Posts by Kohlrabenschwarz

    Nur kurz, bevor ich ins Büro muss...


    Liebe Martina, wir alle brauchen einen Platz an dem wir klagen und jammern dürfen.

    Mir ging und geht es genau wie dir. Ich hatte ein unheimlich großes Bedürfnis, über meinen verstorbenen Mann zu reden.

    Natürlich habe ich dabei immer geweint.

    Das hält das Umfeld nur begrenzte Zeit aus und ich hatte auch Angst, anderen mit der Zeit auf die Nerven zu gehen.

    Hier im Trauerforum können wir loslassen und unseren Schmerz rausschreien, jeden Tag.

    Die anderen verstehen uns genau.

    Gib dir Zeit, ganz viel Zeit. Alles, was du jetzt fühlst, ist in unserer Situation völlig normal.


    Liebe Steffi, ich weiß, was du meinst.

    Auch bei mir gab es Bereiche, für die war mein Mann zuständig, der Papierkram, das Rasenmähen, die Heizung, der Kaffeevollautomat usw.

    3 Wochen nach seinem Tod war plötzlich der Waschbeckenabfluss im Bad dicht...

    Ich wusste teilweise nicht ein noch aus und war nur verzweifelt.

    Wir kommen nicht umhin, uns bei manchen Sachen Hilfe zu holen, anderes können wir langsam lernen.

    Aber das alles kostet ganz viel Kraft, deshalb sind Ruhepausen besonders wichtig.


    Ja, es wird besser, nicht über Nacht, nur ganz langsam. Ich glaube, der Prozess wird Jahre dauern und vielleicht nie zu Ende gehen.

    Wir können uns irgendwann wieder über etwas freuen, der furchtbare Schmerz wird eher zu Wehmut.

    Wir sind nicht allein, mit uns trauern auf der Welt so viele Menschen um jemanden.

    Wie mächtig dieser Schmerz ist, das wissen wir immer erst, wenn wir selbst betroffen sind.

    Ihr Lieben,

    auch ich habe seit dem Tod meines Mannes zahlreiche Ängste und fühle mich sehr schnell überfordert.
    Meine Psychotherapeutin sagt dann oft zu mir, Frau..., sie haben so ziemlich das das Schlimmste, was einem passieren kann erlebt.

    Aber sie haben es überlebt und schlagen sich wacker. Warum sollten Sie jetzt Angst vor diesem oder jenem haben?

    Wenn ich dann darüber nachdenke, dann merke ich, sie hat Recht.

    Was kann mir noch Schlimmeres passieren? Ok, einem meiner Kinder könnte was passieren, das wäre für mich eine Katastrophe.
    Aber die ganzen anderen Sachen, vor denen ich mich jetzt oft fürchte, die sind im Vergleich gar nicht so schlimm.
    Ich kann sie bewältigen.


    Heute war ich bei einem befreundeten Ehepaar zum Abendessen und anschließendem Romméspielen.

    Natürlich wird mir weh ums Herz, wenn ich sehe, wie liebevoll die beiden miteinander umgehen, wenn ich die kleinen, vertrauten Zeichen bemerke.

    Ich weiß, dass es das nie mehr für mich geben wird und das schmerzt ungeheuer.

    Trotzdem bin ich wahnsinnig froh, die beiden zu haben und treffe mich gerne mit ihnen.

    Die Alternative, nämlich einsam zu Hause zu hocken und zu trauern, ist noch schlimmer für mich.


    Ja, wir sind nicht mehr die, die wir waren und werden es wohl nie mehr sein.

    Aber wir können uns weiterentwickeln.

    Liebe Carmen,

    ja, es gibt Hoffnung, es wird mit der Zeit etwas leichter. Aber die ersten Monate, eigentlich die ersten 1-2 Jahre sind wirklich hart.
    Dass man sich neu orientieren muss, kostet auch Kraft, aber es lohnt sich.
    Ich habe mich früher vorwiegend auf meinen Mann konzentriert, jetzt pflege ich meine Freundschaften intensiv und sehe, es kommt so viel zurück.

    Man ist nie zu alt, um neue Kontakte und Freundschaften zu knüpfen.

    Das tröstet!

