Mein Vater

  • Hallo ihr alle,


    ich hab mich eine Weile nicht mehr gemeldet. Die Arbeit, Schuleinführungen und die alles, was durch den Tod meiner Schwiegermutter erledigt werden musste, hatte mich fest im Griff. Langsam wird es ein wenig ruhiger und ich kann mich wieder mit dem beschäftigen was von zu Hause kommt. So richtig gut ist es nicht. Meinem Vater geht es schlechter und meine Mutter ist immer mehr überfordert. Und ich habe das Gefühl, seine Krankheit hat mir die ganze Familie genommen. Meine Schwester und meine Mutter sind sich sehr ähnlich. Und obwohl ich sie sehr gern habe, ist es anstrengend, dass es ihnen so schwer fällt, Entscheidungen zu treffen. So waren es immer mein Vater und ich, die das getan haben. Jetzt ist mein Vater eigentlich nicht mehr da (das fühlt sich immer so gemein an, das zu schreiben) und die beiden fänden es, glaube ich gut, wenn ich Entscheidungen treffe. Aber wenn ich das mache, dann finden sie sie nicht gut. Ich fühle mich so allein. In dem halben Jahr Pflegezeit, das ich mir genommen hatte, habe ich ganz viele Entscheidungen zäh gegen den Widerstand meiner Mutter und teilweise meiner Schwester durchgedrückt. Sachen wie Pflegebett, Pflegedienst, einen Notfallknopf, Pflegestufen... Jetzt, zwei Jahre später, hat meine Schwester zugegeben, dass wir ohne all das in der Katastrophe gelandet wären, und, dass sie das falsch eingeschätzt hatte. Ich rechne ihr das hoch an, dass sie das sagt und sie ist auch echt in vielen Dingen toll, aber ich fühle mich trotzdem so allein. Ich mag nicht mehr ständig mit meiner Mutter kämpfen, die wirklich, wirklich irrational wird. Es sei ihr gegönnt mit fast 80, aber sie ist die Hauptpflegeperson, schafft es nicht mehr, will aber keine 24-Stunden Pflege, will nicht, dass mein Vater ins Heim kommt, will nicht dass er länger in die Tagespflege geht, trifft Absprachen mit uns und macht es dann doch ganz anders.

    Und ich weiß nicht, wie ich es richtig machen soll. Für meinen Vater, der zu Hause bleiben möchte, aber dort nicht mehr gut versorgt werden kann, für meine Mutter, die sich selbst kaum eingestehen kann, dass sie es körperlich nicht mehr schafft, dem Wunsch ihres Mannes nachzukommen, für meine Schwester, die gerne mit einbezogen werden will, aber grade ein neues Baby hat und der alles zu viel ist. Ich habe das Gefühl, ich soll der Teamkäpitän sein, aber keiner im Team macht mit. Ich mache mir Sorgen, wie wir da rauskommen, wenn das alles vorbei ist. Total zerstritten? Unglücklich, weil wir falsche Entscheidungen getroffen haben? Es ist so schwierig alle Bälle in der Luft zu halten - die Vergangenheit zu bewahren, die Gegenwart anzuerkennen, als den Mist, der sie grade ist und die Zukunft nicht kaputt zu machen. Dazwischen funkt die Trauer, die auch Raum haben möchte. Und dann gibt es ja noch das "normale" Leben mit Kindern, einem Mann der grade heftig traurig ist und dem Job, der durch eine kontrollwahnige Chefin auch grade schwieriger ist, als er sein müsste.

    Früher hatte ich das Gefühl, ich werde von allen Seiten gestützt. Jetzt habe ich das Gefühl, alle Seiten stützen sich auf mich und das ist ein wenig viel auf einmal.


    Danke fürs Lesen und Svenja - ich hoffe es geht dir gut!

    Cildie

  • Lieber Cildie,


    es scheint so als wäre Dir ganz klar was ist und was sein muss.

    Leider unterscheidet sich das oft von dem was sich der jenige und wir als Familie uns gewünscht hätten.

    Es ist leider so und das ist schwer, und nicht immer umsetzbar.

    Leider das braucht Zeit, das braucht Raum und auch Deine Trauer ist völlig berechtigt und noch ist Dein Vater da aber eben nicht mehr der der er war und das tut weh, auch das will verarbeitet werden.

    Das es für Deine Mama ganz ganz schwer ist verstehe ich da kommt vieles dazu.

    Du solltest aber mit Deiner Schwester ein klärendes Gespräch führen es kann nicht sein das Du gegen Windmühlen kämpfen musst.

