Am 06.07.2018 um 22.53 Uhr verstarb meine unendlich geliebte Frau "Rosi"

  • Erst jetzt habe ich, (Uwe,60, Gartengestalter), die Kraft zu schreiben.

    Meine geliebte Frau Rosi (63, Meisterin im Garten-& Landschaftsbau) hat am 06.07.2018 ihre Augen für immer geschlossen. Sie litt an COPD und ihr Herz wurde von Jahr zu Jahr schwächer.

    9 lange Jahre kämpfte Sie gegen diese schwere Krankheit an und ich bin dankbar, dass ich bis zum Ende an ihrer Seite verbringen durfte. Wir waren 28 Jahre zusammen und davon 26 Jahre verheiratet.

    Vor 4 Jahren gaben wir (ich) unsere Fischzucht auf, damit ich mich rund um die Uhr um meine geliebte Frau kümmern konnte.

    Noch bin ich nicht fähig alle Sachen in Worte zu fassen. Bitte lasst mir noch ein wenig Zeit.

    Die einzige Frage die ich mir stelle ist: Wie viele Stufen führen noch weiter in die Tiefe der Trauer ?


    Mir fehlen die schönen braunen Augen, das schelmische Lachen, die kleinen Wünsche, der Humor, ihr schöner Geruch, die liebevolle Stimme, die Küsse, die Streicheleinheiten usw., usw.


    Ich werde bald mehr schreiben.

    Nur diese Sache möchte ich noch am heutigen Tag loswerden. Meine liebe Rosi hielt im Februar 2018 auf ihrem Geburtstag eine kleine Ansprache an alle Gäste. Der letzte Satz der Ansprache verfolgt mich schmerzhaft. Sie drehte sich zu mir hin und sagte mit Tränen in den Augen: " Mein lieber Mann, ich liebe Dich unendlich und ich werde Dich auch dann unendlich lieben, wenn ich nicht mehr bei Dir bin."

  • Lieber Yanouk,

    es tut mir sehr leid, dass du deine geliebte Frau verloren hast! Mein Mann hatte auch COPD neben einigen anderen gesundheitliche Problemen, ich weiß, wie sehr unsere Lieben darunter gelitten haben!


    Die kleinen Dinge des alltäglichen Zusammenlebens sind auch die Dinge, ich ich am Meisten vermisse ... ein kleiner Insiderwitz, den nur beide verstehen, eine liebevolle Berührung, der gedankliche Austausch ... oder einfach nur zu zweit füreinander da sein. Heute habe ich geweint, weil ich daran dachte, was ich mir zum Essen kochen soll und dachte mir, wie sinnlos es eigentlich ist, dass ich mir die Mühe überhaupt mache, nur für mich alleine.


    Mir ist dein letzter Satz ins Auge gesprungen, mein Mann hat am Sterbebett auch zu mir gesagt, dass er mich unendlich liebt ... daran denke ich heute oft und hoffe, dass es ihm gut geht, wo immer er jetzt auch ist.


    Ich wünsche dir, dass dir der Austausch hier in diesem Forum ebenso hilft wie mir - hier fühle ich mich wirklich verstanden, dass ist ein kleiner Trost in dieser schweren Zeit, in der ich mich oft so einsam und alleine fühle.


    Ich wünsche dir einen erträglichen Abend,

    liebe Grüße

    Tina

  • Lieber Yanouk!

    Willkommen hier im Forum, gut, dass du hier her gefunden hast.

    Wobei der Anlass natürlich, wie bei allen hier, sehr traurig ist!

    Es tut mir sehr leid, dass du deine Frau verloren hast.

    Ich kann mir gut vorstellen, dass dich der Satz deiner Frau schmerzhaft begleitet. Aber er hat auch viel Tröstliches!

    Selbst wenn unsere Lieben körperlich nicht mehr bei uns sind, die Liebe bleibt. Auf beiden Seiten !

    Alles Gute für dich!

    Hedi

  • Lieber Yanouk,

    auch von mir ein herzliches Willkommen hier in unserem Forum.

    Es ist schön, dass du dir die Zeit nimmst, in der du uns erzählen magst.