    Alles Gute für dich und liebe Grüße

    Sabine

    Meine Pfarrerin hatte mir ja im März den Kontakt zu einer frisch verwitweten Frau aus meiner Nachbarschaft vermittelt.
    Daraus hat sich inzwischen eine gute Freundschaft entwickelt. Wir beide haben unsere Männer viel zu früh, ganz plötzlich und ohne möglichen Abschied verloren.

    Sogar die Todesursache war ähnlich, mein Mann ist äußerlich verblutet, ihrer innerlich.

    So was verbindet.

    Wir walken immer zusammen und dabei reden wir über unsere Trauer und versuchen den Trauerprozess zu verstehen.


    Am Anfang der Trauer beherrscht der Gedanke an den verlorenen Partner jede MInute des Tages.

    Das ist verständlich, denn alles, was wir vor seinem Tod erlebt haben, war irgendwie mit ihm verknüpft.

    Es gab praktisch keine Erinnerung, in der er nicht vorkam.

    Bei uns war es jedenfalls so, denn wir haben unsere Männer ganz jung kennengelernt und sind zusammengeblieben.

    Die Zeit vergeht und es kommen neue Erinnerungen dazu, weil wir nun alles ohne den Partner machen müssen.

    Wir erinnern uns also zunehmend auch an Sachen, die nicht mehr mit dem Partner verknüpft sind.

    Je mehr Erlebnisse wir ohne den Partner ansammeln, desto weniger schmerzhaft wird die Erinnerung an die Zeit vor seinem Tod. Die neuen Erinnerungen überlagern und mildern sie etwas ab.

    So erleben wir beide es jedenfalls. Wir trauern und lieben nicht weniger, aber es ist nicht mehr so extrem.

    Natürlich gibt es immer mal Rückschläge. An manchen Tagen weiß ich schon beim Aufwachen, dass es ein schlimmer Tag mit vielen Tränen wird.

    Aber danach geht es wieder aufwärts.


    Wir schmieden immer Pläne, auch wenn wir wissen, dass alles nur ein dürftiger Ersatz für frühere Zeiten ist.

    Gerade haben wir mit 2 anderen Frauen für Silvester Theaterkarten gekauft und in einem Restaurant reserviert.

    Wir werden also eine Vierer-Mädelstruppe sein.

    Klar, am liebsten würden wir beide das wie früher mit unseren geliebten Männern erleben.

    Aber so sehr man sich das auch wünscht, es ist für immer vorbei.

    Wir müssen Alternativen finden und uns damit arrangieren. Meistens stellen wir hinterher fest, dass es trotz allem auch ein bisschen schön war.

    Die kleinen oder kleinsten Freuden verschaffen der Seele die Erholung, die sie ganz nötig braucht.


    Ich hoffe, alles was ich schreibe, hilft besonders den frisch Verwitweten und gibt ihnen ein bisschen Hoffnung!

    Liebe Grüße von Sabine

    Ganz liebe Grüße an dich, liebe Sonne10 bzw. Andrea :)


    Steffi66, ich bin auch nicht gerne allein, musste ich ja noch nie vorher.
    Mein Mann und ich haben nicht ständig zusammengehockt, wir hatten auch eigene Hobbys, sind auch mal ohne den Partner mit Freundschaft ausgegangen.
    Aber die Gewissheit, dass der geliebte Partner immer wieder nach Hause kommt oder da ist, wenn auch in einem anderen Zimmer, ja, das und unsere Gespräche vermisse ich auch unendlich.
    Meine Hündin ist ein großer Trost, ich rede viel mit ihr. Sie ist 11 und ich habe heute schon Angst vor der Zeit, wenn auch sie mich verlässt.

    Ansonsten läuft abends und am Wochenende meistens der Fernseher, das bringt Stimmen und Bewegung in mein Haus.

    Ich denke, mögen werde ich mein erzwungenes Alleinleben nie, aber ich werde mich mit der Zeit besser daran gewöhnen.

    Wir müssen uns damit abfinden, dass es nie mehr wie früher wird.

    Also müssen Alternativen her, irgendwas, was uns das Leben erleichtert und ihm neuen Sinn gibt, Hobbys, Aktivitäten, Ehrenämter, Freundschaften...

    Mir hilft es. Es gibt auf jeden Fall Hoffnung, auch für dich!

