Posts by Kleine Frau

    Manchmal konnte ich am Ende des Tages nicht genau sagen, was ich gemacht habe. Nur eines war ganz sicher, dass ich jeden Tag auf dem Friedhof war. Blumen gebracht, gepflanzt, Kerzen angezündet habe. Aber sonst? Ich weiß es nicht mehr. Später dann habe ich mit den Dingen angefangen, die auf den Fotos sind. Zuerst die Collage. Diese ganzen Aktivitäten haben dann auch sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Aber ich habe das gerne gemacht. Tausende von Bildern sichten, sortieren, mich sehr stark mit mit meinem Schatz beschäftigen.

    Während seiner Erkrankung (10 Monate) habe ich sowas wie ein Tagebuch geführt. So habe ich jeden verdammten Tag dieses Leidens noch einmal gelebt und nochmal gelitten. Jeden Tag bis zu seinem Tod. Ich habe mich damit gequält, mich jeden Tag damit auseinander gesetzt, jeden Tag die Bilder vor mir gesehen.

    Es war so furchtbar, aber ich musste es tun. So schlimm es war, so heilsam ist es gewesen. Nun im zweiten Jahr habe ich mir geschworen, dass ich diese Niederschriften nie mehr lesen werde. Behalten ja, aber nie mehr lesen. Ich habe diese 10 Monate so intensiv noch einmal erlebt, den Schmerz, das Nichthelfenkönnen körperlich und geistig noch einmal alles ausgehalten. Nun habe ich immer noch die Bilder. Die kann man nicht weglegen und sagen, die sehe ich mir nicht mehr an. Sie sind da, sie bleiben da und tauchen immer wieder auf, ob man will oder nicht.

    Aber die permanente Beschäftigung mit der Verarbeitung, die Arbeit mit meinen Projekten, hat die Zeit rasend schnell vergehen lassen. Manchmal frage ich mich, wie ich das alles geschafft habe.

    Heute habe ich die Todesnachricht von einem sehr guten und engen Freund meines Mannes erhalten. Sehr traurig. Ich bin mit der Witwe auch sehr gut befreundet. Da habe ich eine neue Baustelle. Da ist meine Hilfe sehr vonnöten. Ich werde einiges von mir investieren müssen. Hoffentlich habe dazu genug Kraft. Hoffentlich reissen nicht alle meine Wunden wieder auf.

    Vielleicht ziehe ich mich jetzt hier ein bisschen zurück, oder aber ich brauche dieses Forum, um mir manches von der Seele zu schreiben. Für mich nun eine völlig neue Dimension. Was passiert nun mit meiner eigenen Trauer? Wird sie wieder schlimmer?

    Zunächst wünsche ich allen hier eine gute Nacht.

    LG Angela


    Hier mal ein paar Fotos von den Dingen, mit denen ich mich vergangenes Jahr sehr intensiv beschäftigt habe.

    All diese Sachen, die ich ja nun hier bei mir habe, haben mir sehr geholfen, mit der Situation umzugehen.

    Eine Konfrontationstherapie, die ich mir selbst verordnet habe. Manchmal war es schwer, aber es hat sich gut angefühlt, es gemacht zu haben.

    LG Angela

    Es freut mich sehr, dass meine Worte dich so "erreicht" haben.

    Ich bewundere dich, dass du es schaffst, deiner Arbeit nachzugehen. Das ist etwas, was ich mir überhaupt nicht habe vorstellen können.

    Meine Tage sind vor lauter nichts trotzdem rasend schnell vergangen.

    Ich habe aber, wann immer ich es schaffte irgendwas erstellt. Angefangen mit einer Trauercollage, später ein Buch mit unserem Whatsapp-Chat,

    ein Erinnerungsalbum für unser so geliebtes Cabrio und zu guter Letzt ein Fotobuch mit dem Leben meines Schatzes.

    Immer habe ich mich sehr intensiv mit meinem Liebsten beschäftigt. Das hat mir sehr gut getan. Ich weiß aber auch, dass das nicht jeder kann, Es ist eine sehr individuelle Angelegenheit.

    Wenn ich die Fotos entsprechend verkleinert habe, werde ich sie dir gerne mal schicken.