    Auch was Deine Mama angeht notfalls wirklich Hilfe dazu holen einen Arzt der ihr klar sagt es gibt Grenzen....er muss ja richtig versorgt werden das ist für ein 80 jährige meiner Erfahrung nach nicht zu schaffen.

    Selbst wenn Du und Deine Schwester mitmachen ist das schwer, kleines Baby das wird nichts, berufstätig auch kaum möglich.

    24 Stunden Pflege wenn das noch möglich ist wäre eine Option.


    Es tut mir leid das Du dich so aufs kämpfen konzentrieren musst anstatt auf deine Trauer und der Verarbeitung dessen was kommt und was ist.


    Vlg. Linchen

  • Liebe Cildie<3


    wie so häufig hat Linchen1  <3 vieles angesprochen was so traurig, dich belastend wahr ist....

    Es tut mir leid das Du dich so aufs kämpfen konzentrieren musst anstatt auf deine Trauer und der Verarbeitung dessen was kommt und was ist.

    das ist die wahre Quintessenz die dein Leben ja gerade so anstrengend macht meinem Gefühl nach<3:24::30:

    Ich kenne das...

    Es war zwar eine völlig andere Pflege bei meinen beiden , jetzt ja schon "lange" verstorbenen Eltern ...aber es war ähnlich...

    Ich glaube wirklich das es SEHR vereinfacht ausgedrückt

    SEHR vereinfacht !!!


    Es gibt Menschen die "müssen" tatkräftig handeln, sind die Stütze , sind die "Macher"

    und

    "müssen" damit ,wie du jetzt und ich auch immer wieder einmal in meinem Leben damit innerlich KLAR kommen..

    Es akzeptieren ohne Groll auf andere zu haben, vor allem nicht auf die eigene Familie...


    Glaube mir wenn du magst ?!? Du zerbrichst nicht daran, du wirst auch vermutlich das alles "gut" schaffen, weil du dein ganzes Leben so in diesen Grundzügen wahrst...

    Meine Erfahrung ist selbst wenn es zu grossen Unstimmigkeiten kommt... ALLE merken mit der Zeit das der Weg des soweit wie möglichen planens ein bestmöglicher gangbarer Weg ist<3:!:


    noch eine Empfehlung<3:24::30:<3

    schreibe hier vielleicht öfter in DEINEM Haus zur Entlastung wenn du MAGST... Es kann hilfreich sein<3

    und Svenja - ich hoffe es geht dir gut!

    es geht mit GUT<3:saint:<3

    im "unüblichen" Sinne gut .


    Ich werde ENDLICH am Ende dieses Monats bei der Geburtstagsfeier meiner jüngsten Enkelin in Deutschland sein. Sie zum ersten Mal real sehen , anfassen dürfen<3:):)<3

    und

    gleichzeitig weiss ich und fühle tief mit , das wieder ein Mensch mit den belastenden Wirkungen einer Chemo kämpft und mit allergrösster Wahrscheinlichkeit ein verkürztes Leben haben wird...


    Ich bin gefühlsmässig in tiefer DANKBARKEIT das ich relativ gut leben darf <3:saint:<3


    Fühl dich stärkend umarmt <3:24::30::24:<3

    deine<3Sverja

  • Liebe Linchen1,


    vielen Dank für deine Antwort. Es ist so merkwürdig, dass ihr hier manchmal Dinge auf den Punkt bringt, die ich selbst nicht so verstehe - ja, ich wünsche, mir, dass ich mich aufs Abschiednehmen konzentrieren kann, denn das ist an sich schon so anstrengend. Danke, ich nehme deine Worte und dein Mitgefühl mit, wie einen kleinen Schatz:).

  • Liebe Sverja,


    es tut mir leid - die Autokorrektur hat mal wieder deinen Namen verschlimmbessert. Lieben Dank für deine Worte. Ja, ich glaube dieser Kampf, der hat mich damals krank gemacht und deshalb macht er mir jetzt solche Angst. Ich habe heute früh gedacht, ich würde die Verantwortung so gern an die beiden Zweifler abgeben. Aber wie denn? Der neue Sohn meiner Schwester ist grade mal eine Woche alt und meine Mutter hat wirklich genug zu tun. Aber danke, dass du sagst, dass ich das schaffe. Ich hoffe es. Ich merke, dass ich mit meinen Gedanken so sehr dort bin. Und eigentlich wäre ich gern hier, bei meinen Kindern, die nur einmal so cool und toll sind, wie sie jetzt grade sind.