    LIebe Martina,

    9 Monate nach dem Tod meines Mannes ging es mir sehr viel schlechter als heute.

    Da ich meinen Mann jung kennengelernt habe, hatte ich bis dahin auch noch nie allein gelebt.
    Ich habe mich regelrecht vor Zuhause gefürchtet und war deshalb ständig unterwegs.

    Ich habe zu dieser Zeit auch täglich ein Antidepressivum nehmen müssen. Ohne dieses war an Schlaf nicht zu denken und ich hätte nicht arbeiten gehen können.


    Sei gnädig mit dir! Neun Monate ohne ihn sind nichts im Vergleich zu deinem Leben mit ihm.

    Auch im 2. Jahr nach dem Tod wird es nicht automatisch besser.

    Ich vermisse meinen Mann nicht weniger als am Anfang, ich habe inzwischen nur Möglichkeiten gefunden, damit besser umzugehen.

    Es gibt nicht den Weg durch die Trauer, jeder muss seinen eigenen finden.

    Du wirst deinen Weg finden und irgendwann wirst du dich besser fühlen und Hoffnung schöpfen.

    Eine Umarmung schickt dir Sabine

    Liebe Manuela,

    es heißt nicht umsonst "Trauerarbeit", trauern ist richtig anstrengend, kostet unendlich viel Kraft.

    Ich glaube, dass letzten Endes vor allem die Zeit etwas Erleichterung bringt.

    Mit der Zeit verblasst vieles und dadurch wird der Schmerz erträglicher.

    Ich denke, es ist von Vorteil, wenn man auch in der Trauer neugierig und aufgeschlossen bleibt.

    All das, was ich im Moment unternehme, hätte ich viel viel lieber mit meinem Mann gemacht!! Aber es ist immer noch besser es mit anderen zu machen

    als überhaupt nicht.

    Am Anfang hat es mich Überwindung gekostet, etwas zu unternehmen und neues auszuprobieren. Ich konnte mir nicht vorstellen, noch mal etwas schön zu finden.

    Aber doch, ich habe mich daran gewöhnt und kann auch wieder etwas Freude empfinden.

    Auch für dich werden wieder besser Zeiten kommen, auch mit der Trauer. Sie gehört von nun an zu uns.

    Fast 5 Monate habe ich nicht mehr hier geschrieben.
    Ab und zu, sehr selten, habe ich ganz still ein bisschen mitgelesen.

    Ende Oktober werden es 2 Jahre, seitdem mein lieber Mann so plötzlich gegangen ist.

    Ich vermisse ihn nach wie vor ganz schrecklich, aber ich kann inzwischen besser damit umgehen.

    Ab und zu trifft mich eine heftige Schmerzwelle, wenn ich einen bestimmten Song höre, ein Foto anschaue, mich an besonders schöne und prägende Momente in unserem gemeinsamen Leben erinnere. Dann ist es für kurze Zeit wieder richtig schlimm.


    Mit den Monaten habe ich mich ein bisschen daran gewöhnt, alleine zu leben. Es gefällt mir nicht, aber ich versuche, das Beste daraus zu machen.

    Anfang August bin ich das erste Mal ohne meinen Mann verreist. Allerdings nicht allein, ich war mit 2 alleinstehenden Freundinnen auf Sylt.

    Am ersten Morgen, als ich allein in meinem Appartement wach wurde, überkam mich bodenlose Traurigkeit, weil mir bewusst wurde, dass es für den Rest meines Lebens so bleiben wird. Es wird kein gemeinsames Aufwachen, keinen schönen gemeinsamen Urlaub, keine Pläne mehr geben.

    Meine Freundinnen haben mich abgelenkt und mir ein straffes Programm verpasst, so dass ich kaum noch zum Grübeln kam.

    Wir sind jeden Tag stundenlang gewandert, haben viel von der Insel erkundet. Das hat mir gut getan und so wurde es doch ein schöner Urlaub, nur ganz anders als früher.

    Nach dem Tod meines Mannes habe ich gemerkt, wieviel ich immer auf seine Meinung gegeben habe. Er war so vielseitig interessiert und stets gut über alles informiert, dabei aber stets objektiv. Was würde ich gerade in diesen Zeiten für ein Gespräch mit ihm geben...

    Das Reden mit ihm, das fehlt mir am meisten und ich merke, es gibt nur wenig Menschen, die ihm das Wasser reichen können.


