Wie dürfen wir trauern?

  • Hallo,


    ich habe in einem Bericht ja schon einmal beschrieben, dass der Umgang mit meinem Vater sehr schwierig ist. Wir hatten als Kinder immer eine enge Verbindung zu meiner Mutter. Sie war ein sehr sehr herzlicher und liebevoller Mensch und hat alles zusammengehalten.


    Mein Vater ist ein sehr Ich-bezogener Mensch, der diese enge Beziehung immer verhindern wollte. Es fällt im schwer auf Menschen zuzugehen und er kann es nicht ertragen, wenn er nicht im Mittelpunkt steht. Meine Mutter sollte Rund um die Uhr für ihn verfügbar sein....


    Nachdem Mama gestorben ist, wird es für uns immer schwieriger mit ihm umzugehen. Jedes Gespräch oder und auch jeder Besuch enden in Vorwürfen wie ihr habt noch eure heile Welt, für Euch ist es nicht so schlimm wie für mich. Man mag schon gar nicht mehr anrufen, oder geschweige denn ihn besuchen fahren, danach geht es mir immer schlecht.


    Am Samstag war dann morgens bei uns. Auch hier wieder nur Schweigen, unterbrochen von meinen Fragen, dann Vorwürfe wie : Du kannst Dir nicht vorstellen wie es ist, wenn einem gesagt wird dass Deine Frau einen Hirntumor hat. Wir alle waren bei der Diagnose anwesend, und ich glaube schon dass das Gefühl der totalen Verzweiflung für uns alle gleich war....
    Keiner könnte ihn verstehen, aber in ein paar Jahren würde es mir ja mal genau so gehen und dann werde ich an ihn denken.
    Wenn er mal im Haus umkippt, würde man ihn ja erst in ein paar Wochen finden, aber er hoffe dass er bald stirbt....


    Keine Fragen wie es uns geht, was wir machen.
    Mein Mann soll im Garten die Bäume absägen, alles soll weg, ist doch egal wie es aussieht.
    Wir bieten laufend Hilfe an, er hat nur verächtlich gesagt: Tse, Kinder darüber will ich nicht reden.


    Auch wenn ich mir immer sage, dass ich dieses Verhalten nicht so an mich herankommen lassen soll, bekomm ich es nicht hin. Es macht mich sehr traurig und auch wütend.
    Ihn besuchen und anrufen mache ich nur, weil ich Mamas Stimme höre. Sie hat immer gesagt, dann seid doch wenigstens Ihr vernünftig und ruft ihn an...


    Traurige Grüße
    Sverige
    Ich musste mir das mal von der Seele schreiben, es macht mich einfach krank.

  • Liebe Sverige,
    ach mir fehlen die Worte, viel Kraft will ich Dir aber schicken und schreib Dir von der Seele, wenn Dir danach ist.
    Hier sind ja immer liebe Menschen, die Dir sehr gerne zuhören.
    Liebe Grüße
    Josef

  • Liebe Sverige,
    zuerst einmal auch hier an dieser Stelle eine ganz liebe Umarmung :24: ... SCHÖN, das du dir dein Herz erleichtert hast und hier deine Problematik schilderst und damit dir Erleichterung verschaffst und auch ganz bestimmt Mit-Gefühl bekommst...


    Ich wiederhole zwar immer wieder diese oben genannten Ansichten von mir, aber es ist wirklich ein Mantra für mich und auch denke ich für dich und andere... Nur wenn wir innerlich uns immer wieder mit einem Zustand, einem Lebensereigniss auseinander setzen, etwas für uns von anderen in uns "hinein wünschen" es hier niederschreiben ... und dadurch manifestieren ... wird es unser Leben auf die Dauer bereichern....


    Du trauerst und vermisst deine Mama... Sehr, sehr stark...
    Dein Vater trauert und vermisst seine Frau... Sehr, sehr stark...


    Diese Trauer verbindet euch... Wie ... und wie unterschiedlich , oder gar schwer... kann nur von euch beantwortet werden...
    Noch einmal hier: Es gibt keine "innerliche Messlatte" der Liebe und des Vermissens und der Trauer...


