Posts by Kohlrabenschwarz

    Liebe Big,
    vor seinem Todestag Ende Oktober fürchte ich mich sehr.
    Meine Tochter und ich haben uns frei genommen und werden auf den Friedhof gehen, abends dann mit meinem Sohn essen.

    Alleine würde ich den Tag nicht durchstehen.

    Ich habe 2 Kinder, meine Tochter ist 28, mein Sohn 38.

    Meine Kinder gehen unterschiedlich mit dem Tod des Papas um. Meine Tochter war ein richtiges Papakind und leidet sehr, mein Sohn verdrängt eher und redet nicht darüber.

    Liebe Grüße

    Sabine

    Ja liebe Big, mir bricht auch das Herz, wenn ich mir seine Todesanzeige noch mal angucke oder die Veröffentlichung im Kirchenblatt.

    Da steht sein Name, verstorben mit 59 Jahren, zwischen den ganzen Menschen, die mit 75, 80 oder 90 verstorben sind.

    Wenn ich das schwarz auf weiß sehe, wird mir jedesmal wieder so richtig bewusst, dass er viel zu früh gegangen ist.

    Was hat er sich auf die Zeit der Rente gefreut, auf Enkelkinder...
    Er wäre so ein toller und liebevoller Opa geworden.
    Jetzt müssen wir das alles alleine erleben.

    Es tut gut zu lesen, dass man nicht alleine mit seinen Gedanken und Gefühlen ist.
    Dir viel Kraft für morgen!
    Ich umarme dich

    Sabine

    Liebe Big,

    ich meine auch, dass wir uns schon mal geschrieben haben, weiß aber nicht, wann.


    Ja, für unser Umfeld funktionieren wir ganz normal.
    Meine Kollegin war neulich ganz erschrocken, als ich erwähnte, dass ich manchmal zu Hause weinend und händeringend durch die Zimmer laufe.

    Und ein Arzt fragte mich 3 oder 4 Monate nach dem Tod allen Ernstes, ob ich es schon überwunden hätte.

    Als ob man einen geliebten Menschen so einfach ablegen könnte...

    Ich weiß, die Leute meinen es nicht böse, drücken sich nur ungeschickt aus. Und es ist nunmal so, dass nur jemand, der so einen Verlust selbst erfahren hat,

    nachvollziehen kann, wie es einem damit geht.

    Nicht nur der liebste Mensch ist für immer fort, alle liebgewonnen Routinen finden nicht mehr statt, man isst alleine, schläft alleine, schaut alleine fern,

    unternimmt alles alleine. Niemand ist da, mit dem man reden, genießen, schöne Abende, Wochenenden und Urlaube verbringen, Sachen planen,

    sich freuen, ärgern oder trösten kann.

    Jahrzehntelange Gemeinsamkeit ist mit einem Schlag vorbei.

    Alle Zukunftspläne haben sich in Schall und Rauch aufgelöst. Wir müssen ohne den Liebsten alt werden.

    Unser Leben ist völlig anders geworden, hat sich um 180° gedreht und es ist furchtbar schwer, sich darauf einzustellen und es anzunehmen.

    Denn annehmen müssen wir es, das alte Leben bekommen wir nicht mehr zurück, auch wenn wir es uns noch so sehr wünschen.

    Das kostet so unendlich viel seelische Kraft!

    Du schreibst, dass alles auf deinen Schultern lastet. So empfinde ich es auch. Es gibt so viel zu regeln, was man sich früher geteilt hat.

    Ich habe von vielem, um das mein Mann sich immer gekümmert hat, keine Ahnung, muss vieles mühsam erlernen.

    Diese Last erdrückt mich manchmal schier.

    Ich komme finanziell aus, gehe arbeiten, aber große Sprünge sind nicht mehr drin, ein Einkommen fehlt.

    So kommt eins zum anderen.

    Wie du habe ich Tage, an denen es mir besser geht, dann wieder Tage, an denen ich verzweifelt bin und mich so schrecklich nach meinem Mann sehne.

    Morgen hätte dein Mann Geburtstag, das wird ein schwerer Tag für dich und deinen Sohn.

    Ich werde an dich denken!

    Ganz liebe Grüße

    Sabine

    Liebe Big,

    mein Beileid zu deinem schlimmen Verlust!

