Ach Mensch, Bettinalein! Komm her, lass dich erst mal ganz fest in den Arm nehmen!
warum will mich nurnkeiner
Das geht direkt unter die Haut und ins Herz - da spricht so viel Einsamkeit, Alleinsein, Verzweiflung raus.
Es tut mir so unendlich leid, dass du da schon wieder durch musst. Letztes Jahr hatte sich das dann ja in der allerletzten Sekunde noch zum Guten gewendet und es kann natürlich gut sein, dass das auch diesmal so ist - auch wenn es letztes Jahr das Stundenkontingent und diesmal direkt das Budget ist - aber ich kann so absolut gut verstehen, dass du kaum Kraft aufbringen kannst, das noch mal durchzustehen.
Das Warten, Hoffen, Bangen, Angst vor der Enttäuschung und permanent ein "was ist, wenn" das einem nicht aus dem Kopf geht.
Ich kenne deine Situation nicht, aber Schulden sind nie einfach mit einem "Schulterzuck" aus dem Blickfeld zu verbannen.
Manchmal sind Schulden etwas, die bedeuten, dass wenn man sie nicht bedienen kann, man dadurch etwas liebgewonnenes oder etwas, das einem wichtig ist, verliert oder man darauf zum Teil oder für eine Weile verzichten muss.
Und manchmal hängen sie auch sehr eng mit Existenzängsten zusammen. Und die sind natürlich entsetzlich.
Du bist ein großes Mädchen, gute Ratschläge wie "melde dich rechtzeitig arbeitslos" oder "schalte sofort eine Schuldnerberatung ein" - die wirst du im Schlaf herbeten können, denn das machst du ja seit einiger Zeit Jahr für Jahr mit.
Es ist die Kraft, die fehlt. Die Angst vor neuen Enttäuschungen.
Und deshalb möchte ich hier etwas ganz anderes machen, als konkrete Handlungsempfehlungen zu geben, denn ich glaube, was du im Moment grad brauchst, ist Mut. Mut, Zuversicht und ein wenig das Bewusstsein dafür, dass Bettinalein wertvoll ist. Und dass es nicht so ist, dass niemand sie haben will.
"Bring Frau Stöckel back".
Die Kinder und Jugendlichen, mit denen du arbeitest. Die wollen dich haben. Das bezahlt nicht deine Rechnungen, wenn kein Budget da ist, das ist klar. Aber es kann dein Herz stärken, um doch zu kämpfen.
Nicht um deinen Job. Um DICH. Kämpfe um und vor allem für dich.
Komme ihnen doch alle zuvor. Lass nicht zu, dass andere die Fänden in die Hand nehmen. Dirigiere selbst.
Setz dich einmal für dich hin und frage dich, was du gerne machen würdest. Und dann gehst du selbst proaktiv beim Arbeitsamt hin, bevor sie dir eine Umschulung unterjubeln wollen, und nimm ihnen das aus der Hand. "Ich möchte nicht immer wieder in dieser Situation sein. Ich möchte, dass sie mich eines Tages nicht mehr als alte Bekannte hier begrüßen, sondern dass sie einen Haken an meine Akte machen können, mit einem Stempel drauf "Erfolgreich dauerhaft vermittelt" und deshalb habe ich mir überlegt, dass ich vielleicht eine Umschulung zur [dein Wunsch] machen könnte."
Da draußen sind Leute, die dich haben wollen "Bring Frau Stöckel back".
Nur etwas, das mit grad einfällt, weil ich denke, dass das zu dir passen könnte: Wie wäre denn die Arbeit statt mit Kindern und Jugendlichen die Arbeit mit Senioren? Ich meine nicht als Pflegerin oder so. Aber da gibt es doch sicherlich einiges, wo eine im Herzen Kind gebliebene musikbegabte Dame für ältere Herrschaften eine Wohltat sein könnte.
Betreuerin zum Beispiel. Etwas ganz anderes, als Pflege. Oder etwas richtig Schönes, über das ich gestolpert bin: Musikgeragogik
Da sind die Jobchancen wohl auch ziemlich gut und das Arbeitsamt müsste eigentlich die Kosten für die Umschulung, die bei deiner Vorbildung nicht wirklich lange dauern würde, übernehmen.
Einfach nur so als Anregungen. Damit du nicht vergisst, dass da draußen ganz bestimmt Leute sind, die dich haben wollen.