• Hab das Buch kürzlich geschenkt bekommen und fand es einfühlsam und wohltuend geschrieben.

    Es geht um Wege durch eine schwere Zeit..

    Auszüge aus dem Inhaltsverzeichnis:

    z.B. Eine neue Wirklichkeit...Unfassbar...Umziehen in ein anderes Leben...Nur diesen Tag bestehen...Eiszeit..Wohin mit den Gefühlen...

    Liebe Grüße von mir

  • Hallo, all ihr Lieben da draussen,


    ich habe mich seit einiger Zeit nicht gemeldet, aber ich habe euch lesend verfolgt. Mein Liebster ist nun seit etwas mehr als 14 Monate nicht mehr bei mir. Ja, das Vermissen bleibt. Manchmal fühlt es sich schlimmer an, als am Anfang. Vielleicht wird es mit zunehmender Zeit viel bewusster, dass der so geliebte Mensch nie, nie wieder kommt. Banalitäten bringen mich zum Weinen. Egal was man tut, er fehlt einfach. Da ist ein großes Loch, welches sich durch nichts stopfen läßt.

    Im Spätherbst werde ich umziehen. Nun muss ich beginnen, Dinge auszusortieren. Ich habe meine Trauerbegleiterin gefragt, was ich mit all seinen Anziehsachen machen soll. Sie hat mir eine Näherin empfohlen, die aus Hemden Kissenbezüge näht. Diese Idee finde ich so wunderschön, dass ich nun seine Lieblingshemden eingepackt habe, um sie dieser Dame zu schicken. Was für eine wunderschöne Idee. So bleiben diese Kleidungsstücke für immer bei mir.

    Die Trauer ist immer noch da, aber manchmal fühlt sie sich etwas andres an. Ich kann es gar nicht so recht beschreiben. Aber ich spüre seine Kraft bei mir. Ich habe in den letzten Tagen so viele Dinge gemacht, die ich mir bisher niemals zugetraut hätte. Ich bin erstmals seit 40 Jahren im Schnee Auto gefahren. Ich habe ganz alleine eine Probefahrt mit einem neuen Auto gemacht (mein altes Auto ist etwas in die Jahre gekommen und wird nun ersetzt). Da weiß ich, dass er mit mir ist. Mir den Mut und den Glauben gibt, das alles schaffen zu können. Die Trauer, dass er mich nicht mehr persönlich begleitet ist ja da, aber ich weiß eben auch, dass er in irgendeiner Weise meine Geschicke lenkt und mir die richtigen Zeitpunkte vorgibt, wann ich mich mit gewissen Dingen auseinander setzen soll.

    Das ist es, was mich weitermachen läßt. Trotzdem gibt es viele traurige Momente. Dann laufe ich über, kriege mich kaum wieder ein. Aber das eine kann nicht ohne das andere sein. Ich bin meinem Liebsten so dankbar, dass er einen Weg gefunden hat, mir seine Kraft, die er zu gesunden Lebzeiten besessen hat, in gewisser Weise an mich weiterzugeben. Er wollte immer eine starke Frau, die ich weiß Gott nicht immer war. Aber ich habe ihm versprochen stark zu sein. Und nun versuche ich, mein Verprechen einzulösen. Der Weg ist noch lang, aber mit seiner Hilfe werde ich ihn gehen können.

    Ich wünsche euch allen, die da trauern, dass es euch irgendwann ein bisschen besser geht. Es dauert, und die Veränderungen merkt man erst viel später. Manchmal sind es nur Kleinigkeiten. Aber mit der Kraft eurer Liebsten könnt ihr euch auf einen guten Weg begeben. Der Weg ist uneben, aber es lohnt sich, ihn zu gehen. Manchmal geht man auch mal ein paar Schritte zurück (besonders an Jahrestagen).

    Ich wünsche euch alles Liebe und ganz viel Kraft.


    Angela "Kleine Frau"

  • Hallo Kleine Frau,

    du beschreibst das sehr treffend und davor habe ich Angst.

    Es vergeht ein Monat nach den anderen und meine Frau entfernt

    sich immer mehr von mir.

    Gerade noch gesehen und nun nicht mehr greifbar.