    Oh man, und dann wünsche ich mir manchmal, dass es vorbei ist. Und dann fühle ich mich wieder richtig schrecklich, dass ich so etwas denke. Ihr alle würdet so viel dafür geben, wenn ihr nochmal mit euren Angehörigen sprechen könntet, aber es ist echt hart. Ich möchte ihn nicht so in Erinnerung behalten. Krank, gebeugt und merkwürdig riechend und sabbernd. Er hat immer so sehr auf sein Äußeres geachtet, es war ihm so wichtig fit und tatkräftig zu sein und ich kenne keinen Menschen, der so einen scharfen Verstand hatte, wie mein Vater. Ich vermisse die Unterhaltungen mit ihm so sehr. Diese Krankheit hat ihm alles genommen. Es gibt sicher schlimmere Krankheiten, mit größeren Schmerzen, aber auf ihre Art ist Parkinson furchtbar: schleichend aber unaufhaltbar zerstört sie alles, aber sie tötet den Menschen nicht, sondern lässt ihn weiterleben, in einem Zustand, den sich niemand wünschen würde.

    Vielleicht wäre es besser, wenn ich dort wäre. Jeden Tag ein wenig helfen könnte, aber hier aus der Ferne, bin ich so hilflos und wenn wir da sind ist es jedes Mal ein Schock.


    Ich hoffe du hast Recht und ich schaffe das "gut".


    Ich freue mich sehr, dass du bald deine jüngste Enkelin sehen darfst :-). Das ist so schön, die Menschen zu sehen, die wichtig sind. Ich wünsche dir eine gute Reise und freue mich, dass es dir im unüblichen Sinne gut geht. Dir auch ganz viel Kraft.


    Viele Grüße

    Cildie

  • Lieber Cildie,


    ich kann Dich so gut verstehen ähnlich hab ich das als junge Erwachsene mit meiner Oma erlebt, es tut unglaublich weh einen Menschen so zu sehen das ist ganz schlimm und dann zu wissen das nicht mehr viel Zeit ist bis zum endgültigen Abschied das ist einfach unglaublich schmerzhaft und gleichzeitig wünscht man sich diese Erlösung für diesen geliebten Menschen und das ist einfach grausam....dieses zerreißen zwischen dem einen und dem anderen.


    Auch bei meiner Mama sah ich diese Veränderung nach der Katastrophe 2017 nach diesen Beatmungsgeräten deswegen weiß ich auch was daraus entstehen kann und ich wünsche das niemanden diese Angst und diese Angst was wird.

    Sie hat sich super erholt aber nur bis zu einem gewissen Grad, Hilfe brauchte sie trotzdem sich waschen, Haushalt Einkaufen alles das normale ging ohne Hilfe nicht mehr, und auch ihr Gehirn vieles musste man ihr aufschreiben oder mehrmals sagen, Arzt Gespräche musste ich immer nach telefonieren da sie sich das nicht merken konnte.

    Medikamente musste Papa machen.


    Es waren nur Kleinigkeiten aber sie war einfach vergesslicher der Kopf wollte nicht immer so richtig und je nach dem wie der Sauerstoff im Blut war gab es bessere Tage und schlechte, aber im Grunde war es in Ordnung, man konnte so alles normal mit Ihr besprechen es gab eben einfach mal Ausetzer.


    Aber es war eben eine Störung da duch diese Zeit an dem Beatmungsgerät und wir wissen wussten auch nicht wie lang ihr Gehirn kein Sauerstoff mehr erhalten hatte 2017. Das sie sich so gut erholt hatte war eigentlich ein Wunder selbst die Ärzte waren überrascht.

    Hätte also noch ein bisschen haben können ein bisschen ein paar Jahre mehr aber nein es sollte nicht so sein und so leide ich vor mich hin...und suche Wege damit zu recht zu kommen irgendwie irgendwann.


    Vlg. Linchen

  • Hallo ihr Lieben,


    irgendwie ist heute der Tag, an dem ich hier schreiben muss. Die letzten zwei Wochen waren so intensiv, da war kein Platz für Trauer und heute hatte ich zum ersten Mal Zeit, da hat es mich gleich voll erwischt.

    Ich verabschiede mich ja schon seit einer Weile von meinem Vater, damit hatte ich immer irgendwie gerechnet. Womit ich aber nicht gerechnet hätte, war, dass es auch einen Abschied von der Familie bedeutet, die wir waren. Wir waren eine tolle, enge Familie und eigentlich dachte ich - gut, mein Vater ist krank, aber wir anderen drei werden noch immer da sein, uns stützen und gemeinsam erinnern. Und so ist es gar nicht. Meine Mutter ist nur noch mit der Pflege für meinen Vater beschäftigt und meine Schwester und ich, die in zwei verschiedenen Städten wohnen, wechseln uns mit Heimfahren ab, damit möglichst oft jemand da sein kann. In den letzten 1,5 Jahren habe ich meine Schwester so einen Nachmittag gesehen und meine Mutter nur im absoluten Stresszustand. Eigentlich sind wir alle nur noch im Stresszustand, seit fast vier Jahren. Das ist irgendwie nicht ok so. Und ich merke, wie wir alle total darunter leiden. Da verliert man, zusammen mit dem Kranken, auch noch alle anderen dazu.