    Du trauerst als Tochter VÖLLIG anders, aber sehr stark um deine Mama
    Dein Vater trauert VÖLLIG anders , aber auch sehr stark um seine Frau...


    Die Problematik bei euch , aber durchaus bei jedem... liegt einfach an den gemachten Erfahrungen, der Lebensgeschichte die du mit deinen Eltern, insbesondere mit deinem Vater gemacht hast.


    Es ist so ein ungemein komplexes Thema und geht ja in die ersten elementaren Lebensbedingungen... Du, wie wir alle, sind hilflos und pflegebedürftig auf diese Welt gekommen... Die Mama war eigentlich unsere "Lebensretterin, unsere Lebens-Erhalterin"...
    Dies ist eine so starke innerliche Bindung, die wir nie , auch wenn es die berühmten Mutter-Tochter Differenzen gegeben hat... verlieren.
    Wie wir ja auch schon besprochen haben, sind unsere Mütter einfach "nur gut" gewesen . Wir haben nicht viel "Ecken und Kanten " an ihnen gesehen... Wenn dann noch gleiche Interessen, wie der Garten dazukommen, vermisst man die Mama natürlich noch mehr...Bei mir sind es 17 Jahre her und ich vermisse sie immer noch...


    Doch wieder zu dir und der komplizierten Beziehung zu deinem Vater...Den Vater trauert durchaus, aber leider fordert er für sich den Zustand ein, dass er der ist, der am meisten leidet... Vermutlich empfindet er das ja auch tatsächlich so, aber wie gesagt... es gibt kein "messen"...


    Durch unsere gemeinsame Vergangenheit und einem gewissen Kenntnissstand weiss ich leider, das dein Vater ja auch nicht sehr offen für DEINE Trauer und die deiner Schwester und eurer Oma ist...
    Er sieht euch als eine Einheit... was ihr ja auch seid ... und was auch GUT für euch ist...
    Hier noch einmal... habe KEIN schlechtes Gewissen über diese hilfreiche Verbindung...


    Dein Vater muss, wie ihr, auch lernen, mit SEINER Trauer zu leben... Herausfinden was für ein Leben er JETZT leben will... Wie er trauern möchte...Wie ER es für sich gestalten will...Er ist ein erwachsener Mensch ...wie ihr auch...


    All diese Argumente die er vorbringt, entspringen meiner Meinung nach aus der Wut, kein Partner mehr zu haben... und deine Partnerschaft zu sehen ... nicht damit klar zukommen... und auch durchaus Neid zu empfinden...
    Aber das ist nicht DEIN Problem , sondern SEINES ...
    Sein Psychologe steht euch auch nach wie vor nicht hilfreich zur Seite, oder???


    Aus dieser Wut heraus , entspringen leider Verletzungen...dir und deinem Mann gegenüber... Er weiss leider genau, dass er dich mit dem "Bäume fällen" den geliebten Garten von deiner Mama und dir... damit zerstörend ... auch innerlich etwas in dir zerstört... es ist viel mehr als der Garten...


    Es ist ungemein schwierig, liebe Sverige... aber die einzige Lösung aus diesem Dilemma.. ist "das ultimative Verzeihen" deinem Vater gegenüber...


    Du musst innerlich aus dem Herzen heraus... nicht aus dem Kopf... nicht aus den bisherigen Erlebnissen heraus...
    Dein Leben... Deine Liebe... Deine jetzige Lebensansicht ... als VOLLKOMMEN... richtig ansehen...


    Dann ... und dann ist es ganz leicht... deinem Vater alles zu verzeihen... INNERLICH...
    ÄUßERLICH musst du ihm einiges KLAR machen...
    Aber durch deine erlangte innerliche Stärke ist es dann nicht mehr so schwer...


    Es ist ein längerer Weg zu diesem, deinem und auch unser aller Lebensweg, das wir den Menschen
    ultimativ verzeihen... ohne wenn und aber ...
    um in deinem/unserem Leben wieder..
    Ruhe , Friede , Liebe und Glück zu spüren zu fühlen ...


