Mein Vater

  • Liebes Rienchen, liebe alle,


    Rienchen, lieben Dank für deine Zeilen. Ja, es ist eigentlich wirklich schön, wenn jemand etwas hinterlässt. Meine Schwiegermutter war darin sehr gut. Nicht nur war alles für ihren Tod geordnet, sondern sie hat auch allen Briefe und Andenken hinterlassen. Als hätte sie gewusst, dass sie unvermittelt sterben wird. Dein Verlust tut mir sehr leid. Deinen Mann zu verlieren, der dich sicher sehr lange begleitet hat, muss furchtbar sein. Aber ich bin mir sicher, du behältst ihn, wie er war, in deinem Herzen. Das erinnert sich ja auf ganz besondere Weise.

    Gestern hat das Pflegeheim meines Vaters angerufen und wollte von mir etwas über ihn wissen, damit sie besser mit ihm sprechen können. Ich fand das sehr nett und der Pfleger war sehr amüsiert, als ich ihm erzählt habe, dass mein kulturbeflissener Vater einen ganz furchtbaren Film- und Fernsehgeschmack hatte. Unterste Schublade von Action und Hau-Drauf-Filmen, das war seins. Da konnte ich zum ersten Mal an ihn denken und mich nicht mehr schlimm fühlen. Das war schön und ein kleiner Ausblick darauf, wie es vielleicht einmal sein wird, wenn ich nicht mehr voll Trauer und Schmerz an ihn und die anderen denke, sondern voll Dankbarkeit und mit einem Lächeln. Im Augenblick ist es leider noch nicht so weit. Heute kam ein Brief vom Betreuungsgericht mit einem Gutachten für das Pflegeheim. Zu lesen wie ein Außenstehender meinen Vater sieht, war nicht schön. Da stand, dass er kaum noch Kontrolle über seinen Körper hat und es dem Gutachter nicht möglich war, eine einzige Antwort auf eine Frage zu bekommen. Klar ist das so. Aber es schwarz auf weiß zu lesen, wie schlimm es ist, lässt mich daran denken, wie er sich fühlen würde, wenn er wüsste wie es um ihn steht. Er fände es schrecklich. So auf Hilfe angewiesen zu sein, so vor sich hin zu vegetieren. Ich bin mir sicher, in den wachen Momenten findet er es schrecklich. Und ich weiß nicht gut, wie ich ihn dabei begleiten kann, von hier aus. In diesem letzten, einsamen, schwierigen Stück seines Lebens. Manchmal überlege ich nochmal Elternzeit zu nehmen. Dann hätte noch mal mehr Zeit hinzufahren und etwas mehr da zu sein. Und auch etwas mehr Zeit das Ganze zu verarbeiten. Vielleicht wäre das eine gute Lösung.


    Liebe Grüße

    Cildie

  • liebe Cildie<3:30:<3

    Heute hatte ich das Gefühl dir schreiben zun "wollen" , auch ist es ein schreiben "zu können...

    Da sind wir in einem Seelen- bzw. Alltagszustand den wir alle hier haben . Auch DU<3

    Ich glaube das wir alle die "nur" Lese- und nicht Schreibphase haben , weil wir alle möglichen Empfindungen ja auch betrachten , erleben und ja auch manchmal "hinten anstellen müssen" um den Alltag zu schaffen und JA , auch Kraft zu sammeln um bewusst durch das Leben zu gehen ...

    Das will ich dir immer und immer wieder schreiben<3

    der Pfleger war sehr amüsiert, als ich ihm erzählt habe, dass mein kulturbeflissener Vater einen ganz furchtbaren Film- und Fernsehgeschmack hatte. Unterste Schublade von Action und Hau-Drauf-Filmen, das war seins. Da konnte ich zum ersten Mal an ihn denken und mich nicht mehr schlimm fühlen

    da musste ich lächeln. Bei meinen Eltern waen es auf einmal Rosamunde Pilchers Bücher und die Filme nicht so sehr , aber auch. Ich glaube der Mensch ist einfach vielfältig in seinen geistigen Erlebniswelten.;) Ja, sehr , sehr schön das der Pfleger gefragt hat ! Das spricht für dieses Heim

    kleiner Ausblick darauf, wie es vielleicht einmal sein wird, wenn ich nicht mehr voll Trauer und Schmerz an ihn und die anderen denke, sondern voll Dankbarkeit und mit einem Lächeln.

    Ja, das kann durchaus so sein.Alles was du jetzt denkst und fühlst kann passieren .

    Heute kam ein Brief vom Betreuungsgericht mit einem Gutachten für das Pflegeheim.


    Ja, alle amtlichen Schreiben sind eine schmerzhafte Belastung....