    Mein Mann ist 3 Wochen vor deinem auch ganz plötzlich verstorben, auch viel zu früh mit 59 Jahren.

    Auch heute noch habe ich Tage, an denen ich es nicht fassen kann und mich frage, ist es tatsächlich wahr, soll es wirklich für immer so bleiben?

    Ich schaue seine Fotos an und sehne mich so sehr nach ihm, Tag für Tag!
    Dir geht es wahrscheinlich ebenso, ich kann dich so gut verstehen.

    Unser Umfeld meint, dass wir so langsam darüber hinweg sein müssen, also behält man seinen Schmerz für sich.

    Ich drücke dich ganz lieb

    Sabine

    Liebe Nati,

    von Herzen mein tiefempfundenes Beileid und willkommen im Forum.

    Es ist unvorstellbar hart, dass du nicht nur deinen Mann, sondern auch deinen Sohn verloren hast.

    Diesen ungeheuren Verlustschmerz und die Trauer zweimal hintereinander zu erleben, da fehlten mir auch die Worte...

    Ich wünsche dir viele liebe Menschen, die sich um dich sorgen und dich in dieser schweren Zeit begleiten.

    Eine Umarmung schickt dir

    Sabine

    Liebe Renate,

    auch mich erschüttert es, wie mit dir umgegangen wird.

    Es scheint so zu sein, dass viele Menschen bei einer Erbschaft zu Hyänen werden, auch diejenigen, bei denen man es nicht vermutet hätte.

    Wir haben testamentarisch vorgesorgt, weil wir sicherstellen wollten, dass der Überlebende den Kindern ihr Erbteil nicht auszahlen muss.

    Für mich hätte das bedeutet, dass ich mein Haus verkaufen muss, um die Kinder auszuzahlen.

    Wir hätten es unseren Kindern nicht zugetraut, dass sie darauf bestehen, wollten aber sicher sein.

    Es ist unglaublich schwer, was du jetzt alles bewältigen musst.

    Die Trauer ist schlimm genug, da sollte man nicht noch Existenzsorgen durchleiden müssen.

    Ich kann dir nur wünschen, dass du doch hilfreiche Menschen findest, die dich uneigennützig unterstützen und dir zur Seite stehen.

    Ich wünsche dir auch die Kraft, die richtigen Entscheidungen zu treffen, damit du wieder ein bisschen Frieden findest.

    Mich plagen auch viele Zukunftsängste.

    Meine Therapeutin sagte, ich soll mir vorstellen, was schlimmstenfalls passieren kann und wie es dann weitergehen könnte.

    Mir hilft sowas, weil ich immer zu dem Schluss komme, dass es irgendwie weitergeht, ganz gleich, was passiert.

    Es gibt ein altes Buch von Dale Carnegie "Sorge dich nicht, lebe!".

    Vieles darin ist veraltet, aber die Botschaft stimmt immer noch.

    Nicht jeder wird dieses Buch mögen und für die Trauerarbeit ist es nur sehr begrenzt anwendbar, trotzdem habe ich in der Vergangenheit oft hilfreiche Denkansätze darin gefunden.


    Ich schicke dir eine tröstende Umarmung

    Sabine

    Liebe Anja,

    auch ich fürchte mich, in der Vergangenheit vor Weihnachten, Silvester, seinem Geburtstag, unserem Hochzeitstag und jetzt vor seinem Sterbetag.

    Man kann diese Tage nur auf sich zu kommen lassen, denn sie kommen, ob man will oder nicht.

    Ich habe jetzt eine andere Zeitrechnung. Ich denke immer, letztes Jahr um diese Zeit haben wir dies oder jenes gemacht.

    Zu dieser Zeit waren wir mit meiner Tochter und ihrem Freund in Andalusien. Es war so wunderschön und keiner von uns hat damit gerechnet,

    dass mein Mann 3 Wochen nach dem Urlaub plötzlich sterben würde.

    Die bevorstehende Zeit wird traurig, schwierig und anstrengend sein, aber du wirst sie überstehen.

    Irgendwie überstehen wir alle diese Zeit und irgendwie wird es weitergehen.

    Fühl dich umarmt,

    Sabine

    Liebe Renate, liebe Anja, liebe Coco,

    ich lese nur noch sporadisch in diesem Forum mit.

    Aber ich fühle mit euch!!