    Es klingt , denke ich... für dich und andere ... etwas "nicht möglich"...
    Wie bitte soll man ultimativ verzeihen???... und gleichzeitig diesem Menschen etwas KLAR zu machen...
    Es geht leider nicht um "VERNÜNFTIG SEIN"...sondern um eine Ebene von Herz zu Herz... die das sooo schwierig für dich/für uns macht...


    Es ist tatsächlich die innere Erkenntniss, (wie gesagt kein kurzer Weg) dass ihr /wir alle , diesen gegangenen Menschen geliebt haben ... auch ohne wenn und aber...


    Jetzt , trotz meines langen Berichtes ein Zitat, welches irgendwie für dich geschrieben worden ist... meine ich


    Das Glück eines Tautropfens


    Du kleiner Tropfen, silberfunkelndes Kristall,
    du zärtliches Geschenk der Nacht!
    Wie sanft hast du dich niedergelassen auf dem grünen Blatt ,
    ein leiser vergänglicher Schmuck.
    Die Sonne wird dich küssen
    und du wirst dich verlieren an sie...


    Was für ein Glück,
    so schön zu sein
    und verzehrt zu werden
    vom LICHT...


    in liebevollem und verständnissvollem Mitgefühl
    deine Amitola


    So jetzt mach ich mir wieder einen Kräutertee ...damit ich nicht mehr so 8| sonden so aussehe ^^

  • Liebe Sveringe,


    auch ich finde es gut, daß du uns deine Probleme "anvertraust", sie mit uns teilst. :30:
    Eine fürwahr schwierige Situation, kann gut verstehen wie sehr dich das schmerzt, traurig und wütend macht.


    Leider gibt es Menschen, die "vergessen" bzw. nicht verstehen können/wollen, daß sie nicht die einzigen sind, die um genau diesen Menschen trauern.
    Ja sicher ist die Trauer "anders" - es steht anderes im "Vordergrund" ob Partner oder Elternteil, ob Kind oder Geschwister,.... trotzdem tut es "gleich" weh, ist das Vermissen um nichts "leichter" -
    es ist wie immer der Standpunkt, und der ist eben ein anderer.
    Wie Amitola ja schon schrieb - es gibt keinen Gradmesser. Es gibt nur das eigene Empfinden.


    ER kann nur verstehen, eine solche Diagnose für seine Frau zu bekommen.
    DU kannst nur verstehen diese für deine Mama zu bekommen. Wobei ich, so wie du schreibst, der Meinung bin, daß du deinen Vater bis zu einem gewissen Grad sehr wohl verstehen kannst. Aber wahrscheinlich eben auch nicht in letzter Konsequenz.


    Verzeihen ohne wenn und aber .... sicher ein "zielführender" Weg. Aber ebenso schwer. Ob du es schaffst ihn zu gehen - das kannst nur du sagen. Aber einen "Versuch" wäre es doch wert, oder?
    Einen "leichteren" Weg weiß ich leider auch nicht - bin doch selbst auf "Wegsuche" (wenn auch in anderem Zusammenhang).


    Ich wünsche dir die Kraft, einen für dich gangbaren Weg zu finden, und die Geduld und die Zuversicht ihn auch gehen zu können.
    Alles Liebe
    Jutta


    PS: ich hätte dir gerne ein Foto geschickt, das ich heute nachmittag nach einem Tag mit Regen, Schneeregen und starken Windböen machte. Und das zeigt, daß hinter den schwärzesten Wolken trotz allem die Sonne scheint. Leider kann ich es nicht hochladen, muß mich erst schlau machen, was da los ist. AL

    Der Tod eines geliebten Menschen ist wie
    das Zurückgeben einer Kostbarkeit,
    die uns Gott geliehen hat.

  • Liebe Sverige,


    vielleicht ... ich hoffe... so eine Art "Essenz"...