    Und ich weiß, ich bin Mitte 40, habe eigene, tolle Kinder und trotzdem fällt es mir so schwer, mich von meinen Eltern und der Familie, aus der ich komme, zu verabschieden. Das ist, als würde ein ganzes Stück von mir Wegbrechen. Da gibt es Dinge, die haben nur wir miteinander erlebt, Witze, die nur wir verstehen und Rituale, die es nur bei uns gibt. Das ist, als würde ich von einem großen Stück von mir Selbst tschüss sagen und gleichzeitig geht eine Gewissheit - dass diese Menschen immer für mich da sein werden.

    Vermutlich heißt das Erwachsenwerden - dass man wirklich ein Stück weit auf sich selbst gestellt ist. Erwachsenwerden macht grade nicht so doll Spaß. Was soll das denn ersetzen - die Familie, die dich 40 Jahre begleitet hat? Bleibt da einfach immer ein Loch und das Leben ist jetzt einfach immer ein bisschen blöder? Immer ein wenig unsicherer? Oder heißt es einfach sich darauf einzustellen, dass nichts von Dauer ist? Lebt man da irgendwann wieder gut mit?

    Ich glaube, ich brauche wirklich mal wieder etwas Gutes. Mein ehemals toller Job hat sich in den letzten Jahren in einen bürokratischen Alptraum verwandelt, seit wir eine neue Chefin haben, mein netter Mann ist grade (verständlicher Weise) einfach nur traurig, Freunde habe ich durch Corona nicht so viele gesehen und meine Familie in der Heimat...na ja. Vielleicht gibt es so Zeiten im Leben, in denen alles blöd ist. Ich war offenbar sehr glücklich und sehr verwöhnt, bisher. Ich hoffe echt, das geht irgendwann vorbei.


    Liebe Grüße

    Cildie

  • Liebes Linchen,


    oh man, da hast du ja auch einen Weg hinter dir:-(. Es tut mir leid, dass du deine Mama irgendwie auf Raten und dann doch offenbar plötzlich verloren hast. Du machst mir ja keinen großen Mut, dass das in der nächsten Zeit besser wird - aber es ist ja eine große Sache, die Mama oder der Papa. Bist du denn schon ein Stück weiter gekommen oder ist noch immer so schwierig wie am Anfang?


    Liebe Grüße

    Cildie

  • Liebe Cildie,


    das ist ganz normal, es bricht was weg natürlich....das lässt sich nicht vermeiden.

    Ich bin bockig wie ein kleines Kind, schreie weine nach Mama will und kann diese Wirklichkeit nicht akzeptieren und doch sagt mir mein Erwachsens ich bin ja auch etwas über 40....Du musst das ist der Lauf der Dinge egal wie schwer und das bockige Kind brüllt lass mich in Ruhe nein nein nein....und alles gerät aus den Fugen.


    Nichts ist mehr so wie es war und das wird auch nie wieder so sein....Papa ist der letzte der noch da ist und die Angstzustände sind massiv, viele Alpträume und teilweise versucht Mama mir zu helfen in diesen Träumen sie taucht plötzlich auf...für kurze Momente und ich wache auf.


    Mein Leben mein Weg alles liegt in Trümmern und ich weiß nicht weiter....ich funktioniere aber das wars auch und das seit 17 Monaten.

    Ich kann diese Freude diese pure Lebensfreude einfach nicht mehr empfinden und das ist etwas wogegen ich massiv ankämpfen weil ich diese Dunkelheit nicht gewinnen lassen will.

    Weil ich weiß das Mama das nicht will.

    Ich denke das auch Dein Papa das niemals wollen würde...weder für Dich noch Deine Schwester noch Deiner Mutter.


    Ich wünsche Euch ganz ganz viel Kraft um irgendwie zu einem Punkt zu gelangen gemeinsam zu entscheiden was getan werden muss um für Euch als Familie eine Erleichterung zu haben und vielleicht in Ruhe und Würde Abschied nehmen zu können.


    Vlg. Linchen :24:

  • Liebe Cildie <3 und eigentlich auch liebe Linchen1  <3


    Da hatte ich so viele Zitate gesammelt und lasse sie jetzt dennoch einfach weg....

    Weil Zitate auch ja nur ein Bruchstück von den Gedanken und Gefühlen wiedergeben und somit noch mehr die Gefühle der Trauer UND des Lebens welches wir gerade führen dadurch noch mehr reduzieren.