    Wenn Jahr für Jahr vergeht und nur eine immer mehr verblassene

    Erinnerung bleibt, was bleibt da für uns?

    Meine Frau sagte mir immer wieder ich solle nach ihrem Tod wieder

    glücklich werden.

    Nur wie ohne Sie?

    Sich ablenken egal wie ist doch nur eine Lüge.

    Wenn mein Sohn nicht wäre würde ich den Tod begrüssen.

    Ob ich da nun meine Frau wiedersehe ist fast egal.

    Nur dieser verdamte Schmerz und das Alleinsein tut so weh.

    Wenn Sie nicht auf der anderen Seite ist, wenn es dort nichts gibt

    würde ich den Tod trotzdem begrüßen um nur nicht so leiden zu müssen.

    Herzlichst...

  • In den ersten Monaten habe ich mir nichts mehr gewünscht, als dass der liebe Gott mich endlich abholt und zu ihm bringt. Diese Phase habe ich größtenteils überwunden. Trotzdem kommt der Gedanke an schlechten Tagen wieder auf.

    Es sind zwar inzwischen 14 Monate vergangen, aber die Erinnerung ist nicht verblasst. Er ist mir immer noch sehr nah. Habe überall Bilder von ihm und einen Ort, wo immer ein Kerzlein brennt und kleine Erinnerungsstücke, mitsamt Bild stehen. Ich sehe ihn beim Einschlafen, ich sehe ihn beim Aufwachen.

    Aber trotz der noch vorhandenen Trauer, des Vermissens und des Alleinseins, kann ich heute Dinge tun und planen, die für mich sind. Wohl wissend, dass er mich dabei unterstützt und mir Stärke von der anderen Seite gibt.

    Ich glaube ganz fest daran, dass wir uns in seiner Welt wiedersehen. Anders, aber ja.

    Ob die Erinnerungen an unsere Liebsten verblassen, liegt ganz bei uns. Was wir tun, um sie bei uns zu behalten. Die Trauer wird vielleicht für immer bleiben und auch der Schmerz wird ein Teil von uns sein und bleiben, aber das Empfinden der Trauer kann anders werden und es wird anders.

    Unsere Liebsten bleiben doch für immer ein Teil unseres Lebens und daher können wir sie niemals verlieren....

    LG Angela

  • Ich habe mir dieses Vorwort auch mal durchgelesen, ja es könnte evtl. helfen.

    Ich werde es wohl mal kaufen.

    Was mir sehr fehlt ist einfach die eine oder andere gute Freundin von meiner Frau,

    die sie hinterher nie hatte.

    Eine die meine Frau so in und auswendig kennt wie ich, nur von dieser Freundschaftsseite

    her.

    Ich könnte mir vorstellen das man sich da sehr gut austauschen könnte, dies wäre auch eine Person

    die auf andere Weise wohl nicht so richtig über Ihren Tod hinwegkommt.

    Leider gibt es diese nicht.

  • Liebe Angela,

    kann alles was du schreibst so gut nachvollziehen, danke dir sehr dafür.
    Mein Mann ist noch nicht solange weg, aber mir ist jetzt schon klar, dass mein Leben nie wieder so wird wie mit ihm.

    Ich vermisse ihn unendlich und habe keine Sorge, dass die Erinnerung an ihn jemals verblassen könnte.

    Dafür waren wir zu lange zusammen und haben zusammen zu viel erlebt und standen uns so nahe.

    Ich kann es noch nicht richtig fassen, dass er tatsächlich nicht mehr kommt...ich weiß es, aber bin fassungslos...

    Bin völlig desorientiert was mein künftiges Leben angeht und endlos traurig, dass wir nicht zusammen alt werden können.

    Ich finde es sehr schön, dass du seine Kraft bei dir spürst...auch mir ging es schon so ähnlich.

    Ich weiß, dass mein Mann sich wünscht, dass ich stark bin und für unsere Kinder und Enkel da sein kann.

    Momentan ist das eher umgekehrt der Fall, aber ich hoffe, dass es mir irgendwann wieder etwas besser geht.

    Gehe davon aus, dass das noch lange dauern wird.