    Ich bin nach wie vor in psychotherapeutischer Behandlung, gehe jetzt aber nicht mehr jede Woche, sondern nur noch alle 3-4 Wochen hin.

    Die Gespräche mit der Therapeutin tun mir immer noch sehr gut.

    Ich bin von Natur aus ein neugieriger und aufgeschlossener Mensch. Das ist jetzt tatsächlich hilfreich, ich habe viele alte Kontakte wiederbelebt und neue geknüpft.

    Meine Tage sind gut ausgefüllt, ich gehe ins Büro, mit dem Hund spazieren, treffe mich mit anderen regelmäßig zum Nordic Walking, zum Wandern, Kartenspielen und Klönen, singe im Chor, gehe auch wieder ins Konzert oder Theater. Demnächst will ich einen Lesekreis ins Leben rufen.

    Ich probiere vieles aus, um zu sehen, ob es mir hilft und mir gut tut.

    Meistens merke ich, ja, es tut mir gut.

    Manchmal empfinde ich es als etwas anstrengend, die Kontakte müssen sorgfältig gehegt und gepflegt werden. Nichts ist mehr so selbstverständlich, wie mit meinem Mann.

    Aber es geht in kleinen Schritten voran.
    Ich erlaube mir inzwischen auch mal kritische Gedanken. In der ersten Trauerzeit wurde mein Mann in meiner Erinnerung ein geradezu vollkommener Mensch.

    Jetzt sehe ich, er war ein Mensch mit Stärken und auch Schwächen und Fehlern, so wie wir alle es sind.


    Wenn ich meine ersten Beiträge hier lese, dann merke ich, dass ich große Fortschritte in meiner Trauer gemacht habe.
    Ich glaube nicht, dass sie mich je verlässt, sie wird mich immer begleiten. Aber sie schmerzt nicht mehr so heftig, sie ist besser auszuhalten.

    Wir haben uns sozusagen arrangiert.


    Alles Liebe für euch!

    Sabine

    Hallo liebe Trauernde,

    ein 2. Osterfest ohne meinen geliebten Mann habe ich hinter mich gebracht.

    Am Ostersonntag war ich bei meiner Tochter zu Besuch, es war auch sehr schön. Wir haben zusammen gegessen und Spiele gespielt.

    Auch ein 2. Hochzeitstag (der 39. ) ohne ihn fiel in diese Zeit. Ich habe lauter Herzen aus rotem Cardstock ausgestanzt und auf seiner Grabstelle verteilt.

    Der Moment des Nachhausekommens in ein dunkles, leeres Haus ist immer noch schwer.

    Meistens führt mich der erste Weg zum Fernseher, den schalte ich ein, damit Bewegung und Stimmen da sind.


    Ich habe versucht, mir mein Leben ohne meinen Mann einzurichten.

    Unter der Woche bin ich jeden Tag im Büro (Homeoffice gibt es bei uns nicht) und am Wochenende bin ich mit guten Freunden unterwegs,

    mit dem Fahrrad oder zu Fuß.

    Die Pfarrerin, die meinen Mann beigesetzt hat, hat mir im März den Kontakt zu einer kürzlich verwitweten Frau vermittelt.

    Im Moment gibt es ja wegen Corona keine Angebote für Trauernde, die Trauercafés sind geschlossen.

    Wir sind uns sympathisch, haben uns schon rege ausgetauscht, sind zusammen spazieren gegangen, Fahrrad gefahren.

    Es tut gut, mit jemandem, der genauso fühlt, ohne Hemmungen über den Tod und die Trauer zu sprechen und sich gegenseitig zu stützen.


    Wenn ich den Zustand meiner Trauer beschreiben soll, dann fühlt es sich an, als habe sich mit der Zeit ein dünner Schleier darüber gelegt,

    der die Trauer milder und erträglicher macht.

    Aber ab und zu wird der Schleier weggezogen und dann merke ich den Schmerz wieder mit voller Wucht.

    Auch mein Gefühl der Fassungslosigkeit kehrt immer wieder zurück und es fühlt sich an, als wäre mein Mann erst gestern gestorben.

    Ich hoffe darauf, dass diese schlimmen Momente seltener werden und ich mit der Zeit immer besser damit umgehen kann.

    Die innerliche Verbindung und die Liebe zu meinem Mann wird für immer bleiben, ich will sie ja garnicht verlieren.