    Ganz , ganz klar ist das wahrhaftig ALLES anders gworden an Gefühlen , den Begegnungen und sogar den Erinnerungen die man in der Schwersterkrankung eines Menschen erlebt.. Das klingt alles vielleicht etwas "abgehoben"...


    Meine Mama hatte einen massiven , schweren Schlaganfall nach 2 Herzinfarkten die weiter zurücklagen

    Iin den Zwischenzeiten war sie noch sehr kreativ und reiselustig und ein optimistischer Mensch. Sie flog noch mit meinem Papa zu ihrem 71 Geburtstag (im Dezember) nach Australien zu meinem Bruder und dessen Familie. Das Bild wo sie strahlend mit meinem Papa in einem Sommerkleid dasteht , steht jetzt eingerahmt auf meinem Schreibtisch. Sie kamen dann nach 4 Monaten zurück und kurz darauf bekam sie den Schlaganfall , der sie auch äusserst hilfbedürfsdürftig machte. ...äusserst hilfsbedürftig


    Ich schreibe das nicht , wie glaube ich keiner <3 um den anderen , jetzt gerade dich , liebe Cildie<3 und dich , liebe Linchen<3 zu belasten. sondern eigentlich um ein tieferes Verbindungsgefühl zu erschaffen..


    Es folgten 2 Jahre intensiver Pflege ähnlich wie bei euch beiden und vielen anderen hier ...

    UND

    ich bin der festen Ueberzeugung das einige sich aus LIEBE gewünscht haben , dieses Leiden wäre endlich vorbei.


    Ich habe die letzten Tage es meiner Mama zutiefst gewünscht..., Wir alle als Geschwister waren zusammen bei meinen Eltern (mein einer Bruder war auch aus Australien hergeflogen) haben das ALLE gewünscht . Auch unser Papa... das unsere Mama ENDLICH erlöst würde.


    Ich finde es ist sogar ein " Liebesgeschenk" sich das zu wünschen. Es ist ja keine Hartherzigkeit , sondern meinem Gefühl nach ist man sensibel und emphatisch ...

    Es ist der Wunsch nach Erlösung von Leiden...

    Das Bild des kranken Vaters liebe Cildie <3 kann durchaus nach 2 bis 4 Jahren verblassen und dein Papa der er den grössten Teil äures Familienlebens war wird wieder SEHR präsent...tritt mehr und mehr in den "Vordergrund"<3:) 


    Bessere Zeiten<3:24:;(:30::):8:<3

    natürlich kommen sie <3:!: doch völlig anders wie vorher <3:!: obwohl sie irgendwie dennoch "gleich " aussehen<3:24:;(:30::):8:<3


    Ich war heute mit meiner Freundin in Oestersund behördliches erledigen und shoppen und bin meinem Hobby , dem fotografieren nachgegangen.

    Wir waren essen, haben whatsapp Austausch mit Menschen die erst "kurz " trauern , die real den Menschen bei der Chemo jetzt gerade begleiten gehabt.

    Haben Menschen gesehen die Asyl beantragenh

    haben alte Menschen mit Rollator oder im Rollstuhl fahren gesehen ,

    haben durchtrainierte Jogger laufen gesehen, haben Menschen eingehackt schlendern gesehen , haben jung Verliebte gesehen

    haben Kinder lachen , schelmisch blickend , schmollend , weinend gesehen.

    Haben immer noch Segelboote auf dem Storsjön erblickt und vom Anblick her geniessen dürfen ...und ...und ...und


    Das ist JETZT mein neues , buntes "gutes" vielfältiges Leben... Es ist für mich ein völlig :!:völlig:!: völlig:!: anderes Leben und keineswegs nur durch den Umzug nach Schweden sondern weil die Trauer sich auch permanent mitverändert .


    Sie ist völlig , täglich , ja stündlich MIT in meinem Leben...

    Nur grösstenteils milder.


    Liebe Cildie <3:24::30::24::30:<3

    GUT <3:24: GUT<3:24::30: das du den heutigen Tag zu deinem "Schreibtag erkoren":thumbup:<3hast.


    Vergiss wenn möglich das "weiter kommen" .

    Es verändert sich "einfach ALLES"

    und

    siehe oben unsere Tagesbeschreibung und das JETZT gerade schreiben an dich , an eigentlich ebenso an mich und alle die dies lesen...

    Es hilft uns glaube ich allen....