    Die Lücke in meinem Leben wird immer bleiben, will auch gar nicht, dass sie ausgefüllt wird.

    Er wird immer bei mir sein.

    Es wäre mir lieber, ich wäre schon richtig alt und müsste nicht mehr so lange warten, bis ich wieder bei ihm sein kann.

    Dieser Herzschmerz ist manchmal kaum auszuhalten.

    Liebe Grüße an euch alle

  • Hallo zusammen,


    das Leben ohne den Liebsten an der Seite ist so anders. Alles was man macht, muss man für sich entscheiden. Da gibt es keine Ratschläge mehr vom Schatz.

    Oft, wenn er zu seinen Lebzeiten zu mir gesagt hat, dass musst du auch alleine können, fand ich das nicht so toll. Für mich war ja immer sonnenklar, dass wir noch ewig zusammen sein werden. Und ich wollte viele Dinge nicht gerne lernen. Heute, im Rückblick, bin ich ihm so dankbar, dass er mich Dinge hat tun lassen, die ich nicht wollte. Das ist ja auch unbequem, wenn da einer ist, der alles für einen macht. Hat er im Grunde ja auch, aber eben nicht immer. Ohne diese "Lehrstunden" wäre ich heute nicht da, wo ich jetzt bin. Aus dem so "unbeholfenen Seelchen" ist inzwischen eine erwachsene Frau geworden. Und das habe ich nur und ausschließlich meinem Schatz zu verdanken. Er fehlt mir immer noch sehr und ich vermisse ihn bei allem was ich mache, weiß aber auch, dass er bei mir ist und mich mit seiner mentalen Stärke unterstützt. Mein Schatz war ein sehr selbstbewußter Mann und hat unter meiner von mir gefühlten "Minderwertigkeit" immer gelitten. Er war häufig so traurig, dass ich so war wie ich war.

    Aber was immer jetzt geschieht, mein Umzug, das neue Auto, andere Sichtweise auf viele Dinge, hat damit zu tun, dass er mir seine Hilfe gibt. Ganz viel fühlt sich auf einmal so richtig an. Es ist in mir eine Wandlung geschehen. Ich versuche meinen Weg zu gehen, ohne ihn an meiner Seite, aber mit ihm und seiner Kraft in mir.

    Manchmal kann ich es nicht so richtig beschreiben. Ich bin ihm so dankbar für alles, was er mir jetzt möglich macht. Niemals hätte ich es für möglich gehalten, nochmal etwas in meinem Leben als richtig zu bezeichnen.

    Mein Schatz war mir ein hervorragender Lehrer und mein Mentor. Und dafür kann ich ihm niemals genug danken. Jeden Tag, wenn ich sein Grab besuche, dann richte ich meinen Dank an ihn und sage ihm, wie sehr ich ihn von Herzen liebe.

    Ich weiß nicht, ob ihr meine Worte so für euch deuten könnt, aber ich wünsche jedem von euch, dass ihr eure Liebsten auf diese Art und Weise weiterhin lieben könnt. In Dankbarkeit, aber auch mit Tränen und Trauer. Irgendwie gehört das für mich zusammen.

    LG Angela

  • Liebe Angela,

    bei uns war das ähnlich...für mich war auch sonnenklar, dass wir noch ewig zusammen sein würden.

    Wir hatten eine klare Arbeitsteilung, wobei mein Problem ist, dass mein Mann alles konnte...also Papierkram, Haushalt, Haus, Auto, Motorräder...und ich eigentlich Vollzeit arbeiten ging (konnte er nicht mehr wegen Chemos) und sonst nichts mehr machte.

    Er informierte mich immer über alles, so dass ich mir zum Glück ein paar wichtige Sachen merken konnte.

    Ich wollte auch viele Dinge nicht richtig lernen, ich genoss es, dass er an meiner Seite war und sich so toll kümmerte.

    Er war mental sehr stark, selbstbewusst, ruhte in sich und konnte mir immer Halt im Leben geben, egal was kam.

    Durch ihn gewann ich erst im Leben die nötige Sicherheit, die ich lange nicht hatte.

    Ich finde es wunderbar, dass du deinen Weg so gehen kannst, mit ihm an deiner Seite.