    Dass deine Frau immer bei dir sein wird und ihre Liebe dich begleitet, das ist eine Tatsache.

    Wenn es auch nicht so ist, wie du es dir wünschst. Es ist die Erinnerung an das gemeinsame Leben,

    die Liebe die du auch heute noch für sie spürst. Trotzdem tut es weh.


    Wieviele Stufen es noch geben wird, das weiß niemand. Es gibt auch keine Phasen der Trauer.

    Es ist ein Weg auf dem dir unterschiedlichstes begegnen wird und es ist ein Weg, den nur du

    gehen kannst. Es ist dein Weg durch die Trauer. Das was wir hier können, ist ein Stück dieses

    Weges mit dir gehen.


    Wie verbringst du deine Tage?


    Ich wünsche dir heute einen Sonnenstrahl im Gesicht und einen erholsamen Gedanken.

    Lg. Astrid.

  • Lieber Yanouk,

    bei mir ist es ein knappes Monat länger her, dass mein geliebter Mann ganz plötzlich bei einem Unfall zu Tode gekommen ist, aber ich bin auch noch nicht ganz unten in der Tiefe der Trauer, jeden Tag tut es ein bisschen mehr weh, jeden Tag fällt mir ein neuer Aspekt ein, der mir zu schaffen macht.

    Er hat öfter zu mir gesagt "Schön dass ich dich habe, wie traurig wäre es allein in der Früh aufzuwachen und auch alleine am Abend dazusitzen ohne eine liebe Frau an meiner Seite" Wir haben uns dann unserer Liebe versichert und mit einem Kuss versprochen, dass wir uns nie allein lassen werden. Jetzt hat ers doch getan und jetzt bin ich diejenige, die jeden Tag alleine aufwachen und allein in einer Wohnung voller Erinnerungen aber so unendlich leer ohne ihn auch wieder schlafen gehen muss.


    Ich schreibe viel, es erleichtert mich, aber es ändert nichts an der Tatsache, dass mein Leben mit seinem geendet hat und das was übrig ist von mir, sehnt sich nach Liebe und dem Wiedersehen mit Hannes.

  • Liebe Tina,


    ich bedanke mich recht herzlich für deine Grüße und entschuldige bitte die späte Antwort.


    Auch mir tut es sehr leid, dass Du deinen geliebten Mann verlieren musstest. In einer Sache, die ich bei dir gelesen habe konnte ich mich sofort hineinversetzen. Meine Frau war 9 Jahre schwer krank - es ist täglich schlimmer geworden - dennoch habe auch ich bis zum Schluss nicht wahrhaben wollen, dass Sie sterben wird. Das letzte Jahr ihres Lebens war ich 24 Stunden täglich für Sie da. Kümmerte mich um Beatmungsgeräte, musste Schleim absaugen, überprüfte CO2-Gehalt, verband alle 2 Tage den großen Dekubitus im Steissbereich, kochte Essen, lagerte Sie im Bett usw. usw.

    Dieses alltägliche Beisammensein muss mich blind gemacht haben.


    Aber ich möchte im Nachhinein sagen, die letzten 9 Jahre waren, was unsere Liebe betraf, die intensivsten. Jeder Tag war besonders wertvoll und wenn meine Frau (was Sie häufig machte, wenn es ihr gesundheitlich sehr schlecht ging) mich fragte: "Schatz, würdest Du mich wieder heiraten ?" Was habe ich wohl aus innerster Überzeugung zu meiner unendlich geliebten Rosemarie gesagt ?????


    Ich wünsche auch dir einen erträglichen Abend und

    liebe Grüsse

    Uwe

  • Liebe Astrid,


    vielen Dank für deinen Willkommensgruß.

    Deine Frage: "Wie verbringst Du deine Tage ?"


    Bisher: Morgens um 3-4 Uhr aufstehen - Kaffee kochen - Rosi begrüßen - Kerze für Rosi entzünden - Tasse Kaffee trinken - Rosi sagen, dass ich meine Tabletten genommen habe - unserem Bouvier sagen, wir müssen nun losgehen, 1.Spaziergang mit Prinz - vorher melde ich mich natürlich bei Rosi ab und sage ihr, dass wir uns beeilen - Rückkehr mit dem Hund und durch den Flur rufen: Rosi, ich bin wieder da mein Schatz. - Computer einschalten und schauen, ob es etwas Neues bei Aspetos gibt - ich gehe dann zu Rosi ins Zimmer, schaue aus dem Fenster und erzähle ihr: Dein Lieblingsvogel, das Rotkehlchen habe ich die letzte Tage nicht gesehen. Die Nachbarn schnippeln wieder ihre Büsche kaputt. Prinz ist ganz schön alt geworden. Die Nachbarin zetert schon wieder rum. usw. usw. - unserem Bouvier sagen, wir müssen nun losgehen, 2. Spaziergang mit Prinz -natürlich melde ich mich bei Rosi wieder ab und sage ihr, dieser Spaziergang dauert länger, wir gehen an den Hügel, da kann ich über das Tal von einer Bank aus hinunterschauen. - Wieder Rückkehr mit dem Hund und durch den Flur rufen: Rosi, ich bin wieder da mein Schatz. - In den Trauerforen gucken, ob es was Neues gibt - Es ist 15.00 Uhr - Jetzt dürfen Rosi und ich nicht gestört werden: Wir schauen uns die Sendung BARES FÜR RARES an. - danach verfalle ich in alte Zeiten mit den Fragen: Weisst Du noch...... - dann gehe ich kurz in das Büro - gucke die täglich ankommende Post an und stapel sie ungeöffnet übereinander, wird ja sowieso alles abgebucht - stehe wieder am Fenster bei Rosi und sage ihr: "Heute, so wie in den letzten Wochen, hat wieder keiner von unseren "Freunden" angerufen. Na ja, das macht ja NICHTS, wir haben ja uns, das kriegen wir auch alleine gebacken....." - 3.Spaziergang mit Prinz - vorher melde ich mich bei Rosi ab und sage ihr, dass wir uns beeilen - Rückkehr mit dem Hund und durch den Flur rufen: Rosi ich bin wieder da mein Schatz - Gehe heimlich in die Küche und stelle meine gebrauchte Kaffeetasse in den Kühlschrank mit dem Gedanken, die kann ich auch am morgigen Tag erneut ungewaschen benutzen, war ja nur Kaffee drin - Davon erzähle ich Rosi aber nicht, das gäbe ein Donnerwetter - es ist 20.00 Uhr - ich verabschiede mich von Rosi, lösche die Kerze, stelle 2 andere Bilder zu mir an das Bett und gebe ihr noch einen langen Kuss, lege mich hin und schalte den Fernseher ein um dann sofort einzuschlafen. - und dann Morgens um 3-4 Uhr.......


    So verbringe ich meine Tage. Nur Freitags, das große Ereignis, der Einkauf für die nächste traurige kommende Woche.

    Und jeden 2. Tag der Kampf mit der Waschmaschine. Ich wasche ab jetzt Alles mit 40 Grad.


    JETZT KANN MAN MICH RUHIG FÜR VERRÜCKT HALTEN, das ist mir aber zur Zeit egal.


    Ich wünsche Dir einen schönen Abend,

    Uwe

  • Liebe Tigerlily,


    ich bedanke mich bei Dir recht herzlich für die netten Worte. So wie Du dich fühlst, so ist es auch bei mir. Ein Haus voller Erinnerungen, die mich dann innehalten lassen. Jedes Teil erinnert an meine geliebte Frau und ich habe bis jetzt die meisten Sachen nicht zur Seite packen können. Das zuletzt getragene Shirt habe ich über einen Sessel gelegt und muss es jeden Tag wenigstens anfassen. Wenn ich die Hand längere Zeit darauf verweilen lasse, dann nimmt der Stoff die Wärme meiner Hand auf und ich habe das Gefühl, dass es ihre Wärme ist, die da zurückstrahlt.

    So wie Du, habe auch ich einen Platz für Rosi eingerichtet. Ihre Bildnisse stehen auf einem uralten Sekretär. Bilder aus der Kindheit bis in dieses Jahr. Umringt von den wichtigsten Personen ihres Lebens. Alle sind Sie schon vor ihr gegangen. Oma, Mutter, Papa, Schwiegermutter, Tante Elli und unser bester Freund Karl.

    Manchmal stehe ich davor und sage mir, hoffentlich sehen wir uns bald wieder.


    Mit lieben Grüßen aus dem Solling,

    Uwe

  • Liebe Indian Summer,


    vielen Dank für dein herzliches Willkommen.


    Ja, die Hunde waren unsere ständigen Begleiter.

    Viele Namen die uns begleitet haben. Jeder vom Wesen her anders, aber alle unbestechlich, was die Familie betraf.

    Da war Amsko, der einen starken jagdtrieb hatte und uns häufig zum Verzweifeln brachte. Ein Deutsch Langhaar.

    Dann kam die Bouvierhündin Funny. Immer an der Seite meiner lieben Rosi. Sie war eine Prinzessin.

    Dann unser Zuchtrüde Balu. Ein Bouvier mit einem Gewicht von 65 kg und einer Größe von 76 cm. Immer in Rosi verliebt und auch an ihrer Seite.

    Dann Ambra, die wunderbare Bouvierhündin. Leider auch immer an der Seite von Rosi.

    Dann der unbestechliche Yanouk. Ein wunderbarer charakterstarker Bouvierrüde (siehe das Bild). Immer an der Seite von Rosi.

    Nun ist es der liebe Bouvierrüde Prinz. Die Katzen und Kinder finden ihn süß. Der Liebling im ganzen Dorf. Der auf den Wiesen gemeinsam mit den Feldhasen (keine Lüge) am Gras nascht, und dieses in einem Abstand voneinander von 10 Metern. Ich sitze auf der Bank und kann nur mit dem Kopf schütteln. Immer an der Seite von Rosis Pflegebett. Er ist nun dreizehn Jahre alt. Ungefähr seit einer Woche lebt er langsam wieder auf. Anscheinend hat er sich nun langsam mit der Abwesendheit von Rosi abgefunden. Er wirkt wieder jünger und probiert mit lustigen Sachen ( rast an mir vorbei und kontrolliert die einzelnen Rohrunterführungen in den Grabenverläufen nach was weiß ich...., springt dann aus den Gräben heraus und schaut mich "verschmitzt" an, bevor er im rasenden Tempo die nächste Rohrunterführung in Angriff nimmt ) mich aufzumuntern. Das ist ab jetzt der Hund an meiner Seite.


    Ich habe in den Jahren nichts gemeistert, sondern meiner Rosi probiert zurückzugeben, was Sie die anderen Jahre (19 Jahre) für mich getan hat. Vor ihrer Zeit hatte ich einige Frauen kennengelernt. Ich spreche jetzt aus den 70er Jahren. Ich möchte mich auch nicht versündigen, aber keine hätte ihr jemals das Wasser reichen können. Natürlich waren sie auch lieb, aber eben anders !!!


    Noch einen schönen Abend wünscht,

    Uwe.

  • Lieber Uwe,

    auch von mir ein herzliches Willkommen und ein herzliches Beileid zum Verlust deiner lieben Rosi.

    Leider geht es mir nach 7 Monaten getrennt sein vom meinem lieben Karl-Heinz noch nicht im

    geringsten besser. Ich will es ja auch nicht zulassen, denn mein Leben ist gelaufen und ich warte

    sehnsüchtig bis ich wieder bei ihm in seinen Armen liegen darf. Ich vegetiere Tag für Tag so dahin.

    Ich vermisse ihn unendlich und sehe eigentlich keinen Sinn mehr in meinem Leben und wenn wir

    nicht 2 Töchter und 2 liebe Enkelkinder hätten, dann wüsste ich nicht, ob ich noch hier wäre.

    Leider hat mein Liebster das 2. Enkelkind nicht mehr erleben dürfen, denn er wurde im Februar mit 54 Jahren

    von uns weggerissen.

    Bei deinem letzten Satz von deinem 1. Schreiben musste ich weinen, denn das könnte von meinem

    Mann auch sein. Es ist so grausam.

    Mein Mann hatte seit über 3 Jahren ein seltenes Krebsleiden kutanes T-Zell-Lymphom leukämischer Art

    und wir haben bis zum Schluss gehofft, dass er es schafft, ist dann am 27.2.2018 an Leber und Multiorgan-

    versagen gestorben.

    Er sagte oft zu mir, hoffentlich kann ich dir alles wieder zurückgeben, was du mir gutes getan hast.

    Wünsche dir auch eine erträgliche Nacht.

    Maria

  • Lieber Uwe!


    Deinen Tagesablauf so zu lesen, das hat mich sehr berührt!


    Verrückt ? Nein, das bist du sicher nicht!!!!!


    Wir alle leben ja mit unseren verstorbenen Liebsten, die meisten von uns haben sie in gewisser Weise immer an ihrer Seite!

    Wir sind nicht verrückt - das Leben hat uns nur ein wenig verrückt - auf einen Platz wo wir nicht hingerückt werden wollten.

    Ich habe auch zwei Hunde - ich sehe es wie Monika - sie helfen so sehr zu überleben!

    Liebe Grüße, auch an deinen Prinz!

    Hedi

  • Lieber Uwe,

    der Teil mit der Kaffeetasse im Kühlschrank und dem Zusatz: Das erzähle ich Rosi nicht, das würde Ärger geben.

    hat mich zum Schmunzeln gebracht.

    Du erzählst so offen und ehrlich von dir und dem Leben mit Rosi. Es ist ja wirklich noch ein Leben mit ihr und in

    eurer Liebe.

    Die 9 Jahre der Krankheit haben euch näher zueinander gebracht. Und du konntest ihr zurück geben, was sie davor

    für dich tat.

    Es ist euer Leben, es ist eure Liebe und es ist euer Beisammen sein - jetzt auf eine andere Art, wie du dir das wünschst.


    Prinz hat sich abgefunden damit, dass Rosi nicht mehr da ist. Denn du bist ja für ihn da. Für dich wird das noch lange

    nicht so sein. Vielleicht kommt eines Tages der Zeitpunkt an dem du Rosi nicht mehr sagen musst, dass du jetzt mit

    Prinz eine Runde gehst, weil sie ganz selbstverständlich in deinem Herzen mitkommt.


    Eure Freunde, hast du schon mal versucht Kontakt aufzunehmen? Vielleicht einem guten Freund oder Freundin zu erzählen,

    was du dir von ihm oder ihr wünsche würdest? Euer Freund Karl, der gestorben ist, war er verheiratet? Könnte es sein, dass

    seine Witwe dir eine Stütze sein könnte? Weil sie auch durch die Trauer um ihren geliebten Menschen gehen muss(te)?


    Es ist schön, dass du Prinz hast, dass du mit ihm 3x am Tag hinaus gehst. Die Bank um den Kopf zu schütteln ob der seltsamen

    Show, die dir Prinz und die Hasen bieten, stelle ich mir sehr erholsam vor. Kannst du dich an diesem Platz auch ein bisschen erholen?


    Stehst du gerne so früh (oder für mich besser gesagt "mitten in der Nacht") auf?


    Ich wünsche dir für heute Feldhasen, die mit deinem Prinz grasen und einen wärmenden Gedanken an Rosi.

    Lg. Astrid.

  • Lieber Uwe!


    Ich schreibe hier momentan selten, da mir irgendwie für alles die Kraft fehlt. Ich stehe morgens auf, gehe arbeiten, weil das nunmal sein muss, danach koche ich etwas, erledige das Nötigste und gehe früh schlafen - zu mehr reicht es aktuell nicht. Meist wache ich dann um 4 Uhr auf und bin dafür den Rest des Tages müde und erschöpft ...


    Ich fühle mich dir verbunden, den ich kann nachvollziehen, dass du gerade in den letzten Jahren sehr eng mit deiner Frau zusammen gewachsen bist - so war es bei mir und meinem Mann auch. Je länger er krank war, desto mehr Freunde haben sich zurückgezogen, wir waren irgendwann fast auf uns alleine gestellt - aber wir haben aus jedem Tag das bestmögliche gemacht und jede Sekunde zusammen genossen. Oder auch zusammen geweint, wenn es ihm sehr schlecht ging - ich hätte vorher nicht gedacht, dass es so eine intensive Verbindung zwischen zwei Menschen geben kann.

    Die Beschreibung deines Tagesablaufes rührt mich sehr! Auch ich rede zu Hause ständig mit meinem Mann, küsse morgens sein Foto und sage " Guten Morgen Schatz". So verrückt es klingt - ich fahre vor der Arbeit zum Friedhof und auch dort bespreche ich kurz den Tagesablauf mit meinem Mann. Dann muss ich die 8 Stunden im Büro hinter mich bringen und fahre danach direkt wieder zum Friedhof. Zu Hause angekommen, rufe ich immer "Schatz, ich bin zu Hause", zünde eine Kerze vor seinem Bild an und bringe irgendwie den Abend hinter mich.

    Bares für Rares hat mein Mann auch immer angesehen - da war ich noch im Büro, Sonntags haben wir es morgens zusammen angesehen.

    Ich bin meist nach Hause gekommen, wenn das Ende der Rosenheim Cops lief - das hat er sich danach immer angesehen. Ich wollte dann immer gleich anfangen zu kochen, mein Mann hat jeden Tag gesagt "setz dich doch erst einmal 10 Minuten zu mir" - dann haben wir das Ende gemeinsam angesehen. Das fehlt mir alles so ... alleine macht das alles keine Freude.

    Mein Chef kommt gerade ... schreibe später mehr,

    Liebe Grüße

  • Tina45 Liebe Tina,

    zuerst einmal ein Lob, dass du dir während der Arbeit auch Auszeiten gönnst, in dem du hier schreibst.

    8 Stunden am Stück, meinst du das ist nicht zu viel? Oder lenkt es dich ab. Du schreibst ja, dass du dich

    erschöpft fühlst. Meinst du, du könntest mit deinem Chef vielleicht ein anderes Zeitmodell für den Moment

    erstellen? Oder ihn bitten, dass du am Tag hin und wieder für 10 Minuten raus gehen kannst, um wieder

    Kraft zu schöpfen?


    Die Trauer am Arbeitsplatz finde ich ein sehr wichtiges Thema.

    Denn um so mehr du dich an diesen vielen Stunden fühlen kannst, um so leichter kannst du dich konzentrieren.

    Wenn du immer wieder deine Trauer "runterschlucken" oder "beiseite schieben" musst, um so weniger klappt auch

    das strukturierte Denken, das am Arbeitsplatz ja wichtig ist.


    Ich wünsche dir, dass du gut für dich sorgen kannst und dass du verständnisvolle Menschen um dich hast - auch in der Arbeit.


    Sei lieb gegrüßt.

    Astrid.

  • Hallo ihr Lieben,


    war heute mit Prinz wieder auf der Bank mit dem Blick auf unser Dorf. Kleiner Ort am Solling. 198 Seelen.

    Während ich dort, wie imme,r in den letzten Wochen saß, Prinz wieder sein Gras genüßlich zu sich nahm und seine Freunde, die Feldhasen, sich seitlich um ihn gesellten, schaute ich in die Runde.

    Der Blick fiel auf die vorhandenen 5 Windräder.

    Rechts 2 Stück die den Wind ausnutzten. Kraftvoll im Gleichklang sich drehten.

    Links 2 Stück, eines stand still und das andere Windrad drehte sich zu 10% im Verhältnis zu den beiden Windrädern rechts.

    In der Mitte das Windrad drehte sich wie die beiden Windräder rechts.


    Ich dachte mir: Ich gebe Ihnen Namen. Rechts die beiden Windräder heissen: ROSI & UWE in der Vergangenheit.

    Links die beiden Windräder heissen: ROSI & Uwe in der Gegenwart.


    Ich weiss nur nicht, wie ich das dritte Windrad zu beurteilen habe. Es bleibt erst einmal ohne Namen. Oder ZUKUNFT ???


    Das sind die wirren Gedanken eines Trauernden.


    Ich wünsche Euch einen angenehmen Abend,

    Uwe & Prinz aus dem Solling.

  • Lieber Uwe, lieber Prinz,

    die Namen und die Symbolik finde ich wunderschön.


    Und die Ruhe, ich habe das Bild vor Augen und empfinde einfach Ruhe.


    Ich wünsche dir, dass diese Ruhe für einen Moment in dein Herz kommt und

    du dir vorstellen kannst, dass das Mittlere Windrad für die Zukunft steht. Nicht

    heute und nicht morgen - doch irgendwann, dann darf sich dein Windrad auch

    wieder drehen.


    Lg. Astrid.

  • Hallo ihr Lieben,


    habe eine schreckliche Nacht durchlebt. Eine massive Trauerwelle hat mich im Griff. Die ganze Nacht nur über meine geliebte Rosi nachgedacht. Die sinnlosen Fragen: Warum musste meine unendlich geliebte Rosi gehen ? Warum nicht ich ? Ich kenne andere Menschen, die so schlecht sind. Jeder Mensch, der mit Rosi zu tun hatte, war in kurzer Zeit sehr von ihr angetan. Sie hatte in ihrem Leben so viele Sachen durchmachen müssen und trotzdem immer nach vorne geschaut. Sie hatte 4 Fehlgeburten & endlich (wir hatten uns da schon darauf eingestellt, dass es uns vergönnt sei ein Kind zu haben) kam dann doch am 14.09.1994 unsere liebe Tochter Nicole Kristin zu uns. Ich kann heute nicht mehr nachvollziehen wie oft wir während der Schwangerschaft bei der Ärztin waren. Die Ängste, dass doch wieder was passieren könnte. Nicole wurde dann vorsichtshalber im Krankenhaus früher zur Welt geholt( ca. 2 Wochen vor geplanter Zeit), 4 Stunden später musste Nicole dann zur Kinderklinik gebracht werden (andere Geschichte). Ich habe da meine Rosi nicht wiedererkannt. Nicole wurde ja per Kaiserschnitt geholt und meine liebe Rosi stand da plötzlich komplett angezogen in der Kinderklinik und rief nach ihrem Kind. Ich sehe diese Bilder in letzter Zeit immer wieder. Meine geliebte 158cm grosse Rosi, meine Löwin. Sie durfte zu Nicole und blieb dort wirklich die nächsten 4 Tage an ihrer Seite. Ich durfte Sie nicht ablösen, dass durfte ich auch nicht durchdiskutieren. Bei uns war Rosi immer das Gesetz und das blieb Sie auch bis zu ihrem letzten Atemzug.


    Als ich meine Rosi kennenlernen durfte, da war Sie schon einmal verheiratet gewesen. Sie hatte mit ihrem damaligen Mann ein riesengroßes Gartencenter aufgebaut. Nach 3 - 4 Jahren veränderte er sich. Rosi hatte da schon 2 Fehlgeburten, Sie verlor ein Kind im achten Monat und wäre beinahe selbst mit verstorben. Ihr Mann fing an zu trinken, schlug Sie, würgte Sie, stand sogar mit dem Messer vor ihr, unterschlug hohe Geldbeträge aus der Firma und schaffte es, dass der Konkurs eingeleitet werden musste. Ihre liebe Mutter probierte, da ihr falsche Zahlen genannt wurden, mit 1,50 Millionen DM die Sache abzuwenden. Das war leider nur ein Bruchteil, wie es sich dann herausstellte. Jedenfalls trennte sich Rosi von diesen Mann.

    Dann, Rosi war da ungefähr ein Jahr von ihrem Mann getrennt, sah ich Sie das erste Mal. Ich kaufte Pflanzen in einer Baumschule für eine zu erstellende Gartenanlage ein. Sie arbeitete dort und war zuständig für Solitärgehölze. Heute weiss ich, dass war bei mir Liebe auf den ersten Blick. Mir fielen die einfachsten botanischen Namen der Pflanzen nicht mehr ein. Ich druckste nur rum. Sie lächelte , nahm meinen Bestellzettel und hatte schnell die Ware zusammengestellt. Ich fühlte mich wie ein Trottel, ein Männchen, ein Waschlappen, hatte plötzlich Probleme mit der Sprache, Luftprobleme, unsicheren Gang usw. usw. Als ich mit meiner uralten VW-Pritsche dann wegfuhr ging ich hart mit mir vor Gericht und schrie: "Du Idiot, Blödmann, A....loch, Vollidiot und noch andere tolle Sachen."(Die Rückfahrt zur Baustelle dauerte fast 2 Stunden, als ich ankam war ich fast heiser und ich hoffe, dass das kein Mensch mitbekommen hat).

    Tage später benötigte ich noch 6 Heidepflanzen. Hätte ich ja überall kriegen können. Nein, für diese Riesenbestellung fuhr ich 2 Stunden zur Baumschule meines Vertrauens. Ich hatte schon alles genau durchgeplant. Hatte mir während der Fahrt gedacht, wegen 6 Heidepflanzen, das ist ja bescheuert. Fuhr meine Pritsche rechts ran und schrieb noch jede Menge Pflanzen zur Bestellung hinzu (Meine Eltern hatten sich dann sehr für die geschenkten Pflanzen gefreut). Als ich dann ankam stand der Besitzer der Baumschule da und hatte wohl Langeweile. Er quatschte und quatschte und quatschte und ich sah einen drahtigen, braungebrannten und durchtrainierten Hübschling, der es sich wagte mit meiner Verkäuferin zu reden, auch noch so locker, so von sich überzeugt, plusterte sich wie ein Gockel auf, fehlte nur noch, dass er zu tanzen anfängt. Neben mir immer noch der Besitzer der Baumschule, quatschte, quatschte..... Jetzt ging der Gockel von meiner Verkäuferin weg und ich liess den Baumschulbesitzer einfach links liegen und steuerte auf die blonde, braunäugige, spitzenmäßig aussehende Verkäuferin zu und sagte:"Guten Tag, ich wollte Pflanzen haben, ganz schön warm heute". Sie schaute mich an und da waren wieder diese idiotischen Sprachstörungen bei mir und ich sagte weiter:"Zettel habe ich mit. Hier. Bitte. Hoffe, dass Sie das lesen können."

    Und so war das, ein falscher Zettel kann auch mal gut sein, oder ? Sie nahm den Zettel, schaute darauf und sagte nur: " Ich warte." Ich: "Bitte" Sie:"Komplimente."

    Ich:"Bitte." Sie:" Small-Talk." Ich:"Bitteee." Sie:"Telefonnummer." usw. usw.

    Ich hatte ihr meinen Zettel gegeben, wo ich mir aufgeschrieben hatte, wie ich mich ihr nähern könnte.

    Meine 2 Stunden Rückfahrt in der überladenden VW-Pritsche könnt ihr Euch ja vorstellen. Das war schon kein Schreien mehr. Auf der Baustelle bekam ich jedenfalls keinen Ton mehr raus.

    Ach so, an diesem Abend bekam ich dann einen Anruf: " Hallo, hier ist Rosemarie .....".


    (Ich werde bald weiterschreiben, wenn ich darf !!! Mir fehlt ROSI und die Kraft.)


    Ich danke Euch für das Lesen und das ich hier meine Trauer zum Ausdruck bringen darf.


    P.S.: Heute dreht sich das Windrad Rosi mit 10% & das Windrad Uwe steht.

  • Ich freue mich, wenn du weiter erzählst - es war grad so schön spannend.


    Lass dir die Zeit, die du dafür brauchst. Auf gute Fortsetzungen warte ich auch lange.


    Gib deinem Windrad die Möglichkeit sich gaaaaanz langsam in Bewegung zu setzen.

    Der Wind soll sanft sein, damit es nicht ruckartig bewegt wird.


    Wünsche dir einen feinen Spaziergang mit Prinz.

    Sei lieb gegrüßt

    Astrid.