    Dazu muss ich aber schreiben das ich 73 Jahre alt bin und dies natürlich mein Leben und meine Sichten prägt.

    ich wage zu schreiben

    ha det bra (schwedisch und heisst soviel wie " habe es GUT") was immer es auch für jeden Einzelnen bedeutet.<3:24::30::)<3

    <3lichst Sverja

  • Liebe Sverja, liebes Linchen,


    vielen Dank für eure Antworten, die beide auf ihre eigene Art gut tun. Zu wissen, dass es irgendwann eine neue Sicht aufs Leben geben kann ist schön und irgendwie ist es aber auch tröstlich zu wissen, dass andere ebenso mit der Trauer zu kämpfen haben, wie man selbst.

    Ich habe neulich mal gelesen, man solle "das Gute mit dem Schlechten nehmen". Ich habe es so verstanden, dass, wenn möglich, beides Raum haben sollte - die Trauer, aber auch die schönen Momente. Ich würde mich freuen, wenn ich das schaffen könnte:-).


    Gestern war die erste große Familienfeier ohne meine Schwiegermutter. Kurz davor hat es mich nochmal richtig erwischt, der ganze Schock, dass sie so plötzlich gestorben ist, kam hoch und mir ging es einen halben Tag nochmal richtig schlecht. Seitdem ist es aber etwas besser, was erleichternd ist. Trotzdem war die Feier merkwürdig. Die Großmutter meines Mannes hat ihren 100. Geburtstag gefeiert und ich glaube so viele haben daran gedacht, dass seine Mutter nur 64 geworden ist. Da ist es wieder, das Schöne und das Traurige beisammen.


    Dann habe ich heute früh mit meiner Mutter telefoniert, die schon wieder damit hadert, meinen Vater für zwei Wochen in Pflege zu geben, obwohl sie selbst wirklich am Ende mit ihren Kräften ist. Sie hat mir dann erzählt, dass beide meiner Onkel grade im Krankenhaus sind. Einer hatte gestern einen Herzinfarkt (zum Glück sieht es ok aus), der andere musste in die Klinik, weil seine Sauerstoffsättigung so schlecht ist (er hat COPD). Das kam (bis auf meinen Vater) alles so plötzlich - die Geschwister haben es gut bis 80 geschafft und jetzt brechen sie auf einmal alle gleichzeitig weg. Das ist ganz schön hart. Mit einem Onkel bin ich aufgewachsen, er hat bei uns im Haus gewohnt, zum anderen habe ich kein enges Verhältnis, aber er war eben trotzdem immer da und ich weiß, wie schlecht es meinen Cousinen gehen wird, wenn er stirbt. Grade hadere ich mit der geballten Ladung Abschied, die über mich hinweg rollt. Wäre es nicht möglich, wenigstens ein paar Jahre dazwischen zu haben? Muss das so zusammen kommen? Aber vermutlich ist es einfach so. Und bisher hatten wir großes Glück und sind verschont worden. Trotzdem nicht einfach.


    Ich hoffe du, Sverja hast eine wunderschöne Zeit mit deiner Familie und Linchen - danke für deine Wünsche und dir auch ganz viel Kraft

    Viele Grüße

    Cildie

  • Liebe Cildie,


    ja leider kommt meistens alles zusammen, ich kenne das seit dem ich ein kleines Kind bin immer wieder in Abständen, trotzdem macht es die Sache nicht besser, wenn man immer wieder Menschen verliert, dazu kamen natürlich auch viele viele Tiere irgendwann fehlt die Kraft für immer wieder Abschiede.

    Es tut einfach nur weh.


    Wobei Mama immer da war, jetzt ist sie nicht mehr da, mein alles mein Seelenmensch damit leben ist schwer.


    Vlg. Linchen

  • liebe Cildie <3:24::30:<3


    ich habe alles schon gelesen<3 und antworte dir und Linchen1 <3 ausführlich entweder heute Abend oder morgen weil ich ganz, ganz viel noch "Vorwintervorbereitung heute habe bis ich abfliege. Der erste Schnee kann hier im Jämtland schon Mitte Oktober fallen...


    Komme auch heute bestmöglich "gu" in deiner gelebten TRAUER in vielschichtiger Weise durch den heutigen Tag

    :24::30::24::30:<3<3<3<3 Sverja

  • liebe Cildie<3:24::30:<3 ,liebe Linchen1  <3


    ich bin einfach zu müde um lange zu schreiben.

    Es ist für mich einfach so das Trauer und Freude , eine sanfte Freude ganz dicht beieinander liegen..

    Aalso Tränen und Wehmut und lächeln weil ich etwas Schönes sehe oder die Erinnerung ein ein Erlebnis mehr in den Vordergrund gerückt ist mich beschenkt..