    Jetzt koche ich mir was Leckeres und später guck ich mal wegen der Fotos.


    LG Angela:24:

    Liebe Wanderin,


    erst 2 Monate - das ist gerade erst geschehen. Das ist so frisch. Da ist die Trauer pur. Das Alleinsein, die Einsamkeit - unendlich.

    Schau,bei mir sind es 14 Monate. Nach 2 Monaten konnte ich nichts - ausser jeden Tag zum Grab. Ich weiß noch genau, wie es damals war.

    Erwarte nicht zuviel von dir. Es ist viel zu früh. Du bist im realen Leben noch gar nicht wieder angekommen. Das dauert. Lass dir Zeit und nimm dir die Zeit.

    Ich bin nicht mehr berufstätig, schon seit einigen Jahren nicht mehr. Ich bin froh, dass ich nicht mehr arbeiten muss - ich hätte nicht gewußt, wüsste heute nicht, wie ich das schaffen sollte. Ich vermute mal, dass wir ähnlich alt sind.Ich bin jetzt 61.

    Meine Trauerbegleiterin hat mir immer einen Satz mit auf den Weg gegeben: Seien sie gut zu sich, auch wenn sie glauben, das nicht zu können.

    Nach einiger Zeit lernt man das und irgendwann kann man das. Und wenn man anfängt, gut zu sich zu sein, dann wird auch um einen herum wieder einiges besser.

    Nicht alles gut, aber manches besser. Du wirst ihn immer vermissen, er wird dir für immer fehlen. Das wird dich für den Rest deines Lebens begleiten. Aber irgendwann kannst du es besser ertragen. Aber du brauchst Geduld, denn es ist ja erst eben passiert. Da ist das völlig in Ordnung, dass du dich nicht gut fühlst. Lasse es zu. Es tut weh, aber je mehr man es zuläßt, umso heilsamer wird es sein.

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft und ich schicke dir eine fette Umarmung.

    LG Angela

    Liebe Wanderin,


    wie lange ist dein Schatz schon nicht mehr bei dir?

    Es ist schön zu hören, dass du mir deiner Enkelin Freude gehabt hast. Ja, dieses "danach", wenn Menschen, die bei dir waren, wieder weg sind, kenne ich nur zu gut. Das passiert mir auch immer noch. Es wird uns noch eine Weile begleiten. Trotzdem ist es gut, wenn du diese kleinen unbeschwerten Momente zuläßt. Dein Schatz hätte das bestimmt so gewollt. Ich denke, dein Verlust liegt noch nicht so lange zurück, wie bei mir. Wenige Monate nach seinem Tod hätte ich mir eine Reise ohne ihn auch niemals vorstellen können. Ich konnte mir überhaupt nichts ohne ihn vorstellen. Egal was ich dachte und machte - es tat einfach nur schrecklich weh.

    Auch heute wünsche ich ihn zurück, damit er die Dinge wieder mit mir gemeinsam erleben kann. Vielleicht bleibt dieser Wunsch für immer. Nur eines weiß ich inzwischen ganz genau, nämlich dass er meine Geschicke von oben lenkt. Alles, was sich jetzt in meinem Leben ereignet, fühlt sich so gut und so richtig an. Er ist ständig an meiner Seite. Die neue Wohnung (erst im Spätherbst), das neue Auto und die Kraft in mir, Dinge anzugehen, die ich mich früher nicht getraut hätte.

    Das hat kurz nach dem ersten Todestag angefangen. Die Wochen davor waren die Hölle für mich. Ich glaubte, dass alles immer dunkel und grau sein würde. Die Trauer war so tief, es gab gefühlt eimerweise Tränen. Aber so etwa eine Woche danach, hat mich diese neue Wohnung gefunden. Ich habe gesucht, aber die Wohnung hat mich gefunden. Plötzlich fühlte es sich so gut und so richtig an. Und so geht es nun seit einigen Wochen weiter. Zwischendurch ein tiefes Tal, als mein Schatz zum zweiten Mal Geburtstag hatte, den er nicht mehr erleben durfte. Aber es wurde wieder besser. Im Moment bin ich ziemlich zufrieden, wie es läuft. Ich weiß aber auch, dass es wieder Tiefpunkte geben wird. Aber vielleicht schaffe ich es, diese besser zu durchleben.

