Meine Mama ist plötzlich an Krebs gestorben

  • Im Moment sehe ich auch einfach keinen Sinn im Leben und in der Zukunft. Meine Ziele und Träume die ich für die nächsten Jahre hatte, meine Mama habe ich bei allem eingeplant, wir hatten so viel vor zusammen, und jetzt ist sie weg und am Ende ist eh alles egal, weil dann sind wir tot und einfach nicht mehr da.

  • Im Moment habe ich einfach keine Lust mit meinen Schwestern oder Vater zu reden. Ich habe nicht nicht wirklich das Gefühl dass sie sich für mich interessieren oder wirklich Liebe empfinden. So wie das bei meiner Mama der Fall war. Mein Vater wird dann wütend und heute meinte er mal wieder, was ich denke, wer ich bin und seine Antwort darauf ist immer: Ein Niemand. So etwas möchte man doch hören. Ich frag mich immer, wieso meine Mama sich nicht einfach von ihm getrennt hat, dann wären ihre letzten Jahre vielleicht etwas schöner gewesen.

  • Hallo Sophie,


    das hört sich wirklich nicht schön an, wie dein Papa mit dir spricht. Das macht sogar mich sehr traurig :(


    Ach ja, das kenne ich. Meine Mama hat auch immer gesagt, wenn wir Kinder nicht wären, wäre sie schon längst weg. Ich wollte auch seit ich 12 war, dass sie sich scheiden lassen. Irgendwann mit 19 hat mein Papa mir dann gesagt, dass ihn meine Aussage damals sehr traurig gemacht hat. Aber geändert hatte sich bis zuletzt nichts. Er ist ein absoluter Gutmensch, aber er kann einem mit seinen Worten sehr oft sehr weh tun. Und mit dem Alter wird es leider auch immer schlimmer...

    Ich habe auch immer gesagt, wenn er nicht mein Vater wäre, würde ich wohl nichts mit diesem Menschen zu tun haben. Andererseits würde er für uns durchs Feuer gehen...und sich für jeden Menschen und jedes Tier einsetzen, der/das Hilfe braucht...es ist ein Zwiespalt.


    Vielleicht plagt deinen Vater das schlechte Gewissen? Und das macht ihn selber unzufrieden und wütend und er lässt es an dir aus? Es muss ja irgendeinen Grund geben, der ihn zu solchen gemeinen Aussagen treibt...was natürlich keine Entschuldigung ist.


    Vor einer Woche habe ich einen Termin im September mit einem Medium gebucht. Ich bin sehr gespannt. Irgendwie gibt es mir Hoffnung, was man da liest. Das macht es mir zurzeit auch etwas leichter. Ich hoffe so sehr, dass ich nicht enttäuscht werde.


    Ich hoffe, dass du jetzt mehr an dich denkst und dein Au Pair noch durchziehst, wenn es dich "glücklich" macht. Ein wenig den Kopf frei bekommen...


    Liebe Grüße,

    Linda

  • Liebe Linda D. ,


    vielen Dank wieder für deine lieben Worte.


    Genau so war es bei mir auch, ich hab auch oft zu meiner Mama gesagt, trenn dich einfach, aber sie hat es nicht gemacht, vielleicht hat sie ihn irgendwo noch geliebt, ich weiß es nicht, leider.

    Das verstehe ich mit den Worten, die Menschen in der Familie können einem manchmal am meisten weh tun. Mein Papa würde hoffentlich auch durchs Feuer für uns gehen. Sei froh, dass das bei dir immerhin ist. Vielleicht liegt es an dem Y Chromosom, das Väter aus der älteren Generation so sind.


    Ich denke, durch meine Aussage, das meine Mama sich von ihm trennen wollte, ist er sauer geworden und ja vielleicht plagt ihn das schlechte Gewissen.

    Wir haben uns jetzt erstmal wieder vertragen, aber mal sehen.


    Wow, "cool", ich schreib es mal in Gänsefüßchen, das es halt der Situation geschuldet, cool ist. Ich wünsche dir auch, dass es gut und erfolgreich wird. Ich wollte das auch machen, aber die meisten sind einfach zu weit von meinem Wohnort weg. Erzähl dann unbedingt davon ! Wo wirst du es machen ?


    Wie geht es dir sonst zur Zeit?


    Liebe Grüße

    Sophie

  • Linda D.


    Ich habe gerade von dir eine Nachricht vom 02. Februar gelesen, als ihr den Obduktionsbefund bekommen habt. Ist zwar auch schon wieder etwas her, aber das tut mir unendlich leid, nicht mal auf die Ärzte kann man sich verlassen. Werdet ihr das Krankenhaus denn verklagen ?


    Und darf ich fragen welches Uniklinikum das war, also in welcher Stadt?


    Ich machen mir immer Schuldgefühle, ob wir nicht eine zweite Meinung hätten holen sollen, dann wäre sie in einem anderen Krankenhaus vielleicht gerettet worden.