    Ende Oktober jährt sich der Tod meines Mannes zum ersten Mal.

    An manchen Tagen kommt es mir wie gestern vor. Er ist noch so präsent und ich vermisse ihn nach wie vor ganz furchtbar, Tag für Tag.

    Ich vermisse seine Anwesenheit, seine Stimme, unsere wundervollen Gespräche, seine Umarmung, seinen Kuss und auch seine Marotten...

    Ich trauere um die Zukunft, um alles, was wir nun nicht mehr gemeinsam erleben können.

    Oh ja, wir hatten noch so viel vor!

    Aber der Schmerz wird mit der Zeit erträglicher, ist nicht mehr so beißend und überwältigend wie in den ersten Wochen und Monaten.

    Es gibt sogar Zeiten, wo ich einen Anflug von Zufriedenheit und Glück spüre, obwohl ich nun alleine bin.

    Sie sind selten, aber sie geben mir die Hoffnung, dass ein Leben ohne meinen geliebten Mann wieder ein bisschen schön werden kann, nur anders schön als früher.

    Mein Mann wird immer zu mir gehören und ich werde ihn vermissen, bis auch ich sterbe.

    Meine Psychotherapeutin sagt, dieser furchtbare und anstrengende Weg durch die Trauer muss sein, man kann ihn nicht abkürzen, man muss ihn Stück für Stück gehen und den Schmerz aushalten, um seelisch gesunden zu können.


    Ich wünsche euch ganz viel Kraft, Trost und Unterstützung auf diesem Weg!
    Liebe Grüße
    Sabine

    Ihr Lieben,

    oh ja, dieser Weg durch die Trauer ist sooo anstrengend und auch unberechenbar.

    Heute Abend war ich bei Bekannten eingeladen, da ging es mir einigermaßen gut.

    Aber kaum komme ich in mein leeres Haus zurück, holt mich alles wieder ein.

    An so schönen Sommerabenden hätte ich mit meinem Mann noch auf der Terrasse gesessen,

    ganz ruhig, einfach beieinander und zufrieden.

    Es zerreißt mir das Herz, wenn ich daran denke, dass es nie wieder sein kann. Die Terrasse bedeutet mir nichts mehr,

    ich kann sie allein nicht genießen, sie ist einsam.

    Bin ich zu ungeduldig mit mir?

    Ich überlege mittlerweile, mein Haus zu verkaufen und in eine Wohnung zu ziehen, in der Hoffnung, dass ein Neuanfang und eine neue Umgebung es mir leichter macht.


    Tigerlily, du schreibst von Unruhe. Diese Unruhe habe ich auch, vor allem, wenn ich allein zu Hause bin.

    Ich trete vor innerer Unruhe geradezu Trampelpfade durch mein Wohnzimmer, kann mich kaum irgendwo hinsetzen, mich auf nichts konzentrieren.

    Ich springe gleich wieder auf und laufe weiter herum. Manchmal habe ich das Bedürfnis, mich einfach aufzulösen, um diese innere Unruhe loszuwerden, sie ist so furchtbar quälend.


    Liebe Anja, diese Zweifel, diese Zukunftsangst, wir kennen sie alle.

    Vor allem das Teilen mit dem Partner fehlt so ungeheuer.

    Wir sind alle unterschiedlich und bei jedem verläuft auch die Trauer unterschiedlich.

    Dein Verlust ist noch sehr frisch und die Verzweiflung extrem groß.

    Vielleicht führt dein Weg dich auf andere Pfade. Vielleicht bist du stärker, als du es jetzt vermutest.

    Ich denke, du musst Geduld haben und es einfach abwarten, das ist schwer genug.

    Ich wünsche dir von Herzen ganz viel Kraft und auch Zuversicht, dass es für dich wieder gute Zeiten geben kann.

    Liebe Luise,

    der Vergleich mit dem schlappen Luftballon passt so gut.

    Es ist bei mir nicht so, dass es schlimmer geworden ist als am Anfang, es ist einfach anders schlimm.

    Die letzten Monate haben mich so erschöpft an Körper und Seele.

    Und wenn ich daran denke, dass ich immer weiter kämpfen muss, dann packt mich die Angst.

    Manchmal denke ich, dass ich in eine Depression rutsche. Das will ich nicht, aber ich weiß nicht, was ich dagegen tun kann.

