Mein geliebter Mann ist plötzlich verstorben, ich bin fassungslos

  • Meine Pfarrerin hatte mir ja im März den Kontakt zu einer frisch verwitweten Frau aus meiner Nachbarschaft vermittelt.
    Daraus hat sich inzwischen eine gute Freundschaft entwickelt. Wir beide haben unsere Männer viel zu früh, ganz plötzlich und ohne möglichen Abschied verloren.

    Sogar die Todesursache war ähnlich, mein Mann ist äußerlich verblutet, ihrer innerlich.

    So was verbindet.

    Wir walken immer zusammen und dabei reden wir über unsere Trauer und versuchen den Trauerprozess zu verstehen.


    Am Anfang der Trauer beherrscht der Gedanke an den verlorenen Partner jede MInute des Tages.

    Das ist verständlich, denn alles, was wir vor seinem Tod erlebt haben, war irgendwie mit ihm verknüpft.

    Es gab praktisch keine Erinnerung, in der er nicht vorkam.

    Bei uns war es jedenfalls so, denn wir haben unsere Männer ganz jung kennengelernt und sind zusammengeblieben.

    Die Zeit vergeht und es kommen neue Erinnerungen dazu, weil wir nun alles ohne den Partner machen müssen.

    Wir erinnern uns also zunehmend auch an Sachen, die nicht mehr mit dem Partner verknüpft sind.

    Je mehr Erlebnisse wir ohne den Partner ansammeln, desto weniger schmerzhaft wird die Erinnerung an die Zeit vor seinem Tod. Die neuen Erinnerungen überlagern und mildern sie etwas ab.

    So erleben wir beide es jedenfalls. Wir trauern und lieben nicht weniger, aber es ist nicht mehr so extrem.

    Natürlich gibt es immer mal Rückschläge. An manchen Tagen weiß ich schon beim Aufwachen, dass es ein schlimmer Tag mit vielen Tränen wird.

    Aber danach geht es wieder aufwärts.


    Wir schmieden immer Pläne, auch wenn wir wissen, dass alles nur ein dürftiger Ersatz für frühere Zeiten ist.

    Gerade haben wir mit 2 anderen Frauen für Silvester Theaterkarten gekauft und in einem Restaurant reserviert.

    Wir werden also eine Vierer-Mädelstruppe sein.

    Klar, am liebsten würden wir beide das wie früher mit unseren geliebten Männern erleben.

    Aber so sehr man sich das auch wünscht, es ist für immer vorbei.

    Wir müssen Alternativen finden und uns damit arrangieren. Meistens stellen wir hinterher fest, dass es trotz allem auch ein bisschen schön war.

    Die kleinen oder kleinsten Freuden verschaffen der Seele die Erholung, die sie ganz nötig braucht.


    Ich hoffe, alles was ich schreibe, hilft besonders den frisch Verwitweten und gibt ihnen ein bisschen Hoffnung!

    Liebe Grüße von Sabine

  • Hallo Sabine deine Zeilen machen Hoffnung... Bei mir sind es 9 Monate her.. Das mein Schatz gehen mussste... Es tut noch immer höllisch weh und im Moment stecke ich ziemlich fest.. Aber seit 4 Jahren solange hab ich meinen Mann gepflegt mit 51 diagnostizierte man Leukämie mit 55 starb er:13:geh ich nun ab und an einen Kaffee trinken 4 Jahre war ich nach der Arbeit später hatte ich Pflegezeit nur für meinen Schatz da... Man muss sich völlig neu orientieren und das fällt schwer... Ja ich habe kids und 6 Enkeltöchter sind auch mindestens ein Mal die Woche hier aber im Herzen ist man sehr sehr einsam... Deshalb ist es schön zu lesen das es etwas leichter wird... Danke... LG Carmen

  • Liebe Carmen,

    ja, es gibt Hoffnung, es wird mit der Zeit etwas leichter. Aber die ersten Monate, eigentlich die ersten 1-2 Jahre sind wirklich hart.
    Dass man sich neu orientieren muss, kostet auch Kraft, aber es lohnt sich.
    Ich habe mich früher vorwiegend auf meinen Mann konzentriert, jetzt pflege ich meine Freundschaften intensiv und sehe, es kommt so viel zurück.