    Solch eine Entwicklung wünsche dir und allen da draußen von Herzen. Der Weg ist nicht eben und glatt - viele Steine liegen im Weg. Aber es lohnt sich, diese aus dem Weg zu räumen, bzw. drüber zu springen.

    LG Angela

    Guten Morgen, liebe Wanderin,


    ich hoffe, du hattest eine gute Nacht mit deiner Enkelin.

    Gerade habe ich etwas Zeit - später bin ich mit meiner Trauerbegleiterin verabredet.

    Ja, das Thema Reisen beschäftigt mich schon lange. Unsere gemeinsamen Reisen waren allesamt Highlights in meinem, bzw. unserem Leben.

    Mein Schatz war ein Cosmopolit und hat mir nahezu die ganze Welt gezeigt, sie mir quasi zu Füßen gelegt. Wir sind jedes Jahr mehrere Wochen auf Reisen gewesen.

    Da war viel möglich in unserer Tätigkeit. Wir waren vor vielen Jahren auf Hawaii, ein absoluter Traumurlaub. Mein Liebster hat danach immer gesagt, dass er nie nochmal dorthin will, weil es so schön war. Eine zweites Mal könne uns nur enttäuschen. Tatsächlich sind wir für 2 Tage im Rahmen unserer ersten Weltreise nochmals da gewesen. Und es war toll, aber eben nicht so toll wie beim ersten Mal. Bei der ersten Reise haben wir uns jeder so ein typisches Hawaiihemd gekauft. Diese habe ich immer noch. Ich glaube, dass ich geschrieben habe, dass ich eine Dame gefunden habe, die aus Hemden von Verstorbenen Kissen näht.

    Nun habe ich ihr diverse Lieblingshemden von meinem Mann geschickt, damit sie mir etwas daraus zaubern kann.

    Unter anderem habe ich ihr diese beiden Hawaiihemden geschickt. Daraus wird sie mir Herzen in unterschiedlichen Größen nähen. Mein ganz tiefer Wunsch ist es, irgendwann nach Hawaii zu fliegen, um dort eines dieser Herzen zu begraben. Heute weiß man ja nicht, ob sowas jemals wieder möglich sein wird?

    Ansonsten würde ich mir schon wünschen, wieder zu reisen. Ich weiß, dass er es so wollte. Im Moment habe ich noch keine rechte Vorstellung, was ich machen würde. Vielleicht erstmal eine kleine Kreuzfahrt um zu sehen, ob ich das ohne ihn ertragen kann. Vielleicht mal ein paar Tage auf irgendeine Insel.

    Ich kann es noch nicht sagen, aber so ganz tief in mir drin lebt dieser Wunsch. Und ich weiß, dass mein Schatz mich überall hin begleiten würde, immer bei mir wäre. Vielleicht entdeckst du auch irgendwann diesen Wunsch ganz tief in dir, wieder etwas zu erleben.

    Dein Schatz ist noch nicht so lange weg von dir, wie bei mir. Da hat man für sowas keinen Kopf und kann sich nicht vorstellen, jemals an sowas denken zu können.

    Weisst, du, heute ist ein wunderschöner Tag mit ganz viele Sonne. Das ist schön. Trotzdem bin ich an solchen Tagen manchmal viel trauriger, als an grauen Tagen.

    Sie erinnern mich umso intensiver an unsere Unternehmungen. Das ist immer mit Sonne, Sonnenuntergängen, Vollmondnächten und vielen anderen Gefühlen verbunden. Die schönen Cabriotouren durch die Berge oder die Toskana. Mit dem Schiff über die 7 Weltmeere. Unsere Rundreisen. Ich habe solch ein Füllhorn an wunderbaren Erinnerungen und Fotos, bzw. Videos. Eigentlich bräuchte ich nie mehr zu verrreisen. Aber ich weiß ja auch gar nicht, was diese so unstete Zeit noch für uns bereithält.

    Ich wünsche dir einen schönen Tag mit vielen guten Erinnerungen und Momenten.