  • Liebe Sophie,


    vielen Dank für deine genaue Beschreibung deiner Gefühle und der Momentanen Situation in der Du dich befindest. Ich verstehe Dich sehr gut wie Du Dich in dieser Situation mit deinem Papa fühlst. Aus der Erfahrung weiß ich das jeder Mensch die Trauer anderster verarbeitet gib Dir und deinem Papa Zeit. Schau was Du in der Momentanen Situation brauchst was dir gut tut. Wie war deine Mama? Was hat Sie für Dich so besonders und wertvoll gemacht?


    Viel Selbstführsorge und Annahme wünsche ich Dir


    Maik

  • Lieber Maik.Holmer ,


    Danke für deine Worte. Ich werde es mir zu Herzen nehmen.


    Meine Mama war toll und einzigartig. Sie hat ihre Mama selber verloren, da war sie erst 23 und ihre Mama 52. Meine Mama hat das nie richtig verarbeitet bzw. ist damit klar gekommen, denke ich. Sie hat Jura studiert und war somit Volljuristin. Mein Opa, also ihr Papa hat schöne 1 Jahr nachdem ihre Mama tot war, eine neue Frau gehabt. Meine Mama hat uns immer erzählt, dass sie ihrer Mama versprochen hatte, dazu nichts zu sagen, wenn das passiert, was so es später bereut hat. Denn die Frau war eine ziemlich falsche und meiner Mama immer nur schadende Person. Dadurch hat sich der Kontakt zu ihrem Papa auch immer mehr gelegt bis vor ca. 10 Jahren gar kein Kontakt mehr war und er ist dann auch 2013 oder 2014 gestorben. Er war auch Alkoholiker.


    Meine Eltern haben sich erst spät kennen gelernt, meine Mama war 37 als die mich auf die Welt gebracht hat und mein Papa war 38. Meine Mama hat sich immer Kinder gewünscht, hat sie uns immer erzählt, schon als sie klein war. Eigentlich wollte sich meine Mama ca. 1 Jahr nachdem ich geboren wurde von meinem Papa trennen, aber dann hat sie s nicht getan und als sie 40 war kamen meine Schwestern, Zwillinge. Wir hatten eine tolle Kindheit, meine Mama hat aufgehört zu arbeiten, nachdem ich da war und war somit immer für uns da, meine Papa auch mehr oder weniger. Dann gab es ziemlich Probleme mit Geld und Allem und meine Mama bekam als sie ca. 48 war Depressionen, Therapien haben nichts genützt. 2014 bekam sie ihre erste Lungenentzündung, die sie zu Hause gegen den Rat des Arztes auskuriert hat. Ich war in der höchsten Phase meiner Pubertät und eine echt böse Person, mein Papa war auch nicht hilfreich, deswegen wollte sie uns nicht alleine lassen. 2015, als wir in Ungarn waren, ging es ihr auch extrem schlecht, mein Papa wollte nicht nach Hause und hat nicht geholfen, obwohl meine Mama gefühlt fast gestorben wäre, was sie hatte Wissen Wir nicht .

    Ihre Depressionen wurden schlimmer Unfall auch ihre Gesundheit, meine Mama hatte immer starke Atemnot und musste immer husten. Sie ist nie zum Arzt gegangen, auch weil sie wahnsinniger Angst, wegen ihrer Mama, davor hatte . Ich wollte ihr immer helfen, aber sie wusste nicht wie.

    Und dann im Oktober 2019 ging es ihr richtig schlecht, wie in meinem ersten Beitrag beschrieben. Ja und dann folgte ihr Tod am 18.11., 5 Tage nach dem 18. Geburtstag meiner Schwestern.


    Seit dem hab ich das Gefühl in fern Hölle zu sein.


    Meine Mama war für mich alles. Sie war meine Mama, meine beste Freundin und teilweise auch Therapeutin. Wir hatten eine sehr enge Bindung, zum Glück. Wir haben und alles erzählt. Hatten die gleichen Interessen, Wie ins Theater gehen, malen, klassische Musik, zusammen über das Leben Philosophieren und und und. Mein Highlight war immer, wenn sie dann aufgestanden ist, hat immer sehr lange geschlafen, wahrscheinlich durch die Krankheit. Oder nenn ich von der Schule oder einer Party kam, ich hab mich ner auf sie gefreut, sie war halt auch immer für uns da und hat uns mit ewiger Liebe und Begeisterung zugehört, die tollste Mama auf der welt. Dazu kam, das sie hochintelligent war(IQ 146) und sie so viel wusste, sie war wie ein Lexikon und wusste gefühlt alles über Politik und Geschichte.

    Sie ist mein Ein&Alles, mein Fels in der Brandung, ich bin so am Ende mit allem. Es ist so schrecklich, ich will einfach nicht ohne sie leben.

  • Hallo liebe Sophie,


    vielen Dank für deine zeitnahe Rückantwort und deine wundervolle Art wie Du alles was Du fühlst und empfindest zum Ausdruck bringst. Es ist eine besondere Verbindung die Du und deine Mama hattet wie Du das so liebevoll zum Ausdruck bringst. Ich finde es sehr wohltuen für Dich und das erfüllt mich zugleich das Du hier so wundervolle Menschen hast die an Dich glauben Dir Kraft Mut und stäke auf deiner ganz persönlichen Trauerreise geben. Ich habe schon 3 Menschen in meinem Leben verloren und weiß wie die Gefühle und die intensive Zeit sich anfühlt. Mal angenommen deine Mama wäre in der gleichen Situation wie Du was würde Sie Dir mit auf den Weg geben was Dir positiv helfen würde? Was würde Sie sich für deine Zukunft wünschen?