    So wünsche ich es für mich auch, wobei ich noch nicht so weit bin wie du...bin noch stark in der Verzweiflung drin, dass das gemeinsame Leben für uns nicht mehr möglich ist.

    Dankbar bin ich für die 40 wunderschönen Jahre mit ihm auf jeden Fall.

    Hab auch schon gedacht, dass ich jetzt halt damit fertig werden muss, dass die restliche Zeit nicht mehr schön sein wird.


    Liebe Grüße von mir...es ist schön von dir zu lesen...wenn du magst...berichte weiter von deinem jetzigen Leben

  • Liebe Wanderin,

    da sind ja schon einige ähnliche Aspekte in unseren Leben mit unseren Liebsten. Die Sicherheit durch ihn. Dass sich unsere Männer so super um alles gekümmert haben. Auto, Papierkram usw. Vielleicht waren sich unsere Männer sogar ein bisschen ähnlich.

    Ihr hattet 40 gemeinsame Jahre - eine gefühlte Ewigkeit. Wir waren ein spätes Paar und hatten nur 22,5 Jahre miteinander. Die Liebe meines Lebens - die echte Liebe auf den ersten Blick.

    Die verbleibenden Jahre werden anders sein. Unsere Liebsten sind nicht mehr da und kommen auch nie mehr zurück. Ob diese Jahre schön werden, weiß ich auch noch nicht. Ich bin im Moment einigermaßen zufrieden mit dem was ist. Aber glücklich - NEIN. Auch oft einsam, allein, traurig. Das wird vielleicht auch für immer so bleiben. Zufrieden ist eine Momentaufnahme. Wer weiß, was hinter der nächsten Tür lauert?

    Aber eins ist sicher, zumindest für mich, und das ist seine Stärke und Kraft, die mir das Vorwärtsgehen leichter macht. Er ist mir so nah und das ist gut so. Denn diese Kraft benötige ich fürs Weitermachen. Eine Entwicklung, die nach dem ersten Todestag einsetzte. Als hätte mein Liebster danach für mich entschieden, dass es von nun an vorwärts gehen muss. Manchmal weiß ich nicht, ob ich die richtigen Worte finde.

    Niemals wird sich die Lücke füllen lassen, die hinterlassen wurde. Ich will das auch gar nicht. Diese Lücke ist ja nun ein Teil meines Lebens. Um diese Lücke herum muss ich was Neues aufbauen. Etwas, womit ich mit mir zurecht komme, mit mir allein.

    Weil wir ja nun alleine sind, unabhängig von Verwandschaft oder Freunden.

    Ja, nun verabschiede ich mich in die Nacht und wünsche allen da draußen einen erholsamen, heilsamen Schlaf.

    Gute Nacht

    Angela Ein Bild aus guten Zeiten. Auf unserer Weltreise in Auckland/Neuseeland.<3<3<3

  • Liebe Angela,

    so ein schönes harmonisches Bild von euch beiden.

    Ich schaue auch oft Fotos an...wir machten zwar keine großen Reisen, aber ständig Tagesausflüge, Wanderungen, kleinere Reisen.

    Das fehlt mir so sehr und es kann auch niemand ersetzen, weil diese Unternehmungen so besonders waren, weil er mit mir unterwegs war.

    Wie gehst du mit dem Thema Reisen nun um?

    Mich hat erst jemand gefragt wegen Urlaub und in mir kam richtig Panik auf, weil ich es mir ohne meinen Mann nicht vorstellen kann.

    Diese Lücke, die ich nun fühle, will ich auch nicht füllen, die ist nur für meinen Mann und wird immer bei mir bleiben.

    Du sagst, du bist im Moment zufrieden mit dem was ist, das ist schon sehr viel....finde ich.

    Du hast schon so viel erreicht...mit deiner und seiner Kraft.

    Ich versuche jetzt auch zu schlafen, vielleicht gelingt es diese Nacht, hab seit langer Zeit mal wieder meine kleine Enkelin zum Übernachten hier.

    Wünsche dir und allen anderen hier eine ruhige erholsame Nacht...

  • Guten Morgen, liebe Wanderin,


    ich hoffe, du hattest eine gute Nacht mit deiner Enkelin.