    LG Angela

    Liebe Wanderin,

    da sind ja schon einige ähnliche Aspekte in unseren Leben mit unseren Liebsten. Die Sicherheit durch ihn. Dass sich unsere Männer so super um alles gekümmert haben. Auto, Papierkram usw. Vielleicht waren sich unsere Männer sogar ein bisschen ähnlich.

    Ihr hattet 40 gemeinsame Jahre - eine gefühlte Ewigkeit. Wir waren ein spätes Paar und hatten nur 22,5 Jahre miteinander. Die Liebe meines Lebens - die echte Liebe auf den ersten Blick.

    Die verbleibenden Jahre werden anders sein. Unsere Liebsten sind nicht mehr da und kommen auch nie mehr zurück. Ob diese Jahre schön werden, weiß ich auch noch nicht. Ich bin im Moment einigermaßen zufrieden mit dem was ist. Aber glücklich - NEIN. Auch oft einsam, allein, traurig. Das wird vielleicht auch für immer so bleiben. Zufrieden ist eine Momentaufnahme. Wer weiß, was hinter der nächsten Tür lauert?

    Aber eins ist sicher, zumindest für mich, und das ist seine Stärke und Kraft, die mir das Vorwärtsgehen leichter macht. Er ist mir so nah und das ist gut so. Denn diese Kraft benötige ich fürs Weitermachen. Eine Entwicklung, die nach dem ersten Todestag einsetzte. Als hätte mein Liebster danach für mich entschieden, dass es von nun an vorwärts gehen muss. Manchmal weiß ich nicht, ob ich die richtigen Worte finde.

    Niemals wird sich die Lücke füllen lassen, die hinterlassen wurde. Ich will das auch gar nicht. Diese Lücke ist ja nun ein Teil meines Lebens. Um diese Lücke herum muss ich was Neues aufbauen. Etwas, womit ich mit mir zurecht komme, mit mir allein.

    Weil wir ja nun alleine sind, unabhängig von Verwandschaft oder Freunden.

    Ja, nun verabschiede ich mich in die Nacht und wünsche allen da draußen einen erholsamen, heilsamen Schlaf.

    Gute Nacht

    Angela Ein Bild aus guten Zeiten. Auf unserer Weltreise in Auckland/Neuseeland.<3<3<3

    Hallo zusammen,


    das Leben ohne den Liebsten an der Seite ist so anders. Alles was man macht, muss man für sich entscheiden. Da gibt es keine Ratschläge mehr vom Schatz.

    Oft, wenn er zu seinen Lebzeiten zu mir gesagt hat, dass musst du auch alleine können, fand ich das nicht so toll. Für mich war ja immer sonnenklar, dass wir noch ewig zusammen sein werden. Und ich wollte viele Dinge nicht gerne lernen. Heute, im Rückblick, bin ich ihm so dankbar, dass er mich Dinge hat tun lassen, die ich nicht wollte. Das ist ja auch unbequem, wenn da einer ist, der alles für einen macht. Hat er im Grunde ja auch, aber eben nicht immer. Ohne diese "Lehrstunden" wäre ich heute nicht da, wo ich jetzt bin. Aus dem so "unbeholfenen Seelchen" ist inzwischen eine erwachsene Frau geworden. Und das habe ich nur und ausschließlich meinem Schatz zu verdanken. Er fehlt mir immer noch sehr und ich vermisse ihn bei allem was ich mache, weiß aber auch, dass er bei mir ist und mich mit seiner mentalen Stärke unterstützt. Mein Schatz war ein sehr selbstbewußter Mann und hat unter meiner von mir gefühlten "Minderwertigkeit" immer gelitten. Er war häufig so traurig, dass ich so war wie ich war.

    Aber was immer jetzt geschieht, mein Umzug, das neue Auto, andere Sichtweise auf viele Dinge, hat damit zu tun, dass er mir seine Hilfe gibt. Ganz viel fühlt sich auf einmal so richtig an. Es ist in mir eine Wandlung geschehen. Ich versuche meinen Weg zu gehen, ohne ihn an meiner Seite, aber mit ihm und seiner Kraft in mir.

    Manchmal kann ich es nicht so richtig beschreiben. Ich bin ihm so dankbar für alles, was er mir jetzt möglich macht. Niemals hätte ich es für möglich gehalten, nochmal etwas in meinem Leben als richtig zu bezeichnen.