    Lichtvolle Grüße am Abend wünsche ich Dir

    Maik

  • Lieber Maik.Holmer ,


    Danke für deine Antwort. Ja das finde ich auch.

    Darf ich fragen ob es deine Verwandten oder Freunde waren? Und mein herzliches Beileid!!


    Im Grunde war meine Mama ja schon in der gleichen Situation, als sie mit 23 ihre Mama verloren hat. Aber wir haben nicht über diese Fragen gesprochen.

    So eng unser Verhältnis war, weiß ich es nicht. Sie würde sich vermutlich wünschen, dass ich das mache, was mich glücklich macht, aber im Moment macht Mitbringsel nichts glücklich und ich sehe einfach im Moment den Sinn des Lebens nicht.

    Ich habe auch sehr große Angst vor der Zukunft, da sie nicht mehr da sein wird und mir helfen kann😞

  • Hallo liebe Sophie,


    ich freue mich von Dir zu lesen. Ich hab seit Mittwoch eine Erkältung und durfte die Tage im Bett liegen und mich schonen. Heute geht es mir ein bißchen besser so das ich mir die Zeit neheme um Dir gerne zu schreiben. Wie geht es Dir? hast Du auch schönes Wetter wie wir hier im Allgäu. Ich finde die Sonne tut richtig gut auch mir mit meiner Erkältung. Was machst Du bei diesem tollen Wetter?


    Liebe Sophie vielen Dank das Du so einfühlsam fragst, es war mein damals bester Freund der mit 18 gestorben ist, die Mutter meiner besten Freundin ist vor 2 Jahren gestorben diese habe ich noch die ganze zeit begleitet auf ihren Weg zur anderen Seite und letztes Jahr im Dezember meinen geliebten Opa der kurz vor Weihnachten gegangen ist. Aus diesem Grund heraus weiß ich sehr gut wie du dich fühlst.


    Liebe Sophie Du schreibst ,, Sie würde sich vermutlich wünschen, dass ich das mache, was mich glücklich macht " das hast Du sehr gut erkannt*g* Was wäre das ? Probiere für Dich im kleinen heraus zu finden was dir ein gutes Gefühl gibt? Wichtig ist und das hat mir auch geholfen in die aktivität zu kommen. Auch darfst Du liebe Sophie an Dich und deine ganz persönlichen Kräfte und Fähigkeiten in Dir glauben. Entdecke Sie und lebe Sie sie sind ein teil von Dir. Wie sieht dein Plan für deine Woche aus? eine Idee wäre einen Spaziergang mit einer Freundin oder freund zu machen in die Natur zu gehen das tut gut.


    Lichtvolle Grüße zu Dir

    Maik

  • Hallo Sophie,


    entschuldige die späte Antwort. Aber Corona verlangt uns allen wohl gerade viel ab. Mein Baby ist doll erkältet und schläft nachts wenig, weint viel...und da der große nicht in der Kita ist, weil die zu haben, kann ich mich tagsüber leider auch nicht erholen. Ich bin müüüüde!


    Und dann noch die Angst, dass mein Papa sich eventuell anstecken könnte...


    Ich werde das Treffen in Hamburg machen. Und die Uni Klinik ist im Norden, aber ich möchte sie gar nicht groß erwähnen. Die Ärzte waren wirklich toll...aber das ganze Gesundheitssystem ist eine absolute Katastrophe! Es gab einfache keine Einzelzimmer oder Hepa Räume, die meine Mutter gebraucht hätte. Stattdessen war sie mit anderen kranken Menschen zusammen. Eigentlich unverantwortlich, da ihr Immunsystem komplett auf Null war und alles sie getötet hätte...oder musste stundenlang auf dem Flur warten, vor und nach Untersuchungen, wo alle Besucher an ihr vorbei gegangen sind und hat gewartet, dass sie wieder abgeholt wird. Es ist wirklich schlimm...solche Zustände in einem solchen Land, vermutlich fast überall, dürfen nicht sein.


    Ach ja, jetzt rege ich mich wieder zu sehr auf...


    Ich hoffe, es geht dir gut und du bleibst gesund!


    Liebe Grüße,

    Linda

  • liebe Sophie und liebe Linda,


    ich habe alle eure Beiträge gelesen... und kann vieles mitempfinden...

    Meine Zeit hier im forum ist LEIDER immer begrenzt, weil ich wie ihr ja auch...

    ein Leben ausserhalb des Forums habt...

    deswegen

    schreibe ich jetzt ...

    keineswegs nur...

    mein tiefes MIT-Gefeühl und euch einen heilsamen Austausch miteinander und mit anderen Trauernden und den Mederatoren...

    dennoch auch schreiben

    durch die verbindende Trauer

    <3Grüsse Sverja