    Der Weg ist das Ziel... und ... Die Liebe bleibt.... immer


    und jetzt von mir
    wir begleiten dich mit aller Liebe die wir in uns fühlen und mit MIT-GEFÜHL :24: :30:
    deine "Gramytola"

  • Ihr Lieben,


    vielen Dank für Eure Nachrichten. Es tut gut alles mal loszuwerden. Bin ich doch noch sehr durch Mamas Verhalten geprägt, dass niemand etwas erfährt und man nach aussen den Schein wahren soll. Das geht jetzt aber nicht mehr.
    Irgendwie werde ich einen Weg finden, müssen, um meiner selbst Willen.


    Sverige

  • Liebe Sverige,
    fühle dich noch einmal umarmt :24: und es ist wirklich sehr gut, dass du jetzt beschlossen hast nicht mehr den "Schein" zu wahren, sondern dass du vorhast es DIR besser gehen zu lassen...Ich denke durch eine Klärung... Diese kann durchaus auch innerlich geschehen...Ja , gehe für ein besseres, ja ich würde sogar anstreben,... für ein GUTES Wohlbefinden... FÜR DICH zu sorgen...Meiner Meinung nach gehst du damit den richtigen Weg....


    Von Gartenliebhaberin zu Gartenliebhaberin....


    Heute habe ich ein ganz kleines bisschen im Garten weitergemacht ... Keine Sorge, nur ein bisschen ...( deswegen gehe ich aber auch gleich ins Bett)...Habe die abgestorbenen Triebe der Stauden zurück geschnitten.... und entdecke sooo viele Triebe die aus dem Boden kommen von den Stauden... Rittersporn, Pfingstrosen,der Mohn, Pflox, Baldrian, römische Kamille, Indianernessel von, die verschiedenen Schwertlilien, die Wildtulpen,Osterglocken , der Rhabarber kommt auch durch...von den blühenden Schneeglöckchen und Krokusse ganz zu schweigen... Der Frühling kommt...


    Dennoch habe ich auch sehr intensiv an Burkard gedacht, weil er am 04.03.13 ins Krankenhaus kam und ich ihn am 08.03.13 nach Hause holte....
    Aber darüber schreibe ich in "seinem Bericht"...morgen....


    Liebe Sverige, du lebst ja , wie wir alle nicht ... in einer "Scheinwelt"... Lass uns die reale Welt, besser noch unsere Gefühlswelt so gut, so positiv... mit viel Leben und schönen Erlebnissen... füllen....


    Ganz berührend fand ich dein "Bild" wie du deine Oma "siehst" , wenn sie diese Erde verlassen hat... in einem anderen Beitrag...


    Fühle dich umarmt und die "Ohren sind geöffnet"
    deine Amitola

  • Vielen Dank für Eure Rückmeldungen.
    Es wird ein schwieriger Weg werden. Mein Vater wird in seinem Verhalten immer schwieriger. Heute hat er zu meiner Schwester gesagt, dass er wohl besser letztes Jahr gestorben wäre, bei Mama würden wir uns dann viel öfter blicken lassen. Wir würden uns nicht für ihn interessieren, wir sollten mal darüber nachdenken, ob unser Verhalten im gegenüber richtig ist.


    Diese Liste könnte ich noch beliebig verlängern.


    Es ist einfach nur traurig
    LG
    Sverige

  • liebe Sverige,


    jetzt hast du von Kühlwalda einen "Streichler" bekommen und jetzt bekommst du auch einen noch einmal von mir... :30:


    Dann hoffe ich, habe ich auch schon einmal bei Nicky geschrieben, dass du dann hoffentlich so aussiehst ^^


    Jetzt aber zu deinen berichteten Erlebnissen...
    Ja, vermutlich denkt dein Vater das auch tatsächlich... Wie gesagt, eure Verbindung zu eurer Mama war eben halt intensiver. Das ist ja auch durchaus die Regel... Leider kommt erscherend die "Ich-Bezogenheit" deines Vaters dazu,so das aus diesem Grunde eine leichte, liebevolle Beziehung in dem Sinne wohl nicht so einfach gegeben ist/ sein wird.......Je mehr er merkt, das ihr euer Leben lebt, auch eure feste Zusammengehörigkeit durchaus ja mitbekommt... die aber wirklich gut für euch ist... wird dein Vater mehr und mehr schroffer werden....