    Dazu gibt es wunderbare Worte von Dietrich Bonhoeffer:


    "Es gibt nichts, was uns die Abwesenheit eines uns lieben Menschen ersetzen kann

    und man soll das auch garnicht versuchen;

    man muß es einfach aushalten und durchhalten;

    das klingt zunächst sehr hart, aber es ist doch zugleich ein großer Trost;

    denn indem die Lücke wirklich unausgefüllt bleibt, bleibt man durch sie miteinander verbunden.

    Es ist verkehrt, wenn man sagt, Gott füllt die Lücke aus; er füllt sie garnicht aus,

    sondern er hält sie vielmehr gerade unausgefüllt und hilft uns dadurch,

    unsere echte Gemeinschaft – wenn auch unter Schmerzen – zu bewahren.

    Ferner: je schöner und voller die Erinnerungen, desto schwerer die Trennung


    Aber die Dankbarkeit verwandelt die Qual der Erinnerung in eine stille Freude.

    Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.

    Man muß sich hüten, in den Erinnerungen zu wühlen, sich ihnen auszuliefern,

    wie man auch ein kostbares Geschenk nicht immerfort betrachtet,

    sondern nur zu besonderen Stunden und es sonst nur wie einen verborgenen Schatz,

    dessen man sich gewiß ist, besitzt;

    dann geht eine dauernde Freude und Kraft von dem Vergangenen aus. …

    Vom ersten Aufwachen bis zum Einschlafen müssen wir den anderen Menschen

    ganz und gar Gott befehlen und ihm überlassen,

    und aus unseren Sorgen um den Andren

    Gebete für ihn werden lassen."



    Ich schicke euch ganz liebe Grüße

    Sabine

    Liebe Martina,
    im Moment geht durch Corona tatsächlich kaum etwas, das macht es uns noch schwerer.
    Im letzten Jahr bin ich über dieses Seite auf eine Trauerbegleiterin in meiner Region gestoßen und habe mit ihr und einer Gruppe von trauernden Frauen

    mehrere Spaziergänge gemacht.
    https://www.verwitwet-info.de/gruppen/
    Ich denke, das wird in der warmen Jahreszeit wieder möglich sein. Wir müssen also noch etwas Geduld haben.

    Viele Kirchengemeinden bieten in normalen Zeiten Trauercafés an.

    Man kann auch offensiv vorgehen und selbst eine Gruppe für gemeinsame Spaziergänge/Wanderungen ins Leben rufen,
    vielleicht über Facebook oder Nachbarschaftsgruppen.
    Es gibt bestimmt viele Trauernde, die sich angesprochen fühlen.
    Ich hoffe so sehr, dass wir in diesem Jahr langsam wieder zur Normalität zurückkehren können und Treffen wieder möglich sind.
    Alles Liebe

    Sabine

    Liebe Martina,

    du hast mir so lieb in meinem Wohnzimmer geschrieben, ich antworte dir hier.


    Du stehst noch am Anfang eine langen und steinigen Trauerwegs.

    Dein Verlust tut mir unendlich leid und ich fühle mit dir!


    Ja, ich kann dir Hoffnung machen. Es wird besser, nicht schnell, nur ganz langsam, Monat für Monat, Jahr für Jahr.

    Wie schnell, das ist wohl bei jedem unterschiedlich.

    Der uralte Spruch "Nur die Zeit heilt (alle) Wunden" hat seine Berechtigung, auch wenn ich das am Anfang gar nicht hören mochte.

    Nach dem Tod meines Mannes habe ich in verschiedenen Trauergruppen Trost und Halt gesucht.

    Ich war auch bei Trauerspaziergängen, habe mit schon länger Verwitweten gesprochen.

    Für mich stellt es sich so dar, dass jeder die individuell für sich passendende Trauerbewältigung suchen muss. Art, Weise und Dauer sind bei jedem unterschiedlich.

    Aber einheitlich war nach meinem Empfinden die Tatsache, dass die verstreichende Zeit am besten hilft.

    Unsere Mentalität und unsere Lebensumstände sind unterschiedlich, genauso unterschiedlich sind auch die Strategien, mit denen wir den Tod unserer Liebsten bewältigen und verarbeiten.

    Jede Strategie hat ihre Berechtigung und kann helfen.


    Noch kannst du es dir nicht vorstellen, natürlich nicht.