    Mein Schatz war mir ein hervorragender Lehrer und mein Mentor. Und dafür kann ich ihm niemals genug danken. Jeden Tag, wenn ich sein Grab besuche, dann richte ich meinen Dank an ihn und sage ihm, wie sehr ich ihn von Herzen liebe.

    Ich weiß nicht, ob ihr meine Worte so für euch deuten könnt, aber ich wünsche jedem von euch, dass ihr eure Liebsten auf diese Art und Weise weiterhin lieben könnt. In Dankbarkeit, aber auch mit Tränen und Trauer. Irgendwie gehört das für mich zusammen.

    LG Angela

    In den ersten Monaten habe ich mir nichts mehr gewünscht, als dass der liebe Gott mich endlich abholt und zu ihm bringt. Diese Phase habe ich größtenteils überwunden. Trotzdem kommt der Gedanke an schlechten Tagen wieder auf.

    Es sind zwar inzwischen 14 Monate vergangen, aber die Erinnerung ist nicht verblasst. Er ist mir immer noch sehr nah. Habe überall Bilder von ihm und einen Ort, wo immer ein Kerzlein brennt und kleine Erinnerungsstücke, mitsamt Bild stehen. Ich sehe ihn beim Einschlafen, ich sehe ihn beim Aufwachen.

    Aber trotz der noch vorhandenen Trauer, des Vermissens und des Alleinseins, kann ich heute Dinge tun und planen, die für mich sind. Wohl wissend, dass er mich dabei unterstützt und mir Stärke von der anderen Seite gibt.

    Ich glaube ganz fest daran, dass wir uns in seiner Welt wiedersehen. Anders, aber ja.

    Ob die Erinnerungen an unsere Liebsten verblassen, liegt ganz bei uns. Was wir tun, um sie bei uns zu behalten. Die Trauer wird vielleicht für immer bleiben und auch der Schmerz wird ein Teil von uns sein und bleiben, aber das Empfinden der Trauer kann anders werden und es wird anders.

    Unsere Liebsten bleiben doch für immer ein Teil unseres Lebens und daher können wir sie niemals verlieren....

    LG Angela

    Hallo, all ihr Lieben da draussen,


    ich habe mich seit einiger Zeit nicht gemeldet, aber ich habe euch lesend verfolgt. Mein Liebster ist nun seit etwas mehr als 14 Monate nicht mehr bei mir. Ja, das Vermissen bleibt. Manchmal fühlt es sich schlimmer an, als am Anfang. Vielleicht wird es mit zunehmender Zeit viel bewusster, dass der so geliebte Mensch nie, nie wieder kommt. Banalitäten bringen mich zum Weinen. Egal was man tut, er fehlt einfach. Da ist ein großes Loch, welches sich durch nichts stopfen läßt.

    Im Spätherbst werde ich umziehen. Nun muss ich beginnen, Dinge auszusortieren. Ich habe meine Trauerbegleiterin gefragt, was ich mit all seinen Anziehsachen machen soll. Sie hat mir eine Näherin empfohlen, die aus Hemden Kissenbezüge näht. Diese Idee finde ich so wunderschön, dass ich nun seine Lieblingshemden eingepackt habe, um sie dieser Dame zu schicken. Was für eine wunderschöne Idee. So bleiben diese Kleidungsstücke für immer bei mir.

    Die Trauer ist immer noch da, aber manchmal fühlt sie sich etwas andres an. Ich kann es gar nicht so recht beschreiben. Aber ich spüre seine Kraft bei mir. Ich habe in den letzten Tagen so viele Dinge gemacht, die ich mir bisher niemals zugetraut hätte. Ich bin erstmals seit 40 Jahren im Schnee Auto gefahren. Ich habe ganz alleine eine Probefahrt mit einem neuen Auto gemacht (mein altes Auto ist etwas in die Jahre gekommen und wird nun ersetzt). Da weiß ich, dass er mit mir ist. Mir den Mut und den Glauben gibt, das alles schaffen zu können. Die Trauer, dass er mich nicht mehr persönlich begleitet ist ja da, aber ich weiß eben auch, dass er in irgendeiner Weise meine Geschicke lenkt und mir die richtigen Zeitpunkte vorgibt, wann ich mich mit gewissen Dingen auseinander setzen soll.

