Lieber Dieter. Auch ich hatte neulich einen Traum, wo mein Sohn plötzlich in der Küche stand. Das war so real,dass ich seinen Namen gerufen habe. Da ist man immer sehr verwirrt für einen Augenblick. Ich werde nun bald 82. Das Leben nähert sich dem Ende. Ich bezeichne es als grosses Glück, daß ich schon so alt geworden bin. Jedes nächste Jahr ist ein Geschenk. Ich habe mir mein Leben so eingerichtet, daß ich von nichts und niemandem abhängig bin .Das ist ein sehr beruhigendes Gefühl. Meine Kinder und Enkelkinder machen mir keine Sorgen. Sie führen ein ordentliches Leben . Mein Sohn war ein lieber Mensch. Nur hat er nicht immer auf seine Gesundheit geachtet. Dafür hat er einen hohen Preis bezahlt. Man bekommt im Leben nichts geschenkt. Vielleicht begegnet dir in deinem weiteren Leben noch einmal das Glück. Du weißt, man kann nichts voraussagen. Ganz liebe Grüße von Christine. ( meine neue Hüfte hat nun endlich aufgehört mich zu ärgern, es war ein sehr langer Weg,fast ein Jahr)
Meine Ursel ist gegangen
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Liebe Christine,
diese Traumerscheinungen sind anders als die normalen Träume, in denen das Gehirn irgendwas verarbeitet. Ich will das mal so vergleichen: der normale Traum ist in HD und wenn Ursel für Sekunden erscheint ist das Ultra HD oder 4K. Das typische ist auch dass sie jedesmal gesund und jünger aussieht. Ich kann mir vorstellen dass das sehr viel Energie für sie kostet und die Besuche deshalb nur so kurz sind.
Wenn Du mit Glück eine neue Liebe meinst, da habe ich kein Interesse dran. Meine große Liebe ist und bleibt Ursel.
Dass Deine neue Hüfte endlich nicht mehr zickt freut mich sehr. So kannst Du ohne Schmerzen Deinen lieben Sohn besuchen.
Liebe Grüße von Dieter
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Lieber Dieter. Ich bin es nochmal. Ich kenne viele Beispiele,wo es genau so ist wie bei Dir. Die große Liebe nimmt Dir niemand weg.Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Es gibt viele Arten von Liebe. Ich wollte dir auch um Himmels Willen nicht zu nahe treten. Nur so einen kleinen Wink geben. Ich kann dich außerdem sehr gut verstehen. Ich hatte nach 2 gescheiterten Ehen die Nase voll.Mir war es nicht vergönnt, einen guten Mann zu bekommen. Es gibt viel Elend in den Beziehungen. Ich lebe seit vielen Jahren gerne alleine. Mein Sohn war sein Leben lang alleinstehend. Er war mit sich zufrieden. Er hatte mein Elend in meinen Ehen erlebt. Ich schreibe das deshalb, weil die Zweisamkeit, wenn sie funktioniert etwas sehr Kostbares ist.Du hast großes Glück gehabt, dass du deiner Ursel begegnet bist.
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Ich habe mal gegoogelt, was4 K bedeutet. Man lernt nie aus.

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Ja Christine, und weil ich soviel Glück hatte mit Ursel, wir haben uns blind verstanden, will ich keine Beziehung mehr. Ursel und ich waren jeweils schon vorher mal verheiratet, wir beide nicht glücklich. Finde erst mal eine Frau die im Winter mit Winterjacke beim Essen sitzt, weil das Fenster noch ein bisschen offen sein muss, es könnte ja noch ein hungriges Hörnchen kommen. Das war jetzt etwas überspitzt, aber es zeigt, wir waren in allen Belangen, ob politisch, Humor oder Lebenseinstellung auf einer Wellenlänge. Vielleicht funktioniert der Sender ja auch nach drüben und zurück.
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Lieber Dieter. Das zu lesen ist wirklich schön.War denn deine Ursel sehr krank?Du musst mir nicht antworten. Ich denke nur immer, daß sie doch noch nicht alt war.
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Nein Christine, ihre Grunderkrankung wäre nicht tödlich gewesen, aber sie war sehr lange - 7 Monate - im Krankenhaus. Dort hat sie alle Krankenhauskeime, die es so gibt, aufgeschnappt und ist an einer Sepsis gestorben. Das passiert an deutschen Krankenhäusern leider immer öfter. Die Antibiotika helfen nicht mehr, weil viele Keime mittlerweile resistent sind.