    Eine bestmögliche Nacht wünsche ich euch und mir . obwohl das bei dir ,liebe Linchen wegen der Samtpfote sehr schwer möglich ist

    eure <3 Sverja:24::30:<3:24::30:<3,

  • Hallo ihr alle,


    ich hoffe es geht euch den Umständen entsprechend gut. Ich habe wieder lange nicht geschrieben - der Alltag hatte mich ganz schön im Griff. Mittlerweile haben wir fest entschieden, dass mein Vater in eine Pflegeheim kommen wird, was mich sehr erleichtert. Am Montag fahre ich hin, um ihn ins Heim zu bringen. Ich hoffe er wird es gut verkraften.

    Jetzt habe ich vor ein paar Monaten hier begonnen zu schreiben, weil ich traurig wegen meines Vaters bin. Und plötzlich sterben andere Menschen. Erst meine Schwiegermutter im Sommer und heute mein Onkel. Er ist der Bruder meines Vaters und da meine Eltern mit ihm und seiner Familie in einem Haus gewohnt haben, bin ich mit ihm aufgewachsen. Wir hatten kein enges Verhältnis, dafür war er zu wortkarg, aber ich kann mich an keine Zeit erinnern, in der er nicht da war. Gefühlte Stunden am Gartenkaffeetisch jeden Sommer - mein Vater, meine Tante und ich in erhitzen Diskussionen, während mein Onkel sich gemütlich die Pfeife stopfte, sein faltiges Gesicht amüsiert verzog und sich dann zurück lehnte. "Du glaubst es nicht" hat er immer gesagt und "hmm..." ich glaub das war seine häufigste Lautäußerung. Ich bin heute furchtbar traurig. Ich weiß, dass es besser für ihn war. Er war 81, hatte ein schwaches Herz und COPD und als ich das letzte Mal zu Hause war, war es echt gruselig ihn husten zu hören. Aber dass er jetzt gleich stirbt...das hatte ich nicht auf dem Schirm. Ich glaube ich war zu beschäftigt mit der Trauer um meinen Vater und meine Schwiegermutter, um daran zu denken, dass er nicht mehr lange da sein könnte. Mein Vater ist schon so lange krank und seit ca. fünf Jahren auch so krank, dass es sein Leben wirklich einschränkt. Ich weiß noch, wie ich oft ein wenig neidisch gedacht habe, dass mein Onkel, der der ältere Bruder ist, so fit ist. Dann, zu Beginn des ersten Lockdowns, hat der Hund meiner Cousine ihn beim Spazierengehen umgezogen und er zog sich einen komplizierten Bruch am Knöchel zu. Das hieß Krankenhaus, Liegen und danach wurde es irgendwie nicht mehr besser. Letzten Monat ist dann ins Krankenhaus gekommen, um einige Untersuchungen konzentriert machen zu können - und da haben sie ihn nicht mehr richtig fit bekommen. Als er wieder heraus kam, hatte er sieben Kilo abgenommen (ich frag mich wo, er war eh schon so dürre) und konnte nicht mehr laufen. Gestern hat er dann aufgehört zu essen. Heute Nacht ist er gestorben.

    Ich weiß noch, wie wir irgendwann im Winter 1989/90 alle draußen auf der Straße standen und einem Auto voll mit Westverwandtschaft nachwinkten. Während wir Kinder die vielen Besuche total spannend fanden, war es für Erwachsenen wohl ganz schön anstrengend - zumindest machte sich auf ihren Zügen Erleichterung breit, als das Auto um die Ecke bog. Mein Onkel stand neben mir, hatte die Hand noch erhoben und sah, wie ich, ein weiteres Auto mit westdeutschen Kennzeichen um die Ecke biegen - diese Autos wollten immer zu uns. "Du glaubst es nicht" sagte mein Onkel, so resigniert, dass ich anfangen musste zu kichern. Für uns waren das so spannende Zeiten. Ich weiß nicht wie die Erwachsenen es empfunden haben. Aber wenn ich mir überlege, wie anstrengend die Coronakrise mit Familie war, denke ich - das muss heftig gewesen sein. Sie haben uns Kinder da gut durch gebracht. Und ich bin so dankbar, dass da mehrere Erwachsene in meinem Leben waren, die sich gekümmert haben, die sich geholfen haben und zu denen ich gehen konnte, wenn ich etwas brauchte. Ich wünsche das meinen Kindern eigentlich auch. Aber vermutlich geht das allen so, die ihre Kindheit positiv empfunden haben - dass sie sich das für ihre Kinder wünschen. Trotz seiner Grummeligkeit bin ich meinem Onkel sehr dankbar, dass er mein Fahrrad repariert hat, dass er mich nachts abgeholt hat, dass er (fast) klaglos den Kotflügel am gemeinsamen Auto auswechselte, wenn ich ihn mal wieder vor den Pfosten gesetzt hatte und für mein Matheabitur, das ich ohne ihn niemals geschafft hätte. Für die vielen abendlichen Hausaufgabenhilfen in der Oberstufe, für die Schaukelreperaturen, für die Genauigkeit mit der er alles machte, die meinem Vater und mir so abging, für sein Wissen, für seine endlose Geduld, für seine Liebe zu unseren Hunden und seine Grummeligkeit, die mich gelehrt hat, dass ich davor keine Angst haben muss.