    Das Antidepressivum höher dosieren?


    Ich schicke dir einen lieben Gruß

    Sabine

    Liebe Flora,

    manchmal denke ich, ich hatte zu große Erwartungen, dachte, wenn ich mir Mühe gebe und mich ablenke, dann werde ich es verkraften.

    Inzwischen hat so eine Art Resignation eingesetzt.

    Es ist nicht mehr so, wie in den ersten Wochen und Monaten, nicht mehr diese hell lodernde Verzweiflung, der Drang, ständig zu weinen und zu schreien.

    Aber besser ist es trotzdem nicht.

    Meine Therapeutin sagt, ich soll mich nicht überfordern. Wenn der Garten wuchert, dann soll er wuchern.

    Wenn ich es nicht schaffe, den Haushalt in Ordnung zu bringen, dann soll er liegenbleiben, denn es ist noch nicht die richtige Zeit dafür.

    Wird die richtige Zeit jemals kommen?

    Ich fühle mich wie in einem fremden Leben ausgesetzt.

    So eine to do Liste werde ich mir auch machen und dann abstreichen, was ich geschafft habe, auch wenn es nicht viel ist.


    Ich umarme dich

    Sabine

    Der Sommer neigt sich langsam dem Ende zu, die Tage werden wieder kürzer.
    Ich habe Angst vor der dunklen Jahreszeit, davor, nicht mehr viel Zeit in der Natur verbringen zu können, davor, im Haus bleiben zu müssen,

    davor, dass die dunklen Abende mich ständig an den Abend seines Todes erinnern werden.

    Ich bin noch weit davon entfernt, mich mit seinem Tod abgefunden zu haben und ich weiß nicht, ob mir das jemals gelingen wird.

    Ich lebe, ich gehe ins Büro, ich unternehme einiges, um mich abzulenken. Aber in vielen Bereichen fehlt mir der Antrieb.

    Früher habe ich so gerne gekocht, auf gesunde Ernährung geachtet, für uns!

    Nur für mich zu kochen fällt mir schwer, meistens esse ich aus dem Kühlschrank, was gerade da ist, Hauptsache schnell.

    NIcht gesund, ich weiß.

    Noch nie sah es zu Hause so rumpelig aus, der Garten wuchert. Mir fällt das Aufräumen und Sauberhalten schwer. Oft fange ich etwas an und breche dann ab.

    Ich bin so schrecklich erschöpft, vor allem innerlich.

    Ja, die Trauer ist anstrengend!

    Der Sinn meines Lebens ist mir verlorengegangen und ich weiß noch nicht, wie ich ihn wiederfinden soll.

    Ich weiß, ich muss dankbar für viele schöne Jahre sein, für die Kinder, er mir geschenkt hat.

    Aber mein Herz vermisst ihn so unendlich!

    Liebe Caroline,

    in der letzten Zeit lese ich nur sporadisch nach und habe gerade gesehen, dass du heute umziehen musst.

    Was für ein Schwager, du liebe Zeit...

    Ganz gleich, wie man sich vorher verstanden hat, so ein Verhalten im Angesicht des Todes ist unmenschlich und einfach nur gemein!

    Ich wünsche dir für den heutigen Tag ganz viel Kraft und viele fleißige, helfende Hände!

    Es ist, wie es ist, du kannst es nicht ändern.

    Vielleicht ist der Umzug in eine fremde Umgebung für dich auch eine Chance auf einen Neuanfang.

    Mit so einem Schwager als Vermieter hätte es immer wieder Schwierigkeiten gegeben.


    Alles Liebe für dich!!

    Sabine

    Liebe Tigerlily,

    bei deinem Beitrag ...

    Es überrascht mich immer wieder, wie es sein kann, dass ich mein Leben lebe, obwohl ich den Kopf nicht frei habe.

    Mein Kopf ist voll mit Vergangenheit, der Vergangenheit die mein Leben war und in der ich immer noch auf eine gewisse Art und Weise lebe.


    Momentan tut es gerade nicht so weh, es fühlt sich eher etwas betäubt an, gelebte Fassungslosigkeit, wenn man es so ausdrücken möchte.

    ... dachte ich, ja, genau so geht es mir auch.

    Man lebt und funktioniert irgendwie, man unternimmt auch einiges, aber das Herz ist nicht dabei.