    Das ist es, was mich weitermachen läßt. Trotzdem gibt es viele traurige Momente. Dann laufe ich über, kriege mich kaum wieder ein. Aber das eine kann nicht ohne das andere sein. Ich bin meinem Liebsten so dankbar, dass er einen Weg gefunden hat, mir seine Kraft, die er zu gesunden Lebzeiten besessen hat, in gewisser Weise an mich weiterzugeben. Er wollte immer eine starke Frau, die ich weiß Gott nicht immer war. Aber ich habe ihm versprochen stark zu sein. Und nun versuche ich, mein Verprechen einzulösen. Der Weg ist noch lang, aber mit seiner Hilfe werde ich ihn gehen können.

    Ich wünsche euch allen, die da trauern, dass es euch irgendwann ein bisschen besser geht. Es dauert, und die Veränderungen merkt man erst viel später. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten. Aber mit der Kraft eurer Liebsten könnt ihr euch auf einen guten Weg begeben. Der Weg ist uneben, aber es lohnt sich, ihn zu gehen. Manchmal geht man auch mal ein paar Schritte zurück (besonders an Jahrestagen).

    Ich wünsche euch alles Liebe und ganz viel Kraft.


    Angela "Kleine Frau"

    Ja, liebe Wanderin, ich lebe alleine.

    Ich könnte mir nicht vorstellen, jemals wieder eine neue Beziehung zu haben. Meinen geliebten Mann kann man nicht ersetzen.

    Ich habe eine liebevolle Familie, 2 Söhne, 1 Schwiegertochter und einen bezaubernden Enkel. Und es sind ein paar, aber wenige

    Freunde geblieben.

    Auch heute kann ich das Alleinsein manchmal nicht ertragen. In diese leere Wohnung zu kommen, keine Antwort zu bekommen ist schlimm.

    Und ich weiß nicht, ob sich das jemals ändert. Das Vermissen bleibt. Es ist schwer, alleine zu sein. Sich nicht austauschen können.

    Ich vermisse unsere Reisen, alles, was wir zusammen gemacht haben. Ich verstehe dich so gut, dass allein sein manchmal unerträglich ist.

    Ich habe viele Dinge gemacht, wodurch ich mich mit ihm verbunden fühle. Ein Kissen mit seinem Bild, ein Buch mit unserem Whatsapp-Chat,

    ein Fotobuch von meinem Schatz aus den Jahren unserer gemeinsamen Zeit. Ein Erinnerungsalbum von unserem so geliebten Cabrio von unseren zahlreichen Touren. Manchmal tut es weh, solche Sachen anzugehen, aber am Ende tun sie so gut. Gerne sitze ich hier und schaue die Bilder. In diesen Momenten wird er wieder so lebendig. So wie er gerne noch geblieben wäre.

    Seine Erkrankung dauerte nicht so lange. Von der Diagnose bis zum Ende waren es gerade 10 Monate. Es war schnell und schrecklich. Nicht den Hauch einer Chance. Natürlich kommen immer all die Bilder wieder und wieder. Dagegen kann und sollte man sich nicht wehren.

    Sich mit dem Liebsten zu beschäftigen tut weh, ist aber sehr hilfreich. Zumindest für mich. Das fühlt aber jeder anders. Das musst du für dich herausfinden.

    Ich wünsche dir, dass du einen Weg findest, der für dich gangbar ist. Einfach alles ausprobieren. Vielleicht findest du etwas, was dir richtig gut tut.

    Und auch, dass du eine gute Trauerbegleitung findest. Gruppen gehen nun leider nicht. Ich hatte bisher auch noch keine Chance dazu.

    LG und eine liebevolle Umarmung und eine gute Nacht.

    Angela

    P.S. Schreibe dir hier alles von der Seele. Wir alle verstehen dich, denn wir alle haben Ähnliches erlebt.