    Er war einfach immer da, mit einer Selbstverständlichkeit, die mich nie hat darüber nachdenken lassen, dass er irgendwann sterben könnte. Und ich dachte immer, es ist so toll, so viele Menschen in meinem Leben zu haben. Ich hatte nicht daran gedacht, dass viele von ihnen irgendwann sterben werden. Mein Leben ist grade so von Trauer durchtränkt - ich weiß manchmal gar nicht mehr, wohin ich mich wenden soll. Es tut einfach grade alles sehr weh.

  • Liebe Cildie,


    schön von Dir zu hören....ja schön relativ keiner von uns möchte hier sein und doch freuen wir uns wenn jemand länger nicht geschrieben hat und dann wieder schreibt.


    Du sprichst mit soviel Liebe und Dankbarkeit von Deinem Onkel mit soviel Erinnerungen die Dich auch geprägt haben.

    Das wird bleiben und der Verlust tut mir sehr leid.

    Es tut mir leid das Du generell gerade so eine Phase hast.

    Ich kenne das schon mein ganzes Leben lang immer wieder doch daran gewöhnen das funktioniert nicht.

    Bis jetzt hatte ich immer Mama doch jetzt ist das nicht mehr und das macht mir Angst, dann denke ich wieder warum Angst ein schlimmeren Schmerz als das was ich seit dem 2 April 2020 erlebe kann es nicht geben wird es nicht geben.


    Es sei denn es wäre Papa und auch nicht ganz abwegig er wird 80 und natürlich irgendwann wird das sein....wann das steht in den Sternen ich verdränge es.

    Wir alle verdrängen es denn wenn wir es zulassen würden könnten wir nicht leben.


    Die Angst Mama oder Papa zu verlieren habe ich schon seit einigen Jahren und klar manchmal kam es auch durch in Panikattaken Angstzustände nichts ungewöhnliches wenn man so viele Verluste schon erlebt hat.

    Ich wäre froh gewesen das nicht kennen gelernt zu haben....aber ja es hat mich auch zu dem Menschen gemacht der ich bin.

    Ich habe es immer geschafft meine Dämonen im Zaum zu halten klein zu halten doch dieses mal ist es ein Kampf ein regelrechter Kampf und ich weiß noch nicht was gewinnen wird.


    Ich hoffe das Licht und Mama tut alles damit ich weiter kämpfe und nicht aufgebe.

    Ich hoffe das Dein Papa das gut übersteht soweit das möglich ist, das ihr es gut übersteht als Familie und noch ein bisschen was von ihm habt.

    Dein Papa bemerkt Dich er weiß das Du da bist. Liebe kann das alles umgehen diese Grenzen.

    Ich weiß das ist schwer ganz ganz schwer einen geliebten Menschen so zu sehen der vorher ein starker Mensch war und jetzt nur noch ein Schatten dessen was er war.


    Ihr schafft das bestimmt sei einfach nur bei ihm alles andere ist egal.

    Einfach nur eine Umarmung, wenn es für Dich okay ist.:24::30:


    Vlg. Linchen

  • Liebes Linchen,


    vielen Dank für deine Zeilen. Ja, ich fürchte auch, das ist grade so eine Phase:-(. Es tut mir leid, dass es für dich schon so lange geht. Ende letzter Woche hatte ich mal einen Nachmittag, da war klar, dass mein Vater ins Heim kommt und ein wenig Erleichterung machte sich breit, der Tod meiner Schwiegermutter war schon eine Weile her und, dass es meinem Onkel so schlecht geht, war mir noch nicht klar. Da ging es mir einen halben Tag lang plötzlich mal wieder richtig gut. Ich war fröhlich, hatte Energie und sogar abends noch echt Lust etwas zu machen. Da hab ich gedacht, wie krass...so hat sich das früher immer angefühlt. Und jetzt ist grade alles so anstrengend und traurig. Ich hoffe echt, dass es irgendwann mal besser wird. Ich meine, es ist nicht mehr unerträglich, wie am Anfang - aber gut ist echt war anderes. Ich wünsch dir, mir und uns allen, dass es irgendwann mal wieder einfacher wird.


    Liebe Grüße

    Cildie