    Fühle dich mitfühlend umarmt. <3<3

    Vielleicht kannst du es bald so sehen , das sie ja keine andere Lebensgeschichte mit deinem Papa hatten wie du?

    Ssie sehen den Menschen in dem jetzigen " ISTLeben der bei deinem Papa ja so ist , das er Hilfe braucht. Das ist immer als Kind schwierig zu akzeptieren , wie wir ja wissen...Traurig wissen...


    So auf Hilfe angewiesen zu sein, so vor sich hin zu vegetieren.

    Zitate sammeln ist nicht unbedingt das hilfreichste weil es ja nicht der GESAMTHEIT entspricht. doch ... vielleicht kannst du dich von der Vorstellung "vor sich hin zu vegetieren " lösen ?

    Es ist wirklich eine "andere Bewusstseinwelt die dein Papa jetzt erlebt....

    Wenn er wache Momente hat dann ist er mehr in "dieser Welt" und zieht nicht Vergleiche. Wenn er es gemacht und ausgeprochen hat zu euch dann wäre es vielleicht ein Weg sich Rat zu holen von dem Pflegepersonal und dem betreuenden Arzt.

    Ja, eine letzte schwierige Lebenszeit liegt vor ihm und euch allen....

    Doch einsam ist er nicht. Deine Mutter besucht ihn und er ist ja auch in einem Heim wo es schon einfach durch bestimmte tätigkeiten zu einer etwas Lebhaftigkeit kommt.

    Mit Elternzeit nehmen habe ich nicht völlig verstanden.

    Elternzeit haben kenne ich nur durch Erzählungen von meinen Kindern bei ihren Kindern .

    Meintest du eine berufliche Auszeit von deiner Seite ?

    das ist einesteils gut , doch birgt es auch Schwierigkeiten für deinen Mann und eure Kinder. Sie brauchen dich auch. Die Schwierigkeit heutzutage ist ja häufig diese das man wie bei dir auch , weit auseinanderwohnt und nicht wie "früher" in der gleichen Stadt oder gleichem Ort oder sogar gleichen Haus...

    Da ist es wirklich mehr gegeben , mehr Zeit zusammen zu verbringen und ja, auch zu pflegen.

    Vielleicht setzt du dich erst einmal gedanklich mit allen Vorstellungen auseinander. Ab morgen hat ja Deutschland wieder schmerzhafte Regelungen wie ein Zusammenleben überhaupt möglich sein kann. Traurig ...weil durch impfen vieles anders wäre----


    Zum Abschluss möchte ich dir schreiben , das ich es so GUT <3:24::30:<3 finde , das du viel über alles was real in deinem Leben passiert und ebenso empfindungsmässig hier mit uns TEILST.

    Alles LIEBE dir und allen deinen LIEBEN in aller SEINS<3Vielfalt<3

    wünscht dir deine<3Sverja


  • Liebe Sverja und alle,


    es ist mal wieder eine ganze Weile ins Land gegangen, seit ich geschrieben habe. Eigentlich ging es ganz gut. Corona hat mich auf Trapp gehalten, da ich in einem Beruf arbeite, in dem ich Menschenkontakt absolut nicht vermeiden kann. Aber sonst...gar nicht schlecht, wenn man die letzten 19 Monate als Referenzrahmen nimmt:-).

    In den letzten Wochen habe ich vorsichtig angefangen, mich auf Weihnachten zu freuen. Wir wollten dafür meinen Vater zum ersten Mal wieder aus dem Pflegeheim nach Hause holen und, vielleicht ein letztes Mal, mit ihm feiern. Erst war ich skeptisch - das Pflegeheim musste gleich Anfang November wegen eines Coronafalls schließen, ich dachte, das geht jetzt so weiter. Aber dann war nichts mehr. Anfang der Woche machte ich mir eher Sorgen um mich und die Kinder und hoffte, dass wir nichts mitbringen würden, zu Weihnachten. Die Schulen gingen ja praktisch bis zum letzten Tag. Und dann schien alles gut: PCR-Tests für uns alle gebucht, Geschenke gekauft - wir würden wahrscheinlich wirklich fahren könnten. Bis ich gestern einen Anruf meiner Schwester auf dem Handy hatte - ich solle schnell mal zurück rufen. Das Pflegeheim hat einen Coronafall - den Zimmernachbar meines Vaters.


    Das Ganze ist so ätzend. Nicht nur, dass Mein Vater jetzt 14 Tage in Quarantäne ist und wir ihn nicht sehen können. Das Pflegeheim war auch bis heute Nachmittag nicht in der Lage ihn aus dem Zimmer zu verlegen. Bei allem Verständnis, vor allem für den Wunsch des Pflegeheims die anderen alten Leute zu schützen - das war ganz schön hart. Mein Vater hat jetzt zwei Nächte mit seinem coronapositiven Mitbewohner in einem kleinen Zimmer geschlafen. Bei einem 80jährigen chronisch Kranken habe ich da doch meine Zweifel, ob die Boosterimpfung hält.