    Liebe Wanderin,

    ich bin gerade mal wieder hier im Forum. Es tut mir leid, dass du deinen Liebsten verloren hast. Bei mir ist es nun 14 Monate her, dass mein geliebter Mann von mir gegangen ist. Trotzdem habe ich nicht vergessen, wie schlimm die erste Zeit war. Damals wäre ich dankbar gewesen, wenn der liebe Gott mich auch abgeholt hätte. Ich wollte nichts mehr als bei meinem Schatz zu sein. Wir haben gemeinsam gelitten und gekämpft. Am Ende war ich allein - ohne ihn. Auch heute vermisse ich ihn ohne Ende. Und ich wünsche mir nichts mehr, als dass er zurückkommt. Dass ich mein Leben, meine Zeit wieder mit ihm verbringen könnte. Aber dieses "Nie mehr" begleitet mich nun ständig. Nach nun mehr als einem Jahr habe ich ein paar neue Projekte, ich werde umziehen (hier erinnert mich jede Ecke an ihn, ich kann nicht in unserem Bett schlafen, ich hasse den leeren Handtuchhalter im Bad usw.). Ich werde mir ein neues Auto kaufen. Ich mache es alles allein, aber er fehlt mir so sehr bei Entscheidungen. Alles Dinge, die mein Liebster für mich geregelt hat. Aber ich bin in den Monaten auch sehr gewachsen. Ich weiß, dass er immer an meiner Seite ist, dass er seine Hände über mich hält. Er wollte immer gerne eine starke Frau, er hat mich dazu gemacht. Und heute werde ich immer stärker. Und das verdanke ich nur meinem geliebten Mann. Wir haben 3 Tage vor seinem Tod geheiratet. Zuvor waren wir 23 Jahre ein Paar. Ein spätes Paar. Die Liebe auf den ersten Blick und die Liebe unseres Lebens. Wir hatten wundervolle 23 Jahre zusammen. Er hat mir die Welt gezeigt. Er hat meine Kinder geliebt. Er war mein, unser Alles. Immer eine Lösung, immer einen Rat, immer da, für jeden.

    Ich kann dich so gut verstehen, wenn dieser wichtigste Mensch im Leben nicht mehr da ist. Wie es sich anfühlt, wie man sich fühlt. Es ist so schwer, so traurig, so herzzerreißend, sooo furchtbar.

    Am 6.4. hatte mein Schatz Geburtstag. Es war der 2. nach seinem Tod. Auch nach dieser Zeit tut das unsäglich weh. Die Trauerwellen kommen und gehen.

    Es fliessen auch nach so vielen Monaten sehr oft Tränen. Vielleicht wird es so bleiben. Ich weiß es nicht. Aber es wird auch manchmal hell.

    Jeder lebt seine Trauer anders. Ich habe eine tolle Trauerbegleiterin, es gibt ja leider wegen Corona keine Gruppen. Sie ist mir eine große Hilfe gewesen und ist sie immer noch. Du Solltest dir unbedingt jemanden suchen. Es ist wichtig und gut.

    Ich wünsche dir viel Kraft, gute Freunde, eine Familie, die zu dir steht. Es ist eine schwere Zeit, aber mit Hilfe und Unterstützung wirst du ganz langsam deinen Weg finden und gehen. Ich wünsche dir alles erdenklich Gute.

    Sei lieb umarmt und gedrückt.

    LG Angela "Kleine Frau"

    Ja, manchmal kann die Dunkelheit tröstlich sein.

    Immer sagen alle, wenn die Sonne scheint, dann wird alles besser. Ich kann das so nicht sagen. Wenn die Sonne scheint, muss ich immer an die

    vielen glücklichen Tage denken, die mein Schatz und ich gehabt haben. Die meisten Erinnerungen sind mit Sonne verbunden.

    Sei umarmt und ich wünsche dir einen ruhigen Abend und eine ebenso ruhige Nacht.


    LG Angela

    Ich finde es wirklich sehr traurig, dass du keinerlei Unterstützung durch deine Familie erhälst. Das sind ja normalerweise die Menschen, die einem am nächsten sind.

    Bei mir liegt es mehr am Freundeskreis. Da haben sich einige komplett abgemeldet. Bei anderen werden die verbliebenen Kontakte immer seltener.

    Ich weiß nicht warum, aber ich habe dafür keine Kraft, das zu hinterfragen. Irgendwie ist man über geblieben. Und damit kann man offensichtlich nicht umgehen.

