Die Zeit verfliegt und nur der Schmerz und die Trauer bleiben

  • Liebe Linchen,


    dann sieht es bei mir daheim jetzt so aus wie es bei Dir aussah.

    Die Unterlagen stapeln sich, jeder Funken Energie wird von mir genutzt um das Nötigste zu erledigen.

    Rechnungen bezahlen, Versicherungen kündigen und so weiter.

    Bloß nichts liegen lassen was dann noch mehr Arbeit nach sich ziehen könnte.

    Die Hausarbeit wird von mir zu den unmöglichsten Zeiten erledigt, aber auch hier nur die gröbsten Dinge.


    Liebe Grüße Ralph

    Trauer. Ein Gefühl als ob Dir jemand bei vollem Bewusstsein das Herz aus der Brust reißt und eine lebensunfähige Hülle zurücklässt.

  • Kommt aber wieder Lieber Ralph es dauert einfach nur.

    Ist bei jedem sehr individuell...ich kenne auch Menschen die dann solche Dinge bis ins kleinste gemacht haben nur um sich abzulenken auch das gibt es, ich weiß zwar nicht wo die die Kraft hergekommen haben, ich hätte das schon rein von der Kraft nicht geschafft.


    Vlg. Linchen

  • Guten Morgen Ralph und alle anderen Mitmenschen,

    wir agieren tatsächlich alle unterschiedlich.

    Ich habe mich in alle Formalitäten hineingewagt, ich wollte es unbedingt selbst und sofort machen, da ich Angst hatte, es später nicht mehr auf die Reihe zu kriegen.

    Es war furchtbar, habe nur gezittert, nicht geschlafen, dauerhafte Albträume, Angst, Übererregbarkeit, Herzrasen und mein Hirn ließ mich oft im Stich, ich konnte nichts behalten und verstand vieles nicht.

    Der Ärger mit Onlineversicherungen oder Behörden, stundenlange Telefonhotlines wo nie einer ranging, man kommunizierte über Chatbots, was für ein Wahnsinn. Mein Mann liebte diese digitale Welt, bei mir war und ist das weniger ausgeprägt.

    Als dann nach ein paar Monaten Land in Sicht war und ich dachte etwas zur Ruhe kommen zu müssen, brach bei mir eine Krankheit aus, die jetzt chronisch ist, ausgelöst durch die schlimmen 6 Wochen als mein Mann die Diagnose bekam und plötzlich nach der 3. Chemo starb.


    Ich kam also auch dann nicht zur Ruhe.


    Wahrscheinlich ist es egal wann man die unliebsamen Sachen erledigt, irgendwann muss es sein und die Trauer und alles Drumherum holt einen immer ein.


    Die Trauerbegleiterin sagte mir, dass viele Trauernde nach einem halben Jahr erst recht in ein tiefes Loch fallen, weil sie erst dann, nach all den organisatorischen Sachen erst richtig merken würden, wie stark die Partner fehlen und nie mehr wiederkommen.


    Ich konnte das damals nicht so richtig nachvollziehen aber jetzt denke ich, da ist was Wahres dran.

    Die Trauerbegleiter haben ja ihre Erfahrungen.


    Lasst uns weitermachen, einfach weitermachen, was anderes bleibt uns nicht übrig.

    Ist man alleine, fällt man in ein depressives Loch, hat man gute Gespräche, die ja selten sind, geht es besser und man spürt sich etwas lebendiger.

    Ein ständiges Auf und Ab. So anstrengend und kräftezehrend.


    Machen wir weiter und tauschen uns aus, das hilft uns immer ein bisschen.

    Seid alle umarmt aus der Ferne.

    Elisa

  • Lieber Ralph, liebes Linchen,

    Ich gehöre auch zu den Menschen die alles macht, weiß aber selbst nicht woher ich die Kraft dazu nehme, eigentlich habe ich sie gar nicht, ich merke nur ich muss was tun, sonst drehe ich durch. Sortiere Papiere usw. Es lenkt mich halt ab. Vielleicht verdränge ich aber damit auch. Ich weiß es selbst nicht.