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Das ist sehr traurig. Ich war mit meiner Hüftgelenkprothese gleich nach der OP 4 Wochen in der Geriatrie in Berlin, weil ich zu Hause alleine noch nicht sein konnte. Ich habe aber sehr gute Erfahrung gemacht. Super Essen ,täglich Visite ,viel Therapie, tägliche Körperpflege....Ich konnte mich ja bewegen, brauchte nicht im Bett zu liegen. Ich konnte also viel alleine machen. So unterschiedlich ist das in den Krankenhäusern.
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Ja Christine, in Ursels Fall von allem das Gegenteil. Das gibt sogar einer der Direktoren des städtischen Klinikums zu, den ich durch meine Arbeitsstelle kenne. Er begründet alles mit Personalmangel. Ursel bekam ja relativ schnell ein Krankenhaus-Delir, das machte ihren Aufenthalt nicht leichter.
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Ich weiß. Bei mir war jeder 2.Pfleger und fast jeder Arzt ein Ausländer. In Berlin gibt es davon ja genug. Die fangen das auf.In der Reha war das noch krasser. Da waren von 5 Ärzten 4Ausländer. Manchmal hapert es dann an der Sprache. Aber irgendwie hat man sich doch verstanden. In der chirurgischen Klinik hat man vor allem zum Nachtdienst diese Pfleger eingesetzt.
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Ich habe ins Krankenhaus immer ganz persönliche Dinge mitgebracht,wenn ich länger lag.. Einen Kopfkissenbezug,ein Kuscheltier, eine kleine Lichterkette, ein Foto auf dem Nachtschränkchen,einen Wecker....Mein Handy habe ich ganz leise mit Entspannungsmusik angemacht. Das haben die Ärzte und Pfleger immer gut gefunden. Ich habe das gemacht, um die Verbindung zu meinen Leben außerhalb des Krankenhauses aufrechtzuerhalten .Das ist für mich ganz wichtig.Ich war schon sehr oft im Krankenhaus .4Herzablationen, Herzkatheder,OP Halschlagader,Brustkrebs ....Du denkst vielleicht, warum schreibe ich das .Vielleicht ist es ein kleiner Tipp für andere, die das lesen. Ich habe im Forum schon einiges gelernt auf allen möglichen Gebieten,nicht nur was die Trauerarbeit angeht.
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Nein Christine, ihre Grunderkrankung wäre nicht tödlich gewesen, aber sie war sehr lange - 7 Monate - im Krankenhaus. Dort hat sie alle Krankenhauskeime, die es so gibt, aufgeschnappt und ist an einer Sepsis gestorben. Das passiert an deutschen Krankenhäusern leider immer öfter. Die Antibiotika helfen nicht mehr, weil viele Keime mittlerweile resistent sind.
Das ist traurig.
Keime können tödlich sein.
Gerade wenn ein Mensch gesundheitlich stark geschwächt ist infolge anderer Grunderkrankungen usw.
Tut mir so leid.
Meine Mutter starb auch an einer Sepsis.
Sie war zuhause. Einige Wochen vorher wurden mehrere Bakterien in einer Urologie festgestellt.
Da mehrere wurde noch keine Antibiotikum gegeben wenn sonst keine "Beschwerden".
Wegen Besorgnis wegen Resistenzen.
Wochen später Nierenbeckenentzündung (leider schwer erkennbar), Sanität wollte sie nicht abholen, sah keine Notwendigkeit und sandte Hausarzt. Penicillingabe was wohl kaum mehr nutzte.
Schlussendlich Sepsis (auch das leider schwer erkennbar, kein wirkliches Fieber etc.), Sanität, Organversagen.
Ihre Grunderkrankung selber wäre auch nicht tödlich gewesen.
Aber sie schwächte über die vielen Jahren.
Am Schluss keine Kraft mehr.
Das einzig Tröstliche: eine Sepsis ist für den Betreffenden meistens schmerzlos.
Man gleitet so "rüber".
Hoffe bei deiner geliebten Ursel auch.
Sie hat genug mitgemacht.Und ich hoffe du warst um 6.15 Uhr bei ihr.
Gute Besserung,
LG
Simon -
Lieber Simon,
genauso war es, sie glitt rüber. Sie wurde Heiligabend "stabil" entlassen und dämmerte 10 Tage bis sie am 3.Januar ging. Die letzten 5 Tage tropfte ich ihr alle 4 Stunden Morphin in den Mund, so dass sie ohne Angst hinüber gehen konnte. Ich war die ganze Zeit bei ihr.