    Es ist, wie soll ich sagen, irgendwie alles "2. Wahl".

    Das klingt undankbar gegenüber allen, die versuchen, mir zu helfen. Ich kann nur hoffen, dass die Zeit noch einiges richtet

    und ich irgendwann wieder aufrichtige Freude empfinden kann.


    Ich grüße dich ganz lieb aus der Ferne

    Sabine

    Liebe Stille Perle,

    ich denke, dein Mann und du, ihr wart unterschiedlich, habt euch aber wunderbar ergänzt! So war es auch bei uns.

    Und ja, im Nachhinein sieht man vieles klarer, würde gerne manches Wort zurücknehmen, vieles anders machen.

    Meine Therapeutin sagte, das ist so, als ob man weitsichtig ist und keine Lesebrille hat.

    Alles, was zu nah dran ist, erkennt man nicht klar.

    Die Trauer funktioniert wie eine Lesebrille, man nimmt im Rückblick so vieles plötzlich unter die Lupe.

    Dadurch bläht sich auch einiges unnatürlich auf und man muss aufpassen, dass es nicht zu viel an Bedeutung gewinnt.

    Wir sind Menschen und haben natürlich menschliche Fehler gemacht, du, ich, mein Mann, dein Mann und jeder andere auch.

    Ich denke, unser Ziel muss sein, unseren Frieden damit zu machen und unser Schicksal anzunehmen.

    Aber das ist furchtbar schwer!

    Ach, ich habe mich in den letzten Monaten auch schon so viele Male bei meinem Mann entschuldigt...


    Ich habe niemanden in meinem noch lebenden Verwandten- und Freundeskreis, der schon seinen Partner verloren hat.

    Also treffe ich ständig auf Paare und auf traute Zweisamkeit.

    Ich merke auch, dass mir die versteckten Zeichen von miteinander vertrauten Paaren besonders auffallen, das tut unheimlich weh.

    Inzwischen habe ich so eine Art Notgemeinschaft mit der zukünftigen Schwiegermutter meiner Tochter gebildet, die ist zwar nicht verwitwet, aber geschieden.

    Wir unternehmen öfter mal was zusammen und werden Silvester zusammen auf Sylt verbringen.

    Ich treffe mich auch nach wie vor mit befreundeten Paaren, das ist oft schwer für mich, aber ich will den Kontakt nicht abreißen lassen, weil ich die Ablenkung brauche.

    Am schlimmsten ist es für mich, wenn ich alleine zu Hause bin. Da ist mein Mann noch so präsent und ich vermisse ihn hier ganz besonders.

    Die innerliche Leere ist immer da.

    Nur wenn ich mit meinen Kinder zusammen oder mit dem Hund in der Natur unterwegs bin, fühle ich mich einigermaßen normal.


    Liebe stille Perle, ich schicke dir einen ganz lieben Gruß!

    Sabine

    Liebe Anja,

    es tut mir so furchtbar leid für dich, ich fühle mit dir!
    Als ich deine Beiträge las, kamen mir die Tränen und ich dachte an manchen Stellen, das ist ja so wie bei mir und meinem Mann.

    Dein Verlust ist noch so frisch, es ist ganz normal, wie du dich jetzt fühlst!
    Die Welt da draußen dreht sich einfach weiter, doch für dich ist sie stehengeblieben. Es ist, als ob man durch ein Fenster nach draußen schaut und nur fassungslos bei allem zusehen kann.

    Der seelische Schmerz ist grauenvoll, unbeschreiblich quälend, das Herz krampft sich zusammen, die Kehle ist wie zugeschnürt, im Kopf herrscht das blanke Chaos, das Mühlrad schwerer Gedanken dreht sich Tag und Nacht, die Tränen fließen unaufhörlich, meistens kann man nichts essen, der Appetit ist völlig verschwunden...

    Wer so einen Verlust noch nicht erlebt hat, kann ihn nicht nachvollziehen.


    Es ist schlimm, dass du in dieser Zeit gezwungenermaßen funktionieren musst.

    Du brauchst Hilfe dabei, ohne geht es nicht.

    Hast du noch Eltern oder Schwiegereltern, die dich unterstützen können, ggfs. auch finanziell?

    Gute Freunde, die ein bisschen mithelfen könnten oder dich einfach regelmäßig zum Essen einladen?