    Und dann kommen wieder die doofen Gedanken - wird er jetzt krank werden und vielleicht daran sterben? Habe ich dann die ganze Zeit seit Oktober, in der ich doch mal hätte noch fahren können, verschwendet? Hätte es noch bessere Möglichkeiten gegeben, mich zu kümmern? Kann ich ihn jetzt gar nicht mehr sehen? Wird Weihnachten nicht furchtbar traurig und sollte ich mir nicht für die Kinder alle Mühe geben, fröhlich zu wirken? Weihnachten ist so merkwürdig. Als Kind war es komplett magisch. Als Erwachsene, dann lange Zeit einfach nur schön. Und, seit ich eigene Kinder habe, vor allem anstrengend. Aber jedes Jahr kam noch ein wenig kribbelig Vorfreude auf - spätestens, wenn wir kurz vor der Bescherung, Spazieren waren. Und abends, wenn die Ruhe sich über das Haus senkte und ich nochmal auf den Balkon trat, um auf die Stille Umgebung zu schauen. Wie wird es dieses Jahr? Wir bei meiner Mutter, zum ersten Mal ohne meinen Vater, wissend, dass er ganz allein ein paar hundert Meter weit weg liegt. Freude ist wahrscheinlich zu viel verlangt.


    Was habe ich neulich in einem Buch von Benedict Wells gelesen: Das Leben ist kein Nullsummenspiel. Soll heißen, nur weil ganz viele blöde Dinge passiert sind, heißt das noch lange nicht, dass jetzt ein paar Gute passieren. Aber ich hätte es mir sehr gewünscht. Ein Weihnachten nochmal mit meinem Vater unterm Weihnachtsbaum, einem Spaziergang mit meiner besten Freundin und vielleicht zwei Flocken Schnee. War alles ganz schön viel dieses Jahr und die ganzen letzten Jahre. Vielleicht reicht es für dieses Weihnachten einfach, dass die Kinder sich freuen und wir ein paar schöne Momente haben. Und vielleicht können wir bei meinem Vater mal von außen an den Balkon klopfen. Alles wirklich nicht schön. Aber ich bin mir sicher, für viele von euch ist Weihnachten auch alles andere als leicht und ihr würdet euch vielleicht wünschen, eure Lieben nochmal durch eine Balkontür zu sehen - in diesem Sinne versuche ich nicht ganz so traurig zu sein, über etwas, was sich wie eine vertane Chance anfühlt.


    Liebe Grüße

    Cildie

  • liebe Cildie <3:24::30::24:<3

    und ALLE die das lesen<3


    ich bin gestern "geboostert" worden und bin deswegen JETZT etwas müde<3

    Ich wollte dir, liebe Cildie wenigstens nur kurz schreiben<3:24:<3

    god Jul<3:saint:<3

    morgen oder eher übermorgen mehr

    <3Sverja

  • Liebe Cildie,


    oh nein, =O ich verstehe all Deine Gedanken und Deine Angst.

    Ich hätte da auch nicht nur Angst sondern Panik.

    Du hast recht die Boosterimpfung schützt ihn hoffentlich doch noch gut.

    Das schlimmere ist das Weihnachten damit ausfällt und ihr nicht mal zu ihm könnt das ist mehr als schmerzhaft ich würde durch drehen.

    Nur leider kann man daran kaum was ändern.


    Schreib einfach wir sind da, ich nehme Dich in den Arm.:30:


    Vlg. Linchen

  • liebe Cildie<3:24::30:<3


    heute, JETZT etwas ausführlicher.

    Ich habe glaube ich ja schon mehrmals erwähnt das ich 73 Jahre alt bin, bald 74 <3

    aus diesem tiefen Grunde habe ich auch ganz andere Weihnachtserinnerungen.

    Ich habe keinen Grossvater kennengelernt durch den Krieg.

    Manche Kinder haben dadurch auch nie ihren Papa kennengelernt . Das waren einige ältere Kinder aus der Nachbarschaft..,


    Erst ziemlich spät in meinem Kindheitsleben hatten wir ein Auto und konnten dann, wie wir auch einmal fast 500 km , ein andermal gut 350 km entfernt von meinen Grossmüttern wohnten sie zu Weihnachten besuchen...


    kleine lustige , fröhliche Einlage

    das war ein Opel und darin waren meine Mutter vorne mit unserem Hund auf dem Schoss und wir 3 grösseren Kinder mit meinem jüngsten Bruder in einer diese Babytragetaschen... und natürlich das Gepäck und die kleinen Geschenke.