    Nun wünsche ich, dass du eine ruhige und erholsame Nacht hast.

    Und übrigens, deine Befindlichkeiten sind niemals "Gejammer". Wann immer du magst, lass hier alles raus.

    LG Angela

    Wir sitzen alle "im selben Boot". Eigentlich eine Phrase. Aber Corona hat uns allen sehr böse mitgespielt. Mangelnde Kontakte. Niemand nimmt einen in den Arm.

    Manchmal tröstende Worte. Aber nicht genug, um unseren einsamen Seelen zu helfen.

    Man sitzt da und denkt, was wäre ohne Corona gewesen? Vielleicht hätte man die Chance gehabt, Gleichgesinnte zu treffen und sich auszutauschen.

    Denn so richtig verstehen tun Außenstehende unsere Situationen nicht.

    Ich bin froh, dass dieses Wochenende wieder vorüber ist. Wochenenden sind schrecklich. Mein Schatz ist an einem Sonntag gestorben. Also sind Sonntage immer die Hölle. Es ist ja nun mehr als ein Jahr her, aber daran hat sich nichts geändert.

    Jetzt nach einem Jahr wird mir täglich bewußter, dass er nie wieder kommt. Und das Alleinsein ist teilweise kaum auszuhalten. Man starrt das Telefon an und hofft, dass mal jemand anruft. Aber es schweigt, genau wie alles um mich herum. Da hilft kein Radio oder Fernsehen. Da hilft nichts. Diese Stille!!!

    Ich habe ein bisschen Hoffnung, dass ich mich besser fühle, wenn ich mal umgezogen bin. Er geht mit mir und wird dort seine Plätzchen bekommen. Bilder, Kerzen und Blumen so wie jetzt hier auch.

    Ich wünsche euch allen, dass es irgendwann leichter wird. Meine Trauerbegleiterin sagt immer, dass die Trauer bleibt, aber sie verändert sich und wird somit leichter. Aber vermissen werden wir unsere Liebsten für immer. Sie können durch nichts und niemanden jemals ersetzt werden.


    LG Angela


    P.S. Liebe Nasch, du hattest irgendwann mal erwähnt, dass du in Bayern lebst.

    Hallo, liebe Nasch,


    du weinst. Ich kann dich so gut verstehen und drücke dich ganz fest. Wenn das Wetter bei dir genau so scheußlich ist, wie hier, dann kann ich dich umso mehr verstehen. Auch ich habe seit Tagen immer wieder Durchhänger. Immer wieder fließen Tränen. Da reichen Kleinigkeiten, wie der leere Handtuchhalter im Bad.

    Der bringt mich bei jedem Putzen an meine Grenze. So ein blöder Handtuchhalter.

    Wie geht es dir so im Allgemeinen, hat sich was bezüglich deiner Familie getan? Ich wünsche es dir so sehr.

    Ich merke ja auch immer wieder, wie wichtig meine Familie (meine Kinder mit Anhang) für mich ist. Große Freude immer mit meinem süßen Enkel (19 Mon.)

    Da ich ja jeden Tag zum Grab gehe, um dort Kerzlein anzuzünden, zu beten und zu verweilen, bin ich auch heute dorthin gefahren. Es hat geschüttet wie aus Eimern, trotzdem war ich dort. Ich war durchnäßt, als wieder zu Hause angekommen bin. Aber ich mache es für meinen Schatz. Er soll es immer schön haben.

    Im Moment, bei dem vielen schlechten Wetter habe ich mit aufräumen begonnen. Da ich im Spätherbst umziehe in eine etwas kleinere Wohnung, kann ich leider nicht alles mitnehmen. So schaue ich mir alles in Ruhe an, z.B. alte Reisunterlagen, alte Bücher und was man so rumstehen hat. Es graut mir vor dem Moment, wo ich mich von den Anziehsachen meines Schatzes trennen muss. Inzwischen habe ich schon die Sachen, die ich behalten möchte, zur Seite gehangen. Aber da bleibt noch ein großer Rest. Ich hoffe, dass mir bei Zeiten jemand hilfreich zur Seite steht. Denn das schaffe ich nicht alleine.


    Ganz, ganz liebe Grüße nach Bayern aus dem verregneten NRW

    Angela