    Trage dein Herz auf der Zunge, fordere Hilfe ein und nimm sie an, wenn sie dir angeboten wird, denn du bist in einer Ausnahmesituation.

    Manchmal ist ein Antidepressivum nötig und sinnvoll, es ist keine Schande, wenn man es nicht ohne schafft!

    Wir alle hier wissen, wie du dich fühlst und werden versuchen, dir bestmöglich beizustehen.

    Die Trauer ist ein langer, harter und steiniger Weg, wir gehen ihn gemeinsam.


    Mein Mann ist Ende letzten Jahres mit 59 Jahren ganz plötzlich verstorben, ich habe ihn beim Heimkommen gefunden und hatte danach einen Schock.

    Wir haben uns auch mit 20 kennengelernt, wollten für immer zusammenbleiben, zusammen alt werden.

    So vieles hatten wir noch geplant, alles dahin.

    Genau wie Stille Perle, habe auch ich von einem schönen gemeinsamen Lebensabend geträumt, von viel freier Zeit, die wir gemeinsam verbringen, von Enkelkindern, die wir gemeinsam verwöhnen...

    Unsere beiden Kinder sind 38 und 28 Jahre alt und wohnen nicht mehr zu Hause.

    Sie leiden auch, aber sie haben ihr eigenes Leben, einen Partner, viele Freunde und Ablenkungen, für sie geht das Leben inzwischen relativ normal weiter

    und sie schauen nach vorne. Das ist auch gut so.

    Das Alleinleben fällt mir unheimlich schwer, ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich für alles alleine sorgen und die Verantwortung tragen muss.

    Wenn ich im Büro bin, geht es einigermaßen, aber wenn ich nach Hause komme, bricht alles über mich herein...

    Reparaturen stehen an, ein riesiger Baum muss gefällt, ein neuer Zaun gesetzt werden... Manchmal habe ich das Gefühl, ein riesiger Berg an Aufgaben türmt sich vor mir auf und ein unglaubliches Verlassenenheitsgefühl überwältigt mich.

    Mein Mann war auch der Sorglose in unserer Beziehung, hat in allem etwas Positives gesehen und Probleme, ganz gleich welcher Art, stets erfolgreich auf die Seite schieben können. So stand er zwischen mir und der Welt als eine Art Schutzwall.

    Ich bin und war diejenige, die immer gleich Panik bekam und Ängste ausstand. Oft hat er zu mir gesagt, Sabine, warte doch erst mal ab, du machst dir Sorgen um ungelegte Eier...

    Nicht immer, aber meistens hatte er recht damit. Aber oft habe ich mich auch über seine Sorglosigkeit geärgert und geschimpft.

    Auch bei uns ist vieles unerledigt geblieben, mein Mann hat viele Sachen geschoben und lieber was Schönes unternommen.

    Für die Beerdigung musste ich mir Geld von meinen Kindern leihen, weil ich keinen Zugriff auf das Konto meines Mannes hatte.

    Ich musste erst den Erbschein beantragen, das hat gedauert. Viele Verträge gab es nur online, ich hatte keine Passwörter von ihm.

    Leider hatte er in den Monaten vor seinem Tod unsere private Buchhaltung vernachlässigt, alles lag in großen Haufen ungeordnet auf seinem Schreibtisch im Keller. Ich fing an, darüber zu grübeln, warum er nichts davon gesagt hat, ich hätte ihm doch geholfen.

    Das bedeutete Schreibkram ohne Ende, mein großer Esstisch war in den ersten Wochen über und über mit Papieren bedeckt.

    Ohne die Hilfe meiner Kinder hätte ich das nicht geschafft. Mein Kopf fühlte sich oft an, als ob er gleich platzt.

    Ich konnte mich überhaupt nicht konzentrieren, habe den Zugang zu meinem Onlinbanking zerschossen, die Pin für meine EC Karte ist mir entfallen,

    ich habe ständig alles mögliche vergessen, es war einfach nur schrecklich.

    Manchmal dachte ich, dass mich die Sorgen auffressen und habe mir gewünscht, ihm einfach nachzufolgen.

    Im Nachhinein denke ich, er hat das Leben bestmöglich genutzt und ich bin sehr froh, das er noch einen letzten wunderschönen Urlaub mit uns verleben konnte.