    Keine Sicherheitsgurte gab es damals...

    wir sangen Weihnachtslieder:) nicht perfekt aber aus vollem Herzen<3:)


    Ja damals gab es kein Corona und alle diese Bestimmungen und Möglichkeiten...

    Ich meine das absolut NICHT moralisch<3:!:<3:24::30:

    Aber jedes Jahr kam noch ein wenig kribbelig Vorfreude auf - spätestens, wenn wir kurz vor der Bescherung, Spazieren waren. Und abends, wenn die Ruhe sich über das Haus senkte und ich nochmal auf den Balkon trat, um auf die Stille Umgebung zu schauen

    GENAU so kann es doch werden<3:saint:<3

    Ich wünsche es dir von ganzem Herzen<3

    DANKE das du uns wieder einmal geschrieben hast


    Sverja,die mit ihren Kindern und Enkeln und Freunden auch im Moment entweder telefoniert , wunderbare gegenseitige Videos austauscht, Sprechnachrichten versendet , Whats App Telefonate mit Bildsicht und manchmal skypt...

    das haben wir jetzt ALLE hier an Möglichkeiten

    und immer LIEBENDE Verbindungsenerge<3

    god jul<3:saint:<3 deine Sverja

  • Liebes Linchen, liebe Svenja und alle,


    ganz lieben Dank für eure schnellen und schönen Antworten. Ja, Linchen, ich hab auch ein wenig Panik geschoben und musste mir dann ein wenig gut zureden, damit es nicht ganz schlimm wird. Schlimm ist natürlich, dass ich ihn jetzt gar nicht sehen kann, aber bisher ist er negativ - das ist ja eine echt gute Nachricht.

    Sverja, danke für deine tolle Nachricht. Ja, ich denke ich im Augenblick auch immer öfter darüber nach, wie viel weniger selbstverständlich früher Dinge waren. Wie zum Beispiel bis über 40 einen Vater zu haben:-). Die ganze Coronasache hat mich sehr in meinem Gefühl von Sicherheit, Kontrolle und Schutz getroffen - und gleichzeitig gezwungen, etwas entspannter zu werden. Ich bin noch immer überhaupt kein Fan der Tatsache, dass man offenbar sehr wenig im Leben unter Kontrolle hat - beginne aber langsam einzusehen, dass es so ist:-).

    Weihnachten war doch noch ganz schön - zumindest in Teilen. Wirklich ein wenig magisch war, dass es Heiligabend gescheit hat und der Schnee auch noch liegt - das ist ja selten. Die Kinder sind Schlitten gefahren und mein Mann und ich waren immer mal fröhlich und traurig. Irgendwie gehört es jetzt zusammen.


    Ich hoffe auch ihr hattet Fröhlichkeit in Allem und ich danke euch!

    Liebe Grüße

    Cildie

  • Liebe Cildie,


    gott sei Dank, das sind erst mal gute Nachrichten das er negativ ist.

    Ja es war teilweise sehr schön, habe Mama gespürt zwischen uns, Papa und mir als wir in der Küche gewirbelt haben.


    Ich denke man muss sich daran gewöhnen das der Schmerz einfach da ist und an solchen Tagen warscheinlich mehr als an anderen.

    Ich möchte es eben so weiter machen das würde Mama so wollen.

    Papa möchte das auch.

    Papa kann ja kochen er hat die Gans gemacht weitestgehend und ich Rotkohl und Soße und dann noch den letzten Schliff für die Gans.

    Am Heilig Abend gab es wie immer Kartoffelsalat und Thüringer Rostbratwurst natürlich echte extra bestellt, die bekommt man hier sonst nicht.


    Papa war ja heute bei uns zum Essen.

    Es gab Bohnen in Serranoschinken eingewickelt und gebr. Pellkartoffeln und Rinderfilet und selbstgemachte Kreuterbutter lecker.


    Ja so geht die Zeit dahin und ist gut beschäftigt jetzt ist Ruhe und da kommt die leere zurück oder man bemerkt sie einfach extremer genauso wie diesen Druck auf der Brust.


    Vlg. Linchen

  • Liebe Cildie 💖

    Wieder einmal schreibe ich dir JETZT nur kurz 💕.

    Ja, das Leben mit seinen vielen Erlebnissen und vor allem Gefühlen ist nicht zu kontrollieren...


    Ich finde das sogar gut weil es meine innere Lebendigkeit, die ja auch als Facette den Schmerz beinhaltet von mir gefühlt wird.

    Schön, daß die Booster Impfung nach wie vor wirkt 💓👍💓

    Komme mit deiner Familie weiterhin durch diese besonderen Tage bis ins neue Jahr.

    DANKE💐 das DU durch jedes Schreiben auch mir neue Sichten gibst

    Deine💗Sverja