    Diesen Weg durch das tiefe Tal der Trauer müssen wir alle gehen, es gibt leider keine Abkürzung.


    Du wirst den Weg schaffen, with a little help from your friends...

    Wenn du Fragen hast, Hilfe brauchst, schreib mir.


    Alles Liebe

    Sabine

    Ihr Lieben, ich habe mich einige Wochen nicht mehr gemeldet.

    Manchmal kann ich einfach nicht. Manchmal kann und will ich nichts vom Tod, von Trauer und Kummer lesen.

    Seit nunmehr 15 Monaten ist mein Mann tot.

    Ich fange langsam an, mich an den Zustand eines Lebens ohne ihn zu gewöhnen.

    Es gibt sogar wieder schöne Momente, solche, wo ich herzhaft über etwas lachen kann, Stunden, in denen ich nicht ständig an ihn denken muss.

    Noch sind sie eher selten, ich hoffe, sie werden zahlreicher.

    Aber es kommen immer wieder Momente, wo ich fassungslos bin, weil sich das alles nicht rückgängig machen lässt.

    Ich hätte so gerne mein altes Leben zurück.

    Diese Endgültigkeit, dieses "nie wieder", "nie mehr" ist für mich ein Graus.

    Alles kann man ändern, irgendwie noch drehen, nur den Tod nicht.


    Gestern hatte meine Tochter Geburtstag, ich war bei ihr und ihrem Lebensgefährten zu Besuch. Sie hatte sich von mir Eierkuchen zum Essen gewünscht, ganz so wie früher, als sie klein war. Die habe ich zuhause gebraten und mitgenommen.

    Wir haben dann zu dritt zusammengesessen und gespielt.

    Dann kommen natürlich die Gedanken, wie schön es wäre, hätte mein Mann dabei sein können.

    Aber nein, wir beide hätten gar nicht hinfahren dürfen, es darf ja nur einer zu Besuch kommen.

    Mein Mann hätte jetzt kaum noch das Haus verlassen dürfen, weil er zu den Hochrisikogruppen gehört hätte.


    Dann denke ich manchmal, vielleicht ist es gut, dass du, mein geliebter Mann, diese Zeit nicht mehr erleben musst.

    Du bist gegangen, als es noch schön war.

    Ein letzter wunderbarer Urlaub war uns kurz vor deinem Tod noch vergönnt, zusammen mit unserer Tochter und ihrem Freund.

    Darauf hattest du dich monatelang gefreut.

    Jetzt hätte dich niemand von uns umarmen dürfen, aus Angst, wir könnten dich unbemerkt anstecken.

    Du liebtest ein volles Haus, die Familie und gute Freunde um dich herum, hast alle in den Arm genommen und fest gedrückt.

    Du bist so gerne essen gegangen, hast gemütliche Abende in einem Biergarten am Wasser genossen, mit mir Konzerte und Theatervorstellungen besucht, eifrig den nächsten Urlaub oder Wochenendtrips geplant. Vor meinem geistigen Auge sehe ich dich hier am PC sitzen und nach schönen Reisezielen suchen.

    All das wäre jetzt nicht möglich gewesen. Aber wir hätten uns gehabt und von besseren Zeiten geträumt.

    Deine optimistische Lebenseinstellung und Zuversicht hätte mir Kraft gegeben. Du hattest die Geduld, die mir leider so oft fehlt.

    Da ist es wieder, dieses elende „nie mehr“.


    Mein Mann ist nicht mehr da und die Welt dreht sich trotzdem weiter.

    Heute ist einer dieser Tage, an denen es mehr schmerzt und die Wehmut mich überwältigt.

    Aber es wird besser, ganz langsam besser.

    Nach wie vor gehe ich wöchentlich zur Psychotherapie, das hilft mir sehr.

    Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es wieder gut werden kann. Anders als früher, aber trotzdem irgendwie gut.


    Ich denke oft an euch, meine Weggefährten durch die Trauer.

    Bleibt tapfer und geht weiter, Schritt für Schritt.

    Bis bald!



    Alles Liebe

    Sabine

    Liebe Big,

    ja, wir müssen diese Zeit irgendwie überstehen.
    Ich hoffe so sehr, dass es sich irgendwann nicht mehr so albtraumhaft anfühlt.