    Vielleicht wäre es doch ein gangbarer Weg, wenn ihr mit seinem Therapeuten einen gemeinsamen Termin macht??? Oder eine andere Person seines und eures Vertrauens... Der Pfarrer vielleicht??


    Versuche doch bitte einmal für DICH herauszubekommen, was dir dein Vater, ...auf jeden Fall klingt es so für mich,... genommen hat, oder vielleicht nicht genügend WERT GESCHÄTZT hat an euch Kindern ?
    Schreibe bitte weiter , Sverige...
    Ich lese hier mehr und mehr Schicksalswege, die mir durchaus klar machen, das viele Eltern- Kind Beziehungen durchaus nicht immer harmonisch verlaufen sind...


    Dennoch... ein Fakt bleibt bestehen...
    Ihr trauert alle... nur sehr , sehr unterschiedlich...


    Bleibe du in der Hinsicht konsequent, dass du dich weiterhin öffnest und berichtest, aber deinem Vater , trotz aller Äusserungen, die aus einer verzweifelten Wut ... meiner Meinung nach...dann "gegen euch" richtet... nicht deinen Weg, der dir ERLEICHTERUNG in deine Trauer bringt... verlierst...


    Ja, es ist ein langer Weg... aber ich hoffe, das du , deine Schwestern und dein Vater am Ende dieses Weges, ein Leben führt, das in gewisser Weise friedvoll ist...


    Der erste Schritt ist tatsächlich ... Wiederholung ^^ ... das DU deinen inneren Frieden für DICH ... bekommst..


    Eine herzliche Umarmung :24: ( und ich habe im Garten heute einen schlafenden Igel (LEBEND) im Laub- und Reisighaufen gefunden...ihn vorsichtig wieder mit Laub und Reisig zugedeckt) und mich gefreut...
    deine Gramytola

  • Liebe Gramytola,


    ja es zu schreiben hilft mir. Dann ist es raus. Ich denke, dass in meinem Vater im Moment die Angst vor einer schlechten Nachricht steckt. Er muss am Montag zum Röntgen, weil er seid letzten Samstag plötzliche Schluckbeschwerden hat, die nicht schmerzhaft sind aber er kann kaum schlucken. Er hat uns das ja nicht erzaehlt, dass habe ich am Mittwoch bei einem Telefonat erfahren. Er meldet sich nicht, weil wir uns nicht für ihn interessieren.
    Ich denke, dass in ihm auch wieder ein Thema "wächst" und das wird meine Oma sein. Er denkt wir kümmern uns nur um sie, keiner kümmert sich um ihn. Das er aber durch sein Verhalten mehr und mehr ins Abseits gerät, merkt er nicht. Ein gemeinsamer Gesprächstermin mit uns allen ist schwierig, in der Vergangenheit fühlte er sich dann immer noch angegriffener und witterte eine "Verschwörung" gegen ihn.


    Jetzt aber ein schönes Thema- Ja im Garten werden die Pflanzen langsam wach. Wir haben eine neu zu bepflanzende Ecke soweit fertig, dass die Pflanzen einziehen können. Darauf freue ich mich schon sehr. Es werden in diese Ecke ein paar Pflanzen kommen, die für Mama sind. Ein Blumenhartriegel, Funkien, Hortensien und im Sommer unsere alten Dahlienpflanzen die ich letztes Jahr noch retten konnte, als mein Vater alles wegschmeißen wollte.



    Sverige, die sehr froh ist, dass es Euch hier gibt.

  • Liebe Sverige,
    die Pflanzen werden wach wie Du sagst. Ich will Dir viel Kraft schicken und dass mit dem kommenden wärmeren Temperaturen auch wieder mehr innere Ruhe bei Dir einkehrt und hoffentlich Dein Papa auch mehr Ruhe findet.
    Liebe Grüße
    Josef

  • Liebe Sverige,


    jetzt habe ich so ungefähr eine 1/4 Std. nach dem Lesen deines letzten Berichtes hier gesessen und nachgedacht... was ich dir und auch eigentlich auch deinen Schwestern empfehlen kann....Es ist ganz schwierig , oder bzw. ganz einfach...