    LG Karin

  • Liebe Elisa,

    genauso war und ist es bei mir auch, ich habe bis auf den Termin im Bestattungsinstitut alles alleine geregelt, war auch irgendwie stolz auf mich es geschafft zu haben. Es sind bei mir am Sonntag 20 Wochen her. Jetzt merke ich aber immer stärker wie sehr er mir fehlt und das Bewusstsein er kommt nie wieder ist wahnsinnig schmerzhaft. Wie ich oben schon schrieb, versuche ich mich abzulenken um nicht ständig ins Grübeln zu verfallen. Zudem wurde mir jetzt gestern in der Klinik bestätigt dass ich ein neues Knie haben muss, es wird aber nicht gemacht, da ich starkes Übergewicht habe. D.h. ich muss abnehmen. Bin immer schon korpulent gewesen, und seit dem Tod meines Mannes habe ich richtiges Frustessen begonnen. Ich sitze in einem schlimmen Kreislauf, den ich mir im Grunde genommen selbst angetan habe. Also zu all der Trauer die in mir ist, kommt das jetzt auch noch dazu. Und ich fühle mich in solchen Situationen dann furchtbar allein, sonst konnte ich alles mit meinem Schatz teilen. Der mir immer zur Seite stand.

    LG Karin

  • Liebe Karin56,


    ja siehste ich kenne da noch jemanden der das so gemacht hat ich frag mich nur immer wieder wie habt Ihr das gemacht, ich hatte diese Kraft gar nicht ich war soooo kraftlos das normale Arbeiten hat schon soviel Kraft gekostet das für das andere nichts mehr da war.


    Vlg. Linchen

  • Hallo zusammen,


    meinen größten Respekt und Bewunderung für alle die es geschafft haben ihrem Tag wieder so etwas wie eine Struktur zu geben oder zumindest die alltäglichen Notwendigkeit zu erledigen.

    Ich werde da auch irgendwann hinkommen, daran muss ich glauben. Sonst wäre alles sinnlos.


    Liebe Grüße Ralph

    Trauer. Ein Gefühl als ob Dir jemand bei vollem Bewusstsein das Herz aus der Brust reißt und eine lebensunfähige Hülle zurücklässt.

  • Nach dem Treffen mit meiner Trauergruppe ging mir dieser Spruch durch den Kopf und ich denke er passt sehr gut:


    "Lange saßen sie da und hatten es schwer. Aber sie hatten es gemeinsam schwer und das war ein Trost. Leicht war es trotzdem nicht."


    (Astrid Lindgren)

    Trauer. Ein Gefühl als ob Dir jemand bei vollem Bewusstsein das Herz aus der Brust reißt und eine lebensunfähige Hülle zurücklässt.

  • Gestern habe ich mich wieder mal mit meinen Geschwistern betroffen, wir saßen im Café und haben stundenlang über dies und das geplaudert.

    Meine Frau oder ihr Tod waren kein Thema.

    Nachdem wir auseinander gegangen waren und beide nach Hause zu ihren Partnern fuhren, war es wieder still und mir bewusst wie allein ich bin.

    Ich bin anschließend auf den Friedhof gefahren und habe Trost im Gespräch mit meiner Frau gesucht, ich saß dort und habe geweint.

    Bald ist es ein ¾ Jahr her und ich habe den Eindruck, daß ich eher Rück- statt Fortschritte mache. Was ist, wenn dieser Zustand für immer bleibt?

    Ich bin sehr dankbar dass ich hier meine Gedanken freien Lauf lassen darf.

    Herzliche Grüße Ralph

    Trauer. Ein Gefühl als ob Dir jemand bei vollem Bewusstsein das Herz aus der Brust reißt und eine lebensunfähige Hülle zurücklässt.

  • Lieber Ralph,

    Ich habe auch noch 2 ältere Brüder die beide ihre Frauen noch haben. Habe zu einem gar keinen Kontakt mehr seit der Beerdigung und der andere meldet sich ab und an mal. Ich denke sie können damit nicht umgehen, dass mein Mann verstorben ist. Aber dieses zurückziehen von ihnen macht mich noch trauriger. Ehrlich gesagt beneide ich sie darum, dass sie ihre Partner noch haben und ich nicht mehr. Hört sich vielleicht ungerecht an, aber es ist im Moment so.

    Liebe Grüße Karin

  • Lieber Ralph,

    mir geht es ähnlich wie dir.Jörg ist auch im letzten November plötzlich verstorben.Ich habe auch das Gefühl dass ich mal einen Schritt nach vorn mache aber dann wieder einen zurück.

    Ich vermisse ihn ganz schrecklich,und es tut immer noch furchtbar weh.

    Gebe aber die Hoffnung nicht auf,dass es mit der Zeit erträglicher und leichter wird.

    Wünsche dir noch einen ruhigen Tag.

    Glg🌻☀️Elke

  • Guten Morgen ihr Lieben, lasst sie schweigen wenn sie es nicht besser können, ich schweige auch mit den Geschwistern meines verstorbenen Mannes, eigene Geschwister habe ich nicht mehr.

    Ich bin es leid zu hören „du kannst gerne anrufen „, wo von ihnen nichts kommt.

    Ich hatte da auch keine großen Erwartungen.