    Man ist nie zu alt, um neue Kontakte und Freundschaften zu knüpfen.

    Das tröstet!

    Alles Gute für dich und liebe Grüße

    Sabine

  • Liebe Sabine

    Deine Worte helfen ungemein. Zu sehen das am Ende doch ein Leben auf mich zukommt das es zu leben lohnt gibt Hoffnung.

    Nur ist halt der Anfang so schmerzhaft das man denkt man hält es unmöglich über Jahre aus.

  • Liebe Sabine, Carmen, Steffi.... gerade habe ich eure Beiträge gelesen. Steffi, deine Worte von Mittwoch hätten meine sein können. Sie zeigen mir, dass es anderen ganz genauso geht und ich es einfach weiter abwarten muss. Abwarten zu lernen ist dabei ein großes Problem für mich. Sei milde mit dir, schreibst du Sabine, und du hast so Recht. Zeit meines Lebens bin ich Probleme direkt angegangen, um sie schnell zu lösen und das funktioniert mit dem Gewöhnen an meine neue Lebenssituation einfach nicht. Aber ich glaube, dass der Weg mit vielen Aktivitäten, Freundschaften aktivieren etc der richtige ist.

    Das Problem ist nur, dass ich dieses neue Leben eigentlich gar nicht will, :13:sehe aber ein, dass ich lernen muss, dass es keine Alternative gibt.

    Danke, Sabine, für die vielen Beispiele wie du dein neues Leben so angehst. Ich mache es ähnlich und hoffe dabei, dass die Zeit mir meine Ängstlichkeit nimmt und mich sicherer werden lässt.

    Auch bei meinem Mann und mir war es so, dass wir unsere eigenen Wege und Hobbies hatten, aber das Nachhausekommen war wie in einen sicheren Hafen zu segeln. Wir haben erzählt, was wir erlebt haben und die Gemeinsamkeit genossen. Besonders unsere vielen Gespräche über Gott und die Welt fehlen mir.

    Ihr seht an meinem Text, dass es ein ständiges hin und her zwischen Kopf und Bauch ist. Der Kopf sagt.....schau nach vorne und mach und der Bauch lebt in der Vergangenheit und will sie zurück.

    Ich wünsche euch ein schönes Wochenende trotz des ungemütlichen Wetters.

    Liebe Grüße Martina

  • Ihr Lieben,

    auch ich habe seit dem Tod meines Mannes zahlreiche Ängste und fühle mich sehr schnell überfordert.
    Meine Psychotherapeutin sagt dann oft zu mir, Frau..., sie haben so ziemlich das das Schlimmste, was einem passieren kann erlebt.

    Aber sie haben es überlebt und schlagen sich wacker. Warum sollten Sie jetzt Angst vor diesem oder jenem haben?

    Wenn ich dann darüber nachdenke, dann merke ich, sie hat Recht.

    Was kann mir noch Schlimmeres passieren? Ok, einem meiner Kinder könnte was passieren, das wäre für mich eine Katastrophe.
    Aber die ganzen anderen Sachen, vor denen ich mich jetzt oft fürchte, die sind im Vergleich gar nicht so schlimm.
    Ich kann sie bewältigen.


    Heute war ich bei einem befreundeten Ehepaar zum Abendessen und anschließendem Romméspielen.

    Natürlich wird mir weh ums Herz, wenn ich sehe, wie liebevoll die beiden miteinander umgehen, wenn ich die kleinen, vertrauten Zeichen bemerke.

    Ich weiß, dass es das nie mehr für mich geben wird und das schmerzt ungeheuer.

    Trotzdem bin ich wahnsinnig froh, die beiden zu haben und treffe mich gerne mit ihnen.

    Die Alternative, nämlich einsam zu Hause zu hocken und zu trauern, ist noch schlimmer für mich.