    Ich denke , dein Vater "schreit nach Liebe"... Zuerst hat er das bei eurer Mama gemacht und jetzt wünscht er sich die Liebe von euch und sogar denke ich von eurer Oma...Ich kann mir nicht helfen... Immer wieder komme ich auf das ultimative Verzeihen als Lösung ...
    oder zumindest auf die Bereitschaft, ihn ein "klein wenig" in euer Leben einzubeziehen... Sehr wohl dabei wissend, das Menschen, die sehr ausgeprägt "Ich-bezogen sind" einen dann "ganz einverleiben " möchten...


    Ja, wenn ihr zusammen mit ihm eine Klärung wollt, kann er sich tatsächlich , was ja auch real der Fall ist... in der "Minderzahl" fühlen...
    Ich möchte dabei auch noch einmal betonen, dass ich es nicht gutheisse , welche Praktiken eurer Vater anwendet, um die Aufmerksamkeit zu bekommen... Aber dahinter steckt ja leider auch eine große Verzweiflung und wie schon oben geschrieben, der Schrei nach Liebe...


    Leben die Eltern deines Vaters eigentlich noch? Ist er ein Einzelkind , oder hat er Geschwister? Was war der Anlass, das er in Psychotherapie ging? Habt ihr Kinder unter diesem "Anlass " vielleicht gelitten? Ich frage nicht aus Neugierde, liebe Sverige... das weißt du ja...

    Aber ... ich möchte dich aus dieser doch immer noch leicht resignativen Ecke deines Lebens heraus holen... Du hast genug schwere Zeiten hinter dich gebracht... und solltest jetzt die Möglichkeit langsam in deinem Leben bekommen, dass nicht nur im Garten wieder eine wunderbare "Erinnerungsecke" für deine Mama entsteht... sondern das DEIN Leben in der Trauer friedvoll "erblüht, wächst, gedeiht"...
    und... wieder ein Zitat... ( auch ich lese sehr häufig für mich Zitate und merke auf, welches mich ganz besonders berührt... dieses Zitat hat dann mir etwas zu sagen )...
    für dich...


    Ruhe

    im fließenden Wasser
    kann man sein eigenes Bild nicht sehen,
    wohl aber im ruhenden Wasser.


    Nur wer selber ruhig bleibt,
    kann zur Ruhestätte all dessen werden,
    was Ruhe sucht.................................... von Laotse


    Versuche deine innere Ruhe aus dir selber heraus zu bekommen... Dann kannst du auch ruhig deinem Vater begegnen...
    Auf die Dauer müßte das Erfolg bringen... Nur Mut...Du hast nichts zu verlieren, sondern du kannst etwas geben... Das gilt es, deinem Vater zu vermitteln... Es sei denn, das schwere Verletzungen an eurer Seele gelaufen sind...


    Ich mache, leider wieder "mehr angeschlagen" einen Spaziergang mit meinem "Schlawunsch"...Bis bald "hier"...
    deine Gramytola

  • Liebe Sverige,


    auch von mir noch eine liebe :24: , Ich hoffe, wir "erdrücken" dich nicht damit.


    Für die Beschwerden deines Vaters kann es ja soo viele Ursachen geben. Ich hoffe, daß nach dem Röntgen Entwarnung ist, und es etwas ist, was gut behandelbar bzw. leicht zu heilen ist.
    Vielleicht hat er ja auch "nur" seine Trauer und Wut sozusagen wie einen Kloß im Hals stecken?


    Wegen gemeinsamen Gesprächstermin: das kann ich schon verstehen, daß ihm das nicht gefällt. So ... er alleine gegen euch alle ... die er ja so schon als "verbündet gegen ihn" sieht.
    Vielleicht willigt er eher ein, wenn er und sein Therapeut nur einer von euch gegenübersteht? So würde er sich ev. "sicherer" fühlen? Hat vielleicht eine von euch doch einen "etwas besseren Draht" zu ihm? Wäre das eine Möglichkeit ihn ein klein wenig zum Nachdenken zu bringen?