Liebe Grüße von Dieter
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Die letzten 14 Tage würde ich überschreiben mit: "Tage der Sehnsucht und Tränen."
Dazu der ständig graue Himmel, wird Zeit dass der Frühling kommt.
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Ach, lieber Dieter,
diese Zeit ist auch die Zeit des sich einkuschelns zu Hause und wenn man das ungewollt alleine statt zu Zweit machen muss dann macht es einem den Verlust besonders deutlich!
Lg Cathrin🫂😘
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Lieber Dieter,
ich wünsche Dir für dieses Jahr, dass Deine Trauer ein wenig milder wird. Ich finde, Du hast auf Deinem Trauerweg schon viel geschafft, kümmerst Dich so liebevoll um die Eichhörnchen, ein ganz wichtiges und verbindendes Thema, was Du mit Deiner Ursel hattest. Trotz Traurigkeit bemühst Du Dich immer, dennoch nach vorne zu schauen und den Mut nicht zu verlieren.
Du machst das echt gut, weiter so! Das wollte ich Dir nur mal sagen…
lg Cathrin🌸 -
Liebe Cathrin,
das hast Du sehr gut beschrieben. Ich versuche nach vorne zu schauen, aber manchmal überrollt mich eine Welle des Erkennens der Endgültigkeit in diesem physischen Leben. Ursel hat mich manchmal ihr tapferes Schneiderlein genannt, wenn ich unangenehme Erledigungen gemacht habe. Ich sag' ihr das auch öfters wenn ich trotz großer Trauer funktioniere. "Siehst Du, ich bin jetzt seit einem Jahr ganz tapfer und lass mich nicht hängen." Ich bin sicher, sie ist dann beruhigt und freut sich.
Danke für Deine lieben Zeilen und Grüße von Dieter
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Lieber Dieter,
ja, die Welle der Erkenntnis und die daraus folgende Trauer überrollt einen spätestens ab dem 2. Trauerjahr öfters…. Das ist ganz normal im Trauerprozess…. Einerseits hat man nun endgültig verstanden, dass man einen gravierenden Verlust erlitten hat. Andererseits ist man stabiler als im 1. Trauerjahr, der Schmerz ist nicht mehr so alles verschlingend denn es liegt in der Natur des Menschen, sich an unabänderliche Situationen „anzupassen“. Schmerzhaftes Vermissen ist dennoch da. So rollen durchaus auch gegensätzliche Emotionswellen auf uns zu. Sie ziehen sich aber auch wieder zurück.Es ist immer gut, das im Hinterkopf zu behalten, dann fühlt man sich nicht so fremd mit sich selbst. Sei gnädig mit Dir, Du bist tapfer….
lg Cathrin🌸 -
Guten Morgen Ihr Lieben,
vorgestern war ein Sch...tag.
Nachmittags ruft meine Hausarztpraxis an und teilt mir mit dass mein Hämoglobin-Wert mit 12,7 viel zu niedrig sei, man befürchte eine Anämie. Das könne von verschiedenen Krebsarten kommen, einer nach dem anderen muss ausgeschlossen werden. Super! Das war vor 5 Jahren schon mal, ich bin von einem Arzt zum anderen und nichts wurde gefunden. Nochmal mache ich diese Tournee nicht mit. Ich hab' erstmal Dr.Google gefragt. Der meint das könnte sogar von Trauer kommen, da ist der Körper unter Stress und unter Stress kann er nicht so gut Hämoglobin produzieren.
Kurz drauf klingelt wieder das Telefon und man teilt mir mit dass unsere beste Freundin Sandra mit Herzinfarkt in der Klinik liegt. Sie sei bereits operiert und es ginge ihr den Umständen entsprechend gut. Und das kurz vor der beginnenden Hörnchenbaby-Saison. Da müssen dann ihre beiden Mitstreiterinnen ran.
Und abends ging dann noch mein Hauptablenkungsobjekt - der Fernseher - irreparabel kaputt.
Fernseher kann man ersetzen, beste Freundinnen nicht.
Liebe Grüße von Dieter
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Lieber Dieter. Ich möchte dich ein wenig trösten. Fernseher ist Nebensache.Die sind ja nicht mehr so teuer. Daß mit deiner Freundin ist weniger schön.Hatte sie denn Streß?Der Hämoglobinwert ist von vielem abhängig. Ich hatte auch mal einen schlechten. Das lag an einem Medikament, was sofort ab
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