Liebe Bille,
"Bille hat furchtbar Angst vor der Zukunft" ...
Das ist sooo tief und geht so unter die Haut, denn man (also garantiert sehr viele hier, aber ich kann ja nur von mir mit Sicherheit sprechen) kennen diese ganz eigene Angst. Eine Angst, die mit nichts anderem vergleichbar ist, nicht mal mit Existenzangst.
Ich habe früher immer gesagt: "Ich bin neugierig auf die Zukunft." Als mein Mann starb, wich das schlagartig genau dieser Angst, die du beschreibst.
Damals hätte ich das selbst nicht erwartet, aber diese Neugier auf die Zukunft stellt sich wieder ein und wächst. Aber anders. Komplett anders. Und die Angst, dass da dieser eine, durch nichts zu ersetzende Herzensmensch kein Teil dieser Zukunft ist, bleibt. Aber auch das anders.
Nicht loslassen und dass man Veränderungen am liebsten mit einem trotzigem "Geh weg" begegnen möchte, egal welche, und wenn es ist, dass das Lieblingsrestaurant am Lieblingsurlaubsort plötzlich den Besitzer und damit auch die Küche und das Ambiente gewechselt hat, ist ebenfalls etwas, das ich so gut nachvollziehen kann.
Und wenn die Veränderung dann ein derartiger Erdrutsch ist - da kann man nicht mal mehr von einem Schock sprechen, das geht durch und durch und ist einfach nicht zu verstehen und nicht zu akzeptieren. (Elster hatte da absolut Recht - wenn jemand frisch in der Trauer ist, dann hat dieses Wort noch eine ganz andere Bedeutung und alleine es zu lesen ist wie einem großen, bedrohlichem Fleisch gewordenem Schreckgespenst gegenüber zu stehen. Ich bin da übers Ziel hinaus geschossen, als ich das geschrieben habe, bitte entschuldige. Am besten ist, das Wort einfach zu ignorieren und ihm vielleicht sogar einen bildlichen Tritt zu verpassen, wenn es versucht, sich ungefragt in dich hinein zu schleichen, solange du noch nicht bereit dafür bist.)
Du scheinst dich ein wenig mit der Frage nach einem Medium zu beschäftigen. Es gibt mindestens eine ganz liebe Seele hier im Forum, die da glaube ich zwei sehr gute Tipps geben könnte, denn ja, das mit dem seriös ist so eine Sache.
Aber nicht nur das: Es muss auch jemand sein, der zu dir passt. Der oder die zu dir, deiner Situation, deiner Befindlichkeit, denen Bedürfnissen und Sehnsüchten passt.
Aber das Allerwichtigste ist, wie du dich dabei fühlst. Wenn dein Herz im Moment sagt: "Nein!" dann hat das Herz die absolute Oberbefehlsgewalt über den Rest, inklusive dem Verstand.
Ähnlich ist es mit dem Fühlen des Liebsten. Wenn du eher Angst davor hast, weil du das Gefühl hast, dass es die nicht stillbare Sehnsucht nur noch verschlimmern würde - dann versuche es nicht mit dem Fühlen.
Und dein Mann wird das auch wissen, denn er kennt dich gut genug. Er wird sich dir nicht aufdrängen, wenn du das nicht willst. Okay, hört sich seltsam an, aber ich denke, so kann man es ausdrücken.
Es ist so wichtig, dass du im Moment nur Dinge annimmst, die dir gut tun und alles, von dem du auch nur einen Hauch von Angst verspürst, dass es dir nicht gut tun könnte, von dir weg schiebst.
Ich kann nur sagen, dass ich dieses sehr deutliche Spüren als unglaubliches Geschenk empfinde. Und nein, es ist keinerlei Leere da, wenn er nicht zu spüren ist.
Aber am Anfang hatte ich auch diese Angst, diese Frage: Was ist, wenn das weniger wird oder weg geht?
Es haben so oft Leute hier geschrieben, dass die "Zeichen" weniger werden, weil "der Punkt kommt, an dem wir klar kommen und unsere Liebsten das wissen".
Davor hatte ich Angst. Dass mein Lohn dafür "klar zu kommen" sein würde, dass ich ihn dann komplett verliere. Also nicht nur physisch.
Aber da kann ich dich beruhigen: Das ist nicht so. Absolut nicht.
Es stimmt: Es ersetzt das physische nicht und es vertreibt auch das "Nie wieder" nicht. Die Sehnsucht bleibt und manchmal knallt sie mit voller Wucht rein, auch nach bei mir jetzt ungefähr 2,5 Jahren. Aber ironischerweise tröstet dieses Spüren dann sehr. Auf einer nicht zu beschreibenden Ebene, aber es ist so.