    Gerade habe ich etwas Zeit - später bin ich mit meiner Trauerbegleiterin verabredet.

    Ja, das Thema Reisen beschäftigt mich schon lange. Unsere gemeinsamen Reisen waren allesamt Highlights in meinem, bzw. unserem Leben.

    Mein Schatz war ein Cosmopolit und hat mir nahezu die ganze Welt gezeigt, sie mir quasi zu Füßen gelegt. Wir sind jedes Jahr mehrere Wochen auf Reisen gewesen.

    Da war viel möglich in unserer Tätigkeit. Wir waren vor vielen Jahren auf Hawaii, ein absoluter Traumurlaub. Mein Liebster hat danach immer gesagt, dass er nie nochmal dorthin will, weil es so schön war. Eine zweites Mal könne uns nur enttäuschen. Tatsächlich sind wir für 2 Tage im Rahmen unserer ersten Weltreise nochmals da gewesen. Und es war toll, aber eben nicht so toll wie beim ersten Mal. Bei der ersten Reise haben wir uns jeder so ein typisches Hawaiihemd gekauft. Diese habe ich immer noch. Ich glaube, dass ich geschrieben habe, dass ich eine Dame gefunden habe, die aus Hemden von Verstorbenen Kissen näht.

    Nun habe ich ihr diverse Lieblingshemden von meinem Mann geschickt, damit sie mir etwas daraus zaubern kann.

    Unter anderem habe ich ihr diese beiden Hawaiihemden geschickt. Daraus wird sie mir Herzen in unterschiedlichen Größen nähen. Mein ganz tiefer Wunsch ist es, irgendwann nach Hawaii zu fliegen, um dort eines dieser Herzen zu begraben. Heute weiß man ja nicht, ob sowas jemals wieder möglich sein wird?

    Ansonsten würde ich mir schon wünschen, wieder zu reisen. Ich weiß, dass er es so wollte. Im Moment habe ich noch keine rechte Vorstellung, was ich machen würde. Vielleicht erstmal eine kleine Kreuzfahrt um zu sehen, ob ich das ohne ihn ertragen kann. Vielleicht mal ein paar Tage auf irgendeine Insel.

    Ich kann es noch nicht sagen, aber so ganz tief in mir drin lebt dieser Wunsch. Und ich weiß, dass mein Schatz mich überall hin begleiten würde, immer bei mir wäre. Vielleicht entdeckst du auch irgendwann diesen Wunsch ganz tief in dir, wieder etwas zu erleben.

    Dein Schatz ist noch nicht so lange weg von dir, wie bei mir. Da hat man für sowas keinen Kopf und kann sich nicht vorstellen, jemals an sowas denken zu können.

    Weisst, du, heute ist ein wunderschöner Tag mit ganz viele Sonne. Das ist schön. Trotzdem bin ich an solchen Tagen manchmal viel trauriger, als an grauen Tagen.

    Sie erinnern mich umso intensiver an unsere Unternehmungen. Das ist immer mit Sonne, Sonnenuntergängen, Vollmondnächten und vielen anderen Gefühlen verbunden. Die schönen Cabriotouren durch die Berge oder die Toskana. Mit dem Schiff über die 7 Weltmeere. Unsere Rundreisen. Ich habe solch ein Füllhorn an wunderbaren Erinnerungen und Fotos, bzw. Videos. Eigentlich bräuchte ich nie mehr zu verrreisen. Aber ich weiß ja auch gar nicht, was diese so unstete Zeit noch für uns bereithält.

    Ich wünsche dir einen schönen Tag mit vielen guten Erinnerungen und Momenten.

    LG Angela

  • Liebe Angela,


    die Idee mit den Hemden finde ich sehr schön.

    Und mit dem Reisen hast du Recht, du kannst ja mit kürzeren Reisen langsam ausprobieren, was dir guttut.

    Selber könnte ich mir noch keine Reise vorstellen, bei der ich alleine unterwegs bin.

    Zu viel Angst, ich könnte in Erinnerungen versinken und so traurig sein, dass er nicht bei mir ist.

    Deine Gefühle bei schönem Wetter kenne ich so auch...einerseits freue ich mich über gutes Wetter, andererseits überfällt mich dann noch mehr Traurigkeit, weil ich weiß, was wir bei diesem Wetter alles unternehmen würden.