    Er konnte so gut genießen, hat sich auch über jede Kleinigkeit gefreut. Ich wünschte, ich könnte jedes ärgerliche, böse Wort zurücknehmen.

    Er hätte es verdient gehabt, noch viele schöne Jahre zu erleben.

    Ich vermisse ihn unendlich!


    Auch heute, 9 Monate danach, bin ich immer wieder fassungslos, dass so was passieren darf und er nicht mehr bei mir ist.

    Der Schmerz hat sich verändert, er ist nicht mehr so beißend wie am Anfang.

    Wehmut ist gekommen, die Trauer um viele verpasste Gelegenheiten, um das, was noch hätte sein können.

    Ja, alles war so selbstverständlich, das ist es jetzt nicht mehr.

    Seit Ende März mache ich eine Psychotherapie, dazu nehme ich ein Antidepressivum, das hilft mir vor allem, besser zu schlafen.

    Alleine etwas zu genießen, das gelingt mir immer noch nicht. Ich hoffe, dass dieses Gefühl irgendwann wieder möglich ist.


    Liebe Anja, das Schreiben entlastet oft ein bisschen, also schreibe dir alles von der Seele!
    Du kannst mir gerne auch eine PN schreiben.

    Ich drücke dich ganz fest !
    Liebe Grüße

    Sabine

    Bei uns findet auch kein Trauercafé statt, aber es gibt geführte Trauerspaziergänge durch die Natur.
    Dabei kann man sich auch gut austauschen. Ich empfinde sowas als wohltuend.
    Vielleicht kann man sowas anstoßen.


    Liebe Ursel, meine Spülmaschine liegt auch in den letzten Zügen. Muss mich dringend um eine neue kümmern.
    Es fällt mir total schwer, so was in Angriff zu nehmen.

    Liebe Ursel,

    mein tiefempfundenes Beileid zu deinem furchtbaren Verlust!

    43 Ehejahre und noch mehr gemeinsame Jahre, sie sind unwiederbringlich. Man hat sich in dieser Zeit gemeinsam entwickelt und es ist eine Vertrautheit und tiefe Liebe entstanden, die es so nicht mehr geben wird. Es ist, als ob die Hälfte unseres Herzen plötzlich fehlt und an dieser Stelle ein großes Loch entstanden ist.

    Damit gilt es zurecht zu kommen und weiterzuleben.

    Mein Mann ist vor 9 Monaten auch ganz plötzlich verstorben, ich habe ihn abends beim Heimkommen gefunden. Wir waren fast 40 Jahre ein Paar, haben 2 erwachsene Kinder.

    Der Schmerz ist ganz besonders in den ersten Wochen ganz furchtbar, man ist fassungslos und versteht die Welt nicht mehr.

    Dein Weg durch die Trauer hat gerade erst begonnen, es liegt noch eine lange Strecke vor dir.

    Aber es wird langsam besser, Monat für Monat ein kleines bisschen.

    Immer wieder gibt es tiefe Trauertäler, aber es geht dann auch wieder bergauf.

    Ich fühle mich oft, als müsste ich einen steilen Berg besteigen. Ab und zu ist der Weg zu steil, ich rutsche zurück und muss Kraft schöpfen, um anschließend weiterzukraxeln.

    Was du dir vorgenommen hast, ist vollkommen richtig. Besuche ein Trauercafé, triff dich mit Freunden, mache Ausflüge, gehe unter Menschen.

    Es ist gut, sich etwas abzulenken und beschäftigt zu sein. Deine Seele braucht diese Auszeiten dringend.

    Einen lieben Gruß sendet dir

    Sabine

    Danke für euere lieben Worte!! <3

    Das Wichtigste, was mein Mann mir hinterlassen hat, sind meine/unsere Kinder, in ihnen ist ein Teil von ihm.
    Aber auch seine Gelassenheit und seine positive Lebenseinstellung in jeder Situation, ist jetzt noch ein Vorbild für mich.
    Kurz nach seinem Tod kam mir der Gedanke, mir irgendwann den Schriftzug "Hakuna Matata" als Tattoo stechen zu lassen.
    Frei übersetzt: Es gibt keine Probleme, alles ist in Ordnung.
    Ich mag eigentlich keine Tattoos und habe bisher auch keine, aber da bin ich wirklich am Überlegen, denn das war tatsächlich sein Lebensmotto.