtigt: Trauer.


    Über die positive Grundstimmung, die die erste (Wohlfühl)Frage ob ich meine Pommes lieber mit Mayo, Ketch-Up oder mit ohne-alles

    esse bei mir persönlich erzeugt, würde ich nicht diskutieren.

    (Sondern mich nur etwas kopfschüttelnd wundern, sie eben beantworten. Und fertig.)


    Die zweite Frage hingegen ist "dünnes Eis", sehr dünnes für Trauernde - zumindest für mich.

    Sich am Ende einer Trauerumfrage an das "schönste Urlaubserlebnis" erinnern zu sollen ist alles, aber sicherlich keine

    nonchalante "Wohlfühlfrage" mit der man die Probant*innen dann freundlich in entspannter Grundstimmung verabschiedet.

    Für mich - ich denke da kann ich jedoch auch getrost für sehr viele andere Trauerende sprechen - sind Erinnerungen an

    gemeinsame Urlaubsreisen natürlich sehr schöne Erinnerungen, aber auch sehr schmerzhafte.

    Denn gerade an Hand dieser Erinnerungen ist das "Nie wieder" ganz besonders greifbar...


    Wenn schon eine zweite Wohlfühlfrage sein muss, dann wäre es sicherlich gut diese etwas anzupassen,

    da es ohnehin nicht mehr wirklich Teil der Studie zu sein schein, wäre etwas unverfänglicheres als "Urlaubserinnerungen"

    meiner Einschätzung nach für alle Beteiligten zielführender.

    Denn auf mich hatte die Frage den absolut gegenteiligen Effekt... nachdem doch viele der vorherigen Fragen wirklich

    ausgearbeitet und auch sensibel auf den Umgang der Trauer abgestimmt waren wirkt dies noch holpriger.


    Es wird auch nicht besser, wenn dann abschließend scheinbar wieder extra für Trauernde nochmals verantwortungsbewusst

    die verschiedenen Not-Hotlines aufgeführt werden... Von Pommes, über Urlaubserinnerungen zu Not-Hotlines?

    Da ist den vorher sehr auf Triggerwarnungen bedachten Forscher*innen - ich nehme an unbewusst durch die Übernahme

    von Teilen aus einer anderen Studie ein ziemlicher "Kalauer" passiert.


    Mein Feedback ist durchaus als konstruktiv zu sehen und vor allem als Schutz der Trauernden.... vor

    dieser Frage am Schluß, die tatsächlich für mich eine Triggerwarnungen verdient gehabt hätte.


    Herzlichst,

    Tereschkowa


    PS: Sehe ich das als Einzige von denjenigen die ander Studie teilgenommen haben so kritisch?

    Ich traue mir ja selbst nicht mehr.

    Was macht man gegen Heimweh wenn man nie mehr nach Hause kann?

    Was ein trauriger und treffender Satz bzw. Frage!

    Ihr Lieben, danke für Eure Beiträge.

    Durch Euch habe ich das Gefühl nicht alleine hinter "Marlene Haushofers Wand" geraten zu sein,

    sondern irgendwie mit Euch gemeinsam heraus katapultiert worden zu sein aus dem was ich ein Mal "Leben" nannte.

    Herzlich,

    Tereschkowa

    Liebe Kikiro, liebe Mischi,


    mein Text klang scheinbar missverständlich:

    Der Gedanke einer Gerichtsverhandlung ist ziemlich gut.Leider kann ich so etwas nicht, ich bräuchte sozusagen Darsteller.Mir gelingt es nicht besonders gut Dinge von außen zu betrachten. Ich wäre kein neutraler Richter oder Kläger . Trotzdem finde ich es gut es so zu betrachten...wenn man kann .

    Ich finde das irgendwie eine zwingende Idee mit der Gerichtsverhandlung, aber ich kann das auch nicht.

    Und vielleicht will ich es auch nicht.

    Mein Papa würde mich vor dem Gerichtssaal abpassen und sagen: Komm raus hier. Ich möchte, dass es dir gut geht ...

    Mein Tip ist fürwahr nicht eine "innere Gerichtsverhandlung" zu eröffnen.

    Sondern ein Vorschlag für diejenigen, die ohnehin durch ihre wie auch immer gearteten Schuld- und Verantwortlichkeitsfragen

    ohnehin bereits längst in ihrer "inneren Gerichtsverhandlung" verstrickt sind sich diese bewusst zu machen,

    die gedankliche Schlaufen zu ordnen und darauf zu achten, dass jede "Stimme" zu Wort kommt.


    Für mich ist diese Bewusstmachung eine Lösungsstrategie, um - irgendwann und hoffentlich - den "Gerichtsaal" in Frieden mit

    mir selbst wieder verlassen zu dürfen.

    Die Gründe warum es Menschen gibt, die sich in nach dem Tod eines geliebten Menschen in Verantwortlichkeits- und Schuldfragen

    verstricken und vor allem ob diese gerechtfertigt sind, hängt von sehr, sehr vielen unterschiedlichen Faktoren ab.

    Nur eines ganz sicher nicht: Die freiwillige Entscheidung des Trauernden und schon gar nicht der Person, die betrauert wird.


    Herzlichst,

    Tereschkowa

    Liebe Kikiro, es tut mir sehr leid zu lesen, dass Dich die Fragen der "Schuld" nicht zur Ruhe kommen lassen.


    Das ist ein solch schwieriges und komplexes Thema, das mich - wie bereits oft geschrieben - ebenfalls jeden Tag

    beschäftigt.

    (Allerdings habe ich zu trennen gelernt zwischen: Schuld, Verantwortung und Schuldgefühl.

    Diese liegen sehr nah beieinander sind aber in letzter Konsequenz grundverschieden.)


    Ich kann und werde Dir nicht versuchen Deine so empfundene "Schuld" auszureden oder sie

    durch liebevoll gemeinte Relativierungen lindern zu wollen.

    Dazu weiß ich zu wenig und ich fürchte es würde ohnehin nichts nützen.

    Im Gegenteil zumindest bei mir führt das allzu leicht dazu, dass mein "eigener strenger innerer Richter"

    durch wohlmeinende, aber zu wenig informierte Argumente von Dritten nur noch schärfer wird.

    Sitzt man erst ein Mal in seinem eigenen inneren Gerichtsprozess, dann ist dies erfahrungsgemäß und erwartungsgemäß ein langer und auch zutiefst einsamer Prozess. Darf ich Dir dennoch einen Tip geben?

    Sollte er anmassend oder unpassend sein - bitte verzeih und vergiss ihn bitte.


    Mir "hilft" tatsächlich das Bild des inneren Gerichtsprozess sehr.

    Gedanken, die in mir auftauchen ordne ich mittlerweile zu:

    Es gibt die Stimmen der wütenden Anklage, der urteilenden Richterin, der sich mühsam versuchende Zeugin und die der

    beschwichtigenden, aber auch selbstgerechten Verteidigung.

    Wenn ich nicht aufpasse, dann verhalten sie sich sehr undiszipliniert, fallen sich gegenseitig ins

    Wort, widerlegen sich gegenseitig und verstricken sich in Widersprüche.

    Daher versuche ich - versuchen bedeutet nicht gelingen! - alle immer wieder zur Ordnung zu rufen,

    denn ein solch gewichtiger Prozess bei dem es um den Tod eines geliebten Menschen geht, verdient nicht nur Fairness,

    sondern auch die angemessene Würde.

    Ich versuche sie alle zu Wort kommen zu lassen und sie ausreden zu lassen,

    denn Zeit spielt in diesem Prozess keine Rolle.

    Die Anklägerin in mir ermahne ich sachlich zu bleiben.

    Die Zeugin halte ich dazu an sich korrekt an das was passierte zu erinnern, nicht die Erinnerung der Erinnerung zu verfolgen...

    Die Verteidigern motiviere ich zu möglichst großer Überzeugungskraft und bremse sie ein, wenn

    sie im Eifer des Gefechts auf die dunkle Seite der Selbstgerechtigkeit gerät.

    Die Richterin bitte ich nicht vorschnell zu urteilen und sich der Konsequenz ihres Urteils bewusst zu sein.


    Manchmal lasse ich ausgewählte Zeugen zu, das ist jedoch aus mehreren Gründe eine heikle Angelegenheit:

    1. Nur sehr wenige Menschen verfügen über die nötigen Informationen zu Teilbereichen (!), die sie

    überhaupt zu geeigneten Zeugen für mich macht.

    2. Nur sehr wenige Menschen schaffen es in einer solchen Angelegenheit bei ihrer Funktion der

    Zeugen zu bleiben. Unmerklich werden sie während ihrer Aussage zu Verteidigern, Richtern

    oder auch Anklägern (Häufig sitzen die eingeladenen Zeugen - auch ohne es selbst zu bemerken - in ihrem eigenen inneren Prozess.

    Schlimmstenfalls geht es sogar um den Tod des gleichen Menschen. Das ist verbreiteter als es scheint.)


    Es gibt noch die Position der unabhängigen Sachverständigen, diese habe ich sehr zu schätzen, aber auch zu fürchten gelernt.

    Denn auch bei diesen kann man nicht wachsam genug sein, denn letztlich sind auch sie Menschen und sie neigen zu

    den gleichen heiklen Eigenschaften wie die Zeugen. Aber dennoch hilft es mir immens, wenn sich im Prozess alle Stimmen

    nur mehr in ihren Positionen festgefahren haben und sich die Argumente im Kreis drehen entweder nach zuverlässigen

    Zeugen oder Sachverständigen zu suchen.


    Bitte schreib mir, ob ich den Text löschen oder verschieben soll?

    Ganz, ganz herzlich,

    Tereschkowa


    PS: Über die negativen Zeichen habe ich auch schon sehr, sehr oft nachgedacht.

    Der Verdacht ihrer Existenz legt uns die Konsequenz nahe, dass wenn man geneigt ist die "positiven" Zeichen für sich wahrzunehmen und zu deuten dies auch für die "negativen" gilt. - Keine Rose ohne Dornen - .

    Deren Deutung ist jedoch wahrscheinlich ein weites Feld... nicht alles was wie eine Drohung aussieht ist auch eine.

    Liebe Helga,

    ja, das ist mit Abstand der schönste Grund das Forum zu verlassen.

    Danke, dass Du uns informierst.

    Ich wünsche Dir bzw. Euch - Euch Dreien alles, alles, was Ihr Euch wünscht.

    Bitte bestell dem Herren unbekannterweise meine besten Wünsche,

    dass er mir ja gut auf Dich aufpasst!

    Herzlichst,

    Tereschkowa

    Liebe Luise,

    danke für Deine Nachricht - auch wenn diese mich traurig stimmt.

    Nicht Du hast etwas verbrochen - das Leben hat etwas an Dir verbrochen.

    Ich verstehe Deine Wut.

    Liebe Grüße.

    Tereschkowa

    Liebe Martina,

    danke für die Einladung.

    Komme kurz vorbei, dann muss ich mich wieder zur Gartenarbeit überreden.

    Tja, die Sache mit der Zeit, die es braucht von der die Menschen sprechen.

    Mir sagten diesen Satz rückwirkend eigentlich nie Menschen, die selbst ein Mal ihre innere Heimat durch den Tod eines Menschen

    verloren hatten - das kann natürlich Zufall sein.


    Hier im Forum gibt es zum Glück Menschen, die unseren Stimmungen gegenüber nicht hilflos sind.

    Herzlichst,

    Tereschkowa

    Liebe Renate,

    oweh - welch eine Aufgabe!

    Gute Stimmung für die Gäste zu verbreiten.

    Wenn ich richtig zaubern könnte für Dich, dann würde ich natürlich Walter herzaubern.

    Wenn ich nur ein bisschen zaubern könnte, würde ich Euren Heurigen in einen Trauer-Heurigen verzaubern,

    dann hätten wir zumindest ein Problem weniger.


    Sei umarmt,

    Tereschkowa

    Liebe Renate,

    gratuliere zur Öffnung.

    Verstehe den Schock durch den Anruf am Ende des Abends sehr gut.

    Gleichzeitig ist es nicht dennoch auch eine unglaublich berührende Geste, dass es

    einen Gast gibt, der Walter so schätzte und in Tränen ausbricht?

    Das heißt natürlich nicht, dass ich Deinen Schock relativieren möchte - ganz und gar nicht!

    Allerdings fürchte ich, dass es für Dich auch ohne den Anruf zu einem etwas ähnlichen Moment gekommen wäre.

    Zumindest bei mir gibt es nach jedem Termin oder Treffen, das sich ein wenig nach meinem "ehemaligen Leben" anfühlt

    diesen Moment des Schocks, der Leere, ein Hauch von Realisieren oder pure Verzweiflung ... viele Facetten, manchmal alles gleichzeitig.


    Die Idee von RalfsHeidemarie ein Foto mit Trauerflor im Heurigen gut sichtbar aufzustellen finde ich sehr gut.

    (Falls Du - anders als ich - Fotos von Walter ansehen kannst. Aber ich glaube das kannst Du?)

    Dieses Foto ist dann ein deutliches Zeichen und erspart Dir zumindest im Heurigen selbst eine derartige Fragesituation.


    Mit Respekt vor Deiner Leistung,

    herzlichst,

    Tereschkowa

    Liebe Gabi,

    Dein Text berührt sehr viele Punkte, die mich berühren und Sachverhalte, die ich zu 100% nachvollziehen kann.

    Er findet Worte nach denen ich schon lange suche: Danke!

    Nur kurz und zu einem späteren Zeitpunkt mehr - denn ich formuliere schon schon den ganzen Tag an einem

    mich sehr aufreibenden Text - von dem ich hoffe, dass ich mich nicht daran verhebe.


    Danke, für Dich.

    Tereschkowa