Posts by Sabiene

    Ihr Lieben,


    wie die Adventszeit und das Weihnachtsfest verbringen, die Frage beschäftigt uns alle hier. Viele von euch wehren da total ab und möchten die Zeit am liebsten ganz auslassen, verdrängen, die Augen verschließen (was ja leider nur bedingt funktioniert). Mein Weg, den ich schon im letzten Jahr für mich so gewählt habe, sieht da etwas anders aus. Ich spüre sehr deutlich, dass es mir nur zusätzliche Verluste einbringen würde, wenn ich auf Weihnachten nun auch noch verzichten müsste. Ich versuche auch in dieser Zeit auf das zu schauen, was mir geblieben ist, und das ist ja einiges. Ich habe zwei Söhne mit tollen Freundinnen, ich habe noch meine Eltern, meinen Bruder mit Familie, die Familie meines Mannes. Auch wenn wir größtenteils sehr weit auseinanderwohnen und an den Feiertagen voraussichtlich nur meine Söhne hier sein werden, wir können telefonieren, auch skypen. Und mir ist meine Kirchengemeinde geblieben, mit ihren vielen Gottesdiensten in dieser Zeit, die mir immer wieder das Eintauchen in eine Gemeinschaft ermöglichen. Nein, auf all das kann und möchte ich nicht auch noch verzichten. Natürlich wird es nie wieder so früher sein, mein Liebster fehlt und wird immer fehlen,meinen Söhnen fehlt ihr Vater natürlich auch, und das macht das Erleben der Weihnachtstage so bittersüß, aber, wie gesagt, wenn ich die Tage ganz ausfallen ließe, wäre es nur noch bitter.


    Was eigentlich selbstverständlich ist, was ich aber doch noch einmal betonen möchte: ich spreche hier nur von davon, was für mich persönlich funktioniert und was nicht. Keine Bewertung, keine Beurteilung anderer Wege, die andere Menschen für sich gangbar finden. Wir kämpfen doch alle darum, mit diesem Leben, das wir so nicht gewollt haben, auf die für uns bestmögliche Weise umzugehen, dafür gebührt uns allen Achtung und Mitgefühl.


    Ganz herzlich

    Sabiene

    Nach jetzt schon 22 Monaten versuche ich mal wieder meine Gedanken zu ordnen:


    Durch den jetzt bald endenden November bin ich in diesem Jahr besser hindurchgekommen. An zwei Wochenenden hatte ich lieben Besuch, einmal meine Söhne und ihre Freundinnen (der ältere von beiden ist gerade 30 geworden), einmal die Familie meines Mannes. Eine gute Idee, sich so Höhepunkte und schöne Momente in diesem sonst so traurigen Monat zu schaffen, das sollte ich mir merken. Die stillen Feiertage mit ihrem Totengedenken konnte ich diesmal auch gottesdienstlich begehen, inklusive Gräbersegnung (katholisch) und Andacht auf dem Friedhof (evangelisch). Das war wie erwartet noch mal herausfordernd emotional, aber auch tröstlich in der Gemeinschaft.


    Ich glaube ich kann jetzt nachvollziehen, warum viele von euch das 2. Trauerjahr so schlimm finden. Bei mir hat in diesem Jahr das Empfinden von Leere zugenommen. Letztes Jahr war noch so viel zu erledigen, einerseits natürlich belastend, aber andererseits gab es dadurch auch viele kleine Erfolgserlebnisse, zumindest in der ersten Zeit gab es auch viel Anteilnahme, gute Gespräche, ich habe viele Bücher gelesen über Trauer, Tod, die geistige Welt... Jetzt habe ich irgendwie in dieses Leben alleine hineingefunden, aber es fühlt sich oft so leer an. Es müsste etwas Neues kommen, das mich ausfüllt, aber was? Die paar Ideen, die ich hätte und verfolgen könnte, scheitern oft schon an meiner Migräne, im letzten Sommer auch an der Krankheit meines Vaters, die meine Kräfte beansprucht hat. Vielleicht sollte ich doch noch einmal ein anderes Medikament ausprobieren? Wieder vermehrt Arztbesuche, wieder Unsicherheit, ich weiß nicht ...


    Es ist wahr: die Zeit heilt unsere Wunden nicht, aber sie kann unsere Kräfte stärken, unsere Fähigkeit, mit ihnen zu leben. Das ist meine Erfahrung und darauf hoffe ich weiter, wenn jetzt bald schon das 3. Trauerjahr beginnt. Und ich bleibe zuversichtlich, dass da am Ende meines Lebens noch etwas sehr Schönes auf mich wartet. Bis es soweit ist, versuche ich mein Leben so gut es geht zu gestalten, zu erfahren und ja, soweit möglich auch zu genießen.


    Kommt alle gut durch diese dunkle Zeit, das wünsche ich euch von Herzen.

    Sabiene

    Liebe Sverja, liebe Alle,

    Ja, das ist auch mein Gedanke, dass wir vielleicht dann am tiefsten und echtesten Mensch sind, wenn wir lieben und trauern. Dann wenn wir die Vergänglichkeit und Sterblichkeit spüren, die ja alles an uns und in unserer Welt prägt. Wenn wir unter ihr leiden, wenn wir beginnen können sie anzunehmen - oder auch nicht. Echte, tiefe, wahrhaft menschliche Gefühle, vielleicht geht es genau darum in diesem seltsamen Leben. Darüber denke ich immer wieder nach.

    Das "Nachtcafé" sehe ich im übrigen auch sehr gerne. Es gibt ja auch einen Podcast von Michael Steinbrecher, auch sehr zu empfehlen!

    Herzliche Grüße

    Sabiene

    Keiner wartet

    Alle müssen sie heim. Nur ich muß nicht müssen.
    Keiner wartet, daß ich ihm das Essen richte.
    Keiner sagt, komm, setz dich her. Wie bist du müde!
    Schneidet mir keiner das Brot.

    Keiner weiß, wie ich war mit achtzehn, damals.
    Keiner stellt mir den ersten Flieder hin,
    Holt mich vom Zug mit dem Schirm.

    Ist keiner, dem ich beim Lampenlicht lese,
    Was der Chinese vom Witwentum sagt:
    „Die Gott liebhat, nimmt er zu sich,
    Ehe er ihr den Geliebten nimmt.“

    (Mascha Kaléko)

    Brauchte man nicht nur die allgemeine Steuernummer und die Steuer ID (die beide auf dem Einkommenssteuerbescheid stehen) und das Aktenzeichen, das im Brief vom Finanzamt steht? So hab ich es in Erinnerung...