    Die Übernachtung meiner Enkeltochter tat mir richtig gut, es war schön, sie bei mir zu haben und wir haben zusammen gespielt und viele Bücher angeschaut.

    Aber kaum bin ich wieder allein, holt es mich mit Wucht wieder ein....

    Es ist einfach so grausam, dass man getrennt wird, obwohl keiner das wollte...


    Liebe Grüße an dich, hoffe, du hattest einen guten Tag.

  • Liebe Wanderin,


    wie lange ist dein Schatz schon nicht mehr bei dir?

    Es ist schön zu hören, dass du mir deiner Enkelin Freude gehabt hast. Ja, dieses "danach", wenn Menschen, die bei dir waren, wieder weg sind, kenne ich nur zu gut. Das passiert mir auch immer noch. Es wird uns noch eine Weile begleiten. Trotzdem ist es gut, wenn du diese kleinen unbeschwerten Momente zuläßt. Dein Schatz hätte das bestimmt so gewollt. Ich denke, dein Verlust liegt noch nicht so lange zurück, wie bei mir. Wenige Monate nach seinem Tod hätte ich mir eine Reise ohne ihn auch niemals vorstellen können. Ich konnte mir überhaupt nichts ohne ihn vorstellen. Egal was ich dachte und machte - es tat einfach nur schrecklich weh.

    Auch heute wünsche ich ihn zurück, damit er die Dinge wieder mit mir gemeinsam erleben kann. Vielleicht bleibt dieser Wunsch für immer. Nur eines weiß ich inzwischen ganz genau, nämlich dass er meine Geschicke von oben lenkt. Alles, was sich jetzt in meinem Leben ereignet, fühlt sich so gut und so richtig an. Er ist ständig an meiner Seite. Die neue Wohnung (erst im Spätherbst), das neue Auto und die Kraft in mir, Dinge anzugehen, die ich mich früher nicht getraut hätte.

    Das hat kurz nach dem ersten Todestag angefangen. Die Wochen davor waren die Hölle für mich. Ich glaubte, dass alles immer dunkel und grau sein würde. Die Trauer war so tief, es gab gefühlt eimerweise Tränen. Aber so etwa eine Woche danach, hat mich diese neue Wohnung gefunden. Ich habe gesucht, aber die Wohnung hat mich gefunden. Plötzlich fühlte es sich so gut und so richtig an. Und so geht es nun seit einigen Wochen weiter. Zwischendurch ein tiefes Tal, als mein Schatz zum zweiten Mal Geburtstag hatte, den er nicht mehr erleben durfte. Aber es wurde wieder besser. Im Moment bin ich ziemlich zufrieden, wie es läuft. Ich weiß aber auch, dass es wieder Tiefpunkte geben wird. Aber vielleicht schaffe ich es, diese besser zu durchleben.

    Solch eine Entwicklung wünsche dir und allen da draußen von Herzen. Der Weg ist nicht eben und glatt - viele Steine liegen im Weg. Aber es lohnt sich, diese aus dem Weg zu räumen, bzw. drüber zu springen.

    LG Angela

  • Liebe Angela,

    mein Mann ist knapp 2 Monate nicht mehr bei mir...du hast Recht...ich kann und will mir gar nichts ohne ihn vorstellen.

    Mein Leben ist gerade so wie du es beschreibst...komme mir vor wie in einem Albtraum, der leider nicht aufhört....ständig Erinnerungen, die sehr schmerzhaft sind....jeden Tag weinen und weinen...ständig Sehnsucht nach ihm.

    Bin seit Januar krank geschrieben, aber fing diese Woche wieder an zu arbeiten....zuerst nur wenige Stunden und dann allmählich mehr.

    Wollte mich bewusst aus diesem Gedankenkarussell herausholen.

    Arbeitest du noch?

    Ein ganz schmerzhafter Punkt ist, dass wir es nicht mehr gemeinsam genießen können, wenn ich mal nicht mehr arbeiten muss.


    Ich möchte versuchen, nicht liegenzubleiben, das würde mein Mann garantiert nicht wollen.


