Liebe Christine,
ich mache es sehr kurz:
Es geht nicht um Forenregeln, es geht nicht darum, Namen zu nennen, es geht nicht um unterschiedliche Meinungen.
Es geht darum, sich über andere zu stellen. Herablassend auf andere zu reagieren. Darum übergriffig zu sein. Es geht darum, anderen vorzuwerfen, dass man doch bitte genau überlegen soll, was man in einem (Trauer)Forum sagt, ohne sich selbst einen Deut darum zu scheren, ob man anderen weh tun könnte.
Und jetzt etwas länger:
Du schreibst:
Das Forum hat mich immer zur Reflexion meiner selbst geführt. Ich habe gelernt ,durch die vielen Beiträge der anderen mich besser zu verstehen, was ich möchte und was nicht.Und ich finde, dann hat so ein Forum auch einen tiefen Sinn. Es soll einem ja helfen herauszufinden ,wohin der Weg geht.
Und genau an diesem Zitat kann ich wunderbar erklären, was ich meine. Du schreibst, dass "dich das Forum zur Relfexion deiner selbst geführt hat". Aber alles, was danach kommt, ist alles andere, als Selbstreflektion. Du hinterfragst dich kein Stück. DU hast gelernt, DICH besser zu versehen, was DU möchtest und was nicht. Ich, ich, ich.
Und daraufhin schreibst du, dass DANN so ein Forum einen tiefen Sinn hat. Es soll EINEM (du meinst DICH, siehst das aber allgemeingültig für alle), herauszufinden, wohin der Weg geht.
Falsch.
Schön, wenn es für dich so ist. Dann ist das Forum für dich dazu da. Das ist wunderbar, das sei dir unbenommen.
Aber die Menschen hier sind nicht "das Forum". Sie sind nicht dazu da, für DICH zu erfüllen, was DU von dem Forum erwartest. Sie haben ihre eigenen Ziele, Nöte, Ängste, Beweggründe.
Manche suchen Trost. Einfach Trost. Und keine Anleitung für irgendeinen Weg, schon gar nicht eine, die jemand für die einzig richtige hält.
Manche suche Rat. Rat, nicht Anweisungen. Impulse, Anregungen, Denkanstöße und keine wertenden Gebrauchsanleitungen.
Und wieder anderen tut es gut, wenn sie einfach mal rauslassen können, wie sie sich fühlen. Damit verletzen sie niemanden. Und ich sage das jetzt sehr, sehr direkt und man kann mich gerne dafür steinigen, aber wenn jemand einen Hilfeschrei loslässt, indem er oder sie sagt "ich hasse mein Leben" darauf dann in der Form zu reagieren, dass man anregt, dass manche sich besser mal Gedanken machen, was man schreibt - das ist sehr hart gesagt einfach nur frech!
Erst Recht, wenn es von jemandem kommt, der sich Null Gedanken macht, wie seine / ihre eigenen Worte wohl ankommen. Oder möchtest du sagen, dass du je darüber nachgedacht hast, wie das für die vielen Menschen hier, die ihre Lebensliebe verloren haben, wohl kommt, wenn jemand dauernd direkt oder indirekt Kund tut, dass man gut ohne Mann auskommt? Oder wie es kommt, wenn man von der Angst auf einer Krankenhausstation oder vor / in einer bestimmten Situation erzählt und dann kommt jemand daher und berichtet wahre Horrorstories von der Station oder der beschriebenen Situation oder was auch immer, um dann im Anschluss daran als einzig Positives hervorzuhaben, was MAN (als Synonym für den Schreiber des Beitrages) denn alles tolles gemacht hat, damit das alles für alle kein Horror mehr war, weil MAN (gleiches Synonym - ich habe ja verstanden, dass keine Namen zu nennen offenbar schon ausreicht, dass niemand weiß, von wem man redet *ironie aus*) ja so toll ist.
Schon mal drüber nachgedacht, dass DAS Dinge sind, die anderen, schon gar nicht demjenigen, der die Angst kund getan hat, mal so gar nicht hilft? Ganz im Gegensatz dazu, wenn jemand einen emotionalen Ist-Zustand beschreibt.
"Ich hasse mein Leben" ist so ein emotionaler Ist-Zustand. Und sowas darf und MUSS in einem Trauerforum seinen Platz haben.
Und um wieder auf den Absatz zurück zukommen, den ich von dir zitiert habe:
Im Anschluss an diesem Absatz sagst du:
Stillstand bedeutet Rückschritt.
Mit welcher Berechtigung sagst du das? Genau das meine ich und untermauert alles, was ich grad versuche, dir zu erklären, worum es hier geht. Das ist kein emotionaler Ist-Zustand. Das ist auch keine Meinungsäußerung. Zumindest nicht so, wie du es geschrieben hast. Du schreibst es als Fakt.
Aber das ist es nicht. Es ist eine Aussage, die, wenn sie so faktisch da steht, für Menschen, die grad orientierungslos sind, sehr schmerzhaft sein kann. Denn vielleicht ist Stillstand für manche ein Innehalten. Oder es ist gar - und in einem Trauerforum ganz bestimmt keine Seltenheit - ein absolut unfreiwilliger Zustand.
Da dann lesen zu müssen, dass das ein Rückschritt ist, DAS kann dem ein oder anderen weh tun und ihn oder sie tief runterziehen.
Und sowas machst du dauernd. Du schreibst wie Dinge für dich sind, aber auf eine Weise, dass sie allgemeingültig sind und damit nicht genug: du versiehst es mit Wertungen. Manchmal sind es geradezu regelrechte "Pamphlete", die du da verfasst. (Bewusst in Anführungszeichen, um zu signalisieren, dass es absichtlich überspitzt ausgedrückt ist).
Und genau darum geht es. Sich das Recht rauszunehmen, von sich ausgehend, anderen Vorschriften machen zu wollen was sie wie und ob überhaupt schreiben sollten, ohne selbst auch nur im geringsten die eigenen Worte zu hinterfragen, weil man, wie es scheint, offensichtlich das Maß aller Dinge ist (auch wenn man wiederholt damit kokettiert, dass man selbst ja gar nicht so wichtig ist.)
Und abschließend, weil auch das so super passt:
Du schreibst:
Ein Trauerforum ist kein Facebook oder irgendeine andere Show.
Kann man so sehen. Aber wenn du das so siehst, dann halte du dich aber auch dran. Und nutze nicht jeden Beitrag von anderen dazu, Antworten zu verfassen, die Facebook alle Ehren machen würden!