    Heute Nachmittag kommt meine Tochter mit ihrem Lebensgefährten, morgen kommt mein Sohn, zusammen dürfen sie ja nicht hier sein.
    Aber solche Tage, an denen ich nicht allein bin, sind Highlights für mich.

    Morgen ist Nikolaus, mein Mann und ich haben uns auch immer eine Kleinigkeit in die Stiefel gesteckt,

    kleine von Herzen kommende Aufmerksamkeiten, besondere Süßigkeiten.

    Auch das vermisse ich ungeheuer, das Gefühl, dass jemand an mich denkt, dem ich am Herzen liege.

    Ich wünsche dir, dass du nicht alleine bist und mit deinem Sohn den Nikolaustag verbringen kannst!
    Eine feste Umarmung schickt dir

    Sabine

    Liebe Heidemarie,

    mein Beileid zu deinem schweren Verlust!

    Dieser plötzliche Abschied ist noch so frisch und du bist bestimmt außer dir vor Kummer.

    In der ersten Zeit habe ich nie von meinem Mann geträumt, obwohl ich mir das so sehr gewünscht habe!
    Erst nach nach mehrere Monate danach hatte ich einen unglaublich intensiven und geradezu realistischen Traum, in dem mein Mann sich hier zu Hause von mir verabschiedet hat.

    Aber ich habe von Anfang an mit ihm geredet. Er ist sozusagen meine innere Stimme geworden.
    Ich sehe es so, dass ein Teil von ihm, seines Bewusstseins/seiner Seele/seines Geistes noch bei mir ist.

    Aber es wird mit der Zeit bei mir schwächer, leider. Ich frage mich manchmal, ob es besser für ihn ist, wenn ich ihn gehen lasse und nicht an mich binde.
    Vielleicht müssen die Seelen irgendwann weiterziehen?


    Alles Liebe für dich

    Sabine

    Hallo ihr Lieben,

    der erste Advent ist da.

    Ach, was das das in früheren Jahren für eine Zeit der Freude und Gemütlichkeit.

    Mein Mann und ich haben an den Adventssonntagen immer ausgiebig gefrühstückt, am Nachmittag Kuchen und Kekse gegessen und es uns schön gemacht.

    Das Haus war weihnachtlich geschmückt, ich hatte immer viel Freude am Dekorieren.

    Heiligabend haben wir stets in riesiger Runde gefeiert, mein Mann hat am Klavier gesessen, wir haben gesungen, geschwatzt und gelacht.


    Im letzten Jahr waren meine Kinder in der Adventszeit viel bei mir, weil der Tod meines Mannes erst wenige Wochen her war.

    In diesem Jahr ist alles noch anders.

    Es dürfen sich nur 2 Haushalte treffen und man soll das Haus/die Wohnung nur in dringenden Angelegenheiten verlassen, also zum Einkaufen und Arbeiten.

    Gestern habe ich mich aufgerafft und wenigstens im Wohnzimmer ein bisschen dekoriert. Das meiste blieb im Karton, mir fehlen Antrieb und die Freude dabei.

    Noch nie war ich zu dieser Zeit allein, es fühlt sich einfach nur schlimm und unwirklich an.

    Da ich in einem Hotspot lebe, gibt es auch zu den Weihnachtsfeiertagen keine Lockerungen. Wie und mit wem ich Heiligabend verbringe, ist noch unklar.

    Meine Kinder sind sehr besorgt um mich und werden sich streng an die Regelungen halten.

    Ich bin natürlich dankbar, dass ich Heiligabend zwar nicht so wie früher, aber zumindest nicht ganz allein verbringen muss.

    Eins meiner Kinder wird auf jeden Fall da sein.

    Trotzdem habe ich das Gefühl, in einem permanenten Albtraum zu leben.


    Gerade in dieser Zeit fehlt mir mein Mann unbeschreiblich, ich laufe den ganzen Tag mit Tränen in den Augen rum und kann mich kaum beruhigen.

    Seine stets zuversichtliche und positive Lebenseinstellung hat mir immer Halt gegeben, dieser Halt fehlt mir so sehr, dass ich es kaum beschreiben kann.

    Am liebsten würde ich sofort in Winterschlaf fallen und erst im Frühjahr aufwachen.


    Ich wünsche euch, uns allen, dass wir gut durch diese Zeit kommen, gesund bleiben und den Mut und die Hoffnung nicht verlieren!