    Wir müssen uns neue Menschen suchen mit denen wir uns unterhalten können, da sind Trauergruppen gut, ich muss mir eine in der nächsten, 70 km entfernen Stadt suchen, hier auf dem Land gibt es keine.

    Trauer Café ist auch eine Möglichkeit aber wahrscheinlich nicht vergleichbar mit einer Gruppe.

    Ich habe die Erwartungen heruntergeschraubt, mit Familie und auch mit Freunden, wir müssen uns leider neue Wege suchen,

    Ich beneide auch alle, die ihre Partner noch haben und es macht mich traurig und einsam.

    Vielleicht kann man später, aus einer Distanz heraus wieder zusammen kommen.


    Lieber Ralph, ich glaube und hoffe nicht, dass dieser Zustand für immer anhält aber dass er noch eine längere Zeit andauern kann, darauf stelle ich mich schon mal ein und arbeite weiterhin daran, nicht zu zerbrechen und gucken, was ich mit der Gegenwart anfangen kann, damit ich irgendwann eine Zukunft für mich finde.

    Ich wünsche euch ein einigermaßen gutes Wochenende.
    Machen wir weiter, lernen wir zu akzeptieren, dass das Schicksal uns momentan übel mitspielt, wir hatten alle auch lange sehr schöne Zeiten, vielleicht gelingt es uns, dafür ein bisschen dankbar zu sein, auch, wenn wir überhaupt noch nicht loslassen können, wie denn auch…

    Ganz liebe Grüße

    Elisa

  • Liebe Karin,

    es tut mir leid zu hören, daß Du seitens deiner Familie nur wenig bzw. gar keine Unterstützung hast.

    Bei sind es die Mutter und der Bruder meiner verstorben Frau. Mit wem, wenn nicht mit den nähesten Verwandten sollte man denn trauern können?

    Nach dem Tod meiner Frau wurde mir versprochen jederzeit für mich da zu sein und jetzt herrscht seit Monaten nur Funkstille. Das schmerzt mich mehr, als wenn überhaupt nichts gesagt worden wäre.

    Liebe Grüße Ralph

    Trauer. Ein Gefühl als ob Dir jemand bei vollem Bewusstsein das Herz aus der Brust reißt und eine lebensunfähige Hülle zurücklässt.

  • Viele Dank an alle für den Zuspruch und die Unterstützung.

    Herzliche Grüße Ralph :*

    Trauer. Ein Gefühl als ob Dir jemand bei vollem Bewusstsein das Herz aus der Brust reißt und eine lebensunfähige Hülle zurücklässt.

  • Liebe Elisa, lieber Ralph,

    mir wurde auch nach der Beerdigung von allen Seiten gesagt "wir sind immer für dich da" oder "du kannst dich jederzeit melden" davon ist auch bei mir nichts übrig geblieben. Es sind halt die üblichen Floskeln die man so sagt denke ich, denn keiner, außer denen die schon einen Menschen verloren haben, können mit Trauernden umgehen. Wenn mein Bruder mal anruft wird nur oberflächlich gesprochen, aber nicht mehr über meinen Mann. Das tut mir sehr weh, aber so ist es halt, ich muss damit Leben lernen und um nicht ganz den Kontakt zu meinen Mitmenschen zu verlieren mache ich halt auch Smalltalk. Es will halt keiner einen Trauernden um sich haben. Ich habe zum Glück meine Seelsorgerin bei der ich so sein kann wie ich mich fühle und Ende des Monats fängt eine Trauergruppe an zu der ich mich angemeldet habe. Das Trauercafe bei dem ich 1 x im Monat war, hat sich aufgelöst, es kamen außer mir keine mehr dort hin.

    Liebe Grüße Karin

  • Lieber Ralph, liebe Karin und Elisa.

    Auch ich reihe mich in die Gruppe der Trauernden ein, die "anstrengend" für Andere sind. Die meisten Menschen die auf Christophs Beerdigung waren, sind irgendwie "verschwunden". Ich habe einen guten Freund, der schon so oft mit mir geweint hat. Ich glaube, wenn ich ihn nicht hätte wäre ich nicht mehr hier. Der schlimmste Tag meines Lebens jährt sich am 16.8. zum 1. Mal. Diese Zeit im Moment ist furchtbar. Die Bilder sind so nah da.

    Ich weiß, hier kann ich alles schreiben. Wer, wenn nicht wir, versteht uns sonst

    Auch ich hab das Gefühl, ich gehe rückwärts. Wieder zurück an die Tür der Intensivststion und ........Ach Mensch, was für ein Drama und was für eine Sch.... (Entschuldigung).

    Er ist und bleibt mein 38 Jahre alter "Großer "

    immer in meinem Herz ❤️.

    Liebe Grüße, Kathi