    Ja, wir sind nicht mehr die, die wir waren und werden es wohl nie mehr sein.

    Aber wir können uns weiterentwickeln.

  • Liebe Steffi,

    auch ich werde von vielen angesprochen, dass ich eine starke Frau bin, die das schafft. Aber ich selber kenne mich nicht wieder, als wäre ich eine andere. Ängstlich, antriebslos und orientierungslos. Was soll das eigentlich alles? Wie soll ich weiterleben? Was macht mir Freude? Was will ich in meinem neuen Leben?

    Fragen über Fragen und ich habe das Gefühl wie ein Schiff auf dem offenen Meer zu sein ohne Kurs. Meine Sicherheit ist verloren gegangen....


    Liebe Sabine,

    ich hoffe inständig, dass ich irgendwann mein neues Leben so annehmen kann wie ich es aus deinen Worten lese und mich wohl fühle. Ich habe verstanden, dass es nie wieder so wird, aber es muss doch irgendwie eine Zufriedenheit entstehen und eine Form von normalem Leben. Im Moment versuche ich nur jeden Tag zu füllen und hinter mich zu bringen und das ist deprimierend und unsagbar anstrengend. Die Trauer um meinen Mann und mein neues Leben beschäftigen mich rund um die Uhr....

    aber ich gebe dir Recht, dass es weniger schlimm ist, wenn ich mit anderen Menschen zusammen bin.

    Ich danke euch, dass ich hier jammern kann, denn in meinem Umfeld versuche ich mich damit zurückzuhalten. Das macht Gespräche so trostlos und ich habe Angst, meine Familie und Freunde damit abzuschrecken. Wer will schon auf Dauer nur trauriges hören...

    Liebe Grüße Martina

  • Liebe Sabine

    Ich kann mich noch nicht mit Paaren treffen. Hab aber das Glück das ich liebe Freundinen habe, die sich zum Hundespaziergang mit mir treffen.

    Es gibt viele Dinge die vorher Joachim erledigt hat und die mich total überfordern.

    Fang dann meist erst mal an zu weinen. Ich mußte auch erst lernen um Hilfe zu fragen.

    Nach Vorne schauen ist noch sehr schwer denn das Leben das ich geliebt habe liegt in der Vergagenheit.

  • Nur kurz, bevor ich ins Büro muss...


    Liebe Martina, wir alle brauchen einen Platz an dem wir klagen und jammern dürfen.

    Mir ging und geht es genau wie dir. Ich hatte ein unheimlich großes Bedürfnis, über meinen verstorbenen Mann zu reden.

    Natürlich habe ich dabei immer geweint.

    Das hält das Umfeld nur begrenzte Zeit aus und ich hatte auch Angst, anderen mit der Zeit auf die Nerven zu gehen.

    Hier im Trauerforum können wir loslassen und unseren Schmerz rausschreien, jeden Tag.

    Die anderen verstehen uns genau.

    Gib dir Zeit, ganz viel Zeit. Alles, was du jetzt fühlst, ist in unserer Situation völlig normal.


    Liebe Steffi, ich weiß, was du meinst.

    Auch bei mir gab es Bereiche, für die war mein Mann zuständig, der Papierkram, das Rasenmähen, die Heizung, der Kaffeevollautomat usw.

    3 Wochen nach seinem Tod war plötzlich der Waschbeckenabfluss im Bad dicht...

    Ich wusste teilweise nicht ein noch aus und war nur verzweifelt.

    Wir kommen nicht umhin, uns bei manchen Sachen Hilfe zu holen, anderes können wir langsam lernen.

    Aber das alles kostet ganz viel Kraft, deshalb sind Ruhepausen besonders wichtig.


    Ja, es wird besser, nicht über Nacht, nur ganz langsam. Ich glaube, der Prozess wird Jahre dauern und vielleicht nie zu Ende gehen.

    Wir können uns irgendwann wieder über etwas freuen, der furchtbare Schmerz wird eher zu Wehmut.