    Deine Entwicklung macht mir Mut, ich danke dir sehr dafür...

    Es freut mich sehr für dich mit der Wohnung, dem Auto und der Kraft, die du in dir spürst.

    Wünsche dir alles erdenklich Gute:24:

  • Liebe Wanderin,


    erst 2 Monate - das ist gerade erst geschehen. Das ist so frisch. Da ist die Trauer pur. Das Alleinsein, die Einsamkeit - unendlich.

    Schau,bei mir sind es 14 Monate. Nach 2 Monaten konnte ich nichts - ausser jeden Tag zum Grab. Ich weiß noch genau, wie es damals war.

    Erwarte nicht zuviel von dir. Es ist viel zu früh. Du bist im realen Leben noch gar nicht wieder angekommen. Das dauert. Lass dir Zeit und nimm dir die Zeit.

    Ich bin nicht mehr berufstätig, schon seit einigen Jahren nicht mehr. Ich bin froh, dass ich nicht mehr arbeiten muss - ich hätte nicht gewußt, wüsste heute nicht, wie ich das schaffen sollte. Ich vermute mal, dass wir ähnlich alt sind.Ich bin jetzt 61.

    Meine Trauerbegleiterin hat mir immer einen Satz mit auf den Weg gegeben: Seien sie gut zu sich, auch wenn sie glauben, das nicht zu können.

    Nach einiger Zeit lernt man das und irgendwann kann man das. Und wenn man anfängt, gut zu sich zu sein, dann wird auch um einen herum wieder einiges besser.

    Nicht alles gut, aber manches besser. Du wirst ihn immer vermissen, er wird dir für immer fehlen. Das wird dich für den Rest deines Lebens begleiten. Aber irgendwann kannst du es besser ertragen. Aber du brauchst Geduld, denn es ist ja erst eben passiert. Da ist das völlig in Ordnung, dass du dich nicht gut fühlst. Lasse es zu. Es tut weh, aber je mehr man es zuläßt, umso heilsamer wird es sein.

    Ich wünsche dir ganz viel Kraft und ich schicke dir eine fette Umarmung.

    LG Angela

  • Ich danke dir für deinen Zuspruch und deinen Trost..ich spüre, dass ich nicht im realen Leben bin, dazu ist die Fassungslosigkeit zu groß.

    Habe mich in letzter Zeit mit Terminen zugeschüttet, um nicht zu lange alleine zu Hause zu sein.

    Ertrage das Alleinsein, die Einsamkeit kaum...

    Vielleicht ist das ein Fehler... brauche aber auch Menschen, mit denen ich reden kann, dann lässt der Druck auf meiner Brust etwas nach, zumindest für eine kleine Zeit.

    Arbeiten muss ich noch 2 Jahre, aber wüsste gerade auch gar nicht, wie ich es ohne Arbeit daheim aushalten sollte.

    Alles ein bisschen chaotisch in meinem Kopf...

    Ich schick dir auch eine fette Umarmung und werde mir deine Worte morgen nochmal und nochmals lesen.

    Liebe Grüße :24:

  • Es freut mich sehr, dass meine Worte dich so "erreicht" haben.

    Ich bewundere dich, dass du es schaffst, deiner Arbeit nachzugehen. Das ist etwas, was ich mir überhaupt nicht habe vorstellen können.

    Meine Tage sind vor lauter nichts trotzdem rasend schnell vergangen.

    Ich habe aber, wann immer ich es schaffte irgendwas erstellt. Angefangen mit einer Trauercollage, später ein Buch mit unserem Whatsapp-Chat,

    ein Erinnerungsalbum für unser so geliebtes Cabrio und zu guter Letzt ein Fotobuch mit dem Leben meines Schatzes.

    Immer habe ich mich sehr intensiv mit meinem Liebsten beschäftigt. Das hat mir sehr gut getan. Ich weiß aber auch, dass das nicht jeder kann, Es ist eine sehr individuelle Angelegenheit.

    Wenn ich die Fotos entsprechend verkleinert habe, werde ich sie dir gerne mal schicken.

    Jetzt koche ich mir was Leckeres und später guck ich mal wegen der Fotos.


    LG Angela:24: