Posts by Sabiene

    Heute, an unserem 36. Hochzeitstag, meinem 2. schon alleine, habe ich mal wieder im Forum gelesen und Schönes und Bedenkenswertes gefunden. Ich danke euch dafür! (Diese Zitatfunktion bekomme ich gerade mal wieder nicht hin)


    Von Rienchen : Denn eines weiß ich ganz genau: Die Geschichte unserer Liebe ist noch nicht zu Ende.


    Ja, ja und nochmals ja. Das kann ich hundertprozentig so unterschreiben!


    Von Steffi66 : Dieses "verwitwet" ist für mich schwer zu ertragen. Im Herzen bin ich weiter verheiratet.


    Ich glaube, ich fühle mich verheiratet und verwitwet zugleich. Ich habe nie aufgehört, mich verheiratet zu fühlen, und die Beschreibung "verwitwet", die ich am Anfang so gar nicht ertragen konnte, kann ich mittlerweile gut akzeptieren. Fast trage ich sie mit ein bisschen Stolz: wir sind so viele, und wir sind starke Frauen und Männer, die Schlimmes erlebt und überlebt haben und die ihr Leben nun, obgleich ungewollt, alleine meistern.

    Liebe Bärbel,


    die Schlafstörungen kenne ich auch zur Genüge, bei mir wurden sie mit Beginn der Wechseljahre so richtig zum Problem, das war schon einige Jahre vor dem plötzlichen Tod meines Mannes. Bei mir ist es nun so, dass ich schon mein halbes Leben lang unterschiedliche Antidepressiva eingenommen habe, wegen chronischer Schmerzen und als Migräneprophylaxe. "Hängengeblieben" bin ich beim Mirtazapin (das ist der Wirkstoff auch von Mirtalich), das wirkte bei mir am besten schlaffördernd von allen. Klar wiege ich heute mehr als in Jugendjahren, aber die drastische Zunahme ist bei mir zum Glück ausgeblieben. In den 6 Jahren, die ich jetzt das Mirtazapin nehme, hab ich mein Gewicht mehr oder weniger gehalten, ohne große Probleme. Ich achte aber auch schon auf bewusste und gesunde Ernährung und vermeide weitgehend emotionales Essen, hab auch noch nie Diäten gemacht, von daher auch kein Jojo-Effekt oder so. Soweit ich weiß ist auch das Trimipramin ein Antidepressivum und hat ebenfalls Gewichtszunahme als mögliche Nebenwirkung.


    Was ich noch zusätzlich tue ist Übung in Achtsamkeit und Meditation. Das hilft bei Schlafstörungen schon dadurch, dass man das Gedankenkreisen und Grübeln besser in den Griff bekommt. Natürlich ist das keine kurzfristige Lösung, aber wenn du ohne Tabletten auskommen möchtest, magst du vielleicht über einen MBSR-Kurs (Mindfulness Based Stress Reduction) nachdenken. Da lernt man das und solche Kurse werden auch von der Krankenkasse bezuschusst. Ob ich heute mit diesen Erfahrungen ohne das Mirtazapin auskommen würde, weiß ich ehrlich gesagt nicht, ich nehme es wegen der Schmerzen und der Migräne ohnehin weiter. Je schlechter ich schlafe, umso mehr Migräne und Kopfschmerzen habe ich, das weiß ich sicher. Wie leicht man das Mirtazapin wieder absetzen kann, kann ich dir also leider auch nicht sagen.


    Ich wünsch dir eine gute Entscheidung! Der Entschluss, sich endlich mal um seine Gesundheit zu kümmern und vielleicht auch wieder zu einem gesünderen Lebensstil zu finden, ist jedenfalls schon mal ein guter, finde ich.


    Liebe Grüße

    Sabiene

    Liebe Evi, ganz herzlichen Glückwunsch dir und deiner Familie! Ein wunderbarer Name, möge der Kleine gut gedeihen und ihr viel Freude miteinander haben!

    Liebe Rienchen,

    toll, dass du das geschafft hast! Auch ich hab ganz viele Erinnerungen an gemeinsame Ostseeurlaube. Letzten Sommer konnte ich es mir überhaupt nicht vorstellen, dort in absehbarer Zeit alleine hinzufahren. Jetzt kann ich es mir zumindest vorstellen .... mal sehen, ob ich es im nächsten Jahr wirklich mache ...

    Liebe Grüße

    Sabiene

    Liebe Crafar,


    du sprichst da einen Punkt an, den viele Trauernde und auch ich schon oft erlebt haben. Man trifft immer wieder auf Menschen, die mit unseren traurigen Geschichten nicht gut umgehen können, weil das, was wir erlebt haben, an ihre eigenen tiefsten Ängste rührt. Es ist jetzt die große Kunst, die wir lernen müssen, zu entscheiden, wem wir wieviel zumuten können und dürfen. Ich kann mich an einige Gespräche erinnern, die damit endeten, dass ich den Gesprächspartner versuchte, zu trösten...


    Du hast in deinem Wohnzimmer geschrieben, dass du zwei Kinder im Teenager-Alter hast, für die du versuchst, stark zu sein. Bei mir war es so, dass meine beiden Söhne, älter als deine Kinder, Mitte 20, einen erheblichen Anteil an der Kraft hatten, die ich in der ersten Zeit nach dem plötzlichen Tod meines Mannes spüren durfte. Ich wollte doch so gern verhindern, dass sie sich jetzt auch noch um mich Sorgen machen müssen, und das ist mir, glaube ich, auch gelungen. Für die eigenen Kinder kann man stärker sein, als man das für sich alleine jemals wäre, so jedenfalls meine Erfahrung. Und doch, das musste ich auch erst lernen, man kann seine Kinder nicht vor Leid bewahren, und man muss es auch gar nicht. So eine Erfahrung verändert auch sie und wir können hoffen (und vielleicht auch dazu beitragen), dass es nicht zum Schlechteren ist.


    Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute, viel Kraft und Zusammenhalt und die Zuversicht, dass ihr euren Weg durch diese Trauer hindurch finden werdet.


    Mitfühlende Grüße

    Sabiene

    Ihr Lieben,


    ich bin gerade bei diesem Zitat von C.G. Jung hängengeblieben:


    „Einsamkeit entsteht nicht dadurch, dass man keine Menschen um sich hat, sondern dadurch, dass man die Dinge, die einem wichtig erscheinen, nicht mitteilen kann.“


    Für mich steckt da viel Wahres drin. Es erklärt mir, warum ich mich auch früher schon manchmal inmitten vieler Menschen einsam gefühlt habe. Und übertragen auf dieses Forum bedeutet es ja, dass wir alle nicht einsam sein müssen, oder?


    Wünsche euch einen schönen oder zumindest gut erträglichen Tag!


    Sabiene

    So, ich bin wieder zuhause, mit sehr gemischten Gefühlen. Mein Vater ist immer noch im Krankenhaus, kleine Fortschritte sind sichtbar, immerhin, und sie suchen einen Reha-Platz für ihn. Bei meinem letzten Besuch war er wieder so schläfrig, ich hab ihn kaum wach bekommen. Meiner Mutter hab ich versucht, so gut es ging dabei zu helfen, jetzt auf absehbare Zeit alleine klarzukommen. Sie hat ja auch Betreuung in dem Seniorenwohnstift, wo sie lebt, aber all das, was mein Vater vorher an Hilfestellung geleistet hat, kann sowieso keiner ersetzen, schon gar nicht irgendwelche Mitarbeiter im Pflegenotstand. Aber ich kann ja auch nicht ewig dort im Hotel bleiben. Dazu drei Mal Migräne in sechs Tagen, die sich zum Glück relativ gut behandeln ließ, aber es zeigt die Kraftanstrengung und Anspannung, der ich dort ausgesetzt war. Auf Dauer geht so etwas nicht, mit 10 erlaubten Schmerzmitteltagen im Monat.


    Es tut mir für beide so leid, dass sie am Ende eines langen und erfüllten Lebens jetzt so sehr leiden müssen und dass ich ihnen nicht mehr helfen kann. Aber ich hoffe inständig, dass ich wenigstens in diesem Monat nicht noch einmal hinfahren muss. Mein vertrautes Hotel ist an einigen Tagen im Juni ausgebucht und ich habe selbst noch ein paar wichtige Termine hier.


    Wenn ich mir so ihr Schicksal angucke, das dort im Altersheim ja kein Einzelfall ist, dann stelle ich mir schon die Frage, ob nicht ein schneller und schmerzfreier Tod mitten aus einem noch aktiven und von Altersbeschwerden noch unbeeinträchtigten Leben heraus, so wie bei meinem Mann, vielleicht doch die gnädigere Alternative darstellt, zumindest für den Betroffenen selbst, aber vielleicht auch für die Angehörigen.


    Was trotz allem gut an der Situation war? Ich habe mich meiner Angst vor dem Alleine-Verreisen und dem Alleine-ins-Hotel-gehen stellen müssen und auch gestellt und damit wieder einmal ein "erstes Mal alleine" hinter mich gebracht. Selbst die mehrstündige Zugfahrt zurück unter Migränemedikamenten hat irgendwie funktioniert und beim nächsten Mal werde ich bestimmt mit ein bisschen mehr Zuversicht und Selbstvertrauen losfahren.


    Ganz herzliche Grüße und danke fürs Lesen!

    Danke euch! Und danke, liebe Pia, fürs Melden. Ich kann so was ganz gut ausblenden, einfach melden und dann ignorieren. Die Kraft, woher kommt sie jetzt? Aus mir selber, glaube ich, und vielleicht aus der anderen Welt? Ich versuche irgendwie an die Erfahrung vom letzten Jahr anzuknüpfen, als nach dem Tod meines Mannes plötzlich Kraft spürbar war, die ich vorher so nicht kannte. Und es gibt meine Söhne und meinen Bruder und seine Familie. Den hat die Situation letzte Woche allerdings schon so an seine Grenzen gebracht, dass er jetzt erst mal in Urlaub gefahren ist...

    Ach ihr Lieben,

    Es ist wirklich nicht einfach gerade. Meinen Vater zu sehen, in all seiner Hilflosigkeit, zu sehen, was diese Hirnblutung aus dem vorher noch so selbständigen und lebenszufriedenen Menschen gemacht hat. Er ist mitunter auch sehr verwirrt jetzt, was er vorher noch gar nicht war. Und dann meine Mutter, versucht stark zu sein, muss lernen um Hilfe zu bitten und sie auch anzunehmen. Und beide leiden doch so sehr unter der Trennung - und dass sie dem anderen nicht helfen können. Und ich versuche trotz meiner häufigen Migräne beiden beizustehen, sitze hier allein in dem Hotel, in dem ich zuletzt noch mit meinem Mann war. Gehe abends durch die Straßen, sehe die Menschen fröhlich in den Straßencafes sitzen - und fühle mich irgendwie aus dieser Welt gefallen. Und - manche kennen das ja von mir - suche nach dem Sinn in all dem ....

    Liebe Bettina,

    Ich war auch gerade enttäuscht, dass keiner meiner Nichten und Neffen an meinen Geburtstag gedacht hat. Wenigstens eine WhatsApp Nachricht hätte ich erwartet, aber gut, ist eben so, der Kontakt ist eben eine Einbahnstraße. Meine Kinder gratulieren ihren Onkel und Tanten, aber ich erinnere sie auch meistens daran. Viele der jungen Leute sind halt sehr mit sich selbst beschäftigt.

    Liebe Grüße

    Sabiene

    Liebe Ingrid,


    es freut mich, dass es dir heute etwas besser geht. Das ist ja auch eine Erfahrung, die viele Trauernde teilen, Trauer geschieht in Wellen und irgendwann spült einen die Welle auch wieder nach oben, so dass man ein bisschen Erholung findet. Die - auf die Erfahrung vieler gegründete - Hoffnung ist ja, dass die tiefen Täler mit der Zeit weniger tief werden und seltener kommen. Ja, Kirchenräume und Gottesdienste öffnen häufig Kanäle, die man im Alltag lieber nicht berührt, auch die Tränenkanäle. Das geht mir auch so und vielen anderen Trauernden auch, auch wenn ich fast nie wirklich intensiv weine, aber das ist eine persönliche Sache bei mir und hat mit meiner häufigen Migräne tun. Aber so sonst könnte man seine empfindsame Seite zeigen wenn nicht in einer Kirche, wo man sich einfinden kann in die Gemeinschaft der ungezählten Menschen, die dort vor einem schon geweint und getrauert haben? Bestimmt ist es eine gute Idee, sich an den Kirchenraum erstmal alleine zu gewöhnen und dann in einem zweiten Schritt erst in die Gemeinschaft zu wagen. Ich wünsche dir gute Erfahrungen dabei!


    Alles Liebe für dich

    Sabiene

    Liebe Bettinalein, das klingt toll, ich glaube du bist auf einem guten Weg! Ich wünsche dir, dass es weiter so gut läuft bei dir!

    Liebe Grüße

    Sabiene

    Liebe Ingrid,


    ich kann Bettinalein und Pia nur zustimmen, ich finde du schreibst sehr klar, sehr reflektiert, und du kannst deine Gefühle gut beschreiben. Ich hoffe ich darf das so schreiben, aber ich glaube, dir fehlt es nur etwas an Selbstmitgefühl. Du gehst gerade durch die schlimmste Erfahrung deines Lebens, versuch doch, dir dabei selbst die beste Freundin zu sein. Klar ist es eine Identitätskrise, die Person, die jetzt ihr Leben entgegen aller früheren Pläne alleine weiterleben soll, die suchst du noch, und das ist auch ganz normal, finde ich, nach allem, was passiert ist. Dabei probierst du kleine Schritte aus, in die eine oder andere Richtung, und vertraust deiner Intuition. Die hat dich immerhin schon zur Trauerbegleitung und in dieses Forum geführt.


    Du schreibst, dass du ein gläubiger Mensch bist. Das ist schon mal gut, finde ich, es kann einem viel innere Ruhe schenken. Hast du denn vielleicht Kontakte zu einer netten Kirchengemeinde (oder sonstigen spirituellen Gemeinschaft)? Das ist es nämlich bei mir, was mir immer wieder Halt gibt. Einfach zu wissen, am Sonntag kann ich für einen Gottesdienst in eine Gemeinschaft eintauchen, ich habe Gelegenheit zu ein paar persönlichen Worten mit netten Menschen, die mich ernsthaft fragen, wie es mir geht (und auch an einer ehrlichen Antwort interessiert sind). Vielleicht ist es schwierig bei dir, weil du umgezogen bist, aber meiner Erfahrung nach findet man in spirituellen Gemeinschaften Menschen, die mit Schmerz und Leid umgehen können.


    Ganz liebe Grüße

    Sabiene