    Wir sind nicht allein, mit uns trauern auf der Welt so viele Menschen um jemanden.

    Wie mächtig dieser Schmerz ist, das wissen wir immer erst, wenn wir selbst betroffen sind.

  • Im Trauercafe wurde uns gesagt wir sollen uns ganz bewußt vor Augen führen was wir schon alles geschafft haben. Man kann es auch aufschreiben. Wenn man dann auf etwas trifft was einen überfordert dann innehalten und überlegen ob man es selbst versucht oder wen man um Hilfe bitten kann.

    Dadurch hält die Panik etwas nicht zu schaffen nicht mehr so lange an. Mir ist schon bewußt das so nicht alle Probleme gelöst werden können.

    Aber alles was ich so schon geschafft habe stärkt mich. Wieder ein Hügel auf meinem Trauerweg erklommen.

  • Liebe Steffi 66,


    in der Trauerverarbeitung habe ich vieles geschafft, aber statt zufrieden

    zu sein, machte sich eine innere Leere breit.

    Ich frage mich jetzt, welchen Sinn mein Leben eigentlich hat, denn alles was ich

    idealisiert habe, ist entwertet.

    Es ist leicht zu sagen, wir sollen uns ganz bewußt vor Augen führen was wir schon alles geschafft haben.

    Meine Trauer hat sich nicht verändert, ich kann sie nur besser verbergen.


    Liebe Grüße

    Maike

  • Liebe Steffi, liebe Sabine, liebe Maike, liebe Mitlesende,


    mir hilft es auch sehr, mir immer wieder vor Augen zu führen, was ich schon alles geschafft habe. Bei mir kommt ja noch die häufige Migräne dazu, die mich am Anfang so sehr hat daran zweifeln lassen, wie ich so ein Leben allein überhaupt schaffen soll. Hier im Forum habe ich aber gelernt, dass es euch auch nicht viel anders ging bzw. geht. Und sich immer wieder daran zu erinnern, dass ich schon vieles geschafft habe, dass vieles nicht so eilig ist wie gedacht oder befürchtet und dass oft auch Hilfe kommt wo man sie gar nicht erwartet hatte, finde ich auch sehr entlastend. Zum Beispiel bei all den Sachen, die vorher mein Mann erledigt hatte und um die ich mich nun zum ersten Mal selbst kümmern muss, aber auch bei den vielen "ersten Malen" ohne ihn. Die fühlen sich erstmal ganz schlimm an, aber mittlerweile weiß ich, dass ich da durch muss und dass es mit jedem Mal danach etwas leichter wird.


    Die Frage nach dem Sinn eines Lebens alleine stellen wir uns wohl alle, und die Antworten, auch die in diesem Forum schon gegebenen, sind so unterschiedlich wie wir eben sind. Mich hat die Sinnfrage schon lange und auch vor dem Tod meines Mannes schon oft beschäftigt, denn das Leben in einer Partnerschaft kann schön und erfüllend sein, aber ausschließlich darin den Sinn zu sehen war mir eigentlich nie genug. Sicher hat der Verlust meines Mannes auch bei mir eine riesige Leerstelle hinterlassen, aber ich denke, ich kann sie auch erstmal so stehen lassen. Die Vorstellung, ich müsste sie jetzt sofort mit einem neuen Sinn ausfüllen, setzt mich doch nur unter Druck.


    Herzliche Grüße

    Sabiene

  • Liebe Sabine

    Als Joachim noch lebte haben er und ich auch viele eigene Dinge gemacht. Natürlich war jeder von uns eine eigene Person. Aber wir waren uns auch des anderen sicher. Konnten und haben uns aufeinader verlassen. Haben zusammen gelacht, geweint, waren ein Team.

    Sein Tod hat mir vor Augen geführt das ich Joachim und seine Liebe als selbstverständlich angesehen habe. Ich dachte so was schlimmes passiert----- aber nur Anderen.


    Dein Gedanke was die Sinnfindung betrifft -------- ist eine neue Denkweise und interessant.