    Alles Liebe,
    Jutta

    Der Tod eines geliebten Menschen ist wie
    das Zurückgeben einer Kostbarkeit,
    die uns Gott geliehen hat.

  • Liebe Gramytola, liebe Jutta,


    vielen Dank für Eure Nachrichten. Ihr erdrückt mich schon nicht so leicht :)


    Mein Vater ist Einzelkind, sein Vater starb kurz nach dem Krieg an TB und hat meinen Vater als Kleinkind angesteckt. Er war dann drei Jahre in der Kinderheilanstalt Bethel. Er wurde von seiner Mutter und seiner unverheirateten Tante grossgezogen. Ich denke, dass hier grosse Teile seiner Probleme liegen. Beide sind auch schon verstorben.


    Wir schauen mal wie es so weitergeht. Meine Schwester begleitet ihn am Montag zum Röntgen und dann schauen wir weiter.


    Ich hoffe auch sehr, dass es irgendwann einmal möglich sein wird , normal miteinander umzugehen.


    LG
    Sverige

  • Liebe Sverige,
    egozentrische Menschen sind sehr schwierig, sie ziehen oft insgeheim einen Gewinn daraus, wenn sie leiden, weil es ihre Art ist, sich in den Mittelpunkt zu schieben. Wenn die Umgebung Jahrzehnte lang das Spiel mitgespielt hat, dann ist es im Alter nicht mehr möglich das Muster umzustellen.


    Hoffen wir erst mal, dass morgen bei der Untersuchung nichts rauskommt und dann wäre eine Strategie gut, wie ein Gespräch verlaufen könnte, ohne dass er sich angegriffen fühlt .....
    AL
    Christine

  • Hallo,


    ich möchte mich noch einmal von Herzen für Eure Nachrichten und Antworten bedanken. Es hilft mir sehr darüber zu schreiben. Ich habe an diesem Wochenende das Buch "Kinder egozentrischer Eltern " gelesen. Es war wirklich ein Aha, vieles was sich klärte, was wir als Kinder nicht zuordnen konnten. Das Buch gibt viele Hinweise, die eigenen Verhaltensmuster zu überwinden, die mich so darauf reagieren lassen.
    Der Grundtenor des Buches, der Elternteil kann und will sich und sein Verhalten nicht verändern, also muss ich selbst mich und mein Verhalten so verändern, dass ich damit umgehen kann.


    LG
    Sverige

  • Liebe Sverige,


    SUPER... erstens hast du wohl das richtige Buch für dich gefunden und was noch wichtiger ist... die RICHTIGE Grundeinstellug zu der problematischen Beziehung zu deinem Vater gefunden...


    Nur wir selber können es schaffen, dass es uns besser geht... Ja, sogar in all der Trauer das Leben freundlich an-zu-nehmen und es auf eine gewisse Art und Weise zu geniessen...
    Das lebe ich im Moment ja auch ( zwar gesundheitlich nach wie vor eingeschränkt ) ; aber die Gefühle der Trauer sind im Moment immens tief friedlich... Irgendwie ist Burkard sehr präsent für mich... Schön...Ich geniesse es auf eine schwer zu beschreibende Art... Vielleicht ist es ja auch "nur für mich" bestimmt... denke ich mehr und mehr... von Burkard gesandt...


    Vielen Dank für deine Anfrage wie es mir geht... Es geht so... sehr unterschiedlich, aber auch hier noch einmal . "Wildkraut" vergeht nicht...
    Mehr würde mich im Moment interessieren, wie die Untersuchung bei deinem Vater ausgegangen ist ?
    Selbst wenn er , was ich allerdings nicht hoffe, schwerer erkrankt ist, verdient er durchaus euer Mitgefühl ... aber bitte, bitte, lass dich nicht vereinnahmen...
    Aber mit deiner neuen Erkenntniss aus dem Buch :) und weil du es so gut verinnerlicht hast ^^ wird das soooo leicht nicht mehr passieren....


    Fühle dich lieb umarmt :24: und mit Kraft und Zuversicht beschenkt
    deine Gramytola (lächel)